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Samstag, 5. Juni 2021

[Rezension] Was vom Tage übrig blieb - Kazuo Ishiguro


Titel:
 
Was vom Tage übrig blieb

Autor:  Kazuo Ishiguro
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 14. November 2016
Anzahl der Seiten: 288
Cover und Inhalsangabe: © Heyne

Begonnen: 29.04.2021
Beendet: 03.05.2021


"Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person: Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er brüsk zurück. Viele Jahre lang lebt ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt. Das kritische Portrait einer von Klasse und Hierarchien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte, erzählt von einem, der seinen Stand nie hinterfragt und der nie auch nur geahnt hat, dass er liebte."


In einem öffentlichen Bücherschrank habe ich nun mein allererstes Buch von Kazuo Ishiguro entdeckt. "Was vom Tage übrig blieb" verheißt schon von Titel eine recht bittere Geschichte.

Für den Butler Stevens bleibt nämlich nicht mehr allzu viel von den Tagen übrig, vor allem seit seine geschätzte Kollegin Miss Keaton geheiratet und Darlington Hall verlassen hat. Nun bekommt er von seinem neuen Dienstherrn die Chance, eine Reise zu unternehmen. Es ist eine Reise, die ihm neue Blickwinkel auf sein eigenes Leben beschert ...

Lobend erwähnen muss ich erst einmal die Sprache, die Kazuo Ishiguro hier wählt. Stevens drückt sich sehr gehoben aus und findet immer die passenden Worte. Dies hat er sich über Jahre hinweg antrainiert, um der perfekte Butler zu sein. Die Geschichte selbst besteht nur aus Stevens Erinnerungen und kleinen Geschehnissen auf seiner Fahrt passieren, wodurch sie sehr ruhig erzählt wird. Unaufgeregt schildert Stevens, wie sein berufliches Leben aussieht. Dabei wird schnell ersichtlich, dass er so etwas wie ein Privatleben überhaupt nicht hat. Er ist stets im Dienst, kann nicht mit den Scherzen seines neuen Dienstherrn umgehen und lässt auch in Gesprächen nicht ein winziges Stückchen seiner eigenen Persönlichkeit durchblitzen. Für den Leser stellt sich hier die Frage: Was für ein Mensch ist Stevens eigentlich?

"Was vom Tage übrig blieb" ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Roman. Zum einen erschafft der Autor hier das Bild eines Menschen, der augenscheinlich kein echtes Leben führt und komplett in seiner Rolle als Butler gefangen ist, zum anderen wird aber auch deutlich, dass Stevens sich selbst als ausgesprochen wichtig ansieht. Zudem ist da auch eine sehr bittere Liebesgeschichte, die ausschließlich zwischen den Zeilen stattfindet und kaum greifbar ist.

Auch wenn das Buch mir in der ersten Hälfte etwas zu ruhig war, konnte ich in der zweiten doch die Dynamik zwischen Stevens und Miss Keaton genießen. Es bleibt vieles unausgesprochen und das Ende zeigt doch, wie viele Chancen wir Menschen einfach ungenutzt verstreichen lassen. Vielleicht auch, weil wir, genau wie Stevens, diese Chancen überhaupt nicht wahrnehmen und letztendlich bleibt dann von unseren Tagen nicht mehr allzu viel übrig ...


"Was vom Tage übrig blieb" ist ein ungewöhnlicher, aber dennoch beeindruckender Roman über einen Butler, der sich keinerlei Gefühle erlaubt und dadurch viele Chancen verstreichen lässt. Leider auch die Chance auf die große Liebe!

Ich vergebe 4 von 5.








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