Sonntag, 30. April 2017

[Rezension] Walpurgisnacht - Das magische Mal - Sandra Pulletz

Titel: Walpurgisnacht - Das magische Mal
Autor:  Sandra Pulletz
Genre: Kurzgeschichte
Anzahl der Seiten: ca. 40
Bereits gelesene Kurzgescichten der Autorin: Weihnachten bei den PadderbornsKonfekt mit Zucker-KussHighschool Halloween
Cover und Inhaltsangabe © Sandra Pulletz



"Ellie wartet sehnsüchtig darauf, dass sich das Mal zeigt, das sie zur richtigen Hexe macht. Denn sie darf nicht mit ihrer Mutter und Schwester zur geheimen Walpurgisfeier, stattdessen trifft sie sich mit ihrer Freundin Mia auf dem Maibaum-Fest. Eine Wahrsagerin warnt Ellie: Sie muss mehr Geduld zeigen. Außerdem ist Gefahr im Anmarsch!
Hätte Ellie vielleicht doch nicht den Zauber anwenden sollen, der ihre magischen Fähigkeiten verbessert? Dann trifft sie auch noch unerwartet auf ihren Schwarm Till und gerät endgültig ins Schwitzen …"




Mittlerweile gibt es ja kaum noch einen Feiertag ohne die Geschichte von Sandra Pulletz und das ist auch gut so! Ihre Geschichte bringen mich immer in die perfekte Stimmung, sei es zur Weihnachtszeit bei einem Fest der besonderen Art, an Valentinstag mit einer zuckersüßen Geschichte, die Appetit auf mehr macht oder an Halloween mit einer gruseligen Party.

Zur Walpurgisnacht, die ich im übrigen auch sehr gerne mag, gibt es dieses Mal eine magische Kurzgeschichte über eine Junghexe, die auf ihr magisches Mal wartet, damit sie endlich eine vollwertige Hexe ist und auch an der Walpurgisfeier teilnehmen darf. Bis jetzt scheint es aber, als würde sich ihr Mal nicht zeigen wollen. Ist sie etwa gar keine echte Hexe?

Ellie als Protagonistin dieser Kurzgeschichte fand ich gut gewählt. Sie ist ungeduldig und wartet auf ihren großen Tag. Sie hat einen Schwarm namens Till, bei dem sie aber nicht direkt weiß, ob er sie auch mag. Am Tag der Walpurgisfeier ändert sich dann aber plötzlich alles ... Ob zum Positiven oder Negativen werde ich hier nicht verraten, ich kann aber sagen, dass nicht jeder den Hexen gutgesinnt zu sein scheint!

Sandra Pulletzs Schreibstil hat mich wieder einmal begeistert und mich perfekt in die Stimmung für diesen Feiertag gebracht. (Vielleicht sollte ich mit meinem Besen endlich mal zum Blocksberg fliegen! :P) Ich mag ihre Art, Geschichten zu schreiben, die sowohl jüngere Leser, als auch ältere in den Bann ziehen und hoffe noch viel mehr von ihr lesen zu dürfen!




Eine passende Geschichte zur Walpurgisnacht. Jugendlich, magisch und überraschend! Eine klare Empfehlung!

Samstag, 29. April 2017

[Rezension] Daniel is different - Wesley King

Titel: Daniel is Different
Autor:  Wesley King
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 18. Januar 2017
Anzahl der Seiten: 304
Bereits gelesene Bücher des Autoren: keins
Cover und Inhaltsangabe © Magellan



"Bloß nicht auffallen! Nach dieser Devise lebt Daniel, der einfach nur ein ganz normaler Dreizehnjähriger sein will. Deswegen hofft er die meiste Zeit, dass niemand seine komischen Angewohnheiten bemerkt – weder seine Familie noch sein bester Freund Max und schon gar nicht seine Traumfrau Raya. Als er plötzlich eine mysteriöse Nachricht erhält, ist es allerdings gar nicht mehr so leicht, sich zu verstecken. Denn das unbekannte andere Sternenkind braucht seine Hilfe. Auf einmal wird aus Daniels Leben ein richtiger Krimi."




Wesley King hat mit "Daniel is different" ein sehr sensibles Thema aufgegriffen und es in einer sehr humorvollen, wenn auch teilweise recht ernsten Geschichte verpackt. Der Autor litt selbst an Zwangsstörungen und deswegen ist das geschilderte Empfinden von Daniel auch so glaubhaft!

Der Autor hat hier die typischen Themen von Heranwachsenden verarbeitet, aber auch eine sehr sensible Seite dadurch geschaffen, dass Daniel um jeden Preis normal sein möchte, innerlich aber längst weiß, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Die Frage ist nur, was es ist und wie er sich selbst auss diesem inneren Teufelskreis befreien soll!




- Daniel -

Daniel möchte eigentlich nur normal sein. Eigentlich ist er das nach außen auch, denn er hat einen sehr beliebten besten Freund und versucht einfach nicht aufzufallen. Das gelingt ihm aber nicht immer, denn Daniel fühlt sich oft unter Druck gesetzt, bestimmte Dinge in einer bestimmten Reihenfolge zu tun. Beispielsweise muss er den Lichtschalter etliche Male betätigen, bevor es sich richtig anfühlt und er hat auch ein sehr krasses Einschlafritual, das ihn vor dem Zubettgehen sehr lange wachhält.

Zwanghaft versucht er diese Seite an sich zu verstecken, doch sie wird immer schlimmer und wird auch bald in der Schule sichtbar. Dies geschieht leider zu einem denkbar schlechtesten Zeitpunkt, denn er findet endlich Zugang zu einem Mädchen, das er bereits lange mochte. Zeitgleich lernt er zudem Sara kennen, die selbst so einige Probleme hat und ihn versteht. Kann die Freundschaft zu ihr sein Leben verändern?

- Sara -

Sara ist ein Mädchen, das nicht viel spricht und in der Schule deswegen Einzelunterricht bekommt. Daniel ist überrascht, als diese Sara ihm plötzlich auf dem Flur "Hallo" sagt. Nach und nach entwickelt sich eine zarte Freundschaft zwischen den beiden, weil sie sich verstehen. Sara selbst hat allerdings noch ein ganz anderes Anliegen - und hier geht es vielleicht um einen Mord!

Sara mochte ich sehr gerne. Sie hat Daniel sehr viel Verständnis entgegengebracht und nachgefragt, während seine anderen Freunde all das, was mit ihm vorgeht, zu ignorieren scheinen! Obwohl Sara selbst Probleme hat, unterstützt sie Daniel - vielleicht, weil sie selbst weiß, was es heißt, völlig hilflos vor einem Problem zu stehen!




"Daniel is different" von Wesley King ist ein sehr gefühlvolles Buch, das aber eine guten Schuss Humor besitzt und deswegen auch jugendliche Leser Schritt für Schritt dem Thema "Zwangsstörungen" näherbringt. Beim Lesen war zu spüren, dass der Autor selbst Erfahrung mit diesen Störungen hat und deswegen ist es ihm diese Mischung aus Jugendbuch, Humor und Krimi auch so gut gelungen.

Ja, ihr habt richtig gehört, das Buch beinhaltet auch eine Geschichte über einen "Mord", den Sara und Daniel aufzuklären versuchen. Dieser Nebenstrang lockert das Geschehen ein wenig auf und die Geschichte wirkt dadurch im Ganzen nicht zu melancholisch oder zu vollbeladen! Dieser Krimi ist zwar von der Story vorhersehbar, lockert aber die Beziehung zwischen Daniel und Sara.

Daniel selbst hat neben seiner Zwangsstörung auch noch die typischen Teenieprobleme. Er ist natürlich in das beliebteste Mädchen der Schule verknallt, denkt aber hier, keine Chancen zu haben. Als die beiden sich aber verstehen, ist er überrascht, dass sie ihn so sieht, wie er wirklich ist. Doch kann er sich ihr auch anvertrauen?

Etwas schade fand ich hier, dass sich Daniel recht klischeehaft verhält und "Psycho Sara" auch erst einmal oberflächlich verurteilt und öffentlich nicht mit ihr gesehen werden möchte. Natürlich ändert sich Daniel selbst im Laufe der Geschichte, allerdings fand ich manche seiner Gedankengänge zu Beginn nicht nachvollziehbar, da er doch als sehr intelligenter und nachdenklicher Typ dargestellt wurde!

Obwohl Daniel einen besten Freund hat, kann er sich ihm nicht anvertrauen, aus Angst, nicht verstanden zu werden. Daniel spielt mit ihm zusammen in einer Football-Mannschaft ohne jedoch wirklich ein Teil des Teams zu sein. Er interessiert sich für Football auch eher weniger, möchte aber dennoch irgendwie dazugehören. Für meinen Geschmack war das Football-Thema hier etwas zu ausschweifend erzählt, was vielleicht auch daran liegt, dass ich ein echter Sportmuffel bin und keinen Plan von den Regeln dieses Spiels habe!

Trotz meiner kleinen Kritik konnte mich das Buch aber begeistern. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, den Mut sich anzuvertrauen und sein wahres "Ich" nicht mehr verstecken zu müssen. Es ist aber auch eine typische Jugendgeschichte, bei der man teilweise einfach vergessen kann, dass Daniel eben "different" ist. Anders zu sein muss ja nichts Schlechtes sein!




"Daniel is different" erzählt auf sehr humorvolle Art die Geschichte eines Dreizehnjährigen mit einer
Zwangsstörung. Der Autor führt hier besonders jugendliche Leser Schritt für Schritt an diese Thematik und zeigt, dass "anders sein" nicht schlimm ist. Man sollte stolz darauf sein, wer man ist und nicht zwanghaft versuchen, sich anzupassen!

Weitere Meinungen zum Buch:
Skyline of Books (5 von 5)
Black Tea Books (4 von 5)
Kumos Buchwolke (4 von 5)


Donnerstag, 27. April 2017

[Rezension] Die Sanduhr unserer Liebe - Kate Riordan

Titel: Die Sanduhr unserer Liebe
Autor:  Kate Riordan
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 10. April 2017
Anzahl der Seiten: 544
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © Heyne

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!



"England, 1878: Harriet Jenner ist einundzwanzig Jahre alt, als sie durch die Tore von Fenix House tritt. Nach einer persönlichen Tragödie glaubt sie nicht daran, dass ihr neues Leben als Hauslehrerin einfach wird. Knapp fünfzig Jahre später tritt Harriets Enkelin Grace Fairford in ihre Fußstapfen. Für Grace, die mit den faszinierenden Geschichten ihrer Großmutter aufwuchs, ist Fenix House wie aus einem Märchen, ein magischer Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Doch der verblichene Glanz der Villa entlarvt Harriets Geschichten bald als Lügen, und Grace findet sich in einem Dickicht aus tragischen Geheimnissen wieder ...."




Es war mal wieder an der Zeit für einen Roman über ein Familiengeheimnis, auch wenn ich aus diesem Genre in diesem Monat schon viel gelesen habe. Bei "Die Sanduhr unserer Liebe" hat mich erst einmal England angesprochen, aber auch die Zeit, in der die Frauen unterdrückt wurden.

Das Buch besteht aus zwei Sichtweisen. Einmal haben wir Grace im Jahre 1922, die, wie ihre Großmutter viele Jahre zuvor, im Fenix House als Gouvernante anfängt. Der zweite Strang beschäftigt sich mit der Großmutter Harriet, die 1879 selbst in dem Haus als Gouvernante anfängt. Beide Frauen entdecken das Haus, aber auch die Menschen, die dort gerade leben und Grace bekommt nach und nach die Wahrheit über ihre Großmutter präsentiert!

"Die Sanduhr unserer Liebe" war mein erstes Buch von Kate Riordan und bestimmt nicht mein letztes. Ihr Schreibstil ist sehr bildhaft und voller Empfindungen. Zwar gibt es in diesen Buch einige Längen, aber insgesamt hat mich die Geschichte tief in sich aufgesogen.




- Harriet -

Harriet ist die Großmutter von Grace und war 1879 selbst als Gouvernante im Fenix House. In dem Buch geht es darum, was damals passiert ist, denn schnell wird klar, dass die Geschichten, die sie ihrer Enkelin erzählt hat, nur die halbe Wahrheit sind.

Wie der Titel vermutet lässt, geht es in ihrer Geschichte um Liebe und ich konnte tatsächlich mit ihr mitfühlen, habe mich aber auch immer gefragt, ob ich Harriet selbst wirklich vertrauen kann. Sie wirkt zwar sehr freundlich und zurückhaltend, doch sie hat auch einen guten Grund die Hausherrin zu hassen.

Ihr Leben in Fenix House ist nicht einfach. Sie freundet sich zwar schnell mit den Kindern an und hat Spaß an ihrer Arbeit, doch letztendlich gibt es auch dort Probleme, denn sie verliebt sich leider in eine Person, die sie nicht lieben darf ...

- Grace -

Grace ist Harriets Enkelin und sie hat schon viel über Fenix House gehört. Es überrascht sie, als ihre Großmutter plötzlich verlangt, dass sie in ihre Fußstapfen tritt und selbst Gouvernante in Fenix House wird. Schnell wird klar, dass sich das Haus verändert hat - das alles ist ja auch mehr als 50 Jahre her ...

Grace selbst blieb eigentlich nur eine Randfigur. In ihren Abschnitten lernen wir das Haus und die Menschen viele Jahre später kennen und finden mit Grace gemeinsam heraus, was mit ihrer Großmutter passiert ist.




Der Einstieg in das Buch ist mir gut gelungen. Der Schreibstil mit den zarten Beschreibungen der Umgebung und den Menschen hat mir gleich zugesagt und der Prolog aus dem Jahr 1910 hat sofort eine unheimliche Stimmung aufgebaut. Alles beginnt hier nämlich mit einem Zugunglück, bei dem Grace ihre Eltern verloren hat. Sie wächst bei ihrer Großmutter auf, wird allerdings nach Fenix House geschickt, als dort eine Gouvernante gesucht wird. Was Grace noch nicht weiß: Der Junge, auf den sie aufpassen soll, ist kein normaler Junge und das Haus ist nicht mehr das Haus aus Harriets Erzählungen!

Im Wechsel erfahren wir hier nun die Geschichten der beiden Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichen Erwartungen nach Fenix House kommen. Spannend ist die Geschichte auf jeden Fall, besonders wenn man im Hintergrund behält, dass auch das Zugunglück eine wichtige Role zu spielen scheint.

Während Grace erst einmal Probleme mit dem derzeitigen Hausherren Mr. Pembridge hat, lebt sich Harriet in ihrer Zeit gut ein, muss aber mit Erschrecken feststellen, dass sie die Hausherrin kennt. Auch hier verbirgt sich eine düstere und böse Geschichte, die darauf deuten lässt, dass es vielleicht kein Zufall ist, dass Harriet nach Fenix House gekommen ist.

Die zwei Sichtweisen haben mir gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich an manchen Stellen leicht verwirrt war. Grace und Harriet sind sich charakterlich doch recht ähnlich und da sie beide als Gouvernante dort anfangen, hatte ich im Kopf manchmal Überschneidungen. Es fiel mir manchmal schwer, umzudenken, da natürlich in Graces Abschnitten auch Personen aus der Vergangenheit vorkamen. Ein Art Stammbaum hätte das Lesen hier sicher erleichtert, denn diesen musste ich mir im Verlauf selbst zulegen, um wirklich alle Verbindungen zu verstehen!

"Die Sanduhr unserer Liebe" ist mit 544 Seiten kein kurzes Lesevergnügen. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass mir die Geschichte ein wenig zu ausgeschweift war. Als Leser erfahren wir einige Dinge früher als Grace, dennoch werden diese von ihr noch einmal durchgekaut. Für mich hätte es ausgereicht, Graces Abschnitte kürzer zu halten und Harriets Geschichte mehr Beachtung zu schenken. Um ehrlich zu sein fand ich Graces Abschnitte nämlich viel schwächer als die von Harriet!

Das Ende konnte mich aber begeistern, auch wenn es wohl recht typisch für dieses Genre sein dürfte. Zum Glück habe ich aber noch nicht allzu viel im Bereich der Familiengeschichten gelesen, sodass ich mit den Auflösungen rundum zufrieden war. Ich werde bestimmt bald wieder ein Buch der Autrin lesen.




"Die Sanduhr unserer Liebe" ist eine interessante Geschichte über eine Frau und die Liebe und über
Lügen, die erst viele Jahre später ans Tageslicht kommen ... Trotz einiger Längen konnte mich das Buch begeistern und ich hatte einige schöne Stunden im Fenix House!

Montag, 24. April 2017

[Rezension] Am dunklen Fluss - Anna Romer

Titel: Am dunklen Fluss
Autor:  Anna Romer
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 20. März 2017
Anzahl der Seiten: 480
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann




"Ruby Cardel war zwölf, als ihre Schwester Jamie nahe der elterlichen Farm in den Tod stürzte. Ein traumatisches Erlebnis, von dem sie sich nie vollständig erholte und das ihre Erinnerung an das ganze folgende Jahr auslöschte. Dennoch scheint es, dass sie nun endlich ihr Glück an der Seite eines erfolgreichen Autors gefunden hat, mit dem sie in einem kleinen australischen Küstenort lebt. Doch als sie zum ersten Mal seit Kindertagen wieder nach Lyrebird Hill zurückkehrt, drängen plötzlich lang verschüttete Bilder in ihr Bewusstsein. Stück für Stück setzt Ruby die Puzzleteile der Ereignisse um Jamies Tod zusammen. Und die Wahrheit, die nun ans Licht kommt, birgt ein tödliches Geheimnis …"




"Am dunklen Fluss" war mein erstes Buch von Anna Romer. "Das Rosenholzzimmer" von ihr steht schon länger auf meiner Wunschliste, auch wenn ich dazu eher gemischte Meinungen gehört habe. Das neue Buch von Anna Romer hat mich daher ein wenig mehr gereizt, vor allem aber auch, da es schon fast wie ein Thriller klang. Ich dachte, im Fokus steht hier die Geschichte einer Frau, die nach und nach herausfindet, was mit ihrer Schwester passiert ist. Im Grunde ist "Am dunklen Fluss" aber eher eine "Familiengeheimnis"- Geschichte, der etwas anderen Art.

Zum Schreibtil muss ich leider sagen, dass ich sehr große Probleme hatte, in die Geschichte hineinzufinden. Auch wenn Anna Romer eigentlich einen angenehm flüssigen Schreibstil hat, so muss ich doch sagen, dass er mir teilweise zu ruhig und geradlinig war. Mein Kopfkino hat eigentlich erst im letzten Drittel eingesetzt und leider gab es einige Momente, wo ich mir selbst die Frage gestellt habe, ob ich das Buch überhaupt noch weiterlesen möchte. Für mich hätte die Geschichte an einigen Stellen flotter erzählt werden müssen, ich habe mich selten animiert gefühlt, weiterzulesen ...




- Ruby -

Ruby hat viele Jahre geglaubt, bei dem Tod ihrer Schwester hätte es sich um einen Unfall gehalten, doch plötzlich gibt es Andeutungen, dass damals viel mehr dahintersteckt haben muss. Sie reist nach Lyrebird Hall, um dort nach Antworten zu suchen und nach und nach kommt sie der Wahrheit auf die Spur und "löst" nebenbei noch ein altes Familiengeheimnis ...

Puhh, Rubys Geschichte fängt mit einem kleinen Beziehungsdrama an und wir lernen erst einmal eine recht charakterschwache Ruby kennen, die recht viel wegsteckt und mit sich machen lässt. Diese Ruby entwickelt sich im Lauf der Geschichte allerdings noch, konnte bei mir beim Lesen aber keinerlei Gefühl der Nähe erzeugen. Bei ihr hatte ich dauernd eine Barriere, es war, als würde ich die ganze Suche mit all den Rückblicken nur aus der Ferne beobachten!

- Brenna -

Der Erzählstrang aus dem Jahr 1898 behandelt die Geschichte einer jungen Frau, die eigentlich nur glücklich sein möchte, aber in eine Ehe gerät, die ihr ganzes Leben verändern soll ... Mehr kann ich an dieser Stelle erst einmal von der Story nicht verraten, aber Brenna war eine der wenigen Personen in "Am dunklen Fluss", die mich zum mitfiebern animieren konnten. Ihre Geschichte ist sehr tragisch und ich muss sagen, dass die Autorin in der Sicht der Vergangenheit viel mehr Herzblut in das gesamte Geschehen gepackt hat. Allerdings konnte mich auch hier der Schreibstil nicht direkt fesseln ...




"Am dunklen Fluss" von Anna Romer war mal wieder so ein Buch, mit dem ich von Anfang an so meine Probleme hatte. Im Vorfeld habe ich nach einer spannenden Geschichte gerechnet, die sich auf die Geschichte von Ruby und ihrer Schwester konzentriert. In Wahrheit erzählt dieses Buch aber drei Geschichten: Die von der verloren Ruby in der Gegenwart, die von ihr als Kind in dem Jahr, als ihre Schwester starb und die Geschichte eines Mädchens/einer Frau namens Brenna aus dem Jahr 1898.

Diesen Vergangenheitsstrang fand ich am Stärksten, auch wenn es mir hier schlicht und ergreifend an Spannung gefehlt hat. Das ganze Buch ist sehr ruhig und deswegen fiel es mir oft sehr schwer, am Ball zu bleiben. Schon zu Beginn hatte ich das Gefühl, nur an der Oberfläche zu schwimmen und das Geschehen nur aus der Ferne zu beobachten. Mittlerweile weiß ich, dass dies meistens ein schlechtes Zeichen bei Büchern ist, aber dennoch habe ich versucht, noch durchzuhalten.

Die Geschichte rund um Brenna beginnt in Australien, was ich sehr interessant fand. Es gibt Einblicke in die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, doch aus diesem Umfeld wird Brenna schnell gerissen, als sie gezwungenermaßen einen Mann heiraten muss. Lange Zeit habe ich mich gefragt, wie dieser Handlungsstrang in das Gesamtbild hineinpasst, muss aber sagen, dass ich am Ende etwas enttäuscht war, dass es nur wenige Parallelen zur Gegenwart gab. Leider hatte dies für mich den fahlen Beigeschmack, dass die eigentliche Geschichte irgendwie gestreckt werden muss.

Schade ist auch hier, dass der Vergangenheitsstrang, der nur wenig mit Rubys Geschichte zu tun, nur einen minimalen Einfluss auf das Geschehen nimmt. Zwar gibt es ein kleines Geheimnis, das auch etwas überraschend konnte, aber es fehlte mir der "Wow-Effekt". Das Ende ist aber definitiv der stärkere Teil in diesem Buch, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Autorin etwas Tempo gewinnt. Leider aber fehlt es der Geschichte schlicht und ergreifend an Elan und die Aufdeckung der "Geheimnisse" konnten bei mir nicht die erwünschte Wirkung erzielen. Schade, ich denke aber, dass mir der Schreibstil dieser Autorin einfach nicht liegt!




"Am dunklen Fluss" ist ein sehr ruhiger Roman, der mich leider nicht mit auf die Reise nach
Australien nehmen konnte. Die Geschichte hat einige interessante Wendungen, war mir im Gesamtbild aber zu vorhersehbar und die Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart waren mir zu schwach ausgearbeitet! Echt schade! Von mir würde es 2,5 geben, ich runde aber auf 3 auf!


Samstag, 22. April 2017

[Rezension] Wenn du dich traust - Kira Gembri

Titel: Wenn du dich traust
Autor:  Kira Gembri
Genre: Roman
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © Arena




"Lea zählt - ihre Schritte, die Erbsen auf ihrem Teller, die Blätter des Gummibaums. Sie ist zwanghaft ordentlich und meistert ihren Alltag mit Hilfe von Listen und Zahlen. Jay dagegen lebt das Chaos, tanzt auf jeder Party und hat mit festen Beziehungen absolut nichts am Hut. Niemals würde er freiwillig mit einem Mädchen zusammenziehen, schon gar nicht mit einem, das ihn so auf die Palme bringt wie Lea. Und Lea käme nie auf die Idee, mit Jungs zusammen zwischen Pizzakartons und Schmutzwäsche zu hausen. Sonnenklar, dass es zwischen den beiden heftig kracht, als sie aus der Not heraus eine WG gründen."




Hach ja, lange ist es her, dass ich zum letzten Mal einen guten Liebesroman gelesen habe. Für die Feiertage habe ich mir aber direkt einen ausgesucht, um einfach mal abzuschalten und einer witzigen und süßen Geschichte zu folgen, die kein großes Nachdenken erfordert.

"Wenn du dich traust" von Kira Gembri ist eine typische "Bad Boy"-Geschichte, die mich vom Aufbau an "Kirschroter Sommer" und "Türkisgrüner Winter" erinnert hat. Abwechselnd erfahren wir das Geschehen aus der Sicht von Jay, dem Bad Boy und Lea dem zerbrochenen Mädchen mit Zwangsstörung!

Die Autorin hat hier wirklich eine zuckersüße Geschichte verfasst, die komplett ohne Kitsch daherkommt und mich gut unterhalten konnte! Ihr Schreibstil ist lockerleicht und jugendlich, doch sie scheut sich auch nicht, die Probleme ihrer Protagonisten anzusprechen. Leas Sicht mit den Zwangsstörungen wir sehr sensibel angepackt, während Jay eher der Bad Boy mit der harten Schale und dem weichen Kern ist.




- Lea -

Lea konnte ich sofort in mein Herz schließen. Sie ist gefangen in ihrer Zwangsstörung. Sie zählt alles und hat ein abendliches Ritual, bei dem sie den Herd und sämtliche Steckdosen kontrolliert. Irgendwas scheint ihr Angst zu machen und sie kann sich davon nicht befreien. Als zuhause etwas passiert, sieht sie ein, dass sie nicht mehr bei ihren Eltern wohnen kann. Sie ist eine Gefahr für sich und andere und lässt sich einweisen. 

In der Psychiatrie fühlt sie sich allerdings auch nicht sonderlich wohl. Als sie Jay, einen Typen, der dort Sozialstunden ableisten muss, trifft, nutzt sie die Chance und "erpresst" ihn. Sie will einfach nur raus und anfangen zu leben - doch das erweist sich als schwieriger als gedacht, als sie in seiner Bruchbude ankommt, die er auch noch mit anderen Jungs teilt ...

Lea ist eine interessante Person, die selbst weiß, wie zerbrochen sie ist, sich aber dagegen nicht wehren kann. Vielschichtig und tiefgründig wird ihre Geschichte erzählt und nach und nach werden auch die Hintergründe ihrer Zwangsstörung deutlich.

- Jay -

Jay ist der Bad Boy der Geschichte. Zu Beginn war er mir eine Spur zu klischeehaft. Er verkauft Drogen, wird deswegen festgenommen und zu Sozialstunden verdonnert. Von der Psychiatrischen Anstalt hält er allerdings nicht viel und findet alle Patienten echt verrückt. 

Jay ist der typische Frauenaufreißer, der am liebsten jede Nacht eine andere hat. Er liebt eigentlich nur sich selbst und findet Lea auch echt durchgeknallt ... Zu Beginn findet er Lea auch echt nervig und abstoßend, er möchte sie am liebsten so schnell es geht wieder loswerden ...

Es war natürlich von der Autorin beabsichtigt, mit Jay einen eher schwierigen und unsympathischen Charakter zu haben. Bad Boys sind in Geschichten eh meist nicht meins, aber in "Wenn du dich traust" fand ich seine Entwicklungen toll. Außerdem bekommt auch er eine eigene Hintergrundgeschichte, die es mir erleichtert hat ihn zu verstehen. Es ist eben doch immer verkehrt, nur nach dem äußeren Auftreten zu urteilen!




"Kirschroter Sommer" und "Türkisgrüner Winter" von Carina Bartsch waren bislang die einzige "Bad Boy trifft schüchternes Mädchen"-Geschichte, die mich begeistern konnte. Jetzt gesellt sich aber ein weiteres Buch dazu: "Wenn du dich traust" von Kira Gembri konnte mich als Liebesroman-Muffel tatsächlich begeistern!

Die Geschichte ist locker, lädt zum Abtauchen ein und ist sehr humorvoll erzählt. Mit Lea haben wir eine sehr vielschichtige Person, die durch ihre Zwangsstörung kein normales Leben führen kann. Sie betritt ein Leben, das ihr völlig fremd ist, das sie aber anscheinend wieder auf den richtigen Weg bringt.

Witzigerweise dachte ich zu Beginn echt, dass aus Lea und Jay niemals etwas werden könnte. Jay ist selbst sehr voreingenommen und möchte mit dieser "Verrückten" am liebsten nichts zu tun haben. Teilweise habe ich ihn am Anfang echt gehasst, weil er viel zu vorschnell und viel zu oberflächlich geurteilt hat. Dann war mir allerdings klar, dass auch ich ihn sehr schnell beurteilt habe. Man muss Menschen einfach Chancen geben und sie näher kennenlernen, um sich wirklich ein Urteil bilden zu können!

Der letztendliche Umbruch ging dann zwar etwas schnell und ich hätte mir hier noch mehr Seiten gewünscht, aber letztendlich ist manchmal so im Leben. Die Liebe ist eben unberechenbar! 

Es gibt in "Wenn du dich traust" viele süße Szenen, viele witzige Momente, aber auch einige sehr erschreckende. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen und hätte am liebsten noch viel mehr Seiten über Jay und Lea gelesen. Ich werde auf jeden Fall nach weiteren Büchern der Autorin Ausschau halten!



Eine zuckersüße Geschichte über ein Mädchen mit Zwangsstörungen und Bad Boy, der eigentlich nur an sich selbst denkt und psychische Erkrankungen gar nicht so ernst nimmt. Witzig und doch ernst wird hier eine Liebesstory erzählt, die ganz ohne Kitsch funktioniert! Klasse!

Weitere Meinungen zum Buch:
Lauras Lesezeiten (4,5 von 5)

Donnerstag, 20. April 2017

[Rezension] Manche Tage muss man einfach zuckern - Tamara Mataya

Titel: Manche Tage muss man einfach zuckern
Autor:  Tamara Mataya
Genre: Roman
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © Heyne

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!




"Dauersingle Sarah hat die fixe Idee, dass die große Liebe auf der Internetseite »Missed Connections« auf sie wartet. Die Plattform richtet sich an all diejenigen, die ihren Traumpartner schon auf den Straßen von New York gesehen haben, aber nicht mutig genug waren, ihn anzusprechen. Doch Sarahs Mr. Right hat sie wohl noch nicht entdeckt, und so fängt sie eine Affäre mit Jack an, dem attraktiven Bruder ihres Mitbewohners. Er schafft es, ein wenig unverbindlichen Spaß in ihr Leben zu bringen. Doch dann taucht ein anonymer Verehrer auf »Missed Connections« auf …"




Ich hatte tatsächlich mal wieder Lust auf einen Liebesroman - wer hätte es gedacht? "Manche Tage muss man einfach zuckern" klang dabei wie ein echt süßer und witziger Roman, bei dem mir besonders die Idee mit der Internetseite "Missed Connections" gefallen hat!

Der Schreibstil der Autorin ist auf jeden Fall sehr leicht und ich kam gut in der Geschichte rein. Zwar konnte ich manche Auffassungen und manche Botschaften in diesem Buch nicht unbedingt teilen, aber dennoch bot die Geschichte rund um Sarah, ihren neuen Arbeitsplatz und ihrer Suche nach Mr. Right einige unterhaltsame Stunden!




- Sarah -

Sarah verliert ihren Job bei der Anwaltsfirma, bei der sie lange gearbeitet hat und zieht gezwungenermaßen bei ihrem besten schwulen Freund ein. Pete bietet ihr immer eine Schulter zum ausheulen und hat auch noch einen sehr ansehnlichen Bruder, den Sarah einfach unwiderstehlich findet. Doch mit Jack will sie unter keinen Umständen etwas anfangen, denn er ist als echter Frauenheld bekannt. Wie lange kann sie der Versuchung widerstehen?

Erst einmal muss sich Sarah aber um einen neuen Job kümmern und landet direkt in einem Hippie-Wellnesstempel. Sie passt null in diesen Job, versucht aber alles richtig zu machen und sich irgendwie anzupassen.

Sarah als Charakter zu beurteilen, fällt mir recht schwer. Sie kommt an einigen Stellen doch recht oberflächlich daher, verurteilt schnell, verlangt aber, genau wie ihre "Hippie"-Kollegen, Respekt. Ich weiß nicht recht, ob sie das unbedingt sympathisch macht. Witzig fand ich sie, aber sie ist kein Charakter, mit dem ich mich identifizieren könnte oder mit dem ich im echten Leben zutun haben möchte.

- Jack -

Jack wird zu Beginn des Buches als typischer Frauenheld dargestellt, was aber auch nur eine recht oberflächliche Sicht ist. In ihm steckt mehr, doch Sarah will das irgendwie nicht so recht glauben. Für sie ist er nur der heiße Bruder ihres besten Freundes!

Jack mochte ich als Charakter sehr gerne, fand allerdings, dass er nicht direkt zu Sarah passt. Ob die beiden zusammenkommen oder ob es nur bei der Affäre bleibt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten!




Okay - bei Liebesromanen muss man seit "Fifty Shades of Grey" wohl immer mit einer gehörigen Prise Erotik rechnen, auch wenn ich bei dem Titel "Manche Tage muss man zuckern" eher eine kitschig romantische und zuckersüße Geschichte erwartet habe. Ganz ehrlich: Erotik ist n Bücher nie so meins und hier kam mir besonders Sarahs Verhalten recht primitiv vor. Sie findet Jack einfach nur körperlich anziehend und will nur Sex mit ihm haben, weil sie denkt, dass er eh kein Typ für eine feste Beziehung ist. Indirekt möchte sie damit auch sich selbst schützen, um nicht verletzt zu werden.

Interessant fand ich hier die Idee von "Missed Connections". Sarah selbst ist besessen von der Internetseite und hofft, dass irgendjemand sie dort einmal sucht und sie so Mr. Right findet. In ihrer Obsession schaut sir dort jeden Tag vorbei, doch findet sie wirklich eine Anzeige, die genau auf sie abzielt?

Viel Platz nimmt auch Sarahs neuer Job ein, bei dem sie jede Menge Stress hat und förmlich gemobbt wird - von Hippies, die unsere Welt einfach schrecklich finden ... Ein bisschen oberflächlich geht die Autorin hier schon an die ganze Sache heran, teilweise waren die Momente in dem Hippie-Wellnesstempel zwar witzig und ich konnte auch viel lachen, aber gleichzeitig wurde hier zu vorschnell geurteilt. Manchmal befindet sich die Wahrheit eben doch in der Mitte ...


Neben dem katastrophalen Job geht es natürlich auch um Liebe, auch wenn ich sagen muss, dass sich bei mir keine echten Emotionen eingestellt haben. Mir war es teilweise zu körperlich, zwar gibt es einige sehr süße Stellen, die mich auch Schmunzeln ließen, aber die echte Liebe, die Sarah hier eigentlich sucht, ist nicht spürbar. Die Geschichte selbst rund um die mysteriöse Anzeige im Internet und Jack, der Affäre, ist recht vorhersehbar und als Leser weiß man schnell, welches Ende einen erwartet. Ob dies so gewollt ist, kann ich schlecht sagen, denn ich lese nicht so oft Liebesromane, aber ich hätte mir am Schluss tatsächlich noch eine Überraschung gewünscht!




Eine witzige Geschichte zum Schmunzeln, die mein Herz aber leider nicht berühren konnte. Mir war
die Liebesgeschichte eine Spur zu oberflächlich und mit Erotik kann ich in Büchern leider gar nichts anfangen. Welche Tage denn hier auch überhaupt gezuckert werden sollen erschloss sich mir doch nicht so recht, denn es gibt wenige romantische Momente. Trotz meiner Kritik ist es aber dennoch ein unterhaltsames Buch für Zwischendurch mit einem guten Schuss Humor und einer Protagonisten, der man manchmal am liebsten die Augen öffnen würde!

Weitere Meinungen zum Buch:
Bücherfantasien

Dienstag, 18. April 2017

[Rezension] Das Spiel -Tod (Band 3) - Jeff Menapace

Titel: Das Spiel - Tod
Autor:  Jeff Menapace
Genre: Thriller, Horror
Bereits gelesene Bücher des Autoren: Das Spiel - Opfer (5+)Das Spiel - Rache (3 von 5)
Cover und Inhaltsangabe © HeyneHardcore

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar! ACHTUNG! Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden!



"Die Lamberts sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Liebevolle Eltern, entzückende Kinder. Doch nach der grauenvollen Begegnung mit drei Psychopathen ist für die Lamberts nichts mehr wie zuvor. Sie haben überlebt ― aber es gibt noch ein letztes Spiel, das gespielt werden muss. Für den Meister dieses Spiels ist es die Krönung seines perfiden Schaffens … für die Lamberts die pure Hölle!"




Der erste Teil der "Spiel"-Trilogie hat mich im vergangenem Jahr echt umgehauen und ich habe gedacht, hier wieder einen vielversprechenden neuen Horrorautoren entdeckt zu haben. Der erste Teil war auch echter Backwood-Horror über eine Familie, die ums nackte Überleben kämpfen muss und Teil eines perfiden Spiels wird. Das Buch hat mich so begeistert, dass ich gespannt auf die weiteren Teile gewartet habe.

Leider hat der Stil des Autoren schon im zweiten Teil eine 180 Grad Wendung hingelegt. Statt um psychologischen Horror ging es plötzlich nur noch um Action. Meiner Meinung nach hat sich der Autor keinen großen Gefallen dabei getan, Monica und Domino als Charaktere einzuführen. Leider geht es nämlich auch im dritten Teil nicht mehr wie der Klappentext verspricht um die Lamberts, sondern um den Endkampf zwischen Profikillerin und Ex-Soldat.




- Domino -

Ich kann gar nicht sagen, wie enttäuscht ich bin, dass ich hier bei den Charakteren nicht Amy Lambert oder die Kinder erwähnen kann. Diese spielen in dem Buch nämlich keine große Rolle mehr, stattdessen geht es um Domino, der sich nach den Ereignissen des zweiten Bands die Schuld für einen gewissen Tod gibt und Amy und die Kinder noch immer beschützt - obwohl Monica seiner Auffassung nach längst tot sein muss ...

Domino ist eben ein Ex-Marine, ein Bodyguard und übertrieben stark, sowohl geistlich als auch körperlich. Er ist eine Maschine und in jedem Action-Film würde er wohl als Superkämpfer dargestellt werden - mir war er schlicht und ergreifend zu übertrieben, was ich ja bereits beim zweiten Teil erwähnt hatte.

- Monica -

Auf der anderen Seite, die Seite des Bösen, haben wir Monica, die verbliebene Schwester der Fanelli-Brüder, die natürlich noch immer ihre Rache will. Sie ist eine Profikillerin und verfügt über das Know how und die nötigen Mittel, um ein letztes Spiel zu spielen ...

Puhh, ich fand die Fanelli-Brüder im ersten Teil einfach origineller. Sie waren nicht "übermnschlich" dargestellt, waren keine Profikiller und hatten andere Auffassungen zum besagten Spiel. Durch Monika fehlt leider ein gewisses psychologisches Element, was den ersten Teil so unfassbar gut gemacht hat. Zwar steigt sie wenigstens im letzten Teil auf ein paar originelle Folterideen um, aber ich konnte mit ihr einfach nicht so mitfiebern wie mit den Fanelli-Brüdern ...




Der dritte Teil von "Das Spiel" konnte mich leider wieder nicht vom Hocker reißen. Obwohl der Klappentext andeutet, dass es hier wieder um die Lamberts gehen soll, steht doch der Endkampf zwischen Domino und Monica im Vordergrund und das Buch beschreibt eigentlich nur den Weg, den Monica beschreitet, um endlich ihre Rache zu kommen.

Durch die kurzen Kapitel ist zwar ein stetiger Spannungsbogen da, aber die Geschichte ist leider nicht mehr böse und als Leser wusste ich nicht so recht, mit wem ich mitfiebern sollte. Monica stellt zwar das Schlechte da und Domino das Gute, aber dennoch waren mir beide Charaktere einfach zu übertrieben. (Ich muss dazu sagen, dass ich Horror liebe, Actionthrillern aber leider nichts abgewinnen kann ...)

Kurzweilige Unterhaltung bietet das Buch auf jeden Fall. Es lässt sich flüssig lesen, hat nur diesen gewissen bitterbösen Flair vollständig verloren. Der Autor macht es sich teilweise auch viel zu einfach. Obwohl gerade im letzten Drittel sehr viel Potenzial vorhanden ist und es einige "Saw"-mäßige "Fallen" zu bestaunen gibt, wirkte es auf mich so, als hätte er zum Ende hin die Lust verloren. Viel zu schnell und unlogisch wird die Geschichte zuende gebracht - Hauptsache, es ist eben irgendwie vorbei ...

Abschließend kann ich zu der Reihe nur sagen, dass sie unfassbar stark angefangen hat, der erste Teil war echt ein bitterböser Beginn, doch auf mich wirkte es, als hätte der Autor versucht, die Geschichte zwanghaft auf die Action-Schiene zu verfrachten. Leider hat die Reihe dadurch an Originalität verloren ...




Aus einer ehemals tollen Idee um ein bitterböses Spiel zweiter Brüder wurde ein lahmes Action-
Gemetzel ohne großes Mitfiebern. Ich kann den ersten Band als eigenständiges Buch empfehlen, die Fortsetzungen waren allerdings überhaupt nicht mehr meins ...

Sonntag, 16. April 2017

[Rezension] Mein Wille geschehe - Jennifer Benkau

Titel: Mein Wille geschehe
Autor:  Jennifer Benkau
Genre: Thriller, Psychothriller
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © BasteiLübbe




"Derya steckt nach der Scheidung von ihrem grausamen Mann in einer Krise. Immer mehr zieht sie sich in ihre eigene Welt zurück und lässt kaum jemanden an sich heran - bis eines Tages ihre Jugendliebe Jakob wieder vor ihr steht.

Auch nach all den Jahren hat er nichts von seinem damaligen Charme eingebüßt, und zum ersten Mal seit langer Zeit ist Derya endlich wieder glücklich. Aber zeitgleich mit Jakobs Auftauchen beschleicht sie immer öfter eine unbestimmte Angst. Sie hat das Gefühl, beobachtet zu werden, und bald ist sie sich sicher, dass jemand sie verfolgt.

Ist ihr Ex-Mann hinter ihr her? Doch dann offenbart Jakob Derya ein furchtbares Geheimnis, das sie daran zweifeln lässt, ob sie ihn wirklich kennt ..."




Schon lange wollte ich ein Buch von Jennifer Benkau lesen, denn ich habe auf anderen Blog sehr viel von ihr gehört. Neben Fantasy, das selten komplett meinen Geschmack trifft, schreibt sie auch Thriller und "Mein Wille geschehe" hat mich sofort angesprochen!

Ich muss sagen, dass ich etwas gebraucht habe, um komplett in die Geschichte abtauchen zu können. Fast tastend musste ich mich erst einmal mit unserer Protagonistin Derya vertraut machen, die ich zu Beginn noch nicht so recht einschätzen konnte. Als dann aber offenbart wurde, dass Derya eine Autorin ist, aber schon lange nicht mehr geschrieben hat, war für mich dann das Eis gebrochen (Ja, Autoren müssen untereinander doch zusammenhalten!) und ich konnte mit ihr mitfiebern.

Jennifer Benkaus Schreibstil ist zu Beginn recht einfach, entwickelt sich dann aber in einer wunderbare Richtung. Besonders Deryas Melancholie hat sie toll umgesetzt und es gibt einige superschöne Abschnitte! Interessant fand ich auch die Rückblicke und eine gewisse Spannung, die im weiteren Verlauf stetig aufgebaut wird!




- Derya -

Derya ist auf sich allein gestellt, seit sie sich von ihrem Mann Robert getrennt hat. Dann denkt sie plötzlich, ihre Jugendliebe Jakob zu sehen, der sie in Jugendjahren recht verwirrt zurückgelassen hat. Nach und nach gibt es Einblicke in ihre jugendliche Beziehung und ebenso in das Leben, das Derya gerade führt. Sie hat nur eine richtige Freundin und lernt auf der Straße eine Obdachlose kennen, mit der sie anscheinend etwas verbindet.

Wie bereits gesagt, fand ich Derya zu Beginn nicht sonderlich sympatisch und bei einem Psychothriller möchte ich entweder mit dem Protagonisten mitfiebern oder ihn hassen. Zum Glück entwickelt sich das im Verlauf noch, auch wenn es von der Autorin beabsichtigt war, hier einen eher undurchschaubaren Charakter zu haben.

- Jakob -

Ich war mir unsicher, ob ich Jakob hier erwähnen sollte. Er ist auf jeden Fall Deryas Jugendliebe und jetzt, im Verlaufe der Geschichte, erwacht diese Liebe scheinbar zum neuen Leben! Aber ob das so gut für Derya ist?

Jakob hab ich weder gemocht, noch gehasst. Er war eher immer so ein Charakter, den ich im Auge behalten habe, weil ich seine Absichten nicht entschlüsseln konnte!




Die Geschichte hinter "Mein Wille Geschehe" ist recht ruhig erzählt, wie ein echter Psychothriller eben und setzt dabei auf eine sich stets steigernde Spannung. Toll fand ich, hier eine Autorin als Protagonistin zu haben - allerdings bin ich als Schreiberling wohl schon so tief in der Materie, dass mir dann leider das Ende, obwohl es eigentlich echt genial ist, schnell klar war ...

Nun aber erst einmal zurück zum Anfang. Zu Beginn fand ich das Buch ehrlich gesagt nicht sonderlich spannend. Ich habe aber durchgehalten, da ich von anderen Rezensenten bereits gehört habe, wie genial und ausgetüftelt das Ende sein soll. Irgendwann hat mich die Geschichte dann auch tatsächlich gepackt und ich wollte wissen, wie alles zusammenpasst.

Der Schreibstil selbst ist zu Beginn recht einfach, aber entwickelt sich wirklich in eine ausgesprochen tolle Richtung! Man merkt schnell, dass es sich bei der Protagonistin um eine Schriftstellerin handelt und deswegen habe ich Derya tatsächlich irgendwann gemocht.

Jakob und Robert, die Jugendliebe und der Exmann, spielen hier auch weiterhin eine zentrale Rolle. Wer steckt hinter den ganzen Dingen, die Derya plötzlich passiert? Mich hat das Buch enorm an eine meiner Lieblingsgeschichte erinnert, nämlich "Das heimliche Fenster, der heimliche Garten" von Stephen King.

Das Ende selbst, so genial ich es auch fand, hat mich bei dem Buch etwas zwiegespalten zurückgelassen. Ich muss hier ehrlich bleiben, denn solch eine "Auflösung" liest man in ähnlicher Form als Thriller-Leser recht oft. Es ist meiner Meinung nach durch die vergangenen Jahre etwas ausgelutscht und konnte daher nicht die Wirkung erzielen, die sich die Autorin wohl gewünscht hat!




Ein echter Psychothriller mit tollem Schreibstil und einer interessanten Protagonistin, allerdings kann
ich mich den zahlreichen positiven Stimmen über das Ende nicht anschließen. Genial ist es auf jeden Fall, aber es war schon hunderte Male in anderen Thrillern da. Das fand ich etwas schade, kann das Buch aber dennoch weiterempfehlen!

Weitere Meinungen zum Buch:
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