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Mittwoch, 30. April 2025

[Rezension] Der Hexenjäger - Astrid Fritz

 


Titel: Der Hexenjäger

Autor:  Astrid Fritz

Genre: Historischer Roman

Erscheinungsjahr: 2018

Seitenzahl: 448
Cover: © Rowohlt

Begonnen: 02.04.2025
Beendet: 05.04.2025


Die Krämertochter Susanna verliert 1484 ihre Mutter und muss hart darum kämpfen, dass sie nicht als wahnsinnige, von Dämonen besessene Selbstmörderin angesehen wird. Der Prior und Inquisitor Heinrich Kramer steht ihr dabei zur Seite, doch diese Verbindung hält nicht lange an. Denn schließlich ist Bruder Heinrich der Verfasser des berüchtigten Hexenhammers ...

"Der Hexenjäger" ist ein sehr leicht zu lesender Roman, der sich mit einer historischen Figur beschäftigt. Die Autorin erzählt ein wenig von Heinrichs Kindheit und natürlich von seinen Werten und Ansichten. Ihm gegenüber steht als fiktive Protagonistin Susanna, die selbst irgendwann in den Verdacht gerät, eine Hexe sein zu können.

Zu Beginn wird die Geschichte ein wenig zu langsam erzählt, obwohl ich die Momente zwischen Heinrich und Susanna durchaus gelungen fand. Für etliche Längen sorgt aber leider Susannas Weg in die Ehe. Das eigentliche Hexenthema wird dabei auch nur sehr kurz und recht oberflächlich behandelt. So schnell Susanna in den Fokus rückt, so schnell tauchte dann auch wieder Rettung auf. Die Liebesgeschichte wird dabei so schnell erzählt, dass ich das Gefühl hatte, dass sich die Autorin am Ende etwas gehetzt gefühlt hat.

Interessant fand ich die Einblicke in das Leben und Denken von Heinrich Kramer. Auch Susanna ist eine angenehme Protagonistin, die ich gerne begleitet habe. Aber leider fehlte es mir hier an Mut, sie wirklich mit den dunklen Seiten der Hexenverfolgung zu konfrontieren. Ich hatte das Gefühl, die Autorin will ihre Protagonistin schonen. Daher war für mich leider eher ein sehr oberflächlicher Einblick in die ganze Thematik mit einem etwas übertriebenen Happy End.


"Der Hexenjäger" beschäftigt sich mit einer spannenden historischen Figur - allerdings nur sehr grob und oberflächlich ...

Ich vergebe 3 von 5.

Sonntag, 18. Dezember 2022

[Rezension] Überleben im Schatten der Angst - Irene M. Tschermak

 


Titel: Überleben im Schatten der Angst

Autor:  Irene M. Tschermak

Genre: Roman, Biografie
Erscheinungsjahr: 2014
Seitenzahl: 178
Cover: © Olms

Begonnen: 14.11.2022
Beendet: 16.11.2022



"Überleben im Schatten der Angst" ist ein autobiographischer Roman, der das Leben einer ganz normalen Familie während des zweiten Weltkrieges beschreibt. Im Mittelpunkt steht hier Antonia, die selbst Jüdin ist und wohl nur durch ihre "privilegierte Mischehe" das wohl düstere Kapitel der deutschen Geschichte überlebt ...

Die Autorin hat versucht, die damaligen Schrecken anhand eines persönlichen Schicksals greifbar zu machen. Die eingefügten privaten Bilder und das skizzierte Leben der einzelnen Familenmitglieder ergeben sicherlich ein wichtiges Zeitzeugnis, das allerdings in der vorliegenden Form für meinen Geschmack viel zu langatmig war.

Beinahe nüchtern erzählt die Autorin von einigen Momenten innerhalb der Familie, wie beispielsweise die Geburt von Antonias Tochter und den Tag als Elsa abtransportiert wird. Immer wieder fügt sie dann eine sehr sachliche Schilderung zu den aktuellen Ereignissen in Deutschland ein, wirft Zahlen in den Raum und jongliert mit Daten. Das alles hat sich für mich mehr wie ein liebloser Wikipediabericht gelesen als wir ein tiefer Einblick in ein sehr tragisches Schicksal.

Leider bleibt der Stil auch in den persönlicheren Abschnitten sehr oberflächlich, was sicherlich daran lag, dass die Autorin sich an Fakten geklammert hat und sich nicht anmaßen wollte, das Denken der einzelnen Personen wiederzugeben. So entsteht hier eher ein Bericht, der kalt und nüchtern bleibt und für mich die damalige "Angst" leider nicht aufgreifen und wiedergeben konnte ...



Die Autorin hat mit "Überleben im Schatten" viel zu grob das Schicksal einer jüdischen Familie skizziert. Das Buch ist ein sicherlich ein wichtiges Zeitzeugnis,  war mir vom Stil aber viel zu nüchtern und oberflächlich ...

Ich vergebe 2 von 5.


Dienstag, 29. November 2022

[Rezension] In Plüschgewittern - Wolfgang Herrndorf



Titel: 
In Plüschgewittern

Autor:  Wolfgang Herrndorf

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenzahl: 177
Cover: © Rowohlt

Begonnen: 27.10.2022
Beendet: 05.11.2022



Der namenlose Protagonist irrt durch sein Leben und durch Berlin. Er ist nach seiner letzten gescheiterten Beziehung auf der Suche, obwohl er gar nicht weiß, was genau er sucht. Vollkommen verloren beobachtet er die Leute, verliebt sich abermals unglücklich und muss erkennen, dass er wohl einfach nicht in diese Welt hineinpasst.

"Tschick" von Wolfgang Herrndorf war für mich ein großes Highlight, an das ich noch oft zurückdenke. Tragisch ist zudem der Suizid des Autors, der hier in seinem Debüt bereits seine scharfe Sicht auf jene Gesellschaft gezeigt hat, in der immer alles nach vorgegeben Mustern verläuft und in der "Andersartigkeiten" wohl nie einen wahren Platz finden werden.




Ich konnte mich gut in den Ich-Erzähler hineinversetzen. Als Leser erfahren wir zwar seinen Namen nicht, aber wir tauchen tief in seine Gedanken ein. Er ist ein ausgesprochen sensibler Mensch, der die Welt und wohl auch sich selbst nicht so recht versteht. Zudem wird er von Leuten in seinem Umfeld stets falsch eingeschätzt, da sie nach außen hin wohl nur einen völlig kaputten Menschen sehen.

"In Plüschgewittern" ist allein vom Titel absolut passend und es war für mich einer der stärksten Debütromane, die ich je gelesen habe. Es ist ein sehr melancholisches, fast schon tieftrauriges Werk, das immer wieder andeutet, dass der Protagonist selbst wohl niemals ankommen wird. Aber vielleicht geht es am Ende auch nicht darum, irgendwo anzukommen sondern vielmehr darum, den Weg mit all seinen Hürden zu meistern ohne sich dabei selbst zu verbiegen und zu verlieren ...



"In Plüschgewittern" ist ein starker Debütroman über einen Mann um die 30, der durchs Leben irrt, aneckt und dem alles egal zu sein scheint. Neben einer tiefen Traurigkeit und einer erdrückenden Melancholie erzeugt der Roman aber auch das Gefühl, mit den eigenen Gedanken nicht ganz allein zu sein. Herrndorf war ein unfassbar talentierter Autor!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.


Samstag, 19. November 2022

[Rezension] Solange du lügst - Sarah Waters

 


Titel: Solange du lügst

Autor:  Sarah Waters

Genre: Roman, historischer Roman
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 624
Cover: © Aufbau Verlag

Begonnen: 17.10.2022
Beendet: 21.10.2022



Susan "Sue" Trinder wächst als Waise in einem Haus voller Diebe auf. Plötzlich bekommt sie das Angebot, schnell an viel Geld zu kommen. Dafür muss sie sich nur als Zofe ausgeben und Maud Lilly dazu bringen, Richard Rivers zu heiraten, der von allen nur "Gentlemen" genannt wird und zwar sehr charamant wirkt, letztendlich aber nur an Geld interessiert ist. Der ganze Plan geht jedoch schnell nach hinten los, denn neben zahlreichen Lügen funkt auch die Liebe dazwischen.

"Solange du lügst" entführt den Leser ins düstere England des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn wird die Geschichte aus der Sicht der doch sehr frechen Sue erzählt, die sich als Zofe ausgibt und das Vertrauen von Maud gewinnt - sich zeitgleich aber auch zu ihr hingezogen fühlt. Es beginnt eine sehr intensive Liebesgeschichte, die jedoch immer wieder von zahlreichen Lügen erstickt wird.




Der Plan, den Sue mit Gentlemen verfolgt, nimmt schnell eine dramatische Wendung. Ich war echt geschockt, als das ganze Geschehen schließlich aus Mauds Sicht geschildert wird und dadurch einen ganz neuen Blickwinkel bekommen. Lange Zeit ist unklar, wer hier nur mit wem spielt und vor allem welche Ziele die einzelnen Personen verfolgen.

Auf über 600 Seiten wird hier eine sehr dramatische Geschichte geschildert, die immer wieder für Überraschungen sorgt. Sarah Waters zeigt hier sehr schön, was passiert, wenn Lügen aufeinanderprallen und die Wahrheit einfach nicht greifbar ist. Ein grandioser historischer Roman, an den ich mich noch lange zurückerinnern werde!


"Solange du lügst" ist ein intensiver Roman über die Liebe zweier Frauen, die immer wieder von Lügen erstickt wird und schließlich in einer echten Tragödie endet. Für mich war die Geschichte von Sue und Maud ein großes Highlight!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.


Sonntag, 21. November 2021

[Rezension] Die Herrin vom Nil - Pauline Gedge

 


Titel: Die Herrin vom Nil

Autor:  Pauline Gegde

Genre: Roman, historischer Roman
Erscheinungsjahr: 1995
Anzahl der Seiten: 537
Cover und Inhalsangabe: © Rowohlt

Begonnen: 18.10.2021
Beendet: 21.10.2021


"Vor dreieinhalb Jahrtausenden bekam in Ägypten die Sonne eine Tochter: Hatschepsut. Sie wurde die erste Frau auf dem Thron der Pharaonen. In den über 20 Jahren ihrer Herrschaft erwirbt sie sich die Liebe ihres Volkes und fördert den Fortschritt. Hatschepsut, Tochter der Morgenröte, lernt die Süße, aber auch die Bitterkeit der Macht kennen: Intrigen, Morde an ihren engsten Vertrauten, dramatische Auseinandersetzungen mit den einflußreichen Priestern und ein blutiger Kampf um die Erbfolge. In diesem spannenden biographischen Roman zeichnet Pauline Gedge diese einzigartige und erste bedeutende Frau der Weltgeschichte nach. Vor dem Hintergrund überlieferter Ereignisse wird die Kultur des alten Ägypten wieder lebendig."


Es war für mich Mal wieder an der Zeit ins alte Ägypten zu reisen. "Die Herrin vom Nil" beschreibt dabei das Leben von Hatschepsut, die als erste Frau auf dem Thron der Pharaonen war.

Das Buch ist sehr einfach geschrieben und ich habe auch nicht lange gebraucht, un vollständig in der Geschichte einzutauchen. Wir lernen Hatschepsut als Kind kennen und erfahren schnell, dass sie große Ziele hat. Nachdem sie einige Schicksalsschläge erleiden musste, wird sie von ihrem Vater Thutmosis früh zur Regentin ernannt - allerdings hat sie es als Frau nicht leicht und schließlich muss sie erkennen, dass Ägypten noch nicht bereit für einen weiblichen Pharao ist ...

Die Geschichte von Hatschepsut ist sehr tragisch. Sie ist eine wirklich einzigartige Frau, die für meinen Geschmack aber teilweise auch etwas zu versessen auf die Macht war. Für mich hatte sie ruhig etwas mehr Ecken und Kanten haben können.

In erster Linie ist "Die Herrin vom Nil" sicherlich ein Roman, in dem es auch eine kleine Liebesgeschichte gibt. Die Autorin hangelt sich aber von einem historischen Ereignis zum nächsten, was dieses Buch zwar sehr informativ macht, aber auch etwas unaufgeregt erscheinen lässt. Es gab für mich, wenn man von den zahlreichen Todesfällen absieht, keine echten Schlüsselmomente. So liest es sich tatsächlich mehr wie ein Roman, der in dir historische Rahmenhandlung gepresst wird, aber dadurch ohne große Emotionen oder Entwicklungen auskommt ... 

Es ist dennoch interessant, aber auch erschreckend zu sehen, wie viele Intrigen damals gesponnen wurden und wie die Aussicht auf Macht einen Menschen doch verändert. Für mich war es auf jeden Fall sehr spannend, mehr über Hatschepsut und ihre Visionen über eine neue Dynastie zu erfahren. Schade, dass es Frauen seit jeher sehr schwer hatten ...


"Die Herrin von Nil" ist ein sehr informativer Roman über die Lebensgeschichte der ersten Frau auf dem Thron der Pharaonen. Die historischen Fakten sind angenehm eingebaut, auch wenn das Buch teilweise etwas zu viel Ruhe ausstrahlt ...


Ich vergebe 4 von 5.

Sonntag, 26. September 2021

[Rezension] Die Puppenspieler - Tanja Kinkel

 


 Titel: Die Puppenspieler

Autor:  Tanja Kinkel

Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 1995
Anzahl der Seiten: 672
Cover und Inhalsangabe: © Goldmann

Begonnen: 27.08.2021
Beendet: 01.09.2021


"Im Jahre 1484 gibt der Papst das Signal zur Hexenverfolgung. Und mitten in Deutschland muss ein Zwölfjähriger zusehen, wie seine Mutter auf dem Scheiterhaufen endet. Richard, Sohn eines schwäbischen Kaufmanns und einer schönen Sarazenin, werden die unmenschlichen Bilder für immer verfolgen. Bis ins Haus des reichen Jakob Fugger, der den Neffen seiner Frau aufnimmt und in seinem Hause erziehen lässt. Und später nach Florenz und Rom, wo er für Jakob Fugger arbeiten wird. Im Italien der Medici und Borgia, der Busspredigten eines Savonarola und der grenzsprengenden Kunst eines Michelangelo wird Richard gegen das Erbe seines eigenen Blutes kämpfen. Und er muss sich endgültig entscheiden zwischen Freundschaft und Liebe, zwischen dem Wunsch nach Rache und einem ungebundenen, vorurteilsfreien Leben."


Es war für mich Mal wieder an der Zeit in einen historischen Roman abzutauchen. Dabei fand ich die die ersten gut 100 Seiten von Tanja Kinkels "Die Puppenspieler" unfassbar stark, denn hier wird geschildert, wie der Klosterschüler Richard mit ansehen muss, wie seine Mutter der Hexerei beschuldigt wird und schließlich auf dem Scheiterhaufen landet.

Ich finde das Thema der Hexenverfolgungen sehr spannend, allerdings schlägt die Autorin hier letztendlich eine ganz andere Richtung ein. Richard kommt zu seiner Tante Sybille, die Ehefrau des reichen Kaufmanns Jakob Fugger ist. Dort wächst der Junge schließlich zu einem Mann heran, der verstehen muss, dass es gewisse "Puppenspieler" gibt, die alle Fäden in den Händen halten ...

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, denn er katapultiert zu Beginn direkt ins Geschehen. Allerdings gelingt es ihr meiner Ansicht nach nicht so gut, die historischen Fakten wirklich anschaulich und interessant einzubauen. So kam mir die Geschichte nach dem unfassbar starken Anfang wie eine Achterbahnfahrt vor. Es gab unglaublich zähe Abschnitte, durch die ich mich förmlich kämpfen musste, um dann mit einigen kurzen, aber sehr starken Momenten belohnt zu werden.

Mir ist wieder einmal aufgefallen, das ich persönliche Schilderungen interessanter finde als mit politischen Verstrickungen konfrontiert zu werden. So fand ich besonders die Geschichte der Medici hier sehr eintönig und ich hatte immer gehofft, dass es bald mit Richards eigenem Schicksal weitergeht. 

Richard ist auf jeden Fall ein Interessanter Charakter, der sich hier toll entwickelt, wenngleich er durch den Eintritt in die Familie Fugger aber natürlich auch sehr viele Möglichkeiten bekommt und er sich vieles nicht selbst erkämpfen musst. Die Liebesgeschichte selbst hätte es für mich nicht gebraucht, denn sie konnte mich leider nicht direkt abholen. Emotional berühren konnte mich das Buch leider nur am Anfang, denn irgendwann war ich nicht mehr vollkommen in der Geschichte drin. Ich halte "Die Puppenspieler" aber dennoch für einen lesenswerten und auch informativen Roman - auch wenn die Autorin selbst zugibt, einige historische Fakten verändert zu haben ...


Nach einem sehr starken und bewegenden Anfang wandelt sich dieser historische Roman in einen zwar sehr informative, stellenweise aber auch etwas zähe Geschichte, die mir persönlich zu viele Abstecher macht, um historische Ereignisse zu beleuchten, die nur indirekt etwas mit der Haupthandlung zu tun haben ...

Ich vergebe 3 von 5.



Dienstag, 27. April 2021

[Rezension] Die Wanderhure - Iny Lorentz


 Titel: Die Wanderhure

Autor:  Iny Lorentz
Genre: Roman, Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 1. April 2005
Anzahl der Seiten: 607
Cover und Inhalsangabe: © Knaur

Begonnen: 24.03.2021
Beendet: 29.03.2021


"Konstanz im Jahre 1410: Als Graf Ruppert um die Hand der schönen Bürgerstochter Marie anhält, kann ihr Vater sein Glück kaum fassen. Er ahnt nicht, dass es dem adligen Bewerber nur um das Vermögen seiner künftigen Frau geht und dass er dafür vor keinem Verbrechen zurückscheut. Marie und ihr Vater werden Opfer einer gemeinen Intrige, die das Mädchen zur Stadt hinaustreibt. Um zu überleben, muss sie ihren Körper verkaufen. Aber Marie gibt nicht auf ..."


"Die Wanderhure" von dem Autorenduo Iny Lorentz war so ein Buch, das ich schon etliche Male in der Hand gehalten habe und sogar schon einmal begonnen hatte. Mit historischen Romanen komme ich allerdings erst seit ein paar Jahren zurecht und so war nun erst die Zeit gekommen, diesem Werk endlich eine richtige Chance zu geben.

Zu Beginn der Geschichte lernen wir direkt Marie kennen, die unmittelbar vor ihrer Hochzeit Opfer einer schrecklichen Intrige wird und schließlich aus ihrer Heimatstadt verbannt wird. Die ersten Seiten waren hier sehr mitreißend, denn sie zeigen sehr schön die Ungerechtigkeiten dieser Zeit auf, in der Geld und Ansehen mehr zählen als Menschlichkeit.

Als Leser begleiten wir nun Marie, die versucht, am Leben zu bleiben und sich schließlich auch Männern hingibt, da ihr klar wird, überhaupt keine andere Wahl zu haben. Es war interessant und spannend zu sehen, wie sie sich von einem wohlbehüteten und unschuldigen Mädchen in eine starke, selbstbewusste Frau verwandelt, die sich nicht unterkriegen lässt. Angetrieben wird sie in erster Linie von ihrem Verlangen nach Vergeltung. Der Mann, dem sie ihr neues Leben verdankt, soll nicht ungeschoren davonkommen.

Ich war überrascht, wie einfach der Schreibstil der beiden Autoren doch ist. So konnte ich unfassbar schnell in die Geschichte eintauchen. Ich denke, dieses Werk ist besonders für jene Leser geeignet, die gerne einmal einen historischen Roman ausprobieren wollen, sich aber schnell von zu vielen geschichtlichen Fakten erschlagen fühlen. "Die Wanderhure" entführt zwar ins sehr düstere Mittelalter, aber ich habe schon im Vorfeld gelesen, dass dies eher eine Unterhaltungslektüre ist. So geht es in erster Linie um Maries Reise und vieles entspringt auch nur der Fantasie der Autoren und dient nur dazu, die Geschichte voranzutreiben. Mir hat etwas die Tiefe gefehlt und stellenweise auch die Emotionen.

Den Anfang fand ich deutlich stärker als den weiteren Verlauf. Die Personen, die Marie trifft, sind abwechslungsreich gestaltet. Gefallen hat mir vor allem Hiltrud, die zu einer treuen Freundin wird. Michel, der für Anfang an etwas für Marie empfindet, kam mir allerdings doch zu kurz und am Ende konnte ich sein Verhalten nicht so recht nachvollziehen. Das Ende ist gelungen, auch wenn es mir doch etwas zu viel des Guten war. Nicht jede Geschichte braucht ein solch übertriebenes Happy End. Trotz meiner Kritik hat mich das Buch aber gefesselt und unterhalten. 


Auch wenn es der Geschichte etwas an Tiefe und Emotionen fehlt, konnte mich "Die Wanderhure" doch packen und unterhalten. Durch die einfache Sprache und den vielen kleinen Abenteuern ist es definitiv ein lesenswerter Roman, der auch Menschen begeistern dürfte, die mit historischen Werken sonst nichts anzufangen wissen!
Ich vergebe 4 von 5.




Mittwoch, 27. Januar 2021

[Rezension] Joséphine - Sandra Gulland

 


Titel: Joséphine

Autor:  Sandra Gulland
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 1. August 2002
Anzahl der Seiten: 512
Cover und Inhalsangabe: © Fischer

Begonnen: 04.12.2020
Beendet: 09.12.2020


"Was die Wahrsagerin der vierzehnjährigen Rose, Tochter eines verarmten Plantagenbesitzers auf Martinique, für die Zukunft voraussagt, ist umwerfend, aber zugleich auch völlig unglaubwürdig, wenn nicht sogar lachhaft. Rose soll die Frau eines Kaisers werden. Dabei ist sie doch völlig mittellos, ohne vornehme Erziehung und durch einen Ozean von der glanzvollen Welt der Kaiser und Könige getrennt.

Doch tatsächlich erzählt die Historie die Geschichte von Rose, die durch die Vermittlung ihrer Tante Désirée in eine reiche aristokratische Familie in Paris einheiratet. Nach einer unglücklichen Ehe mit Alexandre de Beauharnais bleibt Rose als Witwe mit zwei Kindern in den Wirren der Französischen Revolution zurück. Getrieben von dem Wunsch zu überleben, flüchtet sie sich in die Obhut des korrupten Barras, dem mächtigsten Mann Frankreichs. Und es ist seine Idee, daß Rose sich mit dem merkwürdigen kleinen Korsen anfreundet, dem Mann, der Rose zu Joséphine und zur Frau von Napoléon Bonaparte werden läßt."


Eine Wahrsagerin prophezeit der jungen Rose, dass sie einmal Kaiserin werden wird. Mit dieser Vorhersage beginnt die Geschichte von "Joséphine", die eigentlich Rose heißt und die Tochter eines armen Plantagenbesitzers ist, die aber einmal Napoleon Bonapartes Frau sein wird. Der Weg dorthin ist allerdings lang und es gibt einige Hürden zu überwinden ...

"Joséphine" ist wie ein Tagebuch aufgebaut und so ist jeder Abschnitt mit einem Datum versehen. Lesen tut sich das alles aber wie ein Roman. Die Geschichte selbst erstreckt sich von der Jugend Roses, über ihre Ehe bis zur französischen Revolution. Die Autorin findet ein gutes Gleichgewicht zwischen historischen Fakten und der sehr menschlichen Darstellung einer Frau, die einfach nur ihren Platz auf dieser Welt finden will.

Durch die kurzen Abschnitte und die vielen Briefe entsteht eine tolle Dynamik. Es war spannend, Rose über viele Jahre hinweg zu begleiten und zu sehen, welche Entscheidungen sie trifft. Zu Beginn war sie doch ein sehr naives und verlorenes Mädchen, entwickelt sich aber schließlich zu einer mutigen und selbstbestimmten Frau. Dies hat mich besonders fasziniert.

Für meinen Geschmack hätte das Buch an einigen Stellen aber ruhig noch etwas emotionaler und damit auch dramatischer sein können. Obwohl ich die kurzen Abschnitte mochte, hätte ich mir an einigen Punkten doch noch etwas mehr Hintergrundwissen gewünscht und vielleicht auch einen tieferen Einblick in Roses Gedankenwelt.

Trotz dieser kleinen Kritik, hat mich das Buch aber dennoch unterhalten und mich einer interessanten Frau nähergebracht. Da es sich allerdings um eine dreiteilige Reihe handelt, tritt Napoleon hier nur sehr kurz auf. Sollte ich die anderen beiden Teile zufällig entdecken, werde ich die Geschichte definitiv fortsetzen!


Die Geschichte einer mutigen Frau, die sich trotz zahlreicher Rückschläge durchs Leben kämpft und einmal an Napoleons Seite regieren wird! Ein fesselnder Roman über eine wichtige Periode der französischen Geschichte!


Ich vergebe 4 von 5.




Mittwoch, 30. Dezember 2020

[Rezension] Die Philosophin - Peter Prange

 


Titel: Die Philosophin

Autor:  Peter Prange
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2004
Anzahl der Seiten: 576
Cover und Inhalsangabe: © Knaur


Begonnen: 09.11.2020
Beendet: 12.11.2020


"Paris 1747. Von Gott und den Menschen verraten, gerät Sophie in die brodelnde Hauptstadt des Königreichs. Um zu überleben, arbeitet sie im Café "Procope", Treffpunkt der Freidenker und Aufrührer. Gegen ihren Willen verliebt sie sich in einen Gast: Denis Diderot. Der Philosoph plant das gefährlichste Buch der Welt seit der Bibel, eine Enzyklopädie mit dem ganzen Wissen der Menschheit - Sprengstoff für die morsche Monarchie. Schon bald begreift Sophie, dass es dabei um viel mehr geht als nur um ein Buch. Es geht um ihr eigenes Leben, ihr Recht auf Freiheit, Liebe und Glück."


Mit historischen Romanen tue ich mich für gewöhnlich doch recht schwer, denn meistens sind diese für meinen Geschmack zu überladen, zu aufgebläht und mitunter auch zu erschlagend. Zum Glück bin ich aber nun in einem öffentlichen Bücherschrank auf "Die Philosophin von Peter Prange gestolpert.

Schon der Prolog hat mich so sehr gefesselt, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Hier erzählt der Autor sehr eindringlich, was die junge Sophie am Tag ihrer Erstkommunion erlebt und wie dies ihr ganzes Leben verändern soll. Als sie erwachsen ist, verliebt sie sich Hals über Kopf in den Philosophen Diderot, der sich in den Kopf gesetzt hat, eine Enzyklopädie zu veröffentlichen ... Nur leider macht er sich damit viele Feinde.

Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte in den Bann gezogen. Nach dem schweren Schicksalsschlag in ihrer Kindheit verdient Sophie hier etwas Glück, doch dieses soll ihr erst einmal verwehrt bleiben. Ist Diderot doch längst verheiratet und ein echter Frauenheld. Zudem muss sie selbst noch verarbeiten, was in der Vergangenheit passiert ist und zeitgleich um ihre eigene Unabhängigkeit kämpfen.

Peter Pranges Schreibstil ist sehr eindringlich, besitzt aber zeitgleich eine gewisse Leichtigkeit, die den Roman wirklich schnell lesen lässt. Die 576 flogen nur so dahin und es gab einige sehr interessante, historische Personen kennenzulernen. Allen voran hier der Philosoph und Autor Diderot, der hier die erste französische Enzyklopädie mithilfe einer Vielzahl an anderen Autoren veröffentlichen möchte.

Auch die Kirche und der doch recht festgefahrene Glaube spielt noch eine große und auch sehr traurige Rolle. Das eigenständige Denken wird nicht gefördert und es gibt sogar einen Kriminalbeamten, der otenziell "gefährliche" Autoren beobachtet. "Die Philosophin" ist ein fesselnder und lehrreicher Roman über einen Denker, der sich nicht einschränken lassen will und eine Frau, die ebenfalls lernt, dass sie ein Recht auf Freiheit, Liebe und Glück hat.



Mich hat "Die Philosophin" von Peter Prange vielen interessanten, historischen Persönlichkeiten nähergebracht, zeitgleich aber auch gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt. Ein echtes Highlight und endlich mal wieder ein historischer Roman, der mich wirklich in den Bann gezogen hat!

Ich vergebe 5 von 5.



Freitag, 21. Februar 2020

[Rezension] Nofretete - Das Buch der Toten - Nick Drake

Titel: Nofretete - Das Buch der Toten
Autor:  Nick Drake
Genre: Krimi, Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 2. Januar 2001
Anzahl der Seiten: 481
Cover und Inhaltsangabe: © Bastei Lübbe


Begonnen: 09.01.2020
Beendet: 17.01.2020



"Ägypten im 12. Jahr der Regierungszeit von Echnaton. Nofretete ist die mächtigste und schönste Königin der antiken Welt. Mit ihrem Mann Echnaton regiert sie ein Reich, das an Ruhm und Einfluss nicht mehr zu übertreffen ist. Doch plötzlich verschwindet sie.

Der junge Oberermittler von Theben, Rai Rahotep, erhält vom König persönlich den Auftrag, Nofretete zurückzubringen. Falls er Erfolg hat, wird ihm größte Ehre zuteil. Falls nicht, werden er und seine Familie sterben ..."




In diesem Jahr wurde wieder einmal mein Interesse für Ägypten geweckt. Besonders interessant finde ich die Regierungszeit von Echnaton und Tutanchamun und der Abwendung von Amun zum Sonnengott Aton. Dies wird auch in diesem Roman thematisiert.

Beginne ich aber erst einmal mit der Sprache und dem Schreibstil Nick Drakes. Ich muss zugeben, dass ich anfangs doch überrascht war, dass der Autor doch eine sehr moderne Sprache für seinen ägyptischen Roman ausgesucht hat. So gab es für mich zwar erst einmal keine großen Probleme beim Lesen, allerdings so ganz passend empfand ich diesen Stil nicht, da doch immer wieder zeitgenössische Begrifflichkeiten vorkommen.

Dennoch hat mich die Geschichte gerade am Anfang in den Bann gezogen. Hier lernen wir erst einmal den "Ermittler" Rahotep kennen, den Wahrheitssucher. Er wird zu Echnaton gerufen und soll rausfinden, was mit seiner Frau Nofretete passiert ist. Die schöne Königin ist verschwunden und Rahotep hat nun eine Woche Zeit, um herauszufinden, was mit ihr geschehen ist - andernfalls stirbt er.

Wie ein recht typischer Krimi beginnt Rahotep dann in der neuen Hauptstadt Achet-Aton zu ermitteln. So befragt er erst einmal die verschiedensten Leute, was für mich hier wahrlich der große Pluspunkt des Romans ist. So lernen wir viele aus der Geschichte bekannte Persönlichkeiten kennen, wie Eje, Haremhab und Thutmosis.

Besonders toll fand ich hier das Treffen mit Thutmosis, den Schaffer der Nofretete-Statue, die auch erwähnt wird. Hier hat ich tatsächlich jene tolle Atmosphäre gespürt, die ich mir von diesem Roman gewünscht hatte.

Leider verliert sich die Atmosphäre irgendwann, denn Rahotep ermittelt zwar, aber kommt nicht wirklich voran. Und das ist auch die große Schwachstelle dieses Romans: Rahotep führt den Leser nicht durch die Geschichte, nein, er wird selbst geführt. So beschränkt sich die Krimihandlung auf die Befragungen der verschiedenen Personen und dann offenbart sich die ganze Wahrheit leider wie aus dem Nichts.

Ich muss sagen, dass ich hier schon sehr enttäuscht war. Bis zu einem gewissen Punkt empfand ich das Kennenlernen der verschiedenen historischen Person als ungemein fesselnd, doch natürlich habe ich gemerkt, dass die Story dadurch einfach nicht vorankommt. So ist das Ende dann leider keine sonderlich große Überraschung, denn natürlich war, für alle, die sich ein wenig mit der Geschichte auskennen, klar, in welche Richtung das Buch sich entwickeln wird ...




"Nofretete - Das Buch der Toten" hat mich von der historischen Seite auf jeden Fall überzeugen können, auch wenn der Autor sich doch für einen sehr modernen Schreibstil entschieden hat. Die Krimihandlung verliert sich allerdings hier irgendwann und bei mir war, ab einen gewissen Punkt, einfach die Luft raus ...

Donnerstag, 27. Juli 2017

[Rezension] Im Lautlosen - Melanie Metzenthin

Titel: Im Lautlosen
Autor:  Melanie Metzenthin
Genre: Historischer Roman, Roman
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2017
Anzahl der Seiten: 524
Cover und Inhaltsangabe © Tinte & Feder




"Hamburg, 1926: An der noch jungen Universität der Hansestadt gehören Richard und Paula zu den begabtesten Medizinstudenten ihres Jahrgangs. Sie beide verbindet mehr als nur die Leidenschaft für den Arztberuf – sie verlieben sich unsterblich ineinander. Als nach ihrer Heirat die Zwillinge Emilia und Georg geboren werden, ist ihr Glück komplett, auch wenn der kleine Georg gehörlos ist. Doch dann ergreifen die Nationalsozialisten die Macht und das Leben der jungen Familie ändert sich von Grund auf. Richard, der inzwischen als Psychiater in der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn arbeitet, kann sich mit der menschenverachtenden Gesetzgebung der Nazis nicht arrangieren, von der auch sein gehörloser Sohn betroffen ist. Um seine Patienten vor der Euthanasie zu bewahren, erstellt er fortan falsche Gutachten. Damit nimmt er ein großes Wagnis auf sich, das nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Familie bedroht …"




Da ich mal wieder Lust auf einen historischen Roman mit dem Bezug zum Nationalsozialismus hatte, fiel mir dieses Buch auf, das bereits sehr viele gute Bewertungen hat und einen interessanten Einblick in die psychiatrischen Einrichtungen der damaligen Zeit versprach.

Positiv erwähnen muss ich an dieser Stelle erst einmal die tolle Recherche-Arbeit, die Melanie Metzenthin hier geleistet hat. Es gibt hier einen tiefgründigen Einblick in die Zeit von 1926 bis nach dem zweiten Weltkrieg. Beim lesen habe ich sehr viel gelernt, besonders über das Gesundheitssystem, die Situation, zwischen den beiden Kriegen mit dem Machtaufstieg der NSDAP und natürlich auch bezüglich des Weltkrieges. Wahnsinn, wie toll die Autorin all diese Fakten in ihre Geschichte gewebt hat!

Auf der anderen Seite muss ich hier aber auch gestehen, dass ich das Buch jetzt trotz der Thematik eine ganze Woche mit mir herumgeschleppt habe und mich trotz des interessanten Inhalts oft nicht animieren konnte, weiterzulesen. Es hat einige Längen und hat sich für mich stellenweise nicht direkt nach einem Roman angefühlt. Der Schreibstil war mir zu nüchtern, zu distanziert und so konnte ich keine Bindung zu den Charakteren aufbauen.




- Richard -

Richard ist ein sehr interessanter Charakter. Wir lernen ihn zusammen mit Paula beim Studium kennen und begleiten ihn später bei seiner Karriere an einer psychiatrischen Anstalt. Er steht mit beidem Beinen im Leben und ist ein gutherziger Mensch, der sich dem System nicht anpassen will. Er kann sich mit den neuen Gesetzen der Nazis nicht arrangieren, besonders da sie sich auch auf seine Patienten auswirken. Er möchte einfach nur helfen, vielleicht sogar die psychiatrischen Kliniken revolutionieren, doch dazu lebt er wohl in der falschen Zeit ...

Ich fand Richard sehr beeindruckend und seine Abschnitte habe ich viel lieber gelesen als die von Paula. Bei ihm erleben wir nämlich, wie es einen Arzt, beziehungsweise einen Psychologen, in der Zeit der Nationalsozialisten erging.

- Paula -

Paula blieb mir persönlich etwas zu blass. An ihrem Beispiel gibt es zwar einige Anspielungen auf den Feminismus, aber so recht kennengelernt habe ich sie beim Lesen nicht. Ihre Abschnitte hätte es für mich daher hier nicht gebraucht!




Puhh, "Im Lautlosen" von Melanie Metzenthin ist seit langem mal wieder ein Buch, das mich etwas zwiegespalten zurücklässt. Aus diesem Grund fällt mir die Rezension an dieser Stelle sehr schwer. Auf der einen Seite ist "Im Lautlosen" eine sehr wichtige Geschichte mit interessanten historischen Fakten, auf der anderen Seite musste ich mich stellenweise zum Weiterlesen zwingen.

Ich weiß nicht direkt, ob es an Melanie Metzenthins Schreibstil lag, mit dem ich einfach nicht klar kam. Er war mir von Anfang an zu distanziert, sodass ich keine Verbindung zu Paula und nur eine recht oberflächliche zu Richard aufbauen konnte. Das war schade, denn so hatte ich trotz der interessanten Thematik nicht das Gefühl, wirklich nah am Geschehen zu sein.

Spannend fand ich auf jeden Fall, dass hier die "dunkle" Seiten der Psychiatrie beziehungsweise des ganzen Gesundheitssystems angesprochen werden. Hitlers Ansichten bezüglich seiner Gesundheitsreform sind wirklich das letzte und Melanie Metzenthin hat es hier an einigen Stellen sehr deutlich gemacht, wie ungerecht das Leben für (geistig-) Kranke in dieser Zeit war. Unverständlich fand ich an dieser Stelle die Behandlung damaliger Patienten.

Das Buch erstreckt sich über einen sehr langen Zeitraum. Wir begleiten Paula, Richard und ihre Freund von ihrem Studium, zu ihren ersten Jobs, erleben mit ihnen die Anfänge der NSDAP, den Ausbruch des Krieges und unterstützen sie bei ihrem stillen Kampf gegen das System. "Im Lautlosen" ist auf jeden Fall ein wichtiges Buch, ein Buch, das einen sehr tiefen Einblick in eine Zeit gibt, auf die wir in Deutschland nicht stolz sein können!




Die Bewertung fällt mir an dieser Stelle recht schwer. Ich bin hin und hergerissen, denn es gibt
tatsächlich einen interessanten und schonungslosen Einblick in die damalige Zeit, doch auf der anderen Seite konnten mich die Charaktere und auch der Schreibstil nicht so recht überzeugen. Alles war recht nüchtern und distanziert, besonders Paula war mir zu nebensächlich und nach dem Lesen hatte ich nicht das Gefühl, sie wirklich zu kennen ... Ich hätte dem Buch wohl 3,5 gegeben, werden aber fairerweise dann doch auf die 4 gehen, denn diese Geschichte ist wichtig und sollte daher gelesen werden!