Montag, 16. Februar 2026

[Rezension] Süßer Mond: Die dunklen Wächter - Rachel Hawthorne

 


Titel: Süßer Mond: Die dunklen Wächter

Autor:  Rachel Hawthorne

Genre: Fantasy

Erscheinungsjahr: 2010

Seitenzahl: 256
Cover: © Goldmann
Begonnen: 26.01.2026
Beendet: 28.01.2026


Fantasybücher lese ich relativ selten, da mir oft der Zugang zu den Welten fehlt, doch da ich Werwölfe mag, musste ich dieses Buch - das natürlich der erste Teil einer Reihe ist - einfach einmal ausprobieren und was soll ich sagen? Mir hat das Buch, das sogar definitiv "Twilight"-Vibes besitzt, echt gut gefallen.

Die Geschichte ist einfach aufgebaut und der Stil schnörkellos und leicht. So ist man direkt in der Handlung drin, die sich um Kayla dreht, die den Sommer als "Sherpa" in einem Wald arbeitet. Über die Bezeichnung "Sherpa" für die Jugendlichen, die hier als Wildnisführer arbeiten, bin ich anfangs erst mal gestolpert, kam sie mir doch etwas deplatziert vor. Ich fand die Idee hinter diesem Job aber ganz passend.

Kayla kehrt auf diese Weise in den Wald zurück, in dem ihre Eltern einst ums Leben kam und fühlt sich sofort zu Lucas hingezogen. Da sie ihn jedoch für unerreichbar hält, fängt sie etwas mit einem anderen Jungen an. Das Werwolfs- beziehungsweise Gestaltwandler-Thema wird hier sehr interessant eingebaut und es gibt auch einige kleinere Überraschungen. Zudem kommt die Geschichte ganz ohne Kitsch aus, besitzt aber dennoch starke Momente zwischen den beiden Protagonisten. Ich bin positiv überrascht von diesem Reihenauftakt und dieser beschriebenen Welt. Die Fortsetzungen würde ich tatsächlich lesen, wenn sie mir in die Hände fallen!


Ein einfach aufgebaute Werwolfsgeschichte mit "Twilight"-Vibes, die auf jeden Fall zu unterhalten weiß und mich positiv überrascht hat! 
 
Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 14. Februar 2026

[Rezension] Vielleicht morgen - Guillaume Musso

 


 Titel: Vielleicht morgen

Autor:  Guillaume Musso

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2015

Seitenzahl: 480
Cover: © Piper
Begonnen: 6.01.2026


Wer Guillaume Musso kennt, weiß, dass sich seine Bücher meistens in eine echte abgedrehte Richtung entwickeln. Darauf war ich auch bei diesem Roman, der sich auf den ersten hundert Seiten wie ein süßer Liebesroman liest, auf jeden Fall vorbereitet. Matt, der vor einem Jahr seine Frau bei einem tragischen Unfall verloren hat, kauft auf dem Flohmarkt einen alten Laptop. Über diesen kann er mit Emma kommunizieren - weiß jedoch noch nicht, dass Emma im Jahr 2010 lebt, er selbst aber im Jahr 2011 ...

Die Idee rund um zwei Menschen, die in unterschiedlichen Zeiten leben, ist sicherlich nicht neu, kann mich aber immer wieder gut unterhalten. Matt und Emma sind auch zwei sympathische Protagonisten, denn beide sind gerade in einem Punkt angekommen, an dem sie zu kämpfen haben. Matt muss mit dem Tod seiner Frau klarkommen und Emma mit ihrer Einsamkeit. Als Emma dann Matt kennenlernet, erkennt sie, was für eine Art Leben sie gerne führen würde.

Ab einem gewissen Punkt wird die Geschichte wieder einmal echt verrückt und wendet sich dann in eine Richtung, die man unmöglich kommen sehen kann. Ich finde Guillaume Mussos Bücher immer sehr mutig und sehr kreativ, doch leider oftmals auch eine Spur zu überdreht. Auch dieses Werk weiß zu unterhalten, war mir aber oft etwas "zu viel", gerade auch, weil es sich am Ende fast wie ein Actionthriller anfühlte. Unterhaltsam war der Roman auf jeden Fall, etwas weniger wäre hier aber mal wieder mehr gewesen.

Ein Buch, das sich anfangs wie ein Liebesroman liest, dann aber eine ganz neue Richtung einschlägt. Mir gefällt Mussos Kreativität, aber leider übertreibt er auch hier wieder ein klein wenig zu sehr ... 

Ich vergebe 4 von 5.

Donnerstag, 12. Februar 2026

[Rezension] Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla - Håkan Nesser

  


Titel: Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla 

Autor:  Håkan Nesser

Genre: Roman, Krimi

Erscheinungsjahr: 2005

Seitenzahl: 336
Cover: © btb
Begonnen: 23.01.2026
Beendet: 27.01.2026

Mir gefallen jene Romane von Håkan Nesser, die ohne Ermittler auskommen und die den Leser einfach nur in die Gedankenwelt der Charaktere entführen. Solch ein Roman ist "Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla", der sogar ein wenig dem grandiosen Werk "Kim Novak badete nie im See von Genezareth" ähnelt. Einige Details werden hier sogar erwähnt.

Es beginnt sehr ruhig und subtil mit der Erzählung eines Jungen namens Mauritz, der sich im Jahr 1967 mitten in der Pubertät befand, auf englische Musik abfährt und sich zum ersten Mal verliebt. Erst einmal bleibt unklar, was passieren wird, wir folgen einfach nur einem Teenager, der die Welt entdeckt. Doch dann stört ein Mord sein Erwachsenwerden und die Idylle in dem verschlafenen Ort. Das Opfer ist ausrechnet der Vater von Signhild, seiner ersten großen Liebe.

So ruhig und harmlos die ersten Seiten auch erscheinen mögen, so düster und abgründig wird es nach dem Mord. Mauritz sieht viel, hört eine Menge, aber versteht gewisse Dinge nicht. So ist er zu geblendet von seiner ersten  großen Liebe, um de Wahrheit wirklich näher zu kommen. Mir gefiel die Tiefe dieses Romans und auch das Ende, das letztendlich sehr schön zeigt, welche Kreise das Leben manchmal zieht. Für mich war dies endlich mal wieder ein richtig starker Roman von Nesser.


Ein Junge, der gerade dabei ist erwachsen zu werden, muss dies in den Schatten eines Mordes tun. Ein starker Roman mit Tiefgang

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 10. Februar 2026

[Rezension] Primrose Hill - Helen Falconer


 Titel: Primrose Hill

Autor:  Helen Falconer

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 1999

Seitenzahl: 256
Cover: © Goldmann
Begonnen: 20.01.2026
Beendet: 22.01.2026


Was habe ich da gerade für ein Buch gelesen? Genau das habe ich mich nach der Lektüre von "Primrose Hill" gefragt, denn die Geschichte, in der drei Teenager einen Mord planen und dann im absoluten Chaos landen, ist extrem, schonungslos und unfassbar bizarr.

Das Geschehen erfahren wir aus der jugendlichen Sicht von Si, der gerade alle Hände damit zu tun hat, seinen besten Freund Danny von einer großen Dummheit abzuhalten. Dannys Mutter wird nämlich von ihrem neuen Freund geschlagen und als sie dabei auch noch ihr Kind verliert, will Danny den Kerl töten. Als dann auch noch Eleanor auftaucht ist das Chaostrio komplett und alles geht den Bach herunter.

Eleanor ist ein echter extremer und damit auch sehr schwieriger Charakter. Nicht nur was ihre Stimmungsschwankungen anbelangt, sondern auch von ihren Aussagen her. Ich vermute bei ihr, dass sie eine Borderline-Persönlichkeitsstörung besitzt. Si kennt sie erst seit kurzem, dennoch schockt sie ihn mit Wahrheiten, die auch Lügen sein könnten.

Ich habe nicht erwartet, so eine krasse Story erleben zu dürfen, in der unfassbar tiefgründige und auch sehr schmerzhafte Themen behandelt werden und gnadenlos aufgezeichnet wird, wie schwer es, erwachsen zu werden und "richtige" Entscheidungen zu treffen. Gerade Si, der eigentlich alle davon abhalten will, Grenzen zu überschreiten, weiß irgendwann nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Für mich war "Primrose Hill" ein sehr bizarrer, abgedrehter und unerwartet tiefgründiger Roman!


Schonungslos und sehr extrem erzählt die Autorin von drei Teenagern, die sich ins Chaos stürzen und dabei auf schmerzhafte Weise lernen, wie schwer es ist, erwachsen zu werden!

Ich vergebe 5 von 5.

Sonntag, 8. Februar 2026

[Rezension] Die Verlassene - Mary Torjussen


Titel: 
Die Verlassene

Autor:  Mary Torjussen

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2017

Seitenzahl: 416
Cover: © Blanvalet
Begonnen: 19.01.2026
Beendet: 21.01.2026


Hannah kehrt nach Hause zurück und muss feststellen, dass ihr Freund Matt verschwunden ist. Er hat nicht nur all seine Sachen mitgenommen, sondern auch alle Bilder auf ihrem Handy gelöscht und ist auch im Internet nicht mehr auffindbar. Hannah ist felsenfest davon überzeugt, dass Matt sie niemals verlassen hätte und als sie dann Hinweise darauf findet, dass er immer noch in ihr Haus zurückkehrt, beginnt sie nachzuforschen ...

"Die Verlassene" besitzt einen sehr ruhigen Schreibstil. Alles beginnt mit Matts rätselhaftem Verschwinden und den vielen kleinen Hinweisen, die Hannah schließlich entdeckt und an die sie sich voller Hoffnung klammert. Sie will sich nicht eingestehen, dass Matt sie eventuell freiwillig verlassen hat und sie will ihn auch nicht aufgeben.

Viel passiert in der ersten Hälfte des Buches nicht und es gibt einige Längen, besonders was Hannahs langweiligen Joballtag betrifft. Dennoch wollte ich unbedingt wissen, was nun hinter dem mysteriösen Verschwinden steckt. Das Ende ist dabei wirklich sehr stark, übertaschend und böse. Hier baut die Autorin auch noch ein unfassbar wichtiges Thema ein!


Trotz des ruhigen Einstiegs wollte ich unbedingt wissen, was hinter Matts rätselhaftem Verschwinden versteckt. Ich wurde tatsächlich mit einem starken Ende belohnt!

Ich vergebe 4 von 5.

Freitag, 6. Februar 2026

[Rezension] Ein Winter ohne Schnee - Fanny Morweiser

 


Titel: Ein Winter ohne Schnee

Autor:  Fanny Morweiser

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 1989

Seitenzahl: 156
Cover: © Diogenes
Begonnen: 16.01.2026
Beendet: 19.01.2026


2020 habe ich mit "Ein Sommer in Davids Haus" mein allererstes Buch von Fanny Morweiser gelesen und war beeindruckt. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, in eine Gedankenwelt einzudringen, die mit der Realität kaum noch etwas zu tun hat. Ähnlich hat sich nun auch "Ein Winter ohne Schnee" angefühlt.

Das Buch spielt in einem abgelegenen Dorf. Leo kommt zu seinem Onkel, der Pfarrer ist, um sich dort nach einem Sturz von einem Baum zu erholen. Schnell erfährt er, dass es ein verfluchtes Dorf und einen von Mönchen eingegrabenen Schatz geben soll.

Auf gerade einmal 156 Seiten erzählt Fanny Morweiser hier eine recht verwirrende Geschichte (oder doch ein Märchen?) aus sehr vielen verschiedenen Sichten. Obwohl Leo anfangs wie der Protagonist wirkt, steht er bald nicht im mehr im Mittelpunkt. Ab einem gewissen Punkt wusste ich zudem gar nicht mehr, was hier erzählt werden soll. Fantasie und Wahrheit verschmelzen miteinander und es entsteht eine seltsame Aneinanderreihung von Geschehnissen, die für meinen Geschmack zu schnell ablaufen.

Fanny Morweiser besitzt einen außergewöhnlichen Stil, den man entweder mag oder gar nichts mit anfangen kann. Alles wirkt sehr verworren und ich muss leider sagen, dass ich auf den letzten Seiten des kurzen Romans recht verwirrt zurück geblieben bin. Ein einzigartiges, aber auch eigenartiges Werk, das sich mir nicht ganz erschlossen hat.


Fanny Morweiser ist definitiv eine der außergewöhnlichsten Autorinnen, die ich jemals entdeckt habe. Hier ließ sie mich aber eine Spur zu verwirrt zurück ...

Ich vergebe 3 von 5.

Mittwoch, 4. Februar 2026

[Rezension] Atlantis - Stephen King


Titel: 
Atlantis

Autor:  Stephen King

Genre: Kurzgeschichten, Novellen

Erscheinungsjahr: 2001

Seitenzahl: 624
Cover: © Heyne
Begonnen: 15.01.2026
Beendet: 20.01.2026


"Atlantis" ist wohl das reifste Werk von Stephen King, in dem es einmal nicht um ein klassisches Horrorszenario geht, sondern der Schmerz des Erwachsenwerden beschrieben wird. Alle fünf hier gesammelten Novellen befassen sich dabei mit dem Vietnamkrieg, der dunkle und gefräßige Schatten wirft und sich nicht mehr ignorieren lässt.

Das Herz dieser fünf Novellen bildet meiner Meinung nach die erste und auch längste Geschichte. Auf knapp 300 Seiten wird in "Niedere Männer in gelben Anzügen" von Bobby erzählt, der im Jahre 1960 seinen elften Geburtstag feiert und dann Freundschaft mit dem neuen Mieter Ted schließt. Bobby verliebt sich, erfährt von geheimnisvollen, unheimlichen Botschaften und muss schließlich auf sehr schmerzhafte Weise erwachsen werden. Passend sind hier besonders die Anspielungen an William Goldings "Herr der Fliegen", denn in dieser Geschichte geht es erst einmal um eine ganz andere Art des Krieges, die wohl jeder Heranwachsende kennt.

"Herzen in Atlantis" entführt schließlich ins Jahr 1966 und an ein College, auf dem Pete Riley mit anderen Studenten dem Kartenspiel "Hearts" verfällt. Ich musste mich hier erst einmal mit dem Spiel vertraut machen, fand dann aber die Symbolik dieser Geschichte unfassbar stark. Während sich die erste Widerstandsbewegungen formieren, fliehen die Studenten in die Welt des Spieles und vernachlässigen dabei ihre eigene Zukunft, die eh im Ungewissen liegt. 

In "Blind Willie" sind im Jahre 1983 die Nachwirkungen des Krieges zu spüren. Bill, der auch in der ersten Novelle schon eine Rolle spielte, trägt den Vietnamkrieg mit sich herum, indem er sich in den blinden Willie verwandelt und Geld erbettelt, das er im Anschluss spendet. Eine unfassbar nachhallende Geschichte über eine Schuld, die niemals verschwindet.

Die beiden letzten und recht kurzen Geschichten katapultieren ins Jahr 1999 und schließen den Kreis, denn wir erfahren vom Ende eines Charakters und vom Widersehen anderer. Auch hier gibt es viele Metaphern und eine wunderballe Symbolik, die zeigt, dass die Vergangenheit einem unter sich begräbt, wenn man nicht irgendwie Frieden mit ihr schließt. Auch die Anspielungen an den "dunklen Turm" haben mir hier sehr gefallen und ich kann abschließend nur sagen, dass ich in "Atlantis" wieder ein großes Highlight gefunden habe. 


Der Schmerz des Heranwachsens, die Schatten des Vietnamkrieges und Menschen, deren Leben eine ganz neue Richtung bekommt. Kings reifstes und sicherlich auch tiefgründigstes Werk, das nachhallt und für mich ein echtes Highlight darstellt!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.