Samstag, 7. November 2015

[Rezension] Möchtegern - Milena Moser

Titel: Möchtegern
Autor: Milena Moser
Verlag: Verlag Nagel & Kimche AG 
Genre: Roman
Seitenzahl: 464
ISBN:  978-3312004522 
Cover und Inhaltsangabe © Verlag Nagel & Kimche AG 




„Lange hat sich die erfolgsverwöhnte Schriftstellerin Mimosa Mein dem Medienbetrieb entzogen. Ihre Romane haben ihr allerdings den Ruf eingetragen, das Leben eines mondänen und zügellosen Vamps zu führen. Überrumpelt sagt sie zu, als sie angefragt wird, in der Jury der Sendung "Die Schweiz sucht den SchreibStar" mitzuwirken - als skandalumwitterte "Hasbeen" seien ihr die Stärken und Schwächen der "Wannabes" vertraut, wie ihr der Fernsehredakteur erklärt. Dort wird sie mit den Lebensgeschichten von Menschen konfrontiert, die buchstäblich alles riskieren, um berühmt zu werden. Und Mimosa riskiert fast alles, um ihnen dabei zu helfen. Ein mitreißender, witziger Roman über Schreiben und Ehrgeiz, Freundschaft und Verrat und die tückischen Zufälle des Lebens.“




Heute möchte ich euch ein ganz besonderes Buch vorstellen, auf das ich ganz durch Zufall gestoßen bin und das ich schließlich zusammen mit meinem Mann gelesen habe. Milena Moser hat mit „Möchtegern“ einen Roman erschaffen, der zeigt, wie es in der heutigen Schreibwelt aussieht. Es geht um Erfolg, darum, der Beste und der Einzige zu sein. Jeder möchte einen Roman schreiben, jeder möchte im Rampenlicht stehen und den Erfolg genießen – doch dabei geht es meistens nicht ums „Schreiben“ sondern vielmehr um den Moment NACH dem Schreiben, was Milena Moser hier sehr gut rübergebracht hat.

„Möchtegern“ ist ein kein normaler Roman, der einem roten Faden folgt und ohne Umschweife direkt auf das Ende zusteuert. Viel mehr schlägt er leise Töne, zeigt die Motivation verschiedener Menschen und auch das Leben der Protagonistin, die bereits erfolgreich ist und nun bei einer Talentshow mitmachen soll, in dem der neue Schreibstar der Schweiz gesucht wird. Der Roman nimmt nicht alles ernst, er zeigt vielmehr mit anklagend und mit einem Schmunzeln auf Leute, die wirklich nichts weiter als „Möchtegern“ sind!




Im Fokus des Romans steht Mimosa Mein. Natürlich ist auf dem ersten Blick ersichtlich, dass die Autorin sich selbst hier ein wenig auf die Schippe nimmt und deswegen diesen Namen gewählt hat, was ich ausgesprochen witzig fand! Mimosa Mein hat mit ihrem ersten Buch gleich einen Bestseller geschaffen, einen recht anzüglichen Roman, für den sie heimlich in der Stadtbibliothek recherchiert hat! Sie wird berühmt und führt schließlich ein sehr zurückgezogenes Leben und verlässt kaum noch ihr Haus.

Mimosa Mein stellte für mich eine sehr nachdenkliche, kluge Frau dar. Ich mochte ihre Art, ihre Leidenschaft zu Worten, aber auch ihre Art im Umgang mit Menschen, wobei sie trotz ihres Alters noch ein wenig naiv ist.

Ein weiteres Highlight des Buches waren für mich die zahlreichen Teilnehmer der Talentshow, von denen wir so einige näher kennenlernen. Wir erfahren, warum sie schreiben wollen, warum sie denken, der neue Schreibstar zu werden und wieso das für sie so wichtig ist. Die einen sehen es nur als Weg zum Ruhm, die anderen wollen Schreiben, weil sie einfach Schreiben müssen. Da ich selbst Autorin bin, konnte ich mich mit der ein oder anderen Person identifizieren, auch wenn einiges völlig überzogen dargestellt wurde. (Was ich aber als wichtig für das Buch empfand!)




Ich bin froh, über dieses Buch gestolpert zu sein. Ja, manchmal habe ich als Autorin selbst das Gefühl, das Ziel wieder einmal aus den Augen zu verlieren, denn die Welt des Schreibens wird von Neid, Missgunst und Arroganz dominiert. Das kann man hier auch gar nicht schönreden und das versucht die Autorin zum Glück auch nicht!

Witzig fand ich die Anlehnung an die zahlreichen Castingshows. Das hier nicht alles rechtens abgeht, weiß man schon lange und so ist das auch beim „Schreibtalent“. Talent zählt heutzutage wenig, man muss sich vermarkten, einen Teil von sich verkaufen und sich ändern, um erfolgreich zu sein. Es ist immer wichtiger, mit der Masse zu schwimmen, den Nerv der Zeit zu treffen und sich zu verbiegen. Hier hat Milena Moser viele Themen angesprochen, die gerade Autoren wohl zum Nachdenken anregen werden. Mich hat sie jedenfalls dazu gebracht, denn leider verändert sich die Welt immer mehr zum negativen. Es gibt kaum noch ein miteinander unter Autoren, nur noch dieser endlose Wettstreit, bei dem nicht einmal die eigene Hingabe zählt! Das finde ich sehr traurig und das bringt mich auch dazu, niemals wirklich ein berühmter Autor sein zu wollen! Ich denke, ich sehe das ein wenig wie die Protagonistin hier. Das Schreiben ist eine Kunst, die gelebt werden will. Ganz ohne Hintergedanken!

Jetzt muss ich aber zurück zu dem Roman kommen! Er konnte mich nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern besitzt auch einen gewissen Witz, der mir absolut gefallen hat. Es geht um Freundschaft, Liebe, Verrat und auch um eine gewisse Tragik. Mimosa Mein steht im Laufe der Geschichte selbst im Mittelpunkt und es treten so einige überraschende Wendungen auf.

Vielleicht werden einige Leute kritisieren, dass diese Geschichte nur wie eine Randerzählung daherkommt, aber ich fand es passend. Das Buch besitzt so viel Leben, wo viel Wahrheit, dass ich mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten gefühlt habe! Milena Moser besitzt ein großes Talent und ich werde mit Sicherheit in Zukunft noch weitere Bücher von ihr lesen!




Ein Buch über das Schreiben und wie die Welt die Autoren selbst formt. Absolut empfehlenswert, selbst für Leute, die mit der Schriftstellerei nichts am Hut haben!

Ich vergebe 5 von 5 Käseratten.

1 Kommentar:

  1. da klingt toll, ist aber eher nicht so meins. Aber Danke für die tolle Vorstellung. :)

    ♥liche Grüße

    Deine Lenchen

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