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Montag, 11. April 2022

[Rezension] Die Feindin - Margaret Millar

 




Titel: 
Die Feindin

Autor:  Margaret Millar

Genre: Roman, Krimi
Erscheinungsjahr: 1976
Anzahl der Seiten: 368
Cover: © Diogenes

Begonnen: 28.03.2022
Beendet: 30.03.2022





Margaret Millar, die mittlerweile zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, hat mich mit "Die Feindin" von der ersten Seite in den Bann gezogen, denn sie betrachtet beziehungsweise durchleuchtet in dieser Geschichte mehrere Personen und Familien und zeigt sehr schön auf, was hinter verschlossenen Türen vor sich geht.

Im Zentrum steht Charlie, der sich bereits einmal an einem Mädchen vergangen hat, in der Psychiatrie war und sich nun immer wieder in der Nähe eines Spielplatzes herumtreibt, obwohl ihm bewusst ist, wie falsch sein Verhalten ist. Charlie ist ein sehr spannender und vielschichtiger Charakter, denn er hat das Gefühl, seinen Bruder imitieren und innerhalb der Gesellschaft eine gewisse Rolle spieleb zu müssen. Er ist verwirrt, verloren und doch auf der Suche nach Hilfe. Diese findet er auch, als sich die Bibliothekarin Louise in ihn verliebt.

Auf dem Spielplatz treiben sich die beiden Freundinnen Jessie und Mary Martha herum. Der Leser erfährt im Verlauf der Geschichte  mehr über ihre Familien. Jessie sieht ihre Eltern dauernd streiten und hat eine Tante, die selbst nie Kinder bekommen konnte und sie daher verwöhnt und auch etwas einengt mit ihrer "Liebe". Jessie ist ein sehr intelligentes Mädchen, das viel mehr wahrnimmt als die Erwachsenen in diesem Buch. Bei ihren Gedanken und Aussagen hatte ich beim Lesen oft eine Gänsehaut.

Mary Martha hat bereits eine Scheidung durchlebt und wohnt bei ihrer Mutter, die überfordert ist und in ständiger Angst vor ihrem Exmanm lebt. All diese Personen - angefangen von den Kindern bis hin zu den Erwachsen - müssen in einer Gesellschaft bestehen, die keinerlei Fehler akzeptiert und verlangt, dass jeder eine gewisse Rolle einnimmt.

Oberflächlich betrachtet mag es in diesem Roman um Pädophile gehen, doch der Leser erkennt schnell, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. Sehr geschickt entwickelt die Autorin hier eine Geschichte, in der man als Leser einfach Sympathie für all die zerbrochenen Charakteren empfinden muss. Besonders fasziniert hat mich Charlies Gedankenwelt und seine verzweifelte Suche nach Hilfe aber auch Verständnis. 

"Die Feindin" ist ein sehr intensives Werk, das zum Ende hin zwar ruhig ausklingt, aber dennoch nachhallt. Für mich ein wahres Meisterwerk!


"Die Feindin" ist Geschichte mehrerer verlorener Personen, die sich gemeinsam ins Chaos stürzen und dabei sehr schön die Probleme der damaligen als auch der heutigen Gesellschaft aufzeigen. Für mich eins der besten und intensivsten Werke von Millar! 

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.


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