Titel: Atlantis
Autor: Stephen King
Genre: Kurzgeschichten, Novellen
Erscheinungsjahr: 2001
Seitenzahl: 624
Cover: © Heyne
Begonnen: 15.01.2026
Beendet: 20.01.2026
"Atlantis" ist wohl das reifste Werk von Stephen King, in dem es einmal nicht um ein klassisches Horrorszenario geht, sondern der Schmerz des Erwachsenwerden beschrieben wird. Alle fünf hier gesammelten Novellen befassen sich dabei mit dem Vietnamkrieg, der dunkle und gefräßige Schatten wirft und sich nicht mehr ignorieren lässt.
Das Herz dieser fünf Novellen bildet meiner Meinung nach die erste und auch längste Geschichte. Auf knapp 300 Seiten wird in "Niedere Männer in gelben Anzügen" von Bobby erzählt, der im Jahre 1960 seinen elften Geburtstag feiert und dann Freundschaft mit dem neuen Mieter Ted schließt. Bobby verliebt sich, erfährt von geheimnisvollen, unheimlichen Botschaften und muss schließlich auf sehr schmerzhafte Weise erwachsen werden. Passend sind hier besonders die Anspielungen an William Goldings "Herr der Fliegen", denn in dieser Geschichte geht es erst einmal um eine ganz andere Art des Krieges, die wohl jeder Heranwachsende kennt.
"Herzen in Atlantis" entführt schließlich ins Jahr 1966 und an ein College, auf dem Pete Riley mit anderen Studenten dem Kartenspiel "Hearts" verfällt. Ich musste mich hier erst einmal mit dem Spiel vertraut machen, fand dann aber die Symbolik dieser Geschichte unfassbar stark. Während sich die erste Widerstandsbewegungen formieren, fliehen die Studenten in die Welt des Spieles und vernachlässigen dabei ihre eigene Zukunft, die eh im Ungewissen liegt.
In "Blind Willie" sind im Jahre 1983 die Nachwirkungen des Krieges zu spüren. Bill, der auch in der ersten Novelle schon eine Rolle spielte, trägt den Vietnamkrieg mit sich herum, indem er sich in den blinden Willie verwandelt und Geld erbettelt, das er im Anschluss spendet. Eine unfassbar nachhallende Geschichte über eine Schuld, die niemals verschwindet.
Die beiden letzten und recht kurzen Geschichten katapultieren ins Jahr 1999 und schließen den Kreis, denn wir erfahren vom Ende eines Charakters und vom Widersehen anderer. Auch hier gibt es viele Metaphern und eine wunderballe Symbolik, die zeigt, dass die Vergangenheit einem unter sich begräbt, wenn man nicht irgendwie Frieden mit ihr schließt. Auch die Anspielungen an den "dunklen Turm" haben mir hier sehr gefallen und ich kann abschließend nur sagen, dass ich in "Atlantis" wieder ein großes Highlight gefunden habe.




Schönen guten Morgen!
AntwortenLöschenWir haben ja letztes Jahr dieses Buch in einer Leserunde gelesen, schade dass du nicht dabei warst! Vor allem ich hatte mit der Geschichte mit den Studenten echt zu kämpfen. Für mich ging das alles sehr zäh voran und das Kriegsthema hab ich eh immer nicht so gerne in Geschichten, ich kann dem nichts abgewinnen - wohl ähnlich wie die Studenten ^^ Du hast es aber sehr gut zusammen gefasst, worum es hier ging. In dieser Zeit haben sie ihr möglichstes getan um sich abzugrenzen und der "Wahrheit" nicht begegnen zu müssen.
Die anderen Geschichten konnten mich aber auch sehr begeistern!
Liebste Grüße, Aleshanee
Huhu Aleshanee
LöschenIch bin erst durch euch auf das Buch aufmerksam geworden, es ist irgendwie jahrelang unbemerkt an mir vorbei gegangen, was mich auch echt verwundert!
Übrigens hatte ich es nur ein paar Tage nachdem ich die Rezension bei Nicole entdeckt habe, um Bücherschrank gefunden, was echt gruselig war. Ich wäre bei eurer Leserunde echt gerne dabei gewesen, über das Buch kann man sicher perfekt diskutieren.
Liebe Grüße
Jessi
Hallo Jessi,
AntwortenLöschenich freue mich, dass du nun auch Gelegenheit hattest, es zu lesen. :) Ja, ein ganz tolles Buch. Nur mit den Karten hatte ich zu kämpfen. Das war ein ziemliches zähes Spielchen. ^^ Ansonsten wäre es auch für mich ein Highlight gewesen.
Liebe Grüße
Nicole
Huhu Nicole
LöschenOh ja, Ich habe mir bei Wikipedia die Spielregeln durchlesen müssen. Auf der Wikiseite ist ja sogar das Buch erwähnt, das fand ich echt interessant! Mir gefiel es aber seltsamerweise, weil es so schön passte, allein das es "Hearts" hieß, die Spieler haben ja echt ihr Herz reingesteckt, auch eben um es zu beschützen vor der Welt/Realität.
Also ja, ich fand das Buch klasse. Ich frage mich, ob ich es auch im Bücherschrank entdeckt
Hätte, wenn ich nicht zuvor deine Rezension gelesen hätte xD manchmal ist es echt Magie.
Liebe Grüße
Jessi
Hallo Jessi,
Löscheneigentlich ist's schon fast gruselig, dass du das Buch direkt nach der Rezension gefunden hast. XD Wirklich ein magischer Zufall.
Liebe Grüße
Nicole