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Donnerstag, 29. Juni 2023

[Rezension] Nachtzug nach Lissabon - Pascal Mercier

 


 Titel: Nachtzug nach Lissabon

Autor:   Pascal Mercier

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 496
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 06.06.2023
Beendet: 11.06.2023


Der Lateinlehrer Raimund Gregorius bricht aus seinem gewohnten Umfeld aus. Mitten im Unterricht verschwindet er und steigt schließlich in den Nachtzug nach Lissabon, um den Spuren eines Buches und eines rätselhaften Schriftstellers zu folgen. Es wird für Gregorius eine Reise zu sich selbst ...

"Nachtzug nach Lissabon" war ein Buch, das mich förmlich verfolgt und sich mir immer wieder aufgedrängt hat. Seit Jahren ist es mir immer wieder in öffentlichen Bücherschränken begegnet und dutzende Male hatte ich es in der Hand bevor ich es endlich mitgenommen habe. Gregorius Geschichte passt natürlich perfekt zu mir, denn er bricht auch aus seinem gewohnten und mittlerweile sehr langweiligen Leben und Umfeld heraus und versucht recht verzweifelt den Sinn seiner Existenz zu finden.

In einem Antiquariat hat Gregorius das Buch von Amadeu Prado entdeckt und will mehr über das Buch und den unbekannten Schriftsteller herausfinden. Er übersetzt auf seiner Reise nicht nur das Buch, sondern spricht auch mit Personen, die Prado kannten. So kommt er ihm und gleichzeitig auch sich selbst immer näher. Es entsteht praktisch eine Geschichte in der Geschichte, denn der Leser erfährt sehr viel über Prado. Allerdings konnte ich die Nähe, die Gregorius zu Prado empfindet, selbst nicht direkt spüren. Am Ende bleiben zudem viele Fragen offen, wie Gregorius nun mit den Erkenntnissen seiner Reise umgehen wird!

Hätte ich geahnt, dass "Nachtzug nach Lissabon" nicht einfach zu lesen ist und sehr viel Konzentration benötigt, hätte ich es wohl nicht in einer so heißen Woche gelesen. Es war doch eine große Herausforderung, da das Buch sehr philosophisch ist und dem Leser einiges abverlangt. Niemand wird diese Geschichte lesen ohne selbst ein wenig über das eigene Leben nachzudenken! Ich empfehle das Buch gerne weiter, auch wenn ich es wohl als recht anstrengende Lektüre in Erinnerung behalten werde.


"Nachtzug nach Lissabon" ist kein Buch, das sich mal schnell nebenbei lesen lässt. Es ist die sehr philosophische Reise eines Mannes, der sich auf die Spur eines verstorbenen Schriftstellers begibt und sich schließlich selbst finde! Ein sehr philosophisches und herausforderndes Buch!

Ich vergebe 4 von 5.




Dienstag, 27. Juni 2023

[Rezension] Das Marsprojekt - Andreas Eschbach

 


Titel: Das Marsprojekt (Band 1)

Autor:   Andreas Eschbach

Genre: Roman, Science Fiction,  Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2004
Seitenzahl: 304
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 04.06.2023
Beendet: 08.06.2023


Ariana, Ronny, Carl und Elinn wurden auf dem Mars geboren. Urplötzlich soll die Siedlung allerdings aufgelöst werden, weil das Marsprojekt angeblich gescheitert ist. Die vier Freunde sind jedoch fest entschlossen auf dem roten Planeten zu bleiben und beginnen, einen Plan zu entwickeln ...

Als großer Fan von Andreas Eschbach war ich sehr froh, den ersten Band der "Marsprojekt"-Jugendbuchreihe in einem Bücherschrank entdeckt zu haben. Mittlerweile genieße ich das Science-Fiction-Genre und so fand ich es nun spannend mit den vier Jugendlichen den Mars zu erkunden. Dabei lässt Eschbach natürlich auch viele wissenswerte Fakten einfließen.

Die Jugendbücher von Eschbach lesen sich allerdings etwas anders als seine Erwachsenenbücher, die ja meistens aktuelle und auch wichtige Themen aufgreifen. "Das Marsprojekt" ist eher ein leicht zu lesender Abenteuerroman, bei dem sich für mich - ähnlich wie bei "Gliss" schon zeigt - dass es ein paar Schwächen bei den Charakteren gibt. Carl und Elinn als Geschwisterpaar stehen im Fokus, blieben für meinen Geschmack aber genau wie Adriana etwas blass beziehungsweise austauschbar. Ich könnte die Charaktere jetzt nur schwer beschreiben.

Von diesem Kritikpunkt abgesehen habe ich diesen ersten Band gerne gelesen, denn Eschbach weiß definitiv zu unterhalten und zu überraschen. Es hat Spaß gemacht, die vier Kinder/Jugendliche dabei zu beobachten, wie sie versuchen, ihr Zuhause zu retten. Sollten mir die anderen Bände in die Hände fallen, werde ich sie definitiv lesen!


"Das Marsprojekt" ist ein interessantes Science-Fiction-Buch für Jugendliche, das zu unterhalten weiß und gleichzeitig über das Leben auf dem roten Planeten aufklärt. Allerdings waren mir die Charaktere eine Spur zu blass ...

Ich vergebe 4 von 5.




Sonntag, 25. Juni 2023

[Rezension] Das Teufelslabyrinth - John Saul

 


Titel: Das Teufelslabyrinth

Autor:   John Saul

Genre: Horror
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 464
Cover: © Heyne
Begonnen:01.06.2023
Beendet: 07.06.2023


Ryan kommt nach einem Zwischenfall an seiner Schule auf ein katholisches Internat, und bekommt ausgerechnet das Bett von Kip, der vor kurzem eine Frau getötet und erschossen wurde. Seltsame Dinge gehen in den Gängen unterhalb der Schule vor sich und es scheint, als würde es um dunkle Rituale gehen ...

Bei einer gemeinsamen Leserunde haben wir uns einem der späteren Werke von John Saul zugewandt. Es geht mal wieder um Relegion, um dunkle Rituale, Beschwörung und um das Böse, das Besitz von Jugendlichen ergreift. Zu Beginn konnte mich die Story hier noch packen, aber ich habe schnell gemerkt, dass mir das Religionsthema bei Saul einfach nicht liegt.

John Sauls Schreibstil ist wie gewohnt sehr einfach und erschafft viele Bilder und eine angenehme Atmosphäre innerhalb des Internats. Ich hatte teilweise das Gefühl, mir einen Film anzuschauen, bei dem Einblick in alle beteiligten Personen gegeben wird. Einen echten Hauptcharakter gibt es hier nämlich nicht, auch wenn schnell klar ist, dass Ryan als Held aus der Geschichte herausgeben wird.

Es gibt ein paar nette Überraschungen und John Saul schafft es zumindest, alle Stränge irgendwie zu verbinden. Vieles ist allerdings schon im Vorfeld zu erahnen und deswegen mangelt es leider an Spannung und auch auch einer gruseligen Grundstimmung. Für mich war "Das Teufelslabyrinth" daher eher einer von John Sauls schwächeren Romanen, der viele bekannte Ideen einfach noch mal versucht aufzuwärmen ...



Leider konnte mich "Das Teufelslabyrinth" als großer Fan von John Saul nicht vom Hocker reißen. Das Buch lässt sich leicht lesen, wirkt aber eher wie ein mittelmäßiger Mysteryfilm, den man wohl schnell wieder vergisst. Das Religionsthema liegt mir bei Saul einfach nicht ...

Ich vergebe 3 von 5.






Freitag, 23. Juni 2023

[Rezension] Das Spukhaus (Kurzgeschichten) - Joyce Carol Oates

 


Titel: Das Spukhaus

Autor:   Joyce Carol Oates

Genre: Kurzgeschichten
Erscheinungsjahr: 1989
Seitenzahl: 380
Cover: © Btb
Begonnen:02.06.2023
Beendet: 05.06.2023


"Das Spukhaus" ist eine Sammlung von 16 teilweise sehr abstrakten Kurzgeschichten, die zum Nachdenken und zu eigenen Interpretationen anregen. Fast alle Storys enden entweder sehr abrupt oder aber besitzen einen offenen, teilweise auch mysteriösen Schlusssatz.

In "Das Spukhaus" als Eingangsgeschichte erzählt Melissa von den Spukhäusern, die sie mit ihrer damaligen besten Freundin, die später ermordet aufgefunden wird, besucht hat. In einem dieser Häuser erlebt sie etwas, das sich einprägen soll ...

"Die Puppe" ist die Geschichte eines seltsamen Puppenhaus, das auch in der Realität zu existieren scheint. Diese Geschichte bleibt sehr offen und rätselhaft, geht es wohl darum, dass wir Menschen die wahren Puppen sind. "Bingomaster" ist eine schräge Geschichte über eine Frau, die vor ihrem 39. Geburtstag ihre Unschuld verlieren will und an den Bingomaster gerät, der allerdings nicht dasselbe zu wollen scheint wie sie. Beide Geschichten waren sehr eigen, konnten mich aber unterhalten.

"Die weiße Katze" handelt von einem Mann, der ein Problem mit der Katze seiner Frau hat und ist ebenso stark wie "Das Modell", in der es um Sybil geht, die sich von einem rätselhaften Mann im Park malen lässt. "Mildernde Umstände" war mein großer Favorit in diesem Buch. Jeder Satz beginnt mit einem "Weil" und letztendlich versucht hier eine Mutter eine schreckliche Tat zu entschuldigen. Die Story geht unter die Haut.

"Traust du mir denn nicht?", "Der schuldige Teil", "Armer Bibi", "Thanksgiving", "Blind", "Der Radioastronom" und "Das Vorgefühl" sind sehr kurze Storys, die eher etwas abstrakte Einblicke in die Leben von Menschen bieten. "Phasenübergang" zeigt schön, was passiert, wenn Traum und Realität langsam verschmelzen.

Bei "Die fluchbeladeben Bewohner des Haues Bly" handelt es sich an eine Hommage an Henry James Werk "Die Umdrehung der Schraube" und zeigt perfekt einen anderen Blickwinkel. Mit "Martyrium" zeigt die Autorin zum Schluss noch eine weitere Seite an sich. Hier brennen sich ein paar Bilder ein, die man so schnell nicht mehr loswird.

Dieser Kurzgeschichtenband hat mich der Autorin, die ich erst im diesen Jahr entdeckt habe, noch ein gutes Stückchen nähergebracht. Sämtliche Geschichten waren originell, atmosphärisch und abwechslungsreich. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und bin gespannt, welches Buch mir von ihr als nächstes in die Hände fällt.


Ein abwechslungsreicher und sehr origineller Kurzgeschichtenband mit vielen abstrakten Einblicken in das Leben verschiedener Menschen! Für mich ist Joyce Carol Oates eine große Entdeckung!

Ich vergebe 5 von 5.


Mittwoch, 21. Juni 2023

[Rezension] Girl running, Boy falling - Kate Gordon

 


Titel: Girl running, Boy falling

Autor:   Kate Gordon

Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2020
Seitenzahl: 240
Cover: © Carlsen
Begonnen:30.05.2023
Beendet: 03.06.2023


Therese ist in ihren besten Freund Wally verliebt, der Gedichte und tiefgründige Gespräche mag und sie immer "Champ" nennt. Kurz nachdem Wally sie endlich küsst, nimmt er sich das Leben und plötzlich droht auch Therese zu fallen ...

"Girl Running, Boy falling" ist ein berührendes Jugendbuch, in dem es um den Verlust eines geliebten Menschen geht. Wally ist der strahlende Footballstar, doch niemand erkennt, dass er mit den Verlust seines Vaters, dem er noch immer herzzereißende Briefe schreibt, nicht umgehen kann.

Auf den ersten 100 Seiten erfahren wir von Therese, die zahlreiche Spitznamen hat und sich selbst noch nicht so recht gefunden hat, wie die letzten Wochen mit Wally ablaufen. Es gibt immer mehr Hinweise, dass sich das, was der Klappentext bereits offenbart, bald ereignen wird. Und dann schlägt Wallys Tod tatsächlich wie eine Bombe ein.

Hauptsächlich geht es in dieser Geschichte um Trauerbewältigung. Therese und ihre Freunde müssen mit dem Verlust umgehen und tun das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Dabei hat Therese großes Glück, eine liebende Tante zu haben, wundervolle Freunde und auch einen Arbeitskollegen, der sich mit ihr in jedes Abenteuer stürzt.

Um diese Abenteuer geht es in dieser Geschichte und auch im Leben. Abenteuer, die zu Erinnerungen werden und kostbarer als alles andere sind. Ich habe mich in diesem emotionalen und sehr tiefgründigen Werk mit Therese, die lieber rennt als fällt, zurück ins Leben gekämpft und mal wieder erkannt, wie wichtig es ist, immer nach vorne zu schauen. Ein starker Roman über Verlust und die Kostbarkeit des Lebens.


Mich hat "Girl Running, Boy falling" emotional stark berührt, zum Weinen gebracht und gleichzeitig gezeigt, wie wertvoll all die kleinen und großen Abenteuer sind. Ein starkes Jugendbuch!

Ich vergebe 5 von 5.


Montag, 19. Juni 2023

[Rezension] Grün ist die Hoffnung - T.C. Boyle

  


Titel: Grün ist die Hoffnung

Autor:   T.C. Boyle

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1993
Seitenzahl: 448
Cover: © dtv
Begonnen:26.05.2023
Beendet: 01.06.2023


Felix bekommt die Chance auf einem abgelegenen Grundstück Marihuana anzubauen und dadurch reich zu werden. Es ist alles gut durchdacht, es gibt einen Investor und jemanden, der sich mit den Pflanzen auskennt. Felix, Gesh und Phil übernehmen die körperliche Arbeit, doch es soll alles anders kommen als geplant ...

"Grün ist die Hoffnung" war nun nach "Drop City" mein zweites Buch von T.C. Boyle und ich habe mich erneut köstlich amüsiert. Mit schrägen Charakteren und genialen Dialogen gewürzt, erschafft der Autor hier eine ungemein witzige Geschichte über drei Typen, die Drogen anbauen und vom Pech verfolgt werden. 

Die Geschichte ist so durchgeknallt, dass sie sich wie der reinste Drogentrip anfühlt. Am witzigsten und einprägsamsten empfand ich ja den bekifften Bär, der ihnen das Leben schwer macht. Neben wachsamen Polizisten und neugierigen Nachbarn müssen sich die drei aber auch mit dem Wetter und Frauen herumschlagen.

Letztendlich zeigt der Roman unterschwellig sehr schön, dass gewisse Erlebnisse viel wertvoller sind als alles Geld der Welt. Das, was Felix, Gesh und Phil in diesem Sommer erleben ist für sie selbst und auch für den Leser das reinste Abenteuer, das noch lange nachhallen wird! Mich hat T.C. Boyle als Leser nun endgültig für sich gewonnen und ich freue mich schon auf weitere Bücher!


"Grün ist die Hoffnung" ist die verrückte und unfassbar witzige Geschichte von drei schrägen Typen, die Drogen anbauen wollen und sich mit zahlreichen Problemen herumschlagen müssen! Ein durchgeknallter Lese-Trip!

Ich vergebe 5 von 5.



Samstag, 17. Juni 2023

[Rezension] Jinx - Der verfluchte Liebeszauber - Meg Cabot

 


Titel: Jinx - Der verfluchte Liebeszauber

Autor:   Meg Cabot

Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 1999
Seitenzahl: 320
Cover: © cbj
Begonnen:26.05.2023
Beendet: 30.05.2023


Jean, die von allen nur Jinx genannt wird, muss, um einem Jungen zu entkommen, zu Verwandten nach New York ziehen. Dort muss sie feststellen, dass ihre Cousine Tory sich vollständig verändert hat und sogar denkt, eine Hexe zu sein. Blöd, dass sich Jean ausgerechnet für Zack zu interessieren beginnt, auf den auch Tory ein Auge geworfen hat und den sie um jeden Preis für sich gewinnen will ...

Meg Cabot, die mit ihren "Plötzlich Prinzessin"-Büchern bekannt wurde, konnte mich mit dieser witzigen und jugendlichen Hexenromanze perfekt unterhalten. Es ist eine Geschichte, die sich leicht lesen lässt und einen sofort in das Leben von Jean katapultiert, die selbst denkt, vom Unglück verfolgt zu werden. Schnell fühlt sie sich zu Zack hingezogen, der aber augenscheinlich an jemand anderen interessiert ist. Auch Tory, die nicht akzeptieren kann, dass Jean anscheinend die auserwählte Hexe der Familie ist, sorgt für einige Intrigen und Probleme. 

Die Liebesgeschichte geht dabei zwar nicht in die Tiefe, konnte mich aber dennoch in den Bann ziehen, vor allem weil Jean lange das Offensichtliche nicht bemerkt. Für mich war "Jinx - der verfluchte Liebeszauber" eine angenehme, humorvolle und spannende Hexengeschichte, die zwar größtenteils etwas vorhersehbar ist, aber dennoch Spaß macht! Ein tolles Buch für Zwischendurch! Auch für Erwachsene!


Eine süße und sehr jugendliche Hexenromanze, die zu unterhalten weiß und zielsicher auf ein großes Happy End zusteuert! Mir hat das Buch Spaß gemacht!

Ich vergebe 4 von 5.


Donnerstag, 15. Juni 2023

[Rezension] Wo dich niemand kennt - Lois Duncan


  Titel: Wo dich niemand kennt

Autor:   Lois Duncan

Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 1999
Seitenzahl: 224
Cover: © C.Bertelsmann
Begonnen:24.05.2023
Beendet: 26.05.2023


April wird von einem Tag auf den anderen aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen. Ihr Vater hat verdeckt für das FBI gearbeitet und ist nun in einen Drogenprozess verwickelt. Die gesamte Familie soll untertauchen, da ein Auftragskiller hinter ihnen her ist. Doch kann April wirklich ihr altes Leben und ihre erste große Liebe aufgeben?

Lois Duncan, die besonders durch den Jugendroman "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", der zu einem Horrorfilm umgehört wurde, bekannt wurde, hat mit "Wo dich niemand kennt" einen fesselnden Jugendthriller geschaffen, in dem es um den Wert der eigenen Identität geht.

April, die seit kurzem mit Steve zusammen ist, muss nicht nur sämtliche Kontakte zu den Menschen in ihrem Umfeld abbrechen, sie darf auch ihrer Tennisleidenschaft nicht mehr nachgehen. Ihre Mutter, die Schriftstellerin ist, darf nichts mehr veröffentlichen und ihr junger Bruder muss plötzlich Kontaktlinsen tragen. Aber kann man wirklich all das aufgeben, was einen ausmacht und sich ganz neu erfinden?

Die Geschichte wird sehr spannend erzählt, denn April, die später Valerie heißt, macht jede Menge Fehler und so ist es irgendwann klar, dass sich der Killer an ihre Fersen heftet. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, da spürbar ist, wie schwer es für April ist, wirklich alles aufzugeben. Das Ende habe ich förmlich inhaliert und auch wenn mir "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" in Buchform nicht so gut gefallen hat, so hat mich doch dieser Jugendthriller perfekt unterhalten. Ich werde sicher noch mehr von der Autorin lesen!


Ein spannender Jugendthriller, in dem es um ein Mädchen geht, dass ihr gesamtes Leben hinter sich lassen und sich ganz neu erfinden muss, dabei aber einige Fehler begeht. Sehr fesselnd!

Ich vergebe 5 von 5.



Dienstag, 13. Juni 2023

[Rezension] Polarsommer - Anne Swärd

 


Titel: Polarsommer

Autor:   Anne Swärd

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 240
Cover: © Suhrkamp
Begonnen:22.05.2023
Beendet: 25.05.2023


Kristian kehrt in das Haus seiner Kindheit zurück und soll dort ein paar Wochen auf seine Halbschwester Kaj aufpassen. Sofort wird er in die Vergangenheit katapultiert und vieles, was sich jahrelang angestaubt hat, droht auszubrechen ...

Vor einigen Jahren hat mich Anne Swärd mit einem Jugendbuch begeistert, nun fiel mir ihr Debütwerk in die Hände, das ähnlich düster und melancholisch ist. Aus der Sicht mehrerer Personen gibt die Autorin in "Polarsommer" Einblick in eine kaputte Familie, in der jeder Geheimnisse zu haben scheint.

Es fiel mir sehr schwer, in der Geschichte anzukommen. Die Vergangenheit vermischt sich mit der Gegenwart, einen linearen Handlungsstrang gibt es nicht. Im Zentrum der Geschichte steht sicherlich Kaj, die das Kind eines Seitensprungs des Vaters ist und außer Tiere zu quälen kaum etwas mit ihrer Zeit anfängt. Sie wird zwar geliebt, aber diese Liebe scheint ihr nicht auszureichen.

Alles spitzt sich immer mehr zu, während die Autorin jedem Charakter eine eigene Vorgeschichte gibt. Eine leichte Lektüre war dieses Buch nicht, denn mit schwirrte oft der Kopf, da es oft nicht ersichtlich ist, wie sich das Geschilderte zeitlich einordnen lässt. Außerdem ist die gesamte Geschichte so bitter und melancholisch, dass ich teilweise das Gefühl hatte zu ertrinken. Ob mir das Buch gefiel oder nicht kann ich abschließend nicht genau sagen. Mir gefällt Anne Swärds Schreibstil sehr, aber hier war mir die Lektüre doch eine Spur zu anstrengend und teilweise auch verwirrend ...



Das Debüt von Anne Swärd ist ein mutiges Werk über eine kaputte Familie und einen Sommer, in dem die Vergangenheit präsenter als die Gegenwart zu sein scheint, das allerdings zu melancholisch ist und eine Spur zu wirr erzählt wird.

Ich vergebe 3 von 5.


Sonntag, 11. Juni 2023

[Rezension] Der Fornit - Unheimliche Geschichten - Stephen King

 



Titel: 
Der Fornit - Unheimliche Geschichten

Autor:  Stephen King

Genre: Kurgeschichten, Horror
Erscheinungsjahr: 1989
Seitenzahl: 250
Cover: © Heyne
Begonnen:20.05.2023
Beendet: 24.05.2023


"Der Fornit" ist eine gelungene Sammlung von sechs Kurzgeschichten und zwei Gedichten des Horrormeisters. Schon die Einstiegsstory hat mir dabei Schauer über den Rücken laufen lassen, denn in "Der Affe" geht es um einen bösen Spielzeugaffen, der Jahre, nachdem er in einen Brunnen geworfen wurde, zurückkehrt und seine Zimbeln aneinander schlägt ...

"Paranoid: Ein Gesang" ist ein interessantes Gedicht über Schizophrenie und konnte mich tatsächlich überzeugen, obwohl mir sonst die Gedichte von King weniger gefallen. Das zweite Gedicht namens "Für Owen", das er wohl für seinen Sohn geschrieben hat, wirkte allerdings nichts passend.

Die Kurzgeschichten haben es allerdings ins sich. "Der Textcomputer der Götter" handelt von einem Computer, der Dinge, die eingetippt oder gelöscht werden, wahr werden lässt. So kann der Protagonist endlich seine Wunschfamilie bekommen.

"Überlebenstyp" erinnert etwas an "Robinson Crusoe", allerdings mit dem Unterschied, dass hier ein skrupelloser Chirurg strandet und auf eine bitterböse Idee kommt wie er seinen Hunger stillen konnte. Die Geschichte ist brutal, eklig und prägt sich definitiv ein!

Der Milchmann ist bereits aus anderen Geschichten bekannt, spielt in "Der Milchmann schlägt wieder zu" allerdings nur eine Nebenrolle, denn es geht hier eher um zwei Betrunkene und eine halbherzige Autoinspektion. Für mich war die Geschichte etwas schwächer als alle anderen, aber durchaus unterhaltsam.

"Der Fornit" war in diesem Band die längste Geschichte und auch mein Favorit, geht es doch um kleine Glückselfen, die in der Schreibmaschine eines Schriftstellers sitzen und ihm beim Schreiben helfen. "Der Dünenplanet" ist eine Sci-Fi-Story, die auf einem Planeten spielt, der nur aus Sand besteht und zu einer tödlichen Falle wird. Auch diese Geschichte konnte ich genießen.

Sieht man von den Gedichten ab, empfand ich diesen Sammelband als ausgesproche  stark. Teilweise haben sich bei mir beim Lesen die Nackenhaare aufgestellt und mal wieder hat es King mit seinen originellen Ideen geschafft, dass sich gewisse Bilder in meinen Kopf eingebrannt haben! Für mich gab es hier einige Kurzgeschichten, die man als Fan gelesen haben sollte!


Ein starker Kurzgeschichtenband mit teilweise sehr unheimlichen und verstörenden Geschichten! Für Fans sicherlich ein Must-Read!

Ich vergebe 5 von 5.


Freitag, 9. Juni 2023

[Rezension] Die einzige Geschichte - Julian Barnes

 


Titel: Die einzige Geschichte

Autor:  Julian Barnes

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenzahl: 304
Cover: © btb
Begonnen:18.05.2023
Beendet: 22.05.2023



Paul denkt an seine erste große Liebe zurück. Als 19-Jähriger verliebte er sich in die fast dreißig Jahre ältere und verheiratete Susan. Es folgten turbulente Jahre voller Hindernisse, Hürden und einem bitteren Ende ...

Im letzten Jahr habe ich mit großer Begeisterung das erste Buch von Barnes gelesen und nun sollten weitere folgen. "Die einzige Geschichte" klang dabei sehr gefühlvoll und tiefgründig, entpuppte sich aber recht schnell als zähe Erzählung eines alten Mannes, der einfach nur in Erinnerungen schwelgt und so Bruchstücke seines Lebens wiedergibt.

Den Anfang fand ich dabei noch am Interessantesten, denn hier wird das Aufeinandertreffen von Paul und Susan geschildert. Die beiden beginnen eine Affäre und verbringen ein paar aufregende Jahr miteinander, bevor die Realität sie einholt.

Leider wirkt die Geschichte ab einem gewissen Punkt sehr einseitig, denn es geht in Grunde nur darum, was Paul empfand. Er steht im Mittelpunkt und vergisst dabei, auch an Susan und ihre Gefühle zu denken. Beim Lesen stellte sich mir pausenlos die Frage, wie Susan das alles überhaupt wahrgenommen hat. Sie wird als Pauls große Liebe beschrieben, bleibt dabei aber nur ein Phantom.

Warum der Autor über längere Strecken in die "Du"-Form wechselt, hat sich mir nicht erschlossen. Sollte es weg vom großen und sehr egoistischen "Ich" gehen? Geglückt ist dies nicht, denn über Pauls späteres, sehr feiges und eigennütziges Verhalten konnte ich nur den Kopf schütteln. Letztendlich stellt sich mir hier nämlich die Frage, ob er es nicht vielleicht war, die Susan in den Abgrund geschubst hat ...


Leider konnte mich mein zweites Buch von Julian Barnes nicht überzeugen. Es war mir zu einseitig und das Verhalten des Protagonisten, der mir wie ein riesiger Egoist vorkam, konnte ich auch nicht so recht verstehen ...

Ich vergebe 2 von 5.