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Freitag, 1. April 2022

[Rezension] Und jeden Tag ein Stück weniger von mir - Gerhard Eikenbusch

 


Titel: Und jeden Tag ein Stück weniger

Autor:  Gerhard Eikenbusch

Genre: Jugendroman
Erscheinungsjahr: 1998
Anzahl der Seiten: 211
Cover: © Ravensburger

Begonnen: 18.03.2022
Beendet: 22.03.2022




Bücher über Magersucht und Bulimie lese ich immer sehr gerne, vor allem, wenn es dabei tiefe Einblicke in diese Krankheiten gibt. In "Und jeden Tag ein Stück weniger von mir" begleiten wir Frauke, die plötzlich anfängt zu hungern und sich selbst gar nicht mehr so richtig versteht.

Wie im Nachwort erwähnt, ist die Magersucht sowohl Hilferuf, als auch Suche und Protest. Das fasst auch Fraukes Verhalten sehr gut zusammen. Sie hat nicht nur schulischen Druck, sondern auch Eltern, die wenig Verständnis zeigen und sich im Grunde kaum für sie interessieren. In ihrer Verzweiflung sucht sie nach etwas, das sie kontrollieren kann und endet so bei ihrem Gewicht.

Mich hat es hier besonders mitgenommen, wie die Mutter von Frauke ihrem Kind droht und sie für ihre Krankheit verantwortlich macht. Immer wieder fallen toxische Sätze wie "warum tust du uns das nur an, Kind?" oder "du machst mich krank, Frauke". Mir wurde hier beim Lesen etliche Male schlecht bei der Ignoranz dieser Eltern.

Der Autor stellt hier sehr glaubhaft jene Familienverhältnisse dar, an denen wohl viele Jugendliche leiden. Mich wundert es wenig, dass Frauke schließlich einfach "verschwinden" will, um all das nicht mehr ertragen zu müssen.

Sie kommt schließlich in eine Klinik, in der auch der größte Teil des Romans spielt, doch wirklich verstehen tut sie ihre Krankheit erst, als sie eine esssüchtige Zimmergenossin bekommt. Fraukes Gedankenwelt wirkt beim Lesen mitunter sehr wirr und sie muss einige Rückschläge hinnehmen. Das Buch ist recht kurz und schildert vermutlich nur die Spitze des Eisberges. Die Einblicke in die Therapie hätten für mich gerne noch intensiver sein können, denn ich hatte das Gefühl, dass die Ärzte Frauke fast genauso wenig Verständnis entgegenbringen wie ihre Eltern ... Dennoch halte ich dieses Buch aber für einen guten Einblick in das Leben einer Magersüchtigen. Das Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an!


"Und jeden Tag ein Stück weniger von mir" von Gerhard Eikenbusch ist ein sehr kurzer Jugendroman, der aber einen guten Einblick in das Leben einer Magersüchtigen gibt und zeitgleich die schwierigen Familienverhältnisse schildert, die zu einer Erkrankung führen können. Lesenswert!


Ich vergebe 4 von 5.







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