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Sonntag, 31. Dezember 2023

[Rezension] Die New York-Trilogie Stadt aus Glas - Schlagschatten - Hinter verschlossenen Türen - Paul Auster

 


 Titel: Die New York-Trilogie Stadt aus Glas - Schlagschatten - Hinter verschlossenen Türen

Autor:  Paul Auster

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 268
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 12.12.2023
Beendet: 16.12.2023


Pauls Austers "New York-Trilogie" umfasst drei sehr außergewöhnliche, auf sehr abstrakte Weise miteinander verknüpfte Geschichten, die sich so leicht keinem Genre zuordnen lassen und die den Leser bewusst herausfordern, einmal über den Tellerrand zu blicken.

"Stadt aus Glas" dreht sich um Quinn, der eigentlich Drtektivromane schreibt, dann aber in einen Fall hineingezogen wird, der gar kein richtiger Fall ist. Er observiert einen Mann, verschmilzt mit ihm und verliert sich dabei selbst. "Schlagschatten" ist die Geschichte von Blue, der von White den Auftrag bekommt, Black zu verfolgen und "Hinter verschlossenen Türen" erzählt von einem unbekannten Ich-Erzähler, der mit dem Verschwinden seines engsten Freundes konfrontiert wird.

Wer herkömmliche Krimis bevorzugt, wird mit Paul Auster sicherlich keine große Freude haben, denn er lässt sämtliche Rollen miteinander verschmelzen. Es gibt keinen Mörder/Täter und es gibt auch keinen Ermittler, auch wenn alle Charaktere meinen, Teil eines sehr verstrickten Falls zu sein. Als Leser habe ich mich irgendwann nicht mehr nur gefragt, wer hier denn nun der Verfolger und wer der Verfolgte ist, sondern auch, welche Rolle der Autor selbst in dem ganzen Durcheinander spielt. Denn Auster selbst greift immer mal wieder ein.

Für mich war dieses Buch ein ganz neues Leseerlebnis, auf das ich mich zu Beginn erst einmal einlassen musste, das aber einen ungemeinen Sog erzeugt und mich förmlich mitgerissen hat. Ich fühlte mich wie in einem Strudel, in dem ich dann letztendlich mitsamt der Charaktere gnadenlos untergehen musste. Für mich ein sehr außergewöhnlicher Autor, dem man unbedingt mal eine Chance geben sollte wenn man mal etwas ganz anderes lesen will!





Paul Austers Trilogie war ein ganz besonderes und neuartiges Leseerlebnis, denn der Autor verschiebt hier sämtliche Rollen und drängt den Leser selbst dazu, sich ein ganz eigenes Bild zu machen. Außergewöhnlich!


Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 30. Dezember 2023

[Rezension] Schwindel - Kristina Dunker

 


Titel: Schwindel

Autor:  Kristina Dunker

Genre: Jugendthriller

Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 248
Cover: © dtv
Begonnen: 10.12.2023
Beendet: 14.12.2023


Eva ist nun seit sechs Wochen mit ihrem Freund Julian zusammen und möchte nun mit ihm gemeinsam in einer abgelegenen Mühle ein paar romantische Tage verbringen. Doch bereits bei ihrer Ankunft geht alles schief. Der Zug verspätet sich, Julian kann sie nicht abholen und so macht sie sich auf den Weg durch den dunklen Wald. Dabei sieht sie einen Jungen, der brutal zusammengeschlagen wird. Könnte es sein, dass Julian und seine Freunde etwas damit zu zum haben? Und was ist mit dem Mädchen, das vor ein paar Tagen nach einer Party verschwand?

"Schwindel" war nun mein zweiter Jugendthriller von Kristina Dunker, der mich von der allerersten Seite fesseln konnte. Die Protagonistin Eva hat es nicht sehr leicht, denn sie leidet an Panikattacken und geht deswegen auch zu einem Therapeuten. Der Urlaub soll nun ein Neuanfang sein, denn sie will beweisen, dass sie ein ganz normaler Teenager sein kann.

Doch der Urlaub ist von Anfang an kein richtiger Urlaub. Julian verhält sich merkwürdig, seine Freunde sind alles andere als sympathisch und es kommen einige unschöne Wahrheiten ans Licht. Besonders Julian verhält sich nämlich nicht gerade wie ein liebevoller Freund, obwohl die beiden sogar ihr erstes Mal geplant haben. Der Leser misstraut hier so gut wie jedem und genau das macht diesen Jugendthriller auch aus, der sehr subtil bleibt und eine angenehme Spannung aufbaut.

Ich war mir bis zum Ende hin unsicher, auf welcher Seite ich hier stehen soll und auch wenn ich Teile der Auflösung bereits erahnen konnte, hat mich dieser Jugendthriller doch bestens unterhalten. Mir gefallen die Bücher von Kristina Dunker sehr.




"Schwindel" ist ein spannender Jugendthriller, in dem jeder irgendwelche Geheimnisse hat. Kristina Dunker traf mal wieder genau meinem Geschmack!


Ich vergebe 5 von 5.

Freitag, 29. Dezember 2023

[Rezension] Das magische Amulett (Schattenwelt) - R. L. Stine

 


 Titel: Das magische Amulett

Autor:  R.L. Stine

Genre: Jugendbuch

Erscheinungsjahr: 2001
Seitenzahl: 128
Cover: © Loewe Verlag
Begonnen: 08.12.2023
Beendet: 10.12.2023


Wendy ist total verrückt nach Katzen, doch leider erlauben ihre Eltern ihr keine zu haben. Mit ihrer besten Freundin Tina besucht Wendy deshalb ein Katzenausstellung, auf dee sie ihren geliebten Tieren nahe sein kann. Auf dieser Austellung fällt ihr ein seltsames Katzenamulett in die Hände und plötzlich verwandelt sich Wendy selbst in eine Katze ...

Von den "Schattenwelt"-Büchern habe ich in meiner Jugend nur wenige gelesen, da ich mich damals eher für die Fear-Street-Reihe und die Gänsehaut-Geschichten interessiert habe. Doch nun lese ich alles, was mir von R.L. Stine in die Hände fällt, weil er damals meine Leidenschaft fürs Lesen entbrannt hat. Die "Schattenwelt"-Bücher spielen dabei ebenfalls in Shadyside und auch die Fear Street selbst kommt in den Büchern vor. Meistens geht es hier um sonderbare, sehr mysteriöse Geschehnisse, in die Kinder/Teenager hineingezogen werden.

So geht es in "Das magische Amulett" um Wendy, die sich plötzlich nachts in eine Werkatze verwandelt und durch die Straßen zieht. Mich konnte die Geschichte hier - trotzt der Kürze - schnell in den Bann ziehen, denn R.L. Stine ist ein Meister der Cliffhanger und setzt auch hier auf eine schnörkellose Handlung. So passiert auf jeder Seite etwas und es wird nie langweilig.

Allein die Idee mit dem Amulett und der Werkatze hat mir hier gefallen. Zeitgleich hat es der Autor sogar noch geschafft, mich auch als erwachsener Leser mit der Wendung am Ende zu überraschen. Ich hatte großen Spaß mit diesem Buch und werde für diese Art von Geschichten wohl niemals zu alt!





"Das magische Amulett" ist eine Geschichte aus der "Schattenwelt" die schnell in den Bann zieht und mich auch als Erwachsene noch perfekt unterhalten hat. Ich liebe R.L. Stine und seine Bücher, die mich einst zum Leser und auch zum Schriftsteller gemacht haben!



Ich vergebe 5 von 5.

Donnerstag, 28. Dezember 2023

[Rezension] Stellas Traum - Annette Hohberg


 Titel: Stellas Traum

Autor:  Annette Hohberg

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2016
Seitenzahl: 320
Cover: © Knaur
Begonnen: 06.12.2023
Beendet: 09.12.2023


Stella ist Ärztin und betäubt sich nun schon einige Jahre mit ihrer Arbeit. Erst als ihre Tante, zu der sie einst ein sehr inniges Verhältnis hatte, stirbt, erkennt sie, dass es an der Zeit ist, noch einmal in die Vergangenheit zu reisen, um endlich mit ihr abschließen zu können. So erinnert sie sich an ihre Jugendfreunde Tim und Paul, die ihr einst so viel bedeutet hatten, doch zeitgleich muss sie auch das tragische Ende dieser Freundschaft noch einmal durchleben ...

Annette Hohberg beschreibt in diesem sehr ruhigen Roman Stellas Reise in die Vergangenheit. Ganz behutsam macht die Autorin ihre Leser mit einer innigen Freundschaft vertraut, erzählt gleichzeitig aber auch von einer Frau, die sich selbst kein eigenes Leben mehr erlaubt. Stella existiert hier im Grunde nur noch und erst als sie ihre eigene Geschichte langsam aufarbeitet, erkennt sie, wie sehr sie sich selbst daran gehindert hat, gewisse Vorfälle zu verarbeiten.

Stellas Tante Elisabetta mit ihren Weisheiten, die auch nach ihrem Tod noch nachhallen, war hier mein Lieblingscharakter. Tim und Paul hingegen waren für mich ein wenig blass, denn sie sind "nur" Stellas Freunde und besitzen selbst kaum eine eigene Hintergrundgeschichte. Das war für mich die einzige Schwachstelle in diesem Roman, denn ansonsten hat mir diese Geschichte über Schuld, das Vergeben und auch das unaufhaltbare Ende einer Freundschaft sehr gut gefallen!




Ein ruhiger, sehr berührender Roman über das Ende einer Freundschaft und das Aufarbeiten der eigenen Vergangenheit!

Ich vergebe 4 von 5.




Mittwoch, 27. Dezember 2023

[Rezension] Selige Witwen - Ingrid Noll

 


Titel: Selige Witwen

Autor:  Ingrid Noll

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2002
Seitenzahl: 272
Cover: © Diogenes
Begonnen:04.12.2023
Beendet: 07.12.2023


Maja und Cora sind Freundinnen, die sich immer das nehmen, was sie wollen. Cora hat schließlich jede Menge Geld geerbt und Maja folgt ihr einfach nur, in der Hoffnung, selbst irgendwann mal zu viel Geld zu kommen. Doch dann wird Maja von Cora in Frankfurt zurückgelassen und plötzlich muss sie sich allein durchschlagen, was dazu führt, dass sie plötzlich in ein großes Schlamassel gerät ...

Ich liebe die bitterbösen, mit einer guten Prise Humor gewürzten Geschichten von Ingrid Noll, in denen es meistens um Frauen geht, die sich nichts gefallen lassen und auch vor Mord nicht zurückschrecken. In dieser Geschichte steht Maja im Fokus  die zu Beginn sehr abhängig von ihrer Freundin Cora ist. Es ist eine sehr eigenwillige Frauenfreundschaft, die Noll hier beschreibt. Auf der einen Seite können die beiden sich aufeinander verlassen, auf der anderen Seite dominiert aber Cora die ganze Beziehung.

Spannend sind hier die Geschehnisse, als Maja einfach von ihrer Freundin in Frankfurt abgestellt wird und nun ihr Leben - zumindest kurzzeitig - selbst in die Hand nehmen muss. Dass dies nicht gut geht, ist von Anfang an abzusehen, denn Maja freundet sich mit einer anderen Frau an und gerät dadurch in eine sehr verzwickte und auch gefährliche Geschichte.

Gefallen hat mir hier auch das Treffen von alten Bekannten. Zufälligerweise habe ich "Kalt ist der Abendhauch" vor kurzer Zeit erst gelesen und war dadurch begeistert, Charlotte, also Coras Großmutter, noch einmal zu treffen. Beide Bücher spielen übrigens parallel zueinander.

"Selige Witwen" hat mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten. In diesem Jahr habe ich nun schon viele Bücher von Noll gelesen und bekomme dennoch nicht genug! Eine großartige Autorin!




Noch immer begeistert mich Noll mit ihren humorvollen Geschichten und ihren skurrilen Charakteren. "Selige Witwen" war für mich ein weiter sehr unterhaltsamer Roman über Frauen, die selbst für "Gerechtigkeit" sorgen. Sehr amüsant!


Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 26. Dezember 2023

[Rezension] Wasser und Blut (Kurzgeschichten) - Patrick McGrath

 


Titel: Wasser und Blut (Kurzgeschichten)

Autor:  Patrick McGrath

Genre: Kurzgeschichten

Erscheinungsjahr: 2000
Seitenzahl: 222
Cover: © btb
Begonnen:02.12.2023
Beendet: 06.12.2023



Diese dreizehn teilweise sehr morbiden und experimentellen Kurzgeschichten haben mich dem mir bisher unbekannten Autor Patrick McGrath nähergebracht. Seine Storys beginnen stets sehr ruhig und manchmal sogar, ohne einen echten Sog zu entwickeln, schlagen dann aber irgendwann ins Groteske um, wodurch der Leser sich ihnen letztendlich doch nicht entziehen kann.

Patrick McGraths Geschichten sind kritisch und beschreiben oft die Schattenseiten des Lebens. Dabei erzeugt der Autor sehr starke Bilder, die sich bei mir eingebrannt haben. Besonders "Die schwarze Hand des Rajs", in der es um einen bösen Fluch geht, hat sich in meinem Kopf festgesetzt.

Oft sehr ausschweifend, aber mit sehr viel Tiefgang beschäftigt sich der Autor mit verschiedenen Situationen. So kommt zum Beispiel eine Reporterin zu einem verurteilten Mörder oder eine Fotografin zu einer altem Ruine mit einer eigenen Geschichte. Eine Geschichte wird aus der Sicht eines Stiefels und eine andere aus der einer Fliege erzählt, was neben einer sehr humoristischen Story noch einmal für Abwechslung sorgt.

Auch wenn ich mir bei einigen Geschichten noch die ein oder andere Wendung gewünscht hätte, hat mich Patrick McGrath mit seinem originellen Ideen und seinem eindringlichen Schreibstil doch begeistern können. Ich bin auf andere Werke von ihm gespannt!



"Wasser und Blut" ist eine abwechslungsreiche und originelle Kurzgeschichtensammlung, in der es mitunter sehr grotesk und abstrakt zugeht. Ein spannender Autor! 

Ich vergebe 4 von 5.


Montag, 25. Dezember 2023

[Rezension] WHO I AM NOT. Von Lügen und anderen Wahrheiten - Ted Staunton

 


Titel: WHO I AM NOT. Von Lügen und anderen Wahrheiten

Autor:  Ted Staunton

Genre: Roman, Jugendbuch

Erscheinungsjahr: 2015
Seitenzahl: 232
Cover: © Arena
Begonnen:27.11.2023
Beendet: 04.12.2023


Der namenlose Protagonist, der selbst nicht weiß, wer er ist, lebt ein Leben als Betrüger und Lügner. Doch dann steht er plötzlich alleine da und entschließen sich, in die Rolle eines verschwundenen Jungen namens Danny zu schlüpfen. So kommt er nach Kanada und in eine Familie, die keinerlei Zweifel daran zu hegen scheint, dass er wirklich Danny ist ...

Die Ausgangslage dieses Jugendromans ist nicht neu, aber ich finde es immer wieder spannend, Protagonisten zu begleiten, die in andere Rollen schlüpfen und selbst keine eigene Identität haben. So ist auch unser namenlose Junge hier einfach ein verlorener Mensch, der nie ein echtes Zuhause hatte. Jahrelang war er mit einem Verbrecherpaar unterwegs und ist somit ein wahrer Meister der Betrügereien.

Vollkommen unüberlegt wird unser Protagonist nun zu Danny und ich empfand es von Anfang an als ausgesprochen seltsam, dass die Familie nach drei Jahren wirklich sofort überzeugt davon ist, ihren verlorenen Sohn, Bruder und Enkel in diesem Jungen zu sehen. Allein die Erklärung zu den unterschiedlichen Augenfarben war für mich dann eine Spur zu weit hergeholt. Welche Polizist würde so eine Story schlucken?

So habe ich mich beim Lesen vorwiegend gefragt, warum es für den falschen Danny hier von Anfang an so verdammt gut läuft. Kaum einer hegt einen Verdacht und dadurch entwickelt sich die Story dann nur sehr langsam und irgendwie in eine echt lahme Richtung, denn der Autor versucht zum Ende hin, noch eine kleine Überraschung hineinzubringen, die man als Leser allerdings schon sehr früh kommen sieht. Schade ist hier, dass der echte Danny gar keine eigene Geschichte bekommt und ein genauso großes Phantom wie unser Protagonist bleibt. Angenehm zu lesen ist dieser Jugendthriller zwar, aber mir blieb letztendlich alles doch eine Spur zu oberflächlich ...




"WHO I AM NOT" ist ein Jugendthriller mit einer guten Ausgangslage, der sich angenehm lesen lässt, sich aber irgendwann in einer etwas zu vorhersehbaren Handlung verliert. Schade ...

Ich vergebe 3 von 5,




Sonntag, 24. Dezember 2023

[Rezension] Dunkler Schlaf - Karin Fossum

 


Titel: Dunkler Schlaf

Autor:  Karin Fossum

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2003
Seitenzahl: 272
Cover: © Piper
Begonnen:24.11.2023
Beendet: 02.12.2023


Andreas ist - genau wie sein bester Freund Zipp - ein verlorener junger Mamn, der nicht so recht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Aus diesem Grund lassen die beiden sich immer wieder zu Straftaten hinreißen. Als er jedoch bei der alten Irma Funder einbricht, ist plötzlich nicht mehr ersichtlich, wer hier der Täter und wer das Opfer ist.

Von Karin Fossum habe ich bereits einen Roman gelesen, der genauso intensiv wie der Krimi war. Die Autorin besitzt einen sehr tiefgründigen Schreibstil, der unter die Haut geht, denn sie dringt tief in die Psyche ihrer Charaktere ein und lässt dabei die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen. Besonders interessant fand ich hier Irma, die eigentlich sehr einsam und zurückgezogen lebt, dann aber durch Andreas und seinen Einbruchversuch dazu gedrängt wird, über sein Schicksal zu entscheiden.

Spannend und beklemmend entwickelt sich hier eine sehr düstere Geschichte über zwei Menschen, die durch einen schrecklichen Zufall aufeinandertreffen und plötzlich mit ihren eigenen Taten und Fehlern konfrontiert werden. "Dunkler Schlaf" hebt sich hier klar von anderen Krimis ab, denn obwohl es hier einen ermittelnden Kommissar gibt, lässt die Autorin diesen doch nur zu einer Randfigur und letztendlich nur zu einem Beobachter werden. Das hat mir hier ausgesprochen gut gefallen und ich weiß schon jetzt, dass ich unbedingt noch weitere Bücher dieser Autorin lesen muss!




"Dunkler Schlaf" ist ein ungewöhnlicher Krimi, der unter die Haur geht und tief in die Psyche der Charaktere eintaucht, die sich gar nicht so leicht als Opfer oder Täter identifizieren lassen. Wer es außergewöhnlich mag, sollte sich mal ein Buch von Karin Fossum anschauen!


Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 23. Dezember 2023

[Rezension] Geteilt durch zwei - Barbara Kunrath

 


Titel: Geteilt durch zwei

Autor:  Barbara Kunrath

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2019
Seitenzahl: 400
Cover: © Ullstein
Begonnen:24.11.2023
Beendet: 27.11.2023


Nadja hat schon lange das Gefühl, dass in ihrem Leben etwas fehlt - bis sie dann im Radio eine Stimme hört, die ihrer eigenen und die ihrer Tochter ähnelt. Plötzlich findet sie raus, eine Zwillingsschwester zu haben. Kann Pia wirklich das fehlende Puzzleteil sein, das ihr so lange gefehlt hat?

Von Anfang an konnte ich bei Nadja einem unheimlichen Schwermut fühlen. Sie hat eigentlich einen liebevollen Mann, eine wundervolle Tochter und steht mit beiden Beinen mitten im Leben, aber wirklich glücklich war sie anscheinend nie. Als sie dann ihre Zwillingsschwester Pia kennenlernt, möchte sie nicht nur die verlorenen Jahre nachholen, sondern endlich herausfinden, was in ihrer Familie damals passiert ist. Denn beide Schwestern wurden, was ihre Eltern angeht, belogen.

Nach und nach setzt sich so auch die Geschichte von Nadjas und Pias Mutter zusammen, die mich wirklich stark berührt hat. Allerdings empfand ich die Abschnitte aus der Vergangenheit erst zum Ende hin als intensiv und passend, zu Beginn waren sie oft nur eine oder zwei Seiten lang und recht oberflächlich gehalten.

Mit Nadja als Protagonistin hatte ich beim Lesen manchmal ein paar Probleme. Sie will immer alles zu schnell und überfordert dadurch nicht nur ihre Schwester, sondern auch den Leser. In manchen Punkten hätte ich mir bei ihr auch einen sensiblen Umgang gerade mit der Depression ihrer Schwester gewünscht! Eine solche Sensibilität und Ruhe strahl der Roman ansonsten nämlich aus!

"Geteilt durch zwei" zeigt sehr schön, welche Wunden die eigene Vergangenheit hinterlassen lassen, selbst wenn man sie nur in Bruchstücken kennt. Nadja und Pia sind sehr melancholische, fast schon depressive Menschen, die wohl nur aufgrund ihrer Vorgeschichte so geworden sind. Das hat mich hier schon sehr mitgenommen, auch wenn es zum Ende hin scheint, dass es für beide noch viele Chancen gibt ...


Die Geschichte zweier Zwillingsschwestern, die sich erst sehr spät kennenlernen und dann gemeinsam mehr über ihre Eltern rausfinden, konnte mich auf jeden Fall in den Bann ziehen, Gelungen ist hier zum Ende besonders die Erzählung der Vergangenheit, die für meinen Geschmack aber schon früher im Buch so intensiv hätte eingebaut werden können ...

Ich vergebe 4 von 5.


Freitag, 22. Dezember 2023

[Rezension] Never tell a lie - Lügen können töten - Hallie Ephron

  


Titel: Never tell a lie - Lügen können töten

Autor:  Hallie Ephron

Genre: Psychothriller

Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 352
Cover: © Diana Verlag
Begonnen:22.11.2023
Beendet: 24.11.2023


Ivy ist hochschwanger und glücklich mit ihren Mann David und ihren absoluten Traumhaus. Doch dann taucht eine ehemalige Klassenkameradin auf, die kurz darauf verschwindet. Plötzlich ist David der Hauptberdächtige, denn er war der letzte, der in Melindas Nähe war. Ivy erkennt, dass es Geheimnisse gibt, die auch ist ungeborenes Kind in Gefahr bringen.

"Never tell a lie - Lügen können töten" besitzt einen sehr leichten und ruhigen Schreibstil, wodurch ich schnell in der Geschichte ankam. Wir lernen erst einmal Ivy und David ein wenig kennen, bevor die beiden plötzlich im Fokus der Ermittlungen stehen. Schnell stellt sich heraus, dass David doch eine Verbindung zu Melinda hat und schließlich ist es Ivy, die sich trotz ihrer Schwangerschaft einiger zerstörerischer Wahrheiten stellen muss. Mich hat es manchmal verblüfft, was sie als Frau im neunten Schwangerschaftsmonat hier alles ertragen kann.

Als echten Psychothriller würde ich dieses Buch zwar nicht bezeichnen, denn dazu fehlte mir der Tiefgang, aber mich konnte das Buch gut unterhalten. Die Charaktere haben allesamt Ecken und Kanten, was mir gut gefiel. Das Ende selbst lässt sich zwar schnell erahnen, hat für mich aber gut zur Story gepasst. Ein paar Überraschungen und vielleicht auch ein etwas größerer Spannungsbogen hätten der Geschichte aber sicherlich noch gut getan. Dennoch lesenswert!




"Never tell a lie" ist ein ruhiger, aber dennoch angenehm zu lesender Roman über eine hochschwangere Frau, die sich einer schrecklichen Wahrheit stellen muss. Lesenswert, wenn auch kein Highlight!


Ich vergebe 4 von 5.

Donnerstag, 21. Dezember 2023

[Rezension] Finding Alex - Kathrin Schrocke



Titel: 
Finding Alex

Autor:  Kathrin Schrocke

Genre: Jugendbuch

Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 160
Cover: © Oetinger
Begonnen:21.11.2023
Beendet: 23.11.2023


Die Eltern von Tobias haben sich gerade erst getrennt und er ist der Meinung, damit gut klarzukommen. Vor allem da sich Ina, die Neue der Klasse, plötzlich für ihn interessiert und ihm eine willkommende Abwechslung bietet. Ina lädt ihn zu sich ein und Tobias sieht dort das erste mal Alex, ihren Bruder, den er allerdings für ein Mädchen hält und der sein Leben noch mehr auf den Kopf stellt ...

"Finding Alex" dreht sich in erster Linie um einen Jungen mitten in der Pubertät, der gerade einiges zu stemmen hat. Da ist nicht nur die Tatsache, dass sein Vater eine neue Freundin hat, sondern auch die ganze Sache mit Ina, die er genauso wenig versteht wie sein seltsames Empfinden ihrem Bruder gegenüber, den er aufgrund seines femininen Aussehens für einen Freak hält.

Die Autorin stellt die Verwirrtheit von Tobias hier perfekt dar. Zum einen denkt er, sich zu Ina hingezogen zu fühlen, zum anderen versucht er, Alex zu durchschauen, der ihm die ganze Zeit im Kopf rumzuspuken scheint. Dabei ist bis zum Ende nicht wirklich klar, was genau da nun zwischen ihnen ist, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht eher um Verständnis, um Akzeptanz und vor allem um das Erkennen der eigenen Gefühle.

Mich hat zum einen die schonungslos  Ehrlichkeit in diesen Jugendroman verblüfft, denn Tobias hört hier lange auf die Meinungen von anderen und will mit so jemanden wie Alex eigentlich nichts zu tun. Zum Ende entwickelt er aber eine am Ende wundervolle Leichtigkeit, die es im Umgang mit diesem Thema immer geben sollte. Für mich ein lesenswertes und trotz der Kürze ein sehr intensives Jugendbuch!


"Finding Alex" ist dir Geschichte eines verwirrten Jungen mitten in der Pubertät, der erkennt wie groß, vielseitig und bunt die Welt sein kann ...


Ich vergebe 5 von 5.