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Sonntag, 10. Februar 2019

[Buch vs. Verfilmung] Der Schrei der Eule - Patricia Highsmith



Ich habe noch längst nicht alle Bücher von Patricia Highsmith gelesen - dennoch kann ich sagen, dass mich ihre Bücher auf eine ganz besondere Art und Weise berühren und zum Nachdenken anregen. Ich liebe ihre Art, die Menschen zu beobachten, zu beschreiben und den Leser dennoch nicht in eine gewisse Richtung zu drängen.

"Der Schrei der Eule" war mein viertes Buch der Autorin und es hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Es ist eine Geschichte, die viele Richtungen anschlägt und aufzeigt, wie schnell wir Menschen uns doch in eine Richtung drängen lassen.

Robert Forrester war ein Charakter, den ich sehr vielschichtig fand. Auf den ersten Seiten beobachtet er eine junge Frau in ihrem Haus und wirkt dadurch tatsächlich wie ein Voyeur, doch das Bild wandelt sind, als klar wird, dass Robert nur einsam ist.

Jenny, die Frau, die er beobachtet, tritt plötzlich in sein Leben. Doch ist nicht das, was Robert wirklich wollte. Er kann Jenny nicht lieben, noch nicht, vielleicht irgendwann ... vielleicht niemals. Die Geschichte dieser zwei verlorenen Menschen wird im Verlauf der Handlung immer tragischer. Besonders Jenny hat mich als Charakter fasziniert.

Die Geschichte zeigt wieder einmal, wie leicht wir Menschen doch urteilen - oft genügt ein Blick, eine winzige Informationen um jemanden abzustempeln. Dabei wäre es gar nicht so schwer, einmal hinter die Fassade zu schauen - ja, Dinge zu hinterfragen, statt sie einfach hinzunehmen. Das Ende von "Der Schrei der Eule" könnte nicht tragischer und ironischer sein. Außenseiter, Andersdenkende, ja Menschen fern der Normalität, werden wohl immer abgestempelt werden ... weil es eben leichter ist ...




Ich beziehe mich hier auf den Film aus dem Jahre 2009, es handelt sich hier also um eine zeitgemäße Verfilmung. Jamie Thraves bringt hier die Handlung mit einigen kleineren Abweichungen auf die Leinwand. Der Film schlägt hier aber die leisen Töne des Romans an und besitzt gerade im Bezug auf den Hauptcharakter, der von Paddy Considine verkörpert wird, eine gewisse Tiefe.

Enttäuscht hat mich allerdings die Rolle von Jenny ein wenig, die im Buch so präsent war, im Film allerdings trot der überzeugenden Darstellung von Julia Stiles etwas an Dynamik verliert. Klar, sie war auch im Roman eine sehr depressive und nachdenkliche Frau, allerdings hätte ich mir hier eine ebenso tiefgründige Betrachtungsweise gewünscht.

"Der Schrei der Eule" ist trotz der ruhigen Erzählweise doch sehenswert und wird von den Charakteren und ihren Handlungen angetrieben. Es ist ein ein Drama, auf das der Zuschauer sich einlassen muss. Die einzelnen Personen müssen verstanden, aber auch hinterfragt werden.

Bis zum Ende bleibt doe psychologische Spannung erhalten und genau wie das Buch besitzt auch der Film einen wunderbaren Nachklang und eine gewisse Ironie in der Abschlussszene!



Ich bin froh, dass der Film die ganze Rahmenhandlung beibehalten hat und auch die Schlüsselmomente gut eingebaut hat. Um ein besseres Bild von Jenny zu bekommen, empfehle ich aber auf jeden Fall, als erstes das Buch zu lesen und danach die Verfilmung zu genießen!

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