Montag, 26. September 2022

[Rezension] Kopfloser Sommer - Erling Jepsen

 


Titel: Kopfloser Sommer

Autor:  Erling Jepsen

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenzahl: 286
Cover: © Suhrkamp

Begonnen: 28.08.2022
Beendet: 31.08.2022



Nach der Scheidung ihrer Eltern zieht Emilie mit ihrem Bruder Jacob und ihrer Mutter aufs Land. Eines Abends taucht ein junger Mann namens Anders auf, der behauptet, selbst einmal in diesem Haus gelebt zu haben. Anders nistet sich plötzlich in der Familie ein, verdreht sowohl Emilie als auch der Mutter den Kopf und hat ein düsteres Geheimnis, das die Familie endgültig zerstören könnte ...




Schon allein der Titel "Kopfloser Sommer" hat mich neugierig auf dieses Buch gemacht. Zu Beginn stellt Emilie eine unheimliche Collage mit kopflosen Menschen und Tieren. Sie ahnt nicht, wie sehr dieses Bild ihren jüngeren Brüder verstören und wie wichtig es in diesem Sommer noch werden soll.

Die Geschichte rund um Anders, der plötzlich einfach da ist und sich in die Familie drängt, wirkt von Anfang an sehr mysteriös. Er nähert sich sowohl der Mutter als auch der Tochter, die gerade einmal 14 Jahre alt ist, an und alles bleibt in seinem seltsamen Verhalten lange Zeit sehr undurchsichtig. 




In diesem Buch geht es um Kinder, die mit der Scheidung ihrer Eltern klarkommen müssen und um um das Entdecken der ersten Sexualität. Der Autor lässt Emilie erwachsen werden und zeigt ihr gleichzeitig, wie grausam das Leben sein kann. 

Ab einem gewissen Punkt wird die Geschichte schlagartig allerdings sehr bizarr, verstörend und unfassbar brutal, was ich in der Form nicht erwartet hätte. Das letzte Drittel hält einige Wendungen und Überraschungen bereit, doch vieles davon kam mir eine Spur zu unpassend und realitätsfern vor. Manchmal hatte ich tatsächlich selbst das Gefühl den Kopf zu verlieren und ich habe mich dauernd gefragt, ob der Autor das wirklich alles ernst meint. Und ja, das tut er und dadurch wird mir "Kopfloser Sommer" wohl noch lange im Gedächtnis bleiben.


Was, wenn sich Mutter und Tochter in den gleichen rätselhaften Typen Verlieben? Und was, wenn dieser ein düsteres Geheimnis hat? Mich hat "Kopfloser Sommer" aufgrund der Brutalität am Ende definitiv überrascht und verstört, auch wenn mir die Geschichte ab einem gewissen Punkt doch zu realitätsfern vorkam ...

Ich vergebe 4 von 5.






Samstag, 24. September 2022

[Rezension] Das Licht in einem dunklen Haus - Jan Costin Wagner


 Titel: Das Licht in einem dunklen Haus

Autor:  Jan Costin Wagner

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl: 320
Cover: © Goldmann

Begonnen: 26.08.2022
Beendet: 30.08.2022



Es beginnt mit einem Mord an einer namenlosen Komapatientin. Außer den  Tränen des Mörders finden die Ermittler keinerlei Spuren. Weitere Morde geschehen, während ein Tagebuch dem Leser von einem tragischen Sommer im Jahre 1985 berichtet ...




Jan Costin Wagner war für mich eine große Entdeckung und so war ich froh, nun innerhalb weniger Monate direkt mein drittes Werk von ihm lesen zu dürfen. Sofort hat mich die vorherrschende Melancholie wieder in die Tiefe gezogen und mich mit einem äußerst vielschichtigen Fall konfrontiert.



Eine Komapatientin, die eh bald sterben würde, ein Tagbuch, das eine bittere Geschichte aus der Jugend eines Jungen aufarbegitet und weitere Morde, die drauf schließen lassen, dass jemand Rache möchte. Mir gefällt es, wie sich bei den Büchern des Autors erst nach und nach alles zusammensetzt und ein großes, sehr erschreckendes Bild erzeugt wird.

Kimmo Joeentaa ist einer der wenigen Ermittler, die ich wirklich ins Herz geschlossen habe. Er ist sehr eigen, hat auch hier wieder mit eigenen Problemen zu kämpfen und verliert doch nie das Wesentliche aus den Augen. "Das Licht in einem dunklen Haus" ist eine Mischung aus einem Why- und einem Whodunnit-Krimi, denn es geht so wohl darum, die genauen Hintergründe der Tat zu verstehen als auch als große Überraschung dann den Mörder präsentiert zu bekommen. Das Ende selbst habe ich so nicht erwartet und ich freue mich schon jetzt auf weitere Bücher dieses sehr originellen und unfassbar talentierten Schriftstellers.



Auch mit seinem dritten Buch konnte mich Jan Costin Wagner mich wieder in den Bann ziehen und gleichzeitig in viele tiefe Abgründe schubsen. Für mich war der Autor in diesem Jahr eine große Entdeckung!

Ich vergebe 5 von 5.





Donnerstag, 22. September 2022

[Rezension] Das war im letzten Sommer - Evan Hunter

 


Titel: Das war im letzten Sommer

Autor:  Evan Hunter

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1990
Seitenzahl: 270
Cover: © Knaur

Begonnen: 24.08.2022
Beendet: 27.08.2022



Die beiden Freunde Peter und David lernen am Strand die schöne und sehr selbstbewusste Sandy kennen, die dort gerade versucht, eine verletzte Möwe zu retten. Es entsteht eine Freundschaft, die allerdings von Anfang an von sehr vielen verstörenden Momenten geprägt ist. Als die sehr unsichere Rhoda zu ihnen stößt, die gar nicht so recht zu ihnen passt, nähert sich der Sommer einem bitteren Ende ...




Passenderweise besteht das relativ kurze Buch aus zwei Teilen namens "Die Möwe" und "Rhoda", was bereits auf eine düstere Parallele hindeutet. Schließlich dressieren Peter, David und Sandy eine Möwe, legen ihr ein Halsband um und zwingen sie, all das zu tun, was sie wollen. Dasselbe verlangen sie schließlich auch von Rhoda, die allerdings nicht zu den dreien zu passen scheint.

Aus der Sicht des etwas dümmlichen Peter, der hier um Grunde nur ein Mitläufer ist, erzeugt der Autor hier eine bitterböse Geschichte einer zerstörerischen Freundschaft. Sympathisch ist in diesem Buch kein einziger Charakter. Sandy spielt mit ihren Reizen, Peter ist naiv und weiß nicht, was er überhaupt wild und David wirkt stets etwas unbeteiligt. Dieses Dreiergespann entdeckt nun gemeinsam ihre Sexualität, aber auch die Macht, die sie als Verbündete besitzen.




Obwohl ich mich anfangs etwas schwer mit dem Schreibstil und auch den teilweise zu langen Abschnitten getan habe, die gut und gerne ein paar Absätze oder auch Kapitelteilungen vertragen hätten, muss ich doch sagen, dass mir die unheilvollen Untertöne dieses Romans gefallen haben. Ich ahnte, dass sich alles auf ein sehr böses Ende zuspitzt, aber dennoch haben mich die letzten Seiten verstört und mir teilweise eine Gänsehaut über den Rücken laufen lassen!

Evan zeigt anhand einer zerstörerischen Freundschaft in "Das war im letzten Sommer" wie leicht sich Menschen manipulieren lassen. Ein bitterer Roman, der vom Schreibstil zwar etwas eingestaubt wirkt, aber ein sehr verstörendes Ende besitzt!

Ich vergebe 4 von 5.






Dienstag, 20. September 2022

[Rezension] 84, Charing Cross Road - Eine Freundschaft in Briefen - Helene Hanff

 


Titel: 84, Charing Cross Road, Eine Freundschaft in Briefen

Autor:  Helene Hanff

Genre: Brief-Roman
Erscheinungsjahr: 2004
Seitenzahl: 160
Cover: © btb

Begonnen: 23.08.2022
Beendet: 24.08.2022



Die mittellose, amerikanische Autorin Helene Hanff und der zurückhaltende,  englische Antiquar Frank Doel beginnen im Jahre 1949 einen Briefwechsel, der zwanzig Jahre bestehen und sie beide, sowie all die anderen Mitarbeiter der Buchhandlung "Marks & Co" zu Freunden machen soll.

"84, Charing Cross Road" ist für mich ein wiederentdeckter Schatz, denn das Buch habe ich sicherlich vor 15 Jahren schon einmal aus der Bibliothek ausgeliehen und es am Stück verschlungen. Nun durfte ich dieses sehr dünne Buch noch einmal lesen und wieder hat es mich sofort in den Bann gezogen.



In zahlreichen Briefen, die Helene und Frank tatsächlich ausgetauscht haben, geht es um Literatur, die Nachkriegszeit und das Leben. Es ist Helene, die mit ihrer frechen Art den schüchternen Frank schließlich dazu bringt, mehr über sich preiszugeben. So entwickelt sich zwischen ihnen eine wundervolle und auch sehr beständige Freundschaft.

Die Geschichte von Frank, Helene und der ganzen Buchhandlung zeigt sehr schön, wie einfach es ist, auch über eine solch große Distanz eine tiefgründige Freundschaft aufzubauen und diese viele Jahre am Leben zu erhalten. "84, Charing Cross Road" beschreibt auf sehr charmante Weise wie Bücher Menschen miteinander verbinden können und wie geistreich eine Freundschaft ist, die nicht von irgendwelchen Oberflächlichkeiten abhängt! Für mich ein wahrer Buchschatz und solch ein Werk, das ich sicherlich noch ein dutzend Mal lesen könnte!


Der wundervolle Briefwechsel der amerikanischen Autorin Helene Hanff mit dem schüchternen Antiquar Frank Doel zeichnet auf, wie Bücher Menschen verbindet und sie zu echten Freunden macht. Ein Highlight!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.






Sonntag, 18. September 2022

[Rezension] Percy Jackson - Diebe im Olymp - Rick Riordan

 


Titel: Percy Jackson - Diebe im Olymp

Autor:  Rick Riordan

Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 448
Cover: © Bastei Lübbe

Begonnen: 22.08.2022
Beendet: 25.08.2022



Percy macht dauernd Probleme und fliegt jedes Jahr von einer Schule. Er versteht selbst nicht, wieso es ihm nicht gelingt, so wie andere Teenager zu sein. Dann kommt er plötzlich ins Half-Blood-Camp und erfährt, dass er der Sohn eines Gottes ist und deshalb in großer Gefahr schwebt.

Endlich habe ich den ersten Teil dieser Reihe in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckt und so durfte ich Percy Jackson nun auch endlich kennenlernen.



Sehr jugendlich und mit einer guten Prise Humor erstreckt sich hier eine sehr abenteuerliche Geschichte, in die der Autor perfekt alte Göttersagen einbaut. Von Anfang an mochte ich Percy, der hier erst mal damit klarkommen muss, welch große Last auf seinen jungen Schultern ruht, sehr gerne. Percy als Sohn des Poseidon muss es hier mit verschiedenen Kreaturen und Göttern aufnehmen. Gleichzeitig reist er durch Amerika, den Ort, an dem sich der Olymp gerade befindet.




Ähnlich wie in "Harry Potter" geht es auch hier um viele kleine und große Abenteuer, die ein jugendlicher Held erlebt und an denen er schließlich wächst. Nebenbei schließt Percy hier auch noch tolle Freundschaften und findet einen Ort mit Gleichgesinnten.

Das Lesen dieses ersten Bandes war schon etwas Besonderes und ich wünschte, ich hätte die Geschichte schon früher kennengelernt. Ich denke, gerade als Jugendlicher liest und erlebt man sie doch noch einmal ganz anders. Ich bin auf jeden Fall auf weitere Abenteuer mit Percy Jackson gespannt und kann diesen Auftakt nur jedem ans Herz legen, der ihn bisher ebenfalls noch versäumt hat zu lesen.

Der Auftaktband dieser beliebten Jugendbuchreihe hat mich auch als erwachsener Leser direkt in den Bann ziehen können. Ein grandioses Abenteuer rund um alte Götterspeise und mutige Helden.

Ich vergebe 5 von 5.






Freitag, 16. September 2022

[Rezension] Der Kuss der Schlange - Jonathan Nasaw

 


Titel: Der Kuss der Schlange

Autor:  Jonathan Nasaw

Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 448
Cover: © Heyne

Begonnen: 17.08.2022
Beendet: 22.08.2022



Lily wurde als Kind von ihren Eltern missbraucht und flüchtet sich deshalb immer wieder in andere Persönlichkeiten. In einer Klinik lernt sie den Serienmörder Ulysses Maxwell kennen, der angeblich geheilt ist und dem nun bald der Prozess gemacht werden soll. Gemeinsam fliehen sie und hinterlassen eine Spur aus Blut ...

Multiple Persönlichkeiten bieten gerade im Thrillerbereich viele Möglichkeiten. So ist auch hier die Ausgangslage gelungen, geht es doch um zwei Patienten, die sich schließlich aneinanderklammern und sich gegenseitig in den Abgrund ziehen. Lily wird zu der selbstbewussten und unberechenbaren Lilith und Ulysses Maxwell, der als Lyssy eigentlich ein ganz lieber Kerl ist, hat mit Max ebenfalls eine sehr zerstörerische Seite in sich. Doch leider besteht das Buch im Grunde nur aus der Flucht, die immer wieder unterbrochen wird, wenn sich die Psychologin oder der Polizist annähern.



"Der Kuss der Schlange" ist von Anfang an sehr hart und versucht so oft wie nur möglich zu schocken. Obwohl auf dem Cover etwas von den "erschreckenden Einsichten in den Kopf eines Serienkillers" steht,  bleibt das Buch doch lange Zeit recht oberflächlich und die beiden Charaktere sind mit ihren Persönlichkeiten entweder schwarz oder weiß. Zwischentöne gibt es kaum. 

Eventuell habe ich hier aber auch zu viel erwartet, denn spannend ist der Thriller durchaus und er weiß über lange Strecken gut zu unterhalten. Allerdings war die Flucht beziehungsweise die Jagd für mich viel zu füllend. Ich hätte mir mehr Momete zwischen den beiden sowie tiefere Einblicke in ihre Psyche gewünscht.

"Der Kuss der Schlange" ist ein spannungsgeladener Thriller, der mir allerdings zu wenige Einblicke in die Psyche der beiden Protagonisten geliefert hat und in erster Linie durch eine gewisse Härte unterhalten und schocken will. Mir war das zu wenig ...

Ich vergebe 3 von 5.






Mittwoch, 14. September 2022

[Rezension] Das Lächeln der Fortuna - Rebecca Gablé

 


Titel: Das Lächeln der Fortuna

Autor:  Rebecca Gablé

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1997
Seitenzahl: 1200
Cover: © Bastei Lübbe

Begonnen: 14.08.2022
Beendet: 23.08.2022



Robin, der Sohn des Earl of Waringham, erfährt in der Klosterschule nicht nur vom Tod seines Vaters sondern auch davon, dass dieser Hochverrat begangen haben soll und deswegen sämtliche Besitztümer verloren hat. Robin muss sich nun ohne Titel einen Platz in dieser Welt erarbeiten ...

Nachdem ich vor gar nicht allzu langer Zeit die "Jonah"-Reihe von Rebecca Gablé als Hörspiel gehört habe und sehr mochte, fiel mir dieser Wälzer in die Hände. Motiviert durch eine kleine Leserunde habe ich mich an die gut 1200 Seiten herangewagt und konnte so das Mittelalter von 1360 bis 1399 erleben.



Robin ist ein sehr weltoffener und für die damalige Zeit sicherlich sehr ungewöhnlicher Mensch, der zudem einige besondere Fähigkeiten besitzt. Er muss sich von seiner Jugend an durchboxen und sich seinen Platz in dieser Welt erst einmal erarbeiten, doch es ist spürbar, dass es Fortuna stets gut mit ihm meint und er trotz vieler Hürden und Intrigen niemals wirklich vom Weg abkommt. Natürlich könnte man auch hier sagen, dass die Autorin stets ihre schützende Hand über ihren großen Helden hält.

In gewisser Weise ähnelt die "Jonah"-Geschichte dieser hier doch sehr. Vor der Kulisse einiger historischer Ereignisse zeichnet Rebecca Gablé hier einfach ein Leben mit Höhen und Tiefen auf. Es gibt einige Schicksalsschläge, aber die Hauptcharaktere werden von der Autorin (oder doch von Fortuna?) stets beschützt überleben die Aufstände, den Krieg und auch die Pest. Auch der große Widersacher Robins ist im Grunde machtlos gegen ihn.



Gablé besitzt einen sehr leichten Schreibstil und schafft es, dass dieses Buch trotz der hohen Seitenzahl nicht erschlagend wirkt. Ein paar Momente werden zwar zu sehr in die Länge gezogen während andere (besonders die ganzen kleinen und eigentlich sehr bedeutsamen Liebesgeschichten) eine Spur zu kurz kommen, aber dennoch weiß die Geschichte durch die vielen unterschiedlichen fiktiven aber auch historischen Persönlichkeiten zu unterhalten. Es war sicherlich nicht mein letztes Werk der Autorin!

Ein leicht zu lesender historischer Roman, der in eine mittelalterliche Welt voller Intrigen, Aufstände und Kriege entführt und den Weg eines jungen Mannes aufzeichnet, der trotz vieler Hürden und Rückschläge von Fortuna beschützt wird und schließlich seinen Platz in der Welt findet!

Ich vergebe 4 von 5.



Montag, 12. September 2022

[Rezension] Slam - Nick Hornby

 


Titel: Slam

Autor:  Nick Hornby

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenzahl: 368
Cover: © Knaur

Begonnen: 12.08.2022
Beendet: 17.08.2022



Sam, gerade einmal 15 Jahre alt, macht sich nicht allzu viele Gedanken über die Zukunft. Er fährt gerne Skateboard, redet mit seinem Tony Hawk-Poster und hat eine sehr junge Mutter, die immer für ihn da ist. Doch dann lernt er Alicia kennen, die kurze Zeit später, als er bereits das Interesse an ihr verloren hat, schwanger wird ...



Ich mag an den Büchern von Nick Hornby, dass stets ganze normale und alltägliche Situationen im Fokus stehen. So geht es in "Slam" um eine Teenagerschwangerschaft, die zu vielen Problemen führt. Sam selbst will sich erst einmal der Verantwortung entziehen, lernt dann aber, was es heißt, zu den eigenen Fehlern zu stehen.

Gewürzt mit dem typischen Hornby-Humor und der sehr jugendlichen Sprache ergibt sich hier ein sehr unterhaltsamer Roman, der sich mit dem Erwachsenwerden und besonders dem Erkennen der eigenen Fehler beschäftigt. Als sehr passend empfand ich Sams Reisen in die Zukunft. In dieser sieht er sich selbst als Vater und erkennt, an welchen Dingen er arbeiten muss und auf welche er eventuell selbst keinen Einfluss hat.



Sympathisch ist an diesem Buch, dass kaum ein Charakter perfekt ist. Alle machen Fehler - angefangen bei Sams Mutter bis hin zu Alicias Eltern - und das ist vollkommen in Ordnung. "Slam" ist ein toller Roman, der sich auf sehr charmante und ehrliche Weise mit einem schwierigen Thema auseinandersetzt und zeigt, dass es trotz zahlreicher Hürden möglich ist, einen Platz in dieser Welt zu finden.

Mich konnte dieser Roman, in dem eine ungewollte Teenager-Schwangerschaft im Fokus steht, unterhalten unf zum Nachdenken anregen. Ein tolles Werk, das sehr schön zeigt, dass es vollkommen in Ordnung ist, Fehler zu machen ...

Ich vergebe 5 von 5.






Samstag, 10. September 2022

[Rezension] Die Moortochter - Karen Dionne

 


Titel: Die Moortochter

Autor:  Karen Dionne

Genre: Psychothriller, Thriller
Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 384
Cover: © Goldmann

Begonnen: 10.08.2022
Beendet: 14.08.2022



Helene Pelletier wurde jahrelang mit ihrer Mutter in einer Blockhütte von ihrem Vater gefangen gehalten. Heute ist sie frei, lebt mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann allerdings noch immer im Moor. Als ihr Vater aus dem Hochsicherheitsgefängnis entkommt, weiß sie genau, dass er Jagd auf sie machen wird - und dass nur sie allein in der Lage ist, ihn aufzuhalten!




Von Anfang an baut die Autorin, die selbst lange vollkommen autark im Moor gelebt hat, eine wunderbare Atmosphäre auf, während wir Helene in der Gegenwart und auch in Form von einer rückblickenden Erzählung ihrer Kindheit kennenlernen. Die Abgeschiedenheit und auch die Bedrohlichkeit des Moores ist durchgehend zu spüren, nur an Spannung mangelt es diesem Buch leider in beiden Strängen.

Es ist durchaus interessant, Helenes Vorgeschichte zu erfahren, wäre da nicht ein Problem: Der Leser weiß von Anfang an, wie es ausgeht. Die Einblicke in die Persönlichkeit und auch die Unberechenbarkeit des Vaters sind gelungen, aber ich hatte beim Lesen mehr Angst vor dem Moor als vor diesem "Psychopathen". Dies liegt sicherlich auch daran, dass auch Helene hin- und hergerissen ist. Es ist spürbar, dass sie ihren Vater zwar liebt, aber gleichzeitig auch abgrundtief hasst.



Ich würde "Die Moortochter" nicht direkt als Psychothriller bezeichnen, sondern eher als einen Roman, der sich mit dem Überleben in der Natur beschäftigt. Dies ist durchaus fesselnd und gut dargestellt, doch die Jagd nach dem Vater geht dadurch leider stark unter und das Ende ist nicht nur vorhersehbar sondern auch etwas lahm und einfach ...

"Die Moortochter" ist ein interessanter Einblick in das autarke Leben im Moor, war mir als Psychothriller aber nicht eindringlich und auch leider nicht spannend genug ...

Ich vergebe 3 von 5.