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Donnerstag, 9. November 2017

[Rezension] Unglücksspiel - Yvonne Keller

Titel: Unglücksspiel
Autor:  Yvonne Keller
Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsdatum: 1. September 2016
Anzahl der Seiten: 448
Cover und Inhaltsangabe © Knaur



"Nerina hat Angst. Todesangst. Besonders seit jenem Tag vor elf Jahren, an dem sie etwas Unverzeihliches tat. Die Angst vor der Strafe Gottes und vor der Abschiebung zurück in den Kosovo, aus dem sie einst floh, verfolgt sie. Immer.
Als eine junge Frau mit Kind in die Nachbarschaft zieht und sich mit ihr anfreundet, sieht Nerina einen Hoffnungsschimmer, vergisst für einen Moment ihre Angst. Doch dann macht die neue Nachbarin einen Fund, der Nerinas Geheimnis in Gefahr bringt. Für Nerina beginnt ein Alptraum, aus dem es nur einen Ausweg zu geben scheint …"




"Unglücksspiel" von Yvonne Keller war mal wieder ein Buch, das mich zwar vom Klappentext angesprochen hat, bei dem ich mir aber kaum vorstellen konnte, was für eine Geschichte sich nun im Inneren verbirgt.

Von der deutschen Autorin Yvonne Keller habe ich zuvor noch nichts gehört, ihr Stil hat mich aber auf jeden Fall positiv überrascht. Die Geschichte besitzt von Anfang an einen gewissen Sog, auch wenn der Spannungsbogen recht flach gehalten ist. Es gibt drei Erzählstränge, die allesamt sehr interessant sind und sich im späteren Verlauf miteinander verbinden.




- Anja -

Auch wenn Anja im Klappentext nicht erwähnt wird, so hatte ich doch das Gefühl, dass sie unsere Protagonistin ist und uns etwas durch die Geschichte lenkt. Ihr Mann muss plötzlich verschwinden und so muss sie mit ihrer kleinen Tochter ein anderes Haus beziehen. Sie weiß eigentlich überhaupt nicht, was mit ihrem Mann ist und dementsprechend frustriert ist sie, als sie plötzlich allein dasteht.

Schnell findet sie heraus, dass in dem Haus, in dem sie nun mit ihrer Tochter leben muss, vor vielen Jahren ein Mädchen verschwand, die Tochter der Vermieter. Um diese Geschichte geht es auch in diesem Buch, denn nach und nach wird klar, was mit dem Mädchen damals wirklich passiert ist und wer alles involviert ist ...

Anja selbst empfand ich als recht schwierigen Charakter, was aber hauptsächlich an ihrer eigenen Geschichte lag. Sie wurde von ihrem Mann im Stich gelassen, der ohne ein Wort über seinen Aufenthaltsort, einfach verschwindet und sich nicht mehr meldet. Diese Art der Beziehung war für mich nicht direkt nachvollziehbar, vor allem, da Anja hier in dem Buch auch eine kleine Liebesgeschichte bekommt, die es für mich nicht unbedingt gebracht hätte.

- Nerina -

Nerina wohnt in dem Ort, in den Anja zieht und sie passt im späteren Verlauf auf Anjas kleine Tochter auf. Wir bekommen als Leser aber ach Einblick in ihr Leben und das ist leider nicht ganz so toll. Sie ist ein Flüchtling, dem Kosovo entkommen, um hier in Deutschland ein neues Leben zu beginnen und endlich glücklich zu werden, doch es scheint, dass sie vor irgendetwas Angst hat ...

Sehr sensibel beschreibt die Autorin hier das Leben Nerinas, in dem es kaum einen Halt gibt. Besonders ihre Beziehung zu ihrem Sohn ist zerbrochen, unwiderruflich zerbrochen. Schreckliches offenbart sich deswegen in dem Zusammenleben der Familie.

Ich empfand sehr viel Mitleid mit Nerina, die an Panikattacken leidet und einfach nur dazugehören möchte.




Zu Beginn haben mich die drei Handlungsstränge ein wenig verwirrt, da erst unklar ist, wie sie alle zusammenpassen, doch nach und nach lichtet sich der Nebel und es wird klar, dass es besonders um das vor Jahren vermisste Mädchen geht. Immer wieder gibt es hierzu kleine Andeutung und wir lernen zudem die Mutter kennen, die mit der Vergangenheit immer noch nicht abgeschlossen hat. Diese Abschnitte haben mich besonders schockiert, besonders zum Ende hin.

Interessant und sehr einfühlsam wird hier die Flüchtlingsthematik angesprochen, die schon viele Jahre existent ist, wie das Buch hier beweißt. Ich war aber froh, dass Fremdenhass oder Rassismus in diesem Roman keine große Rolle spielt und Nerina von allen gut behandelt wird. Hier ist mir die Realität schon grausam genug.

"Unglücksspiel" ist in erster Linie ein Roman, der von der Geschichte her zu fesseln weiß und seine starken Momente besitzt, aber sehr ruhig gehalten ist. Bis zum sehr schockierenden Ende, das tatsächlich noch zu überraschen weiß, geht es nur um die einzelnen Personen, um ihre Probleme und ihren Umgang damit. An dieser Stelle muss ich aber sagen, dass mir Anjas eigene Geschichte mit ihrem Mann, aber auch mit ihrer neuen "Liebelei" teilweise nur wie ein Lückenfüller vorkam, eine Streckung der eigentlichen Handlung, denn Anja symbolisierte für mich ein wenig die typische Protagonistin in Thriller: stark, selbstbewusst und durch die Handlung führend.

Trotz der kleinen Kritik hat mir "Unglücksspiel" aber ausgesprochen gut gefallen. Das Buch nimmt gerade zum Ende hin mächtig Fahrt auf und offenbart wirklich eine schreckliche Geschichte, die sich vor vielen Jahren zugetragen hat und die niemanden der Beteiligten je losgelassen hat. Ich dachte zwar, schnell zu erahnen, was dahintersteckt, doch am Ende gab es dennoch eine kleine Überraschung!




"Unglücksspiel" ist ein sehr ruhig erzählter Roman, der aber dennoch durch seine vielschichtigen Charaktere zu fesseln weiß. Nur Anja als Protagonistin fand ich zu unwichtig für all das, was am Ende offenbart wird ...


Weitere Rezensionen zum Buch:

Petra von Papier und Tintenwelten (4 von 5)



2 Kommentare:

  1. Hallo Jessi,

    schön, dass dir das Buch so gefallen hat und dich doch richtig packen konnte. Mir klingt das Thema hier einfach zu ernst und zu nah an der gegenwärtigen Realität, damit kann ich nicht so gut umgehen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hi Nicole :D

      Da hast du recht, das Buch ist gerade jetzt sehr aktuell, verzichtet aber glücklicherweise gänzlich auf das Thema Rassismus! Das hätte mich wohl auch gestört, die REalität ist momentan ja schrecklich genug!

      Liebe Grüße
      jessi

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