Posts mit dem Label Rman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 6. Februar 2019

[Rezension] Der Schrei der Eule - Patricia Highsmith

Titel: Der Schrei der Eule
Autor: Patricia Highsmith
Genre: Krimi, Roman
Erscheinungsdatum: 1976
Anzahl der Seiten: 268
Cover und Inhaltsangabe © Diogenes




"Der sensible und labile Robert Forester lebt nach der Trennung von seiner Frau in der Kleinstadt Langley. Auf seinen einsamen Spaziergängen beobachtet er in einem Haus ein Mädchen und wird immer stärker von ihrem Anblick angezogen. Als er Jenny eines Tages kennenlernt, verliebt sie sich in ihn und löst ihre Verlobung mit Greg. Greg versucht, Jenny wiederzugewinnen, doch sie liebt Robert. Der mag sie zwar, liebt sie aber nicht ..."




"Der Schrei der Eule" ist mittlerweile mein viertes Buch von Patricia Highsmith und ich kann nur wieder einmal betonen, wie froh ich bin, diese überaus talentierte Autorin entdeckt zu haben. Ihre Werke heben sich deutlich von der breiten Masse ab und ihr Blickwinkel auf das Gute und auch das Böse in den Menschen ist beeindruckend.

Ihre Geschichte besitzen keine normale Krimihandlung, es geht, wie ich schon in den anderen Rezensionen geschrieben habe, nicht um das "Wer" hinter einer Tat sondern um das große "Warum". Patricia Highsmith möchte,  dass der Leser versteht, was hinter einer Tat steckt, ja sie möchte den Leser förmlich zwingen, einen genauen Blick zu riskieren und sich ein eigenes Bild zu verschaffen.

"Der Schrei der Eule" ist nicht nur eindringlich, nein, es geht unter die Haut und verschlingt den Leser förmlich. Es zeigt auf schockierende Art und Weise, wie Menschen ticken. Dabei geht die Autorin auch hier wieder auf die Ungerechtigkeiten der damaligen und leider auch heutigen Gesellschaft ein und zeigt schonungslos, dass die Menschheit sich wohl niemals ändern wird ...




- Robert -

Robert Forrester ist ein einsamer Mann, der gerade aber auf dem Weg der Besserung zu sein scheint. Seine Depressionen und das Gefühl der Einsamkeit treiben ihn zu dem Haus eines jungen Mädchen und auf dem ersten Blick erscheint er hier tatsächlich wie der typische Voyeur, vor dem man sich in Acht nehmen muss. Doch es ist doch alles ganz anders ...

Robert sehnt sich einfach nur nach Glück, ist nach der gescheiterten Ehe mit seiner Frau aber nicht bereit, sich noch einmal zu verlieben. Als er Jenny plötzlich persönlich kennenlernt, ist plötzlich alles anders ... Hat er vielleicht die falsche Frau beobachtet? Eine Frau, die mit ihrem Verlobten alles andere als glücklich ist? Ja, die ihn als Fügung des Schicksals ansieht?

Sehr tiefgründig beschreibt Patricia Highsmith unseren Protagonisten, der hier eigentlich nur friedlich leben und anderen nicht zur Last fallen möchte - plötzlich aber als Voyeur und sogar als Täter angesehen wird. Die Ungerechtigkeiten die Robert hier zu spüren bekommt, gingen mir sehr nahe. Selten habe ich so mit einem Protagonisten gelitten!

- Jenny -

Jenny ist keine normale und vor allem keine glückliche Junge Frau - auch wenn dies auf den ersten Blick so scheint. Sie ist mit Greg verlobt, den sie irgendwie mag, aber definitiv nicht liebt. Als sie Robert um ihr Haus schleichen sieht, lädt sie ihn spontan zu sich ein und verliebt sich in ihn.

Schon allein dieses Fehlen von Angst und die sofortige Vertrautheit zu Robert spiegeln Jennys Charakter sehr gut wieder. Sie gibt sich so sehr hin, dass sie die Verlobung zu Greg auflöst und sich ganz auf Robert konzentrieren - auch wenn dieser nicht an einer Beziehung mit ihr interessiert ist.

Auch Jenny wird hier sehr vielschichtig, aber auch sehr düster beschrieben. Ihre Geschichte fand ich furchtbar traurig.




Patricia Highsmith besitzt einen sehr kritischen Blick auf die Menschen. Sie sieht das Gute, aber auch das Schlechte, das sich in ihren Romanen/Krimis in das absolut Böse verwandelt. Dabei zwingt sie den Leser genau hinzuschauen und sich ein eigenes Urteil zu bilden!

So haben wir hier zu Beginn der Geschichte einen gebrochenen Mann, der heimlich eine junge Frau beobachtet. Auf den ersten Blick wirkt es verstörend, doch je intensiver wir Robert kennenlernen, so wird klar, dass er ein sehr verlorener Mann ist, der niemanden ein Leid zufügen will.

Leider gerät Robert hier einen Strudel aus Obsession und Gewalt, obwohl er eigentlich nur ein ruhiges Leben führen möchte. Er mag Jenny, doch kann sie momentan nicht lieben. Das ist für die junge Frau, die zu allem Überfluss auch noch ihren Verlobten Greg verlässt, schwer zu ertragen. Hinzukommt, dass Greg auch alles andere als begeistert über die Trennung ist - und dies Robert, den er als Hauptverantwortlichen sieht, auch deutlich spüren lässt!

Robert gerät also zwischen die Fronten und wird schnell auch von der Öffentlichkeit verurteilt. Als es dann auch noch augenscheinlich zu einem Verbrechen kommt, steht für die Leute der Schuldige schnell fest: Es muss der Voyeur sein, der einem anderen die Frau ausspannen wollte. Hier gibt es keine Uschuldsvermutung, nein, vielmehr sollte es heißen: Er ist schuldig bis er selbstständig seine Unschuld bewiesen hat ...

"Der Schrei der Eule" war wieder ein Buch, das mich furchtbar mitgenommen. Es hat mich innerlich zerrissen, so sehr habe ich mit Robert und Jenny gelitten. Patricia Highsmith, die mittlerweile zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört, hat hier eine sehr verstörende, ungerechte Geschichte verfasst, die wütend macht, den Leser verzweifelt zurücklässt und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

Die Geschichte zeigt wieder einmal, wie leicht wir Menschen doch urteilen - oft genügt ein Blick, eine winzige Informationen um jemanden abzustempeln. Dabei wäre es gar nicht so schwer, einmal hinter die Fassade zu schauen - ja, Dinge zu hinterfragen, statt sie einfach hinzunehmen. Das Ende von "Der Schrei der Eule" könnte nicht tragischer und ironischer sein. Außenseiter, Andersdenkende, ja Menschen fern der Normalität, werden wohl immer abgestempelt werden ... weil es eben leichter ist ...



Mit "Der Schrei der Eule" hat Patricia Highsmith ein kleines, stilles Meisterwerk hingelegt. Es geht um Obsession, um Schuld und Unschuld und die Gesellschaft, die viel zu schnell (ver-)urteilt. Ein Buch, das bewegt, verstört, wütend macht und zum Nachdenken anregt!


Freitag, 29. Dezember 2017

[Rezension} Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit - Gilly Mcmillan

Titel: Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit
Autor:  Gilly Mcmillan 
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. Februar 2017
Anzahl der Seiten: 464
Cover und Inhaltsangabe © Knaur




"Niemals darf Zoes Stiefvater erfahren, was vor drei Jahren geschehen ist. Das hat ihre Mutter Maria der 18-Jährigen wieder und wieder eingetrichtert. Nichts darf die Idylle ihres perfekten neuen Lebens zerstören. Doch als die hochbegabte Pianistin Zoe gemeinsam mit ihrem Stiefbruder ein Konzert gibt, taucht im Publikum ein Mann auf, der Zoe als Mörderin beschimpft. Wenige Stunden später ist ihre Mutter tot. Und es zeigt sich, dass Zoe nicht die einzige ist, die ein dunkles Geheimnis hütet ..."





„Perfect Girl“ ist mal wieder so ein Thriller/Roman mit einem englischen Titel, der sich erst einmal nicht von den zahlreichen anderen Büchern wie „Gone Girl“ „Girl with no Past“ oder „Girl on the Train“ abhebt. Zugegeben, ich war erst auch kritisch, doch der Klappentext hat mich direkt angesprochen und so war klar, dass ich das Buch unbedingt lesen musste.

„Perfect Girl“ ist dabei in erster Linie ein Roman, zugegebenermaßen ein sehr ruhiger Roman, der aber dennoch einen gewissen Sog besitzt. Gilly McMillan setzt hierbei viel Wert auf eine tolle Charakterzeichnung und lässt den Leser lange im Ungewissen, wohin die Geschichte denn nun führt.

Der Spannungsbogen ist zwar sehr flach gehalten, aber durch viele Andeutungen über den Unfall er Vergangenheit und das Unheil, das in der Gegenwart noch folgen wird, bleibt das Buch durchwegs interessant und ungemein fesselnd.



- Zoe -

Zoe steht im Mittelpunkt der Geschichte, die bereits in der Vergangenheit mit einem schrecklichen Unfall den Anfang nahm. Sie ist sehr intelligent, beinahe berechnend und lässt sich niemals von ihren Gefühlen leiten.

Interessant fand ich hier, dass sie ihre Zeit vor dem Unfall als „erstes Leben“ und das nach dem Unfall als „zweites Leben“ bezeichnet. Wir lernen hier beinahe zwei Zoes kennen, denn natürlich hat ihre schreckliche Vergangenheit einen anderen Menschen aus ihr gemacht.

- Maria -

Maria ist Zoes Mutter und sie verdrängt alles, was zuvor passiert ist und will sich komplett auf ihr neues, perfektes Leben konzentrieren. Sie ist es wohl auch, die aus Zoe ein „Perfect Girl“ machen will und damit eine Perfektion anstrebt, die diese überhaupt nicht erreichen kann.

Zoes Mutter lebt in einer Art Utopie, sie hat nach dem Unfall neu geheiratet, hat endlich Geld, einen scheinbar perfekten Mann und ein weiteres, gemeinsames Kind, das niemals so wie Zoe werden soll …

- Lucas -

Lucas ist der Sohn von Marias neuem Mann und damit ist er Zoes Stiefbruder. Lucas und seine Vorgeschichte spielt auch noch eine große Rolle und es stellt sich bald heraus, das kein Leben in dieser Geschichte auch nur ansatzweise perfekt ist …

- Tessa -

Tessa ist Marias Schwester und sie war immer für sie da, hat allerdings auch selbst ein „dunkles“ Geheimnis. Interessant ist auch hier der Einblick in ihr Leben, auch wenn dieses für den Verlauf der Story doch recht unwichtig erscheint.




„Perfect Girl“ beginnt mit einem Konzert, das Zoe mit ihrem Stiefbruder Lucas geben soll, das dann aber von einem Mann gestört wird, der sie schmerzhaft an ihr „erstes Leben“ erinnert. Nach und nach wird jetzt in der ersten Hälfte des Buches aufgedeckt, was damals passiert. Dabei betrachten wir als Leser unterschiedliche Zeitebenen und erfahren das Geschehen aus der Sicht von vielen verschiedenen Personen.

So gibt es beispielsweise Abschnitte aus der Sicht von Sam, den Anwalt, der Zoe damals geholfen hat, der aber auch heute noch in die ganzen Familienangelegenheiten verstrickt ist. Wir lernen hier auch Tessa, Marias Schwester und damit Zoes Tante kennen, die selbst ein recht schwieriges Leben führt und Richard, Tessas Mann, der eigene Probleme hat. Es war ungemein interessant, das Geschehen aus den verschiedenen Blickwinkeln zu erfahren.

Häppchenweise bekommen wir immer ein Stückchen der Wahrheit präsentiert und das hat mir hier absolut gut gefallen, denn das ganze Geschehen scheint sehr mysteriös zu sein und immer wieder wird angedeutet, das auch in der Gegenwartssicht, also direkt nach dem Konzert, etwas schreckliches passieren wird.

Die ganze Stimmung in „Perfect Girl“ ist sehr ruhig gehalten. Die Autorin konzentriert sich auf ihre Charaktere und gibt Einblick in die verschiedenen Leben. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn schnell wird klar, dass hier niemand so recht „perfekt“ ist und dass sie alle ihre Lasten zu tragen haben.

Äußerlich mag die die ganze Familie wie eine Bilderbuchfamilie wirken, doch diese Idylle zerbricht sehr schnell.  Zoe bekommt ein sonderbares, selbstverfasstes Drehbuch von Lukas, das ebenfalls nach und nach das Puzzle dieser zerbrochenen Menschen zusammensetzt. Zwar gibt es einige Wiederholungen, besonders was Zoes Gedanken betrifft, aber dennoch ist Gilly McMillan mit „Perfect Girl“ ein vielschichtiger und ungemein fesselnder Roman gelungen!




„Perfect Girl“ ist ein ruhig erzählter Roman über eine Perfektion, die überhaupt nicht existiert und die dunklen Schatten, die in jedem von uns lauern. Einen Thriller sollte der Leser hier aber nicht erwarten, vielmehr ist das Buch eine vielschichtige Charakterzeichnung und ein tiefgründiger Einblick in das Leben einer Familie, die schon längst zerbrochen ist …