Dienstag, 14. November 2017

[Rezension] Das Orangenmädchen - Jostein Gaarder

Titel: Das Orangenmädchen
Autor:  Jostein Gaarder
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. November 2005
Anzahl der Seiten: 192
Cover und Inhaltsangabe © dtv



"Georg ist 15 und lebt mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und der kleinen Miriam in Oslo. An seinen Vater kann er sich kaum noch erinnern; er ist gestorben, als Georg vier war. Doch nun, elf Jahre später, greift Georgs Vater wieder in sein Leben ein -– mit einem langen Brief, der all die Jahre versteckt war. Die Lektüre dieses Abschiedsbriefes ist für Georg eine Reise in die Vergangenheit. Doch bald begreift er, dass es darin auch um seine Zukunft geht, zum Beispiel um die Frage, wie er es mit der Liebe hält. Und dem Leben. Sein Vater konnte ihm keine Antworten mehr geben. Aber er konnte seinem Sohn die richtigen Fragen stellen."




Letztes Jahr im Winter hat mich Jostein Gaarders "Das Weihnachtsgeheimnis" total auf die besinnliche Zeit des Jahres eingestimmt und in meiner Jugend habe ich "Sofies Welt" als sehr philosophischen Roman sehr geliebt und förmlich verschlungen. Nun habe ich "Das Orangenmädchen" in einem Bücherschrank gefunden und wusste sofort, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss.

Auf nur gut 192 Seiten schreibt sich Jostein Gaarder wieder einmal die Seele aus dem Leib und dies ist auch spürbar. Vater und Sohn schreiben hier zusammen ein Buch, auch wenn der Vater nun schon seit über zehn Jahren tot ist. Immer wieder wechselt sich der Abschiedsbrief des Vaters mit den Gedanken Georgs ab.

Eindringlich ist der Stil von Jostein Gaarder. Eindringlich, philosophisch und ein wenig poetisch. Ich glaube, diesen Stil, der einen beinahe zwingt über den Sinn des Leben nachzudenken, muss man einfach mögen. Ansonsten kann einem das Buch beinahe schon zu überdreht wirken.




- Georg -

Georg hatte nie die Chance seinen Vater richtig kennenzulernen, da dieser sehr früh verstarb. Jetzt bekommt er allerdings einen Brief, den seine Großeltern gefunden haben und den sein Vater an ihn adressiert hat. Natürlich kommen da einzelne Erinnerungen hoch und Georg hat endlich die Chance, seinen Vater endlich verstehen zu können.

- Jan Olav -

Jan Olavs Geschichte steht im Fokus dieses Romans. In einem Brief erzählt er seinem Sohn, wie er ein ominöses "Orangenmädchen" getroffen hat. Es ist eine tolle Liebesgeschichte, aber gleichzeitig auch ein sehr schmerzhafter Abschiedsbrief.




"Das Orangenmädchen" ist ähnlich philosophisch wie "Sofies Welt". Gemeinsam mit Georg lesen wir den Abschiedsbrief seines Vaters und bekommen eine wundervolle, wenn auch traurige Liebesgeschichte zu hören. Immer wieder wechselt sich der Brief mit Georgs Gedanken ab und ja, am Ende ist es wirklich so, das Vater und Sohn doch noch gemeinsam ein Buch schreiben können ...

Das "Orangenmädchen" ist dabei lange Zeit eine Art Rätsel und eine Gestalt, die im Schatten liegt. Jan Olav sieht sie zum ersten Mal in der Straßenbahn. Er rempelt sie an und alle Orangen verteilen sich auf dem Boden. Danach ist er dauernd auf der Suche nach ihr, sieht sie immer mal wieder, aber mehr als ein paar Worte tauschen die beiden nicht aus ...

Und doch ist die Geschichte von dem Orangenmädchen und Jan-Olav von Anfang an eine Art Märchen. Die beiden brauchen nicht viel, um sich zu verständigen und ich denke, dass dies wohl die "wahre Liebe" ist.

Jostein Gaarders Schreibstil wird wohl nicht jedem Leser zusagen, aber ich muss sagen, dass ich seinen Umgang mit Wörtern liebe. Er schreibt gleichzeitig lockerleichte Geschichte, verlangt vom Leser allerdings auch, dass dieser sich öffnet. In "Das Orangenmädchen" geht es auch wieder um die Reflexion des eigenen Lebens. um die Tatsache, dass alles vergänglich ist und das uns diese bittere Wahrheit nicht davon abhalten sollte, unsere sehr begrenzte Zeit zu nutzen.

Im Laufe der Geschichte offenbart sich natürlich auch, wer das Orangenmädchen ist. Es ist wirklich eine sehr emotionale und tiefgründige Lektüre, die mir mal wieder gezeigt hat, wie wichtig es ist, seine Zeit zu nutzen und alles Negative aus seinem Leben zu bannen. Es sind doch solche "Märchen", solche absolut perfekten Momente, die uns immer wieder daran erinnern, dass wir für all das, was wir lieben, Kämpfen müssen. Ganz gleich, wie lange der Kampf auch dauern mag ...




"Das Orangenmädchen" ist ein stilles Werk über die Liebe, das Leben und das Erreichen des eigenen Glücks. Ein Sohn schreibt mit seinem bereits viele Jahre toten Vater ein Buch, das den Leser zwingt, das eigene Leben näher zu betrachten. Ich liebe Jostein Gaarder für diese Botschaften!


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