Samstag, 27. Mai 2017

[Rezension] The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot. - JP Delaney

Titel: The Girl Before
Autor:  JP Delaney
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 25. April 2017
Anzahl der Seiten: 400
Cover und Inhaltsangabe © Penguin




"Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt. Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut den gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr."




Und wieder einmal geht es mit einem englischsprachigen Titel weiter, das im Thrillerbereich wieder einmal enorm gehypt wird. Klar, nach "Girl on the Train", "Gone Girl", "Girl with no Past" oder "Be my Girl" verkaufen sich solche Bücher wohl echt gut, ich muss allerdings erst einmal sagen, dass ich unsicher war, ob ich das Buch überhaupt lesen soll.

Warum ich mich umentschieden habe? Der Klappentext hat mich irgendwie magisch angezogen. vor allem die Story mit diesem sonderbaren Haus fand ich sehr originell. Der Schreibstil von JP Delaney hat mir ebenso gefallen, leider kann ich dies von den Charakteren und dem Thrill leider nicht direkt behaupten ...




- Emma -

Emmas Geschichte spielt in der Vergangenheit. Sie bezieht mit ihrem Freund Simon das Haus in der Folgate Street 1, um sich von einem Einbruchs-Trauma zu erholen. Das Haus ist auf dem neusten Stand der Technik und ist spottbillig - weil es über 200 Regeln gibt, die von den zukünftigen Mietern beachtet werden müssen. Zudem ist die Bewerbungsphase echt hart und die Makler wissen bereits, wie schlecht die Chancen stehen, dass dem Architekten und Vermieter die zukünftigen Mieter gefallen ... Emma und Simon haben aber Glück: Sie bekommen das Haus und ziehen ein, doch ihr Leben wird schon bald auf den Kopf gestellt.

Emmas Abschnitte fand ich überaus schwierig. Sie ist ein sehr naiver, verlogener Charakter, der sich eigentlich komplett von anderen Menschen ziehen lässt. Dass sie sich von dem Architekten des Hauses magisch angezogen fühlt, ist da kein Wunder. Sie ordnet sich gerne unter und leider denkt sie auch wenig nach, vor allem bezüglich Konsequenzen ihrer Handlungen.

Ich habe Emma beim Lesen teilweise verabscheut und leider muss ich auch gestehen, dass ich kein Mitgefühl für sie empfinden konnte. Der Klappentext und auch frühe Andeutungen machen sehr schnell klar, dass sie in dem Haus sterben wird, wir erleben in ihrem Abschnitten allerdings noch den Weg dorthin!

- Jane -

Jane und Emma? Ja, richtig! Zufällig hatte ich ja gerade Jane Austens "Emma" gelesen, weswegen mir natürlich auch die beiden Namen der Protagonisten auffielen. Zufall? Ich denke schon, denn beide Frauen sind doch recht oberflächlich gezeichnet, sehr naiv und fast schon ein wenig dümmlich. Jane ist im Gegensatz zu Emma allerdings wenigstens noch ein wenig willensstark. Sie beißt sich an Dinge fest, so auch an den Tod Emmas, der ihr Interesse packt.

Jane hat wie Emma eine Vorgeschichte: Sie hat ihr Baby verloren. Puhh, Mitgefühl konnte ich dennoch wenig empfinden, einfach weil sie teilweise zu seltsame Gedankengänge hatte. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Menschen, die anders sind, aber beide Frauen waren mir schlicht und ergreifend zu egoistisch, zu selbstbemitleidend und dadurch viel zu unsympathisch!




Ich bin im Moment echt langsam was das Lesen von Büchern betrifft. Schuld daran war vermutlich auch "The Girl Before", das zwar eine echt interessante Ausgangsgeschichte hat und bezüglich des Hauses sehr originell daherkommt, sich ansonsten aber sehr gezogen hat und kaum spannende Momente aufwies.

Zu Beginn der Geschichte lernen wir erst einmal beide Frauen kennen. Emma in der Vergangenheit, die unbedingt umziehen will, um sich wieder sicher zu fühlen und Jane in der Gegenwart, die nach dem Verlust ihres Babys auch ein neues Umfeld will. Beide Frauen gelangen in das Haus in der Folgate Street 1, das auf den ersten Blick erst mal völlig seltsam erscheint. Es gibt eine recht umfangreiche Bewerbungsphase, es müssen zahlreiche Fragen beantwortet werden und im Anschluss gibt es auch noch ein persönliches Gespräch.

Sowohl Emma, als auch Jane treffen auf den Architekten des Hauses, finden ihn unsagbar anziehend und werden als Mieter akzeptiert. Was nicht verwunderlich ist: Emma und Jane sehen sich sehr ähnlich und zufällig genau wie die Frau des Architekten ...

Die Geschichte wird eindeutig in eine Richtung gelenkt, die der Leser von Anfang an erwartet. Sie bietet dadurch natürlich recht wenig Neues, mich konnte sie allerdings zu Beginn in den Bann ziehen, weil ich die Sache mit dem Haus sehr interessant fand. Nach und nach habe ich mich allerdings gefragt, ob es wirklich Menschen gibt, die bei den Bedingungen in solch ein Haus ziehen würden? Es gibt so viele Einschränkungen, das für mich ein normales Wohnen dort überhaupt nicht möglich wäre ... Aus diesem Grund sind unsere beiden Protagonistinnen wohl sehr naive und leichtgläubige Frauen, die recht wenig an die Folgen von Entscheidungen denken ...

Komme ich auch schon zum Hauptproblem des Buches: Die Charaktere. Emma hat mich beim Lesen echt genervt mit ihrer Art. Sie ist ein Mensch mit dem ich kein Mitgefühl haben konnte und der mir wieder einmal gezeigt hat, warum ich mich so sehr von der Gesellschaft fernhalte. Jane hat zwar wenigstens mehr nachgedacht, war aber auch viel zu naiv ... Sie wurde in dem Buch praktisch nur genutzt, um Nachforschungen anzustellen und um das "Geheimnis" nach und nach zu lüften.

Erotik durfte in dem Buch natürlich nicht fehlen. Ich würde sagen, "Fifty Shades of Grey" lässt grüßen und dürfte wohl auch nur Leser dieses Genres begeistern. Die Abschnitte waren mir zuviel, denn es war viel mehr als nur eine Prise Erotik.

Das Ende war dann so, wie ich es bereits im ersten Abschnitt erahnt habe. Leider wird immer wieder auf drei mögliche Ausgänge hingedeutet, dass es nicht der offensichtlichste ist, war klar, aber diese Ausgang habe ich so sofort erwartet und auch der Täter war mir dann schnell klar ... Dies hat bei mir am Ende leider für Frustration gesorgt, zumal mir auch einige Aufklärungen gefehlt haben. Der Showdown lief viel zu schnell und eintönig ab, um für mich ein passender Abschluss zu sein.




"The Girl Before" besitzt eine interessante Ausgangsidee, verliert dann aber durch die naiven und

oberflächlichen Charaktere, der fehlenden Spannung und einer Auflösung, die jeder Thrillerleser genau so erwarten wird, seinen gesamten Reiz ... Das Buch ist vom Stil gute Durchschnittskost, dürfte aber nur "Mainstream"-Leser wirklich begeistern ...

Weitere Meinungen zum Buch:

Eulenmatz liest (4 von 5)
Petra´s Papier und Tintenwelt (4 von 5)
Melanies Buecherwelt (3 von 5)


Kommentare:

  1. Hallo Jessi,

    dankeschön, dass du mich vor dem Buch ‚bewahrt‘ hast. Ich war mir auch total unsicher, habe aber immer wieder hingeschielt und mir gedacht, vielleicht doch. Bei den Figuren lasse ich aber die Finger davon und Erotik muss in dem Zusammenhang echt nicht sein Ich wäre nur wieder enttäuscht.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hi Nicole ;)

      Ich war auch echt enttäuscht von dem Buch, eigentlich hat sich der Klappentext echt gut angehört, aber irgendwie war es dann als Gesamtwerk absolut nichts und sehr schwach ;( Wenigstens konnte ich dich dann davor retten! :D

      Liebe Grüße
      Jessi

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