Montag, 12. Januar 2026

[Rezension] Das unerträgliche Weiß zu Weihnachten: und andere winterliche Morde - Håkan Nesser


  Titel: Das unerträgliche Weiß zu Weihnachten

Autor:  Håkan Nesser

Genre: Kurzgeschichten

Erscheinungsjahr: 2014

Seitenzahl: 176
Cover: © btb
Begonnen: 23.12.2025
Beendet: 26.12.2025


In fünf Kurzgeschichten zeichnet Håkan Nesser die düstere und melancholische Seite von Weihnachten auf. Für mich war dieses kleine Büchlein in diesen Jahr die perfekte Lektüre über die Feiertage.

In "Herr Kader" reißen wir in ein warmes Ferienparadies und beobachten eine seltsame Ehe, aus der es nur einen Ausweg gibt. Die Geschichte gefiel bis auf das Ende. "Shit happens" ist ausgesprochen amüsant, denn hier sitzt ein falscher Weihnachtsmann, der Juwelen gefressen hat, in einer Zelle, damit sein Stuhlgang überwacht wird.

"Eine unwahrscheinlicher Begegnung", geschrieben mit Henning Mankell beschreibt das Recht melancholische Aufeinandertreffen von Wallander und Van Veeteren. Sehr witzig fand ich zudem, dass sie auf ihre Schöpfer treffen.

"Wie ich meine Tage und Nächte verbringe" ist wieder eine klassische Krimigeschichte über einem Schriftsteller, der für seine Frau jemanden töten will. Auch diese ist sehr unterhaltsam. Mein großer Favorit in diesem Band war jedoch "Das unerträgliche Weiß zu Weihnachten". Die kleine Beate will unbedingt einen Hundewelpen zu Weihnachten bekommen und hat einen bitterböse Plan für den Fall, das dies nicht geschieht.

Alle fünf Geschichten waren originell, kreativ und passten für mich von der Stimmung perfekt zu den Feiertagen, die mich jedes Jahr mental vor eine kleine Herausforderung stellen. Håkan Nesser und seine Bücher werden mich auch im nächsten Jahr weiter begleiten.



Für mich war diese melancholische, amüsante und vor allem bitterböse Geschichtensammlung in diesem Jahr die perfekte Weihnachtslektüre!

Ich vergebe 5 von 5.

Sonntag, 11. Januar 2026

[Rezension] Evas Auge - Karin Fossum


 Titel: Evas Auge

Autor:  Karin Fossum

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2003

Seitenzahl: 368
Cover: © Piper
Begonnen: 22.12.2025
Beendet: 24.12.2025


Die Künstlerin Eva hat plötzlich mehr Geld, doch auch einen Haufen Probleme. Vor allem als sie mit ihrer Tochter eine angespülte Leiche findet, daraufhin aber nicht die Polizei ruft. Eva hat nämlich etwas mit dem Mord zu tun, auch wenn alles ganz anders ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Karin Fossum hat es in diesem Jahr geschafft, in der Liste meiner Lieblingsautoren ganz weit nach oben zu klettern. Ihre Krimis sind außergewöhnlich von der Erzählweise, gehen sehr tief und besitzen meistens sehr bittere Wendungen. Auch "Evas Auge" hat mich von der ersten Seite in den Bann gezogen. 

Mit der Malerin Eva konnte ich mich direkt identifizieren. Als Künstlerin nagt sie förmlich am Hungertuch, ist aber nicht bereit, ihre Leidenschaft aufzugeben. Sie trifft schließlich auf ihre alte Freundin Maja, die ihr eine Möglichkeit aufzeichnet, wie Eva schnell an Geld kommen kann. Doch ist Eva überhaupt in der Lage, ihre eigenen Werte und Ideale zu verraten? Ja, einen Teil ihrer Seele aufzugeben?

Der Krimi ist sehr clever aufgebaut, denn der Leser wird direkt mit Evas Schuld konfrontiert, kennt die Hintergründe, die alles in ein ganz anderes Licht rücken, aber noch nicht. Der sensible Sejer als Ermittler war für mich hier mal wieder eine willkommene Abwechslung zu den stereotypischen und problembelasteten Kommissaren in anderen Krimis. Das Ende dieses Falls hallt auch hier wieder nach und könnte kaum bitterer sein. Ich bin weiterhin unfassbar begeistert von Karin Fossum und ihrem großen Talent!



Karin Fossum konnte mich abermals mit einem außergewöhnlichen und raffinierten Krimi in den Bann ziehen. Eine großartige Autorin!

Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 10. Januar 2026

[Rezension] Inmitten der Nacht - Rumaan Alam

 


Titel: Inmitten der Nacht

Autor:  Rumaan Alam

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2021

Seitenzahl: 320
Cover: © btb
Begonnen: 19.12.2025
Beendet: 23.12.2025


Amanda und Clay fahren mit ihren beiden Kindern in ein teures und sehr abgelegenes Ferienhaus auf Long Island. Es soll ein Urlaub werden, wie viele Familien ihn verbringen und der vorwiegend aus Nichtstun besteht, um Kraft für ihren gewohnten Alltag zu sammeln. Doch dann taucht ein älteres, schwarzes Ehepaar auf, das behauptet, dieses Haus würde ihnen gehören und mit der Welt außerhalb würde etwas nicht stimmen ... Steht etwa der Weltuntergang bevor?

Erst beim Lesen fiel mir auf, dass ich die unter einem anderen Titel erschienene Verfilmung zu diesem Roman bereits vor einiger Zeit gesehen hatte. Die Idee selbst rund um das Spiel mit der Unsicherheit und Ungewissheit der Menschen empfand ich sowohl im Buch als auch im Film als sehr gelungen. Wir haben hier eine typische, etwas festgefahrene Familie, die einfach nur einen normalen Urlaub verbringen will, aber damit konfrontiert wird, dass von allen Seiten ein totaler Zusammenbruch ihres gewohnten droht. Gemeinsam mit den Besitzern des Hauses, die für sie nur Fremde sind, klammern sie sich noch an einen Alltag, den es wohl so niemals mehr geben wird. 

So genial ich die Ideen rund um dieses Endzeitszenario fand, so ernüchternd war manchmal die Erzählweise in diesem Roman. Mir waren manche Themen einfach zu aufgezwungen, die stereotypische weiße Familie zu eindimensional und der ganze Small Talk zwischen den beiden Ehepaaren sehr ermüdend. Zudem fehlte es mir an einem Umdenken, denn vieles wird nur kurz angeschnitten. Film und Buch ähneln sich schon sehr. Beides endet offen und für mich leider etwas unbefriedigend. So genial ich dieses Endzeitszenario auch fand, Buch und Film greifen es einfach zu oberflächlich auf. Da wäre mehr möglich gewesen!


Ein Endzeitszenario, das ich wirklich originell und einzigartig finde, dass sich aber aufgrund der zu ruhigen Erzählweise und der fehlenden Tiefe leider nicht entfalten kann.

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 9. Januar 2026

[Rezension] Nacht der Auferstehung - Jeffrey Sackett


Titel: 
Nacht der Auferstehung

Autor:  Jeffrey Sackett

Genre: Horrorroman

Erscheinungsjahr: 1989

Seitenzahl: 475
Cover: © Knaur
Begonnen: 16.12.2025
Beendet: 22.12.2025


Simon Proctor tritt als Rockmusiker und Hexenmeister auf den großen Bühnen auf. Sein neuestes Projekt ist jedoch ein Horrorfilm, in dem er die Geschichte seines Vorfahren John Proctor erzählt, der in Salem während der Hexenprozesse den Tod fand, nachdem er sich mit zwei Mädchen eingelassen hat. In Simons Leben treten ebenfalls plötzlich zwei junge Mädchen, die sich dem Satanismus verschrieben haben und Simons ganze Familie ins Unglück stürzen ...

"Nacht der Auferstehung" wirkt von der ersten Seite an wie ein Splatter-Film aus den 90ern. Es kommt jede Menge nackter Haut vor und es fließt auch recht viel Blut. Simon lernen wir als Musiker kennen, der die große Show liebt und den Hexenmeister auf der Bühne nur darstellt. Er zieht jedoch auch seine beiden Kinder und deren Freunde immer tiefer in die Welt des Satanismus hinein. 

Jeffrey Sackett konnte mich mit "Nacht der Aufstehung" auf jeden Fall unterhalten, auch wenn er kaum Wert auf Atmosphäre legt. Stattdessen versucht er zu schocken, was ihm gut gelingt. Interessant ist auch die Vorgeschichte von John Proctor. Für mich war dies alles allerdings keine Art von Horror, die mir wirklich eine Gänsehaut bescheren kann.

Sympathisch sind die Charaktere allesamt nicht. Mitfiebern konnte ich im Grunde nur mit Simons Tochter Rowena, die als einzige etwas Verstand zeigt. Ansonsten wirken alle anderen Personen wie typische Personen aus einem etwas trashigen Horrorfilm. Das muss man wohl mögen, um sich auf die Geschichte einlassen zu können. Ich hatte Spaß beim Lesen.



Ein Horrorroman über Satanismus, der zwar wenig Wert auf Atmosphäre legt, dabei aber das typische Feeling der 90er-Jahre-Horrorfilme aufgreift. Mit allen Stärken, aber auch Schwächen ...

Ich vergebe 4 von 5.

Donnerstag, 8. Januar 2026

[Rezension] Bei mir bist du schön - Rita Classen

 


 Titel: Bei mir bist du schön

Autor:  Rita Classen

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2001

Seitenzahl: 318
Cover: © btb
Begonnen: 14.12.2025
Beendet: 17.12.2025


Louise erbt ein Hotel an Rande eines Dorfes und lebt dort mit ihrer Cousine Rosi. Eines Tages steht ein Mann aus Louises Vergangenen vor der Tür. Er nennt einen falschen Namen, doch Louise weiß, dass er jener Junge ist, von dem sie damals in der Schule nahezu besessen war. Sie wollte unbedingt, dass Baggo sie sieht und genau das geschieht nun endlich. Doch da ist ja auch noch Rosi ...

"Bei mir bist du schön" besitzt interessante und sehr vielschichtige Charaktere, die sich nicht so leicht durchschauen lassen. Louise hat sich als Teenger selbst nicht leiden können, doch nun genießt sie sichtlich ihre Macht über Baggo, der sich selbst nach dem Tod seiner Frau verloren hat. Gleichzeitig geht von Louise aber auch eine tiefe Melancholie aus, denn es fühlt sich so an, als wüsste sie nicht, was echte Liebe ist.

Obwohl der Roman im Verlauf eine klassische Dreiecksbeziehung aufgreift, geht es doch eher um Macht, Abhängigkeit und auch um Gleichgültigkeit. Interessant sind die Vorgeschichten von Louise und Baggo. Zwischen den beiden gibt es eine Verbindung, die sich gar nicht so leicht in Worte fassen lässt.

Für mich war das Buch eine außergewöhnliche Lektüre, vor allem was die Melancholie betrifft. Manchmal fiel es mir allerdings schwer, die Tiefe der Charaktere wirklich zu begreifen, besonders auch was die Dynamik zwischen Louise und Baggo betrifft. Irgendwas fehlte mir aber in der Erzählung, als würde da das letzte Puzzleteil fehlen. Die Autorin war für mich aber dennoch eine spannende Neuentdeckung!



Eine außergewöhnliche Erzählung einer ungewöhnlichen Dreiecksbeziehung, die sehr viel Melancholie, aber auch eine gewisse Gleichgültigkeit verströmt. Ein Buch, das sich sicher nicht mal eben nebenbei lesen lässt ...

Ich vergebe 4 von 5.


Mittwoch, 7. Januar 2026

[Rezension] Lucy und Dr. Acula - Ursel Scheffler


 Titel: Lucy und Dr. Acula

Autor:  Ursel Scheffler

Genre: Kinderbuch

Erscheinungsjahr: 1992

Seitenzahl: 107
Cover: © Loewe
Begonnen: 14.11.2025
Beendet: 10.12.2025

Lucy lebt in Little Riddle, liebt Fledermäuse und ist selbst ein halber Vampir. Der neue Freund ihrer Mutter, der ausgerechnet Zahnarzt ist, gefällt ihr nicht und schnell erkennt sie, dass er ein dunkles Geheimnis hat ...

Schon im November haben wir als weitere Halloweenlektüre dieses Kinderbuch angefangen. Durch den einsetzenden Frost konnten wir es aber erst jetzt beenden. "Lucy und Dr. Acula" ist dabei eine sehr angenehme Vorleselektüre, die uns oft zum Schmunzeln brachte. Die Autorin verbindet viele witzige Ideen miteinander. Mir gefiel die Fledermausgeheimschrift, die zum Miträtseln einlädt genau wie die vielen eingebauten sehr informativen Fakten über Fledermäuse. So ist das Buch zeitgleich auch lehrreich.

Die Illustrationen sind stimmig, während die Geschichte einen kleinen, aber sehr feinen Spannungsbogen besitzt. Für Erwachsene mag vieles sicherlich etwas vorhersehbar sein, aber dennoch kann ich sagen, dass mich das kleine Abenteuer so gut unterhalten hat, dass ich noch ein Buch rund um Lucy lesen würde. 



Eine angenehme und sehr originelle Vorleselektüre mit vielen witzigen Momenten!

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 6. Januar 2026

[Rezension] Ich schieße ... doch! - Elisabeth Zöller

 


Titel: Ich schieße ... doch!

Autor:  Elisabeth Zöller

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2005

Seitenzahl: 152
Cover: © Löwe Verlag 
Begonnen: 14.12.2025
Beendet: 16.12.2025


Drei Jungen stehen vor Gericht. Kevin, Raphael und Matthias Sie sollen Niko jahrelang gequält haben und ihn schließlich zu einer Verzweiflungstat getrieben haben. Vor Gericht wird nicht nur Nikos Abschiedsbrief thematisiert, sondern auch seine Tagebucheinträge aus einer Zeit, in der er jeden Tag Angst vor der Schule hatte ...

Elisabeth Zöller widmet sich hier einem sehr wichtigen Thema, denn Gewalt an Schulen gibt es nach wie vor. Niko wird relativ schnell zum Opfer. Er wird geschlagen und zu Dingen gezwungen, die er gar nicht will. Dadurch verliert er sich immer mehr und sieht nur noch einen einzigen Weg vor sich.

Das Buch geht - obwohl es mit 152 Seiten sehr kurz ist - sehr nahe, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, das die Autorin sich ein wenig von einem Klischee zum nächsten hangelt. Gerade das mit den Gewaltspielen hätte für mich nicht sein müssen. 

Niko ist nicht immer leicht zu verstehen. Er besitzt eigentlich ein stabiles Umfeld mit vielen Leuten, die ihn unterstützen. Dennoch gelingt es ihm nicht so recht Halt zu finden. Das fand ich authentisch dargestellt, wenn auch für jüngere Leser eventuell etwas schwer zu greifen. Wichtig ist dieses Buch auf jeden Fall.


Ein Junge, der von seinen Mitschülern körperlich und auch psychisch fertig gemacht wird, sieht hier nur einen Ausweg. Ein kurzer, aber dennoch wichtiger Einblick in die Dynamiken hinter Mobbing und Gewalt!

Ich vergebe 4 von 5.