Dienstag, 26. Juli 2016

[Rezension] Dreck - David Vann

Titel: Dreck
Autor: David Vann
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp
Cover und Inhaltsangabe ©  Suhrkamp



"Galen ist 22 und hungrig nach Erlösung. Er lebt mit seiner Mutter auf einer Walnussplantage in Kalifornien von den Resten eines alten Familienvermögens, und er hasst es alles: die Hitze und den Dreck, die emotionale Bedürftigkeit seiner Mutter, ihre Macht über ihn. Die ganze verlogene Idylle. Doch Galen ist ein Phantast, und statt sein Leben in die Hand zu nehmen, sucht er Erleuchtung, liest Castaneda, »Der Prophet, Die Möwe Jonathan«. Er möchte auf dem Wasser gehen, endlich körperlos sein, doch seine Bedürfnisse halten ihn gefangen, und so ist er Jennifer, seiner 17-jährigen Cousine, die ihre erotische Macht über ihn erkennt, hilflos ausgeliefert. Bei einem Familienausflug in die Wälder eskalieren die Spannungen, die Mutter wendet sich gegen ihren eigenen Sohn, will ihn vernichten. Und Galen merkt, wie weit er zu gehen bereit ist, um die Transzendenz zu erreichen, nach der er strebt."




"Dreck" von David Vann ist ein ganz eigenes Buch, das wohl die Leserschaft spalten wird. Der Schreibstil des Autoren lässt sich meiner Meinung nach am besten mit dem Wort "überheblich" beschreiben. Es ist immer ein wenig übertrieben, hier eine Metapher, dort eine Metapher und Verdeutlichung. Ich mag stilistische Mittel sehr gerne, muss aber auch sagen, dass ich sie mit Bedacht eingesetzt viel lieber mag.

David Vann schreibt recht kompliziert und daher denke ich, dass dieses Buch nicht jedem gefallen wird. Es ist keine geradlinige Geschichte, sondern viel mehr ein Kammerspiel, bei dem es um die Gedankenwelt eines nicht ganz so "normalen" Charakter geht. Aber was ist schon normal?



- Galen -

Galen ist wohl 22, kam für mich aber schon nach den ersten Seiten wie ein kleiner, hilfloser Junge vor, der nichts auf die Reihe bekommt. Er lebt in seiner eigenen Welt, möchte "irgendwie" auds College gehen, doch steht unter dem Druck seiner Mutter.

Die beste Beschreibung für Galen ist das Wort Muttersöhnchen, denn genau das ist er. Es gibt so einige Szenen, in denen klar wird, dass die Mutter ihren Sohn dominiert. Sei es jetzt beim Essen (Galen ist Vegetarier, bekommt von seiner Mum aber durchwegs Fleisch vorgesetzt) oder der der Möglichkeit, endlich ein eigenes Leben führen zu können!

Galen ist gänzlich unerfahren, sowohl auf sexueller Ebene, als auch auf emotionaler Ebene. Er hat, so wie es scheint, keine Freunde, nur seine Mutter, die ebenso ein recht trostloses Leben führt. Ist es da normal, dass man sich Machtspielchen hingibt? Ist es der Hang dazu, unterdrückt zu werden?




"Dreck" ist ein außergewöhnliches Werk eines außergewöhnlichen Schriftstellers. Es ist kein Buch, dass sich mal eben nebenbei lesen lässt, denn es erfordert so einige Erkenntnisse und auch einiges an Menschenkenntnis.

Was ist wahr in Galens verrückter Welt? Ist er das Muttersöhnchen, das alle ihn in sehen? Und warum bricht er nicht endlich aus? Die Geschichte lässt sich in wenigen Worten zwar erzählen, aber um sie zu verstehen, bedarf es weit mehr.

In erster Linie geht es um Unterdrückung, um Schuldzuweisungen und um die eigenen Schwächen, die offenbart werden, um darauf herumzutreten. Da ist auf der einen Seite Galens sexuelle Unerfahrenheit, die von seiner Cousine schamlos ausgenutzt wird, aber auch das sichtbare Fehlen von Zukunftsperspektiven. Galens Mutter lebt ihm ein Leben vor, dass eigentlich nicht erstrebenswert ist, denn sie ist eine Abhängige, die sich dies nicht eingestehen will.

"Dreck" ist in diesem Buch viel vorhanden. Die ganze Beziehung zwischen Galen und der Mutter ist eigentlich nur Dreck, genau wie das gesamte Familienleben. Der Autor schafft es, hier das Gesamtbild einer zerrütteten Familie zu erschaffen, die einfach aneinander vorbeiredet. Harmonie sucht man in diesem Buch vergebens.

Das Ende ist dann schnell, schmutzig (wie könnte es auch anders sein?) und recht offen. Eine Abkapselung, die eigentlich keine ist. Das Buch wurde auf einigen Seiten als Meisterwerk bezeichnet. Das würde ich so vielleicht nicht sehen, aber ich denke, es ist einfach mal etwas völlig anderes und wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, wird man mit einer interessanten Geschichte und einem originellen, wenn auch an einigen Stellen übertriebenen Schreibstil belohnt!




Ein Buch, das so dreckig ist wie der Titel es vermuten lässt. Ein kleines, stilles Werk mit einer Geschichte zum nachdenken. Kein Buch für Zwischendurch, aber absolut lesenswert!

Ich vergebe 4 von 5 Käseratten.

Kommentare:

  1. Hallo Jessi,

    eine grandiose Rezension, auch wenn mir das Buch etwas zu dreckig klingt. Dieser Mutter-Sohn-Konflikt ist irgendwie nicht meins, aber es hört sich auf jeden Fall nach einem besonderen Roman an.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hi :D

      Kann ich verstehen, ein "dreckiges" Buch ist nicht für jeden was. (Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen!;))

      Ne, also ich denke auch, dass dieses Buch nicht für jeden was ist, es ist, wie soll ich sagen, sehr speziell. Ich bereue es aber nicht, es gelesen zu haben, aber ich glaube, so fest in Erinnerung wird es mir auch nicht bleiben!

      Liebe Grüße
      Jessi

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