Dienstag, 8. September 2026

[Rezension] Old Bones - Tote lügen nicht - Preston & Child

   


Titel: Old Bones - Tote lügen nie

Autor:  Preston & Child

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2020q

Seitenzahl: 394
Cover: © Knaur
Begonnen: 06.08.2026
Beendet: 10.08.2026


Lange ist es her, dass ich zuletzt ein Buch von Preston und Child gelesen habe, obwohl das Schriftsteller-Duo mich mit einigen sehr abenteuerlichen Geschichten sehr oft gut unterhalten könnte. "Old Bones" ist dabei wohl eine neuere Reihe, in der es sowohl um die Archäologin Nora Kelly als auch um die FBI-Agentin Corrie Swanson geht.

Thematisch hat mich dieses Buch direkt angesprochen, denn es geht um das verschollene Lager einer Gruppe von Siedlern, die 1846 in der Sierra Nevada vom Winter überrascht wurden. Angeblich hatten sie sogar einen Schatz bei sich, nach dem nun bei einer weiteren Ausgrabung gezielt gesucht wird. Zeitgleich gibt es einige Morde, die mit der Suche nach dem Camp in Verbindung zu stehen scheinen ...

Die Charaktere - allen voran Dr. Nora Kelly und auch Agentin Corrie Swanson - bleiben recht blass, da sie keine eigene Hintergrundgeschichte besitzen. So fokussieren sich die beiden Autoren auf die Handlung, in die sie immer wieder die wahre Geschichter der Donner-Gruppe und ihrem Lager einfließen lassen. Die Ausgrabung selbst weiß zu unterhalten, aber zu einem echten Thriller oder gar Abenteuerroman wird dieses Buch leider nicht. Stattdessen liest es sich stellenweise wie der Versuch, einen Krimi zu erschaffen, bei dem durch die fehlende Tiefe der Charaktere kaum mehr als zwei oder drei echte Verdächtige übrig bleiben. Das Ende fand ich daher wenig überraschend und die Erklärungen selbst etwas übertrieben.

Schlecht war das Buch für mich nicht, aber irgendwie fehlte mir dieser typische Sog, den ich sonst bei Preston und Child immer gespührt habe. Spannung war kaum vorhanden. Es gibt keine Cliffhanger und außer den Morden auch keine spürbare Gefahr, obwohl das abgelegene Gebiet ganz von allein schon eine gewisse Atmosphäre mit sich bringen würde. Ich denke nicht, dass ich die Reihe weiter verfolgen werde.



Eher ein Krimi als ein Thriller. Thematisch hat mich das Buch überzeugt und auch die Ausgrabung hat mich unterhalten, doch ansonsten fehlte es an Spannung und mitreißenden Charakteren ...

Ich vergebe 3 von 5.

Sonntag, 6. September 2026

[Rezension] Die Taube - Patrick Süskind

 


 Titel: Die Taube

Autor:  Patrick Süskind

Genre: Novelle 

Erscheinungsjahr: 1987

Seitenzahl: 98
Cover: © Bertelsmann

Begonnen: 05.08.2026
Beendet: 07.08.2026


Patrick Süskind ist mir bisher nur von seinem grandiosen Werk "Das Parfum" bekannt. In einer kleinen Leserunde haben wir uns aber nun mit Novelle "Die Taube" beschäftigt, in der ein Mann in einem Alltagstrott gefangen ist, durch das Auftauchen einer Taube - die für ihn das pure Chaos zu bedeuten scheint - aber plötzlich alles hinterfragt.

Der Autor beschäftigt sich in der relativ kurzen Geschichte mit der Angst vor Veränderungen. Jonathan ist nach einigen traumatischen Erlebnissen in seiner Kindheit froh darüber, auf zwanzig Jahre Ereignislosigkeit zurückzublicken. Er ist zufrieden mit seinem winzigen Zimmer, das er sogar kaufen möchte und auch mit seinem Job als Wachmann in einer Bank. Doch dann wirft ihn der Anblick einer simplen Taube im Flur des Hauses komplett aus der Bahn und er beginnt, sein eigenes Leben mit ganz anderen Augen zu betrachten.

Süskind, der ja selbst als sehr menschenscheu gilt und nicht in der Öffentlichkeit auftritt, zeichnet hier ein sehr einsames, fast schon trostloses Leben auf. Sein Protagonist redet sich jedoch unermüdlich ein, dass alles in Ordnung und er selbst glücklich ist. Ich empfand dies als ein sehr passendes Bild einer Gesellschaft, in der Veränderungen oft gemieden werden aus Angst davor, gewisse Sicherheiten aufzugeben.

Mir hat sich beim Lesen oft die Kehle zugeschnürt, denn es wird deutlich, dass sich Jonathan im Kreis bewegt und am Ende genau dort wieder ankommt, wo die Geschichte begonnen hat. Es ist eine Novelle, die Tiefgang besitzt und zum Nachdenken anregt, manchen Leser vielleicht aber sicherlich auch den Finger in eine offene Wunde presst. Mir hat diese Geschichte gezeigt, dass ich mich nun einmal intensiver mit Patrick Süskinds Werke beschäftigen sollte!


Eine kurze, aber intensive Novelle, die einen sehr einsamen Mann beschreibt, der in seinem eigenen Leben gefangen ist und bleibt.

Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 5. September 2026

[Rezension] Die Fremde in meinem Haus - JP Delaney

 


Titel: Die Fremde in meinem Haus 

Autor:  JP Delaney

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2023

Seitenzahl: 382
Cover: © Penguin

Begonnen: 03.08.2026
Beendet: 05.08.2026


Vor fünfzehn Jahren hat Susie ihre Tochter Sky zur Adoption freigegeben. Nun, nach einigen Fehlgeburten, bereut sie es. Doch dann nimmt ein Mädchen namens Anna den Kontakt zu ihr auf und behauptet, ihre Tochter zu sein. Susie öffnet nicht nur ihr Herz für Anna, die einige Probleme mit ihren Adoptiveltern zu haben scheint, sondern lässt sie auch Teil ihres Lebens werden ..

Ein wenig verzweifelt bin ich gerade auf der Suche nach einem Thriller, der mich mal wieder richtig in den Bann zieht. Von JP Delaney habe ich bereits zwei andere Bücher gelesen, von denen mir einst sehr gut, das andere weniger gefallen hat. Ich mag seinen Schreibstil und die sehr kurzen Kapitel aus den unterschiedlichsten Sichtweisen, die es ermöglichen, durch die Story zu fliegen. Gepackt hat mich die Geschichte von Susie und Anna allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt.

Mir fehlte es bei den Charakteren an Tiefe. Es ist recht früh offensichtlich, worauf alles hinausläuft. Für mich war das Buch eher ein Familiendrama als ein Thriller. Die kleinen Geheimnisse aller Personen offenbart der Autor zu früh und unspektakulär, wodurch man schon in der Mitte der Geschichte das Gefühl hat, das eigentlich bereits alles erzählt ist und nicht mehr viel kommen wird. So war es tatsächlich auch. 

Schlecht ist das Buch sicherlich nicht, aber es ist weit davon entfernt, ein Thriller zu sein. Viele wichtige Themen werden zwar angesprochen, aber oft wirft der Autor nur mit Fachbegriffen um sich ohne dabei in die Tiefe zu gehen oder sich mit gewissen Dingen intensiver auseinanderzusetzen. So bleibt das meiste sehr oberflächlich. Unterhaltsam war für mich nur die erste Hälfte des Buches, danach fiel die Spannung immer mehr ab. Leider fehlt auch ein echtes Finale ...


Die kurzen, knackigen Kapitel tragen zwar durch die Geschichte, doch den Charakteren fehlt es an Tiefe und der Story an Spannung und Wendungen.

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 4. September 2026

[Spontane Leserunde] Löcher - Louis Sachar


 So, der Sommer unserer gemeinsamen, spontanen Leserunden von meiner Autorenkollegin Sandra Pulletz und mir neigt sich langsam dem Ende zu. Als Abschluss haben wir ein Buch ausgesucht, das wir beide zufällig im Bücherschrank entdeckt haben. Es handelt sich um "Löcher" von Louis Sachar. Wer spontan mit einsteigen mag, ist herzlich willkommen.

Leseabschnitte

1. Abschnitt - Kapitel 1 bis Kapitel 7

2. Abschnitt - Kapitel 8 bis Kapitel 18

3. Abschnitt - Kapitel 19 bis Kapitel 27

4. Abschnitt - Kapitel 28 bis Kapitel 36

5. Abschnitt - Kapitel 37 bis Kapitel 59


Ich wünsche uns viel Spaß und eine rege Diskussion!

Donnerstag, 3. September 2026

[Rezension] Die Stadt und ihre ungewisse Mauer - Haruki Murakami

 


Titel: Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

Autor:  Haruki Murakami

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2025
Seitenzahl: 638
Cover: © Dumont

Begonnen: 31.07.2022
Beendet: 06.08.2022




"Die Stadt und und ihre ungewisse Mauer" ist ein neuerer Roman aus der Feder von Haruki Murakami, den ich im Laufe der letzten Jahre wirklich als sehr ausgefallenen Schriftsteller, der verrückte Ideen mit sehr viel Tiefe und Philosophie verbindet, kennengelernt habe. Mit dieser Geschichte, die sich abermals um einen namenlosen Hauptcharakter dreht, der die große Liebe gefunden und verloren hat, erreicht er noch einmal ein ganz anderes, schriftstellerisches Niveau.

Murakami beschäftigt sich mit Themen, die mir auch oft im Kopf herumschweben und die sich oft nur schwer greifen oder gar in Worte fassen lassen. So erschafft er hier eine Stadt, die sich der Protagonist gemeinsam mit seiner ersten großen Liebe ausgedacht hat und die von einer großen Mauer umgeben ist. Wer die Stadt betritt, muss den eigenen Schatten ablegen.

Hauptsächlich dreht sich der Roman um den Wunsch, seinen Körper und vielleicht sogar diese Welt, die einen oft gefangen hält, zu verlassen, um auf einer geistigen Ebene eine ganz andere Form des Seins zu finden. Wir begleiten den Charakter durch sein ganzes Leben, das - wie sollte es auch anders sein - eine einzige große Suche nach einem echten Sinn darstellt. Überaus gelungen fand ich die Personen, die ihm begegnen. So trifft er auf einen Geist, der ja selbst keinen Körper mehr besitzt und auf einen Jungen, der kaum spricht und auf dieser Welt keinen Platz zu haben scheint. Auch das kleine Abenteuer mit seinem eigenem Schatten, der darum kämpft, ebenfalls erhalten zu bleiben, fand ich sehr originell.

Der Roman ist sehr melancholisch und hat selbst mich als Schnell- und Vielleser herausgefordert. Ich habe seit langem mal wieder eine ganze Woche für ein Werk gebraucht, denn "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer" zwingt den Leser, über gewisse Momente und Aussagen nachzudenken und dadurch auch das eigene Leben zu reflektieren. Auf mich wirkte das Buch nicht so abgedreht wie die ersten Bücher von Murakami und sehr viel reifer und stiller. Die Geschichte hallt auf jeden Fall nach und das ist genau das, was gute Literatur für mich ausmacht!


Ein reifer, sehr tiefgründiger Roman, der sich mit dem Wunsch beschäftigt, Körper und Geist voneinander zu trennen. Ein Werk, das zum Nachdenken anregt und auch für jene Leser geeignet ist, die Murakami mal von einer ruhigeren Seite kennenlernen wollen!

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 1. September 2026

[Rezension] Alpträume - Paula Gosling

  


Titel: Alpträume

Autor:  Paula Gosling

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 1998

Seitenzahl: 284
Cover: © Rowohlt

Begonnen: 30.07.2026
Beendet: 03.08.2026


Momentan scheine ich bei der Auswahl meiner Bücher kein glückliches Händchen zu haben, denn abermals erwies sich eine Geschichte als eine doch sehr zähe und langweilige Lektüre. Dabei versprach der Klappentext von "Alpträume" jede Menge Spannung, sollte es doch um einen Jungen gehen, der nach dem Tod seines Vater an Alpträumen leidet ...

Max steht jedoch nicht im Fokus, sondern vielmehr seine Mutter Tess, die plötzlich seltsame Anrufe bekommt und anscheinend irgendwas rausrücken soll, was ihr Mann jemand schuldet. Damit ist im Grunde auch schon die ganze Geschichte erzählt, denn es geht um Geld und Verbrecher, die dieses unbedingt haben wollen. 

Ein echter Thriller war "Alpträume" für mich nicht, denn im Grunde ermittelt Detective Sergeant Tim Nightingale in einem recht typischen Krimifall, der sich sehr schnell durchschauen lässt und demnach keinerlei Überraschungen mehr bereithält. Schade ist hier auch, dass Max und seine Alpträume im Grunde gar keine große Rolle für die Geschichte spielen. Mir war das Buch leider viel zu vorhersehbar und spannungsarm.



Ein sehr vorhersehbarer, sehr zäher Krimi ohne Spannung! 

Ich vergebe 2 von 5.

Montag, 31. August 2026

[Rezension] Sommerstücke - Garrison Keillor, Jenny Lind Nilsson

 


Titel: Sommerstücke

Autor:  Garrison Keillor, Jenny Lind Nilsson

Genre: Jugendbuch

Erscheinungsjahr: 1998

Seitenzahl: 268
Cover: © Carlsen

Begonnen: 29.07.2026
Beendet: 31.07.2026


Rachels Eltern haben auch in diesem Jahr kein Interesse daran, in den Urlaub zu fahren und so rechnet Rachel damit, dass der Sommer mal wieder unfassbar langweilig wird, zumal auch ihre beste Freundin sich plötzlich für andere Dinge zu interessieren beginnt. Doch dann wird Rachel mit ihrer geliebten Geige Teil eines Sommerorchesters und erkennt, was ihr wirklich wichtig ist ...

Rachel, die eine Protagonistin mit Ecken und Kanten ist, fand ich gelungen, denn sie ist gleichzeitig sehr feinfühlig, schätzt gewisse Situationen aber manchmal auch ganz falsch ein. Teilweise wirkt sie etwas pessimistisch in dieser Geschichte, weil sie sich oftmals einredet, ganz allein zu sein, obwohl da ständig Leute sind, die hinter ihr stehen.

In diesem Sommer lernt Rachel, ihre eigenen Interessen zu verfolgen und zu akzeptieren, dass sie ruhig "anders" als ihre Mitschüler sein darf. Das fand ich als Botschaft gelungen, allerdings fehlte es mir in diesem Jugendroman an ein paar stärkeren Momenten. Für mich wirkte das Erlebte manchmal etwas lieblos erzählt. Natürlich geht es viel um Musik, doch ich hätte nicht erwartet, dass auch die Geschichte der Eltern so viel Raum einnimmt. So erfüllt sich hier auch der Vater den Traum, endlich Dirigent zu sein und auch Rachels Mutter wird Teil des Orchesters. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Rachel mehr im Fokus steht, denn gerade ihre kleine Liebesgeschichte geht stark unter. 

Alles in allem ist es ein Jugendroman, den man gut lesen kann, dem für mich aber - wenn man die Botschaft betrachtet - die Tiefe und auch das Besondere fehlt.



Ein Jugendroman mit einer wichtigen Botschaft, dem es aber etwas an Tiefe fehlt und in dem die Eltern eher im Fokus stehen als Rachel selbst.

Ich vergebe 3 von 5.