Donnerstag, 3. September 2026

[Rezension] Die Stadt und ihre ungewisse Mauer - Haruki Murakami

 


Titel: Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

Autor:  Haruki Murakami

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2025
Seitenzahl: 638
Cover: © Dumont

Begonnen: 31.07.2022
Beendet: 06.08.2022




"Die Stadt und und ihre ungewisse Mauer" ist ein neuerer Roman aus der Feder von Haruki Murakami, den ich im Laufe der letzten Jahre wirklich als sehr ausgefallenen Schriftsteller, der verrückte Ideen mit sehr viel Tiefe und Philosophie verbindet, kennengelernt habe. Mit dieser Geschichte, die sich abermals um einen namenlosen Hauptcharakter dreht, der die große Liebe gefunden und verloren hat, erreicht er noch einmal ein ganz anderes, schriftstellerisches Niveau.

Murakami beschäftigt sich mit Themen, die mir auch oft im Kopf herumschweben und die sich oft nur schwer greifen oder gar in Worte fassen lassen. So erschafft er hier eine Stadt, die sich der Protagonist gemeinsam mit seiner ersten großen Liebe ausgedacht hat und die von einer großen Mauer umgeben ist. Wer die Stadt betritt, muss den eigenen Schatten ablegen.

Hauptsächlich dreht sich der Roman um den Wunsch, seinen Körper und vielleicht sogar diese Welt, die einen oft gefangen hält, zu verlassen, um auf einer geistigen Ebene eine ganz andere Form des Seins zu finden. Wir begleiten den Charakter durch sein ganzes Leben, das - wie sollte es auch anders sein - eine einzige große Suche nach einem echten Sinn darstellt. Überaus gelungen fand ich die Personen, die ihm begegnen. So trifft er auf einen Geist, der ja selbst keinen Körper mehr besitzt und auf einen Jungen, der kaum spricht und auf dieser Welt keinen Platz zu haben scheint. Auch das kleine Abenteuer mit seinem eigenem Schatten, der darum kämpft, ebenfalls erhalten zu bleiben, fand ich sehr originell.

Der Roman ist sehr melancholisch und hat selbst mich als Schnell- und Vielleser herausgefordert. Ich habe seit langem mal wieder eine ganze Woche für ein Werk gebraucht, denn "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer" zwingt den Leser, über gewisse Momente und Aussagen nachzudenken und dadurch auch das eigene Leben zu reflektieren. Auf mich wirkte das Buch nicht so abgedreht wie die ersten Bücher von Murakami und sehr viel reifer und stiller. Die Geschichte hallt auf jeden Fall nach und das ist genau das, was gute Literatur für mich ausmacht!


Ein reifer, sehr tiefgründiger Roman, der sich mit dem Wunsch beschäftigt, Körper und Geist voneinander zu trennen. Ein Werk, das zum Nachdenken anregt und auch für jene Leser geeignet ist, die Murakami mal von einer ruhigeren Seite kennenlernen wollen!

Ich vergebe 5 von 5.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mit Nutzung der Kommentarfunktion akzeptierst du die Datenschutzerklärung
dieses Blogs.