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Samstag, 18. Juli 2026

[Rezension] Zonenkinder - Jana Hensel

  


Titel:  Zonenkinder 

Autor:  Jana Hensel

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2004

Seitenzahl: 176
Cover: © Rowohlt

Begonnen: 17.06.2026
Beendet: 20.06.2026


Ich bin ja selbst in einem Ort aufgewachsen, der direkt an der früheren Grenze lag. Die Grenzwachtürme kenne ich noch als Lost Place und gelebt habe ich tatsächlich meine gesamte Kindheit und Jugend in einem typischen DDR-Neubau. So bin ich immer noch stark mit dem Thema verbunden und lese in Büchern auch immer wieder sehr gerne darüber.

In einer gemeinsamen Leserunde haben wir uns daher mit "Zonenkinder" in die Zeit nach dem Mauerfall begeben. Die Autorin erzählt hier recht trocken von den Veränderungen und erinnert sich an vieles, was sie in der DDR geliebt hat und nun schmerzlich vermisst. Dabei springt sie nicht nur thematisch immer hin und her, nein, auch zeitlich weiß man irgendwie nie, in welchem Jahr sie sich gedanklich gerade befindet.

Ohne Vorwissen lässt sich das Buch zudem sehr schwer lesen. Sie ballert nämlich mit DDR-Begriffen förmlich um sich ohne irgendwelche Erklärungen abzugeben. Dem Buch fehlt es an Struktur und Tiefe. Natürlich sind es hier die Erinnerungen eines Kindes, das gedanklich noch in der DDR gefangen bleibt und gelernt hat, alles und jeden aus Westdeutschland zu verteufeln, doch dennoch hat man das Gefühl, dass die Autorin alles abwerten will, was ihr selbst nicht gefällt und dabei im Namen aller "Zonenkinder" und damit einer ganzen Generation spricht. Gerade der abwertende Ton und die Verallgemeinerungen darüber, dass in Westdeutschland ja alle reiche Schnösel sind, haben mir gar nicht gefallen.

Die abgedruckten Bilder aus der DDR-Zeit werten das Buch zwar ein wenig auf, doch letztendlich blieb ich mit dem Eindruck zurück, dass hier nur oberflächlich auf die DDR geblickt wird und es vielmehr um die Grenze geht, die noch viel zu lange im Kopf der Autorin vorhanden blieb ...



Ein sehr oberflächlicher, viel zu wertender unf trockener Einblick in die Zeit der DDR und der Wende. 

Ich vergebe 2 von 5.

Mittwoch, 24. Juni 2026

[Rezension] Erinnerungen an Anne Frank - Alison Leslie Gold

 


Titel: Erinnerungen an Anne Frank

Autor:  Alison Leslie Gold

Genre: Bericht

Erscheinungsjahr: 2008

Seitenzahl: 160
Cover: © Ravensburger

Begonnen: 23.05.2026
Beendet: 25.05.2026


"Das Tagebuch der Anne Frank" habe ich in meinem Leben bereits zwei Mal gelesen, denn es ist für wohl das bewegenste Zeugnis der wohl grausamsten Zeit der Menschheitsgeschichte. In "Erinnerungen an Anne Frank" wird nun die Geschichte aus der Sicht von Hannah Goslar, der Freundin von Anne Frank, erzählt. 

Das relativ dünne Büchlein ist für mich die perfekte Ergänzung zu Annes Tagebuch und gibt ganz neue Blickwinkel auf die Freundschaft der beiden Mädchen. Vor ein paar Jahren habe ich bereits ein Buch von Jacqueline van Maarsen gelesen, die sich selbst ja als beste Freundin von Anne Frank bezeichnet hat. In ihrer Erzählung kam Anne jedoch sehr kurz und ich hatte nun nach diesem Buch eher das Gefühl, dass Hannah Annes treuste und auch engste Freundin war. Gerade die Momente zwischen den beiden haben mich hier sehr bewegt, denn es ist zu spüren, wie sehr sie einander mochten. Ihre Freundschaft hat mich sehr bewegt!

Die Erzählung beginnt im Jahr 1942 und an dem Tag, an dem Anne untertauchte. Hannah selbst weiß allerdings nicht, wo ihre Freundin ist und diese Ungewissheit begleitet sie durch die kommende sehr schwere Zeit. Trotz der kurzen Kapitel wirkt die Erzählung sehr intensiv und alle Grausamkeiten des Krieges gehen sehr nahe. Gerade Hannahs Angst ist zu spüren, denn sie versteht natürlich nicht, was um sie herum passiert. Sie weiß nur, dass sie und ihr Familie jederzeit selbst treffen konnte.

Im Lager muss Hannah einiges ertragen und erleiden. Nicht nur Krankheit und Hunger gehören plötzlich zu ihrem Alltag, nein, sie erleidet auch einige sehr schmerzhafte Verluste. Dennoch hält sie durch und trifft sogar ihre Freundin Anne noch einmal. Dieser Moment zwischen den beiden hat mich sehr bewegt! Für mich ist "Erinnerungen an Anne Frank" ein sehr wertvolles Buch über eine tiefe Freundschaft in solch einer dunklen Zeit!



Ein wertvolles und sehr wichtiges Buch, das von den Grausamkeiten des Krieges, aber auch von einer tiefen Freundschaft erzählt! Eine perfekte Ergänzung zu Annes Tagebuch! 

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.

Sonntag, 8. Dezember 2024

[Rezension] Warum Menschen töten - Eine Polizeipsychologin ermittelt - Claudia Brockmann

 


Titel: Warum Menschen töten - Eine Polizeipsychologin ermittelt

Autor:  Claudia Brockmann

Genre: Bericht

Erscheinungsjahr: 2013

Seitenzahl: 208
Cover: © Ullstein
Begonnen: 09.11.2024
Beendet: 11.11.2024


Die Polizeipsychologin Claudia Brockmann gibt in diesem Buch Einblick in fünf sehr unterschiedliche Fälle und erzählt, wie Fallanalysen und Täterprofile erstellt werden. 

Alle fünf Fälle werden dabei anschaulich geschildert und zeigen ganz unterschiedliche Verbrechen auf. So geht es in "Denise" um ein getötetes Mädchen, in "Ebert" um einen flüchtigen Serienmörder, in "Taximord" um die Rekonstruktion eines Mordes an einen Taxifahrer, in "Hilal" um ein Mädchen, das verschwunden ist und in "Dagobert", um die wohl spektakulärste Erpressung Deutschlands.

Ich empfand alle fünf Fälle als sehr fesselnd beschrieben und mir gefielen die Einblicke in die Psyche der Täter und auch der Betroffenen. Spannend ist zudem, wie Lügen durchschaut werden können und wie wichtig es ist, gewisse Handlungen vorrauszuschauen. Der Job als Polizeipsychologin klingt dabei sehr faszinierend und abwechslungsreich. Ich würde direkt noch ein Buch mit weiteren Fällen lesen.


Eine Polizeipsychologin schildert in diesem Buch fünf sehr spannende Fälle und zeigt, wie wichtig Fallanalysen und Täterprofile sind. Ein spannender Einblick in einen sehr interessanten Job und auch in die Köpfe von Verbrechern.

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 23. Juli 2024

[Rezension] Auch du stirbst, einsamer Wolf - Ein Bericht von Fritz Mertens

 


Titel: Auch du stirbst, einsamer Wolf

Autor:  Fritz Mertens

Genre: Bericht, Biografie

Erscheinungsjahr: 1989
Seitenzahl: 390
Cover: © Diogenes
Begonnen: 17.06.2024
Beendet: 20.06.2024


Fritz Mertens, der zwei Menschen auf den Gewissen hat, beschreibt in diesem Buch seinen Weg in den Abgrund. Dabei beginnt er mit seiner Zeit, als er eine Lehre anfing, sich aber immer wieder zu gewissen unüberlegten Handlungen hinreißen ließ und schließlich aus Deutschland flüchtete, um bei der Fremdenlegion unterzukommen. Doch auch als Soldat begeht er einen entscheidenden Fehler und irrt weiter umher, um irgendwann in Afrika zu landen und auch dort von der Polizei aufgegriffen zu werden ...

"Auch du stirbst, einsamer Wolf" führt den sehr nüchternen Bericht des zweifachen Mörders Fritz Mertens fort. Den Vorgängerband namens "Ich wollte Liebe und lernte hassen!", in dem es anscheinend um seine Kindheit und Jugend geht, habe ich allerdings nicht gelesen. Ich halte es aber nun nach der Lektüre dieses Buches fürs sinnvoll, zu erst den Anfang seiner Lebensgeschichte zu lesen. Vielleicht kann man dann gewisse Verhaltensmuster besser nachvollziehen als ich es bei diesem Werk konnte.

Fritz Mertens beschreibt in diesem Buch mehrere Etappen seines Lebens. Vieles, wie beispielsweise die kurze Zeit bei der Fremdenlegion oder auch sein Umherirren durch Frankreich und schließlich auch sein Weg nach Afrika - empfand ich als interessant, doch seine ganzen Frauengeschichten und seine Art, alles und jeden relativ schnell zu verurteilen, empfand ich als abstoßend. Er schiebt hier vieles dem Zufall zu und versucht das letztendliche Verbechen, das nur relativ kurz am Ende beschrieben wird, damit wohl zu rechtfertigen.

Mich konnte dieser Bericht nicht so recht packen und mitreißen. Es wirkte auf mich auch eher so, als würde Mertens sich vor gewissen Schilderungen bewusst drücken. Gefühle beschreibt er hier kaum. Es geht im Grunde nur um gewisse Ereignisse, die für ihn prägend waren und sich durchaus wie Teil eines Romans lesen, mich aber dem Verfasser nicht sonderlich nahe gebracht haben. Der Mörder wollte Verständnis haben und ja, ich kann nachvollziehen, dass er sich in der Gesellschaft nicht wohl fühlte, aber dennoch denke ich, dass er sich letztendlich bewusst für diesen Weg, der ihn in den Abgrund führte, entschieden hat. Letztendlich hatte er immer die Wahl, bei jeder einzelnen hier zu lesenden Etappe seines Lebens ...



"Auch du stirbst, einsamer Wolf" ist der Lebensbericht eines zweifachen Mörders, der hier versucht, vieles dem Zufall zuzuschieben ... Es gab einige interessante Abschnitte, doch ansonsten war es mir zu nüchtern und manchmal zu ausschweifend.

Ich vergebe 3 von 5.

Donnerstag, 2. März 2023

[Rezension] Himalaja: Mit dem Fahrrad durch Nepal, Kaschmir und Sikkim - Bettina Selby

 


Titel: Himalaja: Mit dem Fahrrad durch Nepal, Kaschmir und Sikkim

Autor:  Bettina Selby

Genre: Bericht
Erscheinungsjahr: 2001
Seitenzahl: 298
Cover: © Piper

Begonnen: 10.02.2023
Beendet: 13.02.2023


Bettina Selby legt auf einer abenteuerlichen Tour 8000 auf ihrem Fahrrad zurück. Dabei fährt sie von Karatschi durch Indien, Pakistan und Nepal. Sie beschreibt die Gefahren, die positiven Begegnungen und die Hilfe, die sie unterwegs bekommt ...

Ich liebe die Berichte von Menschen, die auf außergewöhnliche Ideen kommen und sich einen Traum erfüllen. So hat mich Bettina Selby und ihr eiserner Wille als Frau mit dem Fahrrad allein durch fremde Kulturen zu reisen, stark beeindruckt. Allerdings habe ich beim Lesen doch festgestellt, dass sie sich im Grunde nur von Ort zu Ort und damit auch von Unterkunft zu Unterkunft gehangelt hat und eben auch sehr viele Unterstützung bekam.

Gefreut hatte ich mich auf die Beschreibungen der Natur, die in ihrem Bericht allerdings leider viel zu kurz kommen. Die Bilder in der Mitte des Buches zeigen vorwiegend Menschen. Auch hier es es schade, dass der Leser gerade vom Titelgebenden Himalaja nichts zu sehen oder zu spüren bekommt. Im Grunde geht es nur um die Menschen, die sie trifft, ums Essen und um die Hygiene in den einzelnen Unterkünften.

Gut beschreibt sie, wie Männer in den einzelnen Kulturen den Frauen überlegen sind. Allerdings bekam sie beinahe an jedem Ort als Engländerin eine Vorzugsbehandlung. Wie ein großes Abenteuer kam mir dieses Buch daher leider nicht vor. Es fehlte die persönliche Note, ja, auch eine echte Verbindung zu ihrem Fahrrad war für mich nicht spürbar, da sie doch oft auf andere Verkehrsmittel umgestiegen ist und gar nicht so klar wurde, wie viel Kilometer sie da pro Tag überhaupt hinter sich gebracht hat. Von daher muss ich leider sagen, dass mich dieser Reisebericht doch über weite Teile gelangweilt hat ...


Bettina Selby ist sicherlich eine sehr spannende Persönlichkeit, allerdings fehlte es mir bei diesem Reisebericht doch an Gefühl. Es war im Grunde nur die Beschreibung fremder Kulturen, des Essens und der mangelnden Hygiene. Die Natur und auch das Fahrradfahren kommt viel zu kurz ...

Ich vergebe 3 von 5.


Freitag, 10. Juni 2022

[Rezension] Auf dem Jakobsweg - Paulo Coelho


 Titel: Auf dem Jakobsweg 

Autor:  Paulo Coelho

Genre: Tagebuch, Bericht
Erscheinungsjahr: 1999
Seitenzahl: 267
Cover: © Diogenes




1986 wurde der Schriftsteller Paulo Coelho auf den Jakobsweg geschickt nachdem er die letzte Prüfung der alten, katholischen Bruderschaft R.A.M nicht bestanden hatte. Über seine Erfahrungen auf dem berühmten Pilgerweg berichtet er nun in diesem "Tagebuch" ...

Paulo Coelho habe ich erst vor kurzem durch "Veronika beschließt zu sterben" für mich entdeckt und nun war ich sehr neugierig auf diesen persönlichen Erfahrungsbericht. Allerdings setzte beim Lesen relativ schnell Ernüchterung ein, denn es geht in diesem Buch doch nicht wie erwartet um Selbstfindung, sondern um den Weg zu Gott beziehungsweise in die oben bereits erwähnte Bruderschaft.

Dabei wirkt das Buch von Anfang an zusammenhangslos und leider auch wenig fesselnd. Es ist nämlich überhaupt nicht Paulo Coelhos eigener Entschluss, den Jakobsweg zu meistern, sondern eben der Zwang der Bruderschaft. So geht es fast ausschließlich um die Praktiken dieses alten Ordens und auch um gewisse Prüfungen, die von Coelho bestanden werden müssen, damit er endlich sein Schwert bekommt.

Die eigentliche Bedeutung des Jakobswegs war nicht spürbar. Coelho selbst wirkt hier auch nicht gerade sympathisch und versucht nur, die Aufgaben zu erfüllen, damit er am Ende ein Mitglied des Ordens ist. So hatte ich nicht das Gefühl, dass er den Weg oder auch die Natur auf sich wirken lässt. Vieles wirkte gehetzt, erzwungen und echte Spiritualität war für mich nicht spürbar. Wäre dies mein erstes Buch von ihm gewesen, hätte ich wohl nie wieder ein Werk von ihm in die Hände genommen ...



Was wie ein spannender Einblick in die Erfahrungen eines Pilgers klang, entpuppte sich eher als eine große religiöse Prüfung, um ein Teil einer alten Bruderschaft zu werden. Von Selbstfindung oder auch tieferen Erkenntnissen war leider nichts zu spüren und auch der Jakobsweg selbst spielt nur eine unbedeutende Rolle ...

Ich vergebe 2 von 5.



Samstag, 30. Dezember 2017

[Rezension] Das Haus der verrückten Kinder - Valérie Valère

Titel: Das Haus der verrückten Kinder
Autor:  Valérie Valère
Genre: Ein Bericht
Erscheinungsdatum: 1989
Anzahl der Seiten: 167
Cover und Inhaltsangabe © rororo







Vier Monate verbringt die 13-Jährige Valérie in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik, dem Haus der verrückten Kinder. Sie ist magersüchtig, will nicht mehr essen und einfach dieser Welt entfliehen … Sie sieht alles schwarz, ist tief in sich verloren und macht doch keine Versuche, aus dieser Dunkelheit herauszukommen. In dieser egoistischen Welt will sie nicht leben, sie will der Welt einfach nur entfliehen …




„Das Haus der verrückten Kinder“ von Valérie Valère war mal wieder so ein besonderer Zufallsfund in einem Bücherschrank. Das Buch ist alt, die Autorin, die hier ihre dunkelsten Erinnerungen niedergeschrieben hat, mit 21 Jahren verstorben. Diese Geschichte, ihre Geschichte, ist dabei kein literarisches Werk, sondern in erster Linie ein Bericht. Im Vorwort erwähnt Valérie Valère bereits, dass sie sich nicht die Mühe gemacht hat, die richtigen Worte zu finden oder alles chronologisch zu ordnen. Stattdessen gibt sie hier Einblick in ihre Gedankenwelt, in die Gedankenwelt einer 13-jährigen Magersüchtigen …

Das Buch besitzt keinen echten Anfang, kein Ende und im Grunde auch keine Handlung. Es ist ein Buch, das man verstehen muss. Bereits im ersten Drittel, als Valérie Valères Mutter über die Einfachheit des Essens philosophiert und immer wieder zetert, wie sehr sie selbst doch unter dem Verhalten ihrer Tochter leidet, gibt die Autorin den gutgemeinten Rat, nicht weiterzulesen, wenn schon hier nichts verstanden wird.

In dem Bericht geht es in erster Linie ums Verstehen. Wir nehmen zwar bruchstückchenhaft an  Valérie Valères Einweisung in die Klinik teil, an die Momente, als die Schwestern sie förmlich zum Essen zwingen wollen und an dem Kennenlernen anderer Magersüchtiger, aber das Buch beschreibt dabei nicht alles, was die Autorin wohl hier erlebt hat und es ist alles nur aus den kindlichen Augen einer 13-Järhigen dagestellt.

Das Buch ist ungemein pessimistisch und daher wohl nicht für jeden Leser geeignet. Es ist allerdings auch schonungslos ehrlich und wohl die letzte Abrechnung der Autorin an eine Welt, die sie nicht verstehen kann. Sie kritisiert das System, die egoistische Welt der Erwachsenen und die fehlende Menschlichkeit. Jeder kümmert sich nur noch um sich selbst, alle leben aneinander vorbei und jeder, der etwas „anders“ ist, wird eiskalt weggesperrt, angeblich vor der großen, bösen Welt da draußen, in Wahrheit sind doch die „Verrückten“ in den Augen der Normalen die „Bösen“.

Essen ist doch so einfach. Valérie Valère muss nur ein paar Kilos zunehmen, um endlich nicht mehr eingesperrt sein zu müssen, um endlich wieder an einem Leben teilzunehmen, das sie eh ablehnt. Die Klinikzeit bricht das arme Mädchen. Sie ist nicht verrückt als sie eingeliefert wird, sondern erst, als sie herauskommt. „Das Haus der verrückten Kinder“ hat auch sie zerstört …

Die Geschichte von Valérie Valère ist schockierend, düster, etwas wirr, aber doch schonungslos ehrlich. Sie hat die richtigen Blickwinkel, auch wenn die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen liegt. Da sind ihre Eltern, die jegliche Schuld aufeinander abwälzen, die Schwestern und Ärzte, die nur das Symptom bekämpfen wollen und das Essen, das einen großen Feind darstellt, weil es am Leben hält ...

Das Buch ist meiner Meinung nach nur für eine kleine Randgruppe geeignet, für Leute, die verstehen, die Dinge hinterfragen und sie nicht einfach hinnehmen, für Leute, die mit wachsen Augen durchs Leben gehen und die auch das Schlechte wahrnehmen! Es ist kein Buch, das man am Ende glücklich zuschlägt, ganz im Gegenteil ...




„Das Haus der verrückten Kinder“ ist kein Buch im herkömmlichen Sinne, sondern ein Bericht, der aus den düsteren, aber ehrlichen Gedanken einer 13-Jährigen besteht, die mit dieser schrecklichen und egoistischen Welt abrechnen will! Ich verzichte an dieser Stelle auf eine Bewertung, da es mir falsch vorkommen würde, ihrer Gedankenwelt und ihren Erinnerungen eine Zahl zu verpassen. Ich empfehle das Buch aber dennoch weiter, aber nur an Leute, die auch wirklich verstehen WOLLEN ...