Montag, 11. Mai 2026

[Rezension] Ein Tropfen Zeit - Daphne du Maurier

 


Titel: Ein Tropfen Zeit

Autor:  Daphne du Maurier

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: erstmals 1969

Seitenzahl: 414
Cover: © Bertelsmann
Begonnen: 13.04.2026
Beendet: 15.04.2026

"Ein Tropfen Zeit" ist wohl der kreativste und gleichzeitig ungewöhnlichste Roman von Daphne du Maurier. Wir folgen hier Richard, der von einem alten Freund aufgefordert wird, eine von ihm erschaffene Droge auszuprobieren. Mithilfe dieser Droge reist Richard scheinbar ins 14. Jahrhundert und erlebt dort die Intrigen rund um eine adlige Familie. Dabei verliert er immer mehr den Bezug zur Realität und damit seinem eigenem Leben.

Daphne du Maurier verbindet hier zwei sehr interessante Themen miteinander. Zum einen geht um eine Droge, die natürlich abhängig macht und auch etliche Nebenwirkungen hat, zum anderen setzt sie sich aber auch mit der Frage auseinander, inwieweit die Vergangenheit noch in der Lage ist, die Gegenwart zu beeinflussen. Richard verliert immer mehr den Bezug zu seinem eigenem Leben, zu seiner Familie und auch zu sich selbst. Er verliert sich vollkommen in den Zeitreisen und auch in der wunderschönen Isolda, die er aber niemals berühren kann.

Mit dem Vergangenheitsstrang, in dem sowohl Richard als auch wir als Leser nur Beobachter sind, habe ich mich ein wenig schwer getan. Trotz Stammbaum am Ende des Buches, brauchte ich recht lange, um die Charaktere zuordnen zu können. Es blieb bis zum Ende eine gewisse Distanz vorhanden.

Wirklich fesselnd fand ich allerdings die Auswirkungen der Drogen und Richards zunehmende Besessenheit. Zudem kommt es noch zu einem sehr tragischen Vorfall, der Richard eigentlich aufwecken und von der Droge wegfahren sollte. Leider zeigt sich hier, wie stark solch eine Sucht sein kann. Für mich war "Ein Tropfen Zeit" ein sehr ungewöhnlicher, aber durchaus lesenswerter Roman von Daphne du Maurier!


Ein ungewöhnlicher Roman über eine Zeitdroge und die Vergangenheit, die manchmal mächtiger als die Gegenwart ist.

Ich vergebe 4 von 5.

Samstag, 9. Mai 2026

[Rezension] Und nachts die Angst - Carla Norton


Titel: 
Und nachts die Angst

Autor:  Carla Norton

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2013

Seitenzahl: 400
Cover: © Knaur
Begonnen: 10.04.2026
Beendet: 14.04.2026

Reeve wurde mit zwölf Jahren entführt und viele Jahre lang gefangen gehalten. Sie konnte nur entkommen, weil ihr Entführer mit ihr im Kofferraum einen Unfall gebaut hat. Viele Jahre später ist sie immer noch in Therapie und wird von ihrem Psychologen gebeten, sich um ein weiteres Entführungsopfer zu kümmern. Tilly Geschichte ähnelt ihrer eigenen und Reeve, die eigentlich gedacht hatte, dass der Täter geschnappt wurde, beginnt eigenständig zu ermitteln ...

"Und nachts die Angst" beginnt spannend und intensiv, verliert sich dann aber leider recht schnell in einer recht typischen Thrillerhandlung, die vom Aufbau und dem Plot viel zu flach bleibt. Als Leser erfahren wir schon viel zu viel über den wahren Täter und auch über das, was er sich über all die Jahre aufgebaut hat, um nicht geschnappt zu werden. Durch die kurzen Kapitel liest es sich zwar flott, aber es bleibt alles leider sehr oberflächlich.

Reeve fand ich auf den ersten Seiten sehr faszinierend, weil sie das Erlebte noch immer verarbeiten muss. Doch dann mutiert sie zur großen Heldin des Buches, was für mich nicht passte nach all dem, was sie erlebt hat. Sie war mir zu glatt und zu perfekt. Auch hier fehlte es an Tiefe und vor allem an einer psychologischen Betrachtung der ganzen Thematik. Sowohl Reeve als auch Tilly verhalten sich nicht wie Mädchen, die solch einen Albtraum erlebt haben.

Ich denke, dass sich die Autorin bei ihrem Debüt an einem klassischen Thriller-Aufbau irritiert hat und noch nicht so recht den Mut hatte, mal eine eigene Richtung zu wagen. Wer nicht viel in diesem Genre liest, wird das Buch sicherlich mehr genießen können als Vielleser, die Geschichten wie diese bereits kennen. Für mich war "Und nachts die Angst" pure Durchschnittskost.


Ein durchschnittlicher Thriller für Zwischendurch ohne Tiefe und auch ohne große Wendungen und Überraschungen.

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 8. Mai 2026

[Gemeinsame Leserunde] Garten der Versuchung - V.C. Andrews


Es geht für uns gemeinsam weiter mit dem letzten Band der "Wildflowee"-Reihe. Ich wünsche uns allen viel Spaß!

MIT DABEI SIND:

  Nicole von Zeit für neue Genres

Andrea von Leseblick

und meine Wenigkeit ;)


Leseabschnitte

1. Leseabschnitt: Prolog bis Kapitel Vier
2. Leseabschnitt: Kapitel Fünf bis Kapitel Neun
3. Leseabschnitt: Kapitel Zehn bis Kapitel Vierzehn
4. Leseabschnitt: Kapitel Fünfzehn bis Ende

Donnerstag, 7. Mai 2026

[Rezension] Biss zum ersten Sonnenstrahl - Das kurze zweite Leben der Bree Tanner - Stephenie Meyer

 


   Titel: Biss zum ersten Sonnenstrahl - Das kurze zweite Leben der Bree Tanner

Autor:  Stephenie Meyer

Genre: Fantasy

Erscheinungsjahr: 2010

Seitenzahl: 208
Cover: © Carlsen
Begonnen: 09.04.2026
Beendet: 13.04.2026


Ich bin schon seit meiner Jugend ein großer Fan der Twilight-Saga und so habe ich dieses Buch mal mitgenommen, als es mir in einem öffentlichen Bücherschrank in die Hände fiel. Hier erfahren wir das Geschehen nämlich einmal aus der Sicht einer neugeborenen Vampirin, für die das Trinken von Blut etwas vollkommen normales ist.

Bree war in "Biss zum Abendrot" nur ein recht kleiner Nebencharakter, bekommt hier aber nun eine eigene Story. Sie ist Teil von Rileys Armee und freundet sich mit Diego an, der zu ihrem einzigen Vertrauten wird. Mit ihm gemeinsam beginnt sie, gewisse Dinge zu hinterfragen und deckt dabei auch Rileys Lügen auf.

Das relativ dünne Büchlein liest sich sehr leicht und es passiert auch relativ viel auf einmal, denn wie verfolgen nur eine sehr kurze Zeitspanne in Brees neuem Leben als Vampirin. Das erzeugt zwar eine gewisse Spannung, aber der Leser dieses Buches weiß natürlich schon viel mehr als die Protagonistin. Überraschungen gibt es nicht und es ist auch kein Platz für echte Charakterentwicklung.

Natürlich treffen wir hier auch auf einige Bekannte. Mir gefiel es, diese Mal aus einer anderen Sicht zu betrachten, aber ich halte "Biss zum ersten Sonnenstrahl" nicht unbedingt für ein Must-Read. Vermutlich werde ich dieses Buch auch relativ schnell wieder vergessen haben, da ich emotional keine echte Beziehung zu Bree aufbauen konnte. Dabei steckt in ihr - wie Stephenie Meyer es auch erkannt hat - sehr viel Potenzial!


Als großer Fan der Twilight-Saga muss ich sagen, dass dieser Blickwinkel zwar interessant ist, man das Buch aber nicht unbedingt als Ergänzung braucht ...

Ich vergebe 3 von 5.

Dienstag, 5. Mai 2026

[Rezension] Schreie in der Nacht - Nancy Price

 


 Titel: Schreie in der Nacht

Autor:  Nancy Price

Genre: Roman, Thriller

Erscheinungsjahr: 1991

Seitenzahl: 432
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 08.04.2026
Beendet: 10.04.2026


Sara leidet schon lange unter ihrem gewalttätigen Mann Martin und beschließt, ihn endlich zu verlassen und eine bereits lange geplante Flucht in die Tat umzusetzen. Martin denkt, sie wäre ertrunken und sie beginnt unter einem anderen Namen ein ganz neues Leben. Doch Martin will sie nicht so leicht davonkommen lassen ...

"Schreie in der Nacht" besitzt einen einfachen Stil, der manchmal auch etwas holprig wirkt. Der Einstieg ins Buch ist interessant, denn wir begleiten Sara bei der Flucht und erleben auch Martin, der ihren Tod nicht so recht akzeptieren kann. Leider würzt die Autorin alles mit viel zu vielen Nebensächlichkeiten. Beispielsweise schnappt Sara auf ihrer Flucht erst mal sämtliche unwichtigen Gespräche im Bus auf. Spannender wäre es gewesen, mal Saras Innenleben zu durchleuchten.

Als Frau konnte ich mit Sara natürlich mitfiebern, auch wenn sie recht eindimensional bleibt und sich leider nach ihrer Flucht gleich in die nächste Beziehung mit einem Mann stürzt, der bei sehr viel Unbehagen ausgelöst hat. Ben scheint ähnlich wie Martin Sara nur als Objekt zu sehen. Mir wurde manchmal echt übel, wenn er von ihrem Körper träumte oder von Hass sprach, als sie ihn anfangs nicht an sich heranlassen wollte. Ich verstehe ehrlich gesagt die Botschaft hinter dieser neuen Beziehung nicht so recht. Soll dies symbolisieren, dass Sara denselben Fehler noch einmal tut? Oder war es für die damalige Zeit wirklich, Frauen als reine Objekte und als brave Hausfrauen zu betrachten?

Zum Ende hin wird das Buch zumindest spannend, denn Martin spürt Sara natürlich auf. Besonders viele Wendungen oder Überraschungen weißt das Buch allerdings nicht auf. Ich kann mir vorstellen, dass die Verfilmung hier auch deutlich gelungener ist. Dem Buch fehlt es gerade bei diesem wichtigen Thema leider an Sensibilität und Tiefgang!


"Schreie in der Nacht" schneidet ein für viele Frauen sehr wichtiges Thema leider nur oberflächlich an und skizziert Männer, die in Frauen nur Objekte sehen sowie Frauen, die dies einfach akzeptieren ...

Ich vergebe 2 von 5.

Sonntag, 3. Mai 2026

[Rezension] Roman eines Schicksallosen - Imre Kertész

 


 Titel: Roman eines Schicksallosen

Autor:  Imre Kertész

Genre: Roman 

Erscheinungsjahr: 2002

Seitenzahl: 288
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 07.04.2026
Beendet: 09.04.2026


Immer wieder lese ich Bücher über die wohl düsterste Zeit unserer Geschichte, denn gewisse Taten dürfen nicht in Vergessenheit geraten. So stieß ich nun auf ein Buch von Imre Kertész, einem Holocaus-Überlebenen, der sogar den Nobelpreis für Literatur erhielt.

"Roman eines Schicksallosen" erzählt von dem 15-jährigen György, der aus Ungarn nach Deutschland deportiert wird und dort sowohl Ausschwitz als auch Buchenwald überlebt. Beinahe emotionslos berichtet der Junge, wie seine Tagesabläufe aussehen und was er alles beobachtet. Dabei passt er sich den neuen Regeln und Vorschriften an, die er weder hinterfragt noch beurteilt.

Ich muss leider ehrlicherweise sagen, dass ich mich sehr schwer mit der Sprache dieses Romans getan habe. Lange verschachtelte Sätze und viel zu wenige Absätze erschwerten mir das Lesen leider sehr. Ich konnte zudem keine emotionale Verbindung zu dem Protagonisten herstellen.

Imre Kertész beschreibt alles sehr detailliert und bildhaft, aber gleichzeitig emotional sehr unterkühlt. Man weiß zu kaum einem Zeitpunkt wie es in dem Jungen aussieht. Dieser Stil ist sicherlich bewusst so gewählt, denn der Roman besitzt autobiografische Anteile und da ist ein gewisser Schutz vor unschönen Erinnerungen oder zu viel Tiefe sicherlich angebracht. 

Auch wenn der Roman bei vielen sicherlich als literarisches Meisterwerk gilt, konnte er mich allerdings nicht so recht abholen. Gewisse Beobachtungen fand ich interessant und manchmal sogar beängstigend, doch bei mir war da eine zu große Distanz beim Lesen vorhanden.


Ein wichtiges Thema, das hier literarisch verarbeitet wird, mich aber leider nicht so recht erreichen konnte ...

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 1. Mai 2026

[Rezension] Mein. Du gehörst nur mir - Thomas Breitung

  


Titel: Mein. Du gehörst nur mir

Autor:  Thomas Breitung

Genre: Thriller 

Erscheinungsjahr: 2021

Seitenzahl: 352
Cover: © Piper
Begonnen: 06.04.2026
Beendet: 08.04.2026


Ich habe schon etliche Thriller über Stalking gelesen, doch kaum einer hat mich so schnell gefesselt wie "Mein - Du gehörst mir" von Thomas Breitung. Gleich auf den ersten Seiten erfahren wir, dass die Schriftstellerin Marie beim Joggen verfolgt wird und der Stalker total besessen von ihr ist. 

Marie ist sicherlich keine leichte Protagonistin. Sie lebt sehr abgeschieden, ist manchmal etwas überheblich und wird doch von vielen Zweifeln zerfressen. Als Autorin konnte ich mich mit ihr aber dennoch sehr gut identifizieren und mit ihr mitfiebern. Ich mochte die Einblicke in ihre Arbeit, ihre Gedanken und auch in ihre Vergangenheit.

Die Abschnitte aus der Sicht des Stalkers lassen die ganze Situation immer bedrohlicher wirken. Marie ist auf sich allein gestellt, lässt aber dennoch mehrere Männer in ihr Leben, die natürlich allesamt verdächtig erscheinen.

Für mich war dieses Buch seit langem mal wieder ein Thriller, der diesen Namen wirklich verdient und sowohl zu fesseln als auch zu überraschen weiß. Obwohl ich in dem Genre schon so viel gelesen habe, konnte mich das Ende doch überraschen. Den Täter hatte ich seltsamerweise tatsächlich nicht auf dem Schirm. So konnte ich dieses Buch im vollen Umfang genießen!


Ein spannender Stalking-Thriller mit einer interessanten Protagonisten und einer überraschenden Auflösung! 

Ich vergebe 5 von 5.