Freitag, 4. September 2026

[Spontane Leserunde] Löcher - Louis Sachar


 So, der Sommer unserer gemeinsamen, spontanen Leserunden von meiner Autorenkollegin Sandra Pulletz und mir neigt sich langsam dem Ende zu. Als Abschluss haben wir ein Buch ausgesucht, das wir beide zufällig im Bücherschrank entdeckt haben. Es handelt sich um "Löcher" von Louis Sachar. Wer spontan mit einsteigen mag, ist herzlich willkommen.

Leseabschnitte

1. Abschnitt - Kapitel 1 bis Kapitel 7

2. Abschnitt - Kapitel 8 bis Kapitel 18

3. Abschnitt - Kapitel 19 bis Kapitel 27

4. Abschnitt - Kapitel 28 bis Kapitel 36

5. Abschnitt - Kapitel 37 bis Kapitel 59


Ich wünsche uns viel Spaß und eine rege Diskussion!

Donnerstag, 3. September 2026

[Rezension] Die Stadt und ihre ungewisse Mauer - Haruki Murakami

 


Titel: Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

Autor:  Haruki Murakami

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2025
Seitenzahl: 638
Cover: © Dumont

Begonnen: 31.07.2022
Beendet: 06.08.2022




"Die Stadt und und ihre ungewisse Mauer" ist ein neuerer Roman aus der Feder von Haruki Murakami, den ich im Laufe der letzten Jahre wirklich als sehr ausgefallenen Schriftsteller, der verrückte Ideen mit sehr viel Tiefe und Philosophie verbindet, kennengelernt habe. Mit dieser Geschichte, die sich abermals um einen namenlosen Hauptcharakter dreht, der die große Liebe gefunden und verloren hat, erreicht er noch einmal ein ganz anderes, schriftstellerisches Niveau.

Murakami beschäftigt sich mit Themen, die mir auch oft im Kopf herumschweben und die sich oft nur schwer greifen oder gar in Worte fassen lassen. So erschafft er hier eine Stadt, die sich der Protagonist gemeinsam mit seiner ersten großen Liebe ausgedacht hat und die von einer großen Mauer umgeben ist. Wer die Stadt betritt, muss den eigenen Schatten ablegen.

Hauptsächlich dreht sich der Roman um den Wunsch, seinen Körper und vielleicht sogar diese Welt, die einen oft gefangen hält, zu verlassen, um auf einer geistigen Ebene eine ganz andere Form des Seins zu finden. Wir begleiten den Charakter durch sein ganzes Leben, das - wie sollte es auch anders sein - eine einzige große Suche nach einem echten Sinn darstellt. Überaus gelungen fand ich die Personen, die ihm begegnen. So trifft er auf einen Geist, der ja selbst keinen Körper mehr besitzt und auf einen Jungen, der kaum spricht und auf dieser Welt keinen Platz zu haben scheint. Auch das kleine Abenteuer mit seinem eigenem Schatten, der darum kämpft, ebenfalls erhalten zu bleiben, fand ich sehr originell.

Der Roman ist sehr melancholisch und hat selbst mich als Schnell- und Vielleser herausgefordert. Ich habe seit langem mal wieder eine ganze Woche für ein Werk gebraucht, denn "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer" zwingt den Leser, über gewisse Momente und Aussagen nachzudenken und dadurch auch das eigene Leben zu reflektieren. Auf mich wirkte das Buch nicht so abgedreht wie die ersten Bücher von Murakami und sehr viel reifer und stiller. Die Geschichte hallt auf jeden Fall nach und das ist genau das, was gute Literatur für mich ausmacht!


Ein reifer, sehr tiefgründiger Roman, der sich mit dem Wunsch beschäftigt, Körper und Geist voneinander zu trennen. Ein Werk, das zum Nachdenken anregt und auch für jene Leser geeignet ist, die Murakami mal von einer ruhigeren Seite kennenlernen wollen!

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 1. September 2026

[Rezension] Alpträume - Paula Gosling

  


Titel: Alpträume

Autor:  Paula Gosling

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 1998

Seitenzahl: 284
Cover: © Rowohlt

Begonnen: 30.07.2026
Beendet: 03.08.2026


Momentan scheine ich bei der Auswahl meiner Bücher kein glückliches Händchen zu haben, denn abermals erwies sich eine Geschichte als eine doch sehr zähe und langweilige Lektüre. Dabei versprach der Klappentext von "Alpträume" jede Menge Spannung, sollte es doch um einen Jungen gehen, der nach dem Tod seines Vater an Alpträumen leidet ...

Max steht jedoch nicht im Fokus, sondern vielmehr seine Mutter Tess, die plötzlich seltsame Anrufe bekommt und anscheinend irgendwas rausrücken soll, was ihr Mann jemand schuldet. Damit ist im Grunde auch schon die ganze Geschichte erzählt, denn es geht um Geld und Verbrecher, die dieses unbedingt haben wollen. 

Ein echter Thriller war "Alpträume" für mich nicht, denn im Grunde ermittelt Detective Sergeant Tim Nightingale in einem recht typischen Krimifall, der sich sehr schnell durchschauen lässt und demnach keinerlei Überraschungen mehr bereithält. Schade ist hier auch, dass Max und seine Alpträume im Grunde gar keine große Rolle für die Geschichte spielen. Mir war das Buch leider viel zu vorhersehbar und spannungsarm.



Ein sehr vorhersehbarer, sehr zäher Krimi ohne Spannung! 

Ich vergebe 2 von 5.

Montag, 31. August 2026

[Rezension] Sommerstücke - Garrison Keillor, Jenny Lind Nilsson

 


Titel: Sommerstücke

Autor:  Garrison Keillor, Jenny Lind Nilsson

Genre: Jugendbuch

Erscheinungsjahr: 1998

Seitenzahl: 268
Cover: © Carlsen

Begonnen: 29.07.2026
Beendet: 31.07.2026


Rachels Eltern haben auch in diesem Jahr kein Interesse daran, in den Urlaub zu fahren und so rechnet Rachel damit, dass der Sommer mal wieder unfassbar langweilig wird, zumal auch ihre beste Freundin sich plötzlich für andere Dinge zu interessieren beginnt. Doch dann wird Rachel mit ihrer geliebten Geige Teil eines Sommerorchesters und erkennt, was ihr wirklich wichtig ist ...

Rachel, die eine Protagonistin mit Ecken und Kanten ist, fand ich gelungen, denn sie ist gleichzeitig sehr feinfühlig, schätzt gewisse Situationen aber manchmal auch ganz falsch ein. Teilweise wirkt sie etwas pessimistisch in dieser Geschichte, weil sie sich oftmals einredet, ganz allein zu sein, obwohl da ständig Leute sind, die hinter ihr stehen.

In diesem Sommer lernt Rachel, ihre eigenen Interessen zu verfolgen und zu akzeptieren, dass sie ruhig "anders" als ihre Mitschüler sein darf. Das fand ich als Botschaft gelungen, allerdings fehlte es mir in diesem Jugendroman an ein paar stärkeren Momenten. Für mich wirkte das Erlebte manchmal etwas lieblos erzählt. Natürlich geht es viel um Musik, doch ich hätte nicht erwartet, dass auch die Geschichte der Eltern so viel Raum einnimmt. So erfüllt sich hier auch der Vater den Traum, endlich Dirigent zu sein und auch Rachels Mutter wird Teil des Orchesters. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Rachel mehr im Fokus steht, denn gerade ihre kleine Liebesgeschichte geht stark unter. 

Alles in allem ist es ein Jugendroman, den man gut lesen kann, dem für mich aber - wenn man die Botschaft betrachtet - die Tiefe und auch das Besondere fehlt.



Ein Jugendroman mit einer wichtigen Botschaft, dem es aber etwas an Tiefe fehlt und in dem die Eltern eher im Fokus stehen als Rachel selbst.

Ich vergebe 3 von 5.

Sonntag, 30. August 2026

[Rezension] Die zweite Schwester - Claire Kendal

   


Titel: Die zweite Schwester 

Autor:  Claire Kendal

Genre: Thriller, Roman

Erscheinungsjahr: 2018

Seitenzahl: 478
Cover: © Ullstein
Begonnen: 27.07.2026
Beendet: 30.07.2026


Melanie kann einfach nicht akzeptieren, dass ihre ältere Schwester einfach nicht mehr da ist. Obwohl sie sich um den Sohn kümmern müsste, den Miranda zurückgelassen hat, kämpft sie noch immer darum, die Wahrheit hinter dem Verschwinden herauszufinden.  Sie will nämlich nicht glauben, dass der verurteilte Serienkiller Jason Thorne dahinterstecken könnte. Dabei lockt sie allerdings jemanden an, der die ganze Wahrheit kennt ...

Ich war eigentlich auf der Suche nach einem spannenden Thriller, fand in diesem Buch aber leider nur eine recht langatmige Spurensuche einer Frau, die endlich wissen will, was mit ihrer Schwester geschah. Lange passiert in diesem Buch nichts, denn erst einmal werden die Charaktere eingeführt, die allesamt sehr unsympathisch sind und nur aus Melanies Sicht betrachtet werden. Halbwegs interessant ist nur Melanie, die noch immer im Geiste mit ihrer Schwester spricht und ihr Leben durch den Verlust nicht mehr im Griff hat.

Selten habe ich ein Buch gesehen, bei dem wirklich jede noch so kleine, unwichtige Szene so dermaßen in die Länge gezogen wird. Herzstück der Geschichte hätte eigentlich der Besuch beim Serienkiller sein sollen, den die Autorin dann auch streckt und mit so vielen unwichtigen Dialogen füllt, dass die gesamte Story immer wieder für zehn oder auch mehr Seiten stagniert. 

Das Ende war dann so vorhersehbar, dass ich auf den letzten Seiten eine riesige Enttäuschung gespürt habe. Eine gewisse Person hielt ich nämlich für die typische falsche Fährte, da es viel zu einfach und offensichtliche wäre, wenn sich diese als Täter entpuppt, doch leider wählt die Autorin diesen sehr unoriginellen Weg.
Von einem Thriller war "die dritte Schwester" für mich leider meilenweit entfernt und durch die vielen Länge wird mir kaum etwas positiv in Erinnerung bleiben.


Vorhersehbar und stark in die Länge gezogen bietet dieser Thriller leider kaum Spannung ...
Ich vergebe 2 von 5.

Samstag, 29. August 2026

[Rezension] Das Mädchen mit dem Perlenohrring - Tracy Chevalier

 


Titel: Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Autor:  Tracy Chevalier

Genre: Roman 

Erscheinungsjahr: 2002

Seitenzahl: 280
Cover: © List

Begonnen: 26.07.2026
Beendet: 29.07.2026


"Das Mädchen mit dem Perlenohrring" gehört wohl zu Vermeers berühmtesten Kunstwerken. Auch wenn über die Entstehung und auch das Modell nichts bekannt ist, erzählt Tracy Chevalier hier eine zwar fiktive, aber sehr berührende Geschichte über eine Dienstmagd, die eine ihr unbekannte Welt betritt und sich durch diese selbst verändert.

In einer gemeinsamen Leserunde haben wir uns mit Griet beschäftigt, die eine faszinierende junge Frau ist. Da ihr Vater erblindet ist und deswegen nicht mehr arbeiten kannt, wird Griet die Dienstmagd bei den Vermeers. Sie putzt das Atelier des großen Künstlers, ist bei der Entstehung vieler Bilder dabei, wird seine Gehilfin und schließlich auf seinem berühmtesten Gemälde.

Durch den sehr einfachen Schreibstil wird man direkt in die Zeit katapultiert, in der die Geburt entscheidet, zu welcher Gesellschaftsschicht man gehört. Griet ist ein auffallend intelligentes Mädchen, das dennoch dem Charme des großen Künstlers erliegt. Angenehm fand ich es, dass es hier um eine Verbindung geht, die aus Blicken und Gesten besteht, aber niemals ins Körperliche abdriftet. So bleiben Vermeers eigene Gefühle ein Mysterium, auch wenn anzunehmen ist, dass er sich eher in das Kunstwerk an sich als in Griet verliebt hat.

Es gibt sehr viele starke und sehr intensive Momente in diesem Roman, die sich bei mir eingebrannt und mich auch die gelungene Verfilmung erinnert haben, die ich schon vor über 20 Jahren gesehen habe. Ich bin hier gerne in die Welt des Künstlers eingetaucht und auch wenn die Geschichte selbst rein fiktiv ist, war doch die Magie der Kunst zu spüren!


Ein intensiver Einblick in die zwar rein fiktive, aber dennoch sehr fesselnde Entstehungsgeschichte eines großen Kunstwerks!

Ich vergebe 5 von 5.

Freitag, 28. August 2026

[Rezension] Das Archiv der Gefühle - Peter Stamm

 


Titel: Das Archiv der Gefühle

Autor:  Peter Stamm

Genre: Roman 

Erscheinungsjahr: 2021

Seitenzahl: 190
Cover: © Fischer

Begonnen: 23.07.2026
Beendet: 26.07.2026


Viele Autoren beschäftigen sich mit der ersten großen Liebe und den Spuren, die diese hinterlässt. Auch Peter Stamm widmet sich diesem Thema und erzählt in "Archiv der Gefühle" von einem namenlosen Archivar, der seinen Job verliert und dann genug Zeit hat, über sein Leben nachzudenken. Dabei scheint sich alles um Franziska zu drehen, die immer wieder in seinen Gedanken auftaucht und alle anderen späteren Beziehungen zu verdrängen scheint.

Mit dem Erzähler, der einsam und fern aller Menschen lebt, konnte ich mich direkt identifizieren. Nachdem der Protagonist seinen Job verliert, setzt er das Archiv privat fort, um eine Beschäftigung zu haben. Doch zeitgleich drängen ihn gewisse Erinnerungen dazu, sich wieder mit Franziska, die heute eine berühmte Sängerin ist, zu beschäftigen und sich bei ihr zu melden. Doch dazu muss er seine eigenen damaligen und auch heutigen Gefühle erst einmal ordnen und begreifen. 

Er analysiert frühere Beziehungen und auch seinen Weg, der ihn zum heutigen Eigenbrötler gemacht hat. Das fand ich spannend, denn man spürte, dass der Protagonist sich oft treiben ließ und nicht in der Lage war, Entscheidungen zu treffen und zu gewissen Gefühlen zu stehen. Ich denke, viele Leute können sich mit der Unsicherheit, mit der unser Erzähler durch das Leben schreitet, identifizieren.

Obwohl das Thema wirklich schon von vielen Schriftstellern aufgegriffen wurde, funktioniert es auch in diesem Werk sehr gut, was sicherlich an Peter Stamms tiefgründigen Stil liegt, der den Leser förmlich in den Kopf seines Charakters zieht. Ich habe das Buch verschlungen und mich in vielen Gedankengängen wiedergefunden. Das eigene Archiv, das aus Erinnerungen und Gefühlen besteht ist wirklich sehr kostbar und sollte gut gepflegt werden!


Ein tiefgründiger Roman über die erste Liebe, die Spuren hinterlässt!

Ich vergebe 5 von 5.