Mittwoch, 4. Februar 2026

[Rezension] Atlantis - Stephen King


Titel: 
Atlantis

Autor:  Stephen King

Genre: Kurzgeschichten, Novellen

Erscheinungsjahr: 2001

Seitenzahl: 624
Cover: © Heyne
Begonnen: 15.01.2026
Beendet: 20.01.2026


"Atlantis" ist wohl das reifste Werk von Stephen King, in dem es einmal nicht um ein klassisches Horrorszenario geht, sondern der Schmerz des Erwachsenwerden beschrieben wird. Alle fünf hier gesammelten Novellen befassen sich dabei mit dem Vietnamkrieg, der dunkle und gefräßige Schatten wirft und sich nicht mehr ignorieren lässt.

Das Herz dieser fünf Novellen bildet meiner Meinung nach die erste und auch längste Geschichte. Auf knapp 300 Seiten wird in "Niedere Männer in gelben Anzügen" von Bobby erzählt, der im Jahre 1960 seinen elften Geburtstag feiert und dann Freundschaft mit dem neuen Mieter Ted schließt. Bobby verliebt sich, erfährt von geheimnisvollen, unheimlichen Botschaften und muss schließlich auf sehr schmerzhafte Weise erwachsen werden. Passend sind hier besonders die Anspielungen an William Goldings "Herr der Fliegen", denn in dieser Geschichte geht es erst einmal um eine ganz andere Art des Krieges, die wohl jeder Heranwachsende kennt.

"Herzen in Atlantis" entführt schließlich ins Jahr 1966 und an ein College, auf dem Pete Riley mit anderen Studenten dem Kartenspiel "Hearts" verfällt. Ich musste mich hier erst einmal mit dem Spiel vertraut machen, fand dann aber die Symbolik dieser Geschichte unfassbar stark. Während sich die erste Widerstandsbewegungen formieren, fliehen die Studenten in die Welt des Spieles und vernachlässigen dabei ihre eigene Zukunft, die eh im Ungewissen liegt. 

In "Blind Willie" sind im Jahre 1983 die Nachwirkungen des Krieges zu spüren. Bill, der auch in der ersten Novelle schon eine Rolle spielte, trägt den Vietnamkrieg mit sich herum, indem er sich in den blinden Willie verwandelt und Geld erbettelt, das er im Anschluss spendet. Eine unfassbar nachhallende Geschichte über eine Schuld, die niemals verschwindet.

Die beiden letzten und recht kurzen Geschichten katapultieren ins Jahr 1999 und schließen den Kreis, denn wir erfahren vom Ende eines Charakters und vom Widersehen anderer. Auch hier gibt es viele Metaphern und eine wunderballe Symbolik, die zeigt, dass die Vergangenheit einem unter sich begräbt, wenn man nicht irgendwie Frieden mit ihr schließt. Auch die Anspielungen an den "dunklen Turm" haben mir hier sehr gefallen und ich kann abschließend nur sagen, dass ich in "Atlantis" wieder ein großes Highlight gefunden habe. 


Der Schmerz des Heranwachsens, die Schatten des Vietnamkrieges und Menschen, deren Leben eine ganz neue Richtung bekommt. Kings reifstes und sicherlich auch tiefgründigstes Werk, das nachhallt und für mich ein echtes Highlight darstellt!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.


Montag, 2. Februar 2026

[Rezension] Die Babysitterin - Angela Gerrit

 


Titel: Die Babysitterin

Autor:  Angela Gerrit

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2010

Seitenzahl: 192
Cover: © Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH

Begonnen: 14.01.2026
Beendet: 16.01.2026


Zoë findet einfach keine Lehrstelle. Auf Drängen ihrer Eltern nimmt sie deshalb erst einmal einen Babysitterjob an, um etwas zu tun zu haben. Das Problem ist nur, dass Zoë mit Kindern nur wenig anfangen kann, bei Claudia und ihrem Mann aber direkt die Verantwortung für die fünf Monate alte Magdalena übernehmen soll. Als Magdalena im Park aus ihrem Kinderwagen verschwindet, geht Zoë jedoch nicht zur Polizei, sondern lässt sich zu einer großen Dummheit hinreißen ...

Ein einfacher Charakter ist Zoë sicherlich nicht. Sie wirkt mit ihren beinahe 17 Jahren noch sehr naiv und denkt bei dem Babysitterjob, der gar nicht zu ihr passt, um Grunde nur an das Geld. Das Baby selbst muss dem Leser hier einfach nur leid tun, denn es wird weder von denen eigenen Eltern noch von Zoë anständig behandelt - und dann wird die Kleine auch noch entführt.

Etwas absurd ist die Geschichte teilweise. Alle Charaktere verhalten sich ganz anders als man es erwarten würde und Verantwortung übernimmt in dieser Geschichte im Grunde niemand. Das macht es aber auch irgendwie unterhaltsam. Das Ende selbst wirkte auf mich allerdings etwas unkreativ und etwas zu einfach. Schön wäre hier noch eine Überraschung gewesen. Als kurzer Jugendkrimi aber absolut empfehlenswert!


Ein unterhaltsamer Jugendkrimi mit einer flott erzählten Geschichte, aber mit einer sehr naiven, etwas absurd handelnden Protagonistin! 

Ich vergebe 4 von 5.

Sonntag, 1. Februar 2026

[Gemeinsame Leserunde] Wildflower-Reihe von V.C. Andrews - Band 1 bis 4

 Ab heute lesen wir hier die ersten vier Bände der Wildflower-Saga, wie gehabt jeder in seinem eigenem Tempo.



 Wer liest mit?

Nicole von Zeit für neue Genres

Andrea von Leseblick

und meine Wenigkeit ;)


Leseabschnitte

"Misty" 
1. Leseabschnitt - Prolog bis Kapitel 4
2. Leseabschnitt - Kapitel 5 bis Epilog

"Star"
3. Leseabschnitt - Prolog bis Kapitel 4
4. Leseabschnitt - Kapitel 5 bis Kapitel 8

"Jade" 
5. Leseabschnitt - Prolog bis Kapitel 3
6. Leseabschnitte - Kapitel 4 bis Kapitel 7

"Cat"
7. Leseabschnitt - Prolog bis Kapitel 4
8. Leseabschnitt - Kapitel 5 bis Epilog





Samstag, 31. Januar 2026

[Rezension] Das Löwenmädchen - Erik Fosnes Hansen

 


 Titel: Das Löwenmädchen

Autor:  Erik Fosnes Hansen

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2009

Seitenzahl: 385
Cover: © Kiepenheuer & Witsch
Begonnen: 12.01.2026
Beendet: 15.01.2026


Im Jahre 1912 kommt in einem winzigen, norwegischen Dorf ein Kind zur Welt, das am ganzen Körper feine blonde Haare hat. Die Mutter der kleinen Eva stirbt bei der Geburt und ihr Vater ist mit dem ungewöhnlichen Baby erst einmal überfordert, lernt es dann aber lieben und will es vor der großen Welt beschützen. Doch Eva will irgendwann all die Dinge sehen und erleben, die andere auch erleben dürfen ...

"Das Löwenmädchen" klang vom Klappentext her nach einem Buch mit viel Emotionen und einer wichtigen Botschaft. Leider ist der Schreibstil von Erik Fosnes Hansen sehr überladen. Der Autor beschreibt alles bis ins kleinste Detail, vergisst dabei aber seine Figuren, die alle sehr farblos und leider auch recht leblos wirken.

Eva selbst schließt der Leser zwar schnell ins Herz und es gibt einige wirklich starke Momente voller Menschlichkeit in diesem Roman. Doch leider gehen auch die durch die träge Erzählweise immer wieder verloren. Manchmal driftet der Autor meilenweit ab und findet nicht wirklich den Weg in die Seele seiner Charaktere.

Vielleicht hätte ich dem Buch mehr Zeit widmen sollen, aber ab einem gewissen Punkt hatte mich die Geschichte bereits verloren. Für mich war leider auch kein echter roter Faden erkennbar, auch wenn ich Evas Entwicklungen selbst ganz interessant fand. So sehr ich sie auch mochte, blieb da aber bis zum Ende leider eine gewisse Distanz vorhanden ...


Ein Roman, der so ein wichtiges Thema behandelt und doch durch den überladenen Schreibstil weder ein eigenes Tempo findet, noch einen roten Faden. Schade ...

Ich vergebe 2 von 5.

Donnerstag, 29. Januar 2026

[Rezension] Die Toten von Fleat House - Lucinda Riley


  Titel: Die Toten von Fleat House

Autor:  Lucinda Riley

Genre: Krimi

Erscheinungsjahr: 2023

Seitenzahl: 544
Cover: © Goldmann
Begonnen: 09.01.2026
Beendet: 14.01.2026


Der 18-jährige Charlie wird tot in seinem Zimmer aufgefunden. Was auf den ersten Blick wie ein Unfall aussieht - er hat die falschen Tabletten eingenommen - entpuppt sich schließlich als Mord, als es auf dem Internat noch zu weiteren rätselhaften Todesfällen kommt. Detective Inspector Jazz Hunter, die ihren Job eigentlich gekündigt hat, forscht nach und kommt gleich mehreren dunklen Geheimnissen auf die Spur!

Lucindas Einzelbände rund um düstere Familiengeheimnisse haben mich vor vielen Jahren mit einem Genre vertraut gemacht, von dem ich dachte, eigentlich nichts mit anfangen zu können. Doch Riley besitzt eine wundervolle Art des Geschichtenerzählens und so war ich ihren Werken schnell verfallen. "Die Toten von Fleat House" stammt aus ihrem Nachlass und wurde bereits 2006 verfasst. Es handelt sich um ihren einzigen Krimi, der wohl der Auftakt einer Reihe werden sollte.

Jazz Hunter als Ermittlerin gefiel mir hier sehr gut, denn sie bringt auch eine eigene Geschichte mit, denn schließlich wurde sie von ihrem Mann, der zeitgleich auch noch ihr Kollege ist, betrogen. Auf der Dienststelle wussten alle lange vor ihr davon und demzufolge hat sie nun keine Lust mehr auf den Job und will lieber Künstlerin werden. Doch der Fall des toten Internatsschülers interessiert sie und sie beginnt, in die richtige Richtung zu ermittelt.

"Die Toten von Fleat House" orientiert sich an einem klassischen Krimiaufbau. Jazz befragt die Leute aus dem Umfeld des Internats und deckt nebenbei - wie es sich bei Lucinda Riley gehört - noch ein altes Familiengeheimnis auf. Das Ende weiß zu überraschen. Schade, dass diese Reihe nicht fortgesetzt werden kann ...


Ein klassisch aufgebauter Krimi mit einer sympathischen Ermittlerin und einem spannenden Schauplatz!

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 27. Januar 2026

[Rezension] Everlasting - Der Mann, der aus der Zeit fiel - Holly-Jane Rahlens


 Titel: Everlasting

Autor:  Holly-Jane Rahlens

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2012

Seitenzahl: 432
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 08.01.2026
Beendet: 12.01.2026


Finn lebt im Jahr 2264, in der die Liebe nahezu ausgestorben und die Geburtenrate immer weiter sinkt. Er ist Historiker und ein Fachmann für die tote Sprache Deutsch. Als ein geheimnisvolles Tagebuch gefunden wird, soll er dieses lesen und übersetzen. Anfangs nimmt er das Tagebuch des jungen Mädchens nicht ernst, doch dann reist er durch die Zeit und schaut Eliana zum ersten Mal in die Augen ...

Es gibt kein "Ich" in der Zukunft, in der Finn lebt. Die Menschen sprechen über sich immer in der dritten Person, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, doch perfekt zu der Welt passt. Es ist eine sehr kalte, gefühlsarme Welt, in der es keine romantische Liebe gibt. Finn, der nie daran gedacht hat, etwas zu hinterfragen, reist erst einmal nur beim Lesen des Tagebuchs und dann auch körperlich durch die Zeit. Das sorgt natürlich für viele witzige Momente, da er vieles aus der Vergangenheit nicht verstehen kann.

Die Autorin legt hier viel Wert auf Beschreibungen. Mir gefiel die Erzählform, denn sowohl das Tagebuch, das auszugsweise natürlich auch eine Rolle spielt, als auch Finns amüsante Zeitreisen, sorgen für eine tolle Dynamik. Etwas Charaktertiefe und vielleicht auch etwas mehr Momente zwischen ihm und Eliana hätte es für mich aber noch gebraucht, um ihre Liebe etwas intensiver zu spüren. Mir fehlte der letzte Funken! Dennoch fand ich diesen Genremix, der sich fast schon als Sci-Fi-Lovestory beschreiben lässt, sehr originell!


Ein spannender Genremix, der zwei Welten, die nicht unterschiedlicher sein könnten, durch eine schöne Liebesgeschichte verbindet! Ich habe das Buch gerne gelesen!


Ich vergebe 4 von 5.

Sonntag, 25. Januar 2026

[Rezension] Das Verhängnis - Joy Fielding

 


 Titel: Das Verhängnis

Autor:  Joy Fielding

Genre: Roman, Thriller

Erscheinungsjahr: 2010

Seitenzahl: 414
Cover: © Goldmann
Begonnen: 07.01.2026
Beendet: 09.01.2026


Alles beginnt in einer Bar mit einer typischen Wette unter Männern. Der erste, der mit der einsam wirkenden Suzy im Bett landet, ist der Gewinner. Suzy entscheidet sich, den Abend mit dem sensiblen Will zu verbringen, doch am nächsten Morgen beginnt ein ganz anderes Spiel ...

In "Das Verhängnis" widmet sich Joy Fielding, die mich gefühlt schon mein halbes Leben lang mit ihren Büchern begleitet, mal wieder ihrem Lieblingsthema, geht es doch um Männer, die Frauen alles andere als anständig behandeln. Suzy selbst steckt in einer gewalttätigen Ehe fest, während Jeff eine offene Beziehung führt und Tom gerade mit einer Scheidung konfrontiert wird, die er nicht akzeptieren will. Dadurch ergeben sich hier Dynamiken, die sich schließlich verselbstständigen und zu einem wahren Pulverfass werden.

Ein echter Thriller ist "Das Verhängnis" sicherlich nicht. Das Werk unterscheidet sich deutlich von anderen Büchern der Autorin, denn hier ist lange Zeit nicht klar, wie sich alles entwickelt wird und von wem eventuell eine tödliche Gefahr ausgeht. Schlucken musste ich öfter bei Toms Abschnitten, denn hier zeigt sich, dass er Frauen im Grunde nur als Objekte ansieht.

Mir gefiel es, dass lange Zeit gar nicht so ersichtlich ist, wer mit wem spielt. Im großen Showdown eskaliert schließlich alles und es gibt sogar noch eine echt coole Wendung, die ich nicht erwartet habe. Mich konnte dieses Buch bestens unterhalten! 


Ungewöhnlich und mit einer coolen Wendung! Mich konnte das Buch perfekt unterhalten!

Ich vergebe 5 von 5.