Freitag, 8. Juni 2018

[Rezension] Ohne ein einziges Wort - Rosie Walsh

Titel: Ohne ein einziges Wort 
Autor:  Rosie Walsh
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 14. Mai 2018
Anzahl der Seiten: 528
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann




"Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du."




"Ohne ein einziges Wort" ist ja mal wieder ein Buch, das gerade enorm gehypt wird. Viele sprechen bereits jetzt von einem Jahreshighlight, doch dem kann ich mich an dieser Stelle leider nicht anschließen.

Die Autorin besitzt einen angenehmen Schreibstil, der meiner Meinung nach aber nur schwer auf den Punkt kommt. Das Buch liest sich leicht, besitzt aber gerade am Anfang unzählige Wiederholungen, die einfach nur dazu da sind, die Geschichte auf die 528 Seiten zu strecken. Irgendwann war ich als Leser tatsächlich so genervt, dass ich das Buch am liebsten in die nächste Ecke gefeuert hätte.

Warum ich dennoch durchgehalten habe? Weil ich unbedingt wissen wollte, warum Eddie Sarah denn nun verlassen hat und warum er, ohne ein einziges Wort, einfach gegangen ist und nun auch nicht versucht, sich zu erklären ...




- Sarah -

Eigentlich hätte ich Sarah mögen müssen. Sie war im Grunde eine angenehme Protagonistin, mit der sich wohl viele Leser identifizieren können. An dieser Stelle steht aber das Wort "Eigentlich", denn zu Beginn ging mir Sarah mit ihrer wehleidigen Art tierisch auf die Nerven. Jeden musste sie auf die Nase binden, dass es ja so seltsam ist, dass sich ihr geliebter Eddie nicht mehr meldet ... Dabei verliert sie sich irgendwie selbst und stellt Eddie, der nach einer Woche die Liebe ihres Lebens ist, ins Zentrum.

Auf der einen Seite soll das wohl romantisch sein. Auch ich fand die Tatsache süß, dass die beiden schon nach so kurzer Zeit so extreme Gefühle füreinander entwickeln. Auf der anderen Seite muss ich so einer Liebesgeschichte ja auch etwas skeptisch entgegentreten. Ihre Freunde hatten teilweise Recht damit, dass sie sich nicht selbst so fertig machen soll ...

- Eddie -

Ja, der geheimnisvolle Eddie. Die Autorin hat die Geschichte rund um ihm sehr geschickt gesponnen. Der Leser fragt sich natürlich die ganze Zeit, warum er keinen Kontakt zu Sarah mehr haben will. Was hat er angestellt? Hat er sie belogen? Hat er längst eine Freundin? Oder steckt etwas vollkommen anderes dahinter.

Im Grunde erfahren wir über Eddie erst später mehr und seine Charakterzeichnung fand ich an dieser Stelle wirklich gelungen!




Puhh, ich muss gleich gestehen, dass ich mich mit "Ohne ein einziges" Wort von Rosie Walsh furchtbar schwer getan habe. Die ersten 200 - 250 Seiten waren zäh wie Kaugummi und es passiert im Grunde recht wenig. Wir lernen Sarah etwas kennen, erfahren, wie sie Eddie getroffen hat und sehen zu, wie sie leidet und immer wieder versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Hier muss ich echt sagen, dass ich das Buch am liebsten abgebrochen hätte, denn Sarah ging mir ab einen gewissen Punkt ungemein auf die Nerven ...

Einzig das Geheimnis, das Eddie hier offenbar verbirgt, hat mich angetrieben, am Ball zu bleiben. Leider konnte ich dadurch das Buch am Anfang nicht genießen. Immer wieder habe ich es beiseite gelegt, als wieder unzählige Seiten nichts passiert ist. Wir erfahren zwar mehr über das Kennenlernen der beiden, über Sarahs Leben und ihren Freundeskreis, aber alles wird hier furchtbar öde und ohne Spannung oder Emotionen erzählt ...

Irgendwann kommt dann aber endlich der große Knall und damit auch die längst erwartete Wende. Der Anfang hat sich hier wie ein langer Marsch durch die Wüste angefühlt, der Wendepunkt war dann endlich die Wasserstelle. Hier ging es auch endlich bergauf. Die Autorin schafft es zu schockieren, dem Leser eine Erklärung zu präsentieren, die er nicht erwartet hätte.

Auch ich war ab einen gewissen Punkt dann endlich in der Geschichte drin, konnte mit Sarah und auch mit Eddie mitfühlen und habe mich gefragt, wie ich wohl in so einer Situation agieren würde. Es kommen zudem noch einige sehr erschreckende Wahrheiten ans Tageslicht und es gab auch einen Moment, bei dem ich echt schlucken musste!

Hier hat die Autorin endlich ein angenehmes Niveau gefunden und baut tatsächlich Spannung auf. Auch die Emotionen, die mir am Anfang komplett gefehlt haben, waren endlich spürbar und das Ende hat mir hier wirklich unfassbar gut gefallen.

Die zweite Hälfte des Buches hat es wirklich in sich, während die erste Hälfe bei mir für enormen Lesefrust gesorgt hat. Die Autorin wirkt zwar irgendwann wie ausgetauscht, als wäre sie endlich selbst in ihrer Geschichte angekommen, aber über den sehr lahmen Anfang kann ich an dieser Stelle einfach nicht hinwegsehen. Ein Wunder, dass ich es überhaupt bis zum Wendepunkt geschafft habe ...




Die erste Hälfte des Romans plätschert nur so vor sich hin und ich war kurz davor, das Buch frustriert in die Ecke zu feuern. Dann kommt allerdings der große Knall, der es wirklich in sich hat und der Geschichte endlich zu Spannung und zu Emotionen verhilft. Dennoch kann ich über den sehr zähen Anfang, der mir keinerlei Spaß gemacht hat, nicht hinwegsehen ... Wer das Buch liest, muss auf jeden Fall Durchhaltevermögen beweisen ...

Mittwoch, 6. Juni 2018

[Rezension] Lockwood & Co. - Die raunende Maske (Band 3) - Jonathan Stroud

Titel: Lockwood & Co. - Die raunende Maske (Band 3)
Autor: Jonathan Stroud
Genre: Jugendbuch, Fantasy
Erscheinungsdatum: 19. Oktober 2015
Anzahl der Seiten: 464
Cover und Inhaltsangabe © cbj

Achtung! Band 3 einer Reihe, Rezension enthält Spoiler!



"Die Agenten von Lockwood & Co.: Anthony Lockwood, Lucy und George, führt ihr jüngster Fall mitten ins Zentrum der Geistererscheinungen, die London unerbittlich heimsuchen. Ein traditionsreiches Londoner Kaufhaus scheint Brutstätte des grausigen Phänomens zu sein. Wurde es doch auf den Überresten einer Pestopferruhestätte und über den Ruinen eines mittelalterlichen Kerkers errichtet. Gemeinsam mit Geisterjägern aus anderen Agenturen wagen sich Lockwood und seine Freunde bei Nacht in das Gebäude. Wer hier überleben will, braucht Mut und einen kühlen Kopf. Doch Lucy und ihre neue Kollegin Holly belauern sich eifersüchtig, Lockwood kommt von einem dunklen Geheimnis in seiner Vergangenheit nicht los und die düsteren Warnungen des wispernden Schädels verheißen Fürchterliches."




Nachdem mir die ersten beiden Bände rund um "Lockwood & Co" bereits begeistern konnten, musste ich natürlich gleich mit dem nächsten Teil beginnen. Es ist nach wie vor eine lockerleichte, witzige Geschichte über die drei Geisterjäger Lucy, Anthony und George.

Hier geht es auch gleich spannend weiter, denn wir haben es in diesem Band nicht nur mit Geistern zu tun, sondern auch noch mit einer neuen Angestellten, die besonders Lucys Leben ganz schön auf den Kopf stellt!

Nach wie vor liebe ich den Sarkasmus der drei Agenten. Die Geschichte ist wieder aus der Sicht von Lucy erzählt, dieses Mal geht es aber, wie gesagt, nicht nur um Geister, sondern auch um Holly, die neue Sekretärin, die hier alle um den Finger zu wickeln scheint ...




- Lucy -

Lucy zeigt sich hier in diesem Band mal von einer anderen Seite. Ihre professionelle Art bekommt Risse, als plötzlich Holly bei Lockwood & Co. anfängt und der Inbegriff der Perfektion zu sein scheint.

Lucy wirkt hier schrecklich eifersüchtig, was ich aber auch verstehen konnte. Manchmal hätte ich sowohl Holly, als auch Anthony, der von seiner neuen Sekretärin ungemein begeistert ist, echt Ohrfeigen können!

- Holly -

Ich muss hier echt sagen, dass ich Holly von Anfang an gehasst und mich natürlich gefragt habe, ob etwas an ihr faul ist. Irgendwie habe ich immer erwartet, dass bei ihr ein Geheimnis herauskommt, denn wie sie George und auch Anthony hier um den Finger wickelt fand ich echt zum kotzen!

Ich stehe hier also ganz klar auf Lucys Seite und kann ihre Abneigung Holly gegenüber voll und ganz verstehen!




Im dritten Teil der "Lockwood & Co"-Reihe geht es wieder sehr spannend zu. Gleich zu Beginn müssen wir mit unseren drei Agenten einen Fall lösen! Ich liebe es einfach, mich mit ihnen ins Abenteuer zu stürzen und ja, ich liebe auch das Chaos, das sie dabei oftmals anrichten.

Im Zentrum dieser Geschichte stehen im Grunde viele kleine Fälle und der Hauptfall, der hier auch den Titel gibt. Lockwood & Co werden bei einem sehr heiklen Geisteraufkommen erst einmal ausgeschlossen, so vergeht erst einmal eine gute Zeit, bis sie hier auch mitmischen dürfen.

Diese Zeit wird mit der Einführung einer neuen Mitarbeiterin überbrückt. Holly scheint die perfekte Hilfe für die Agentur zu sein, doch sie ist Lucy von Anfang an ein Dorn im Auge. So kommt es zu einigen Konflikten zwischen den beiden!

Während mir der zweite Teil etwas schwächer vorkam, empfand ich diesen wieder als wirklich sehr abwechslungsreich. Es gibt einige tolle Fälle, ein paar Andeutungen über Anthonys Vergangenheit und natürlich Lucys Fähigkeit, die auch hier wieder zunimmt.

Besonders der große Showdown in dem Kaufhaus hat mir gut gefallen und hier gab es auch einige sehr unheimliche Momente und einen sehr großen Spannungsbogen. Hier erfahren wir auch endlich, was es mit der raunende Maske auf sich hat und es gibt zudem einen echt gemeinen Cliffhanger. Da werde ich wohl nicht drumherum kommen, auch den vierten Teil bald zu lesen!



Nach einem minimal schwächeren zweiten Teil, hat mich die Reihe hier wieder gepackt. Es gibt einige kleine Fälle und den Hauptfall, der am Ende in einem spannenden und gruseligen Showdown endet. Auch die Konflikte zwischen Lucy und Holly fand ich amüsant und abwechslungsreich, genau wie Lucys Fähigkeit, die hier deutlich zunimmt und vielleicht eine Gefahr werden könnte ... Das Ende lässt nichts Gutes erahnen ...

Montag, 4. Juni 2018

[Rezension] Der Kreidemann - C. J. Tudor

Titel: Der Kreidemann
Autor:  C. J. Tudor
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 29. Mai 2018
Anzahl der Seiten: 385
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!



"Alles begann an dem Tag, an dem sie auf den Jahrmarkt gingen. Als der zwölfjährige Eddie den Kreidemann zum ersten Mal traf. Der Kreidemann war es auch, der Eddie auf die Idee mit den Zeichnungen brachte: eine Möglichkeit für ihn und seine Freunde, sich geheime Botschaften zukommen zu lassen. Und erst einmal hat es Spaß gemacht – bis die Figuren sie zur Leiche eines jungen Mädchens führten. Das ist dreißig Jahre her, und Eddie dachte, die Vergangenheit liegt hinter ihm. Dann bekommt er einen Brief, der nur zwei Dinge enthält: ein Stück Kreide und die Zeichnung eines Strichmännchens. Und als die Geschichte beginnt, sich zu wiederholen, begreift Eddie, dass das Spiel nie zu Ende war ..."




Ich durfte die Geschichte rund um "Der Kreidemann" bei einer gemeinsamen Leserunde bei Lovelybooks entdecken. Leider war das Buch nicht bei mir angekommen und ich musste deswegen recht spät bei der Leserunde einsteigen, was dazu geführt hat, dass es für mich hier keine richtige Diskussion mehr gab. Dabei ist "Der Kreidemann" ein Thriller, der es wirklich in sich hat und der viel Freiraum zum Miträtseln bietet.

Die Geschichte spielt abwechselnd in der Vergangenheit (1986) und der Gegenwart (2016). Wir tauchen in eine Kleinstadtidylle ein, die sich nach und nach in einen echten Albtraum verwandelt. Ganz im Stil von Stephen Kings "Es" oder "Stand by me" beziehungsweise "Die Leiche" erzählt die Autorin hier den Horror, den eine Gruppe von Freunden erlebt. Im Zentrum des ganzen steht Eddie, der hier alles erzählt und damit seine eigene Vergangenheit aufrollt ...

Natürlich kann sich C. J. Tudor vom Stil her nicht mit Stephen King messen, was sie hier aber auch gar nicht muss. Sie hat hier dennoch einen leicht gruseligen, ungemein spannenden und vielschichtigen Thriller geschaffen, der mich von der ersten Seite in den Bann gezogen hat!




- Eddie -

Eddie, der mich ein wenig an Eddie Kaspbrak aus Kings "Es" erinnert hat, steht im Mittelpunkt der ganzen Geschichte, die ihren Anfang auf dem Jahrmarkt nimmt. Dort rettet er zusammen mit dem "Kreidemann" ein Mädchen, das von einem Fahrgeschäft fast getötet wird. Hier trifft er auch zum ersten Mal auf den bleichen Mann, seinen Englischlehrer.

Eddie selbst ist hier in erster Linie Beobachter, aber auch in alle Geschehnisse involviert. Im Laufe des Thrillers passieren so einige Dinge, die er sich nicht erklären kann und an denen schlussendlich die Freundschaft der Jungs zerbricht.

Ich empfand Eddie als ungemein interessanten Charakter, zumal der Leser nie sicher sein kann, ob er seinen Erzählungen glauben schenken kann oder eben nicht. Teilweise wirkt er sehr verwirrt, versucht aber dennoch, nach all den Jahren, endlich die Wahrheit herauszufinden.

- Mr. Halloran -

Mein Lieblingscharakter in diesem Buch war aber auf jeden Fall Mr. Halloran, der wegen seines Albinismus auch der bleiche Mann beziehungsweise der Kreidemann genannt wird. Ich mochte seine sehr weise und kluge Art, gleichzeitig tat er mir aber auch furchtbar leid. Aufgrund seines Aussehens wird er schnell zum Außenseiter und auch schnell zum Schuldigen gemacht, was wieder einmal die Oberflächlichkeit der Gesellschaft wiederspiegelt.




Schon von der ersten Seite an war ich von der Geschichte fasziniert, die mich an die früheren Werke von King erinnert hat. Wir lernen hier erst einmal eine Gruppe von Freunden kennen. Eddie, Fat Gav, Nicky, Metal Mickey und Hoppo, allesamt sehr interessante und vielschichtige und interessante Charaktere, die erst einmal gar keinen Kontakt zum Bösen hatten.

Die Autorin beginnt das Buch gleich mit einem echten Schockmoment, denn der Jahrmarktbesuch der Freunde soll sehr böse enden. Gleichzeitig wird auch gleich am Anfang immer wieder angedeutet, dass es bald einen Mord geben wird - natürlich sind Opfer und Täter noch unbekannt, was noch einmal für Spannung sorgt. Denn wen wird es hier treffen?

In der Gegenwart treffen wir dann auf Eddie. Er wird an die alten Kreidezeichnungen erinnert, die er und seine Freunde ausgetauscht haben und auch an dem Mord, mit dem dieser kindliche Spaß enden sollte.

Besonders gefallen hat mir hier natürlich die Geschichte, die sich 1986 abspielt. Hier gibt es so einige Ereignisse und auch ein paar leichte Gruselmomente. Allerdings steht der Horror hier nicht im Fokus, denn "Der Kreidemann" ist wirklich in erster Linie ein Thriller, der hier, ganz im Gegensatz zu Stephen Kings Werke, ganz ohne das Übernatürliche auskommt.

Viele Cliffhanger sorgen hierbei für eine stetige Spannung. "Der Kreidemann" war seit langem mal wieder so ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Gegenwart und Vergangenheit werden geschickt miteinander verknüpft und nach und nach kommt hier die Wahrheit heraus.

Einiges war für mich zwar schon abzusehen, doch es gab auch einige Überraschungen. Spannend fand ich die Tatsache, dass die Geschichte sich auf mehren Ebenen abspielt. Wir haben hier nicht nur das, im Klappentext erwähnte tote Mädchen, sondern auch noch andere Unglücksfälle, die nach und nach aufgedeckt werden. Für mich ein gut konstruierter Thriller, der am Ende auch noch zum eigenen Mitdenken auffordert, da vieles nicht bis zum Schluss aufgeklärt wird!

Mein einziger Kritikpunkt wäre an dieser Stelle, dass das Ende doch recht schnell abgearbeitet wurde und keinen echten Schockmoment mehr bereit hielt. Das schiebe ich einfach mal auf die Unerfahrenheit der Autorin, die mit diesem Buch ja ihr Debüt hingelegt hat. Dennoch konnte das den Lesegenuss in keinster Weise trüben. Mich hat die Geschichte rund um den "Kreidemann" bestens unterhalten!




"Der Kreidemann" ist eine Homage an Stephen Kings "Es" oder "Die Leiche". Das Grauen, das eine Gruppe von Kindern in einer Kleinstadt erleben musste, schlägt hier Wellen bis die Gegenwart. Die Geschichte ist vielschichtig, bietet Platz zum miträtseln und ist durch die vielen Cliffhanger ein echter Pageturner! Eine klare Empfehlung!

Freitag, 1. Juni 2018

[Monatsrückblick] Mein Lesemonat Mai 2018

Jetzt ist der Mai, der ja gerade bei uns Bloggern sehr viel Veränderungen gebracht hat, auch wieder um. Ich muss sagen, dass ich mich von der Panikmache rund um die neue Datenschutzverordnung nicht habe anstecken lassen. ich habe keine Lust, meine Leidenschaft aufzugeben und ich finde es etwas schade, dass dieses Thema wieder einmal gezeigt hat, wie wenig Blogger doch zusammenhalten ...

Ich habe meinen Blog nach besten Wissen und Gewissen angepasst und habe mich auf das Wesentliche konzentriert: Büchern! Ich lasse mir meine Leidenschaft hier nicht nehmen und daher geht es nun wie gewohnt mit dem Monatsrückblick weiter!

Insgesamt war der Mai sehr düster und damit sehr Thriller- und Krimilastig, was mir aber absolut gefallen hat! Schade war nur, dass der einzige Horror-Roman ein echter Flop war. In diesem Bereich ist es wirklich schwer geworden, etwas atmosphärisches zu finden ...

Ich habe 12 Bücher gelesen:


- Thriller/Krimi -

Meisterhafte Morde - Agatha Christie (5+ von 5)
Das Leben, das wir begraben - Allen Eskens (4 von 5)
Die Sünderin - Petra Hammesfahr (4 von 5)
Mittsommermord - Henning Mankell (3 von 5)
Schuld - Karin Alvtegen ( 2 von 5)

- Roman -

Der Fänger im Roggen - J. D. Sallinger (5 von 5)
Ich beobachte dich - Chevy Stevens (4 von 5)
Die Mittsommerlüge - Katrine Nørregaard (4 von 5)
Wohin der Weg uns führt - Catherine Ryan Hyde (4 von 5)

- Jugendbuch -

Lockwood & Co. - Der Wispernde Schädel - Jonathan Stroud (4 von 5)
Wie Monde so silbern (Die Luna-Chroniken, Band 1) - Marissa Meyer (3 von 5)

- Horror -

Finale - Steen Langstrup (2 von 5)



Im Mai habe ich das Buch "Die Sünderin" von Petra Hammesfahr gelesen. Zeitgleich habe ich dann auch die Serie zu dem Buch auf Netflix geschaut und dabei habe ich gemerkt, wie sehr mit Cora doch ans Herz gewachsen ist. Sie muss sich in der Geschichte ihrer Vergangenheit stellen, begreifen, was damals mit ihrer Zwillingsschwester passiert ist und warum ein Ereignis aus der Vergangenheit dazu geführt hat, dass sie in der Gegenwart einen scheinbar wildfremden Mann getötet hat ...

Jessica Biel, die in der Serie Cora spielt, ist absolut klasse und kommt der Cora in meiner Vorstellung absolut nah! Ich empfehle euch sowohl das Buch, als auch die Serie. Beides geht unter die Haut.




Auch wenn viele Leser Holden Caulfield aus "Der Fänger im Roggen" nicht so mochten, weil er alles, wirklich alles (und ja, auch sich selbst!) kritisiert, muss ich doch sagen, dass ich mich beim Lesen mit ihm identifizieren konnte. Er ist ein Kritiker, ein kleiner, stiller Rebell, der nicht erwachsen werden will, ja, der die kalte und egoistische Welt der Erwachsenen verurteilt ...




Meinen spannendsten Moment hatte ich auf jeden Fall mit "Meisterhafte Morde" von Agatha Christie. Es handelt sich hierbei um einen Geschichtenband mit 13 Kurzgeschichten, die abwechslungsreicher nicht sein können. Es geht paranormal zu, sehr rätselhaft und natürlich auch sehr mörderisch. "Zeugin der Anklage" und "Die Mausefalle" waren für mich hier echt Highlights!




Auch wenn mich die Geschichte von "Wie Monde so silbern" aufgrund den zahlreichen Sci-Fi-Elementen nicht direkt packen konnte, so muss ich doch sagen, dass die Grundidee absolut originell ist. Angelehnt an das Märchen Aschenputtel haben wir Cinder, ein Cyborg, die sich natürlich in den Prinzen verliebt. Allerdings geht es hier in der Geschichte auch um Pest, die sich ausbreitet und für die ein Heilmittel gefunden werden soll ... Würde ich mit dem Science Fiction Genre besser klar kommen, wäre die Reihe für mich wohl auch ein echtes Highlight ...



Und wie sah euer Lesemonat aus? Seid ihr zufrieden? Lasst euch auf jeden Fall die Leidenschaft fürs Lesen und auch fürs Bloggen nicht nehmen! Carry on! 




Mittwoch, 30. Mai 2018

[Rezension] Wohin der Weg uns führt - Catherine Ryan Hyde

Titel: Wohin der Weg uns führt
Autor:  Catherine Ryan Hyde
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 23. Mai 2017
Anzahl der Seiten: 332
Cover und Inhaltsangabe © Tinte & Feder




"Sebastian und Maria sind verzweifelt. Sebastian hält die angespannte Situation mit seinem kontrollsüchtigen Vater kaum noch aus und Maria, die viel zu früh Mutter geworden ist, fürchtet sich davor, ihrem gewalttätigen Freund zu erzählen, dass sie arbeitslos ist. Beide fühlen sich erst dann wirklich frei, wenn es ihnen gelingt, ihrem trostlosen Alltag für kurze, verstohlene Stunden zu entkommen. Als sie sich eines Nachts in der U-Bahn begegnen, ist es um sie geschehen. Doch in New York, wo ihre Alpträume an jeder Ecke lauern, hat ihre Liebe keine Chance. In der Hoffnung auf einen Neuanfang machen sich Maria und Sebastian auf den Weg nach Kalifornien. Doch werden sie dort ihr Glück finden?"




Mein erstes Buch von Catherine Ryan Hyde hat mich hier tatsächlich überrascht. Ich bin in der Erwartung, einen Liebesroman zu lesen, an die Geschichte herangegangen, doch "Wohin der Weg uns führt" ist eher ein Roman über das Leben, über Entscheidungen, die man treffen muss und über den eigenen Weg, den es zu finden gilt. Es geht um Hoffnung, um den Mut, eine neue Richtung einzuschlagen und sich von der Angst nicht einsperren zu lassen ...

Obwohl Sebastian mit seinen 17 Jahren und auch Maria mit ihren 23 Jahren doch recht junge Menschen sind, wirkt die Geschichte von Anfang an sehr reif und erwachsen. Der Schreibstil kam mir etwas altmodisch vor, was hier aber auf keinen Fall negativ gemeint sein soll. Ganz im Gegenteil. Die Autorin hat hier eine gute Mischung aus Romantik und Realität geschaffen. Ein Buch für Träumer, aber auch für Realisten mit einer guten Botschaft am Ende ...




- Sebastian -

Sebastian hatte eigentlich nie ein echtes Leben. Sein Vater hat ihn von allem ferngehalten und so hatte Sebastian niemals Freunde, niemals irgendwelche Kontakte zu anderen Leuten und ist so in einer gewissen erzwungenen Einsamkeit gefangen.

Nur Nachts, wenn sein Vater schläft, schleicht er sich raus und fährt mit der U-Bahn durch die Gegend. Dabei lernt er dann Maria kennen und verliebt sich auf den ersten Blick, ohne zu wissen, was seine Gefühle überhaupt bedeutet, ja, ob sie überhaupt real sind.

Mir tat Sebastian sehr leid, denn logischerweise hatte er niemals eine echte Familie, niemals Freunde, niemals eine richtige Pubertät. Sein Leben beginnt eigentlich erst jetzt im Alter von 17 Jahren ...

- Maria -

Maria hat eigentlich schon ein Leben, das allerdings alles andere als perfekt ist. Sie ist erst 23 Jahre und hat bereits zwei Kinder und einen Freund, der leider sehr gewalttätig ist. Maria redet sich ein, dass alles in Ordnung ist, ja, dass ihr Leben vollkommen normal verläuft und sie eh keine andere Wahl hat.

Auf mich wirkte Maria so, als hätte sie sich schon lange verloren. Sie wacht eigentlich erst auf, als sie ihren Job verliert und sich nicht traut, es Carl, ihrem Freund zu gestehen. Stattdessen tut sie Nacht für Nacht so, als würde sie weiterhin zur Arbeit gehen - in Wahrheit setzt sie sich aber in die U-Bahn und fährt durch die Nacht.

Obwohl Maria durch ihre Kinder eigentlich schon gelernt haben sollte, Verantwortung zu übernehmen, wirkt sie doch sehr unreif, sehr geleitet, weil sie nie eigene Entscheidungen treffen musste. Mir tat sie furchtbar leid, doch ihre Naivität, die leider dann auch ihre Kinder betrifft, hat mich an einigen Stellen allerdings schon wütend gemacht.




"Wohin der Weg uns führt" von Catherine Ryan Hyde ist kein lockerleichter Liebesroman, auch wenn sich eine gewisse Romantik durch das Buch zieht. Wir haben hier zwei Verlorene, die sich, obwohl sie sich nur einmal kurz in der U-Bahn sehen, aneinanderklammern und in dem jeweils anderen eine Art Hoffnung sehen. Um selbst nicht zu ertrinken, legen sie das eigene Leben praktisch in die Hand des anderen, doch kann das wirklich gut gehen?

Maria und Sebastian sind zwei recht unterschiedliche Charaktere. Sie ist eine junge Mutter, die nicht von ihrem gewalttätigen Freund loskommt und er ein Jugendlicher, der noch nicht einmal die eigene Pubertät durchlaufen hat. Beide sind fürchterlich zerbrochen, können sich aber aus ihrem eigenem Leben gar nicht so recht befreien.

Das Buch ist zu Beginn recht düster, beide Leben sind furchtbar und der Leser leidet mit den beiden Protagonisten, die ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen, mit. Der einzige Lichtblick ist die "Liebe" zwischen den beiden, an die sie beide klammern, obwohl sie kaum etwas voneinander wissen.

Der Leser muss hier schon einen Hang zur Romantik haben, denn die Geschichte wirkt an einigen Stellen doch schon furchtbar überstürzt. Allerdings werden sich gerade beim Ende Realisten doch wieder bestätigt fühlen, denn natürlich kann es hier gar kein Happy End geben!

Es kommt hier wie es kommen muss. Die beiden fliehen irgendwann, wollen neu beginnen, doch schaffen sie es wirklich, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen? Es beginnt eine recht aufregende Zeit, in der beide erst einmal ihren Weg finden müssen. Die Frage ist hier nur, ob es ein gemeinsamer Weg wird ...

Mich hat das Buch gut unterhalten. die Mischung aus Romantik und Realität hat mir gut gefallen, allerdings hat die Geschichte bei mir auch eine gewisse Melancholie hinterlassen. Das lag vielleicht auch daran, dass alles recht überstürzt kam und der Leser nicht einschätzen kann, ob diese Liebe der beiden nun echt war oder nicht. Wie dem aber sei, "Wohin der Weg uns führt" ist dennoch ein tiefgründiger Roman über das Leben und das Erwachsenwerden.




"Wohin der Weg uns führt" ist eher ein Roman über das Leben, als über die Liebe. Teilweise ist die Geschichte sehr romantisch, ja förmlich kitschig, doch dann wird der Leser auch wieder von der eiskalten Realität eingeholt. Es ist ein Roman, der Hoffnung spendet, aber auch ein wenig melancholisch zurücklässt ...

Montag, 28. Mai 2018

[Rezension] Die Mittsommerlüge - Katrine Nørregaard

Titel: Die Mittsommerlüge
Autor:  Katrine Nørregaard
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 14. Mai 2018
Anzahl der Seiten: 368
Cover und Inhaltsangabe © Diana Verlag

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!



"Zwanzig Jahre war Kristian spurlos verschwunden. Seine Tochter Louise verzeiht ihm nie, dass er die Familie ohne Erklärung verlassen hat. Und auch ihre Mutter versteht Louise nicht. Wieso hat sie ihr Schicksal klaglos ertragen? Doch als Kristians stirbt, können Mutter und Tochter nicht mehr schweigen. Denn er hinterlässt ihnen nicht nur viele Fragen, sondern auch ein idyllisches Sommerhaus am Limfjord – von dem niemand etwas wusste. Zusammen mit Louises Tochter Ida verbringen die Frauen eine Woche in dem Haus. Was hat Kristian dort so viele Jahre getan? Welches Geheimnis hütete er?"



Mit "Die Mittsommerlüge" hat die dänische Autorin Katrine Nørregaard einen Roman geschaffen, der unter die Haut geht. Ihr Schreibstil hat mich hierbei von der ersten Seite in den Bann gezogen, er ist leicht melancholisch, aber auch ungemein tiefgründig.

Die Geschichte wir aus der Sicht von drei Generationen erzählt. So haben wir hier die Großmutter, die damit leben musste, dass ihr Mann zwanzig Jahre verschwunden war, dann natürlich die Tochter, die früh vom Vater verlassen wurde und die Enkelin, die letztendlich nur wenig Zeit mit ihrem Großvater hatte.

Das Buch geht hier wirklich unter die Haut, denn unsere drei Charaktere müssen hier lernen, wieder zueinander zu finden. Dabei haben sie alle eigene Probleme und zeitgleich beginnt für die drei Frauen dann auch eine Suche nach dem eigenen Weg ...




- Karen -

Karen hat ihrem Mann Kristian vergeben, dass er zwanzig Jahre verschwunden war. Sie hat nie herausgefunden, wo er denn nun war und vor allem, was er in der Zeit gemacht hat. Bis zum Schluss bleibt sie bei ihm, doch nach seinen Tod scheint sie endlich bereit, die Wahrheit herauszufinden. Wohin ist Kristian verschwunden? Und was hat er ihr verschwiegen?

Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass auch Karen Fehler begangen hat. Sie muss sich also auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

- Louise -

Louise ist Karens Tochter. Sie hat den Verlust des Vaters nie verkraftet und als Kristian zurückkehrte, hat sie vollständig den Kontakt zu ihrer Familie verloren. Sie versteht nicht, wie ihre Mutter ihrem Vater verzeihen konnte, will die ganze Wahrheit dahinter aber auch gar nicht wissen.

Auch Louise hat ihre eigene Probleme, sei es ihr Mann, der keinerlei Verantwortung übernimmt oder ihre plötzliche ungewollte Schwangerschaft. Auch ihre Tochter Ida bereitet ihr so einige Sorgen ...

- Ida -

Ida empfand ich hier als interessantesten Charakter. Sie ist die Tochter von Louise und anders als andere Jugendliche. Sie ist sehr nachdenklich, in sich gekehrt und ja, fast schon depressiv. Sie ist zu Beginn der Geschichte das einzige Bindeglied zwischen Karen und Louise.

Ida selbst muss hier auch ihren Weg finden, gute, als auch schlechte Erfahrungen machen. Und auch sie wird von der Wahrheit hinter dem Verschwinden ihres Großvaters betroffen sein. Ich empfand es als äußerst interessant, wie gekonnt die Autorin hier alle Schicksale miteinander verknüpft!




Das Buch beginnt mit dem Tod von Kristian. Die Familie, die schon längst zerbrochen ist, findet hier wieder zueinander, doch es gibt noch keinen Zusammenhalt, keine gemeinsame Trauerbewältigung. Über dem Tod des Vaters, Großvaters und Ehemanns steht nämlich eine einzige Frage: Warum war er ganze zwanzig Jahre lang verschwunden?

Gemeinsam reist die zerbrochene Familie in ein Sommerhaus, alle wissen allerdings nicht so recht, was sie dort sollen. Sie wollen nicht so recht zueinander finden, Louise und Ida sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und Karen weiß nicht, ob sie die Wahrheit wirklich herausfinden will.

Ich war von Anfang an von dem Schreibstil der jungen dänischen Autorin begeistert. Er ging unter die Haut, hat mich berührt und in den Bann gezogen. Aus den Sichten der drei Frauen wird nach und nach das Geheimnis aufgedeckt und es gibt zudem einige Rückblenden, die noch einmal verdeutlichen, wie belastend der Verlust des Ehemanns und Vaters für Karen, als auch ihre Tochter Louise war.

Die Geschichte weiß zu fesseln, auch wenn sie sehr ruhig erzählt wird. Nach und nach findet die Familie heraus, was Kristian in den Sommerhaus wirklich gemacht hat und warum er ganze zwanzig Jahre verschwunden war ... Hier muss ich allerdings sagen, dass die Geschichte über Kristians Vergangenheit selbst kaum Überraschungen aufweist. Es ist eigentlich genau das, was der Leser schon früh ahnt.

Die fehlende Überraschung in der letztendlichen Auflösung hat das Buch für mich etwas abgeschwächt. Ich habe beim Lesen natürlich wieder mitgefiebert und auch mitgerätselt, aber ab einen gewissen Punkt ist einfach klar, worauf das alles jetzt hinausläuft. Das war etwas enttäuschend, da ich schon früh wusste, wie das nun alles zusammenpasst. Dennoch konnte ich das Buch aber genießen. Die Charaktere entwickeln sich, sind tiefgründig beschrieben und alles andere als perfekt. Das macht sie menschlich und die Geschichte, trotz der fehlenden Wende, doch einzigartig!




"Die Mittsommerlüge" ist ein Debüt, das mich von der ersten Seite in den Bann gezogen hat. Die Geschichte, die sich über drei Generationen erstreckt, ist sehr melancholisch, der Schreibstil der
Autorin einzigartig und sehr tiefgründig. Nur die fehlende Überraschung hat den Gesamteindruck etwas getrübt, denn es ist schnell klar, was nun hinter Kristians Verschwinden steckt ...


Samstag, 26. Mai 2018

[Rezension] Ich beobachte dich - Chevy Stevens

Titel: Ich beobachte dich
Autor:  Chevy Stevens
Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsdatum: 25. April 2018
Anzahl der Seiten: 480
Cover und Inhaltsangabe © FISCHER Scherz



"Tief und kalt ist der Ozean an der kanadischen Westküste, weit und rau das Land. Hier lebt Lindsey mit ihrer 17-jährigen Tochter Sophie. Vor elf Jahren ist sie in letzter Minute ihrem gewalttätigen Ehemann Andrew entkommen. Er musste ins Gefängnis. Lindsey hat alle Spuren verwischt und für sich und Sophie ein neues Leben aufgebaut. Doch nun kommt Andrew frei."




Chevys Stevens Schreibstil würde ich in erster Linie als sehr ruhig und tiefgründig bezeichnen. Das ist auch der Grund, warum ich hin und wieder sehr gerne zu ihren Büchern greife. Sie strahlen eine gewisse Ruhe aus, sind dennoch intensiv und spannend.

So empfand ich auch wieder diesen Roman, der sich um eine Mutter und ihre Tochter dreht. Aus beiden Sichten erfahren wir hier das Geschehen. Auf der einen Seite steht Lindsey, die vor vielen Jahren ihrem gewalttätigen Mann verlassen hat. Sophie ist hier der Gegenpol, sie weiß nichts von alledem, was ihrer Mutter damals zugestoßen ist, denn sie war zu der Zeit noch ein Kind. Nun steckt sie in mitten in der Pubertät und trifft wieder auf ihren Vater ....




- Lindsey -

Lindseys Geschichte erfahren wir aus zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit sind wir dabei, wie sich ihr Mann Andrew nach und nach in ein Monster verwandelt. Er ist dem Alkohol verfallen und kontrolliert Lindsey auf Schritt und Tritt. Gewalt, besonders auf psychischer Ebene, steht hier an der Tagesordnung und es ist wirklich schwer ertragen, was Lindsey hier durchleben muss.

Lindsey ist allerdings eine starke Frau. Als Leser begleiten wir ihre Fluchtversuche und erleben sie dann elf Jahre später. Mit ihrer Tochter lebt sie sehr zurückgezogen, aber glücklich. Bis dann Andrew plötzlich aus dem Gefängnis freikommt ...

- Sophie -

Sophie ist ein typischer Teenager in der Pubertät. Sie hat einen Freund, der dem Leser recht sonderbar vorkommt und der sie anscheinend abgöttisch liebt. Auch das Thema "das erste Mal" ist bei ihr gerade aktuell und so wirken ihre Abschnitte sehr frisch und jugendlich.

Auch wenn Sophie gerade im Bezug auf ihren Vater recht naiv wirkt, so entwickelt sie sich doch im Laufe des Romans und wird tatsächlich erwachsen! Die Mutter-Tochter-Beziehung hat mir hier sehr gut gefallen!




"Ich beobachte dich" ist mittlerweile mein viertes Buch der Autorin. Ich liebe ihre ruhige Art, Geschichten aufzubauen und für eine angenehme, stetige Spannung zu sorgen. Ihre Charaktere sind stets gut ausgearbeitet, so auch hier.

Mit Lindsey hatte ich sofort mitfühlen können. Ihre Geschichte ist schrecklich, denn ihr Mann Andrew hat sie damals fürchterlich unter Druck gesetzt, sie abhängig gemacht und sie zerstört. Zum Glück konnte sie sich aus eigener Kraft befreien, doch der Albtraum ist noch längst nicht vorbei!

Andrew wird aus dem Gefängnis entlassen und Lindsey hat Angst, dass ihr Leben, das sie sich mühevoll aufgebaut hat, nun wieder zerstört wird. Sophie nimmt Kontakt zu ihrem Vater auf, doch plötzlich passieren merkwürdige Dinge, die ganz schön an den Nerven unserer Protagonisten zerren.

Das Buch besitzt eine stetige Spannung, baut sich nach und nach auf, indem der Leser Lindseys Vorgeschichte erfährt. Besonders der Tag ihrer großen Flucht ist sehr dramatisch und endet leider anders als gedacht. Hier hat Chevy Stevens wirklich wieder eine tolle Geschichte geschaffen, die doch vollkommen anders ist, als der Leser vermutet.

Natürlich deutet alles daraufhin, dass es Andrew auf seine Familie abgesehen hat. Doch ist das wirklich die Wahrheit? Von vielen Charakteren geht hier eine gewisse Gefahr aus und die Autorin schließt den Kreis erst am Ende.

Die letztendliche Auflösung fand ich überraschend, auch wenn es im Grunde nicht viele Möglichkeiten mehr ab. (Dafür gab es einfach zu wenig Charaktere!) Dennoch empfand ich die Geschichte als sehr stimmig und tragisch! Das Buch hat mich auf jeden Fall wieder begeistert und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Werk der Autorin!




"Ich beobachte dich" ist ein ruhiger und tiefgründiger Roman über eine Mutter, die mit ihrer Tochter ein neues Leben aufbauen will, am Ende aber von ihrer Vergangenheit überrollt wird! Es ist kein richtiger Page-Turner, aber eine stetige Spannung ist vorhanden!