Dienstag, 19. Juni 2018

[Rezension] Zwei Fremde im Zug - Patricia Highsmith

Titel: Zwei Fremde im Zug
Autor: Patricia Highsmith
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: 1977
Anzahl der Seiten: 250
Cover und Inhaltsangabe © Diogenes



"Zwei Fremde im Zug entdecken und planen das perfekte Alibi für zwei Morde. Aus einem Moment der Unachtsamkeit heraus wird Haines zum Komplizen Brunos, der ihn auf eine schiefe Bahn mitnimmt, auf der es kein Festhalten und keine Moral mehr gibt und auch kein Entrinnen. Ein Roman über gefährlich verschwimmende Identitäten und die Unausweichlichkeit der Schuld."




Auf der Suche nach älteren Krimis, die eher meinen Geschmack treffen als diese typischen "Ermittler"-Geschichten, die gerade in diesem Genre vorherrschen, bin ich auf Patricia Highsmith gestoßen. Ihr Debütroman, der auch von Alfred Hitchcook verfilmt wurde, hat dabei mein besonderes Interesse geweckt und so wurde "Zwei Fremde im Zug" mein erstes Buch der Autorin.

Und was soll ich sagen? Mir liegen ältere Krimis einfach mehr. Im Mittelpunkt der Bücher von Patricia Highsmith steht eher das "Whydunit", also das große "Warum" hinter einem Verbrechen, das scheinbar ein Durchschnittsmensch begeht. Mir liegt dieses Konzept des Krimis eher als das bekannte "Whodunit", denn die Ermittlungsarbeit und die Tätersuche selbst interessieren mich weniger als beispielsweise die Hintergründe zur Tat.

Patricia Highsmith Debütroman ist hierbei ein sehr psychologisches Werk. Was bringt einen normalen Menschen dazu einen Mord zu begehen? Wie kommt es zur Überschreitung der Grenze zwischen Gut und Böse?




- Guy Haines -

Guy ist ein sehr netter, gebildeter und gesetzestreuer Mann, der einfach nur glücklich sein möchte. Leider ist er an die falsche Frau geraten, die ihn betrogen hat und nun auch noch ein Baby erwartet - das natürlich nicht von ihm ist.

Guy sagt zwar, dass er Miriam, seine Noch-Frau, hasst, aber schnell wird klar, dass es ihm gar nicht möglich ist, sie wirklich zu hassen. Ganz im Gegenteil, er will nur schnell die Scheidung durchbringen, damit er endlich glücklich werden kann - er hat nämlich selbst eine wundervolle Frau getroffen, die seine gesamte Zukunft darstellt.

Im Zug trifft Guy dann unglücklicherweise auf Charles Bruno. Die beiden verstricken sich in ein Gespräch, das sich leider in eine unangenehme Richtung entwickelt. Bruno will Guys Noch-Frau umbringen, dafür soll Guy Brunos Vater ermorden.

Guy hält das alles natürlich für einen Spaß. Er selbst hat nicht eine Sekunde an Mord gedacht, er will nur endlich frei und glücklich sein. die Worte Brunos hält er deswegen für einen Scherz - doch dann passiert tatsächlich ein Mord ...

- Charley Bruno -

Bruno ist sehr depressiv, in sich gekehrt und irgendwie verloren. Er ist besessen von dem Gedanken, den perfekten Mord zu begehen. Dabei treibt ihn wahrscheinlich eher der eigene Wunsch an, jemanden zu töten. In Guy, einen sehr rechtschaffenen und überaus freundlichen Typen, findet er dann endlich eine Art Rechtfertigung, muss er doch nun für seinen neuen "Freund" für Gerechtigkeit sorgen.

Bruno selbst verabscheut seinen Vater, der ihm, seiner Meinung nach, jeglicher Freiheit beraubt hat. Der Vater hat die Mutter, die Bruno abgöttisch liebt, betrogen und die Familie zerstört. Vielleicht auch ein Grund, wieso Bruno zu solch einem Menschen wurde.

Dass Bruno selbst längst wahnsinnig geworden ist, wird schnell klar, als er bereit ist, seinen Plan, den Gys in keinster Weise zugestimmt hat, in die Tat umzusetzen. Seine Abschnitte in diesem Buch waren sehr verstörend, sehr erschreckend und haben für ordentlich Spannung gesorgt. Im Gegensatz zu Guy hat er nämlich die Grenze zwischen "Gut" und "Böse" längst überschritten!




"Zwei Fremde im Zug" von Patricia Highsmith hat mich von der ersten Seite in den Bann gezogen. Wir nehmen sofort an der verhängnisvollen Zugfahrt teil, sind beim ersten Aufeinandertreffen von Bruno und Guy dabei und werden dann mit diesem sehr einseitigen Plan für den perfekten Mord konfrontiert.

Bruno sieht in Guy sofort einen Verbündeten, einen Leidgenossen und einen Freund. Er lässt nicht locker, übt enormen Druck aus und versucht, Guy zu einem Komplizen zu machen. Interessant ist hier auf jeden Fall der Charakter von Guy. Als Leser empfand ich sofort Sympathie, denn Guy ist wirklich ein guter Kerl, jemand, der niemanden etwas Böses will und einfach nur selbst sein Glück finden möchte.

Umso trauriger ist es, in was der gutherzige Guy denn hier verwickelt wird. "Zwei Fremde im Zug" passt vom Titel hier sehr gut, denn für die beiden Männer kennen sich im Grunde überhaupt nicht. Guy möchte keinen Kontakt zu Bruno, während Bruno sich ein Scheinbild von Guy erstellt. Er sieht ihn plötzlich als besten Freund, als Helfer, obwohl er im Grunde nichts, rein gar nichts, über ihn weiß. Bruno idealisiert Guy hier also, muss irgendwann aber feststellen, wie verschieden sie doch in Wahrheit sind.

Bruno meint zu Beginn des Krimis, dass JEDER Mensch böse werden und einen Mord begehen kann. Das ist sehr interessant, denn er ist es, der hier ungemein Druck auf Guy auswirkt und ihn schließlich auch, wie eine Marionette, in die gewünschte Richtung führt. Für mich war die Geschichte gerade aus psychologischer Sicht ungemein fesselnd. Kann wirklich jeder Mensch eine Straftat begehen?

Das Ende fand ich, gerade aus moralischer Sicht, ungemein passend und wichtig. Es geht um Schuld,  um die Frage, nach dem Gewissen und natürlich auch um Gerechtigkeit. Kann Gleiches immer mit Gleichem vergolten werden? Ist manchmal das eigene Gewissen nicht der härteste Richter?




"Zwei Fremde im Zug" war mein erstes und definitiv nicht mein letztes Buch von Patricia Highsmith. Die Geschichte ist aus psychologischer Sicht ungemein fesselnd, verstörend und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Kann wirklich jeder Mensch böse werden?





Freitag, 15. Juni 2018

Die Schattenseiten des Schreibens

Inspiriert von "SCHATTEN" von Karin Alvtegen, das ich in der vergangenen Woche gelesen, beziehungsweise eher inhaliert habe, bin ich auf ein Thema gekommen, das ich gerne einmal mit euch diskutieren würde.

Es geht natürlich um das Schreiben, weil es das ist, was nun schon seit vielen Jahren in Zentrum meines Lebens steht. Karin Alvtegen hat mit ihrem Werk die verschiedensten Motivationen hinter dem Schreiben angesprochen. Sei es einfach der Drang, sich auszudrücken in der Welt, in der das
gesprochene Wort oft keinen Nachklang besitzt oder aber der Wunsch, einen kleinen oder aber großen Fußabdruck zu hinterlassen.

Kritisch betrachtet sie dabei natürlich auch die Schattenseiten des Erfolgs. Ruhm kann süchtig machen und den Menschen formen. Ich bin immer noch der Ansicht, dass das Buch selbst einen größeren Stellenwert hat, als der Autor dahinter. Klar, der Autor ist der Erschaffer, aber die Welt, die er dort erfunden hat, ist für mich wichtiger als der Verfasser selbst ...

Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch, ich lese auch fast immer die Informationen, die über den Autoren in Büchern abgedruckt ist, so oberflächlich sie auch manchmal sein mögen. Dennoch ist es mir meistens egal, wie viele Preise er gewonnen hat, auf wie vielen Bestellerlisten er stand und mit was sonst noch geworben wird.

Ich will ein Buch unvoreingenommen lesen, ja, ich will den Autoren beim Lesen kennenlernen und so in seine Welt eintauchen. Das ist wohl auch der Grund warum ich schreibe. Ich tue es nicht des Ruhmes wegen, sondern ich will verstanden werden. Ich möchte, dass der Leser in meine Welt abtaucht, Spaß hat, am Ende auch eine kleine Verbindung zu mir aufbaut, das Buch vielleicht irgendwo in seinem Inneren abspeichert und mit sich herumträgt ...

Was ich nicht will, und da unterscheide ich mich wohl von anderen Autoren, ist es selbst im Mittelpunkt zu stehen. In dieser Branche muss man gut darin sein, sich selbst zu vermarkten, um überhaupt wahrgenommen zu werden, doch dafür besitze ich wohl kein allzu dickes Fell und diese ganze Ellbogentaktik ist auch nichts für mich ...

Schade, dass Autoren sehr oft gegeneinander arbeiten, aber das sind wohl die angesprochenen Schattenseiten ... Ich habe in den letzten Jahren wirklich viele tolle und sehr inspirierende Autoren kennengelernt, doch leider auch Autoren, denen der Ruhm zu Kopf gestiegen zu sein scheint. Ich werde natürlich an dieser Stelle keine Namen nennen, aber ich finde es wirklich krass, mit welchen Mitteln manchmal versucht wird, an 5-Sterne-Rezensionen zu kommen oder wie die Autoren von ihrem Neid getrieben andere Kollegen fertigmachen. Ich hatte als Blogger und auch als Autor tatsächlich schon einige sehr negative Erfahrungen gemacht, einige, die mich mal wieder an dieser ganzen Buchwelt zweifeln ließen ... Darunter waren leider auch sehr große und ungemein erfolgreiche Autoren ...

Ich bin in dieser Hinsicht froh, doch sehr klein und unbedeutend zu sein. Ich schreibe, weil ich schreiben muss, weil das wohl meine Berufung ist und ich nichts dagegen machen kann. Aber wirklich berühmt/bekannt will ich nicht werden, aus Angst, dass mich diese Welt irgendwie zum negativen verändern würde. Ich möchte einfach nur stolz auf mich sein, mit Freude und Leidenschaft an das Schreiben gehen und mich nicht verbiegen lassen. Für Glück brauche ich keine Bestsellerlisten, sondern einfach nur einen Stift und etwas Papier ...

So, ich hoffe ich habe euch mit diesem Beitrag der etwas anderen Art nicht genervt. Mich hat Karin Alvtegens "Schatten" einfach mal wieder animiert, das Negative herauszulassen und in etwas Positives zu verwandeln. Es gibt so viele talentierte Autoren da draußen, so viele Bücher, die entdeckt werden wollen. Wir haben so wohl als Leser, als auch als Schriftsteller immer die Wahl, in welche Richtung wir uns entwickeln und inwieweit wir uns beeinflussen lassen ...

Wie steht ihr dazu? Sind Autoren für euch kleine Stars? Geht es oftmals nicht vielmehr um die Autoren als um die Bücher selbst?




Mittwoch, 13. Juni 2018

[Rezension] Meiner Mutter Haus - Jane Rogers

Titel: Meiner Mutter Haus
Autor:  Jane Rogers
Genre: Roman, Krimi
Erscheinungsdatum: 2003
Anzahl der Seiten: 224
Cover und Inhaltsangabe © btb




"Eine einsame Insel auf den Hebriden. Nur wenige Einwohner, noch weniger Touristen leben hier. Da wird eines Morgens die 50jährige Phyllis MacLeod tot in ihrem Haus aufgefunden. Sie wurde brutal ermordet. Ein Motiv ist auf den ersten Blick nicht erkennbar; der erwachsene Sohn Calum und die Untermieterin erscheinen ratlos und verwirrt. 29 Jahre zuvor wird eine Pappschachtel mit einem neugeborenen Mädchen vor einem Postamt auf dem englischen Festland gefunden. Das ausgesetzte Kind wird von Heimen zu Pflegefamilien und wieder zurück gereicht. Eine scheinbar endlose Odyssee beginnt, in deren Verlauf die Seele des Mädchens unwiderruflich Schaden nimmt."





In Bücherschränken habe ich in der letzten Zeit so einige Schätze gefunden, so auch dieses Buch, das ich wohl sonst niemals entdeckt hätte. Jane Rogers ist eine britische Autorin, die einen ganz eigenen Schreibstil besitzt. "Meiner Mutter Haus" hat dabei den sehr aggressiven, wenn auch verletzlichen Unterton einer Tochter, die von ihrer Mutter bereits bei der Geburt verlassen wurde.

Melancholisch, etwas depressiv und doch voller Hoffnung, so würde ich den Stil beschreiben, der sich durch das Buch zieht. Das, was Nikki uns zu erzählen hat, ist hierbei wirklich hart, ein wirklicher sympathischer Charakter war sie für mich nicht, aber das sollte sie wohl auch nicht sein.




- Nikki Black -

Nikki Black, die sich diesen Namen selbst gegeben hat, ist eine junge Frau, die in ihrem Leben schon einiges durchgemacht hat. Sie wird von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschickt und wünscht sich eigentlich nichts mehr als Beständigkeit und das Gefühl, endlich irgendwo angekommen zu sein.

Leider ist sie sehr einsam. Das führt so weit, dass sie sich immer mehr in Rachegedanken verliert. Als sie plötzlich Geld zur Verfügung hat, sieht sie das als Wink des Schicksals und sie beginnt, endlich nach der Wurzel alles Übels zu suchen: Ihrer Mutter. Diese hat sie nämlich anscheinend nach der Geburt einfach weggegeben ...




"Meiner Mutter Haus" ist ein sehr dichter und psychologischer Roman, der auf der einen Seite recht aggressiv wirkt, auf der anderen Seite aber auch eine sehr traurige Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die allerdings hier zwei Wahrheiten besitzt ...

Auf der einen Seite steht Nikki und ihr versautes Leben. Sie wurde nie geliebt und hat sich irgendwann selbst verloren. Im ersten Drittel des Buches erfahren wir, wie Nikkis Kindheit aussah. Dabei wird klar, dass Nikki nie eine echte Chance bekommen hat, allerdings auch niemals eine echte Chance gegeben hat. Wie sie selbst auch zugibt, hat sie irgendwann auch das Interesse an der Wahrheit verloren. Denn die Wahrheit ist manchmal langweilig, manchmal auch furchtbar schmerzhaft.

Nikki macht sich auf der Suche nach ihrer Mutter und findet dabei dann so einige Wahrheiten heraus. Wahrheiten, die sie sich nur schwer eingestehen kann. So lernt sie auf der Insel zum Beispiel auch noch Callum kennen, einen weiteren Sohn der Mutter. Warum hat sie ihn behalten und Nikki weggegeben?

Callum erzählt ihr so einige wirre Geschichten über die Insel, Geschichten, die Lüge und Wahrheit enthalten und die der Leser hier selbst entschlüsseln muss. Teilweise waren mir Callums Geschichten, so wichtig sie auch sein mochten, allerdings etwas zu viel.

Die Rachegedanken plagen Nikki zeitgleich immer mehr und als Leser müssen wir dann zusehen, wie sie dem Mord immer näher rückt. Allerdings ist hier wieder einmal alles anders als es scheint. Obwohl der Tod der Mutter von Anfang an klar ist, gibt es zum Ende hin doch noch eine Wendung, die der aufmerksame Leser allerdings schon erwarten wird ...




"Meiner Mutter Haus" ist ein gelungener und atmosphärischer Roman, der durch seinen psychologischen Tiefgang und seine Sprache mehr besticht als durch die "Überraschung" am Ende. Eine insgesamt gelungene Geschichte und mal wieder ein kleiner Schatz, den ich aus dem Bücherschrank borgen durfte!




Montag, 11. Juni 2018

[Rezension] Schatten - Karin Alvtegen

Titel: Schatten
Autor:  Karin Alvtegen
Genre: Krimi, Roman, Thriller
Erscheinungsdatum: 1. Januar 2009
Anzahl der Seiten: 400
Cover und Inhaltsangabe © Rowohlt



"Axel Ragnerfeldt, schwedischer Literaturnobelpreisträger und tadelloser Ehrenbürger Stockholms, hat Angst, dass ihn die Vergangenheit nach all den Jahren doch noch einholt. In seinem Arbeitszimmer befinden sich ein paar alte Papiere, deren Entdeckung ihn vor den Augen der Nachwelt vernichten würde. Unfähig, diese geheimen Notizen zu beseitigen, liegt er nach einem Hirnschlag gelähmt in einem Pflegeheim. Mit der Außenwelt kommunizieren kann er nicht mehr.
Als seine ehemalige Haushälterin Gerda Persson stirbt und sich eine offizielle Nachlassverwalterin um das Vermächtnis der Toten kümmert, setzt sie damit einen Prozess in Gang, der das dunkle Familiengeheimnis von Axel Ragnerfeldt unbarmherzig ans Licht bringt und erneut einen Toten fordert …"




"Schatten" ist das vierte Buch das ich nun von Karin Alvtegen, die sich mittlerweile zu einer meiner Lienlingsautorinnen entwickelt hat, gelesen habe. Ich liebe ihren Schreibstil, ihre kritische Betrachtungsweise, ihre Ehrlichkeit und ihren Umgang mit Worten. Jeder einzelne Satz ist stimmig und auch wenn es sich übertrieben anhört, so sind ihre Romane für mich kleine Meisterwerke.

Karin Alvtegens Stil bewundere ich sehr. Mittlerweile ist sie ein großes Vorbild und zeitgleich eine echte Inspiration für mich geworden. "Schatten" ist wohl ihr tiefgründigstes Werk, das besonders die Schattenseiten des Schreibens beleuchtet. Natürlich habe ich mich als Autor hier an vielen Stellen wiedergefunden. Besonders ihre schonungslose Art, die Obsession dahinter zu beschreiben, hat mich ihr regelrecht umgehauen!




- Axel Ragnerfeldt -

Axel Ragnerfeldt, ein Literaturnobelpreisträger, steht hier im Fokus des Romans, auch wenn er selbst mittlerweile alt ist und nach einem Hirnschlag keine Möglichkeit mehr hat, sich mit der Außenwelt zu verständigen. Er ist in seinem Körper gefangen und wird von den Gedanken an seine Vergangenheit gequält ...

Die Autorin baut hier erst einmal das Bild eines unnahbaren Schriftstellers auf, der sich und das Schreiben viel zu wichtig genommen hat und sein "Talent" über das aller anderen stellte. Sein Erfolg und der damit verbundene Ruhm scheinen ihm das Wichtigste zu sein, doch nach und nach wird hier noch eine ganz andere Seite von Axel offenbart. Eine SCHATTENseite ...

- Jan-Erik -

Auf der anderen Seite lernen wir dann noch Jan-Erik kennen, der stets im SCHATTEN seines Vaters stand. Er konnte seinen Vater nie stolz machen, doch nutzt nun die Chance, um sich im Ruhm des Vaters zu suhlen. Voller Leidenschaft hält er Vorträge über das Lebenswerk seines Vaters und wird so selbst zum Star.

Obwohl er eine Frau und ein Kind hat, benutzt er seinen Erfolg vordergründig um sich von einer Affäre in die nächste zu stürzen. Im Grunde haben sich die SCHATTEN seines Vaters auch längst über sein Leben ausgebreitet ...




"Schatten" ist ein Buch, das besonders die SCHATTENseite des Erfolgs durchleuchtet. In der Geschichte haben beinahe alle Charaktere etwas mit dem Schreiben zu tun. Die einen schreiben, weil sie ihre Berufung darin sehen, die anderen, weil sie erfolgreich sein wollen und wiederum an sehen es als Last. Karin Alvtegen bietet hier einen interessanten und doch kritischen Einblick in die Welt des Schreiben, in die Obsession, die oftmals dahintersteckt.

Ich habe mich in vielen Ansichten wiedergefunden. Es gibt jene Autoren, die unbedingt erfolgreich sein wollen, denen es nicht um das Schreiben an sich, sondern den anschließenden Ruhm geht und dann jene, die einfach nur verstanden werden wollen. Ich zähle mich selbst zur zweiten Gruppe, weiß aber nur zu gut, wie groß die erstgenannte mittlerweile auch in der heutigen Zeit ist.

Axel Ragnerfeldt ist ein Star der Literaturszene. Sein größtes Werk trägt den Namen "SCHATTEN" und behandelt die Zeit der Judenverfolgung auf scheinbar sehr emotionale Art und Weise. Woher er seine Inspiration genommen hat und wie weit seine Recherche ging, verrät er niemanden. Schon zu Beginn der Geschichte wird klar, dass Axel Ragnerfeldt ein Geheimnis haben muss. Ein Geheimnis, das mit jenem Werk zusammen hängt, dass sein größter Erfolg und gleichzeitig sein eigener Untergang werden sollte.

Als Gerda Persson, seine ehemalige Haushälterin verstirbt und in ihrem Besitz auch sein großes Werk gefunden wird, bei dem allerdings alle Seiten durchgestrichen sind, wird nach und nach ein schreckliches Geheimnis offenbart, in dem viele Personen beteiligt zu sein scheinen ...

Nach und nach lernen wir die ganze Familie Ragnerfeldt und noch zwei weitere Autoren kennen, die irgendwie in allem drinstecken. Wir haben hier Axels Sohn Jan-Erik, der sich und auch seine Frau betrügt, dann Axels Frau, die immer im SCHATTEN ihres Mannes stand und selbst niemals ein eigenes Leben hat führen dürfen und dann noch Jan Eriks Frau Louise, die sich in einer Familie wiederfindet, in der vieles nur Schein ist.

Vielschichtig und sehr tiefgründig beschreibt Karin Alvtegen hier wieder einmal die verschiedensten Abgründe, die sich in uns Menschen auftun können. Es geht um Neid, um die Sucht nach Erfolg, um Eifersucht, aber auch um den Wunsch nach Freiheit und Selbstfindung! Ich bin jedes Mal überrascht, wie die Autorin es schafft, so tief in die menschliche Seele abzutauchen.

Das Buch ist eine gute Mischung aus Roman, Krimi und Thriller. Nach und nach werden hier so einige Geheimnisse aufgedeckt und ich war mal wieder komplett in der Geschichte gefangen. Das Ende hat mich mitgenommen, schockiert, gleichzeitig aber auch gezeigt, wie ich ganz sicher nicht werden will. "SCHATTEN" zeigt wieder einmal, dass Ruhm einen Menschen zerstören kann und eindeutig den Blick auf das Wesentliche trübt!




"SCHATTEN" war für mich ein kleines, stilles Meisterwerk, das mal wieder viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Karin Alvtegen setzt sich hier kritisch mit der Welt des Schreibens auseinander und lässt den Leser tief in die Welt der nach Ruhm gierenden Autoren eintauchen. Das Buch ist ehrlich und kritisch und gehört für mich jetzt definitiv zu meinen Lieblingsbüchern!

Freitag, 8. Juni 2018

[Rezension] Ohne ein einziges Wort - Rosie Walsh

Titel: Ohne ein einziges Wort 
Autor:  Rosie Walsh
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 14. Mai 2018
Anzahl der Seiten: 528
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann




"Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du."




"Ohne ein einziges Wort" ist ja mal wieder ein Buch, das gerade enorm gehypt wird. Viele sprechen bereits jetzt von einem Jahreshighlight, doch dem kann ich mich an dieser Stelle leider nicht anschließen.

Die Autorin besitzt einen angenehmen Schreibstil, der meiner Meinung nach aber nur schwer auf den Punkt kommt. Das Buch liest sich leicht, besitzt aber gerade am Anfang unzählige Wiederholungen, die einfach nur dazu da sind, die Geschichte auf die 528 Seiten zu strecken. Irgendwann war ich als Leser tatsächlich so genervt, dass ich das Buch am liebsten in die nächste Ecke gefeuert hätte.

Warum ich dennoch durchgehalten habe? Weil ich unbedingt wissen wollte, warum Eddie Sarah denn nun verlassen hat und warum er, ohne ein einziges Wort, einfach gegangen ist und nun auch nicht versucht, sich zu erklären ...




- Sarah -

Eigentlich hätte ich Sarah mögen müssen. Sie war im Grunde eine angenehme Protagonistin, mit der sich wohl viele Leser identifizieren können. An dieser Stelle steht aber das Wort "Eigentlich", denn zu Beginn ging mir Sarah mit ihrer wehleidigen Art tierisch auf die Nerven. Jeden musste sie auf die Nase binden, dass es ja so seltsam ist, dass sich ihr geliebter Eddie nicht mehr meldet ... Dabei verliert sie sich irgendwie selbst und stellt Eddie, der nach einer Woche die Liebe ihres Lebens ist, ins Zentrum.

Auf der einen Seite soll das wohl romantisch sein. Auch ich fand die Tatsache süß, dass die beiden schon nach so kurzer Zeit so extreme Gefühle füreinander entwickeln. Auf der anderen Seite muss ich so einer Liebesgeschichte ja auch etwas skeptisch entgegentreten. Ihre Freunde hatten teilweise Recht damit, dass sie sich nicht selbst so fertig machen soll ...

- Eddie -

Ja, der geheimnisvolle Eddie. Die Autorin hat die Geschichte rund um ihm sehr geschickt gesponnen. Der Leser fragt sich natürlich die ganze Zeit, warum er keinen Kontakt zu Sarah mehr haben will. Was hat er angestellt? Hat er sie belogen? Hat er längst eine Freundin? Oder steckt etwas vollkommen anderes dahinter.

Im Grunde erfahren wir über Eddie erst später mehr und seine Charakterzeichnung fand ich an dieser Stelle wirklich gelungen!




Puhh, ich muss gleich gestehen, dass ich mich mit "Ohne ein einziges" Wort von Rosie Walsh furchtbar schwer getan habe. Die ersten 200 - 250 Seiten waren zäh wie Kaugummi und es passiert im Grunde recht wenig. Wir lernen Sarah etwas kennen, erfahren, wie sie Eddie getroffen hat und sehen zu, wie sie leidet und immer wieder versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Hier muss ich echt sagen, dass ich das Buch am liebsten abgebrochen hätte, denn Sarah ging mir ab einen gewissen Punkt ungemein auf die Nerven ...

Einzig das Geheimnis, das Eddie hier offenbar verbirgt, hat mich angetrieben, am Ball zu bleiben. Leider konnte ich dadurch das Buch am Anfang nicht genießen. Immer wieder habe ich es beiseite gelegt, als wieder unzählige Seiten nichts passiert ist. Wir erfahren zwar mehr über das Kennenlernen der beiden, über Sarahs Leben und ihren Freundeskreis, aber alles wird hier furchtbar öde und ohne Spannung oder Emotionen erzählt ...

Irgendwann kommt dann aber endlich der große Knall und damit auch die längst erwartete Wende. Der Anfang hat sich hier wie ein langer Marsch durch die Wüste angefühlt, der Wendepunkt war dann endlich die Wasserstelle. Hier ging es auch endlich bergauf. Die Autorin schafft es zu schockieren, dem Leser eine Erklärung zu präsentieren, die er nicht erwartet hätte.

Auch ich war ab einen gewissen Punkt dann endlich in der Geschichte drin, konnte mit Sarah und auch mit Eddie mitfühlen und habe mich gefragt, wie ich wohl in so einer Situation agieren würde. Es kommen zudem noch einige sehr erschreckende Wahrheiten ans Tageslicht und es gab auch einen Moment, bei dem ich echt schlucken musste!

Hier hat die Autorin endlich ein angenehmes Niveau gefunden und baut tatsächlich Spannung auf. Auch die Emotionen, die mir am Anfang komplett gefehlt haben, waren endlich spürbar und das Ende hat mir hier wirklich unfassbar gut gefallen.

Die zweite Hälfte des Buches hat es wirklich in sich, während die erste Hälfe bei mir für enormen Lesefrust gesorgt hat. Die Autorin wirkt zwar irgendwann wie ausgetauscht, als wäre sie endlich selbst in ihrer Geschichte angekommen, aber über den sehr lahmen Anfang kann ich an dieser Stelle einfach nicht hinwegsehen. Ein Wunder, dass ich es überhaupt bis zum Wendepunkt geschafft habe ...




Die erste Hälfte des Romans plätschert nur so vor sich hin und ich war kurz davor, das Buch frustriert in die Ecke zu feuern. Dann kommt allerdings der große Knall, der es wirklich in sich hat und der Geschichte endlich zu Spannung und zu Emotionen verhilft. Dennoch kann ich über den sehr zähen Anfang, der mir keinerlei Spaß gemacht hat, nicht hinwegsehen ... Wer das Buch liest, muss auf jeden Fall Durchhaltevermögen beweisen ...

Mittwoch, 6. Juni 2018

[Rezension] Lockwood & Co. - Die raunende Maske (Band 3) - Jonathan Stroud

Titel: Lockwood & Co. - Die raunende Maske (Band 3)
Autor: Jonathan Stroud
Genre: Jugendbuch, Fantasy
Erscheinungsdatum: 19. Oktober 2015
Anzahl der Seiten: 464
Cover und Inhaltsangabe © cbj

Achtung! Band 3 einer Reihe, Rezension enthält Spoiler!



"Die Agenten von Lockwood & Co.: Anthony Lockwood, Lucy und George, führt ihr jüngster Fall mitten ins Zentrum der Geistererscheinungen, die London unerbittlich heimsuchen. Ein traditionsreiches Londoner Kaufhaus scheint Brutstätte des grausigen Phänomens zu sein. Wurde es doch auf den Überresten einer Pestopferruhestätte und über den Ruinen eines mittelalterlichen Kerkers errichtet. Gemeinsam mit Geisterjägern aus anderen Agenturen wagen sich Lockwood und seine Freunde bei Nacht in das Gebäude. Wer hier überleben will, braucht Mut und einen kühlen Kopf. Doch Lucy und ihre neue Kollegin Holly belauern sich eifersüchtig, Lockwood kommt von einem dunklen Geheimnis in seiner Vergangenheit nicht los und die düsteren Warnungen des wispernden Schädels verheißen Fürchterliches."




Nachdem mir die ersten beiden Bände rund um "Lockwood & Co" bereits begeistern konnten, musste ich natürlich gleich mit dem nächsten Teil beginnen. Es ist nach wie vor eine lockerleichte, witzige Geschichte über die drei Geisterjäger Lucy, Anthony und George.

Hier geht es auch gleich spannend weiter, denn wir haben es in diesem Band nicht nur mit Geistern zu tun, sondern auch noch mit einer neuen Angestellten, die besonders Lucys Leben ganz schön auf den Kopf stellt!

Nach wie vor liebe ich den Sarkasmus der drei Agenten. Die Geschichte ist wieder aus der Sicht von Lucy erzählt, dieses Mal geht es aber, wie gesagt, nicht nur um Geister, sondern auch um Holly, die neue Sekretärin, die hier alle um den Finger zu wickeln scheint ...




- Lucy -

Lucy zeigt sich hier in diesem Band mal von einer anderen Seite. Ihre professionelle Art bekommt Risse, als plötzlich Holly bei Lockwood & Co. anfängt und der Inbegriff der Perfektion zu sein scheint.

Lucy wirkt hier schrecklich eifersüchtig, was ich aber auch verstehen konnte. Manchmal hätte ich sowohl Holly, als auch Anthony, der von seiner neuen Sekretärin ungemein begeistert ist, echt Ohrfeigen können!

- Holly -

Ich muss hier echt sagen, dass ich Holly von Anfang an gehasst und mich natürlich gefragt habe, ob etwas an ihr faul ist. Irgendwie habe ich immer erwartet, dass bei ihr ein Geheimnis herauskommt, denn wie sie George und auch Anthony hier um den Finger wickelt fand ich echt zum kotzen!

Ich stehe hier also ganz klar auf Lucys Seite und kann ihre Abneigung Holly gegenüber voll und ganz verstehen!




Im dritten Teil der "Lockwood & Co"-Reihe geht es wieder sehr spannend zu. Gleich zu Beginn müssen wir mit unseren drei Agenten einen Fall lösen! Ich liebe es einfach, mich mit ihnen ins Abenteuer zu stürzen und ja, ich liebe auch das Chaos, das sie dabei oftmals anrichten.

Im Zentrum dieser Geschichte stehen im Grunde viele kleine Fälle und der Hauptfall, der hier auch den Titel gibt. Lockwood & Co werden bei einem sehr heiklen Geisteraufkommen erst einmal ausgeschlossen, so vergeht erst einmal eine gute Zeit, bis sie hier auch mitmischen dürfen.

Diese Zeit wird mit der Einführung einer neuen Mitarbeiterin überbrückt. Holly scheint die perfekte Hilfe für die Agentur zu sein, doch sie ist Lucy von Anfang an ein Dorn im Auge. So kommt es zu einigen Konflikten zwischen den beiden!

Während mir der zweite Teil etwas schwächer vorkam, empfand ich diesen wieder als wirklich sehr abwechslungsreich. Es gibt einige tolle Fälle, ein paar Andeutungen über Anthonys Vergangenheit und natürlich Lucys Fähigkeit, die auch hier wieder zunimmt.

Besonders der große Showdown in dem Kaufhaus hat mir gut gefallen und hier gab es auch einige sehr unheimliche Momente und einen sehr großen Spannungsbogen. Hier erfahren wir auch endlich, was es mit der raunende Maske auf sich hat und es gibt zudem einen echt gemeinen Cliffhanger. Da werde ich wohl nicht drumherum kommen, auch den vierten Teil bald zu lesen!



Nach einem minimal schwächeren zweiten Teil, hat mich die Reihe hier wieder gepackt. Es gibt einige kleine Fälle und den Hauptfall, der am Ende in einem spannenden und gruseligen Showdown endet. Auch die Konflikte zwischen Lucy und Holly fand ich amüsant und abwechslungsreich, genau wie Lucys Fähigkeit, die hier deutlich zunimmt und vielleicht eine Gefahr werden könnte ... Das Ende lässt nichts Gutes erahnen ...

Montag, 4. Juni 2018

[Rezension] Der Kreidemann - C. J. Tudor

Titel: Der Kreidemann
Autor:  C. J. Tudor
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 29. Mai 2018
Anzahl der Seiten: 385
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!



"Alles begann an dem Tag, an dem sie auf den Jahrmarkt gingen. Als der zwölfjährige Eddie den Kreidemann zum ersten Mal traf. Der Kreidemann war es auch, der Eddie auf die Idee mit den Zeichnungen brachte: eine Möglichkeit für ihn und seine Freunde, sich geheime Botschaften zukommen zu lassen. Und erst einmal hat es Spaß gemacht – bis die Figuren sie zur Leiche eines jungen Mädchens führten. Das ist dreißig Jahre her, und Eddie dachte, die Vergangenheit liegt hinter ihm. Dann bekommt er einen Brief, der nur zwei Dinge enthält: ein Stück Kreide und die Zeichnung eines Strichmännchens. Und als die Geschichte beginnt, sich zu wiederholen, begreift Eddie, dass das Spiel nie zu Ende war ..."




Ich durfte die Geschichte rund um "Der Kreidemann" bei einer gemeinsamen Leserunde bei Lovelybooks entdecken. Leider war das Buch nicht bei mir angekommen und ich musste deswegen recht spät bei der Leserunde einsteigen, was dazu geführt hat, dass es für mich hier keine richtige Diskussion mehr gab. Dabei ist "Der Kreidemann" ein Thriller, der es wirklich in sich hat und der viel Freiraum zum Miträtseln bietet.

Die Geschichte spielt abwechselnd in der Vergangenheit (1986) und der Gegenwart (2016). Wir tauchen in eine Kleinstadtidylle ein, die sich nach und nach in einen echten Albtraum verwandelt. Ganz im Stil von Stephen Kings "Es" oder "Stand by me" beziehungsweise "Die Leiche" erzählt die Autorin hier den Horror, den eine Gruppe von Freunden erlebt. Im Zentrum des ganzen steht Eddie, der hier alles erzählt und damit seine eigene Vergangenheit aufrollt ...

Natürlich kann sich C. J. Tudor vom Stil her nicht mit Stephen King messen, was sie hier aber auch gar nicht muss. Sie hat hier dennoch einen leicht gruseligen, ungemein spannenden und vielschichtigen Thriller geschaffen, der mich von der ersten Seite in den Bann gezogen hat!




- Eddie -

Eddie, der mich ein wenig an Eddie Kaspbrak aus Kings "Es" erinnert hat, steht im Mittelpunkt der ganzen Geschichte, die ihren Anfang auf dem Jahrmarkt nimmt. Dort rettet er zusammen mit dem "Kreidemann" ein Mädchen, das von einem Fahrgeschäft fast getötet wird. Hier trifft er auch zum ersten Mal auf den bleichen Mann, seinen Englischlehrer.

Eddie selbst ist hier in erster Linie Beobachter, aber auch in alle Geschehnisse involviert. Im Laufe des Thrillers passieren so einige Dinge, die er sich nicht erklären kann und an denen schlussendlich die Freundschaft der Jungs zerbricht.

Ich empfand Eddie als ungemein interessanten Charakter, zumal der Leser nie sicher sein kann, ob er seinen Erzählungen glauben schenken kann oder eben nicht. Teilweise wirkt er sehr verwirrt, versucht aber dennoch, nach all den Jahren, endlich die Wahrheit herauszufinden.

- Mr. Halloran -

Mein Lieblingscharakter in diesem Buch war aber auf jeden Fall Mr. Halloran, der wegen seines Albinismus auch der bleiche Mann beziehungsweise der Kreidemann genannt wird. Ich mochte seine sehr weise und kluge Art, gleichzeitig tat er mir aber auch furchtbar leid. Aufgrund seines Aussehens wird er schnell zum Außenseiter und auch schnell zum Schuldigen gemacht, was wieder einmal die Oberflächlichkeit der Gesellschaft wiederspiegelt.




Schon von der ersten Seite an war ich von der Geschichte fasziniert, die mich an die früheren Werke von King erinnert hat. Wir lernen hier erst einmal eine Gruppe von Freunden kennen. Eddie, Fat Gav, Nicky, Metal Mickey und Hoppo, allesamt sehr interessante und vielschichtige und interessante Charaktere, die erst einmal gar keinen Kontakt zum Bösen hatten.

Die Autorin beginnt das Buch gleich mit einem echten Schockmoment, denn der Jahrmarktbesuch der Freunde soll sehr böse enden. Gleichzeitig wird auch gleich am Anfang immer wieder angedeutet, dass es bald einen Mord geben wird - natürlich sind Opfer und Täter noch unbekannt, was noch einmal für Spannung sorgt. Denn wen wird es hier treffen?

In der Gegenwart treffen wir dann auf Eddie. Er wird an die alten Kreidezeichnungen erinnert, die er und seine Freunde ausgetauscht haben und auch an dem Mord, mit dem dieser kindliche Spaß enden sollte.

Besonders gefallen hat mir hier natürlich die Geschichte, die sich 1986 abspielt. Hier gibt es so einige Ereignisse und auch ein paar leichte Gruselmomente. Allerdings steht der Horror hier nicht im Fokus, denn "Der Kreidemann" ist wirklich in erster Linie ein Thriller, der hier, ganz im Gegensatz zu Stephen Kings Werke, ganz ohne das Übernatürliche auskommt.

Viele Cliffhanger sorgen hierbei für eine stetige Spannung. "Der Kreidemann" war seit langem mal wieder so ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Gegenwart und Vergangenheit werden geschickt miteinander verknüpft und nach und nach kommt hier die Wahrheit heraus.

Einiges war für mich zwar schon abzusehen, doch es gab auch einige Überraschungen. Spannend fand ich die Tatsache, dass die Geschichte sich auf mehren Ebenen abspielt. Wir haben hier nicht nur das, im Klappentext erwähnte tote Mädchen, sondern auch noch andere Unglücksfälle, die nach und nach aufgedeckt werden. Für mich ein gut konstruierter Thriller, der am Ende auch noch zum eigenen Mitdenken auffordert, da vieles nicht bis zum Schluss aufgeklärt wird!

Mein einziger Kritikpunkt wäre an dieser Stelle, dass das Ende doch recht schnell abgearbeitet wurde und keinen echten Schockmoment mehr bereit hielt. Das schiebe ich einfach mal auf die Unerfahrenheit der Autorin, die mit diesem Buch ja ihr Debüt hingelegt hat. Dennoch konnte das den Lesegenuss in keinster Weise trüben. Mich hat die Geschichte rund um den "Kreidemann" bestens unterhalten!




"Der Kreidemann" ist eine Homage an Stephen Kings "Es" oder "Die Leiche". Das Grauen, das eine Gruppe von Kindern in einer Kleinstadt erleben musste, schlägt hier Wellen bis die Gegenwart. Die Geschichte ist vielschichtig, bietet Platz zum miträtseln und ist durch die vielen Cliffhanger ein echter Pageturner! Eine klare Empfehlung!