Freitag, 17. November 2017

[Rezension] Das Apartment - S. L. Grey

Titel: Das Apartment 
Autor:  S. L. Grey
Genre: Thriller, Psychothriller
Erscheinungsdatum: 9. Oktober 2017
Anzahl der Seiten: 336
Cover und Inhaltsangabe © Heyne

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!




"Die Ehe von Mark und Steph bröckelt. Um wieder Romantik in ihr Leben zu bringen, machen sie einen Häusertausch per Internet. Steph findet eine Unterkunft in Paris, die auf den Fotos traumhaft aussieht. Doch ihr Apartment entpuppt sich als böse Überraschung. Die Zimmer scheinen seit Jahren nicht mehr bewohnt zu sein, schwere Jalousien lassen kaum Tageslicht herein. Sie beschließen zu bleiben. Doch dann entdeckt Mark mehrere Plastikeimer – gefüllt mit Frauenhaar. Ihm wird klar, dass sie verschwinden müssen. Sofort. Doch der Albtraum hat bereits begonnen … und wird sie nicht mehr loslassen … nie mehr!"




"Das Apartment" von S. L. Grey war mal wieder so ein Buch, das mich sofort angesprochen hat. Ich liebe diese unheimliche Stimmung aus Horrorfilmen, in denen es in einem einfachen Apartment zu spuken scheint. Eine solche Atmosphäre verströmt auch diese Geschichte, die teilweise in Paris spielt, einer Stadt, in der ich wohl niemals freiwillig leben würde.

Die ganze Stimmung in "Das Apartment" ist von Anfang an sehr melancholisch. Abwechselnd wird das Geschehen aus der Sicht der Eheleute Steph und Mark geschildert, die nicht mehr so recht zueinander finden. Wir steigen gleich an einem Punk in dem Buch ein, in dem sich die beiden schon stark auseinandergelebt haben und eigentlich nur ihre Ehe retten wollen.

Den Schreibstil von S. L. Grey fand ich passend. Der Spannungsbogen wird stetig aufrecht erhalten und die ganze Geschichte wirkt wie eine Mischung aus Mysterythriller und Psychothriller.




- Steph -

Seid einem Einbruch in ihrem Haus fühlt sich Steph nicht mehr sicher. Sie hat tierische Angst, schläft kaum noch und ist stets besorgt um ihre Tochter Hayden. Sie weiß, dass ihre Ehe in einer riesigen Krise steckt und will eigentlich nur flüchten, um endlich wieder zu ihrem Mann zu finden.

Steph war hier in dieser Geschichte ein sehr ängstlicher Charakter, der einfach nicht wusste, was er tun sollte. Sie will immer nur flüchten, aber ob man dem Bösen so wirklich entfliehen kann?

- Mark -

Mark will stark sein, hat aber bei dem Einbruch in seinem Haus nichts getan, um seine Frau und seine Tochter zu schützen. Deswegen macht er sich große Vorwürfe, aber auch eine andere Sache verfolgt ihn auf Schritt und Tritt: Er hat seine kleine Tochter Zoe verloren. Auch das wird im Laufe dieses Thrillers wieder an die Oberfläche kommen und deutliche Spuren hinterlassen.

So recht sympathisch war mir hier in diesem Buch niemand, was aber auch wohl so beabsichtigt war. Wir haben hier zwei zerbrochene Menschen, die einfach aus dem Alltag fliehen wollen, es aber nicht schaffen, aus ihrem tiefen Loch herauszufinden.




"Das Apartment" ist so ein Thriller, der mal wieder die Geister scheidet. Die einen, die einen subtilen Grusel mögen und nichts gegen paranormale und manchmal auch unerklärliche Elemente haben, werden das Buch wohl lieben, die anderen, die nicht offen für das Übernatürliche sind und eine Geschichte am Ende komplett erklärt haben wollen, werden es wohl einfach hassen. Zum Glück gehöre ich zur ersten Kategorie.

Die Geschichte rund um das mysteriöse Apartment in Paris, auf das Mark und Steph durch einen Wohnungstausch stoßen, hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Bei ihrer Ankunft stellt das Paar schnell fest, dass mit der Wohnung etwas nicht stimmt. Sie ist heruntergekommen, schimmlig und sieht nicht so aus, als würde dort jemand leben. Ihre Tauschpartner melden sich zudem nicht und kommen auch nicht in Stephs und Marks Haus in Südafrika an ...

Hier wird eine ungemeine Spannung aufgebaut. Wer steckt hinter dem Wohnungstausch? Und was stimmt nicht mit dem Apartment? Eine unheimliche Künstlerin, die auf dem Dachboden lebt, erschreckt die beiden und alles deutete darauf hin, dass in dem Haus etwas Böses haust.

Die Geschichte hat es wirklich in sich, verändert sich nach der Hälfte aber. Schauplatz ist hier nicht länger Paris, sondern wieder Stephs und Marks eigenes Heim. Das kam für mich sehr überraschend, da ich wirklich gedacht hätte, die gesamte Handlung würde sich auf das Apartment in Paris beschränken.

Das Buch wandelt sich zu diesem Zeitpunkt auch. Es bleibt zwar unheimlich, aber wir müssen zusehen, wie einer unserer Protagonisten den Verstand verliert. Teilweise hat sich das Buch hier wie ein Psychothriller gelesen, viele Gedanken sind wirr, was aber absolut gut zur Story gepasst hat.

Am Ende überschlagen sich die Dinge, was mir persönlich etwas zu schnell ging. Interessant fand ich aber, dass S. L. Grey hier nur wenige Fragen beantwortet und den Leser mehr oder weniger allein lässt mit er Frage, was nun genau hinter dem ganzen Geschehen steckt. Ich liebe solche offenen Ende ja, hätte mir aber tatsächlich gewünscht, wenigstens zu erfahren, was genau nun hinter dem Wohnungstausch steckt ...




"Das Apartment" ist auf jeden Fall ein sehr atmosphärischer Mystery-Thriller, der viel Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, auch das mehr oder weniger offene Ende hat mich zum Nachdenken angeregt, auch wenn ich mir hier doch wenigstens auf ein oder zwei Fragen eine Antwort gewünscht hätte ...

Weitere Meinungen:

Sabrinas magische Buchwelt (5 von 5)
Books Dream (4 von 5)
Court of night readers (3,5 von 5)

Donnerstag, 16. November 2017

[Rezension] Mansfield Park - Jane Austen

Titel: Mansfield Park
Autor:  Jane Austen
Genre: Roman, Klassiker
Erscheinungsdatum: erstmals 1814
Anzahl der Seiten: 560
Cover und Inhaltsangabe © dtv



"In »Mansfield Park«, dem Herrenhaus des reichen Sir Thomas Bertram, leben nicht weniger als drei junge Ehekandidatinnen. Maria und Julia, die beiden Töchter des Hauses, gefährden durch Arroganz und Eitelkeit ihr zukünftiges Glück. Zugleich machen sie ihrer Cousine Fanny, Tochter verarmter Eltern, die bei den Bertrams aufwächst, das Leben schwer. Fanny, die eigentliche Heldin des Romans, trotzt kraft ihrer Unbestechlichkeit und Menschenkenntnis allen Anfechtungen. Und sie wird damit belohnt, daß sie letzten Endes doch noch den Mann heiraten darf, den sie lange Zeit ohne Hoffnung geliebt hat."




Hier kommt nun der zweite Klassiker, den ich in diesem Monat lesen durfte. Mittlerweile habe ich Jane Austens Bücher wirklich lieben gelernt und möchte nach und nach alle lesen. "Mansfield Park" hat sich hierbei besonders interessant angehört.

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir dieses mal recht schwer. Eine Vielzahl von Charakteren ist man bei Jane Austen zwar gewohnt, aber hier haben mich zu Beginn die vielen Namen (vor und nach der Heirat) irritiert und ich habe einige Zeit gebraucht, um überhaupt in die Geschichte hineinzufinden.

Insgesamt fand ich den Stil hier wie immer gut, aber nicht so leicht wie bei "Emma" oder "Stolz und Vorurteil". Teilweise besaß er bei "Mansfield Park" etwas sehr bemühtes und die Leichtigkeit Jane Austens im Umgang mit Wörtern hat sich für mich erst zum Ende hin entwickelt.




- Fanny -

Fanny kommt zu ihren beiden Tanten, da ihre eigene Mutter total überfordert mit ihren anderen Kindern ist und wohl nicht allzu klug geheiratet hat. Vom Charakter her ist Fanny von Anfang an ein sehr scheues, schüchternes und bescheidendes Mädchen. Als sie nach "Mansfield Park" kommt, ist sie erst einmal sehr unglücklich und findet nicht so recht einen Zugang zu den anderen Familienmitgliedern. Nur Edmund, ihr Cousin, versucht alles in seiner Macht stehende zu tun, damit sie sich gut einlebt.

- Edmund -

Edmund ist ein weiterer toller Charakter. Er scheint der einzige seiner Familie zu sein, der Fanny wirklich schätzt und achtet. Ich mochte ihn von Anfang an, auch wenn er etwas schwer zu durchschauen war, besonders im Hinblick auf seine kurzzeitige "Verliebtheit".

- Maria und Julia -

Ich kann der Geschichte mit ihren vielen Charakteren hier kaum gerecht werden, muss aber dennoch Maria und Julia, Fannys zwei andere Cousinen noch erwähnen. Sie sind sehr gebildet und blicken etwas auf Fanny herab, die ja aus ärmlicheren Verhältnissen kommt.

Maria und Julia müssen in dieser Geschichte selbst noch einige Entscheidungen treffen und sich für ihr kommendes Leben wappnen. Natürlich funktioniert die ganze Story hier wieder einmal nicht ohne große Skandale und so entscheiden sich die beiden Schwestern hier vielleicht nicht unbedingt besonders klug ...




Lady Bertram und Mrs. Norris, zwei Schwestern, nehmen in gespielter Gutherzigkeit die älteste Tochter bei sich auf. Fanny wird von allen Familienmitgliedern geduldet, muss sich aber durchbeißen, um überhaupt gesehen zu werden.

Zu Beginn werden erst einmal die Beziehungen der einzelnen Personen dargelegt, die ich hier kurz anreißen möchte: Tom, Edmund, Julia und Maria sind ihre Cousinen, Sir Thomas ihr Onkel und der Besitzer von Mansfield Park. Zudem gibt es noch einige wichtige befreundete Familien, die hier noch eine Rolle spielen, wie beispielsweise die Crawfords, ein Geschwisterpaar im gleichen Alter wie die Kinder der Bertrams und ein Mr. Rushford, der ein sehr törichter und einfacher Mann ist.

Natürlich geht es in "Mansfield Park" wieder einmal um das große Thema Heirat. Jede Frau möchte natürlich den perfekten Mann finden und so werden wir hier Zeuge, wie sich viele unserer Charaktere verlieben (oder eben eine "kluge" Entscheidung treffen!)

Fanny bleibt dabei die meiste Zeit eher Nebencharakter, obwohl sie eigentlich die Heldin dieses Romans sein soll. Sie ist sehr zurückhaltend, lässt sich teilweise durch die Geschichte leiten und besitzt wenig Eigeninitiative, was ich ein wenig schade fand. So kam sie mir, obwohl ich sie vom Charakter her sehr gerne mochte, leider nicht besonders nah.

Interessant fand ich das Theaterspiel, dass die jungen Menschen im späteren Verlauf aufführen wollen. Das ist mir jetzt auch noch am besten im Gedächtnis geblieben. "Mansfield Park" besitzt auf jeden Fall einen ganz guten Witz, aber es fehlte mir ein wenig die Schlagfertigkeit der Charaktere. Für mich war unter den ganzen Familienmitgliedern leider niemand, den ich komplett in mein Herz schließen konnte.

Die Liebesgeschichte ist natürlich wieder einmal vorhersehbar, sie steht aber definitiv nicht im Zentrum der Geschichte. In "Mansfield Park" geht es viel um Familie und um gesellschaftliche Pflichten. Besonders dieser Einblick ist Jane Austen hier wieder gut gelungen!




"Mansfield Park" war für mich viel schwerer zu lesen als "Emma" oder "Stolz und Vorurteil" und insgesamt empfand ich die Geschichte als nicht ganz so stark und einprägsam, wie ich es mittlerweile von Jane Austen gewohnt bin. Die Charaktere sind gut gezeichnet, aber besonders bei unserer Protagonistin Fanny fehlte mir etwas Initiative, sie kam mir leider nicht besonders nah!


Dienstag, 14. November 2017

[Rezension] Das Orangenmädchen - Jostein Gaarder

Titel: Das Orangenmädchen
Autor:  Jostein Gaarder
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. November 2005
Anzahl der Seiten: 192
Cover und Inhaltsangabe © dtv



"Georg ist 15 und lebt mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und der kleinen Miriam in Oslo. An seinen Vater kann er sich kaum noch erinnern; er ist gestorben, als Georg vier war. Doch nun, elf Jahre später, greift Georgs Vater wieder in sein Leben ein -– mit einem langen Brief, der all die Jahre versteckt war. Die Lektüre dieses Abschiedsbriefes ist für Georg eine Reise in die Vergangenheit. Doch bald begreift er, dass es darin auch um seine Zukunft geht, zum Beispiel um die Frage, wie er es mit der Liebe hält. Und dem Leben. Sein Vater konnte ihm keine Antworten mehr geben. Aber er konnte seinem Sohn die richtigen Fragen stellen."




Letztes Jahr im Winter hat mich Jostein Gaarders "Das Weihnachtsgeheimnis" total auf die besinnliche Zeit des Jahres eingestimmt und in meiner Jugend habe ich "Sofies Welt" als sehr philosophischen Roman sehr geliebt und förmlich verschlungen. Nun habe ich "Das Orangenmädchen" in einem Bücherschrank gefunden und wusste sofort, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss.

Auf nur gut 192 Seiten schreibt sich Jostein Gaarder wieder einmal die Seele aus dem Leib und dies ist auch spürbar. Vater und Sohn schreiben hier zusammen ein Buch, auch wenn der Vater nun schon seit über zehn Jahren tot ist. Immer wieder wechselt sich der Abschiedsbrief des Vaters mit den Gedanken Georgs ab.

Eindringlich ist der Stil von Jostein Gaarder. Eindringlich, philosophisch und ein wenig poetisch. Ich glaube, diesen Stil, der einen beinahe zwingt über den Sinn des Leben nachzudenken, muss man einfach mögen. Ansonsten kann einem das Buch beinahe schon zu überdreht wirken.




- Georg -

Georg hatte nie die Chance seinen Vater richtig kennenzulernen, da dieser sehr früh verstarb. Jetzt bekommt er allerdings einen Brief, den seine Großeltern gefunden haben und den sein Vater an ihn adressiert hat. Natürlich kommen da einzelne Erinnerungen hoch und Georg hat endlich die Chance, seinen Vater endlich verstehen zu können.

- Jan Olav -

Jan Olavs Geschichte steht im Fokus dieses Romans. In einem Brief erzählt er seinem Sohn, wie er ein ominöses "Orangenmädchen" getroffen hat. Es ist eine tolle Liebesgeschichte, aber gleichzeitig auch ein sehr schmerzhafter Abschiedsbrief.




"Das Orangenmädchen" ist ähnlich philosophisch wie "Sofies Welt". Gemeinsam mit Georg lesen wir den Abschiedsbrief seines Vaters und bekommen eine wundervolle, wenn auch traurige Liebesgeschichte zu hören. Immer wieder wechselt sich der Brief mit Georgs Gedanken ab und ja, am Ende ist es wirklich so, das Vater und Sohn doch noch gemeinsam ein Buch schreiben können ...

Das "Orangenmädchen" ist dabei lange Zeit eine Art Rätsel und eine Gestalt, die im Schatten liegt. Jan Olav sieht sie zum ersten Mal in der Straßenbahn. Er rempelt sie an und alle Orangen verteilen sich auf dem Boden. Danach ist er dauernd auf der Suche nach ihr, sieht sie immer mal wieder, aber mehr als ein paar Worte tauschen die beiden nicht aus ...

Und doch ist die Geschichte von dem Orangenmädchen und Jan-Olav von Anfang an eine Art Märchen. Die beiden brauchen nicht viel, um sich zu verständigen und ich denke, dass dies wohl die "wahre Liebe" ist.

Jostein Gaarders Schreibstil wird wohl nicht jedem Leser zusagen, aber ich muss sagen, dass ich seinen Umgang mit Wörtern liebe. Er schreibt gleichzeitig lockerleichte Geschichte, verlangt vom Leser allerdings auch, dass dieser sich öffnet. In "Das Orangenmädchen" geht es auch wieder um die Reflexion des eigenen Lebens. um die Tatsache, dass alles vergänglich ist und das uns diese bittere Wahrheit nicht davon abhalten sollte, unsere sehr begrenzte Zeit zu nutzen.

Im Laufe der Geschichte offenbart sich natürlich auch, wer das Orangenmädchen ist. Es ist wirklich eine sehr emotionale und tiefgründige Lektüre, die mir mal wieder gezeigt hat, wie wichtig es ist, seine Zeit zu nutzen und alles Negative aus seinem Leben zu bannen. Es sind doch solche "Märchen", solche absolut perfekten Momente, die uns immer wieder daran erinnern, dass wir für all das, was wir lieben, Kämpfen müssen. Ganz gleich, wie lange der Kampf auch dauern mag ...




"Das Orangenmädchen" ist ein stilles Werk über die Liebe, das Leben und das Erreichen des eigenen Glücks. Ein Sohn schreibt mit seinem bereits viele Jahre toten Vater ein Buch, das den Leser zwingt, das eigene Leben näher zu betrachten. Ich liebe Jostein Gaarder für diese Botschaften!


Sonntag, 12. November 2017

[Rezension] Zwischen den Bäumen das Meer - Janne Mommsen

Titel: Zwischen den Bäumen das Meer
Autor:  Janne Mommsen
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 17. Februar 2017
Anzahl der Seiten: 272
Cover und Inhaltsangabe © Rowolth



"Auf einem gefrorenen See in Ostholstein zieht Annkathrin auf Schlittschuhen ihre Kreise, als ihr ein Mann auffällt, der sich offenbar ins Eiswasser stürzen will. Beim Versuch, ihn zu retten, stürzt sie schwer. Der Mann rettet nun sie. Wie immer hat ihm das Leben einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Ein paar Monate später treffen sie sich wieder und erleben zusammen einen wunderschönen Sommer. Doch Toms Schwermut ist nicht so einfach mal aus der Welt zu schaffen, und auch über ihrem Leben liegt ein dunkler Schatten. Kann es eine Zukunft für sie beide geben?"




"Zwischen den Bäumen das Meer" war mal wieder ein Buch, bei dem mich besonders der Titel ungemein neugierig gemacht hat und die ersten Seiten haben mich fast magisch in den Bann gezogen. Der Stil von Janne Mommsen hat mich zu Beginn der Geschichte ein wenig an Cecilia Ahern erinnern und ich war gleich verzaubert von unseren beiden recht verschiedenen Protagonisten.

Das Buch ist von Anfang an sehr fesselnd, auch wenn es eher ruhigere Töne anschlägt. Leider hatte ich aber das Gefühl, dass sich der Stil der Autorin zum Ende hin etwas gewandelt hat, meine Faszination für die Geschichte hat nämlich immer mehr nachgelassen. Dazu aber später mehr.



- Annkathrin -


Annkathrin ist ein sehr lebensfroher Mensch und damit das genaue Gegenteil von Tom, den sie am Anfang zufällig kennenlernt. Sie ist sehr selbstbewusst, weiß genau, was sie will und hat sehr wenig schwache Momente. Ihre Stärke fand ich auf jeden Fall bewundernswert, auch, weil Annkathrin in dieser Geschichte viel durchmachen muss und dennoch immer den Kopf über dem Wasser behält.

- Tom -

Tom ist ein sehr pessimistischer Mensch und genau deswegen konnte ich mich wohl so gut in ihn hineinversetzen. Ich bin ein wenig wie er, ich mag Menschen nicht und verziehe mich lieber in meine eigene Welt, die ich wenigstens selbst formen kann.

Tom lebt im Wald, ist sehr mürrisch und lässt eigentlich niemanden an sich heran. Das hat natürlich einen Grund, den Annkathrin im Laufe der Geschichte auch herausfinden soll.




"Optimismus trifft Pessimismus", so würde ich das Buch kurz und knapp beschreiben. Wir haben hier Annkathrin, die mit vielen Schicksalsschlägen souverän umgeht und dann Tom, der eigentlich alles schwarz sieht und eigentlich gar nicht mehr Leben will.

Zwischen den beiden beginnt eine sehr zarte Freundschaft, als Tom Annkathrin rettet (oder rettet Annkathrin in Wahrheit Tom?). Die beiden verlieren sich kurz aus den Augen, bekommen dann aber einen Job, den sie gemeinsam ausführen sollen: Sie sollen für einen finnischen Orgelspieler drei tolle Locations finden. Dieser Handlungsstrang war mir leider ein wenig zu langatmig geraten, obwohl ich Waikonen, den Musiker, echt genial fand.

Auch Annkathrins eigene Geschichte, die auf jeden Fall Mut macht, fand ich echt toll, genau wie ihre Beziehung zu ihren Schwestern. Annkathrin zeigt hier eine Stärke, die wohl die wenigsten Menschen besitzen, was ich wirklich bewundernswert fand, wenngleich ich mich selbst nicht so recht mit ihr identifizieren konnte.

Toms glaubt, dass die Welt sehr düster ist, doch er lernt in dieser Geschichte, sich selbst einen Weg aus diese Finsternis zu bahnen. Ich mochte ihn als Charakter sehr gerne, auch wenn ich manche seiner Gedankengänge, besonders bezüglich Annkathrin, nicht verstehen konnte. (Vor allem, als er sie "aufgeben" wollte, um nicht erneut verletzt zu werden ...)

Die Liebesgeschichte steht in "Zwischen den Bäumen das Meer" gar nicht so sehr im Fokus. Etwas schade fand ich, dass sie zum Ende hin sehr flott abgearbeitet wird und wenig emotional war. Ich konnte beim Lesen leider wenig mit den beiden mitfühlen, was mich nach dem Zuschlagen des Buches wahrlich ein wenig enttäuscht hat. Beide Charaktere sind so liebenswert, doch leider hatte ich keine so enge Verbindung zu beiden, wie ich es mir gewünscht hätte ...




"Zwischen den Bäumen das Meer" ist ein Roman über die hellen und die dunklen Seiten des Lebens und den Mut, sich immer seinen Weg aus der Finsternis zu bahnen. Die Botschaft hinter der Geschichte fand ich schön, aber die Charaktere konnte mich leider nicht so mitfühlen lassen, wie ich es mir gewünscht hätte. Insgesamt fand ich den Anfang stärker als das Ende, das viel zu schnell und für mich leider zu emotionslos abgearbeitet wurde!

Weitere  Rezensionen zum Buch;

Petra von Papier und Tintenwelten (4 von 5)


Samstag, 11. November 2017

[Rezension] Das Auge - Richard Laymon

Titel: Das Auge
Autor:  Richard Laymon
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 11. September 2017
Anzahl der Seiten: 352
Cover und Inhaltsangabe © Heyne



"Sie sieht Dinge, die andere nicht sehen … grausame Dinge … Menschen, die sterben … Blut … Sie glaubt an ihre Visionen … Sie glaubt, dass diese Bilder reale Begenbenheiten zeigen...Morde...Vielleicht hat sie recht … vielleicht ist sie einfach nur wahnsinnig …Wer weiß?"




Natürlich musste ich das "neue" Buch von Richard Laymon sofort nach dem Erscheinen wieder lesen. Es ist eine Geschichte, die recht unbrutal und unblutig daherkommt, dennoch aber den typischen Laymon-Humor besitzt.

Schade fand ich, und das muss ich an dieser Stelle erwähnen, wie wenig Mühe sich der Verlag mittlerweile mit den Laymon-Büchern gibt. Die Übersetzung hätte besser sein können und der Klappentext wird dem Inhalt der Geschichte nicht gerecht, genauso wenig die die Inhaltsangabe, die einfach nur das Zitat eines eher nicht zentralen Abschnitts des Romans ist.




- Melanie -

Melanie hatte schon damals, als ihre Mutter starb, im selben Moment eine Vision. Es ist also nicht verwunderlich, das eine erneute Vision sie in Alarmbereitschaft versetzt. Gemeinsam mit ihrem Freund Brodie reist sie zu ihrer Familie und muss feststellen, dass dort tatsächlich etwas vorgefallen ist.

Die meisten Leser werden Melanie wohl für recht durchgeknallt halten, ich muss aber sagen, dass sie mir von Anfang an sympathischer als ihre Schwester war. Sie ist schrecklich eifersüchtig und das aus gutem Grund ...

- Bodie -

Bodie ist Melanies Freund und steht im Verlauf der Geschichte zwischen Melanie und ihrer Schwester Pen. Er ist mal wieder der typische Kerl, der wohl in keinem Buch von Laymon fehlen darf.

Eigentlich liebt er Melanie, doch dann sieht er ihre Schwester Pen und es ist um ihn geschehen. Wird er sich zurückhalten können?

- Pen -

Pen hat eine eigene kleine Geschichte: Sie wird nämlich von einem "Perversen" belästigt. Er hat ihr eine recht eindeutige Nachricht auf den Anrufbeantworter gesprochen und seitdem ist Pen total panisch. Kein Wunder also, dass sie Bodie beinahe absticht, als dieser mit Melanie bei ihr zuhause ankommt.

Ich muss sagen, dass ich eher auf Melanies Seite stand, auch wenn mir Pen nicht wirklich unsympathisch erschien. Sie ist für ein Buch von Laymon nämlich tatsächlich ein halbwegs normaler Charakter!




Richard Laymon hat mit "Das Auge" einen recht ungewöhnlichen Roman, der fast schon eine Mischung aus Thriller und Familiengeschichte ist, verfasst. Er liest sie zu Beginn ungewohnt ruhig, besitzt aber den typischen Laymon-Stil. So haben wir hier, wie in "Die Gang" einen Typen, der sich nicht so recht zwischen zwei Frauen entscheiden kann und wir haben jemanden, der wieder komplett den Verstand zu verlieren scheint.

Die Charaktere sind hier sogar halbwegs normal und nicht so abgedreht wie sonst. Im Fokus der Geschichte steht ein Unfall, der aber vielleicht gar kein Unfall war und die Suche nach der Wahrheit. Melanie führt mit ihren Visionen durch die Geschichte, die natürlich recht tragisch enden muss.

Nebenhandlung ist Pens Angst vor ihrem "Stalker", was sich dann aber sehr witzig auflöst. Hier musste ich wirklich lachen, auch wenn ich beim Lesen eher nicht auf Pens Seite stand.

Mittlerweile bin ich auch die typischen "Liebesgeschichten" von Laymon gewohnt. Dabei geht es hier tatsächlich mal sehr ruhig, beinahe sanft zu. Zum Ende hin hätte ich aber mit einer etwas anderen Wendung gerechnet, was aber vermutlich daran lag, dass ich eher auf Melanies als auf Pens Seite stand.

Im Showdown wird es dann etwas blutig, aber ich denke, das Buch ist insgesamt ach für Zartbesaitetere sehr gut geeignet. Insgesamt ist es wieder einmal eine sehr unterhaltsame Geschichte, die sich in ein Thriller/Familiendrama entwickelt und auf den letzten Seiten noch mal für ein letztes Grinsen sorgt!




"Das Auge" von Richard Laymon ist ungewohnt ruhig, besitzt aber dennoch jenen schwarzen Humor, den ich an Laymon so liebe. Wer es weniger blutig mag und Laymons Bücher einfach mal austesten möchte, sollte mit diesem beginnen!



Freitag, 10. November 2017

[Rezension] PS: Ich mag dich - Kasie West

Titel: PS: Ich mag dich
Autor:  Kasie West
Genre: Roman, Liebesroman, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2017
Anzahl der Seiten: 368
Cover und Inhaltsangabe © Carlsen



"Im Chemieunterricht kritzelt Lily eine Zeile aus ihrem Lieblingslied auf den Tisch – und erlebt eine Überraschung: Am nächsten Tag hat jemand geantwortet, der den Song auch kennt! Schnell entwickelt sich zwischen ihr und dem namenlosen Schreiber eine Brieffreundschaft. Sie tauschen Musiktipps und lustige Geschichten aus, aber auch geheime Wünsche und Sorgen. Mit jedem Zettel verliert Lily ihr Herz ein bisschen mehr an den Unbekannten. Doch als sie herausfindet, wer ihr da schreibt, wird alles plötzlich ziemlich turbulent."




Eigentlich lese ich Liebesromane ja recht selten, aber die Grundidee von "PS: Ich mag dich" von Kasie West hat mir echt gut gefallen und so musste ich das Buch einfach lesen. Nach wenigen Seiten (oder waren es eher Zeilen?) war ich schon komplett in der Geschichte gefangen und ich habe mich gefühlt, als wäre ich Lily, denn diese Protagonistin war mir so verdammt ähnlich!

Sofort habe ich mich in Lilys Sarkasmus und den Witz des Buches verliebt. Es ist sehr jugendlich, frisch, modern und auch sehr frech und gehört für mich definitiv zu den Highlights in diesem Genre!

Charaktere

- Lily -

Es hat mich erschreckt, wie ähnlich Lily mir doch zu sein scheint. Wenn ich eine beste Freundin hätte, wäre sie wohl genau wie Lily. (Vielleicht würden wir uns dann aber auch fürchterlich auf die Nerven gehen!?)

Lily ist, um sie mit nur einem Wort zu beschreiben, "anders" und das auf einer sehr liebenswürdigen Art, was sie aber gar nicht zu wissen scheint. Sie kleidet sich gerne schrill und entwirft ihre eigenen Klamotten, schreibt Songs, die sie niemanden zeigt und sie ist total musikverrückt.

Zudem ist sie so extrem sarkastisch, was mich an mich selbst erinnert. Wie oft haben mich Leute falsch verstanden, weil ich so einen bitterbösen Humor habe? Ja, Highfive, Lily, du hast echt einen tollen Humor!

- Isabel -

Isabel ist Lilys beste Freundin, die einst mit dem totalen Macho der Schule zusammen war, diesen aber für ihre Freundin verlassen hat. Isabel ist eine gute Freundin und sie startet im Verlauf der Geschichte einige interessante Verkupplungsversuche.

- Lucas -

Lily steht schon lange auf Lucas, den coolen Typen mit den Bandshirts, der immer Kopfhörer im Ohr hat. Doch kann er ihr mysteriöser Briefeschreiber sein? Oder ist es doch David, der von Isabel angeschleppt wird und wenigstens Klarinette spielen kann?

- Cade -

Er ist der Bad Boy dieser Geschichte. Er hasst Lily abgrundtief und hat ihr einen nicht allzu schönen Spitznamen verpasst. Natürlich gehört er zu den beliebtesten Jungen der Schule und er macht Lily hier das Leben wirklich ungemein schwer ...




"PS: Ich mag dich" hat mich von Anfang an enorm überrascht. Erst einmal war ich beinahe geschockt, wie ähnlich ich Lily doch bin und wie brilliant ich ihren Sarkasmus fand. Ich musste so oft über ihre Sprüche lachen, dass ich am Ende das Gefühl hatte, mein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht zu bekommen und in ihre eine echte Freundin gefunden zu haben!

Natürlich ist auch die Liebesgeschichte wundervoll und das sage ich als jemand, der sich sonst mit Liebesromane echt schwer tut. Ich hatte das Gefühl, dass ich alle Emotionen mit Lily teilen kann und dies war wirklich einer der intensivsten Buchmomente der letzten Monate. Ich habe mit ihr erst zaghafte Botschaften auf den Tisch im Chemiesaal gekritzelt und dann immer gespannt auf die Briefe gewartet, die so offen und ehrlich war, dass ich beim Lesen stets Herzklopfen hatte.

Die Briefe sind wunderschön und die Sehnsucht nach jeder Chemiestunde konnte ich mit Lily absolut teilen. Toll fand ich auch die ganzen Songtexte, die Lily im Verlauf zu schreiben versucht. Diesen Zeilen, mit denen sie ihr Notizbuch füllt, stecken voller Ehrlichkeit!

Natürlich stellt sich bis etwa zur Hälfte des Buches die Frage: Wer steckt hinter den geheimnisvollen Briefen. Ist es David, der Typ, mit dem Isabel sie verkuppeln will? Oder könnte es Lucas sein, den Lily schon lange toll findet? Und was ist mit Cade, dem Bad Boy der Schule? Wieso hat er es noch immer auf sie abgesehen?

Ich habe gebetet und gehofft, dass es der Richtige sein wird und ich kann nur sagen, dass die Geschichte, wie die beiden zusammenkommen, so süß ist, dass selbst ich beim Lesen beinahe einen Zuckerschock bekommen habe! Ein wenig erinnert die Geschichte an den Film "Cinderella Story" oder allgemein an das Märchen von "Aschenputtel". Lily möchte nämlich ihrer selbst Willen geliebt werden, muss aber lernen, dass vielleicht auch sie recht oberflächlich geurteilt hat!

Ja, zum Abschluss muss ich noch eins sagen: "PS: Ich mag dich" ist das erste Buch, das ich auch aus der Sicht des männlichen Protagonisten lesen würde, wenn es diese denn geben würde. Es wäre interessant zu sehen, wie unser Briefeschreiber Lily enttarnt ...




"PS: Ich mag dich" ist der erste Liebesroman in diesem Jahr, der mich vollkommen überzeugt hat. Zum einen liegt dies wohl an der Protagonistin Lily, die mein Zwilling sein könnte und einen tollen Humor hat, zum anderen aber auch an einer Liebesgeschichte, die süßer als Honig ist und bei der man sein Dauergrinsen auch nach dem Lesen nicht verliert!


Weitere Rezensionen zum Buch:

Katja von Katjas Bücherwelt (5 von 5)
Anna von Anna Salvatores`s Bücherreich (4,5 von 5)
Laura von Skyline of Books (4 von 5)



Donnerstag, 9. November 2017

[Rezension] Unglücksspiel - Yvonne Keller

Titel: Unglücksspiel
Autor:  Yvonne Keller
Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsdatum: 1. September 2016
Anzahl der Seiten: 448
Cover und Inhaltsangabe © Knaur



"Nerina hat Angst. Todesangst. Besonders seit jenem Tag vor elf Jahren, an dem sie etwas Unverzeihliches tat. Die Angst vor der Strafe Gottes und vor der Abschiebung zurück in den Kosovo, aus dem sie einst floh, verfolgt sie. Immer.
Als eine junge Frau mit Kind in die Nachbarschaft zieht und sich mit ihr anfreundet, sieht Nerina einen Hoffnungsschimmer, vergisst für einen Moment ihre Angst. Doch dann macht die neue Nachbarin einen Fund, der Nerinas Geheimnis in Gefahr bringt. Für Nerina beginnt ein Alptraum, aus dem es nur einen Ausweg zu geben scheint …"




"Unglücksspiel" von Yvonne Keller war mal wieder ein Buch, das mich zwar vom Klappentext angesprochen hat, bei dem ich mir aber kaum vorstellen konnte, was für eine Geschichte sich nun im Inneren verbirgt.

Von der deutschen Autorin Yvonne Keller habe ich zuvor noch nichts gehört, ihr Stil hat mich aber auf jeden Fall positiv überrascht. Die Geschichte besitzt von Anfang an einen gewissen Sog, auch wenn der Spannungsbogen recht flach gehalten ist. Es gibt drei Erzählstränge, die allesamt sehr interessant sind und sich im späteren Verlauf miteinander verbinden.




- Anja -

Auch wenn Anja im Klappentext nicht erwähnt wird, so hatte ich doch das Gefühl, dass sie unsere Protagonistin ist und uns etwas durch die Geschichte lenkt. Ihr Mann muss plötzlich verschwinden und so muss sie mit ihrer kleinen Tochter ein anderes Haus beziehen. Sie weiß eigentlich überhaupt nicht, was mit ihrem Mann ist und dementsprechend frustriert ist sie, als sie plötzlich allein dasteht.

Schnell findet sie heraus, dass in dem Haus, in dem sie nun mit ihrer Tochter leben muss, vor vielen Jahren ein Mädchen verschwand, die Tochter der Vermieter. Um diese Geschichte geht es auch in diesem Buch, denn nach und nach wird klar, was mit dem Mädchen damals wirklich passiert ist und wer alles involviert ist ...

Anja selbst empfand ich als recht schwierigen Charakter, was aber hauptsächlich an ihrer eigenen Geschichte lag. Sie wurde von ihrem Mann im Stich gelassen, der ohne ein Wort über seinen Aufenthaltsort, einfach verschwindet und sich nicht mehr meldet. Diese Art der Beziehung war für mich nicht direkt nachvollziehbar, vor allem, da Anja hier in dem Buch auch eine kleine Liebesgeschichte bekommt, die es für mich nicht unbedingt gebracht hätte.

- Nerina -

Nerina wohnt in dem Ort, in den Anja zieht und sie passt im späteren Verlauf auf Anjas kleine Tochter auf. Wir bekommen als Leser aber ach Einblick in ihr Leben und das ist leider nicht ganz so toll. Sie ist ein Flüchtling, dem Kosovo entkommen, um hier in Deutschland ein neues Leben zu beginnen und endlich glücklich zu werden, doch es scheint, dass sie vor irgendetwas Angst hat ...

Sehr sensibel beschreibt die Autorin hier das Leben Nerinas, in dem es kaum einen Halt gibt. Besonders ihre Beziehung zu ihrem Sohn ist zerbrochen, unwiderruflich zerbrochen. Schreckliches offenbart sich deswegen in dem Zusammenleben der Familie.

Ich empfand sehr viel Mitleid mit Nerina, die an Panikattacken leidet und einfach nur dazugehören möchte.




Zu Beginn haben mich die drei Handlungsstränge ein wenig verwirrt, da erst unklar ist, wie sie alle zusammenpassen, doch nach und nach lichtet sich der Nebel und es wird klar, dass es besonders um das vor Jahren vermisste Mädchen geht. Immer wieder gibt es hierzu kleine Andeutung und wir lernen zudem die Mutter kennen, die mit der Vergangenheit immer noch nicht abgeschlossen hat. Diese Abschnitte haben mich besonders schockiert, besonders zum Ende hin.

Interessant und sehr einfühlsam wird hier die Flüchtlingsthematik angesprochen, die schon viele Jahre existent ist, wie das Buch hier beweißt. Ich war aber froh, dass Fremdenhass oder Rassismus in diesem Roman keine große Rolle spielt und Nerina von allen gut behandelt wird. Hier ist mir die Realität schon grausam genug.

"Unglücksspiel" ist in erster Linie ein Roman, der von der Geschichte her zu fesseln weiß und seine starken Momente besitzt, aber sehr ruhig gehalten ist. Bis zum sehr schockierenden Ende, das tatsächlich noch zu überraschen weiß, geht es nur um die einzelnen Personen, um ihre Probleme und ihren Umgang damit. An dieser Stelle muss ich aber sagen, dass mir Anjas eigene Geschichte mit ihrem Mann, aber auch mit ihrer neuen "Liebelei" teilweise nur wie ein Lückenfüller vorkam, eine Streckung der eigentlichen Handlung, denn Anja symbolisierte für mich ein wenig die typische Protagonistin in Thriller: stark, selbstbewusst und durch die Handlung führend.

Trotz der kleinen Kritik hat mir "Unglücksspiel" aber ausgesprochen gut gefallen. Das Buch nimmt gerade zum Ende hin mächtig Fahrt auf und offenbart wirklich eine schreckliche Geschichte, die sich vor vielen Jahren zugetragen hat und die niemanden der Beteiligten je losgelassen hat. Ich dachte zwar, schnell zu erahnen, was dahintersteckt, doch am Ende gab es dennoch eine kleine Überraschung!




"Unglücksspiel" ist ein sehr ruhig erzählter Roman, der aber dennoch durch seine vielschichtigen Charaktere zu fesseln weiß. Nur Anja als Protagonistin fand ich zu unwichtig für all das, was am Ende offenbart wird ...


Weitere Rezensionen zum Buch:

Petra von Papier und Tintenwelten (4 von 5)



Dienstag, 7. November 2017

[Zwei-Monatsrückblick] Die letzten zwei Monate in Büchern

Endlich habe ich es geschafft, alle Rezensionen meines "Roadtrips" abzutippen. Es sind natürlich ganz schön viele Bücher zusammengekommen und ich kann es mir nicht nehmen lassen, euch alle meine gelesenen Bücher der Monate September und Oktober gebündelt vorzustellen,

Da mein Blog hier, genau wie auch mein momentanes Leben, etwas im Chaos versinkt, habe ich mir eine andere Art des Monatsrückblicks überlegt. Ich möchte gerne einen tieferen Einblick in die gelesenen Bücher geben und endlich auch mal tolle Buchideen und interessante Charaktere ehren! Auf Flops werde ich jetzt nicht mehr direkt eingehen, da ich es immer schade finde, ein Buch auch im Monatsrückblick noch einmal als Flop darzustellen.

Kommen wir nun erst einmal zu all meinen gelesenen Bücher. Alle habe ich unterwegs gelesen, in der Zeit, als wir keine Wohnung hatten. Insgesamt habe ich hier 19 Bücher gelesen!

Roman

Menschenjagd - Stephen King (5+ von 5)
The Girls: Freundinnen. Unzertrennlich. Bis zu jener Nacht … - Rebecca Thornton (5 von 5)
Sturmherz - Corinna Bomann (4 von 5) *Rezi folgt
Sweetgirl - Travis Mulhauser (3 von 5)
Zwischen den Bäumen das Meer - Janne Mommsen (3 von 5) *Rezi folgt
Grandhotel Angst - Emma Garnier (2 von 5)

Thriller

Death Call - Er bringt den Tod - Chris Carter (5 von 5)
Der Nebelmann - Donato Carrisi (4 von 5)
Schneemann - Jo Nesbo (4 von 5)
Unglücksspiel - Yvonne Keller (4 von 5) *Rezi folgt
Game - Anders de la Motte (3 von 5)

Horror

Nachts - Stephen King (5+ von 5)
Die Gang - Richard Laymon (5 von 5)
Das Auge - Richard Laymon (5 von 5) *Rezi folgt
Hex - Thomas Olde Heuvelt (4 von 5)

Jugendbuch

Magic Circle, Liebeszauber für Kate - Isobel Bird (4 von 5)

Klassiker

Stolz und Vorurteil - Jane Austen (5+ von 5)
Mansfield Park - Janes Austen (3 von 5) *Rezi folgt

Fantasy

Das Reich der sieben Höfe, Dornen und Rosen (Band 1) - Sarah J. Maas (4 von 5)



Elisabeth Bennet  aus "Stolz und Vorurteil" hat mich von all den gelesenen Büchern am meisten fasziniert. Sie ist, trotz der Zeit in der sie lebt, eine unabhängige Frau, die sehr selbstbewusst auftritt und einfach sie selbst ist, ganz gleich was andere von ihr halten. Ihre freche Art hat mich fast das gesamte Buch zum Lachen gebracht und obwohl sie in Bezug auf Mr. Darcey anfangs auch recht oberflächlich urteilt, so lernt sie doch im Laufe der Geschichte, dass in einem Menschen noch viel mehr steckt, als der erste Blick vermuten lässt!

Cover  © dtv



"Menschenjagd" von Stephen King war in diesen zwei Monaten ein Zufallsfund aus einem Bücherschrank und ich bin komplett in diese dystopische Welt abgetaucht. Schuld daran war Ben Richards, der Protagonist, der ein stiller Rebell ist, ein Kämpfer, der immer alles gibt, obwohl er weiß, dass er der absolute Verlierer in diesem System ist! Ich habe seinen Mut und seinen Ehrgeiz bewundert. Ben Richards scheut sich nicht seine Meinung zu sagen, auch wenn ihn das selbst vielleicht in Gefahr bringt!

Cover © Ullstein


Der gruseligste Buchcharakter war in diesem Jahr auf jeden Fall Katherine van Wyler aus "Hex" von Thomas Olde Heuvelt. Die dunkle Hexe von Black Spring, die seit Hunderten von Jahren in der Kleinstadt umhergeht, hat mir beim Lesen durchgehend einen Schauer über den Rücken gejagt. Ihre Augen sind zugenäht, genau wie ihr Mund, aus dem aber dennoch stets ein bedrohliches Murmeln dringt. Immer taucht sie irgendwo auf, doch die Dorfbewohner haben sie längst akzeptiert beziehungsweise sich mit ihr arrangiert ... Ich könnte das wohl nie, wenn ich mir vorstelle, Katherine van Wyler würde jetzt in diesem Moment neben mir stehen. *Schluck*

Cover © Heyne

Meinen tollsten Buchmoment hatte ich auf jeden Fall mit "Nachts" von Stephen King. Das Buch hat zwei Novellen beinhaltet und besonders "Der Bibliothekspolizist" hat mir richtig gut gefallen. Gemeinsam mit Sam, Naomi und Dirty Dave habe ich mich hier an dem Kampf gegen ein gefährliches "ES" beteiligt und hatte wirklich einige sehr intensive Lesestunden! Besonders hat mir hier die Aufarbeitung von Sams Vergangenheit gefallen, als er schon einmal Kontakt mit einem "Bibliothekspolizisten" hatte. Hier hatte ich beim Lesen echt eine Gänsehaut!

Cover © Weltbild


Spannend ging es besonders in "Death Call", dem achten Rober-Hunter-Thriller von Chris Carter zu. Der Täter stellt seinem Opfer zwei Fragen, um einen nahen Angehörigen zu retten. Atemlos verfolgen wir hier dieses Spiel des Mörders und ich muss sagen, manchmal habe ich beim Lesen das Atmen vergessen und nur gehofft: "Bitte! Beantworte doch diese bescheuerte Frage". Besonders schlimm war es, als ein Mann, der seine Frau eigentlich über alles liebt, nach seinem Hochzeitstag gefragt wurde ...


Cover © Ullstein



Meinen emotionalsten Moment hatte ich mit "Stolz und Vorurteil". Dabei ging es jedoch nicht vordergründig um die Geschichte von Elisabeth und Mr. Darcey, sondern vielmehr um die Intrige gegen Jane, die sich erst einmal damit abfinden muss, dass ihr Mr. Bingley einfach so verschwindet. Ach, wie gerne wäre ich zu ihr ins Buch gestiegen, um ihr zu sagen, dass sie doch um ihn kämpfen soll ...

Cover  © dtv


Die originellste Buchidee war für mich in den letzten zwei Monaten definitiv "Menschenjagd"von Stephen King. Das Buch spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, das Fernsehen kontrolliert den Menschen, lenkt sie von all den vorherrschenden Problemen ab. Die Leute schauen sich Shows mit Menschen an, denen es noch schlechter als ihnen selbst geht, die Showteilnehmer werden gedemütigt und alles entwickelt sich zu modernen Gladiatorenkämpfen ... Na, kommt euch das alles vielleicht bekannt vor?

Cover © Ullstein



Wie war euer letzter Monat? Hattet ihr Lieblingscharakter und/oder Lieblingsbuchmomente?