Montag, 15. Juni 2015

[Rezension] Girl reloaded - Christian K.L Fischer

Titel: Girl Reloaded
Verlag: cbt
Erschienen am: 15. Juni 2015
Genre: Jugendbuch
Seitenzahl: 218
ISBN: 978-3-570-30989-6

Vielen Dank an den cbt-Verlag für das Rezensionsexemplar!



„Stell dir vor, du könntest dein Leben abspeichern. Und jederzeit neu laden.

Helen hatte einen miesen Tag: Sie ist in Georg verknallt, den sie eigentlich auf den Tod nicht ausstehen kann, ihre beste Freundin verteilt gerne Ohrfeigen und bei ihren Eltern stimmt etwas nicht. Sie wünschte, sie könnte den Tag neu laden, wie im Computerspiel. Am nächsten Morgen hat Helen ein Déjà-vu nach dem anderen, bis sie plötzlich begreift: Ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen! Plötzlich ist alles möglich …“




Als ich das Buch bekommen habe, war ich erst einmal ein wenig überrascht, dass dieses Jugendbuch von einem männlichen Autoren geschrieben wurde. Ich hatte die Befürchtung, das die Hauptcharakterin eher kühl und weniger weiblich rüber kommen würde, da sich die Sichtweisen von Jungen und Mädchen in der Pubertät stark unterscheiden, doch Christian K.L Fischer hat es wirklich geschafft, die jugendliche Leichtigkeit mit einem Hauch Philosophie aufs Papier zu bringen. Der Stil des Autoren ist zwar recht einfach, aber seine Worte enthalten viele Botschaften. Ich muss sagen, dass ich vom Schreibstil wirklich begeistert bin!





Helen ist eine Protagonistin, mit der ich mich gleich identifizieren konnte. Am Anfang lernen wir sie bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Computerspielen, kennen und erfahren, dass sie eigentlich nicht ganz so typisch „Mädchen“ ist. Sie hat ihren eigenen Kopf, auch wenn man merkt, dass sie noch recht unsicher ist und eher zaghafte Schritte macht, um ihren Weg zu finden.

Urplötzlich wiederholt sich ein ganzer Tag von ihr und sie kann all das verändern, was ihr nachträglich vielleicht als falsch vorkommt. Ist das Leben vielleicht nur ein großes Spiel? Geht es nicht vielleicht nur ums Überleben und das Erreichen der einzelnen Speicherpunkte?

Das Buch hat zwar „nur“ 218 Seiten, aber ich fand es erstaunlich, wie tiefgründig doch die Hauptcharakterin beschrieben wurde. Wir begleiten sie zwar bloß einen einzigen Tag, aber trotzdem hat man das Gefühl, sie mit jeder Offenbarung besser kennenzulernen. Dieser Tag, der wie ein Computerspiel abläuft, gibt ihr die Macht, Dinge zu verändern und sich auszuprobieren. Helen macht Dinge, die sie zuvor nicht getan hat und lernt schnell, dass es nicht wichtig ist, ob man Fehler macht oder nicht. Nein, jede einzelne Handlung ist Teil eines großen Ganzen und sollte auch so betrachtet werden. Es gibt im Grunde keine richtigen Entscheidungen, nur verschiedene Wege, die man gehen kann.




Das Buch hat mich gleich vom Cover her angesprochen. Warum? Na weil ich sowohl die Farbe pink, als auch Chucks abgöttisch liebe. Als ich dann den Klappentext gelesen habe, wusste ich dass ich „Girl reloaded“ unbedingt lesen muss. Klar, die Idee ist nicht neu, aber ich finde, der Autor hat sie auf eine sehr leichte, fast schon spielerische Art und Weise umgesetzt und dennoch sehr viele Dinge über die man nachdenken sollte mit einfließen lassen. Der Autor gibt nicht vor, was falsch oder richtig ist, sondern lässt seinen Lesern selbst die Freiheit dies zu entscheiden. Ist so ein Leben, bei dem man verschiedene Speicherpunkte laden kann, auf Dauer überhaupt möglich? Und wie würde man sich selbst entscheiden, wenn man wie Helen einen solchen Tag verbringen dürfte?

Natürlich ist das Buch auch an einigen Stellen ausgesprochen lustig. Beispielsweise will Helen bei einer Klausur schummeln, aber dann kommt es wie es kommen muss: Sie erreicht den nächsten Speicherpunkt. Dumm gelaufen. Die Geschichte ist nämlich so aufgebaut, dass Helen nicht wahllos den gesamten Tag neu laden kann, sondern immer nur bis zum nächsten Speicherpunkt zurück kann. Bei einigen Situation muss sie deshalb überlegen, wann es klug ist, zurück zu kehren. Aber dies lernt sie schnell und bereits ab Mitte des Buches nutzt sie diese Fähigkeit vollkommen aus und erfährt so manch eine Wahrheit.

In „Girl reloaded“ werden mehrere Probleme Helens dargestellt. Es geht zum Teil um ihre beste Freundin, die von allen P.H genannt wird und die wohl ebenfalls ein kleines Geheimnis hat. Aber auch Helens eigene familiäre Situation wird angesprochen und es geht zugleich um einen Jungen, der ihr wohl an dem Tag, der noch einmal abläuft, etwas „schlimmes“ angetan hat. (Was das ist, erfahren wir erst später.) Das Buch hat keine richtige Liebesgeschichte, was ich auch gut finde. In vielen Jugendbüchern wird die große Liebe vorgegaukelt. Hier ist es nicht so. Auf einer Art und Weise wirkt das Buch sogar sehr erwachsen.

Es geht aber auch um das Verzeihen und die Einsicht darüber, dass man sich in manchen Situationen vielleicht nicht richtig verhalten hat. Helen lernt schnell, das jede Handlung andere Konsequenzen hat und dadurch, dass sie einen Tag lang alles ändern kann, was ihr nicht gefällt, gewinnt sie neuen Mut und ich würde fast sagen, sie findet endlich ihren Weg.

Das Buch hat mich einige Stunden gut unterhalten und gleichzeitig auch zum nachdenken gebracht. Genau das liebe ich so an solchen Büchern, die zwar eine witzige Geschichte beinhalten, aber trotzdem den Blick auf das Wesentliche lenken. Ich kann „Girl reloaded“ aus diesem Grund wirklich weiter empfehlen und hoffe, dass die Geschichte um Helen vielleicht irgendwann weitergeht!




Ein Jugendbuch, das viel mehr in sich trägt, als der erste Blick vermuten lässt! Absolute Empfehlung von mir!

Ich vergebe 5 von 5 Käseratten.

Kommentare:

  1. Erinnert doch ein wenig an täglich grüßt das Murmeltier? ;)

    LG Danni

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    1. Hi Danny ;)
      Das kenne ich leider nicht, aber ja die Grundidee ist ja nicht neu, hab ähnliche Sachen auch schon gesehen oder gelesen. ;) Aber das Buch ist sehr witzig und irgendwie doch anders, als man denkt. ;)

      Liebe Grüße
      Jessi

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  2. Auch ich musste sofort an "Und täglich grüßt das Murmeltier" denken, trotzdem bin ich gerade ziemlich gespannt und habe es mir mal gemerkt. Danke für den Tipp.

    Liebe Grüße
    Corinna

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