Samstag, 9. Mai 2015

Emmy und die Tänzerin - Barbara Petermann

Titel: Emmy und die Tänzerin
Autor: Barbara Petermann
Verlag: Mainbook
Genre: Roman
Seitenzahl: 132
ISBN: 978-3944124773 


„Emmy ist demenziell erkrankt und lebt in einem offenen Altenheim. Auf ihren Streifzügen durch den Ort trifft sie auf verschiedene Menschen und insistiert selbstbewusst auf ein menschliches Miteinander. Begegnungen, die von einem bestechenden, vom jeweiligen Augenblick inspirierten Charme geprägt sind und ihr so einen emotionalen Zugang zu den Menschen gewähren. Die neue Sicht auf die Vergangenheit, die sich für Emmy und die ihr nahe stehenden Menschen in den vielseitigen Handlungssträngen erschließt, ermöglicht einen Perspektivenwechsel. Somit können sie zueinander finden, um voneinander lassen zu können.“




Der Debütroman von Barbara Petermann, die sich selbst für Demenzprojekte engagiert, erzählt auf beinahe philosophische Art und Weise, wie die Betroffenen mit einer solchen Erkrankung umgehen. Ihr Schreibstil ist sehr metaphorisch, was perfekt zu dieser Geschichte passt. Es ist viel Weisheit zwischen den Zeilen, aber auch in den Worten Emmys versteckt. Weisheiten, über die man als Außenstehender erst einmal nachdenken muss!




„Emmy und die Tänzerin“ von Barbara Petermann erzählt die sensible Geschichte einer Demenzerkrankten Frau und ihrer Familie und gibt zeitgleich einen groben Einblick in ein Altersheim. Ich muss hier zu Beginn der Rezension gestehen, dass ich einige Zeit gebraucht habe, um die einzelnen Personenverhältnisse einzuordnen. Ich hatte an manchen Stellen das Gefühl, die Charaktere nicht richtig kennenlernen zu dürfen, aber jetzt, nach Beendigung des Buches, denke ich, dass dies bewusst von der Autorin auf diese Weise in Szene gesetzt wurde.

Emmy, die an Demenz erkrankt ist, lebt in ihrer eigenen Welt, fern ihrer Familie, die ihr auf einmal selbst so fremd vorkommt. Als Leser hat man zu Beginn das Gefühl, es mit einer zerbrochenen Familie zu tun zu haben, aber im Laufe der Geschichte wird klar, dass da viel mehr hinter steckt. Jedes Familienmitglied muss selbst lernen, Verständnis für Emmy aufzubringen und jeder von ihnen schafft dies auf eine eigene Art und Weise.

Interessant bei „Emmy und die Tänzerin“ fand ich, dass die meisten Charaktere eher im Nebel bleiben. Bei den meisten Büchern würde ich dies wohl bemängeln, aber in „Emmy und die Tänzerin“ passt es sehr gut. Ich als Leser konnte so besonders Emmys Gefühle verstehen, die die meiste Zeit selbst in einer Art Nebel liegen. Nur hin und wieder scheint die Sonne in ihr Leben und vertreibt diesen „bösen“ Nebel und ich denke, solche Momente sind besonders bei Menschen mit einer solchen Erkrankung extrem wichtig. Nichtsdestotrotz hätte ich mir an einigen Stellen besonders bei Regine und Alfred noch ein paar mehr Hintergründe gewünscht!




Ich war zu Beginn erstaunt, wie kurz die Kapitel in „Emmy und die Tänzerin“ sind. Es wird oft nur ein kurzer Einblick gegeben, was aber sehr gut zu der Geschichte passt. Wir erfahren abwechselnd kleine Bruchstücke aus der Vergangenheit Emmys, als sie noch Teil einer mehr oder weniger glücklichen Familie war. Im Kontrast dazu steht die Emmy heute, die das Leben nicht mehr auf die Reihe bekommt. Als Leser begleiten wir sie in den Alltag, der zwar auf den ersten Blick normal erscheint, in Wahrheit aber von aller Augen misstrauisch beäugt wird. So versucht Emmy beispielsweise ihre bereits erwachsenen Töchter von der Schule abzuholen oder Einkaufen zu gehen. Schnell wird klar, wie andere Leute über sie denken. Manche Kapitel waren in dieser Hinsicht sehr emotional, vor allem, da schnell klar wird, dass die meisten Leute zwar versuchen, damit professionell umzugehen, aber daran scheitern.

Mit dem Thema Demenz habe ich mich vor dem Buch noch nicht genauer beschäftigt. Bestimmt
habe ich schon einmal einen Film darüber gesehen, aber einen so sensiblen Einblick in diese Welt der Betroffenen (Emmy und ihr ganzes Umfeld) habe ich zuvor nicht bekommen. Als Leser merkt man, dass Barbara Petermann auch selbst eine emotionale Bindung zu dem Thema hat. In dem Buch gibt es nämlich zudem einige Kapitel aus der Sicht der Pflegekräfte, die auch eine schwere Last zu tragen haben.

Am Anfang des Buches habe ich mich etwas schwer getan, mich in die Geschichte fallen zu lassen. Ich denke, ich musste mich erst einmal an den bildlichen Stil anfreunden und versuchen, dass Gewirr am Anfang etwas zu ordnen. Als dann klar wurde, in welchem Zusammenhang die einzelnen Personen stehen, habe ich anfangen können, das Buch zu genießen. Auch die Frage, was es denn mit der Tänzerin zu tun hat, wird am Ende geklärt, was für mich gleichzeitig eine der schönsten Abschnitte des Buches war. Hier wird klar, wie tief verwurzelt die Liebe auch in den Köpfen der Demenzkranken Menschen ist. Die Liebe kann alles überwinden, selbst eine solche Krankheit.

Sehr berührend fand ich auch die Geschichte des Ex-Mannes. Hier wird klar, dass nicht jeder eine solche Last tragen kann. Manch einer braucht Zeit, um diese Last aufzuteilen und besser damit klarzukommen. Barbara Petermann hat wahrlich einen sehr tiefen Einblick in das Leben einer Demenzkranken Frau geschaffen und dabei hat sie nicht vergessen, auch die Probleme der nahestehenden Personen zu schildern. Wie der Klappentext es schon ganz deutlich sagt: „Es gibt ein wahrhaftiges Verstehen jenseits des Verstehens.“ Diese Worte beschreiben das Buch perfekt.




„Emmy und die Tänzerin“ ist ein sehr berührendes und tiefgründiges Buch, das viele Weisheiten beinhaltet! Ich kann das Buch jedem empfehlen, der bereit ist, sich näher mit dem sehr sensiblen Thema „Demenz“ zu beschäftigen!

Ich vergebe 4 von 5 Käseratten.

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