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Montag, 12. Oktober 2026

[Rezension] Die Rebellion der Maddie Freeman - Katie Kacvinsky

  


Titel: Die Rebellion der Maddie Freeman

Autor:  Katie Kacvinsky

Genre: Dystopie, Jugendroman

Erscheinungsjahr: 2013

Seitenzahl: 380
Cover: © Baumhaus
Begonnen: 08.09.2026
Beendet: 11.09.2026


Diesen ersten Teil einer Reihe hatte ich bereits in meiner Jugend als Hörbuch begonnen, aber nie beendet. Damals war ich großer Fan von Dystopien, fühlte mich aber regelrecht erschlagen von all den Reihen, die damals herauskamen. Wie ihr ja vermutlich schon mitbekommen habt, bin ich einfach kein Reihenleser. Dennoch habe ich diesen ersten Band aus einem Bücherschrank mitgenommen, denn ich finde die hier beschriebene Welt sehr interessant.

Maddie lebt in einer fast ausschließlich digitalen Welt. Online findet nicht nur der Unterricht statt, nein, sie trifft sich dort auch mit ihren Freunden und schafft Erinnerungen nur noch über den Bildschirm. Doch dann lernt sie Justin kennen, der sie zu einer Lerngruppe einlädt und ihr eine ganz neue Sicht auf die Offline-Welt ermöglicht. Bald ist sie jedoch gezwungen, sich zwischen ihrer Familie und dem Widerstand zu entscheiden ...

Katie Kacvinsky hat eine interessante Welt erschaffen. Ich muss allerdings sagen, dass dieses gesellige Leben in Cafés und Bars, das Maddie hier entdeckt, eh nie meins war, also konnte ich stellenweise nicht so recht mitfühlen. Ich hätte es vermutlich interessanter gefunden, wenn sie sich mehr in der Natur bewegt hätte. Ich bevorzuge eher ein einsames und zurückgezogenes Leben.

Dennoch hat es Spaß gemacht, hier mit Maddie aus der gewohnten digitalen Welt, zu der sie durch ihren Vater noch einmal einen besonders Bezug hat, auszubrechen. In gewisser Weise zeichnet sich in dieser Geschichte auch unsere aktuelle, stark von Handys abhängige Gesellschaft ab, in der die Menschen zwar unterwegs, aber irgendwie dennoch pausenlos erreichbar sind.

Die kleine Liebesgeschichte gefiel mir ebenfalls, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass die Beschreibung sämtlicher Charaktere etwas oberflächlich blieb. Für eine leichte Jugend-Dystopie ist das aber passend. Das Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, endet aber recht harmlos und ohne großen Cliffhanger. Sollte mir der zweite Teil irgendwann in die Hände fallen, werde ich ihm aber eine Chance geben! 


Eine interessante Welt, die unserer gar nicht so unähnlich ist und daher zum Nachdenken anregt. Das Buch unterhält auf jeden Fall, blieb mir in diesem ersten Band aber noch etwas zu harmlos.

Ich vergebe 4 von 5.

Dienstag, 6. Oktober 2026

[Rezension] Darüber reden - Julian Barnes

  


Titel: Darüber reden

Autor:  Julian Barnes 

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2002

Seitenzahl: 270
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 03.09.2026
Beendet: 07.09.2026


Im Jahre 2022 habe ich mit "Vom Ende einer Geschichte" mein erstes Buch von Julian Barnes gelesen, das sich auch als ein großes Highlight entpuppte. Etwas ernüchternd fand ich jedoch dann mein zweites Buch von ihm, nämlich "Die einzige Geschichte", denn das war für mich ein sehr einseitiger Einblick in eine Beziehung.
Nun konnte ich ein drittes Buch von ihm lesen und leider hat es mich erneut leider etwas enttäuscht.

Dabei ist die Erzählweise echt originell und hat mich abholen können, denn die drei Protagonisten, die hier so etwas wie eine Dreiecksbeziehung führen, sprechen den Leser direkt an als wären sie Teil eines Interviews. Das erschafft drei recht unterschiedliche Blickwinkel auf verschiedene Situationen. Später bekommen auch noch ein paar andere Charaktere eine Stimme, die einen Blick von außen auf das Dreiergespann werfen.

Die Story lässt sich recht einfach in einem Satz zusammenfassen: Stuart kommt mit Gillian zusammen, doch dann, am Tag seiner Hochzeit, verliebt sich Stuarts bester Freund Oliver in Gillian. Mit waren die Erzählstimmen von Stuart und Oliver zu ähnlich, manchmal hatte ich das Gefühl, die beiden wären ein und dieselbe Person. Es fiel mir manchmal schwer, sie auseinander zu halten. Leider war der Humor auch gar nicht meins, aber das liegt tatsächlich in erster Linie an mir, weil ich da echt schräg bin. Ich denke, das Buch lebt etwas von diesem typischen britischen Humor, mit dem ich noch nie etwas anfangen konnte.

Ich empfand die Charaktere leider als sehr anstrengend. Manchmal hätte ich sie gerne gepackt und durchgeschüttelt. Ich wusste auch nicht so recht, auf wessen Seite ich stehen sollte. Mir gefiel es nicht wirklich, dass alle nicht miteinander, sondern eben nur über einander geredet haben. So waren eigentlich alle Beziehungen und Freundschaften zum Scheitern verurteilt. Eventuell ging es Julian Barnes aber genau darum, dies aufzuzeigen ...


Obwohl ich die Erzählweise sehr originell fand, konnte mich die Geschichte dieser Dreiecksbeziehung nicht so recht abholen. Ich war viel zu oft genervt von den Charakteren und konnte mit dem Humor nur wenig anfangen.

Ich vergebe 3 von 5.

Sonntag, 4. Oktober 2026

[Rezension] Die Insel der nackten Frauen - Inger Frimansson

 


Titel: Die Insel der nackten Frauen

Autor:  Inger Frimansson

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2004

Seitenzahl: 379
Cover: © btb
Begonnen: 02.09.2026
Beendet: 04.09.2026


Im vergangenem Jahr habe ich Inger Frimansson durch "Die Katze, die nicht sterben wollte" für mich entdeckt. Der originelle Roman besaß Tiefgang und Atmosphäre. Nun durfte ich mein zweites Buch der Autorin lesen.

"Die Insel der nackten Frauen" handelt von dem Kriminalschriftsteller Tobias, der auf den Hof seines Vater zurückkehrt, um seiner Stiefmutter zur Hand zu gehen. Dabei fühlt er sich gleich zu Sabina hingezogen und irgendwann kann er sich leider nicht mehr zurückhalten. Allerdings werden die beiden beobachtet ...

Ich liebe Autoren als Protagonisten in Büchern eigentlich sehr, da ich mich gut mit ihnen identifizieren kann. Mit Tobias hatte ich von Anfang an aber Probleme, vor allem da er mir auf den ersten Seiten zu oft das Wort "normal" benutzt. Ich hatte bei ihm das Gefühl, dass er kein echter Künstler ist, der in der Lage ist, über den Tellerrand hinauszuschauen. Besonders Sabinas geistig behinderten Sohn verurteilt er - genau wie viele andere es in diesem Buch tun - sehr schnell.

Die Handlung nimmt erst Fahrt auf, als es zu einem Mord kommt. Inger Frimanssons Stil hat mir abermals gut gefallen und auch die Nebencharaktere wie Tobias Freundin und auch der Vater sind gut gezeichnet. Leider schafft es das Buch aber nicht so recht, Tiefgang zu entwickeln.

Auch die titelgebende Insel kommt nur am Anfang kurz vor, hat aber im Grunde überhaupt keinen Bezug zur Geschichte. Zum Ende hin gibt es zwar noch einige starke Momente, in denen die Abgründe in den Charakteren offensichtlich werden, aber vom Hocker reißen konnte mich dieses Buch leider nicht.


Mein zweites Buch von Inger Frimansson konnte mich leider nicht so sehr begeistern wie ihr erstes - was sicherlich an dem Hauotcharakter lag, der mir für einen Schriftsteller zu festgefahren war.

Ich vergebe 3 von 5.

Mittwoch, 30. September 2026

[Rezension] Das Mädchen im Nordwind - Karin Baldvinsson

 


Titel: Das Mädchen im Nordwind

Autor:  Karin Baldvinsson

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2021

Seitenzahl: 572
Cover: © Ullstein
Begonnen: 28.08.2026
Beendet: 03.09.2026


Es war für mich mal wieder an der Zeit für einen Roman über ein dunkles Familiengeheimnis. Mit "Das Mädchen im Nordwind" habe ich auch wieder eine echte Perle in diesem Genre entdeckt. 

Auf zwei Zeitebenen wird von zwei sehr unterschiedlichen Leben erzählt. Zum einen haben wir Sofie, die in der Gegenwart per "Work & Travel" nach Island kommt und dort in dem Haus, das sie renovieren soll, ein auf deutsch verfasstes Tagebuch findet, das sie direkt in den Bann zieht. In diesem Tagebuch hat die Jüdin Luise ihre ganze tragische Geschichte niedergeschrieben, die damit begann, dass sie sich im Jahre 1936 in einen Isländer verliebte. 

Obwohl ich schon etliche Bücher über die Zeit des zweiten Weltkrieges gelesen habe, hat mich die Geschichte von Luise und Jónas sehr bewegt, denn es ist klar, dass die Liebe der beiden in dieser Zeit keinem echten Platz findet. Als deutscher Schauplatz und damit als Heimat von Luise dient hier Lüneburg, eine Stadt, die ich gut kenne, da ich im Norden Deutschlands aufgewachsen wird. Die Autorin baut spannende historische Ereignisse ein und zeigt, wie das Leben in Deutschland immer schwieriger und irgendwann sogar lebensgefährlich wurde.

Es ist selten, dass ich in diesem Genre einmal beide Zeitebenen gleich stark fand, doch hier war dies tatsächlich einmal der Fall. Mir gefielen beide Liebesgeschichten, auch wenn in der Gegenwart natürlich kein Krieg herrscht und die Charaktere hier mit persönlichen Problemen zu kämpfen haben. Mich hat die gedankliche Reise nach Island sehr gefallen und die Geschichte hat mich sowohl unterhalten als auch berührt. Ich hoffe, noch einmal ein Buch der Autorin zu finden!



Ein starker und sehr bewegender Roman mit zwei sehr unterhaltsamen Liebesgeschichten!

Ich vergebe 5 von 5.

Montag, 28. September 2026

[Rezension] Das Hallenbad - Gabriele Wohmann

 


 Titel: Das Hallenbad

Autor:  Gabriele Wohmann

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2002

Seitenzahl: 190
Cover: © Piper
Begonnen: 25.08.2026
Beendet: 27.08.2026


"Das Hallenbad" von Gabriele Wohmann habe ich schon vor einigen Jahren aus einem Bücherschrank befreit. Nach dem Lesen des Klappentextes wusste ich nicht so recht, ob es sich um einen Jugendroman oder ein Buch für Erwachsene handelt. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich auch nach dem Lesen nicht genau weiß, an wen sich dieses Werk primär richtet.

Gabriele Wohmann besitzt auf jeden Fall einen einzigartigen Stil, der den Leser in die Gedankenwelt von Mona zerrt. Wie alt Mona ist, wird nicht gesagt, doch es wirkt, als stünde sie gerade kurz vor der Pubertät. Mona ist einauf jeden Fall eine interessante Protagonistin, die sich eine eigene Realität erschafft, in dem sie Geschichten erfindet. Kurzum kann man sagen, dass sie all ihre Mitschüler, ihre Eltern und auch ein wenig sich selbst beschwindelt, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So behauptet sie beispielsweise, dass sie in Amerika im Death Valley gelebt hat.

Monas Geschichten sind kreativ. Keine Frage. Ich konnte mich selbst ein wenig in ihr erkennen. Aber es ist teilweise auch sehr anstrengend, dass beinahe das gesamte Buch ein einziges Abdriften in ihre Fantasiewelt ist. Um dem Schwimmunterricht in der Schule zu entkommen, schreibt sie schließlich an einem Aufsatz, den niemand verlangt hat und der erklären soll, wieso sie nicht ins Wasser kann. Dieser Aufsatz nimmt einen großen Raum ein.

Obwohl es sich zentral sicherlich um das Hallenbad und Monas Angst davor drehen soll, fehlte mir der rote Faden. Zudem hat sich die Autorin entschieden, die direkte Rede nicht mit Anführungszeichen zu markieren, was ich in Büchern immer als recht anstrengend finde. Monas Gedanken driften immer und her, sind oft nicht greifbar und mir wurde beim Lesen daher oft schwindelig. "Das Hallenbad" ist in seiner Form und Erzählweise beeindruckend und einzigartig, aber ich glaube, ich war nicht das geeignete Publikum, weil ich das, was die Autorin ausdrücken wollte, nicht zu greifen bekam!



Die Geschichte eines Mädchens, das sich in ihre Fantasiewelt verzieht, ist auf der einen Seite sehr beeindruckend, doch leider konnte ich den Kern dieser Erzählung nicht erreichen!

Ich vergebe 3 von 5.

Mittwoch, 23. September 2026

[Rezension] Home, sweet home - Joy Fielding

 


Titel: Home, sweet home

Autor:  Joy Fielding

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2022

Seitenzahl: 476
Cover: © Goldmann
Begonnen: 21.08.2026
Beendet: 24.08.2026


Joy Fielding begleitet mich schon seit ihrem Erstlingswerk treu durch mein ganzes Leben. Während sie früher den Fokus eher auf atemlose Spannung gelegt hat, sind ihre neueren Werke doch deutlich ruhiger und reifer. So ist auch "Home, sweet home" eher ein Roman, der die einzelnen Bewohner einer Straße beleuchtet.

Auf den ersten Seiten wird angekündigt, dass irgendwann ein Schuss fallen und den Frieden in der kleinen Sackgasse namens Carlyle Terrace stören wird. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg und der Leser erfährt nicht nur, was hinter den verschlossenen Türen so passiert, sondern auch, dass in jeden Haus eine potentielle Tatwaffe vorhanden ist.

Maggie ist gerade frisch verlassen worden, Heidi muss sich mit ihrer Schwiegermutter herumschlagen und Olivia mit den Lügen ihres arbeitslosen Mannes. Am schlimmsten trifft es jedoch Dani, die ein echtes Monster zum Mann hat und mehr als einmal von ihm erniedrigt wird. Joy Fielding zeichnet hier mal wieder das Bild von Frauen, die unter Männern zu leiden haben, was in ihren Büchern ja immer ein beliebtes Thema ist.

Ich mag Geschichten aus verschiedenen Blickwinkeln und so hat es mir Spaß gemacht, hinter die einzelnen Fassaden zu schauen und mich mit den Problemen der Bewohner zu beschäftigen. Fielding zeigt, wie wenig Nachbarn doch übereinander wissen und wie sehr alle doch bemüht sind, ein gewisses Bild aufrecht zu erhalten. Was es genau mit dem Schuss, der fallen wird, auf sich hat, ist allerdings wenig überraschend, was wohl auch der Schwachpunkt dieser Geschichte ist. Alles löst sich so auf, wie man erwartet und vielleicht eine Spur zu einfach ...


Ein Roman, der hinter die verschlossenen Türen blickt. Ruhig, aber dennoch fesselnd!

Ich vergebe 4 von 5.

Montag, 14. September 2026

[Rezension] Hochprozentiges Spiel - Christine Bernath

  


Titel: Hochprozentiges Spiel

Autor:  Christine Bernath

Genre: Jugendroman

Erscheinungsjahr: 2009

Seitenzahl: 192
Cover: © RM Buch und Medien
Begonnen: 13.08.2026
Beendet: 15.08.2026


Dieses Buch hatte ich schon eine gefühlte Ewigkeit liegen, denn ich dachte, dass es einfach nur ein recht typisches Buch über Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist. Schon nach wenigen Seiten war mir jedoch klar, dass diese Geschichte so viel mehr ist und überraschend tief geht.

Schon der Einstieg geht unter die Haut, denn wir lernen Anna kennen, die von ihren Eltern gedrängt wird, endlich wieder "normal" zu sein. In einem Restaurant kippt Anna beim Anblick von Alkohol jedoch einfach um. Nach und nach wird klar, dass irgendwas passiert sein muss, das für ihre äußerlichen und innerlichen Narben verantwortlich ist.

Erzählt wird von Anna vor und nach einem schrecklichen Ereignis, das für den Leser erst einmal nicht greifbar ist. Vergangenheit und Gegenwart sind nicht gekennzeichnet, doch das störte mich nicht, denn beides verschmilzt immer mehr miteinander und zeichnet nicht nur das Bild einer Teenagerin auf, die Fehler begeht, sondern beschäftigt sich auch damit, wie Freundschaft eben nicht sein sollte. 

Ich war begeistert darüber, wie die Autorin hier dieses schwierige Thema einbaut und wirklich zeigt, was Alkohol für große Schäden anrichten kann. Mich hat dieses Jugendbuch begeistert und ich hoffe, noch einmal in den Genuss von einem Werk der Autorin zu kommen!


Ein Jugendbuch, das überraschend tief geht und das Thema Alkoholmissbrauch mal von einer ganz anderen Seite betrachtet. Stark!

Ich vergebe 5 von 5.

Donnerstag, 3. September 2026

[Rezension] Die Stadt und ihre ungewisse Mauer - Haruki Murakami

 


Titel: Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

Autor:  Haruki Murakami

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2025
Seitenzahl: 638
Cover: © Dumont

Begonnen: 31.07.2022
Beendet: 06.08.2022




"Die Stadt und und ihre ungewisse Mauer" ist ein neuerer Roman aus der Feder von Haruki Murakami, den ich im Laufe der letzten Jahre wirklich als sehr ausgefallenen Schriftsteller, der verrückte Ideen mit sehr viel Tiefe und Philosophie verbindet, kennengelernt habe. Mit dieser Geschichte, die sich abermals um einen namenlosen Hauptcharakter dreht, der die große Liebe gefunden und verloren hat, erreicht er noch einmal ein ganz anderes, schriftstellerisches Niveau.

Murakami beschäftigt sich mit Themen, die mir auch oft im Kopf herumschweben und die sich oft nur schwer greifen oder gar in Worte fassen lassen. So erschafft er hier eine Stadt, die sich der Protagonist gemeinsam mit seiner ersten großen Liebe ausgedacht hat und die von einer großen Mauer umgeben ist. Wer die Stadt betritt, muss den eigenen Schatten ablegen.

Hauptsächlich dreht sich der Roman um den Wunsch, seinen Körper und vielleicht sogar diese Welt, die einen oft gefangen hält, zu verlassen, um auf einer geistigen Ebene eine ganz andere Form des Seins zu finden. Wir begleiten den Charakter durch sein ganzes Leben, das - wie sollte es auch anders sein - eine einzige große Suche nach einem echten Sinn darstellt. Überaus gelungen fand ich die Personen, die ihm begegnen. So trifft er auf einen Geist, der ja selbst keinen Körper mehr besitzt und auf einen Jungen, der kaum spricht und auf dieser Welt keinen Platz zu haben scheint. Auch das kleine Abenteuer mit seinem eigenem Schatten, der darum kämpft, ebenfalls erhalten zu bleiben, fand ich sehr originell.

Der Roman ist sehr melancholisch und hat selbst mich als Schnell- und Vielleser herausgefordert. Ich habe seit langem mal wieder eine ganze Woche für ein Werk gebraucht, denn "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer" zwingt den Leser, über gewisse Momente und Aussagen nachzudenken und dadurch auch das eigene Leben zu reflektieren. Auf mich wirkte das Buch nicht so abgedreht wie die ersten Bücher von Murakami und sehr viel reifer und stiller. Die Geschichte hallt auf jeden Fall nach und das ist genau das, was gute Literatur für mich ausmacht!


Ein reifer, sehr tiefgründiger Roman, der sich mit dem Wunsch beschäftigt, Körper und Geist voneinander zu trennen. Ein Werk, das zum Nachdenken anregt und auch für jene Leser geeignet ist, die Murakami mal von einer ruhigeren Seite kennenlernen wollen!

Ich vergebe 5 von 5.

Sonntag, 30. August 2026

[Rezension] Die zweite Schwester - Claire Kendal

   


Titel: Die zweite Schwester 

Autor:  Claire Kendal

Genre: Thriller, Roman

Erscheinungsjahr: 2018

Seitenzahl: 478
Cover: © Ullstein
Begonnen: 27.07.2026
Beendet: 30.07.2026


Melanie kann einfach nicht akzeptieren, dass ihre ältere Schwester einfach nicht mehr da ist. Obwohl sie sich um den Sohn kümmern müsste, den Miranda zurückgelassen hat, kämpft sie noch immer darum, die Wahrheit hinter dem Verschwinden herauszufinden.  Sie will nämlich nicht glauben, dass der verurteilte Serienkiller Jason Thorne dahinterstecken könnte. Dabei lockt sie allerdings jemanden an, der die ganze Wahrheit kennt ...

Ich war eigentlich auf der Suche nach einem spannenden Thriller, fand in diesem Buch aber leider nur eine recht langatmige Spurensuche einer Frau, die endlich wissen will, was mit ihrer Schwester geschah. Lange passiert in diesem Buch nichts, denn erst einmal werden die Charaktere eingeführt, die allesamt sehr unsympathisch sind und nur aus Melanies Sicht betrachtet werden. Halbwegs interessant ist nur Melanie, die noch immer im Geiste mit ihrer Schwester spricht und ihr Leben durch den Verlust nicht mehr im Griff hat.

Selten habe ich ein Buch gesehen, bei dem wirklich jede noch so kleine, unwichtige Szene so dermaßen in die Länge gezogen wird. Herzstück der Geschichte hätte eigentlich der Besuch beim Serienkiller sein sollen, den die Autorin dann auch streckt und mit so vielen unwichtigen Dialogen füllt, dass die gesamte Story immer wieder für zehn oder auch mehr Seiten stagniert. 

Das Ende war dann so vorhersehbar, dass ich auf den letzten Seiten eine riesige Enttäuschung gespürt habe. Eine gewisse Person hielt ich nämlich für die typische falsche Fährte, da es viel zu einfach und offensichtliche wäre, wenn sich diese als Täter entpuppt, doch leider wählt die Autorin diesen sehr unoriginellen Weg.
Von einem Thriller war "die dritte Schwester" für mich leider meilenweit entfernt und durch die vielen Länge wird mir kaum etwas positiv in Erinnerung bleiben.


Vorhersehbar und stark in die Länge gezogen bietet dieser Thriller leider kaum Spannung ...
Ich vergebe 2 von 5.

Freitag, 28. August 2026

[Rezension] Das Archiv der Gefühle - Peter Stamm

 


Titel: Das Archiv der Gefühle

Autor:  Peter Stamm

Genre: Roman 

Erscheinungsjahr: 2021

Seitenzahl: 190
Cover: © Fischer

Begonnen: 23.07.2026
Beendet: 26.07.2026


Viele Autoren beschäftigen sich mit der ersten großen Liebe und den Spuren, die diese hinterlässt. Auch Peter Stamm widmet sich diesem Thema und erzählt in "Archiv der Gefühle" von einem namenlosen Archivar, der seinen Job verliert und dann genug Zeit hat, über sein Leben nachzudenken. Dabei scheint sich alles um Franziska zu drehen, die immer wieder in seinen Gedanken auftaucht und alle anderen späteren Beziehungen zu verdrängen scheint.

Mit dem Erzähler, der einsam und fern aller Menschen lebt, konnte ich mich direkt identifizieren. Nachdem der Protagonist seinen Job verliert, setzt er das Archiv privat fort, um eine Beschäftigung zu haben. Doch zeitgleich drängen ihn gewisse Erinnerungen dazu, sich wieder mit Franziska, die heute eine berühmte Sängerin ist, zu beschäftigen und sich bei ihr zu melden. Doch dazu muss er seine eigenen damaligen und auch heutigen Gefühle erst einmal ordnen und begreifen. 

Er analysiert frühere Beziehungen und auch seinen Weg, der ihn zum heutigen Eigenbrötler gemacht hat. Das fand ich spannend, denn man spürte, dass der Protagonist sich oft treiben ließ und nicht in der Lage war, Entscheidungen zu treffen und zu gewissen Gefühlen zu stehen. Ich denke, viele Leute können sich mit der Unsicherheit, mit der unser Erzähler durch das Leben schreitet, identifizieren.

Obwohl das Thema wirklich schon von vielen Schriftstellern aufgegriffen wurde, funktioniert es auch in diesem Werk sehr gut, was sicherlich an Peter Stamms tiefgründigen Stil liegt, der den Leser förmlich in den Kopf seines Charakters zieht. Ich habe das Buch verschlungen und mich in vielen Gedankengängen wiedergefunden. Das eigene Archiv, das aus Erinnerungen und Gefühlen besteht ist wirklich sehr kostbar und sollte gut gepflegt werden!


Ein tiefgründiger Roman über die erste Liebe, die Spuren hinterlässt!

Ich vergebe 5 von 5.

Donnerstag, 27. August 2026

[Rezension] Wenn wir uns wiedersehen - Mary Higgins Clark

  


Titel: Wenn wir uns wiedersehen

Autor:  Mary Higgins Clark

Genre: Thriller, Roman

Erscheinungsjahr: 2001

Seitenzahl: 364
Cover: © Heyne
Begonnen: 24.07.2026
Beendet: 27.07.2026


Mary Higgins Clarks Bücher begleiten mich auch durch dieses Jahr und ich bin immer froh, wenn sie etwas originellere Themen aufgreift und auf die typischen naiven und zu abhängigen Frauen als Protagonistin verzichtet. Das war in diesem Buch zum Glück der Fall.

In "Wenn wir uns wiedersehen" geht es um Molly, die ihren Mann erschlagen haben soll, aich selbst aber nicht mehr an die Tat erinnert. Kurz zuvor hat sie herausgefunden, dass ihr Mann Gary eine Affäre hatte und von dieser Frau sogar ein Kind erwartet. So gesehen hat sie also ein recht eindeutiges Motiv. Als sie nach sechs Jahren aus dem Gefängnis kommt, erhält Molly überraschenderweise Hilfe von einer alten Freundin. Fran will sie nicht nur für eine Show über wahre Verbrechen gewinnen, sondern ihr helfen, endlich die Wahrheit herauszufinden. Dabei stochern die beiden in ein Wespennest herum ...

Mir gefiel die kritische Betrachtung des Gesundheitssystems, in dem es mehr un Geld als um den Menschen geht. Alles scheint sich hier nämlich um die Klinik zu drehen, in der Gary vor seinem Tod tätig war. Gleichzeitig erscheinen aber noch andere Verdächtige und weitere Tote, die zeigen, dass der wahre Täter nicht will, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Ein klein wenig träge wirkt die Geschichte an einigen Stellen. So dauert es auch sehr lange bis Molly sich mit der Affäre ihres Mannes trifft, obwohl dies eigentlich die erste Anlaufstelle wäre, um Antworten zu finden. Ich empfand Fran zudem auch als viel tatkräftiger als Molly. Fran unterstützt ihre Freundin und ist es, die immer mehr Wahrheiten ausgräbt. Das Ende hatte ich in Teilen leider schon erwartet, denn vieles war mir eine Spur zu offensichtlich. Dennoch war dies für mich  mal wieder eins der stärkeren Bücher von Mary Higgins Clark, wenn auch nicht ihr Bestes!



Nicht das stärkste Buch von Mary Higgins Clark, aber dennoch eins von ihren besseren und kreativeren.

Ich vergebe 4 von 5.