Montag, 5. Januar 2026

[Rezension] Trash - Andy Mulligan

 


 Titel: Trash 

Autor:  Andy Mulligan

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2011

Seitenzahl: 256
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 11.12.2025
Beendet: 14.12.2025


Raphael, Gardo und Ratte sind Mülljungs, die auf einer riesigen Müllhalde leben und Tag für Tag dort nach Nahrung und wervollen Gegenständen suchen. Eines Tages stößt Raphael auf eine Tasche mit Geld und einem Schlüssel, der scheinbar zu einem Schließfach gehört. Dann taucht auch schon die Polizei auf und die drei befinden sich auf der Flucht ...

"Trash" erzählt von den Schattenseiten unserer Gesellschaft, denn es gibt nicht nur Berge von Müll, sondern auch Menschen, die in diesen Deponien die einzige Chance zum Überleben sehen. Raphael, Gardo und Ratte sind mit dem Müll und im Dreck großgeworden. Statt in die Schule zu gehen durchforsten sie den Abfall der ganzen Stadt und dabei finden sie etwas, das ihr Leben komplett auf den Kopf stellt.

Der Autor erzählt aus unterschiedlichen Sichtweisen. Neben den drei Jungs kommen auch Charaktere zu Wort, die ihnen unterwegs helfen. Allerdings ähnelt der Erzählstil sich doch sehr. Es fühlte sich manchmal eher so an, als wäre das Geschehen aus einer einzigen Sicht geschildert.

Das Abenteuer selbst ist unterhaltsam, wenn auch sicherlich etwas vorhersehbar. Natürlich geht es auch ein wenig um Politik und es kommt auch noch ein Code vor. Mir war das Ende aber ein wenig zu schnell erzählt und die drei Jungs kamen mir auf ihrer Reise leider nicht besonders nahe.



Ein unterhaltsames Abenteuer mit einer tollen Dynamik und einer interessanten Geschichte, die ein wenig vorhersehbar und zum Ende eine Spur zu schnell erzählt wird.

Ich vergebe 4 von 5.

Sonntag, 4. Januar 2026

[Rezension] Die Rache der Kinder - Hilary Norman

 


Titel: Die Rache der Kinder

Autor:  Hilary Norman

Genre: Roman, Thriller

Erscheinungsjahr: 2009

Seitenzahl: 368
Cover: © Bastei
Begonnen: 01.12.2025
Beendet: 03.12.2025


Vier Kinder in einem Heim schließen sich zu einem anfangs harmlosen Spiel zusammen, bei dem sie Monster jagen. Sie nennen sich nach den Charakteren aus William Goldings "Der Herr der Fliegen" und finden in einer Erwachsenen schließlich auch eine Anführerin, die das Spiel weiterentwickelt. Doch was, wenn die Monster in Wahrheit unschuldig sind?

Mir gefiel die Idee rund um die Kinder, die zueinanderfinden indem sie sich aus "Der Herr der Fliegen" vorlesen. Das, was Jack, Roger, Simon und Piggy tun, wirkt erst einmal harmlos, denn die vier suchen einfach nur einen Rückzugsort. Doch dann stößt eine erwachsene Frau zu ihnen, die sich Ralph nennt und ihre Anführerin wird. Von diesem Zeitpunkt an, nehmen die Spiele eine neue Dimension an.

Neben der Vorgeschichte der vier Kinder, erfahren wir auch von Kate und Laurie, die beide sicherlich nicht perfekt, aber weit davon entfernt sind, echte Monster zu sein. Dennoch sollen die beiden am nächsten Spiel teilnehmen. Mir gefiel die Dynamik hinter dem Spiel. Die Anführerin nutzt ihre Machtposition aus, verliert sich selbst aber dabei, weil sie immer süchtiger danach wird, Menschen zu bestrafen und die vier Kinder zu lenken.

Dabei zeigt es sich, dass die vier Kinder, die eigentlich nur die Ungerechtigkeiten dieser Welt bekämpfen wollen, viel zu schnell urteilen und dadurch nicht besser sind als die Menschen, die sie kritisieren. Bis zum großen Spiel hat mich das Buch wirklich gepackt, danach verpufft alles allerdings ein wenig, weil es fast nur noch um die Suche der Täter geht. Das lief mir etwas zu leicht ab, gerade auch was Lüften von Ralphs Identität betrifft. Eine größere Wendung wäre hier vielleicht noch nötig gewesen, denn auf den letzten fünfzig Seiten war alles zu vorhersehbar und in eine gewisse Richtung gelenkt. Gerne gelesen habe ich das Buch aber dennoch!




Ein interessantes Spiel, das harmlos beginnt und dann einen bitteren Ernst entwickelt steht im Fokus dieser originellen Story, die sich am Ende allerdings ein wenig verliert ...

Ich vergebe 4 von 5.

Samstag, 3. Januar 2026

[Rezension] Alles. Nichts. und ganz viel dazwischen - Ava Reed

   


Titel: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen

Autor:  Ava Reed

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2020

Seitenzahl: 318
Cover: © Oetinger
Begonnen: 05.12.2025
Beendet: 09.12.2025


Leni bekommt von ihrer besten Freundin zu Beginn des neuen Schuljahres ein Tagebuch geschenkt. Noch ahnt sie nicht, wie sehr sie dieses Buch brauchen wird, um ihre Gedanken zu fassen und zu ordnen. Die Schule setzt sie nämlich immer mehr unter Druck und bald schleicht sich eine nicht greifbare Angst in ihr Leben ein, die alles auf den Kopf stellt und sie vollkommen verändert. Doch Leni, die bald einsehen muss, an Panikattacken und an Depressionen zu leiden, will sich selbst nicht aufgeben. In einer Klinik trifft sie auf Matti, der an an einer Krankheit leidet, bei der er keine körperlichen Schmerzen fühlen kann ...

Panikattacken haben mir sicherlich zehn Jahre meines Lebens geraubt, weswegen mir das Thema noch immer sehr viel bedeutet. Mittlerweile bin ich tatsächlich "panikfrei", ich weiß aber, wie steinig der Weg dorthin war. All das beschreibt Ava Reed in diesem sehr emotionalen Buch, in dem ich mich sehr oft wiedergefunden habe. Die Ängste ziehen unbemerkt in Lenis Leben ein und bald ist der Punkt erreicht, an dem sie von ihnen kontrolliert wird. Auf den ersten hundert Seiten erleben wir mit, wie sich Leni verändert und wie sie an einem Punkt angelangt, an dem sie Hilfe braucht.

Matti lernen wie erst relativ spät kennen und er scheint mit seiner Krankheit das komplette Gegenteil von ihr zu sein. Er empfindet keinerlei Schmerzen und schwitzt nicht, wodurch ein normales Leben für ihn auch unmöglich zu sein scheint. In der Klinik prallen die Welten der Beiden aufeinander und bald erkennen sie, dass sie einander eventuell helfen können.

"Alles. Nicht. Und ganz viel dazwischen" ist eine sehr bewegende Geschichte. Besonders schön sind die handverfassten Tagebucheinträge der Autorin, die noch tiefer in Lenis Gedankenwelt ziehen. Das Werk ist auf jeden Fall sehr wichtig, ob Panikattacken und Depressionen zu verstehen, auch wenn man einiges wohl nur wirklich begreifen kann, wenn man es selbst erlebt hat. Das Ende bei dem Buch kam mir allerdings ein wenig zu schnell, gerade mit dem Roadtrip, durch den der Leser regelrecht gejagt wird. Dadurch verlor sich mein anfängliches Gefühl, ein Highlight in den Händen zu haben, ein klein wenig. Dennoch halte ich das Buch für ausgesprochen wichtig und lesenswert!



Ein emotionaler Einblick in die Welt der Angstörungen und Depressionen, in der ich selbst einst mal gefangen war. Ein Buch, das aufwühlt und berührt!

Ich vergebe 5 von 5.

Freitag, 2. Januar 2026

[Rezension] Der lange Schlaf - Fran Dorf


  Titel: Der lange Schlaf

Autor:  Fran Dorf

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 1996

Seitenzahl: 478
Cover: © Knaur
Begonnen: 08.12.2025
Beendet: 11.12.2025


Lana erwacht nach zwanzig Jahren aus einer katatonischen Trance und weiß nichts mehr von dem Tag des Woodstock-Festivals, an dem ihr Freund Ethan sie von einem Felsen gestoßen haben soll. Ethan wurde wegen versuchten Mordes verurteilt, doch kurz nach ihrem Aufwachen gelingt ihm die Flucht. Es ist an der Zeit, dass endlich die Wahrheit ans Licht kommt ...

Schon "Die Totdenkerin" von Fran Dorf hat mich stark überrascht, denn die Autorin greift Themen auf, die ich sonst in noch keinem Buch gelesen habe und besitzt zudem einen einzigartigen Stil, der die Handlungs von vielen ungewöhnlichen Seiten aus betrachtet. So steht hier zwar Lana im Fokus, die nach 20 Jahren aufwacht, doch im Grunde geht es um die Aufarbeitung vieler Probleme, die schon lange vor dem Woodstock-Festival begannen.

Der Journalist Jack, der Lana nicht nur von früher kennt, sondern auch der Zwillingsbruder eines der Augenzeugen ist, wirkt zu Beginn sehr festgefahren. Er glaubt das, was alle glauben. Ethan ist der Täter und Lana ein naives Ding, das früher etliche Jungs an sich heranließ. Doch nach und nach muss er erkennen, dass alles doch nicht so leicht ist. Ethan, der aus dem Knast ausbricht, will anscheinend endlich für Gerechtigkeit sorgen.

"Der lange Schlaf" gefiel mir sogar noch ein wenig mehr als "Die Totdenkerin", denn die Geschichte ist originell und verliert zu keinem Moment an Spannung durch die vielen Stränge, die nach und nach Licht ins Dunkel bringen. Gerade das Ende ist schockierend und geht in die Tiefe. Ich bin auf weitere Bücher der Autorin gespannt!



Ein origineller und unfassbar spannender Roman, über die Wahrheit, die erst nach 20 Jahren an die Oberfläche geschwemmt wird! Sehr fesselnd und originell!

Ich vergebe 5 von 5.

Donnerstag, 1. Januar 2026

[Jahresrückblick] Gelesene Bücher, Highlights und Privates - Mein Jahr 2025

 Ein weiteres verrücktes und sehr intensives Jahr geht zu Ende und da ist es wieder Zeit für einen Jahresrückblick.

Gelesen habe ich in diesem Jahr 206 Bücher, was tatsächlich einen neuen Rekord darstellt.

Die Verteilung sah in diesem Jahr so aus:

5+ (Highlight) = 15 Bücher =7,3 %

5 Sterne = 84 Bücher = 40,8 %

4 Sterne = 55 Bücher = 26,7 %

3 Sterne = 40 Bücher = 19,4 %

2 Sterne = 12 Bücher = 5,8 %

1 Stern = 0 Bücher = 0 %



Es waren viele große Highlight dabei. Diese 15 Bücher haben von mir eine 5+Bewertung bekommen:

  • Der glückliche Prinz und andere Märchen - Oscar Wilde
  • Die Aosawa-Morde - Riku Onda
  • Die Hexenjagd von Salem Falls - Jodi Picoult
  • Die lauschenden Wände - Margaret Millar
  • Die Schwarzen Vögel - Marten`t Hart
  • Dunkler Schmetterling. Die Orphan-Saga 1 bis 4 - V.C. Andrews
  • Fanny und Scylla oder die zweite Frau - Joan Aiken
  • In kalter Absicht - Anne Holt
  • Liebe, Schmerz und das ganze verdammte Zeug - Vier Geschichten - Doris Dörrie
  • Meine Cousine Rachel - Daphne Du Maurier
  • Nacht des Orakels - Paul Auster
  • Nachtstimmen - Dean Koontz
  • Onkel Toms Hütte - Harriet Beecher-Stowe
  • Stell dir vor, dass ich dich liebe - Jennifer Niven
  • Unsichtbar - Paul Auster


Erwähnen muss ich auch noch einige Neuentdeckungen wie Marten`t Hart, aber auch Charlotte Link, die mich gefühlt das gesamte Jahr sehr treu begleitet hat und deren Bücher nach anfänglichen Schwierigkeiten wirklich zu meinem Leben gehören.


Klassiker habe ich in diesem Jahr gefühlt allerdings zu wenig gelesen, das muss sich im neuen Jahr ein wenig ändern. Auch das Horrorgenre kam etwas zu kurz, dafür hat mich das Krimi-Genre durch viele ältere Werke wieder etwas gewonnen. Auch skandinavische Krimis gab es in diesem Jahr sehr viele für mich.

Dem ein oder anderen mag sicherlich bereits aufgefallen sein, dass ich nur noch selten etwas Privates teile und das mag daran liegen, dass ich einfach mit mir selbst mittlerweile im Einklang bin. Ich genieße jeden Tag und lasse mich von niemanden mehr von meinen Weg abbringen. In mir hat sich eine angenehme Ruhe breitgemacht, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Glücklicherweise habe ich nun keine negativen Menschen mehr in meinen Leben und auch keine, die Erfolg in Zahlen oder Geld messen. So konnte ich mich in diesem Jahr einfach auf das Schreiben konzentrieren, ganz ohne Druck und mit viel Freude und Inspiration.

Es war erneut ein Jahr ohne Strom, Wasser und

Heizung, das mich aber echt motiviert hat. Ich habe gemerkt, wie sehr sich mein Körper an die Jahreszeiten angepasst haben. Ich laufe jetzt im Winter bei Minusgraden in nackten Beinen rum und kann es kaum glauben, dass ich vor zehn Jahren selbst im Sommer manchmal zwei paar Socken getragen habe. Es ist unglaublich, was alles in uns steckt, wenn wir den Mut haben, mal etwas anders zu machen.

Ich hatte keine einzige Panikattacke im letzten Jahr, keinen Stress und ich war auch keinen einzigen Tag krank. Menschenkontakt hatte ich auch keinen mehr. Es war also sehr entspannt und vor allem naturverbunden. Aus diesem Gefühl entstand in diesem Jahr auch mein Slasher "Survive the Dew Wood", in dem es um eine Survivalshow und das Überleben im Wald geht.

Irgendwann kam mir zudem die Idee für Kurzgeschichten, die an Feiertagen spielen und daraus entstand dann das Projekt, an dem ich aktuell noch arbeite: Die vier Jahreszeiten in Rainfield. Dadurch lerne auch die Stadt noch intensiver kennen.

Ich bin sehr dankbar für all die Zeit, die ich in Rainfield verbringen darf. Es war ein sehr schreibintensives Jahr mit unzähligen gefüllten Notizbüchern. Nach wie vor lebe ich sehr minimalistisch, besitze nur Kleidung und eben das Schreibzeug. Bücher lese ich nur noch aus öffentlichen Bücherschränken, da ich den Sinn hinter dem Sammeln nicht verstehe. Für die ganzen Notizbücher brauche ich in Zukunft aber wohl mal eine Lösung zum Lagern, wegschmeißen möchte ich sie eher nicht, da doch mein gesamtes Herzblut der letzten Jahre darin steckt.


Meine Liebe für lange Wanderstrecken und intensive Bewegung hatte sich ja schon in den Jahren zuvor entwickelt. 2025 haben wir unsere bisher längste Wanderung absolviert. Es wurden 46,8 Kilometer in knapp 12 Stunden und das war ein Erlebnis, an das ich mich immer noch gerne zurückerinnere, weil ich dabei stark an meine Grenzen kam. Es war ein Kampf, der sich echt gelohnt hat. Im neuen Jahr stehen dann endlich die 50 Kilometer (falls Tinka dies mit ihren fast 13 Jahren noch schafft!) an und dann mal schauen, wie es sich noch steigern lässt.

Ich bin weiterhin Vegetarierin, nun schon seit über 13 Jahren und auch das trägt zu meinem Wohlbefinden definitiv bei. Ich möchte in Zukunft aber unbedingt noch eigenes Gemüse anbauen, auch wenn ich noch nicht weiß, wie und ob sich das mit meinem Landstreicher-Leben verbinden lässt. 

Seltsamerweise hatte ich im letzten Jahr eine Liebe zur Moselregion entwickelt, obwohl es mir im Sommer da viel zu touristisch war. Der Moselsteig war aber wahnsinnig schön, besonders an Regentagen und es gibt viele geheime Ecken und Wanderwege, die mich richtig geerdet habe. Irgendwie hat sich die Mosel in mein Herz geschlichen und wird mich wohl noch einige Zeit begleiten. Ich bin aber auch gespannt darauf, neue Orte zu entdecken und zu erkunden. Ich bin anscheinend echt eine Abenteuerin, die nur schwer am selben Ort bleiben kann. Eventuell war die all die Jahre das Hauptproblem, das mich so unglücklich gemacht hat. Man sollte sich niemals in ein Leben hineinzwingen, das andere vorgeben und das einem selbst nicht gefällt. Auf lange Sicht macht dies nur unglücklich.


Die Weihnachtszeit, die ich wohl niemals mögen werde, habe ich in diesem Jahr recht gut überstanden. Emotional habe ich mich schon vor vielen Jahren von meiner "Familie" gelöst und das war ein guter Schritt. Die erzwungene Harmonie an Weihnachten, das viele Essen und auch das Konsumverhalten war noch nie meins. So war auch diese Zeit für mich stressfrei. Schön war, dass wir die Wanderwege für uns hatten, weil alle anscheinend in den Städten unterwegs waren. 

Ich hoffe, ihr seid auch zufrieden mit eurem Jahr und falls nicht: Habt den Mut, eine neue Richtung einzuschlagen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Danke, dass ihr mich bis hierhin begleitet hat. Auch wenn ich sehr introvertiert bin und nur schwer langfristigen Kontakt aufrecht erhalten kann, bedeuten mir eure vielen kleinen Nachrichten, Kommentare, Leserunden und auch Rezensionen zu meinen Büchern sehr viel. Ihr seid längst ein Teil meiner Rainfield-Welt und dafür bin ich sehr dankbar.

Auf ins neue Jahr mit vielen Geschichten, Büchern, gefüllten Notizbüchern und langen Wanderstrecken!  Seid ihr mit eurem Jahr zufrieden?


Mittwoch, 31. Dezember 2025

[Rezension] Auf den Gipfeln der Welt - Jon Krakauer

  


Titel: Auf den Gipfeln der Welt

Autor:  Jon Krakauer

Genre: Bericht

Erscheinungsjahr: 2000

Seitenzahl: 304
Cover: © Piper
Begonnen: 04.12.2025
Beendet: 08.12.2025


In "Auf den Gipfeln der Welt" erzählt von dem Ruf der Berge und beschäftigt sich in insgesamt zwölf Reportagen mit der Frage, warum Menschen immer wieder ihr Leben aufs Spiel setzen, um beispielsweise den K2, den Montblanc oder den Mount Everest zu besteigen. Dabei gibt Jon Krakauer, selbst einige Berge erfolgreich besteigen konnte, Einblicke in diese Passion.

Ich kenne diese Abenteuerlust und habe auch eine tief verankerte Liebe zu Bergen in mir. Von daher fand ich die Geschichten hier unfassbar faszinierend, manchmal aber auch sehr erschreckend, denn Krakauer erzählt auch von Bergen, die den Menschen besiegen. Es geht also auch um Bergsteiger, die in eisigen Höhen den Tod fanden. Das geht hier besonders nahe.

Krakauer beschreibt sehr eindringlich verschiedene Berggipfel, aber auch das Canyoing, das Gletscherfliegen und das Bezwingen eingefrorener Wasserfälle. Dabei zeigen sich immer wieder die mentalen Herausforderungen, die hinter jedem Abenteuer stecken. Letztendlich geht es um das Überwinden der eigenen Grenzen und auch um das Abschätzen der Gefahren. Manchmal entscheidet ein winziger Moment über Leben und Tod. 

Besonders gefallen hat mir Krakauers Erzählung von seiner Solobesteigung des Devils Thumb in Alaska gefallen. Hier wuchs er über sich heraus, um am Ende aber wieder in seinem normalen Alltag zu landen. Mir hat das Buch einen guten Einblick in verschiedene Formen der Berg- und Kletterleidenschaft gegeben.



Krakauer erzählt von Menschen, die sich selbst herausfordern und dabei ihr Leben aufs Spiel setzen. Eine faszinierende, aber teilweise auch erschreckende Leidenschaft.

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 30. Dezember 2025

[Rezension] Die zwei Gesichter des Januars - Patricia Highsmith

 


 Titel: Die zwei Gesichter des Januars

Autor:  Patricia Highsmith

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 1974

Seitenzahl: 246
Cover: © Diogenes
Begonnen: 03.12.2025
Beendet: 05.12.2025


Chester MacFarland reist mit seiner Frau nach Griechenland. Was auf dem ersten Blick wie eine entspannte Urlaubsreise wirkt, ist für Chester gleichzeitig eine Flucht, denn er ist in einige krumme Geschäfte verwickelt. Als ein griechischer Polizist auftaucht, wird Chester zum Mörder und in Rydal, der zufällig in der Nähe ist, findet er einen Helfer, der nicht nur die Leiche wegschafft, sondern ihn auch begleitet. Leider fühlt sich Chesters Frau zu Rydal hingezogen ... 

Ich bin sehr froh, dass ich am Ende des Jahres noch ein Buch meiner Lieblingsautorin genießen konnte. "Die zwei Gesichter des Januars" ist eine Geschichte, die schon ein wenig an "Der talentierte Mr. Ripley" erinnert. Es geht um Verbrechen, die zur Flucht animieren und um eine recht verrückte Dreiecksbeziehung.

Die Charaktere sind tiefgründig und lassen sich - was ich bei Highsmith liebe - nicht wirklich in die Karten schauen. Chester versteckt sich hinter verschiedenen Namen und Identitäten, die es ihm ermöglichen, jegliche Schuld weit von sich wegzuschieben. So erschafft er sich eine eigene Realität und Wahrheit. Rydal hingehen ist von Anfang an recht verloren und ich hatte das Gefühl, dass er sich nur an Chester und Colette klammert, weil er hofft, sich dadurch selbst besser verstehen zu können.

Das Ende dieses Werkes ist ein großes Wirrwarr, aber genau das hat mir auch gefallen, denn Rydal und Chester geraten beide an einen Punkt, an dem die ganze Wahrheit keinen rechten Sinn mehr zu ergeben scheint. Mich hat die Geschichte bestens unterhalten und Rydal würde ich tatsächlich gerne noch einmal in einem anderen Werk treffen!




Ein weiteres Buch meiner Lieblingsschriftstellerin, das mich aufgrund der Charaktertiefe und dem unterhaltsamen Wirrwarr bestens unterhalten hat.

Ich vergebe 5 von 5.