Donnerstag, 15. Januar 2026

[Rezension] Die schwarzen Vögel - Maarten`t Hart

 


 Titel: Die schwarzen Vögel

Autor:  Maarten`t Hart

Genre: Roman, Krimi

Erscheinungsjahr: 2001

Seitenzahl: 320
Cover: © Piper
Begonnen: 29.122025
Beendet: 31.12.2025


Als seine Frau für eine Woche verreist, trifft sich Thomas Kuyper mit der Bibliothekarin Jenny, die er schon lange sehr anziehend findet. Doch dann taucht plötzlich die Polizei bei ihm auf: Jenny ist verschwunden und er ist der letzte, der sie lebend gesehen hat. Zu allem Überfluss ist Thomas auch noch Pharmakologe und experimentiert mit Ratten, die laut Ansicht der Polizei eine Leiche restlos beseitigen können ...

Von Maarten 't Hart habe ich zuvor noch nie etwas gehört gehabt, doch sein Stil hat mich von der ersten Seiten an gepackt und ein wenig an Patricia Highsmith erinnert. "Die schwarzen Vögel" ist ein außergewöhnlicher Krimi, der eine Ehe aufzeichnet, in der es schon lange Probleme gab. Leonie will unbedingt ein Kind und will nicht einsehen, dass es ihr selbst wohl niemals vergönnt werden wird. Thomas wird von diesem Kinderwunsch erdrückt und sucht deswegen die Nähe zu der unkomplizierten Jenny.

Alle Charaktere haben Ecken und Kanten, was mir hier besonders gut gefallen hat. Die Geschichte wird anfangs aus der Sicht von Thomas, später aber auch anhand von Briefen und Leonies sehr tiefgründigen Tagebucheinträgen erzählt. Überrascht war ich über all die Emotionen, die spürbar waren. Leonie ist verletzt und wird von ihrer Eifersucht förmlich zerrissen, zeitgleich bringt sie aber auch jede Menge Verständnis auf und hält zu ihrem Mann. Das hat mich sehr beeindruckt.

Die ganze Zeit stellt sich die Frage, wo Jenny stecken könnte. Das Tierlabor, in dem Thomas arbeitet, bietet dabei natürlich einen schaurigen möglichen Schauplatz für einen Mord. Die Wendung hat mir echt gefallen und ich bin begeistert darüber, daß Jahr mit diesem Highlight und dieser Neuentdeckung abschließen zu können.


Ein Krimi über eine zerbrechende Ehe, Eifersucht und eine Liebe, die sich nicht so leicht in Worte fassen lässt. Für mich war das Buch ein Highlight und der Autor eine grandiose Neuentdeckung zum Jahresende!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extrakäse.

Mittwoch, 14. Januar 2026

[Rezension] Verschollen im Eismeer - Jules Verne

  


Titel: Verschollen im Eismeer

Autor:  Jules Vernes

Genre: Roman, Klassiker

Erscheinungsjahr: 1970

Seitenzahl: 210
Cover: © Karl Müller Verlag
Begonnen: 26.12.2025
Beendet: 30.12.2025


Joerling, der einige Zeit auf einer Insel verbracht hat, will eigentlich nur in seine Heimat zurückkehren. Doch das erste Schiff, das nach dem Winter erscheint, will einen ganz anderen Weg einschlagen. Der Kapitän der Helbrane nimmt Joerling mit, doch das Schiff befindet sich auf einer ganz eigenen Expedition ...

Als ich mit diesem Klassiker begonnen habe, war mir gar nicht klar, dass es sich hierbei im Grunde um eine Fortsetzung von Edgar Allen Poes Roman rund um die "Abenteuer von Arthur Gordon Pyms" handelt. In einem Kapitel erzählt Jules Verne auch erst einmal die Handlung dieser Geschichte nach, die der Protagonist erst einmal für Fiktion, dann aber durch das Auffinden einer Leiche jedoch für wahr hält.

Kapitän Len Guy ist auf der Suche nach seinem verschollenen Bruder William Guy und so beginnt eine Reise durch die Antarktis zum Südpol. Dabei greift Jules Vernes immer wieder Poes Roman auf. Man spürt hier richtig, wie sehr er für die Geschichte brennt und ihr zudem ein etwas erklärendendes Ende geben will.

Manchmal war mir die Erzählung selbst zwar eine Spur zu trocken, dennoch gefiel mir dieses Abenteuer im eiskalten Meer, das hier einige Todesopfer fordert. Jules Verne versucht Antworten auf jene Fragen zu finden, die Poe wohl mit Absicht unbeantwortet ließ. So erklären sich hier im Grunde die Schicksale aller beteiligen Personen und das von Poe geheimnisvolle und offene Ende bekommt eine Auflösung. Etwas mehr Atmosphäre hätte das ganze Abenteuer aber nach meinem Geschmack gebraucht. "In 80 Tagen um die Welt" fand ich deutlich stärker von der Erzählweise - ob dies an der Übersetzung liegt kann ich aber nicht sagen.



Jules Verne setzt ein Werk von Edgar Allen Poe fort, um Antworten auf Fragen zu finden, die damals sicher viele Leser geplagt haben. Mir fehlte es dabei aber etwas an Atmosphäre ...

Ich vergebe 4 von 5.

Dienstag, 13. Januar 2026

Neue winterliche Kurzgeschichten ab heute!

💙💙💙 Heute erzähle ich euch ein wenig über die Winter-Kurzgeschichten 💙💙💙💙

In "Wintereinbruch" erlebt der Mobber Gill, der vergeblich auf den Schulbus wartet, einen ganzen besonderen Beginn dieser kalten Jahreszeit.

"Grüß ihn besser nicht" handelt von Fynn, der es gehasst hat, in Deutschland jeden zwangsweise grüßen zu müssen. Um an den Erwartungen seiner Mitmenschen nicht zu zerbrechen, nimmt er an einen Schüleraustausch teil und blüht richtig auf. Bis er auf einer langen Wanderung ein deutsches Ehepaar trifft.


"Das Geschenk" erzählt von der obdachlosen Donna, die in der Ramshakle Road einfach nur einen Ort zum Sterben sucht, dann aber auf eine Namensvetterin trifft, die ihr ein besonderes Geschenk macht.

Blake hat Angst vor seiner Schwester Nancy, die auch den Titel der nächsten Kurzgeschichte liefert. Könnte sie ein Wechselbalg sein?

In "Die Feuerprobe" erzähle ich mehr von dem neuen Hexenzirkel, der sich schon im letzten Band gegründet hat. Es fehlt jedoch noch das vierte Element in ihrer Runde ...

"Blut und Fleisch" beschreibt einen Mondvampir oder auch Blutwerwolf. Ein Mischwesen aus beiden Kreaturen, mächtig und unsterblich ...

Darryl ist ein echter Mädchenschwarm, der schon viele Herzen gebrochen hat. Er hat sich vorgenommen, sich niemals zu verlieben, doch dann ist da June, die in "Das gebrochene Lebkuchenherz" seltsame Gefühle in ihm auslöst.

Der gerade erst eröffnete Secondhand-Laden von Maura läuft nicht besonders gut. Doch dann erscheint ein Vertreter, der ihr eine Schaufensterpuppe mit dem Namen "Lady Eliška" anbietet ...

In "Wie jeder normale Mensch" klammert sich Lucille an einen Alltag, der schon lange nicht mehr existiert.

Das Autokino im Dew Wood ist Schauplatz der nächsten Geschichte mit dem Titel "Ho ... Ho ... Ho ..." und es ist an Weihnachten nicht wirklich gut besucht ...

Carrie sucht in "Die Regenkugel" ein Geschenk für ihre Großmutter, die sich niemals über etwas freut. In einem sehr speziellen Laden wird sie fündig.

Der Kindermörder "Raven Raynes" hat eine eigene, traurige Geschichte, die ich natürlich auch mit euch teilen möchte.

In Winterende treffen wir eine alte Bekannte aus dem letzten Buch. Claire, die ihren Job als

Schulpsychologin nach den Geschehnissen im Herbst aufgegeben hat, steht nun kurz vor einer Hochzeit, die sich einfach nicht richtig anfühlt ...

Ich würde mich sehr über euren Besuch in Rainfield freuen.  💙💙

Montag, 12. Januar 2026

[Rezension] Das unerträgliche Weiß zu Weihnachten: und andere winterliche Morde - Håkan Nesser


  Titel: Das unerträgliche Weiß zu Weihnachten

Autor:  Håkan Nesser

Genre: Kurzgeschichten

Erscheinungsjahr: 2014

Seitenzahl: 176
Cover: © btb
Begonnen: 23.12.2025
Beendet: 26.12.2025


In fünf Kurzgeschichten zeichnet Håkan Nesser die düstere und melancholische Seite von Weihnachten auf. Für mich war dieses kleine Büchlein in diesen Jahr die perfekte Lektüre über die Feiertage.

In "Herr Kader" reißen wir in ein warmes Ferienparadies und beobachten eine seltsame Ehe, aus der es nur einen Ausweg gibt. Die Geschichte gefiel bis auf das Ende. "Shit happens" ist ausgesprochen amüsant, denn hier sitzt ein falscher Weihnachtsmann, der Juwelen gefressen hat, in einer Zelle, damit sein Stuhlgang überwacht wird.

"Eine unwahrscheinlicher Begegnung", geschrieben mit Henning Mankell beschreibt das Recht melancholische Aufeinandertreffen von Wallander und Van Veeteren. Sehr witzig fand ich zudem, dass sie auf ihre Schöpfer treffen.

"Wie ich meine Tage und Nächte verbringe" ist wieder eine klassische Krimigeschichte über einem Schriftsteller, der für seine Frau jemanden töten will. Auch diese ist sehr unterhaltsam. Mein großer Favorit in diesem Band war jedoch "Das unerträgliche Weiß zu Weihnachten". Die kleine Beate will unbedingt einen Hundewelpen zu Weihnachten bekommen und hat einen bitterböse Plan für den Fall, das dies nicht geschieht.

Alle fünf Geschichten waren originell, kreativ und passten für mich von der Stimmung perfekt zu den Feiertagen, die mich jedes Jahr mental vor eine kleine Herausforderung stellen. Håkan Nesser und seine Bücher werden mich auch im nächsten Jahr weiter begleiten.



Für mich war diese melancholische, amüsante und vor allem bitterböse Geschichtensammlung in diesem Jahr die perfekte Weihnachtslektüre!

Ich vergebe 5 von 5.

Sonntag, 11. Januar 2026

[Rezension] Evas Auge - Karin Fossum


 Titel: Evas Auge

Autor:  Karin Fossum

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2003

Seitenzahl: 368
Cover: © Piper
Begonnen: 22.12.2025
Beendet: 24.12.2025


Die Künstlerin Eva hat plötzlich mehr Geld, doch auch einen Haufen Probleme. Vor allem als sie mit ihrer Tochter eine angespülte Leiche findet, daraufhin aber nicht die Polizei ruft. Eva hat nämlich etwas mit dem Mord zu tun, auch wenn alles ganz anders ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Karin Fossum hat es in diesem Jahr geschafft, in der Liste meiner Lieblingsautoren ganz weit nach oben zu klettern. Ihre Krimis sind außergewöhnlich von der Erzählweise, gehen sehr tief und besitzen meistens sehr bittere Wendungen. Auch "Evas Auge" hat mich von der ersten Seite in den Bann gezogen. 

Mit der Malerin Eva konnte ich mich direkt identifizieren. Als Künstlerin nagt sie förmlich am Hungertuch, ist aber nicht bereit, ihre Leidenschaft aufzugeben. Sie trifft schließlich auf ihre alte Freundin Maja, die ihr eine Möglichkeit aufzeichnet, wie Eva schnell an Geld kommen kann. Doch ist Eva überhaupt in der Lage, ihre eigenen Werte und Ideale zu verraten? Ja, einen Teil ihrer Seele aufzugeben?

Der Krimi ist sehr clever aufgebaut, denn der Leser wird direkt mit Evas Schuld konfrontiert, kennt die Hintergründe, die alles in ein ganz anderes Licht rücken, aber noch nicht. Der sensible Sejer als Ermittler war für mich hier mal wieder eine willkommene Abwechslung zu den stereotypischen und problembelasteten Kommissaren in anderen Krimis. Das Ende dieses Falls hallt auch hier wieder nach und könnte kaum bitterer sein. Ich bin weiterhin unfassbar begeistert von Karin Fossum und ihrem großen Talent!



Karin Fossum konnte mich abermals mit einem außergewöhnlichen und raffinierten Krimi in den Bann ziehen. Eine großartige Autorin!

Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 10. Januar 2026

[Rezension] Inmitten der Nacht - Rumaan Alam

 


Titel: Inmitten der Nacht

Autor:  Rumaan Alam

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2021

Seitenzahl: 320
Cover: © btb
Begonnen: 19.12.2025
Beendet: 23.12.2025


Amanda und Clay fahren mit ihren beiden Kindern in ein teures und sehr abgelegenes Ferienhaus auf Long Island. Es soll ein Urlaub werden, wie viele Familien ihn verbringen und der vorwiegend aus Nichtstun besteht, um Kraft für ihren gewohnten Alltag zu sammeln. Doch dann taucht ein älteres, schwarzes Ehepaar auf, das behauptet, dieses Haus würde ihnen gehören und mit der Welt außerhalb würde etwas nicht stimmen ... Steht etwa der Weltuntergang bevor?

Erst beim Lesen fiel mir auf, dass ich die unter einem anderen Titel erschienene Verfilmung zu diesem Roman bereits vor einiger Zeit gesehen hatte. Die Idee selbst rund um das Spiel mit der Unsicherheit und Ungewissheit der Menschen empfand ich sowohl im Buch als auch im Film als sehr gelungen. Wir haben hier eine typische, etwas festgefahrene Familie, die einfach nur einen normalen Urlaub verbringen will, aber damit konfrontiert wird, dass von allen Seiten ein totaler Zusammenbruch ihres gewohnten droht. Gemeinsam mit den Besitzern des Hauses, die für sie nur Fremde sind, klammern sie sich noch an einen Alltag, den es wohl so niemals mehr geben wird. 

So genial ich die Ideen rund um dieses Endzeitszenario fand, so ernüchternd war manchmal die Erzählweise in diesem Roman. Mir waren manche Themen einfach zu aufgezwungen, die stereotypische weiße Familie zu eindimensional und der ganze Small Talk zwischen den beiden Ehepaaren sehr ermüdend. Zudem fehlte es mir an einem Umdenken, denn vieles wird nur kurz angeschnitten. Film und Buch ähneln sich schon sehr. Beides endet offen und für mich leider etwas unbefriedigend. So genial ich dieses Endzeitszenario auch fand, Buch und Film greifen es einfach zu oberflächlich auf. Da wäre mehr möglich gewesen!


Ein Endzeitszenario, das ich wirklich originell und einzigartig finde, dass sich aber aufgrund der zu ruhigen Erzählweise und der fehlenden Tiefe leider nicht entfalten kann.

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 9. Januar 2026

[Rezension] Nacht der Auferstehung - Jeffrey Sackett


Titel: 
Nacht der Auferstehung

Autor:  Jeffrey Sackett

Genre: Horrorroman

Erscheinungsjahr: 1989

Seitenzahl: 475
Cover: © Knaur
Begonnen: 16.12.2025
Beendet: 22.12.2025


Simon Proctor tritt als Rockmusiker und Hexenmeister auf den großen Bühnen auf. Sein neuestes Projekt ist jedoch ein Horrorfilm, in dem er die Geschichte seines Vorfahren John Proctor erzählt, der in Salem während der Hexenprozesse den Tod fand, nachdem er sich mit zwei Mädchen eingelassen hat. In Simons Leben treten ebenfalls plötzlich zwei junge Mädchen, die sich dem Satanismus verschrieben haben und Simons ganze Familie ins Unglück stürzen ...

"Nacht der Auferstehung" wirkt von der ersten Seite an wie ein Splatter-Film aus den 90ern. Es kommt jede Menge nackter Haut vor und es fließt auch recht viel Blut. Simon lernen wir als Musiker kennen, der die große Show liebt und den Hexenmeister auf der Bühne nur darstellt. Er zieht jedoch auch seine beiden Kinder und deren Freunde immer tiefer in die Welt des Satanismus hinein. 

Jeffrey Sackett konnte mich mit "Nacht der Aufstehung" auf jeden Fall unterhalten, auch wenn er kaum Wert auf Atmosphäre legt. Stattdessen versucht er zu schocken, was ihm gut gelingt. Interessant ist auch die Vorgeschichte von John Proctor. Für mich war dies alles allerdings keine Art von Horror, die mir wirklich eine Gänsehaut bescheren kann.

Sympathisch sind die Charaktere allesamt nicht. Mitfiebern konnte ich im Grunde nur mit Simons Tochter Rowena, die als einzige etwas Verstand zeigt. Ansonsten wirken alle anderen Personen wie typische Personen aus einem etwas trashigen Horrorfilm. Das muss man wohl mögen, um sich auf die Geschichte einlassen zu können. Ich hatte Spaß beim Lesen.



Ein Horrorroman über Satanismus, der zwar wenig Wert auf Atmosphäre legt, dabei aber das typische Feeling der 90er-Jahre-Horrorfilme aufgreift. Mit allen Stärken, aber auch Schwächen ...

Ich vergebe 4 von 5.