Mittwoch, 29. November 2017

[Rezension] Der Weihnachtswald - Angelika Schwarzhuber

Titel: Der Weihnachtswald
Autor:  Angelika Schwarzhuber
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 18. September 2017
Anzahl der Seiten: 416
Cover und Inhaltsangabe © Blanvalet

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!



"Wie jedes Jahr an Weihnachten macht sich die alleinstehende Anwältin Eva auf den Weg zu ihrer Großmutter Anna. Das stattliche Anwesen der Familie, umringt von einem Garten mit einem Wald aus Tannenbäumen, ruft viele Erinnerungen hervor. Hier wuchs Eva auf, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen waren. Im Haus trifft sie nicht nur auf ihren Jugendfreund Philipp, sondern auch auf das Waisenkind Antonie. Während draußen ein Schneesturm tobt, verschwindet das Kind plötzlich spurlos. Auf der gefährlichen Suche nach Antonie landen Eva und Philipp unversehens in der Vergangenheit ..."




Es ist wieder einmal so weit: Weihnachten steht vor der Tür und wie jedes Jahr habe ich mir vorgenommen, wenigstens ein weihnachtliches Buch zu lesen. In diesem Jahr fiel meine Wahl auf "Der Weihnachtswald" von Angelika Schwarzhuber,

Der Stil der Autorin ist sehr einfach, an einigen Stellen zwar etwas holprig, im Großen und Ganzen aber gut lesbar. Es ist eine Geschichte, die wohl vor allem für Weihnachsmuffel geeignet ist, zu denen ich auf jeden Fall zähle. Sie ähnelt etwas der Idee von "Eine Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens, denn auch in "Der Weihnachtswald" haben wir eine sehr griesgrämige und wenig sympathische Protagonistin ...



- Eva -

Puhh, Eva war hier wirklich eins sehr schwerer Charakter, mit dem ich einfach nicht warm werden wollte. Sie lebt eigentlich nur für ihre Arbeit und besucht einmal im Jahr zu Weihnachten ihre Großmutter Anna, von der sie aber denkt, dass sie eh bald sterben wird. Dieses pragmatische Denken habe ich an Eva leider nicht leiden können, sie wirkte dadurch von Anfang an furchtbar unsympathisch.

Natürlich ist dies von der Autorin so beabsichtigt, sie soll sich schließlich hier im Laufe des Buches entwickeln und vor allem, mit sich selbst ins Reine kommen. Leider ging mir die Entwicklung auch zu schnell und war für mich wenig nachvollziehbar, sodass ich mich auch am Ende mit der "veränderten" Eva nicht anfreunden konnte.

- Antonie -

Eigentlich müsste ich an dieser Stelle noch Philipp erwähnen, aber über ihn erfahren wir reichlich wenig. Stattdessen konzentriere ich mich hier auf Antonie, die ich wirklich süß finde.

Antonie wird am Anfang der Geschichte von der Großmutter aus dem Waisenhaus geholt und natürlich frat sich der Leser, wie ihre Rolle in dem Ganzen ist. Ich empfand Antonie als tolles und liebenswertes Mädchen und konnte es einfach nicht verstehen, warum niemand sie haben wollte! Sind die Menschen wirklich so oberflächlich, dass sie ein armes, stotterndes Mädchen so schnell verurteilen?




Ich brauchte ein Paar Seiten, um mit der Geschichte so richtig warm zu werden. Das erste Kapitel hat mir hier allerdings sehr gut gefallen, denn dort lernen wir das stotternde Mädchen Antonie kennen, das im Waisenhaus ist und sich eigentlich schon damit abgefunden hat, von niemanden gewollt zu werden. Dann kommt jedoch eine alte Dame, die den Kindern jedes Jahr Geschenke bringt und diese nimmt Antonie mit.

Hier sind wir dann auch schon kurz vor den gemeinsamen Weihnachtstagen im Anwesen der Großmutter. Eva fährt wie jedes Jahr hin, ist aber sehr gestresst, als plötzlich auch noch ein Bankangestellter auftaucht und sie erfährt, wie es um das Anwesen steht. Leider war mir Eva wie bereits erwähnt recht unsympathisch, vor allem da sie auch schon an die Zeit nach dem Tod ihrer Großmutter denkt. Das konnte ich ihr leider während der gesamten Geschichte nicht verzeihen.

Natürlich gibt es hier auch eine kleine Liebesgeschichte und eine Reise in die Vergangen. Auf dieses Abtauchen in die Vergangenheit habe ich mich besonders gefreut, auch wenn ich etwas vollkommen anderes erwartet habe. Dennoch konnte ich ab hier das Buch endlich mehr genießen, auch wenn mir Eva selbst noch immer recht unsympathisch blieb!

Es hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht, mit den beiden Protagonisten ins Jahr 1931 zu reisen, auch wenn die Autorin hier wenig wert auf die Beschreibung der Zeit gelegt hat. Interessant war aber hier das Familienleben, das im Mittelpunkt dieses Romans steht. Eva trifft in dieser Zeit natürlich auch auf ihre Großmutter, die damals aber sehr jung war. Hier schließt sich aber der Kreis rund um diese sonderbare "Zeitreise" und das hat mir ausgesprochen gut gefallen!

Die Geschichte in "Der Weihnachtswald" ist gut konstruiert, war mir aber eine Spur zu monoton. Zwar passiert am Ende noch ein Ereignis, das unsere Protagonisten kurzzeitig aus der Bahn läuft, aber das was es auch schon. Die Liebesgeschichte von Eva und Phillip zog einfach an mir vorbei, ich konnte sie nicht recht nachvollziehen und deswegen konnte sie mich auch nicht berühren.

Evas Entwicklung hat mir zwar gut gefallen, aber insgesamt ging mir alles zu schnell und teilweise lief mir die Handlung etwas zu monoton ab. Ich sag dies bei Büchern nicht gerne, aber ich habe mich streckenweise tatsächlich gelangweilt und musste mich zwingen am Ball zu bleiben. Für mich daher leider eine, trotz Happy End, keine Geschichte, die mich nun in Weihnachtsstimmung bringen konnte! Schade!



Von meiner diesjährigen weihnachtlichen Lektüre hätte ich mir wahrlich mehr erwartet. Das Thema der kurzen "Zeitreise" klang hier interessanter, als es letztendlich umgesetzt wurde. Die
Liebesgeschichte ließ mich recht kalt und letztendlich war es mehr eine nette Geschichte für zwischendurch, die ich aber wohl schnell wieder vergessen haben werde ...



Montag, 27. November 2017

[Rezension] Scythe - Neal Shusterman

Titel: Scythe 
Autor:  Neal Shusterman
Genre: Dystopie, Roman
Erscheinungsdatum: 21. September 2017
Anzahl der Seiten: 528
Cover und Inhaltsangabe © Sauerländer




"Citra und Rowan leben in einer Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Aber auch in dieser perfekten Welt müssen Menschen sterben, und die Entscheidung über Leben und Tod treffen die Scythe. Sie sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes. Aber die Welt muss wissen, dass dieser Dienst sie nicht kalt lässt, dass sie Mitleid empfinden. Reue. Unerträglich großes Leid. Denn wenn sie diese Gefühle nicht hätten, wären sie Monster.
Als Citra und Rowan gegen ihren Willen für die Ausbildung zum Scythe berufen werden und die Kunst des Tötens erlernen, wächst zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Doch am Ende wird nur einer von ihnen auserwählt. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den jeweils anderen hinzurichten …"





"Scythe" von Neal Shusterman war so ein Buch, das mir sofort ins Auge gesprungen ist. Das düstere Cover mit einem Scythe, der hier aber eher dunkel gekleidet ist, passt gut zur Geschichte, auch wenn die "Hüter des Todes" in dieser Geschichte eher strahlende Farben tragen, um in der Bevölkerung nicht für noch mehr Angst und Schrecken zu sorgen.

Dennoch besitzt das gesamte Buch eine sehr bedrohliche Atmosphäre. Obwohl vieles recht distanziert erzählt, bekommen wir einen guten Einblick in die Welt, in der es bereits Unsterblichkeit gibt, der Tod aber dennoch stets allgegenwärtig ist.

"Scythe" besitzt keine Liebesgeschichte im herkömmlichen Sinne. Vielmehr steht die ganze Welt im Fokus und die Arbeit der Scythe, die hier aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Dabei geht der Autor auf viele moralische Fragen ein, die wir uns auch in der heutigen Zeit stellen sollten ...



- Citra -

Zugegebenermaßen stehen unsere zwei "Helden" nicht unmittelbar im Zentrum der Geschichte. Vielmehr erfahren wir mit ihnen zusammen das ganze Geschehen und lernen sie dabei Häppchenweise kennen.

Citra ist ein sehr mutiges Mädchen, das sich nicht scheut, ihre Meinung zu sagen. Sie zeigt von Anfang an keine Angst und das ist es wohl, dass Scythe Faraday so beeindruckt hat, sie in die Lehre zu nehmen.


- Rowan -

Rowan ähnelt Citra schon sehr. Beide sind sehr stark darin, ihre eigene Meinung zu vertreten und sich dafür einzusetzen. Hinzu kommt bei Rowan noch ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Weder Rowan, noch Citra sind eigentlich interessiert daran, ein Scythe zu werden. Beide haben aber moralische Ansichten, die für diese ehrenvolle Aufgabe enorm wichtig sind. Nur können sie beide wirklich irgendwann Menschen aussuchen und töten?

- Scythe Faraday -

Auch wenn wir Scythe Faraday nicht das gesamte Buch begleiten, ist er mir doch am Anfang enorm ans Herz gewachsen. Er hat verstanden, worum es bei den "Nachlesen" geht und obwohl er eine gewisse Härte ausstrahlt, bringt er doch den nötigen Respekt mit, um den Menschen den Abschied so einfach wie möglich zu gestalten!

- Scythe Curie -

Auch die Scythe Curie habe ich in mein Herz geschlossen. Sie hat eine ganz andere Herangehensweise, sie sucht sich nämlich Menschen aus, die ihrer Meinung mit dem Leben nicht mehr klar kommen und bereits "aufgegeben" habe. Neben Faraday war sie in "Scythe" mein Lieblingscharakter!




Neal Shusterman hat mit "Scythe" eine sehr beängstigende Zukunftsvision verfasst, bei der ich fast durchgehend eine Gänsehaut hatte. Der Autor entführt uns in eine nahezu perfekte Welt, in der die Menschheit bereits die Unsterblichkeit erreicht hat. Klingt wie eine Utopie? Es ist allerdings alles andere als perfekt, denn natürlich führt diese Unsterblichkeit unweigerlich zu einem erschreckendem Bevölkerungswachstum.

Die Menschen haben für dieses Problem eine einfache Lösung gefunden: Die Scythe. Sie symbolisieren den Tod, der jederzeit jeden Menschen ereilen kann. Die Scythe suchen sich Menschen aus, die "nachgelesen" werden, die also sterben und nicht geheilt werden. Dabei geht jeder Scythe anders vor, muss aber eine gewisse Quote vorweisen.

Interessant ist auch der technische Fortschritt. Die Menschen können sich resetten lassen, was bedeutet, das sie sich auf ein jüngeres Alter zurücksetzen lassen können, wodurch niemand mehr altern muss. Außerdem kann niemand durch Unfälle mehr sterben. Der Körper heilt sich in solch einem Fall einfach selbst. Erschreckend war hier die Geschichte eines Schulfreunds von Rowan, der gelegentlich einmal Selbstmord begeht, damit seine Familie ihn wieder wahrnimmt und wiederbeleben lässt ...

Sctyhe Faraday, der Citra und Rowan in die Lehre nimmt, orientiert sich beispielsweise an der Statistik aus der Sterblichkeitsära. Der Tod ist in dieser Welt zwar besiegt, aber dennoch ist er allgegenwärtig. Es kann jeden treffen.

Interessant fand ich hier die Herangehensweise und die Gebote der Scythe. Es geht hier nämlich nichts ums Töten, sondern darum, das benötigte Gleichgewicht zu erhalten und eine natürliche Auslese nachzuahmen. Als Leser nehmen wir hier an einigen Nachlesen teil und ich muss sagen, dass ich durchwegs eine Gänsehaut hatte.

Unsere beiden Charaktere Citra und Rowan stehen gar nicht so sehr im Mittelpunkt des Geschehens, aber es war dennoch spannend, sie bei ihrer Ausbildung zu begleiten. Natürlich kommt auch hier einiges anders, als gedacht und so gibt es zahlreiche Vorkommnisse, bei denen ich echt schlucken musste.

Zum Ende hin entwickelt sich diese Dystopie stark in Richtung eines Thrillers. Vieles überschlägt sich und es gibt so einige Überraschungen, die ich fast atemlos in mich aufgesogen habe. "Scythe" ist eine Reihe, die ich definitiv fortsetzen werde. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil!




"Scythe" ist ein erschreckendes Buch mit einer originellen Grundidee. Was wäre, wenn wir alle unsterblich werden? Wenn die Bevölkerung immer weiter wächst und das natürliche Gleichgewicht nicht mehr vorhanden ist? Wenn der Tod plötzlich nachgeahmt werden muss, um die Welt zu erhalten?

Für mich ist "Scythe" definitiv ein Jahreshighlight. Ich habe das Buch förmlich verschlungen, mit aufgestellten Nackenhaaren und einem flauen Gefühl im Magen! Eine tolle, düstere Utopie/Dystopie!

Samstag, 25. November 2017

[Rezension] Sturmherz - Corinna Bomann

Titel: Sturmherz
Autor:  Corinna Bomann
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 10. Februar 2017
Anzahl der Seiten: 528
Cover und Inhaltsangabe © Ullstein





"Alexa Petri hat schon seit vielen Jahren ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Cornelia. Doch nun liegt Cornelia im Koma, und Alexa muss ihre Vormundschaft übernehmen. Sie findet einen Brief, der Cornelia in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt: als leidenschaftliche junge Frau im Hamburg der frühen sechziger Jahre. Und als Opfer der schweren Sturmflutkatastrophe. Alexa beginnt zu ahnen, wer ihre Mutter wirklich ist. Als ein alter Freund von Cornelia auftaucht, ergreift Alexa die Chance, sich von der Frau erzählen zu lassen, die sie schließlich auch verstehen und lieben lernt."




Ich wollte schon lange einmal ein Buch von Corinna Bomann gelesen, da ich doch immer wieder sehr positive Meinungen zu ihren Geschichten gehört habe. Wie der Zufall es so wollte, habe ich eins ihrer Bücher in einem Bücherschrank gefunden und es spontan mitgenommen.

"Sturmherz" ist hierbei eine typische "Vergangenheit-Gegenwart"-Geschichte mit einem "dunklen" Familiengeheimnis. Interessant fand ich, dass die Gegenwart in der "Ich"-Perspektive verfasst ist, auch wenn ich, wie bei den meisten Büchern dieses Genres, einen größeren Bezug zu der Geschichte aus der Vergangenheit hatte.

Corinna Bomanns Schreibstil ist gut. sehr flüssig, besonders was die Dialoge angeht. Der Spaß und die Leidenschaft am Schreiben ist spürbar und das ist für mich immer das wichtigste. Den einzigen Kritikpunkt, den ich hier habe und den ich später näher erläutern werden: Teilweise haben mir die Emotionen und die Nähe zu den Charakteren gefehlt.




- Alexa -

Alexa wird bereits im Klappentext erwähnt und sie führt uns sozusagen durch die Gegenwart. Interessant fand ich, dass beinahe alle Charaktere etwas mit der Bücherwelt zu tun hatten, das machte sie gleich sympathisch. So besitzt Alexa beispielsweise eine Eventagentur für Autoren.

Alexa hat ein sehr schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, die jetzt im Koma liegt und vielleicht nie wieder die Alte sein wird. Als Alexa elf Jahre alt war, verschwand ihre Mutter für einige Zeit und als sie zurückkehrte, war ihre Liebe zu Tochter und Mann scheinbar verschwunden.

Diese Vorgeschichte hat mich auf der einen Seite schockiert, aber auch sehr neugierig gemacht. Natürlich wollte ich unbedingt wissen, was damals vorgefallen ist und warum Cornelia, Alexas Mutter, ihre Familie einfach im Stich gelassen hat.

Alexa selbst ist eine sehr selbstbewusste Frau, das muss sie auch sein, schließlich hat sehr früh erwachsen werden müssen. Ich mochte Alexa, auch wenn ich mir gewünscht hätte, auch mehr von ihren Gefühlen bezüglich ihrer Mutter zu erfahren. Teilweise kam sie mir, auch wenn sie weinend am Krankenbett ihrer Mutter saß, etwas distanziert vor.

- Cornelia -

Im Zentrum von "Sturmherz" steht die Geschichte von Cornelia und ihrer großen Liebe. Hier muss wohl jeder Leser selbst entscheiden, ob er Cornelia versteht oder eben nicht. Auf der einen Seite erleben wir Cornelia nämlich in jungen Jahren, als Tochter eines Vaters, der sie schlägt. Doch auf der anderen Seite ist da natürlich auch die Cornelia, die Alexa großgezogen hat. Sie ist eine Mutter, die ihre Liebe nicht zeigen konnte und ihr Kind im Grunde so behandelt hat, wie sie selbst einst von ihrem Vater behandelt wurde.

Obwohl ich Mitleid mit Cornelia hatte, empfand ich sie auch als sehr egoistisch. Klar, ihre Geschichte ist sehr traurig und wir Menschen machen Fehler, aber ich glaube, an einigen Stellen wäre es besser und einfach nur fair gewesen, die Dinge, die passiert sind, ehrlich anzusprechen. Besonders Cornelias Mann tat mir im Nachhinein leid.




"Sturmherz" spielt in Hamburg, was ich sehr interessant fand, auch wenn ich die Großstadt nicht sonderlich mag. Spannend ist aber der Ausgangspunkt der Geschichte: Die Sturmflut im Jahre 1962. Sehr dramatisch beschreibt die Autorin hier ein Einzelschicksal und erschafft ein Szenario, das wohl nicht dramatischer sein könnte.

Der Einstieg in das Buch fiel mir etwas schwer. Nach einem einstimmenden Prolog lernen wir nämlich erst einmal Alexa und ihre momentane Situation kennen. Sie soll die Vormundschaft für ihre Mutter Cornelia, die im Koma liegt, übernehmen. Viele Seite beschäftigen sich nun erst einmal mit der Suche der Patientenverfügung beziehungsweise dem Auffinden erster Hinweise auf das frühere Leben ihrer Mutter.

Spannend wird es eigentlich erst, als wir endlich in die Vergangenheit abtauchen dürfen und da hat mich das Buch dann auch endlich gepackt. Wir lernen die junge Cornelia kennen und erleben mit ihr gemeinsam ihre erste große Liebe. Die Geschichte fand ich sehr romantisch und sehr süß, auch wenn sich alles zu einem großen Drama entwickelt.

Die Liebesgeschichte der Gegenwart hätte für mich hingegen nicht sein müssen. Sie war für mich nur ein Lückenfüller und lief mir fiel zu schnell ab. Die Botschaft am Ende empfand ich auch als nicht ganz stimmig, vielleicht, weil es die große Liebesgeschichte von Cornelia etwas abgeschwächt hat.

"Sturmherz" bietet so einige Überraschungen. So wird erst am Ende offenbart, was damals, als Cornelia ihre Familie verließ, passiert ist. Traurig und irgendwie ungerecht ist diese ganze Geschichte, die mein Herz auf jeden Fall berühren konnte. Schade fand ich allerdings, dass ich gerade am Ende nicht weinen konnte, Ich musste feststellen, dass mir die Figuren dafür leider nicht nahe genug kamen!




"Sturmherz" ist eine dramatische Geschichte, die ihren Anfang 1992 bei der großen Sturmflut nahm und Wellen bis in die Gegenwart schlägt. Es geht um die große Liebe, um Verluste und um ein Leben, das eigentlich hätte ganz anders verlaufen sollen ...

Donnerstag, 23. November 2017

[Rezension] Royal 1: Ein Leben aus Glas - Valentina Fast

Titel: Royal 1: Ein Leben aus Glas
Autor:  Valentina Fast
Genre: Roman, Dystopie
Erscheinungsdatum: 6. August 2015
Anzahl der Seiten: 302
Cover und Inhaltsangabe © Impress



"Viterra, das Königreich unter einer Glaskuppel, ist der einzige Ort auf Erden, an dem die Menschen die atomare Katastrophe überlebt haben. Um die Bevölkerung bei Laune zu halten, findet dort alle zwei Jahrzehnte die große Fernsehshow zur Königinnenwahl statt. Aber diesmal ist alles anders. Diesmal will der Prinz ein Mädchen finden, das ihn um seiner selbst liebt. Vor den Augen des gesamten Königreichs soll die siebzehnjährige Tatyana zusammen mit den schönsten Mädchen des Landes um die Gunst vier junger Männer buhlen, von denen keiner weiß, wer der echte Prinz ist. Sie würde alles darum geben, nicht teilnehmen zu müssen. Aber auch sie kann sich dem Glanz eines Königslebens nur schwer entziehen …"



Die "Selection"-Reihe habe ich immer noch nicht beendet und dennoch hatte ich schon länger mit "Royal" geliebäugelt, einer ähnlichen Geschichte einer deutschen Autorin. In erster Linie wollte ich wohl herausfinden, wie sehr sich die beiden Bücher, die ja eine ähnliche Grundidee besitzen, ähneln. Da ich "Selection" richtig toll fand, hatte ich hier natürlich große Erwartungen.

Valentina Fasts Schreibstil hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. Er ist sehr jugendlich, leicht verständlich und es wird eine gewisse Nähe zu unserer Protagonistin Tatyana aufgebaut. Die Handlung verläuft allerdings recht ruhig und als Leser hatte ich das Gefühl, dass hier im ersten Teil doch noch recht wenig passiert ...




- Tatyana -

Wir lernen erst einmal Tatyana kennen, die ein normales Mädchen ist und eigentlich nur einen Wunsch hat: Sie möchte sich endlich von ihrer Tante lösen und bei ihrer Schwester leben. Aus diesem Grund nimmt sie auch an der "Auswahl" teil, was ich auch sehr interessant fand. Tatyana hat eigentlich am Anfang kein großes Interesse an einem der vier jungen Männer, aber gegen die eigenen Gefühle ist man wohl machtlos ...



"Royal" ähnelt "Seletion" schon ein wenig. Auch hier haben dieses "Bachlor"-Prinzip: eine gewisse Anzahl an Mädchen buhlen öffentlich um einen Prinzen - der Unterschied bei "Royal" ist allerdings, dass es hier vier Männer gibt und einer von ihnen ist der echte Thronfolger. Der Prinz möchte nämlich nämlich nicht wegen seiner Krone geliebt werden, sondern wegen seinem Charaktere.

Diese Grundidee fand ich schon sehr schön. Natürlich bleibt als Leser mehr oder weniger auch erst einmal verborgen, wer denn nun der Prinz ist. (Ich hatte nur die ganze Zeit eine gewisse Ahnung, aber vielleicht ist dies auch etwas zu offensichtlich ...)

Der Beginn der Geschichte widmet sich erst einmal mit der Einführung unserer Protagonistin und ihren Versuchen, die "Auswahl" schnell wieder zu beenden. Witzig fand ich hier die erste "Aufgabe", die zu bewältigen war und die wirklich bereits sehr fies war.

Tatyana ist nicht verbissen auf die Krone, wie gesagt, sie möchte eigentlich gar nicht dort sein. Diese unschuldige Ausstrahlung scheint die vier Männer zu imponieren. Doch einer von ihnen ist von Anfang an recht misstrauisch: Phillip, den ich gleichzeitig am interessantesten fand.

Phillip ist recht mürrisch und hält Tatyana dauernd vor, nur hinter der Krone her zu sein. Sie hingegen fühlt sich aus irgendeinem Grund zu ihm hingezogen. Was wird aus den Beiden noch werden?

Etwas zu kurz kam mir der dystopische Hintergrund dieser Welt, der eigentlich nur am Anfang schnell abgearbeitet wird. Wir haben hier eine von Kriegen zerstörte Erde, eine Wet unter einer Glaskuppel und eine Monarchie. Ich hätte mir hier viel mehr Informationen gewünscht!

"Royal" hat mich auf jeden Fall gut unterhalten, allerdings hat mir ein wenig die Spannung gefehlt. Im ganzen Buch passiert recht wenig und deswegen fiel es mir an manchen Stellen etwas schwerer, am Ball zu bleiben. Cliffhanger hätten der Geschichte an einigen Stellen, wie auch dem Ende, definitiv gut getan, denn momentan weiß ich noch nicht, ob die Fortsetzungen lesen werde!




"Royal 1: Ein Leben aus Glas" ist ein ruhiger Auftakt mit einer interessanten Protagonistin und einer süßen Grundidee. Die Mädchen müssen vier Männer von sich überzeugen, einer von ihnen ist der Prinz des Königreichs. Wird die wahre Liebe hier den Wunsch nach der Krone schlagen können?

Dienstag, 21. November 2017

[Rezension] Boy in a White Room - Karl Olsberg

Titel: Boy in a White Room
Autor:  Karl Olsberg
Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsdatum: 11. Oktober 2017
Anzahl der Seiten: 288
Cover und Inhaltsangabe © Löwe




"Eingesperrt, ohne Erinnerung, erwacht Manuel in einem weißen Raum. Er weiß weder, wer er ist, noch, wie er hierher kam. Sein einziger Kontakt ist eine computergenerierte Stimme namens Alice, durch die er Zugriff auf das Internet hat. Stück für Stück erschließt sich Manuel online, was mit ihm passiert ist: Bei einem Entführungsversuch wurde er lebensgefährlich verletzt. Doch wie konnte er diesen Anschlag überleben? Ist das tatsächlich die Wahrheit? Und wer ist Manuel wirklich?"




Karl Olsberg gehört seid "Mirror" und "Delete", zwei wahnsinnig tollen Büchern, zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Umso gespannter war ich auf sein neues Werk, das sich wieder einmal den technischen Fortschritt widmet, den ich so furchtbar erschreckend finde.

"Boy in a White Room" ist hierbei fast schon ein philosophisches Buch. Es geht um die Frage, was einen Menschen ausmacht, inwiefern wir noch eigenmächtigen Willen zeigen und wie sich die Welt vielleicht in ein paar Jahren entwickeln wird, wenn das Thema "künstliche Intelligenz" immer greifbarer wird.

Natürlich ist "Boy in a White Room auch ein Thriller. Der Spannungsbogen ist dem Autoren gut gelungen, es gibt viele Rätsel und viele Wendungen, die das Buch wie immer abwechslungsreich machen!




- Manuel -

Manuel (Was für ein passender Name!) erwacht in einem weißen Raum. Er erinnert sich nicht daran, wer er ist und warum er in dieser virtuellen Welt ist. Er beginnt nachzuforschen und findet dann heraus, dass er bei einem Entführungsversuch so schwer verletzt wurde, das er nur noch in dieser "unechten" Welt am "Leben" gehalten werden kann.

Manuel könnte in dieser "virtuellen" Welt problemlos leben. Er ist mit dem Internet verbunden, kann sich Streams von Menschen ansehen und sogar in eine extra für ihn erschaffene Welt in Form von Mittelerde eintauchen. Doch Manuel möchte dies nicht, er will wieder zu einem echten Menschen werden.




"Ich denke, also bin ich." Dieses Zitat von René Descartes steht im Zentrum der Geschichte rund um Manuel, den "Boy in a White Room". Der Autor Karl Olsberg beschäftigt sich in seinem Buch mit der Frage, was genau einen Menschen zum Menschen macht. Ist es das eigene Denken? Der eigene Wille? Doch was, wenn beides irgendwie beeinflusst wird?

Manuel ist ein starker Charakter. Von Anfang an stellte er seine Existenz in dieser virtuellen Welt in Frage und versucht, sich selbst wieder kennenzulernen. Gefangen in einem weißen Raum muss er sich selbst finden, bevor er komplett in diese "Welt" eintauchen kann.

Spannend ist hier natürlich die Tatsache, dass wir bereits in einer Welt leben, die sich genau in diese von Karl Olsberg beschriebene Richtung entwickelt. Das Internet wird immer wichtiger, ja, man kann sagen, dass es mittlerweile überlebenswichtig ist. Gerade junge Menschen unterschätzen auch hier die Gefahren, die aus einer Abhängigkeit entstehen können. Während Manuel in der Geschichte aus dieser virtuellen Welt fliehen möchte, um endlich wieder Mensch zu sein, gibt es doch in unserer Zeit viel zu viele Leute, die ins Internet flüchten. Dort ist doch auch alles so furchtbar leicht, nicht wahr?

Manuel hat Zugriff auf eine virtuelle Welt, die extra für ihn programmiert wurde. Er könnte dort in Frieden leben, denn sein Körper scheint in der echten Welt nicht mehr überlebensfähig zu sein. Warum reist er also nicht einfach nach Tolkiens Mittelerde und führt dort das heldenhafte Leben eines Elfs?

"Boy in a White Room" ist zeitgleich ein spannender Thriller mit vielen überraschenden Wendungen. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint und Karl Olsberg reißt das Ruder mehr als einmal rum. Gemeinsam mit Manuel begeben wir uns auf Spurensuche nach einer Identität, die immer wieder in Frage gestellt wird. Irgendwann weiß der Leser selbst nicht mehr, was wahr oder falsch ist.

"Alice im Wunderland" spielt auch noch eine wichtige Rolle in der Geschichte. Manuel muss das eine oder andere Rätsel lösen, was sich zwar teilweise etwas zieht, dennoch aber seine intensiven Momente besitzt. Das Ende habe ich in dieser Form wohl erwartet (Als ich mit dem Buch angefangen habe, hatten mein Mann und ich genau darüber ein längeres Gespräch ...), dennoch fand ich es passend, vielleicht, weil es etwas pessimistisch ist und das gut zur Gesamtthematik passt!




"Boy in a White Room" ist ein spannender Jugendthriller über eine virtuelle Welt, die uns Menschen zunehmend gefangen nimmt. Karl Olsberg kombiniert hier viele philosophische Ansätze mit einer düsteren Zukunftsprognose. Was macht uns eigentlich zum Menschen?

Sonntag, 19. November 2017

[Rezension] Geisterfjord - Yrsa Sigurdardóttir

Titel: Geisterfjord
Autor:  Yrsa Sigurdardóttir
Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsdatum: 9. September 2009
Anzahl der Seiten: 368
Cover und Inhaltsangabe © Fischer



"Drei junge Leute aus Reykjavík planen, ein heruntergekommenes Haus in einem verlassenen Dorf in den kargen Westfjorden Islands wieder aufzubauen; sie ahnen nicht, welch gewaltige Ereignisse sie damit in Gang setzen.
In einer Kleinstadt am anderen Ende des Fjords ermittelt zur selben Zeit Polizistin Dagný gemeinsam mit Freyr, einem Psychologen, in einer Reihe von unnatürlichen Todesfällen. Welche Geheimnisse bergen die staubigen Polizeiakten aus dem vorigen Jahrhundert? Und warum hat Freyr auf einmal das Gefühl, dass sein verschollener Sohn noch am Leben sein könnte? Erst als die Verbindung zwischen diesen rätselhaften Geschehnissen sichtbar wird, enthüllt sich die grausige Wahrheit."




Endlich habe ich meinen ersten Island-Thriller gelesen und ich bin wirklich glücklich darüber, es endlich einmal mit Yrsa Sigurdardóttir versucht zu haben. Im Internet kursieren ja die unterschiedlichsten Meinungen zu "Geisterfjord", einem eher unkonventionellen Thriller, der besonders durch seine paranormalen Elemente erstaunlich frisch und "anders" wirkt.

Zum Schreibstil von Yrsa Sigurdardóttir kann ich sagen, dass mir ihre einfache Art des Schreibens und des Beschreibens gut gefällt. Hin und wieder gab es in "Geisterfjord" ein paar kleine Fehler, ein paar grammatikalisch nicht so gut geformte Sätze und ein paar kleine Schnitzer in den Dialogen, die an einigen Stellen in der Ansprache zwischen "Sie" und "du" hin und herschwanken, aber dennoch besitzt das Buch eine sehr sympathische Art des Geschichtenerzählens, nicht perfekt, aber ehrlich und mit dem Mut, sich auch mal der Logik zu wiedersetzen.

Eins besaß "Geisterfjord" auf jeden Fall: Eine tolle und leicht unheimliche Atmosphäre, eine wundervolle Beschreibung von Islands Einsamkeit und eine gut durchdachte Geschichte, die sich nach und nach zusammensetzt.




- Katrin, Gardar, Lif -

Diese drei relativ jungen Leute wollen in einem verlassenen Dorf in den Wesfjorden ein Haus renovieren. Die drei sind eigentlich Freunde, sind im Umgang miteinander aber recht kühl.

Katrin steht in den Abschnitten aus der Sicht dieser drei Freunde im Mittelpunkt. Ihr Mann Gardar ist pleite und so sehen sie die einzige Chance, wieder an Geld zu kommen, in dem Umbau dieses alten Hauses. Natürlich passieren schon in den ersten Tag sehr seltsame Dinge ...

Katrin und Gardar als Paar betrachtet fand ich ebenfalls recht kühl. Die beiden gehen recht distanziert miteinander um, was ich anfangs etwas sonderbar fand, was sich im weiteren Verlauf aber noch aufklärt.

Lif war für mich die unsympathischste Person in diesem Buch. Sie ist sehr ängstlich und meckert die ganze Zeit. Ihre eigene Geschichte rund um ihrem Mann, der erst vor kurzem verstarb, hat dafür gesorgt, dass ich einen regelrechten Hass gegen sie entwickelt habe!

- Freyr -

Im zweiten Handlungsstrang begleiten wir einen Arzt und Psychiater, der vor einigen Jahren seinen Sohn verloren hat und das nie verkraften konnte. Seine Ehe ist zu Bruch gegangen und er fragt sich immer noch, was mit Benni passiert ist. Die Leiche wurde nämlich nie gefunden.

Er macht sich schreckliche Vorwürfe und muss sich in dieser Geschichte seine eigenen Fehler eingestehen, um nach und nach die Wahrheit zu erfahren. Positiv ist hier auf jeden Fall, dass wir keinen herkömmlichen Ermittler haben, sondern Freyr, der zwar mit der Polizei in Kontakt steht, uns aber mit langweiliger Ermittlungsarbeit verschont!




Nachdem ich schon so viel von Yrsa Sigurdardóttir gehört habe, musste ich mir endlich einmal ein eigenes Bild über diese isländische Autorin machen. In "Geisterfjord" gibt es zwei Handlungsstränge, die parallel verlaufen, auf den ersten Blick aber nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Zum einen sind da die drei Freunde, die in einem unheimlichen und verlassenen Dorf ein altes Haus renovieren und dabei auf so manch gruselige Vorkommnisse stoßen. Wen wundert es, dass ich diese Abschnitte am spannendsten fand?

Aber auch der zweite Handlungsstrang brauch sich nicht verstecken, denn hier kommt nach und nach eine grausige Geschichte mit etlichen Verbindungen ans Tageslicht. Auch Freyr steckt mittendrin, denn auch der Fall rund um seinen vermissten Sohn steht im Fokus der Geschichte.

Es war interessant fesselnd zu lesen, wie Freyr nach und nach die einzelnen Hinweise kombiniert. Alles beginnt mit einem Einbruch in einem Kindergarten, bei dem sich herausstellt, dass dies schon einmal vor rund Jahren passiert ist. Zeitgleich erhängt sich eine alte Frau in einer Kirche. Wie hängt das alles zusammen?

Die Charaktere sind der Autorin gut gelungen, sie sind facettenreich, auch wenn wir nur das erfahren, was die Autorin uns eben erfahren lassen möchte. So recht sympathisch war mir in der Geschichte allerdings niemand, es war doch wieder eine gewisse Distanz spürbar.

Yrsa Sigurdardóttir hat hier wirklich einen tollen Thriller verfasst, der besonders durch seine übernatürlichen Elemente punkte kann. "Geisterfjord" ist in erster Linie ein Mysterythriller, was bedeutet, dass man als Leser eine gewisse Offenheit bezüglich des Paranormalen mitbringen soll. Vieles, was passiert, lässt sich nicht logisch erklären und der Leser muss teilweise selbst einzelne Abschnitte interpretieren.

Zum Ende hin werden einige Fragen geklärt. Im Großen und Ganzen ist es eine erschreckende Geschichte, die bereits vor vielen Jahren ihren Anfang nahm. Als Leser bekommen wir hier aber keine "Komplettlösung" präsentiert, sondern müssen auch am Ende noch unser eigenes Köpfchen anstrengen. Ich mag "offene Enden" in Büchern sehr gerne und Yrsa Sigurdardóttir hat es hier auf jeden Fall geschafft, mich auch nach dem Zuschlagen des Buches dazu zu animieren, über die Geschichte nachzudenken!




"Geisterfjord" ist ein Thriller mit Mysteryelementen, der zu gruseln weiß und eine tolle Atmosphäre besitzt! Die Geschichte ist gut durchgedacht, gibt aber auch viel Spielraum für eigene Interpretationen. Wer dem Übernatürlichen nicht abgeneigt ist, nicht immer einen strickten Logik folgen möchte und auch nicht unbedingt sympathische Charaktere in einem Buch braucht, der wir mit "Geisterfjord" so einige unheimliche Lesestunden haben!

Weitere Meinungen zum Buch:

Nicole von Zeit für neue Genres (5 von 5)


Freitag, 17. November 2017

[Rezension] Das Apartment - S. L. Grey

Titel: Das Apartment 
Autor:  S. L. Grey
Genre: Thriller, Psychothriller
Erscheinungsdatum: 9. Oktober 2017
Anzahl der Seiten: 336
Cover und Inhaltsangabe © Heyne

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!




"Die Ehe von Mark und Steph bröckelt. Um wieder Romantik in ihr Leben zu bringen, machen sie einen Häusertausch per Internet. Steph findet eine Unterkunft in Paris, die auf den Fotos traumhaft aussieht. Doch ihr Apartment entpuppt sich als böse Überraschung. Die Zimmer scheinen seit Jahren nicht mehr bewohnt zu sein, schwere Jalousien lassen kaum Tageslicht herein. Sie beschließen zu bleiben. Doch dann entdeckt Mark mehrere Plastikeimer – gefüllt mit Frauenhaar. Ihm wird klar, dass sie verschwinden müssen. Sofort. Doch der Albtraum hat bereits begonnen … und wird sie nicht mehr loslassen … nie mehr!"




"Das Apartment" von S. L. Grey war mal wieder so ein Buch, das mich sofort angesprochen hat. Ich liebe diese unheimliche Stimmung aus Horrorfilmen, in denen es in einem einfachen Apartment zu spuken scheint. Eine solche Atmosphäre verströmt auch diese Geschichte, die teilweise in Paris spielt, einer Stadt, in der ich wohl niemals freiwillig leben würde.

Die ganze Stimmung in "Das Apartment" ist von Anfang an sehr melancholisch. Abwechselnd wird das Geschehen aus der Sicht der Eheleute Steph und Mark geschildert, die nicht mehr so recht zueinander finden. Wir steigen gleich an einem Punk in dem Buch ein, in dem sich die beiden schon stark auseinandergelebt haben und eigentlich nur ihre Ehe retten wollen.

Den Schreibstil von S. L. Grey fand ich passend. Der Spannungsbogen wird stetig aufrecht erhalten und die ganze Geschichte wirkt wie eine Mischung aus Mysterythriller und Psychothriller.




- Steph -

Seid einem Einbruch in ihrem Haus fühlt sich Steph nicht mehr sicher. Sie hat tierische Angst, schläft kaum noch und ist stets besorgt um ihre Tochter Hayden. Sie weiß, dass ihre Ehe in einer riesigen Krise steckt und will eigentlich nur flüchten, um endlich wieder zu ihrem Mann zu finden.

Steph war hier in dieser Geschichte ein sehr ängstlicher Charakter, der einfach nicht wusste, was er tun sollte. Sie will immer nur flüchten, aber ob man dem Bösen so wirklich entfliehen kann?

- Mark -

Mark will stark sein, hat aber bei dem Einbruch in seinem Haus nichts getan, um seine Frau und seine Tochter zu schützen. Deswegen macht er sich große Vorwürfe, aber auch eine andere Sache verfolgt ihn auf Schritt und Tritt: Er hat seine kleine Tochter Zoe verloren. Auch das wird im Laufe dieses Thrillers wieder an die Oberfläche kommen und deutliche Spuren hinterlassen.

So recht sympathisch war mir hier in diesem Buch niemand, was aber auch wohl so beabsichtigt war. Wir haben hier zwei zerbrochene Menschen, die einfach aus dem Alltag fliehen wollen, es aber nicht schaffen, aus ihrem tiefen Loch herauszufinden.




"Das Apartment" ist so ein Thriller, der mal wieder die Geister scheidet. Die einen, die einen subtilen Grusel mögen und nichts gegen paranormale und manchmal auch unerklärliche Elemente haben, werden das Buch wohl lieben, die anderen, die nicht offen für das Übernatürliche sind und eine Geschichte am Ende komplett erklärt haben wollen, werden es wohl einfach hassen. Zum Glück gehöre ich zur ersten Kategorie.

Die Geschichte rund um das mysteriöse Apartment in Paris, auf das Mark und Steph durch einen Wohnungstausch stoßen, hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Bei ihrer Ankunft stellt das Paar schnell fest, dass mit der Wohnung etwas nicht stimmt. Sie ist heruntergekommen, schimmlig und sieht nicht so aus, als würde dort jemand leben. Ihre Tauschpartner melden sich zudem nicht und kommen auch nicht in Stephs und Marks Haus in Südafrika an ...

Hier wird eine ungemeine Spannung aufgebaut. Wer steckt hinter dem Wohnungstausch? Und was stimmt nicht mit dem Apartment? Eine unheimliche Künstlerin, die auf dem Dachboden lebt, erschreckt die beiden und alles deutete darauf hin, dass in dem Haus etwas Böses haust.

Die Geschichte hat es wirklich in sich, verändert sich nach der Hälfte aber. Schauplatz ist hier nicht länger Paris, sondern wieder Stephs und Marks eigenes Heim. Das kam für mich sehr überraschend, da ich wirklich gedacht hätte, die gesamte Handlung würde sich auf das Apartment in Paris beschränken.

Das Buch wandelt sich zu diesem Zeitpunkt auch. Es bleibt zwar unheimlich, aber wir müssen zusehen, wie einer unserer Protagonisten den Verstand verliert. Teilweise hat sich das Buch hier wie ein Psychothriller gelesen, viele Gedanken sind wirr, was aber absolut gut zur Story gepasst hat.

Am Ende überschlagen sich die Dinge, was mir persönlich etwas zu schnell ging. Interessant fand ich aber, dass S. L. Grey hier nur wenige Fragen beantwortet und den Leser mehr oder weniger allein lässt mit er Frage, was nun genau hinter dem ganzen Geschehen steckt. Ich liebe solche offenen Ende ja, hätte mir aber tatsächlich gewünscht, wenigstens zu erfahren, was genau nun hinter dem Wohnungstausch steckt ...




"Das Apartment" ist auf jeden Fall ein sehr atmosphärischer Mystery-Thriller, der viel Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, auch das mehr oder weniger offene Ende hat mich zum Nachdenken angeregt, auch wenn ich mir hier doch wenigstens auf ein oder zwei Fragen eine Antwort gewünscht hätte ...

Weitere Meinungen:

Sabrinas magische Buchwelt (5 von 5)
Books Dream (4 von 5)
Court of night readers (3,5 von 5)

Donnerstag, 16. November 2017

[Rezension] Mansfield Park - Jane Austen

Titel: Mansfield Park
Autor:  Jane Austen
Genre: Roman, Klassiker
Erscheinungsdatum: erstmals 1814
Anzahl der Seiten: 560
Cover und Inhaltsangabe © dtv



"In »Mansfield Park«, dem Herrenhaus des reichen Sir Thomas Bertram, leben nicht weniger als drei junge Ehekandidatinnen. Maria und Julia, die beiden Töchter des Hauses, gefährden durch Arroganz und Eitelkeit ihr zukünftiges Glück. Zugleich machen sie ihrer Cousine Fanny, Tochter verarmter Eltern, die bei den Bertrams aufwächst, das Leben schwer. Fanny, die eigentliche Heldin des Romans, trotzt kraft ihrer Unbestechlichkeit und Menschenkenntnis allen Anfechtungen. Und sie wird damit belohnt, daß sie letzten Endes doch noch den Mann heiraten darf, den sie lange Zeit ohne Hoffnung geliebt hat."




Hier kommt nun der zweite Klassiker, den ich in diesem Monat lesen durfte. Mittlerweile habe ich Jane Austens Bücher wirklich lieben gelernt und möchte nach und nach alle lesen. "Mansfield Park" hat sich hierbei besonders interessant angehört.

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir dieses mal recht schwer. Eine Vielzahl von Charakteren ist man bei Jane Austen zwar gewohnt, aber hier haben mich zu Beginn die vielen Namen (vor und nach der Heirat) irritiert und ich habe einige Zeit gebraucht, um überhaupt in die Geschichte hineinzufinden.

Insgesamt fand ich den Stil hier wie immer gut, aber nicht so leicht wie bei "Emma" oder "Stolz und Vorurteil". Teilweise besaß er bei "Mansfield Park" etwas sehr bemühtes und die Leichtigkeit Jane Austens im Umgang mit Wörtern hat sich für mich erst zum Ende hin entwickelt.




- Fanny -

Fanny kommt zu ihren beiden Tanten, da ihre eigene Mutter total überfordert mit ihren anderen Kindern ist und wohl nicht allzu klug geheiratet hat. Vom Charakter her ist Fanny von Anfang an ein sehr scheues, schüchternes und bescheidendes Mädchen. Als sie nach "Mansfield Park" kommt, ist sie erst einmal sehr unglücklich und findet nicht so recht einen Zugang zu den anderen Familienmitgliedern. Nur Edmund, ihr Cousin, versucht alles in seiner Macht stehende zu tun, damit sie sich gut einlebt.

- Edmund -

Edmund ist ein weiterer toller Charakter. Er scheint der einzige seiner Familie zu sein, der Fanny wirklich schätzt und achtet. Ich mochte ihn von Anfang an, auch wenn er etwas schwer zu durchschauen war, besonders im Hinblick auf seine kurzzeitige "Verliebtheit".

- Maria und Julia -

Ich kann der Geschichte mit ihren vielen Charakteren hier kaum gerecht werden, muss aber dennoch Maria und Julia, Fannys zwei andere Cousinen noch erwähnen. Sie sind sehr gebildet und blicken etwas auf Fanny herab, die ja aus ärmlicheren Verhältnissen kommt.

Maria und Julia müssen in dieser Geschichte selbst noch einige Entscheidungen treffen und sich für ihr kommendes Leben wappnen. Natürlich funktioniert die ganze Story hier wieder einmal nicht ohne große Skandale und so entscheiden sich die beiden Schwestern hier vielleicht nicht unbedingt besonders klug ...




Lady Bertram und Mrs. Norris, zwei Schwestern, nehmen in gespielter Gutherzigkeit die älteste Tochter bei sich auf. Fanny wird von allen Familienmitgliedern geduldet, muss sich aber durchbeißen, um überhaupt gesehen zu werden.

Zu Beginn werden erst einmal die Beziehungen der einzelnen Personen dargelegt, die ich hier kurz anreißen möchte: Tom, Edmund, Julia und Maria sind ihre Cousinen, Sir Thomas ihr Onkel und der Besitzer von Mansfield Park. Zudem gibt es noch einige wichtige befreundete Familien, die hier noch eine Rolle spielen, wie beispielsweise die Crawfords, ein Geschwisterpaar im gleichen Alter wie die Kinder der Bertrams und ein Mr. Rushford, der ein sehr törichter und einfacher Mann ist.

Natürlich geht es in "Mansfield Park" wieder einmal um das große Thema Heirat. Jede Frau möchte natürlich den perfekten Mann finden und so werden wir hier Zeuge, wie sich viele unserer Charaktere verlieben (oder eben eine "kluge" Entscheidung treffen!)

Fanny bleibt dabei die meiste Zeit eher Nebencharakter, obwohl sie eigentlich die Heldin dieses Romans sein soll. Sie ist sehr zurückhaltend, lässt sich teilweise durch die Geschichte leiten und besitzt wenig Eigeninitiative, was ich ein wenig schade fand. So kam sie mir, obwohl ich sie vom Charakter her sehr gerne mochte, leider nicht besonders nah.

Interessant fand ich das Theaterspiel, dass die jungen Menschen im späteren Verlauf aufführen wollen. Das ist mir jetzt auch noch am besten im Gedächtnis geblieben. "Mansfield Park" besitzt auf jeden Fall einen ganz guten Witz, aber es fehlte mir ein wenig die Schlagfertigkeit der Charaktere. Für mich war unter den ganzen Familienmitgliedern leider niemand, den ich komplett in mein Herz schließen konnte.

Die Liebesgeschichte ist natürlich wieder einmal vorhersehbar, sie steht aber definitiv nicht im Zentrum der Geschichte. In "Mansfield Park" geht es viel um Familie und um gesellschaftliche Pflichten. Besonders dieser Einblick ist Jane Austen hier wieder gut gelungen!




"Mansfield Park" war für mich viel schwerer zu lesen als "Emma" oder "Stolz und Vorurteil" und insgesamt empfand ich die Geschichte als nicht ganz so stark und einprägsam, wie ich es mittlerweile von Jane Austen gewohnt bin. Die Charaktere sind gut gezeichnet, aber besonders bei unserer Protagonistin Fanny fehlte mir etwas Initiative, sie kam mir leider nicht besonders nah!