Samstag, 10. Januar 2026

[Rezension] Inmitten der Nacht - Rumaan Alam

 


Titel: Inmitten der Nacht

Autor:  Rumaan Alam

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2021

Seitenzahl: 320
Cover: © btb
Begonnen: 19.12.2025
Beendet: 23.12.2025


Amanda und Clay fahren mit ihren beiden Kindern in ein teures und sehr abgelegenes Ferienhaus auf Long Island. Es soll ein Urlaub werden, wie viele Familien ihn verbringen und der vorwiegend aus Nichtstun besteht, um Kraft für ihren gewohnten Alltag zu sammeln. Doch dann taucht ein älteres, schwarzes Ehepaar auf, das behauptet, dieses Haus würde ihnen gehören und mit der Welt außerhalb würde etwas nicht stimmen ... Steht etwa der Weltuntergang bevor?

Erst beim Lesen fiel mir auf, dass ich die unter einem anderen Titel erschienene Verfilmung zu diesem Roman bereits vor einiger Zeit gesehen hatte. Die Idee selbst rund um das Spiel mit der Unsicherheit und Ungewissheit der Menschen empfand ich sowohl im Buch als auch im Film als sehr gelungen. Wir haben hier eine typische, etwas festgefahrene Familie, die einfach nur einen normalen Urlaub verbringen will, aber damit konfrontiert wird, dass von allen Seiten ein totaler Zusammenbruch ihres gewohnten droht. Gemeinsam mit den Besitzern des Hauses, die für sie nur Fremde sind, klammern sie sich noch an einen Alltag, den es wohl so niemals mehr geben wird. 

So genial ich die Ideen rund um dieses Endzeitszenario fand, so ernüchternd war manchmal die Erzählweise in diesem Roman. Mir waren manche Themen einfach zu aufgezwungen, die stereotypische weiße Familie zu eindimensional und der ganze Small Talk zwischen den beiden Ehepaaren sehr ermüdend. Zudem fehlte es mir an einem Umdenken, denn vieles wird nur kurz angeschnitten. Film und Buch ähneln sich schon sehr. Beides endet offen und für mich leider etwas unbefriedigend. So genial ich dieses Endzeitszenario auch fand, Buch und Film greifen es einfach zu oberflächlich auf. Da wäre mehr möglich gewesen!


Ein Endzeitszenario, das ich wirklich originell und einzigartig finde, dass sich aber aufgrund der zu ruhigen Erzählweise und der fehlenden Tiefe leider nicht entfalten kann.

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 9. Januar 2026

[Rezension] Nacht der Auferstehung - Jeffrey Sackett


Titel: 
Nacht der Auferstehung

Autor:  Jeffrey Sackett

Genre: Horrorroman

Erscheinungsjahr: 1989

Seitenzahl: 475
Cover: © Knaur
Begonnen: 16.12.2025
Beendet: 22.12.2025


Simon Proctor tritt als Rockmusiker und Hexenmeister auf den großen Bühnen auf. Sein neuestes Projekt ist jedoch ein Horrorfilm, in dem er die Geschichte seines Vorfahren John Proctor erzählt, der in Salem während der Hexenprozesse den Tod fand, nachdem er sich mit zwei Mädchen eingelassen hat. In Simons Leben treten ebenfalls plötzlich zwei junge Mädchen, die sich dem Satanismus verschrieben haben und Simons ganze Familie ins Unglück stürzen ...

"Nacht der Auferstehung" wirkt von der ersten Seite an wie ein Splatter-Film aus den 90ern. Es kommt jede Menge nackter Haut vor und es fließt auch recht viel Blut. Simon lernen wir als Musiker kennen, der die große Show liebt und den Hexenmeister auf der Bühne nur darstellt. Er zieht jedoch auch seine beiden Kinder und deren Freunde immer tiefer in die Welt des Satanismus hinein. 

Jeffrey Sackett konnte mich mit "Nacht der Aufstehung" auf jeden Fall unterhalten, auch wenn er kaum Wert auf Atmosphäre legt. Stattdessen versucht er zu schocken, was ihm gut gelingt. Interessant ist auch die Vorgeschichte von John Proctor. Für mich war dies alles allerdings keine Art von Horror, die mir wirklich eine Gänsehaut bescheren kann.

Sympathisch sind die Charaktere allesamt nicht. Mitfiebern konnte ich im Grunde nur mit Simons Tochter Rowena, die als einzige etwas Verstand zeigt. Ansonsten wirken alle anderen Personen wie typische Personen aus einem etwas trashigen Horrorfilm. Das muss man wohl mögen, um sich auf die Geschichte einlassen zu können. Ich hatte Spaß beim Lesen.



Ein Horrorroman über Satanismus, der zwar wenig Wert auf Atmosphäre legt, dabei aber das typische Feeling der 90er-Jahre-Horrorfilme aufgreift. Mit allen Stärken, aber auch Schwächen ...

Ich vergebe 4 von 5.

Donnerstag, 8. Januar 2026

[Rezension] Bei mir bist du schön - Rita Classen

 


 Titel: Bei mir bist du schön

Autor:  Rita Classen

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2001

Seitenzahl: 318
Cover: © btb
Begonnen: 14.12.2025
Beendet: 17.12.2025


Louise erbt ein Hotel an Rande eines Dorfes und lebt dort mit ihrer Cousine Rosi. Eines Tages steht ein Mann aus Louises Vergangenen vor der Tür. Er nennt einen falschen Namen, doch Louise weiß, dass er jener Junge ist, von dem sie damals in der Schule nahezu besessen war. Sie wollte unbedingt, dass Baggo sie sieht und genau das geschieht nun endlich. Doch da ist ja auch noch Rosi ...

"Bei mir bist du schön" besitzt interessante und sehr vielschichtige Charaktere, die sich nicht so leicht durchschauen lassen. Louise hat sich als Teenger selbst nicht leiden können, doch nun genießt sie sichtlich ihre Macht über Baggo, der sich selbst nach dem Tod seiner Frau verloren hat. Gleichzeitig geht von Louise aber auch eine tiefe Melancholie aus, denn es fühlt sich so an, als wüsste sie nicht, was echte Liebe ist.

Obwohl der Roman im Verlauf eine klassische Dreiecksbeziehung aufgreift, geht es doch eher um Macht, Abhängigkeit und auch um Gleichgültigkeit. Interessant sind die Vorgeschichten von Louise und Baggo. Zwischen den beiden gibt es eine Verbindung, die sich gar nicht so leicht in Worte fassen lässt.

Für mich war das Buch eine außergewöhnliche Lektüre, vor allem was die Melancholie betrifft. Manchmal fiel es mir allerdings schwer, die Tiefe der Charaktere wirklich zu begreifen, besonders auch was die Dynamik zwischen Louise und Baggo betrifft. Irgendwas fehlte mir aber in der Erzählung, als würde da das letzte Puzzleteil fehlen. Die Autorin war für mich aber dennoch eine spannende Neuentdeckung!



Eine außergewöhnliche Erzählung einer ungewöhnlichen Dreiecksbeziehung, die sehr viel Melancholie, aber auch eine gewisse Gleichgültigkeit verströmt. Ein Buch, das sich sicher nicht mal eben nebenbei lesen lässt ...

Ich vergebe 4 von 5.


Mittwoch, 7. Januar 2026

[Rezension] Lucy und Dr. Acula - Ursel Scheffler


 Titel: Lucy und Dr. Acula

Autor:  Ursel Scheffler

Genre: Kinderbuch

Erscheinungsjahr: 1992

Seitenzahl: 107
Cover: © Loewe
Begonnen: 14.11.2025
Beendet: 10.12.2025

Lucy lebt in Little Riddle, liebt Fledermäuse und ist selbst ein halber Vampir. Der neue Freund ihrer Mutter, der ausgerechnet Zahnarzt ist, gefällt ihr nicht und schnell erkennt sie, dass er ein dunkles Geheimnis hat ...

Schon im November haben wir als weitere Halloweenlektüre dieses Kinderbuch angefangen. Durch den einsetzenden Frost konnten wir es aber erst jetzt beenden. "Lucy und Dr. Acula" ist dabei eine sehr angenehme Vorleselektüre, die uns oft zum Schmunzeln brachte. Die Autorin verbindet viele witzige Ideen miteinander. Mir gefiel die Fledermausgeheimschrift, die zum Miträtseln einlädt genau wie die vielen eingebauten sehr informativen Fakten über Fledermäuse. So ist das Buch zeitgleich auch lehrreich.

Die Illustrationen sind stimmig, während die Geschichte einen kleinen, aber sehr feinen Spannungsbogen besitzt. Für Erwachsene mag vieles sicherlich etwas vorhersehbar sein, aber dennoch kann ich sagen, dass mich das kleine Abenteuer so gut unterhalten hat, dass ich noch ein Buch rund um Lucy lesen würde. 



Eine angenehme und sehr originelle Vorleselektüre mit vielen witzigen Momenten!

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 6. Januar 2026

[Rezension] Ich schieße ... doch! - Elisabeth Zöller

 


Titel: Ich schieße ... doch!

Autor:  Elisabeth Zöller

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2005

Seitenzahl: 152
Cover: © Löwe Verlag 
Begonnen: 14.12.2025
Beendet: 16.12.2025


Drei Jungen stehen vor Gericht. Kevin, Raphael und Matthias Sie sollen Niko jahrelang gequält haben und ihn schließlich zu einer Verzweiflungstat getrieben haben. Vor Gericht wird nicht nur Nikos Abschiedsbrief thematisiert, sondern auch seine Tagebucheinträge aus einer Zeit, in der er jeden Tag Angst vor der Schule hatte ...

Elisabeth Zöller widmet sich hier einem sehr wichtigen Thema, denn Gewalt an Schulen gibt es nach wie vor. Niko wird relativ schnell zum Opfer. Er wird geschlagen und zu Dingen gezwungen, die er gar nicht will. Dadurch verliert er sich immer mehr und sieht nur noch einen einzigen Weg vor sich.

Das Buch geht - obwohl es mit 152 Seiten sehr kurz ist - sehr nahe, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, das die Autorin sich ein wenig von einem Klischee zum nächsten hangelt. Gerade das mit den Gewaltspielen hätte für mich nicht sein müssen. 

Niko ist nicht immer leicht zu verstehen. Er besitzt eigentlich ein stabiles Umfeld mit vielen Leuten, die ihn unterstützen. Dennoch gelingt es ihm nicht so recht Halt zu finden. Das fand ich authentisch dargestellt, wenn auch für jüngere Leser eventuell etwas schwer zu greifen. Wichtig ist dieses Buch auf jeden Fall.


Ein Junge, der von seinen Mitschülern körperlich und auch psychisch fertig gemacht wird, sieht hier nur einen Ausweg. Ein kurzer, aber dennoch wichtiger Einblick in die Dynamiken hinter Mobbing und Gewalt!

Ich vergebe 4 von 5.

Montag, 5. Januar 2026

[Rezension] Trash - Andy Mulligan

 


 Titel: Trash 

Autor:  Andy Mulligan

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2011

Seitenzahl: 256
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 11.12.2025
Beendet: 14.12.2025


Raphael, Gardo und Ratte sind Mülljungs, die auf einer riesigen Müllhalde leben und Tag für Tag dort nach Nahrung und wervollen Gegenständen suchen. Eines Tages stößt Raphael auf eine Tasche mit Geld und einem Schlüssel, der scheinbar zu einem Schließfach gehört. Dann taucht auch schon die Polizei auf und die drei befinden sich auf der Flucht ...

"Trash" erzählt von den Schattenseiten unserer Gesellschaft, denn es gibt nicht nur Berge von Müll, sondern auch Menschen, die in diesen Deponien die einzige Chance zum Überleben sehen. Raphael, Gardo und Ratte sind mit dem Müll und im Dreck großgeworden. Statt in die Schule zu gehen durchforsten sie den Abfall der ganzen Stadt und dabei finden sie etwas, das ihr Leben komplett auf den Kopf stellt.

Der Autor erzählt aus unterschiedlichen Sichtweisen. Neben den drei Jungs kommen auch Charaktere zu Wort, die ihnen unterwegs helfen. Allerdings ähnelt der Erzählstil sich doch sehr. Es fühlte sich manchmal eher so an, als wäre das Geschehen aus einer einzigen Sicht geschildert.

Das Abenteuer selbst ist unterhaltsam, wenn auch sicherlich etwas vorhersehbar. Natürlich geht es auch ein wenig um Politik und es kommt auch noch ein Code vor. Mir war das Ende aber ein wenig zu schnell erzählt und die drei Jungs kamen mir auf ihrer Reise leider nicht besonders nahe.



Ein unterhaltsames Abenteuer mit einer tollen Dynamik und einer interessanten Geschichte, die ein wenig vorhersehbar und zum Ende eine Spur zu schnell erzählt wird.

Ich vergebe 4 von 5.

Sonntag, 4. Januar 2026

[Rezension] Die Rache der Kinder - Hilary Norman

 


Titel: Die Rache der Kinder

Autor:  Hilary Norman

Genre: Roman, Thriller

Erscheinungsjahr: 2009

Seitenzahl: 368
Cover: © Bastei
Begonnen: 01.12.2025
Beendet: 03.12.2025


Vier Kinder in einem Heim schließen sich zu einem anfangs harmlosen Spiel zusammen, bei dem sie Monster jagen. Sie nennen sich nach den Charakteren aus William Goldings "Der Herr der Fliegen" und finden in einer Erwachsenen schließlich auch eine Anführerin, die das Spiel weiterentwickelt. Doch was, wenn die Monster in Wahrheit unschuldig sind?

Mir gefiel die Idee rund um die Kinder, die zueinanderfinden indem sie sich aus "Der Herr der Fliegen" vorlesen. Das, was Jack, Roger, Simon und Piggy tun, wirkt erst einmal harmlos, denn die vier suchen einfach nur einen Rückzugsort. Doch dann stößt eine erwachsene Frau zu ihnen, die sich Ralph nennt und ihre Anführerin wird. Von diesem Zeitpunkt an, nehmen die Spiele eine neue Dimension an.

Neben der Vorgeschichte der vier Kinder, erfahren wir auch von Kate und Laurie, die beide sicherlich nicht perfekt, aber weit davon entfernt sind, echte Monster zu sein. Dennoch sollen die beiden am nächsten Spiel teilnehmen. Mir gefiel die Dynamik hinter dem Spiel. Die Anführerin nutzt ihre Machtposition aus, verliert sich selbst aber dabei, weil sie immer süchtiger danach wird, Menschen zu bestrafen und die vier Kinder zu lenken.

Dabei zeigt es sich, dass die vier Kinder, die eigentlich nur die Ungerechtigkeiten dieser Welt bekämpfen wollen, viel zu schnell urteilen und dadurch nicht besser sind als die Menschen, die sie kritisieren. Bis zum großen Spiel hat mich das Buch wirklich gepackt, danach verpufft alles allerdings ein wenig, weil es fast nur noch um die Suche der Täter geht. Das lief mir etwas zu leicht ab, gerade auch was Lüften von Ralphs Identität betrifft. Eine größere Wendung wäre hier vielleicht noch nötig gewesen, denn auf den letzten fünfzig Seiten war alles zu vorhersehbar und in eine gewisse Richtung gelenkt. Gerne gelesen habe ich das Buch aber dennoch!




Ein interessantes Spiel, das harmlos beginnt und dann einen bitteren Ernst entwickelt steht im Fokus dieser originellen Story, die sich am Ende allerdings ein wenig verliert ...

Ich vergebe 4 von 5.