Samstag, 19. September 2020

[Rezension] Ein Winzer fürs Herz - Sandra Pulletz

 


Titel: Ein Winzer fürs Herz

Autor:  Sandra Pulletz

Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 13 September 2020
Cover und Inhalsangabe: © Sandra Pulletz

"Mittzwanzigerin Emma will einen Neustart wagen. Ein Inserat für einen Aushilfsjob bei der Weinlese kommt ihr da gerade recht. Doch bei der Arbeit gerät sie schnell an ihre Grenzen und ihre neuen Kollegen scheinen von Anfang an etwas gegen sie zu haben. Zudem tappt sie von einem Fettnäpfchen ins nächste, was vor allem dem attraktiven Weingutbesitzer ein Dorn im Auge ist. Obwohl dieser sie nicht länger auf seinem Hof beschäftigen will, merkt Emma, dass sie Gefühle für ihn entwickelt. Blöd nur, dass er eigentlich vergeben ist …"


Ich bin schon lange großer Fan der Bücher von Sandra Pulletz und durfte auch dieses Mal ihr neuestes Werk schon vor dem Erscheinen testlesen. Toll finde ich die unterschiedlichen Schauplätze in ihren Büchern. In "Ein Winzer fürs Herz" reisen wir dieses Mal nach Österreich, genauer gesagt auf ein Weingut.

Emma empfand ich von Anfang als ungemein sympathische Protagonistin, die, da sie von ihrem Freund verlassen wird, gezwungen ist, ihr Leben umzukrempeln. Da sie ihren Eltern nicht länger zur Last fallen und auch nicht unbedingt wie ihre Mutter als Pilates-Trainerin enden will, beschließt sie spontan, eine Stelle auf einem Weingut anzunehmen. Da sie aber ein sehr tollpatschiger Mensch ist, geht dabei so einiges schief ...

Ich habe beim Lesen sehr oft laut lachen müssen. Emma tritt wirklich von einem Fettnäpfchen ins nächste und muss sich dann natürlich auch noch mit dem recht mürrischen Weingutbesitzer und ihren ätzenden Kollegen rumschlagen. Doch auf dem Hof lernt sie zum Glück auch einige tolle Menschen kennen.

Ich mochte die Charaktere in "Ein Winzer fürs Herz", besonders Leonie ist mir ans Herz gewachsen. Über die Liebesgeschichte möchte ich an dieser Stelle nicht viel verraten, denn es gibt hier wieder einige witzige Missverständnisse. Ich habe hier mit Emma wirklich mitgefiebert. Ein weiteres wundervolles und für den Herbst absolut passendes Werk aus der Feder einer talentierten Autorin!



"Ein Winzer fürs Herz" ist ein toller Roman über ein Weingut, einen mürrischen Winzer und die sehr tollpatschige Emma, die von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Eine klare Empfehlung!

Ich vergebe 5 von 5.


Freitag, 18. September 2020

[Rezension] Seelen im Eis - Yrsa Sigurdardóttir

Titel: Seelen im Eis
Autor:  Yrsa Sigurdardóttir
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2013
Anzahl der Seiten: 362
Cover und Inhalsangabe: © Fischer


Begonnen: 6.08.2020
Beendet: 10.08.2020




"Ist jetzt also der Tag der Abrechnung gekommen?
Als Óðinn den mysteriösen Tod zweier Jungen in einem Erziehungsheim untersucht, tun sich Abgründe auf. Je tiefer er gräbt, umso mehr gibt es Parallelen zu seinem Leben. Hat der viel zu frühe Tod seiner Frau etwas damit zu tun? Während er noch verzweifelt nach Antworten sucht, scheint etwas Bedrohliches immer näher zu kommen…"


"Seelen im Eis" war nun mein drittes Buch von Yrsa Sigurdardóttir. "Geisterfjord" hat mir damals sehr gut gefallen, aber "Nebelmord" war für mich ein Werk, mit dem mich die Autorin endgültig für sich gewonnen hat. "Seelen im Eis" ist nun ebenfalls eine leicht unheimliche Geschichte, die sich mit einem ehemaligen Erziehungsheim beschäftigt.

Die Autorin deutet hier zu Beginn schon einmal das Ende des Thrillers/Romans an. Vater und Tochter sind in einem Auto gefangen und drohen zu ersticken. Natürlich möchte man als Leser hier unbedingt wissen, wie die beiden in diese ausweglose Situation geraten sind.

In "Seelen im Eis" gibt es zwei Handlungsstränge. Zum einen lernen wir den nicht gerade sympathischen Óðinn kennen, der sich nach dem Tod seiner Frau um seine Tochter kümmern muss und vollkommen überfordert wirkt. Er hat einen neuen Job bei der staatlichen Kontrollbehörde und bekommt den Fall einer erst kürzlich verstorbenen Kollegin übertragen. Es geht um ein altes Erziehungsheim, in dem die Jungen angeblich schlecht behandelt wurden ...

Jenes Erziehungsheim lernen wir im zweiten Strang näher kennen. Wir reisen ins Jahr 1974 und erfahren aus der Sicht der Angestellten Aldis, was alles in dem Erziehungsheim vor sich geht. Sie freundet sich zudem mit einem der Jungen an, stellt jedoch schnell fest, dass dieser Junge ein großes Geheimnis hat ...

In der Gegenwart begleiten wir Óðinn bei seinen Nachforschungen rund um das Heim. Hier geht es aber auch um den Tod seiner Frau und die Beziehung zu seiner Tochter. Im Gegensatz zu anderen Werken der Autorin geht es allerdings sehr ruhig zu. Es gibt zwar ein paar wenige gruselige Momente, doch als echten Thriller würde ich "Seelen im Eis" nicht bezeichnen.

Das Erziehungsheim selbst hätte für meinen Geschmack noch etwas intensiver beschrieben werden können. Ich hatte nicht das Gefühl, sonderlich viel von den angeblich so schlechten Bedingungen dort zu erfahren. Alles dreht sich hier um Grunde nur um Aldis und ihre "Beziehung" zu dem Jungen.

Obwohl es für mich in "Seelen im Eis" einige Längen gab und vielen in den beiden Strängen mehrmals durchgekaut wird, mochte ich doch die vielen kleinen Überraschungen, die wie kleine Bomben hochgehen. Das Ende ist definitiv der stärkste Teil und die letztendliche Auflösung hat mich dann doch überzeugen können!


"Seelen im Eis" erzählt die Geschichte eines ehemaligen Erziehungsheims und deckt ein dunkles Geheimnis auf, das Wellen bis in die Gegenwart schlägt. Der Vergangenheitsstrang hätte für mich allerdings deutlich intensiver sein können, das Ende ist aber gelungen!
ich vergebe 4 von 5.

Mittwoch, 16. September 2020

[Rezension] Höhenflug abwärts - Jana Frey

Titel: Höhenflug abwärts
Autor:  Jana Frey
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 1. März 2011
Anzahl der Seiten: 168
Cover und Inhalsangabe: © Loewe


Begonnen: 6.08.2020
Beendet: 10.08.2020






"Manchmal hasst Marie die ganze Welt. Und sich am allermeisten. Doch wenn sie eine Pille einwirft, ist alles gut, und sie will lachen und tanzen und fliegen. Dann vergisst sie ihr Zuhause mit all dem Streit und auch den Schmerz, der in ihr wühlt, seit ihr Freund Leon sich in eine andere verliebt hat. Aber der Höhenflug hält nicht an, und Marie fällt tiefer und tiefer."

Nachdem mich die Geschichte von Christiane F. in "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" stark mitgenommen hat, habe ich nach weiteren Büchern zum Thema "Drogen" Ausschau gehalten. Dabei bin ich auf Jana Frey gestoßen, deren Jugendbücher ein Teil meiner eigenen Jugendzeit waren. Damals habe ich zahlreiche Werke von ihr aus der Bibliothek ausgeliehen.

"Höhenflug abwärts" war ein Buch, das mich erst jetzt wirklich interessiert hat. Es handelt von Marie, die sich in ihren besten Freund Leon verliebt, aber mit ansehen musst, wie dieser plötzlich ein neu in die Klasse gekommenes Mädchen anschmachtet. Marie hat zum allerersten Mal Liebeskummer und um den Schmerz zu vergessen, schmeißt sie auf einer Party eine Pille ein. Dadurch fühlt sie sich gut, merkt allerdings selbst nicht, in was für eine Gefahr sie sich begibt ...

Jana Frey richtet ihre leicht zugänglichen Geschichten wie immer an Jugendliche und macht auf Probleme aufmerksam, die in der Öffentlichkeit oft totgeschwiegen werden. "Höhenflug abwärts" beschäftigt sich hier allerdings nicht wirklich mit einer echten Drogensucht sondern vielmehr mit einem leichtsinnigen Umgang mit solchen Pillen.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass nicht unbedingt die Drogen im Fokus stehen, sondern Maries anhaltender Liebeskummer, Marie will hier eigentlich nur die Kontrolle zurück erlangen und etwas Beständigkeit in ihr Leben bringen.

Da ich vor kurzem erst "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen habe, war dieses Buch ein riesiger Kontrast. "Höhenflug abwärts" wirkte sehr harmlos auf mich und hat daher sicherlich nicht den gewünschten abschreckenden Effekt auf Heranwachsende. Die Autorin hat sich in meinen Augen nur sehr oberflächlich mit der Drogenthematik auseinandergesetzt. Gerade das Ende wirkt dann eine Spur zu übereilt. Ich glaube leider nicht, das Drogensüchtige wirklich so schnell und so bereitwillig Hilfe suchen und annehmen ...



"Höhenflug abwärts" bemüht sich sehr, dass Drogensuchthema aufzugreifen, scheitert dabei an einigen Punkten und verliert sich leider in einer Geschichte, die sich mehr um den ersten
Liebeskummer dreht, als darum, eine abschreckende Wirkung zu erzielen ...

Ich vergebe 3 von 5.


Montag, 14. September 2020

[Rezension] Machos und Macheten (Hap & Leonard, Band 6) - Joe R. Lansdale

Titel: Machos und Macheten
Autor:  Joe R. Lansdale
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2014
Anzahl der Seiten: 277
Cover und Inhalsangabe: © Golkonda Buchverlag


Begonnen: 3.08.2020
Beendet: 6.08.2020



"Einmal im Leben wollen Hap und Leonard sich einen richtigen Urlaub gönnen, doch schon an der Küste Mexikos wird's kompliziert. Kaum eingetroffen, verstrickt eine schöne Fischerstochter die beiden in ihre dubiosen Machenschaften mit einem gewissen Juan Miguel, seines Zeichens Mafioso und Nudist.

Als Hap sich selbst in seiner miefigen Wohnung in East Texas nicht mehr vor Miguel und seinen Handlangern sicher sein kann, muss etwas geschehen. Ein genialer Plan wird geschmiedet, mit allem, was dazugehört: Waffen, Chloroform und einem Treffpunkt auf einer Kreuzung um Mitternacht."



Endlich ging es für mich mit der "Hap & Leonard"-Reihe weiter. Da ich einen Teil leider auslassen musste, da dieser sehr schwer erhältlich ist, habe ich direkt mit Band 6 weitergemacht. Dadurch ist zwar, gerade was Haps und Bretts Beziehung angeht, hier eine kleine Lücke vorhanden, was aber durch Joe R. Lansdale grobe Zusammenfassung zu Beginn nicht ins Gewicht fällt.

Etwas ruhiger als gewohnt, aber nicht minder interessant, beginnt dieser Teil auf der neuen Arbeitsstelle unserer beiden Männer: einer Geflügelfarm. Hap rettet dort eine junge Frau, die zufällig die Tochter des Besitzers ist - so kommt Hap mal wieder an Geld, das er für einen Urlaub für Leonard uns sich nutzen will.

Das sehr chaotische Zweiergespann beschließt eine Kreuzfahrt zu machen. Ja, richtig gehört. Hap und Leonard steigen auf ein Schiff, aber die Geschichte wäre nicht von Lansdale, wenn auf dieser Reise nicht so einiges schief gehen würde.

So kommen unsere beiden Helden schließlich nach Mexiko und geraten mal wieder in ein echt mörderisches Abenteuer. Die bissigen Dialoge sorgen erneut für Abwechslung, allerdings hatte ich bei diesem Teil erstmals das Gefühl, dass der Humor etwas zu kurz kam.

Es gab für mich in "Machos und Macheten" keine besonders hervorstechenden Szenen, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Zudem war ich etwas enttäuscht, dass der Trip doch so plötzlich endet und wieder einmal eine Frau Schuld an dem ganzen Schlamassel ist ... Eine Frau, die ich von Anfang an echt seltsam fand ...


Die Geschichte ist dieses Mal recht einfach gehalten, und für meinen Geschmack leider auch zu unspektakulär. Joo R. Lansdale geht zwar wieder einmal recht schonungslos mit seinen Charakteren um, aber ich hatte dennoch das Gefühl, dass bei diesem Teil etwas die Luft raus war. Aus der Kreuzfahrt und dem Aufenthalt in Mexiko hätte man deutlich mehr rausholen können. So war es doch am Ende nur eine typische Ganstergeschichte, bei der leider der einmalige Humor von Lansdale auch nicht wie sonst zur Geltung kam ...



"Machos und Macheten" war für mich der bisher schwächste Teil der "Hap & Leonard"-Reihe. Es gab zwar einige witzige Momente, aber der Humor war nicht wie in den Teilen davor und die Hauptstory konnte mich dieses Mal leider nicht vom Hocker reißen ...

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 11. September 2020

[Rezension] Das Mädchen im roten Mantel - Roma Ligocka mit Iris von Finckenstein

Titel: Das Mädchen im roten Mantel
Autor:  Roma Ligocka mit Iris Finckenstein
Genre: Roman, Bografie
Erscheinungsdatum: 1April 2002
Anzahl der Seiten: 464
Cover und Inhalsangabe: © Knaur

Begonnen: 3.08.20
Beendet: 5.08.20



"In Krakau wird 1938 ein kleines Mädchen geboren, während in Deutschland die Synagogen brennen. Sie ist noch kein Jahr alt, als ihre Eltern den Judenstern tragen müssen. Die erste Realität, die sie kennenlernt, ist die Realität des Grauens - für sie die Normalität: Ihre Welt besteht aus Schreien, Schüssen und Toten. Mit den Augen eines Kindes beschreibt Roma Ligocka, wie aus einer Kindheit, die behütet und wohlhabend hätte sein sollen, ein Alptraum wird. Kurz vor der Liquidierung des Krakauer Ghettos kann sie mit ihrer Mutter fliehen. Der rote Mantel des Mädchens rettet ihnen das Leben, weil »die kleine Erdbeere« eine polnische Familie so rührt, dass sie den beiden Unterschlupf gewährt."





Bereits in "Schindlers Liste" fand ich die Geschichte des Mädchens im roten Mantel sehr berührend. Nun habe ich in einem Bücherschrank die wahre Geschichte hinter diesem Kind entdeckt und mich damit wieder einmal in die grausame Zeit des Nationalsozialismus begeben.

Roma Ligocka sitzt hier zu Beginn des Buches in einem Hotel und sieht ein Mädchen mit reichen Eltern, das ein unbeschwerte Kindheit zu haben scheint. Eine solche Kindheit hatte Roma nicht. Mit ihr gemeinsam tauchen wir in ihre düstere Vergangenheit ein und starten direkt im Ghetto.

Schon auf den ersten Seiten entfaltet sich hier das ganze Grauen einer sehr unmenschlichen Zeit. Die kleine Roma versteht nicht, was um sie herum passiert, ja, wieso Menschen abtransportiert werden oder erschossen werden. Und sie versteht auch nicht, warum ihre Familie ihr die Haare blond färbt ...

Beim Lesen musste ich hier einige Male schlucken., gleichzeitig habe ich aber auch Romas Mutter bewundert, die sich hier ganz allein um ihre Tochter kümmern muss. Desweiteren beweist auch diese Geschichte wieder, dass es Menschen gab, die bereit waren, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, um ihren Mitmenschen zu helfen.

"Das Mädchen im roten Mantel" beschreibt nicht nur die Kriegszeit, sondern liest sich wie eine Biografie, die Roma Ligockas gesamtes Leben betrachtet. So erfahren wir auch viel über die Zeit nach dem Krieg, den anhaltenden Hass Juden gegenüber, aber auch die Zeit des Kommunismus mit neuen Hoffnungen und Idealen. Desweiteren verlieben wir uns mit Roma und lernen zudem die Kunstszene näher kennen.

Es wird spürbar, dass Roma noch lange mit den Nachwirkungen ihrer schrecklichen Kindheit zu kämpfen hat. Gleichzeitig bemüht sie sich aber, ihren Platz in dieser Welt zu finden. Die zweite Hälfte des Buches steht hier in großem Kontrast zu dem sehr intensiven Anfang. Ich hatte im späteren Verlauf doch etwas Mühe, am Ball zu bleiben, da die Erzählung doch sehr ruhig wurde und gerade ihre Liebesbeziehung mich nicht wirklich interessierten.

Trotz dieser kleinen Kritik kann ich dieses Buch dennoch allen ans Herz legen, die sich für die Hintergründe von dem "Mädchen im roten Mantel" interessieren. Es ist eine interessante Biografie über das Leben und die Hoffnung.



"Das Mädchen im roten Mantel" erzählt die Lebensgeschichte einer beeindruckenden Frau. Die Kriegszeit wird hier schonungslos dargestellt, ihr restliches Leben sehr ruhig. Auf jeden Fall ist Roma Ligocka eine interessante Persönlichkeit und gleichzeitig eine wichtige Zeitzeugin!

Ich vergebe 4 von 5.


Mittwoch, 9. September 2020

[Rezension] Noch bevor das Jahr zu Ende ist - Hazel Gaynor, Heather Webb

Titel: Noch bevor das Jahr zu Ende ist
Autor:  Hazel Gaynor, Heather Webb
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 19. November 2018
Anzahl der Seiten: 416
Cover und Inhalsangabe: © Blanvalet


Begonnen: 29.07.2020
Beendet: 02.08.2020





"August 1914. Als Evie Elliott sich von ihrem Bruder Will und dessen bestem Freund Thomas Harding verabschiedet, die von London zur Front aufbrechen, ahnt niemand, dass die Schrecken des Krieges Jahre andauern werden. Während all dieser Zeit teilen Evie und Thomas ihre größten Ängste und Hoffnungen miteinander und kommen sich so immer näher. Das Schicksal scheint jedoch andere Pläne für sie zu haben …
Weihnachten 1968. Im Gepäck ein Bündel Briefe, die für ihn sehr wertvoll sind, reist Thomas Harding nach Paris, um die Geister der Vergangenheit endlich zur Ruhe zu betten. Doch ein letzter Brief wartet noch auf ihn."



"Noch bevor das Jahr zu Ende ist" ist ein fast vollständig in Briefform verfasster Roman, der zur Zeit des ersten Weltkrieges spielt und die aufkeimende Liebe von Evie und Thomas beschreibt, Zusätzlich gibt es einen kleinen Handlungsstrang aus dem Jahr 1868, in dem der kranke Thomas mit seiner Pflegerin nach Paris reist und dort die Briefe noch einmal liest. Hier stellt sich für den Leser natürlich die Frage, was mit Evelyn passiert ist.

Bücher, die zum größten Teil aus Briefen bestehen, haben mich schon immer sehr gereizt. Hier kann eine ganz eigene Dynamik enstehen, die für mich bei "Noch bevor das Jahr zu Ende ist" leider nicht vorhanden war. Hier zeigt sich nämlich auch ein großes Problem dieses Stilmittels: Die Charaktere bleiben mitunter recht blass. Ich habe beim Lesen leider kaum Bezug zu Evie, Thomas, ihrer Familie und ihren Freunden gefunden.

Dabei war es doch spannend, wie Thomas hier an die Front geschickt wurde und wie Evelyn daheim dann darum kämpft, dass auch Frauen zu Kriegszeiten wichtige Aufgaben übernehmen dürfen. Natürlich wird in den Briefen auch viel Alltägliches ausgetauscht, wodurch die Schrecken des Krieges für mich nicht direkt spürbar waren. Es fehlte mir hier an historischen Fakten und dadurch leider auch an Atmosphäre ...

Evies spätere Kolumnen fand ich interessant eingebaut, allerdings hatte ich auch hier das Gefühl, alles sehr distanziert zu betrachten. Ich konnte nicht mitfühlen, obwohl es doch ein paar sehr tragische Momente gab. Dennoch war das Buch bis zum Ende aber sehr einfach zu lesen und bietet auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung und ein paar nette, wenngleich auch nicht allzu große Überraschungen.



"Noch bevor das Jahr zu Ende ist" war für mich ein netter Briefroman, der mich zwar gefesselt hat, der für mich aber teilweise zu oberflächlich war und leider auch die Kriegszeit zu einseitig betrachtet ...

Ich vergebe 3 von 5.

Montag, 7. September 2020

[Rezension] Die Frau im Schatten - Nancy Price

Titel: Die Frau im Schatten
Autor:  Nancy Price
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. Januar 1993
Anzahl der Seiten: 349
Cover und Inhalsangabe: © Lübbe


Begonnen: 29.07.2020
Beendet: 02.08.2020





"Mary Eliots brillantes Talent verhilft ihrem Mann Randal zu schriftstellerischem Ruhm. Nacht für Nacht schreibt sie Romane, die er, in dem Wahn, sie selbst verfaßt zu haben, unter seinem Namen veröffentlichen läßt. Als er bei einem Autounfall ums Leben kommt, fühlt Mary sich von ihrer unglücklichen Ehe erlöst und beginnt zaghaft davon zu träumen, selbst endlich den Ruhm zu erlangen, der ihr schon immer zugestanden hatte. Da trifft sie den jungen, leidenschaftlichen Paul Anderson. Vertrauensvoll gibt sie ihm das Geheimnis ihrer schriftstellerischen Begabung preis, nicht ahnend, daß dies der Beginn ihrer eigenen Zerstörung ist..."



Ein Bücherschrankfund hat mich nun zu den Büchern von Nancy Price geführt, die früher mit ihren Romanen großen Erfolg hatte und sogar verfilmt wurde. Bisher hatte ich nichts von ihr gehört, aber der Klappentext hat sich hier sehr ansprechend angehört.

Allerdings habe ich mich gleich zu Beginn schwer getan, in die Geschichte hineinzufinden. Dabei ist der Ausgangsplot wirklich gut. Randal ist ein angesehener Schriftsteller, der sich an das Schreiben seiner Bücher nur leider nicht wirklich erinnern kann und öffentlich immer wieder behauptet, sie wären in einer Art Trance-Zustand entstanden. Als Leser erfahren wir allerdings recht schnell, dass in Wahrheit seine Frau Mary dahintersteckt. Sie schreibt seine Bücher und sorgt dafür, dass er der gefeierte Star ist, während sie selbst nur in seinem Schatten steht ...

Die Beziehung von Mary und Randal ist sehr schwer zu verstehen. Randal ist, nach mehreren Klinikaufenthalten und Schocktherapien ein sehr kranker und teilweise auch nicht mehr zurechnungsfähiger Mann. Er hat eine klare Momente, verliert auf einer Reise mit seiner Familie allerdings erneut die Kontrolle und wird in eine Einrichtung gesteckt - was Mary die nötige Zeit gibt um "seinen" Roman zu schreiben ...

Das erste Drittel des Buches hat mir leider nicht gefallen. Alle Charaktere, angefangen mit Mary und ihren Kindern, über Randal und bis zu den Psychologen, agieren merkwürdig. Randals psychische Erkrankung wird leider auch nicht besonders gut dargestellt und war teilweise so wirr, dass ich mir schon überlegt habe, das Buch abzubrechen.

Nach Randals Autounfall wandelt sich die Geschichte allerdings glücklicherweise. Endlich blüht Mary, die so lange im Schatten gestanden hat, auf. Allerdings muss sie hart um Anerkennung und auch ihre Unabhängigkeit kämpfen.

"Die Frau im Schatten" setzt sich kritisch damit auseinander, dass Frauen oft keine eigene Stimme haben und von Männern unterdrückt werden. So lernt Mary hier nach dem Tod Randals auch gleich einen anderen Mann kennen und es scheint, dass sie noch einmal im Schatten stehen muss ...

Auch wenn das Buch an einigen Punkten recht langatmig ist und der Stil ab und an sehr holperig wirkt, bereue ich die Lektüre nicht. Als Autorin konnte ich mit Mary besonders gut mitfiebern. Das Ende finde ich hier durchaus gelungen - auch wenn es, wie der gesamte Roman, doch recht unspektakulär verläuft ...



Nach einem sehr schwachen und holperigen ersten Drittel offenbart sich hier doch noch eine angenehmen zu lesen und leicht kritische Geschichte über eine Frau, die nicht länger im Schatten der Männer stehen will ...
Ich vergebe 3 von 5.