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Sonntag, 6. September 2026

[Rezension] Die Taube - Patrick Süskind

 


 Titel: Die Taube

Autor:  Patrick Süskind

Genre: Novelle 

Erscheinungsjahr: 1987

Seitenzahl: 98
Cover: © Bertelsmann

Begonnen: 05.08.2026
Beendet: 07.08.2026


Patrick Süskind ist mir bisher nur von seinem grandiosen Werk "Das Parfum" bekannt. In einer kleinen Leserunde haben wir uns aber nun mit Novelle "Die Taube" beschäftigt, in der ein Mann in einem Alltagstrott gefangen ist, durch das Auftauchen einer Taube - die für ihn das pure Chaos zu bedeuten scheint - aber plötzlich alles hinterfragt.

Der Autor beschäftigt sich in der relativ kurzen Geschichte mit der Angst vor Veränderungen. Jonathan ist nach einigen traumatischen Erlebnissen in seiner Kindheit froh darüber, auf zwanzig Jahre Ereignislosigkeit zurückzublicken. Er ist zufrieden mit seinem winzigen Zimmer, das er sogar kaufen möchte und auch mit seinem Job als Wachmann in einer Bank. Doch dann wirft ihn der Anblick einer simplen Taube im Flur des Hauses komplett aus der Bahn und er beginnt, sein eigenes Leben mit ganz anderen Augen zu betrachten.

Süskind, der ja selbst als sehr menschenscheu gilt und nicht in der Öffentlichkeit auftritt, zeichnet hier ein sehr einsames, fast schon trostloses Leben auf. Sein Protagonist redet sich jedoch unermüdlich ein, dass alles in Ordnung und er selbst glücklich ist. Ich empfand dies als ein sehr passendes Bild einer Gesellschaft, in der Veränderungen oft gemieden werden aus Angst davor, gewisse Sicherheiten aufzugeben.

Mir hat sich beim Lesen oft die Kehle zugeschnürt, denn es wird deutlich, dass sich Jonathan im Kreis bewegt und am Ende genau dort wieder ankommt, wo die Geschichte begonnen hat. Es ist eine Novelle, die Tiefgang besitzt und zum Nachdenken anregt, manchen Leser vielleicht aber sicherlich auch den Finger in eine offene Wunde presst. Mir hat diese Geschichte gezeigt, dass ich mich nun einmal intensiver mit Patrick Süskinds Werke beschäftigen sollte!


Eine kurze, aber intensive Novelle, die einen sehr einsamen Mann beschreibt, der in seinem eigenen Leben gefangen ist und bleibt.

Ich vergebe 5 von 5.

Montag, 24. Dezember 2018

[Rezension] Die Drehung der Schraube - Henry James

Titel: Die Drehung der Schraube 
Autor:  Henry James
Genre: Horror, Mystery, Novelle
Erscheinungsdatum: 27. September 2010
Anzahl der Seiten: 304
Cover und Inhaltsangabe © Manesse Verlag



"Zwei engelsgleiche Zöglinge, ein märchenhaft schönes Landhaus – für eine junge Erzieherin scheint sich gleich die erste Anstellung als glückliche Wahl zu erweisen. Einzig ein Mann und eine Frau, die sich ihr mehrfach auf mysteriöse Weise zeigen, um kurz darauf wieder zu verschwinden, trüben die Unbeschwertheit und nähren ihre Zweifel: Warum wurde Miles – ein doch offenbar braver Junge – der Schule verwiesen? Weiß die kleine Flora mehr als sie zugibt? Sind Liebreiz und Unschuld der beiden Kinder nur Fassade? Und warum verweigert der Dienstherr, der charmante Onkel der Zöglinge, jede Hilfe? Dem Leser als staunendem Zeugen des Geschehens stellt sich schon bald eine ganz andere Frage: die nach der Verlässlichkeit der Erzieherin und Erzählerin der vorliegenden Geschichte."




Durch eine Bloggerkollegin wurde ich schon vor einiger Zeit auf diesen Klassiker aufmerksam und da ich Grusel- und Geistergeschichten mag, ging es für mich jetzt, ganz passend zur Winterzeit in dieses unheimliche Anwesen, in dem zwei Geister anscheinend ihr Unwesen treiben.

"Die Drehung der Schraube", eine Novelle die bereits 1898 erstmals erschien, besitzt dabei einen ganz eigenen Charme. So wird die Geschichte von einem Erzähler berichtet, der selbst gar nicht persönlich involviert ist, sondern das Geschehen in Form einer Gruselgeschichte wiedergibt. Dabei wird eine gewisse Distanz geschaffen, denn stellenweise liest es sich tatsächlich wie eine reine Nacherzählung.

Durch viele ellenlange Sätze, die zudem sehr verschachtelt sind, habe ich besonders am Anfang einige Zeit gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Sie besitzt auf jeden Fall einen ganz eigenen Stil und irgendwie auch eine ganz besondere Atmosphäre.

Dennoch muss ich sagen, dass mir besonders die Atmosphäre hier gefallen hat. Es gibt einige sehr unheimliche Gänsehaut-Momente. Zudem muss der Leser selbstständig mitdenken und selbst interpretieren, was den einen oder anderen sicher abschreckt, mich aber tatsächlich noch näher an die Geschichte gebracht hat.




Die Geschichte, die ein unbekannter Erzähler hier wiedergibt, beginnt eigentlich recht harmlos mit der Ankunft der neuen Gouvernante. Sie lernt die Kindern kennen, stößt dann aber auf einige Dinge, die sich ihr nicht erschließen. So wurde beispielsweise Miles dem Internat verwiesen und Flora scheint mehr zu sehen, als sie zugibt.

Die Gouvernante selbst ist dabei gar nicht einmal so gut charakterisiert. Im Grunde agiert sie in dieser Geschichte nur und wir verfolgen sie dabei, wie sie die "Wahrheit" herausfinden will und dabei auf einige unheimliche Dinge stößt. Ihr scheint sehr viel an den Kindern zu liegen, vielleicht eine Spur zu viel ...

Der Spannungsbogen hat mir hier gut gefallen. Ganz schleichend zieht sich das Grauen durch die Handlung, kommt dabei aber ohne große Schockmomente und natürlich auch ohne Blut und Gewalt aus. Dafür ist eine gewisse subtile Spannung dauerhaft vorhanden. So hatte ich beim Lesen tatsächlich öfters ein beklemmendes Gefühl, das mich zwang, kurz vom Buch aufzublicken.

Das Ende von "Die Drehung der Schraube" ist sicher nicht jedermanns Geschmack, denn es gibt hier auch einige Interpretationsmöglichkeiten. Für mich kommen hier zwei Möglichkeiten in Frage, natürlich hat sich mein Kopf schon auf die "logische" der beiden versteift. Natürlich verliert das Buch gerade zum Ende hin dadurch etwas das "Mystische", besitzt aber dennoch einen wunderbaren Nachklang ...




"Die Drehung der Schraube" ist auf dem ersten Blick eine recht typische Geistergeschichte, bei der sich das Grauen auf sehr subtile Weise einschleicht und eine angenehm schaurige Atmosphäre aufbaut ...


Donnerstag, 1. Dezember 2016

[Rezension] Weihnachten bei den Padderborns - Sandra Pulletz

Titel: Weihnachten bei den Padderborns
Autor: Sandra Pulletz
Genre: Kurzgeschichte, Novelle
Bereits gelesene Geschichten der Autorin: Highschool Halloween
Cover und Inhaltsangabe ©  Sandra Pulletz



"Zu Weihnachten will die gesamte Familie Padderborn zusammenkommen. Nadine, die Planerin der Großfamilie, bereitet die Feier schon seit Monaten vor, denn sie soll etwas ganz Besonderes für alle werden. Ihre Schwester Bettina hingegen ist froh, sich nicht an den Vorbereitungen beteiligen zu müssen, denn Sohn Liam beansprucht schon ihre ganze Aufmerksamkeit und Mutters ständige Nörgelei ist auch nervenraubend genug. Als die drei Generationen schließlich zusammentreffen, geraten Nadines sorgfältige Pläne beinah allesamt ins Wanken und das perfekte Fest droht gründlich in die Hose zu gehen. Die festliche Stimmung scheint endgültig zu kippen, als Papa beim Baumaufstellen beinah ein Blutbad anrichtet und dann auch noch von Trennung die Rede ist … Am Ende liegt es ausgerechnet an Bettina, das Schlimmste zu verhindern – doch wird sie es schaffen und Familie Padderborns unvergessliches Weihnachtsfest retten?"




Passend zu Weihnachten ist von der lieben Sandra Pulletz eine unterhaltsame Weihnachtsgeschichte erschienen, die ich schon vorab lesen durfte und euch nun, zu Beginn der Weihnachtszeit gerne vorstellen würde. Sandra Pulletz bleibt ihren Stil treu und präsentiert hier wie zu Halloween wieder eine kurze und knackige Geschichte, die richtig schön Weihnachtsstimmung aufkommen lässt. (Und das will bei mir als Weihnachtsmuffel echt was heißen!)

Sandra Pulletz hat mit "Weihnachten bei den Padderborns" eine Geschichte über Weihnachtsstress, über die ewig gleichen Erwartungen und über das Beisammensein der Familie geschrieben. Dabei herrscht hier vor allem Chaos, denn mit Bettina hat sie sich eine recht schusslige und dennoch liebenswerte Protagonistin ausgesucht!



Es weihnachtet wieder einmal und bei den Padderborns soll es wie jedes Jahr das perfekte Weihnachten geben. Aber was ist schon perfekt? Während Bettinas Schwester Nadine alles bis ins kleinste Detail plant, lässt Bettina einfach alles auf sich zukommen und das erweißt sich schnell als riesiger Fehler. Wie kocht man das perfekte Weihnachtsmenü? Und was ist mit den Geschenken und dem Baum? Und wie geht man damit um, wenn die eigenen Eltern plötzlich von Trennung reden?

Mich hat die Kurzgeschichte "Weihnachten bei den Padderborns" von Sandra Pulletz zum Lachen gebracht. Mit Bettina konnte ich mitfühlen und ich mochte ihre liebevoll chaotische Art. Die ganze Familie war, trotz kleiner Macken, sehr liebenswert und ich habe mich glatt als Teil der Familie gefühlt.

Die Novelle besitzt einige Überraschungen, sehr viel Witz und eine Wärme, die den eisigkalten Winter vergessen lässt! Ich bin nach wie vor von Sandra Pulletz Schreibstil begeistert und ich denke, wir werden noch viel von ihr hören beziehungsweise lesen!




"Weihnachten bei den Padderborns" ist eine Novelle, die sich schnell lesen lässt und garantiert für Weihnachtsstimmung sorgt. Eine absolute Empfehlung von mir!

Ich vergebe 5 von 5 Käseratten.