Mittwoch, 18. Dezember 2024

[Rezension] Ich will Ihren Mann - Joy Fielding

 


Titel: Ich will Ihren Mann

Autor:  Joy Fielding

Genre: Roman, Thriller

Erscheinungsjahr: 1988

Seitenzahl: 390
Cover: © Knaur
Begonnen: 21.11.2024
Beendet: 26.11.2024


Lilian wird ausgerechnet an ihrem vierten Hochzeitstag auf einer Party von einer hübschen, sehr jungen Frau angesprochen, die Nicole heißt und sagt, dass sie ihren Mann heiraten will. Das erinnert Lilian schlagartig daran, dass ihr Mann David noch verheiratet war, als sie ihn kennenlernte. Droht ihr nun dasselbe Schicksal wie Davids Exfrau? Und ist es klug, sich selbst aufzugeben, um die eigene Ehe zu retten?

Joy Fielding ist ja für ihre meist sehr feministischen Geschichten bekannt. Ein Thriller ist "Ich will Ihren Mann" dabei aber nicht. Es ist ein eher ruhig erzählter Roman über eine Ehe, die langsam Risse bekommt und über eine Frau, die erkennen muss, wie sehr sie sich aufopfert.

Teilweise fiel es mir ein wenig schwer, Lilian zu verstehen, aber die Autorin führt hier sehr sensibel auch das Missbrauchs-Thema ein. Es geht also um Frauen, die sich nicht von ihren Männern lösen können und die wirklich alles über sich ergehen lassen. Für den Leser ist natürlich ersichtlich, dass es der Ehe von David und Lilian an Tiefe fehlt, im Grunde wird immer nur erwähnt, wie perfekt David äußerlich ist und wie wenig Selbstvertrauen Lilian besitzt.

"Ich will Ihren Mann" ist sicherlich nicht der spannendste Roman aus der Feder von Joy Fielding und manche Übersetzungen sind schon grenzwertig. So wird beispielsweise  "Anorexia Nervosa" mit "nervöser Anorexie" übersetzt. Dennoch widmet sich die Autorin, die mich schon mein Leben lang begleitet, einem sehr wichtigen Thema, das besonders betroffenen Frauen helfen kann!


"Ich will Ihren Mann" erzählt von einer Frau, die sich selbst für den Mann ihrer Träume komplett aufgibt und dies viel zu spät erkennt. Ein ruhiger, aber dennoch wichtiger Roman!

Ich vergebe 4 von 5.


Montag, 16. Dezember 2024

[Rezension] Mary Anne - Daphne du Maurier

 


Titel: Mary Anne

Autor:  Daphne du Maurier

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 1980

Seitenzahl: 368
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 19.11.2024
Beendet: 24.11.2024


Daphne du Maurier beschreibt das Leben ihrer eigenen Urgroßmutter Mary Anne Clarke, die als Mätresse des Herzogs Frederick Augustus in die Geschichte einging. Der Leser begleitet Mary Anne von der Kindheit an, in der sie sich bereits fest vornahm, einmal in Wohlstand zu leben bis in die Zeit, als sie erkennen muss, dass sie vielleicht einen falschen Weg eingeschlagen hat.

Mary Anne ist dabei eine spannende Persönlichkeit. Allerdings schimmert von Anfang an eine sehr berechnende Art durch, denn sie strebt nach einem besseren Leben und ist dafür auch bereit, Männer zu benutzen. So ist da beispielsweise ihr erster Ehemann, der ihr nicht den Wohlstand bietet, den sie sich erhofft hat und den sie schließlich verlässt, um auf ganz andere Art und Weise das zu bekommen, was sie sich erträumt.

Als der Herzog auf der Bildfläche erscheint, führt Mary Anne eigentlich ein gutes Leben, doch sie will immer mehr und das sorgt schließlich für den ein oder anderen herben Rückschlag. Dieser historische Roman zeigt sehr schön auf, wie wenig vom Leben doch übrig bleibt, wenn wir immer nur höher hinaus wollen und wir Glück von Geld und Wohlstand abhängig machen. Mich hat dieser Einblick in die skandalöse Welt des 19. Jahrhunderts bestens unterhalten und mir wieder einmal gezeigt, was für eine vielseitige Autorin Daphne du Maurier doch war!


"Mary Anne" zeichnet das Leben einer Frau auf, die versucht, sich gegen die Männer zu behaupten und dabei für den ein oder anderen Skandal verantwortlich ist, der auch ihr selbst stark geschadet hat. Ein sehr interessanter, historischer Einblick!

Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 14. Dezember 2024

[Rezension] Die Bedrohung - Louis Greenberg

 


Titel: Die Bedrohung

Autor:  Louis Greenberg

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2018

Seitenzahl: 384
Cover: © Heyne
Begonnen: 18.11.2024
Beendet: 21.11.2024


In einer Welt, in der das Digitale als Bedrohung empfunden wird, existiert noch immer eine geschlossene Kleinstadt, in der die Bewohner in einer virtuellen Realität leben. Diese Realität bekommt Risse, als Kinder aus Green Valley verschwinden ...

Der Plot von "Die Bedrohung" klang echt spannend und beschreibt auch tatsächlich eine ganz interessante Welt. Lucie soll hier zu ihrem Exmann nach Green Valley kommen, weil die gemeinsame Tochter verschwunden ist. Der Einblick in die Technologie und die "perfekte" Welt innerhalb der digitalen Kleinstadt ist gelungen, doch die Charaktere sind im Gegensatz dazu nicht nur farb-, sondern auch vollkommen leblos.

Lucie führt den Leser durch die Geschichte und entpuppte schnell als eine sehr unsympathische Protagonisten. Nicht nur, dass sie eigentlich nichts für ihre Tochter empfinden, man hat pausenlos das Gefühl, dass ihr eigentlich alles und jeder egal ist. Mir tat hier die Tochter Kira leid, denn Liebe ihr gegenüber war überhaupt nicht zu spüren. Wäre sie nicht wieder aufgetaucht wäre das für Lucie wohl auch im Ordnung gewesen.

Die Story selbst ist schwammig und für mich auch nicht logisch nachvollziehbar. Es fehlt hier an Tiefe. Während der Autor die technischen Spielereien sehr eingängig beschreibt, fehlt es der gesamten Welt irgendwie am Leben und Erklärungen. Ich konnte mir die Zukunft in dieser Form leider gar nicht vorstellen ...


"Die Bedrohung" besitzt eine interessante Idee, doch sowohl die Story als auch die Charaktere wirken farb- und leblos. Für mich ein großer Flop! 

Ich vergebe 2 von 5.


Donnerstag, 12. Dezember 2024

[Rezension] Der dreizehnte Monat - David Mitchell

 


 Titel: Der dreizehn Monat

Autor:  David Mitchell

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2009

Seitenzahl: 345
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 15.11.2024
Beendet: 18.11.2024


Es ist Januar 1982 und wir begleiten dreizehnjährigen Jason, der heimlich Gedichte schreibt, manchmal stottert und gerade dabei ist, erwachsen zu werden ein ganzes Jahr lang. Dabei kollidiert seine kindliche Welt mit der mitunter sehr harten und grausamen Realität ...

Ich mag Coming-of-Age-Geschichten sehr gerne und auch in David Mitchells "Der dreizehnte Monat" gibt es einige starke Momente und viele sehr poetische Passagen, die das Erwachsenwerden auf fast mystische Weise beschreiben. Jason erlebt in diesem Jahr so einiges und trifft auch jede Menge Leute, die zu Wegbegleitern und auch Wegweisern werden soll. Leider wirkte die Geschichte auf mich stellenweise etwas zu überladen.

Ich muss sagen, dass David Mitchell für mich einen zu aufgeblähten Schreibstil besitzt. Er schafft es, die Zeit und der ganzen Umgebung Leben einzuhauchen, doch die Charaktere blieben für mich ein wenig auf der Strecke. Auch den Protagonisten Jason werde ich nach dem Lesen schnell wieder vergessen haben, auch wenn mir seine Entwicklungen - so vorhersehbar sie auch mitunter sein mögen - gefallen haben.

"Der dreizehnte Monat" ist auf jeden Fall eine interessante Coming-of-Age-Story, bei der mir aber ein wenig das Einprägsame und Besondere fehlte. Vielleicht lag dies aber auch einfach nur an dem Schreibstil, bei dem weniger tatsächlich mehr gewesen wäre ...



Ein Jahr im Leben eines Jungen, der sich auf der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet und zeigt, wie die Welt der Jugendlichen mit der Realität kollidiert. Für mich war die Geschichte sowie der Schreibstil aber leider zu aufgebläht ...

Ich vergebe 3 von 5.




Dienstag, 10. Dezember 2024

[Rezension] Das Gesicht - Martina Cole

 


 Titel: Das Gesicht

Autor:  Martina Cole

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2005

Seitenzahl: 528
Cover: © Heyne
Begonnen: 11.11.2024
Beendet: 17.11.2024


Joanie ist nicht nur Prostituierte, sondern auch alleinerziehende Mutter dreier Kinder, die bereits die ersten Probleme machen. Dann verschwindet plötzlich ihre jüngste Tochter Kira und sie rutschen als Familie noch tiefer in den Sumpf aus Gewalt und vor allem Rache ...

Als ich dieses Buch mit dem unscheinbaren Cover und auch Titel im Bücherschrank entdeckte, wusste ich gar nicht, was mich hier erwarten wird. Die Autorin taucht hier tief in die Brennpunkte der Gesellschaft ein und erschafft eine sehr gewalttätige und böse Geschichte, die unter die Haut geht. Dabei spricht sie zahlreiche Probleme innerhalb der Gesellschaft an, vor allem das Veruteilen von Frauen, die ihren Körper verkaufen müssen, um ihren Kindern ein halbwegs gutes Leben bieten zu können. Eine solche, sehr aufopferungsvolle Mutter ist Joanie, die es nicht leicht mit ihren drei Kindern hat. Ihr ältester Sohn beginnt in ihrer Branche zu arbeiten, ihre Tochter Jeanette kommt in dir Pubertät und Kira ist ein klein wenig zu naiv für ihr Alter.

Spannend ist der Nachbar Tommy, der sich mit der kleinen Kira anfreundet und im Anschluss direkt als Täter angesehen wird, weil er selbst die Intelligenz eines Kindes hat. Hier gehen gewisse Ereignisse wirklich unter die Haut und es zeigt sich schön, wie schnell Menschen einander beurteilen.

Ich war verblüfft, wie vielschichtig und aufwühlend dieser Roman doch war. Bis zum Ende stellt sich die Frage, was mit der kleinen Kira passiert ist. Natürlich zählen schließlich nur die Gesetze der Straße wenn es um Rache geht. Mich hat dieses Werk vollkommen überzeugt und ich werde schauen, ob ich noch weitere Bücher der Autorin finden werde!



Das unscheinbare Cover und der etwas lahme Titel passen gar nicht zu der aufwühlenden, vielschichtigen und bitteren Geschichte über das Leben am Rand der Gesellschaft! Ein intensives Werk!

Ich vergebe 5 von 5.

Sonntag, 8. Dezember 2024

[Rezension] Warum Menschen töten - Eine Polizeipsychologin ermittelt - Claudia Brockmann

 


Titel: Warum Menschen töten - Eine Polizeipsychologin ermittelt

Autor:  Claudia Brockmann

Genre: Bericht

Erscheinungsjahr: 2013

Seitenzahl: 208
Cover: © Ullstein
Begonnen: 09.11.2024
Beendet: 11.11.2024


Die Polizeipsychologin Claudia Brockmann gibt in diesem Buch Einblick in fünf sehr unterschiedliche Fälle und erzählt, wie Fallanalysen und Täterprofile erstellt werden. 

Alle fünf Fälle werden dabei anschaulich geschildert und zeigen ganz unterschiedliche Verbrechen auf. So geht es in "Denise" um ein getötetes Mädchen, in "Ebert" um einen flüchtigen Serienmörder, in "Taximord" um die Rekonstruktion eines Mordes an einen Taxifahrer, in "Hilal" um ein Mädchen, das verschwunden ist und in "Dagobert", um die wohl spektakulärste Erpressung Deutschlands.

Ich empfand alle fünf Fälle als sehr fesselnd beschrieben und mir gefielen die Einblicke in die Psyche der Täter und auch der Betroffenen. Spannend ist zudem, wie Lügen durchschaut werden können und wie wichtig es ist, gewisse Handlungen vorrauszuschauen. Der Job als Polizeipsychologin klingt dabei sehr faszinierend und abwechslungsreich. Ich würde direkt noch ein Buch mit weiteren Fällen lesen.


Eine Polizeipsychologin schildert in diesem Buch fünf sehr spannende Fälle und zeigt, wie wichtig Fallanalysen und Täterprofile sind. Ein spannender Einblick in einen sehr interessanten Job und auch in die Köpfe von Verbrechern.

Ich vergebe 5 von 5.

Freitag, 6. Dezember 2024

[Rezension] Das Leuchten jenes Sommers - Nikola Scott


 Titel: Das Leuchten jenes Sommers

Autor:  Nikola Scott

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2019

Seitenzahl: 496
Cover: © Wunderlich
Begonnen: 06.11.2024
Beendet: 09.11.2024


Im Jahre 1939 ist nicht nur der Krieg im Anmarsch. Nein, Maddy wartet sehnsüchtig auf ihre Schwester Georgiana, die allerdings mit ihren neuen Freunden und einem Mann nach Summerhill zurückkehrt. Victor gibt sich von Anfang an sehr geheimnisvoll. Wie düster sein Geheimnis ist, sollen die beiden Schwestern noch herausfinden. Siebzig Jahre später kommt die Fotografin Chloe für einen Auftrag nach Summerville. Auch ihr Leben wird sich auf dem Anwesen schlagartig verändern ...

"Das Leuchten jenes Sommers" beschreibt in zwei Zeitebenen das Leben zweier Frauen, die für sich selbst und andere kämpfen müssen. In der Vergangenheit haben wir Maggy, die das Gefühl hat, ihre Schwester und auch das Anwesen ihrer verstorbenen Eltern zu verlieren. Gleichzeitig kümmert sich Maggy noch um einen Piloten, der einen Absturz überlebt hat. Sie muss also plötzlich, als sich der Krieg nähert, auf vielerlei Art und Weise erwachsen werden.

Im Gegenwartsstrang begegnen wir Chloe, die gerade erfährt, schwanger zu sein und durch das Baby erkennt, wie gefangen sie in ihrer Ehe schon lange ist. Sie findet hier durch die Begegnung mit Maddy den Mut, sich endlich einmal einen eigenen Weg zu suchen. Mir gefiel die Freundschaft, die sich hier zwischen den beiden Frauen entwickelt.

Die Geschehnisse auf Summerhill konnten mich in den Bann ziehen, nur hätte es für mich an manchen Stellen noch gefühlvoller sein können. Einiges wird eine Spur zu geradlinig erzählt und daher sind gewisse Dinge bereits vorhersehbar. Die Geschichte der beiden Schwestern mit all der Tragik am Ende hat mich aber dennoch gut unterhalten. Nur der letzte Funke wollte bei diesem Roman einfach nicht überspringen.


"Das Leuchten jenes Sommers" ist ein lesenswertes Buch über zwei Schwestern und über den Mut, einen eigenen Weg einzuschlagen.

Ich vergebe 4 von 5.