Sonntag, 19. März 2017

[Rezension] Mirror - Karl Olsberg

Titel: Mirror
Autor:  Karl Olsberg
Genre: Thriller
Bereits gelesene Bücher des Autoren: Delete (5 von 5)
Cover und Inhaltsangabe © Atb



"Wie digitale Spiegelbilder wissen Mirrors stets, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen. Sie steuern subtil das Verhalten der Menschen und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. Als die Journalistin Freya bemerkt, dass sich ihr Mirror merkwürdig verhält, beginnt sie sich zu fragen, welche Macht diese Geräte haben. Dann lernt sie den autistischen Andy kennen und entdeckt, dass sich die Mirrors immer mehr in das Leben ihrer Besitzer einmischen – auch gegen deren Willen."




Vor langer, langer Zeit habe ich bereits "Delete" von Karl Olsberg gelesen und ich habe das Buch über ein Online-Rollenspiel wahrlich geliebt! Jetzt war es mal wieder an der Zeit für ein weiteres Werk dieses tollen Autoren, da ich bereits wusste, dass ich es erneut von vorne bis hinten genießen werden können und so war es auch.

Karl Olsbergs Schreibstil wusste mich mit "Mirror" wieder einmal zu begeistern. Durch ständige Wechsel der Perspektiven wird eine enorme Spannung erzeugt und ich als Leser habe wieder einmal seine Leidenschaft spüren können. Ich mag es, Bücher zu lesen, die einen einfach mitnehmen, die von Anfang an das Kopfkino einschalten - und solche Geschichten schreibt Karl Olsberg, der für mich mittlerweile zu einem der liebsten deutschen Autoren geworden ist.

Witzig finde ich, dass Karl Olsberg sich auch ein wenig selbst auf die Schippe nimmt mit der Figur des Carl Poulson, der hier mit einem Freund die Mirrors erschaffen hat. Humor hat er, der gute Karl Olsberg und zusätzlich einen guten Blick auf unsere Gesellschaft, die sich ja gerne manipulieren lässt ...




- Andy -

Mein absolute Lieblingscharakter in Mirrors war auf jeden Fall Andy, der selbst viel Zeit am PC verbringt, aber kein normaler Junge ist. Andy hat eine leichte Form von Asperger und deswegen hat er Probleme im direkten Menschenkontakt. Als er einen "Mirror" geschenkt bekommt, ist er erst einmal skeptisch, merkt dann aber, wie hilfreich dieses Teil im "realen" Leben ist. Er findet endlich eine Freundin und gehört plötzlich "dazu". Da Andy jedoch ein sehr nachdenklicher Mensch ist, stellt er bald fest, dass die Mirrors nicht unbedingt nur Gutes vollbringen ...

Ich mochte Andy sehr, denn ich liebe Charaktere, die einfach anders sind und gegen den Strom schwimmen. Andy ist ein vielschichtiger junger Erwachsener, der durch seinen Mirror zwar erst neues Selbstvertrauen findet, aber schnell begreift, dass dieses nicht nur durch einen Computer hervorgebracht wird ...

- Freya -

Freya ist eine Journalistin, die durch einen kleinen Vorfall bemerkt, dass irgendwas mit den Mirrors nicht stimmt. Ihrer Einsatzbereitschaft und ihren Nachforschungen ist es zu verdanken, dass die Geschichte voran getrieben wird und nach und nach die Wahrheit über die Mirrors ans Licht kommt.

Freyas Kapitel mochte ich ebenfalls, denn sie waren für mich der größte Spiegel der aktuellen Gesellschaft. Freya hat vieles durchschaut, doch durch ihren Job als Journalistin weiß sie, wie hart es ist, dass alles an die Öffentlichkeit zu bringen.




Dass wir schon lange in einer Dystopie leben, ist nicht mehr zu verleugnen. Auch die Technik ist kaum noch aufzuhalten, so sehr man sich auch dagegen wehrt. Ich selbst besitze kein Handy, wir haben keinen Fernseher und auch kein Telefon, einfach weil wir es nicht brauchen. Aber was, wenn man durch den gesellschaftliche Druck abhängig von der Technik gemacht wird? Sind wir das in Zeiten von Smartphones nicht vielleicht bereits?

Karl Olsberg hat mit "Mirror" zwar kein neues Thema auf den Tisch gebracht, dafür aber eine Geschichte geschrieben, die uns mal wieder einen Spiegel vor die Nase hält. Das Szenario, das der Autor hier beschreibt, ist gar nicht einmal so abwegig. Die Mirrors, kleine Computer mit verschiedensten Funktionen und Erweiterungen, sollen in erster Linie dem Menschen helfen und dienen. In den ersten Kapitel gibt der Autor ein umfangreiches Bild über die Mirror und was sie so können und für mich als Technik-Muffel war das auch absolut notwendig.

Die technischen Fortschritte der Mirrors kann man fast schon auf unsere Zeit übertragen. Ich bin der festen Überzeugung, dass all das bereits möglich ist oder in anderer Form bereits auf dem Markt vorhanden ist. Genau deswegen ist das Szenario auf der einen Seite so faszinierend und auf der anderen Seite so erschreckend. Karl Olsberg wechselt zu Beginn sehr häufig die Perspektiven und wir erfahren von unterschiedlichen Personen, wie sehr die Mirrors ihr Leben beeinflusst.

Ich möchte vom Inhalt gar nicht so viel erzählen, denn das Buch ist ein wahres Erlebnis, auf das man sich einfach einlassen muss. "Mirror" regt zum Nachdenken und urteilen über das eigene Leben ein. Inwieweit möchte ich mich von der Technik beeinflussen lassen? Braucht der Mensch wirklich Computer, Handys und co? All das kann der Leser nach der Lektüre dieses Buches selbst entscheiden und ich spreche dem Autoren hier wieder ein Lob aus. Es war sicher nicht mein letztes Werk von ihm!



Ein spannender und aktueller Thriller über den technischen Fortschritt, Abhängigkeit und
Manipulation. Aber Achtung, manch einer schaut mit diesem Buch wohl in den eigenen Spiegel ...

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