Dienstag, 5. Mai 2026

[Rezension] Schreie in der Nacht - Nancy Price

 


 Titel: Schreie in der Nacht

Autor:  Nancy Price

Genre: Roman, Thriller

Erscheinungsjahr: 1991

Seitenzahl: 432
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 08.04.2026
Beendet: 10.04.2026


Sara leidet schon lange unter ihrem gewalttätigen Mann Martin und beschließt, ihn endlich zu verlassen und eine bereits lange geplante Flucht in die Tat umzusetzen. Martin denkt, sie wäre ertrunken und sie beginnt unter einem anderen Namen ein ganz neues Leben. Doch Martin will sie nicht so leicht davonkommen lassen ...

"Schreie in der Nacht" besitzt einen einfachen Stil, der manchmal auch etwas holprig wirkt. Der Einstieg ins Buch ist interessant, denn wir begleiten Sara bei der Flucht und erleben auch Martin, der ihren Tod nicht so recht akzeptieren kann. Leider würzt die Autorin alles mit viel zu vielen Nebensächlichkeiten. Beispielsweise schnappt Sara auf ihrer Flucht erst mal sämtliche unwichtigen Gespräche im Bus auf. Spannender wäre es gewesen, mal Saras Innenleben zu durchleuchten.

Als Frau konnte ich mit Sara natürlich mitfiebern, auch wenn sie recht eindimensional bleibt und sich leider nach ihrer Flucht gleich in die nächste Beziehung mit einem Mann stürzt, der bei sehr viel Unbehagen ausgelöst hat. Ben scheint ähnlich wie Martin Sara nur als Objekt zu sehen. Mir wurde manchmal echt übel, wenn er von ihrem Körper träumte oder von Hass sprach, als sie ihn anfangs nicht an sich heranlassen wollte. Ich verstehe ehrlich gesagt die Botschaft hinter dieser neuen Beziehung nicht so recht. Soll dies symbolisieren, dass Sara denselben Fehler noch einmal tut? Oder war es für die damalige Zeit wirklich, Frauen als reine Objekte und als brave Hausfrauen zu betrachten?

Zum Ende hin wird das Buch zumindest spannend, denn Martin spürt Sara natürlich auf. Besonders viele Wendungen oder Überraschungen weißt das Buch allerdings nicht auf. Ich kann mir vorstellen, dass die Verfilmung hier auch deutlich gelungener ist. Dem Buch fehlt es gerade bei diesem wichtigen Thema leider an Sensibilität und Tiefgang!


"Schreie in der Nacht" schneidet ein für viele Frauen sehr wichtiges Thema leider nur oberflächlich an und skizziert Männer, die in Frauen nur Objekte sehen sowie Frauen, die dies einfach akzeptieren ...

Ich vergebe 2 von 5.

Sonntag, 3. Mai 2026

[Rezension] Roman eines Schicksallosen - Imre Kertész

 


 Titel: Roman eines Schicksallosen

Autor:  Imre Kertész

Genre: Roman 

Erscheinungsjahr: 2002

Seitenzahl: 288
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 07.04.2026
Beendet: 09.04.2026


Immer wieder lese ich Bücher über die wohl düsterste Zeit unserer Geschichte, denn gewisse Taten dürfen nicht in Vergessenheit geraten. So stieß ich nun auf ein Buch von Imre Kertész, einem Holocaus-Überlebenen, der sogar den Nobelpreis für Literatur erhielt.

"Roman eines Schicksallosen" erzählt von dem 15-jährigen György, der aus Ungarn nach Deutschland deportiert wird und dort sowohl Ausschwitz als auch Buchenwald überlebt. Beinahe emotionslos berichtet der Junge, wie seine Tagesabläufe aussehen und was er alles beobachtet. Dabei passt er sich den neuen Regeln und Vorschriften an, die er weder hinterfragt noch beurteilt.

Ich muss leider ehrlicherweise sagen, dass ich mich sehr schwer mit der Sprache dieses Romans getan habe. Lange verschachtelte Sätze und viel zu wenige Absätze erschwerten mir das Lesen leider sehr. Ich konnte zudem keine emotionale Verbindung zu dem Protagonisten herstellen.

Imre Kertész beschreibt alles sehr detailliert und bildhaft, aber gleichzeitig emotional sehr unterkühlt. Man weiß zu kaum einem Zeitpunkt wie es in dem Jungen aussieht. Dieser Stil ist sicherlich bewusst so gewählt, denn der Roman besitzt autobiografische Anteile und da ist ein gewisser Schutz vor unschönen Erinnerungen oder zu viel Tiefe sicherlich angebracht. 

Auch wenn der Roman bei vielen sicherlich als literarisches Meisterwerk gilt, konnte er mich allerdings nicht so recht abholen. Gewisse Beobachtungen fand ich interessant und manchmal sogar beängstigend, doch bei mir war da eine zu große Distanz beim Lesen vorhanden.


Ein wichtiges Thema, das hier literarisch verarbeitet wird, mich aber leider nicht so recht erreichen konnte ...

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 1. Mai 2026

[Rezension] Mein. Du gehörst nur mir - Thomas Breitung

  


Titel: Mein. Du gehörst nur mir

Autor:  Thomas Breitung

Genre: Thriller 

Erscheinungsjahr: 2021

Seitenzahl: 352
Cover: © Piper
Begonnen: 06.04.2026
Beendet: 08.04.2026


Ich habe schon etliche Thriller über Stalking gelesen, doch kaum einer hat mich so schnell gefesselt wie "Mein - Du gehörst mir" von Thomas Breitung. Gleich auf den ersten Seiten erfahren wir, dass die Schriftstellerin Marie beim Joggen verfolgt wird und der Stalker total besessen von ihr ist. 

Marie ist sicherlich keine leichte Protagonistin. Sie lebt sehr abgeschieden, ist manchmal etwas überheblich und wird doch von vielen Zweifeln zerfressen. Als Autorin konnte ich mich mit ihr aber dennoch sehr gut identifizieren und mit ihr mitfiebern. Ich mochte die Einblicke in ihre Arbeit, ihre Gedanken und auch in ihre Vergangenheit.

Die Abschnitte aus der Sicht des Stalkers lassen die ganze Situation immer bedrohlicher wirken. Marie ist auf sich allein gestellt, lässt aber dennoch mehrere Männer in ihr Leben, die natürlich allesamt verdächtig erscheinen.

Für mich war dieses Buch seit langem mal wieder ein Thriller, der diesen Namen wirklich verdient und sowohl zu fesseln als auch zu überraschen weiß. Obwohl ich in dem Genre schon so viel gelesen habe, konnte mich das Ende doch überraschen. Den Täter hatte ich seltsamerweise tatsächlich nicht auf dem Schirm. So konnte ich dieses Buch im vollen Umfang genießen!


Ein spannender Stalking-Thriller mit einer interessanten Protagonisten und einer überraschenden Auflösung! 

Ich vergebe 5 von 5.

Mittwoch, 29. April 2026

[Rezension] Der Richter und sein Henker - Friedrich Dürrenmatt

 


Titel: Der Richter und sein Henker

Autor:  Friedrich Dürrenmatt

Genre: Krimi

Erscheinungsjahr: 2006

Seitenzahl: 118
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 02.04.2026
Beendet: 06.04.2026


Seit ich Friedrich Dürrenmatt damals zum ersten Mal in meiner Deutschprüfung begegnet bin, versuche ich, seine Werke nach und nach zu lesen, denn mir gefallen die philosophischen und moralischen Fragen, die er aufwirft und die Denkanstöße, die er gibt.

In "Der Richter und sein Henker" geht es erst einmal um einen Polizisten, der erschossen in seinem Wagen aufgefunden wird. Da Kommissar Bärlach alt und sehr krank ist, ermittelt er gemeinsam dem Kriminalbeamten Tschanz. Relativ schnell stoßen beide auf eine Abendgesellschaft, die von einem Mann gegeben wird, den Bärlach schon seit über vierzig Jahren kennt und jagt.

Auch wenn die Sprache recht altmodisch ist, konnte ich schon nach wenigen Seiten in diesen interessanten und fesselnden Fall eintauchen. Es gab einen Punkt, an dem ich dachte, dass es nun eventuell in die politische Richtung gehen wird, doch dies war zum Glück nicht der Fall. Stattdessen geht es um eine alte Rechnung, die beglichen werden muss. 

Spannend fand ich hierbei, dass Bärlach selbst für das rechtschaffende Gute steht, während sein Widersacher Gastmann hier das Böse darstellt, das scheinbar mit allem davonkommen. Gastmann besitzt Geld, Einfluss und hat die richtigen Menschen um sich, wodurch es schwer ist, ihm etwas nachzuweisen. Gastmann und Bärlach erinnerten mich ein wenig an Sherlock Holmes und Moriarty. Es stellt sich der Frage, wer dieses Duell gewinnen wird.

Zum Ende hin gibt es sogar noch eine Wendung, die mir sehr gefiel und die auch perfekt den Titel dieses Kriminalromans aufgreift. Ein starkes Werk!


Ein starker vielschichtiger Kriminalroman über eine alte Rechnung, die beglichen werden muss.

Ich vergebe 5 von 5.

Montag, 27. April 2026

[Rezension] Das geheime Tagebuch der Laura Palmer - Jennifer Lynch

 


Titel: Das geheime Tagebuch der Laura Palmer (Twin Peaks)

Autor:  Jennifer Lynch

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 1991

Seitenzahl: 236
Cover: © vgs
Begonnen: 28.03.2026
Beendet: 07.04.2026


Als großer Fan von Twin Peaks war ich sehr froh, dieses Buch in einem Bücherschrank entdeckt zu haben. Ich habe es als Teenager schon einmal gelesen und geliebt, damals die Serie aber noch nicht gekannt. Nun habe ich das Tagebuch der Laura Palmer meinem Mann vorgelesen und dabei etliche Male eine Gänsehaut bekommen.

Laura Palmer beginnt ihr Tagebuch im  Alter von zwölf Jahren und es scheint, dass sie ein ganz normales Mädchen ist und bald in die Pubertät kommen wird. Wären da nicht ihre düsteren Gedanken und der geheimnisvolle BOB, der sich in ihr Leben schleicht und immer präsenter sowie fordernder wird, wäre ihre Welt wohl auch in Ordnung. David Lynchs Tochter höchstpersönlich taucht hier in diesem begleitenden Werk zur TV-Serie sehr tief in Lauras Persönlichkeit ein und das ist alles nicht besonders leicht zu ertragen.

Beim ersten Lesen vor über zwanzig Jahren und ohne Vorwissen durch die Serie habe ich vieles, was Laura geschieht, den Drogen und einer damit hergegegenden Schizophrenie beziehungsweise Persönlichkeitsspaltung zugeschrieben. Laura verliert sich immer mehr, probiert sehr viele Dinge aus und überschreitet zahlreiche Grenzen. Gerade die Gedichte und ihre Kommunikation mit BOB gehen dabei sehr tief und zeichnen das Bild einer Teenagerin, die sich selbst verliert. Mit dem Wissen aus der Serie ergibt sich jedoch ein viel umfangreicheren und auch sehr viel extremeres Bild. 

Natürlich trifft Laura auch sehr viele Menschen, die aus der Serie bekannt sind. Besonders intensiv fand ich ihr Gespräch mit der Holzlady. Interessant ist hier, dass kaum jemand die wahre Laura kennenlernen konnte, denn außerhalb ihres Tagesbuch hat sie weiterhin versucht, das unschuldige Mädchen zu spielen. Einige rausgerissene Seiten deuten zudem an, dass auch wir gewisse Dinge nicht erfahren sollen. Für mich war auch das zweite Lesen ein großes Highlight, denn nun hat sich das Buch zum zweiten Mal und wirklich sehr tief in meinen Kopf eingebrannt! Für mich ein kleiner Buchschatz und eine wunderbare Ergänzung zu einer tollen Serie!


Ein Re-Read nach vielen Jahren brachte mich diesem Buchschatz noch näher. Ein Must-Read für Fans von Twin Peaks!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.


Samstag, 25. April 2026

[Rezension] Das Geheimnis im Schacht - Melvin Burgess



Titel: 
Das Geheimnis im Schacht 

Autor:  Melvin Burgess

Genre: Jugendbuch

Erscheinungsjahr: 2003

Seitenzahl: 158
Cover: © Carlsen
Begonnen: 02.04.2026
Beendet: 07.04.2026


In diesem Jugendbuch findet David einen Weg in den Lüftungsschacht und so in die Wohnungen seiner Nachbarn. Anfangs liebt er sich, Chaos anzurichten und die Leute zu erschrecken, doch dann trifft er auf den alten Mr. Alverton, der über ihn wohnt und scheinbar von einem Gespenst heimgesucht wird. Auch David trifft auf das Gespenst, ohne zu wissen, welch traurige Geschichte es in sich trägt.

Die Geschichte beginnt wie ein großes Abenteuer entwickelt sich dann aber in eine unerwartet melancholische Richtung. Wir lernen Robert Alverton kennen, der seit dem Tod seiner Frau allein lebt und immer mehr Dinge vergisst, obwohl er sich am liebsten an seine Erinnerungen klammert. Auch das Gespenst, das eine wundervolle, aber auch sehr traurige Symbolik besitzt, ist ein Teil seines Lebens.

Mir gefiel es, wie sich David hier mit dem alten Mann befassen muss und dadurch auch seine eigenen Handlungen hinterfragt. Auch wenn ich das Buch zum Ende hin fast schon eine Spur zu traurig für ein Jugendbuch fand, hat mir die Geschichte gefallen. Sie geht nahe und zeigt, wie kostbar das Leben und die Erinnerungen doch sind.


Ein Jugendbuch, das sich erst wie ein Abenteuer liest, sich dann aber in eine melancholische Richtung entwickelt und zum Nachdenken anregt!


Ich vergebe 5 von 5.

Donnerstag, 23. April 2026

[Rezension] Achter Tag - Kate Calloway

 


Titel: Achter Tag

Autor:  Kate Calloway

Genre: Krimi

Erscheinungsjahr: 2002

Seitenzahl: 218
Cover: © Frauenoffensive
Begonnen: 31.03.2026
Beendet: 02.04.2026


"Achter Tag" ist eigentlich der letzte Teil einer achtteiligen Reihe rund um die Privatdetektivin Cassidy James, war jedoch mein erstes Buch von Kate Calloway. Das Buch lässt sich auch gut unabhängig lesen, auch wenn wohl einige Charaktergeschichten hier fortgesetzt werden. Die Autorin besitzt allerdings einen sehr leichten Stil und sie schneidet auch einige Hintergrundgeschichten an.

Schauplatz ist ein abgelegenes Erziehungsheim. Cassidy, die gerade von einer Frau verlassen wurde, die sie noch immer liebt, soll sich um das rätselhafte Verschwinden einer Lehrerin kümmern. Dafür fängt sie selbst im Camp Turnaround als Lehrerin an und trifft dort auch auf Ablenkung in Form eines Cowgirls, das ihr ganz schön den Kopf verdreht. Mit Jo gemeinsam beginnt sie Nachforschungen anzustellen.

Parallel wird von Maggie erzählt, die sich im Camp nicht besonders wohl fühlt und etwas gesehen hat, das sie nicht sehen sollte. So bleibt der Krimi trotz des einfachen Aufbaus spannend. Die Charaktere gefielen mir, besonders auch Cassidy James, die durch ihre Liebe zu Frauen natürlich ein paar Mal aneckt. Die Auflösung fand ich auch gelungen. Ich werde mal die Augen nach den anderen Teilen der Reihe aufhalten, denn solche leichten und kurzen Krimis sind für Zwischendurch wirklich toll!


Ein einfach aufgebauter, aber dennoch unterhaltsamer Krimi über ein abgelegenes Erziehungscamp! 

Ich vergebe 5 von 5.