Donnerstag, 12. November 2015

[Rezension] Die Scherben der Wahrheit - Mark Billingham

Titel: Die Scherben der Wahrheit
Autor: Mark Billingham
Verlag: Atrium Zürich
Genre: Roman, Thriller
Seitenzahl: 480
ISBN:  978-3855350575 
Cover und Inhaltsangabe © Atrium Zürich




„In einer regnerischen Nacht kommt ein Auto von der Fahrbahn ab und rast in eine Bushaltestelle. Mehrere Menschen werden verletzt, für Paul Hopwood kommt jede Hilfe zu spät. Die Polizei glaubt, dass Paul das zufällige Opfer eines Initiationsritus wurde, wie er unter Jugendgangs in diesem Teil Londons keine Seltenheit ist. Pauls hochschwangere Frau Helen aber will nicht glauben, dass ihr Mann auf so sinnlose und zufällige Weise ums Leben kam. Als sie unbekannte Nummern auf Pauls Handy entdeckt, erhärtet sich ihr Verdacht. Helen begibt sich auf eine Reise durch die Nacht, auf der Suche nach der Antwort auf eine fürchterliche Frage: Wer war der Mann wirklich, dessen Kind sie unter dem Herzen trägt?“




Mark Billinghams Schreibstil ist eher ruhig, erzeugt aber dennoch eine unterschwellige Spannung. Das Buch hier als richtigen Thriller zu bezeichnen, fällt mir allerdings schwer. Es ist vielmehr ein Roman über eine Frau, die nach und nach die Wahrheit über ihren Mann herausfindet. Eine Wahrheit, die sie zuvor nicht erahnen konnte. Ein wenig hat das Buch schon etwas von einem Krimi, da die Suche danach, was da an der Bushaltestelle wirklich passiert ist, im Mittelpunkt steht!




Paul und Helens Ehe steht auf wackligen Beinen, aber beide möchten daran arbeiten – schon für das Baby, das in Helen heranwächst. Paul lernen wir am Anfang nur kurz lebend kennen, denn die Schießerei an der Bushaltestelle, bei der er von einem Auto angefahren wird, kommt recht schnell. Wer ist Paul wirklich? Und hatte er ein Geheimnis?

Im weiteren Verlauf der Geschichte lernen wir Helen besser kennen, die gar nicht richtig trauern kann. Sie ist hin und hergerissen und will alles bezüglich des Unfalls genau wissen. Diese Art an ihr hat mir nicht besonders gut gefallen, denn ich konnte mich kaum mit ihr identifizieren. Ich habe ein wenig eine schwache, verletzliche Seite bei ihr vermisst!

Hingegen gut ausgearbeitet fand ich die „Gang“, bestehend aus mehreren Jugendlichen. Besonders wird hier Theo beleuchtet, der in der Nacht des „Unfalls“ eine zentrale Rolle gespielt hat! Wir lernen ihn vor und nach dem „Unfall“ kennen und sehen, wie er langsam an den Schuldgefühlen zerbricht!




„Die Scherben der Wahrheit“ wirkt sehr geradlinig und leider auch viel zu ruhig. Die unterschwellige Spannung kommt zwar hin und wieder durch, aber der größte Teil des Buches besteht leider aus Ermittlungen von Helen, ihrem Alltag, ihre Vorbereitungen für die Beerdigung und Theos Schuldgefühlen. Die viel zu ruhige Schreibweise hat es für mich leider nicht geschafft, einen Höhepunkt zu definieren. Das Buch ist in sich schlüssig, auch von der Auflösung her, aber es hatte für mich nichts, das lange im Gedächtnis bleibt!

Das Buch ließ sich auf jeden Fall gut und schnell lesen. Ich konnte dabei fast immer abschalten und musste nicht viel nachdenken. Auf der einen Seite empfand ich dies als positiv, doch auf der anderen fiel somit das „Mitfiebern“ weg. Helens Geschichte fand ich sehr tragisch, vor allem da sie hochschwanger ist und jetzt allein mit der Geburt und ihrem Leben fertig werden muss. Leider fand ich Helens Charakter hingegen nicht sehr sympathisch. Sie wirkt wie eine Superheldin, die selbst schwanger noch allen Ungereimtheiten nachgeht und dabei nur funktioniert. Eine weiche, menschliche Seite hat mir bei ihr einfach gefehlt.

Die ganze Auflösung am Ende fand ich aber gelungen. Das Buch besitzt einen roten Faden, von dem zwar immer mal wieder abgewichen wird, aber der trotzdem nie aus den Augen verloren wird. Nach und nach kommt die Wahrheit über Paul ans Licht und was bei dieser angeblichen „Mutprobe“ wirklich passiert ist. Das fand ich interessant, auch wenn es vom Thema her absolut nicht meins war!




„Die Scherben der Wahrheit“ ist ein Buch, das sich flott lesen lässt und interessante Auflösung besitzt, doch mich leider aufgrund der übertriebenen Protagonistin und einer gewissen fehlenden Spannung nicht zu 100 Prozent überzeugen konnte!

Ich vergebe 3 von 5 Käseratten.

Mittwoch, 11. November 2015

[Abgebrochen] Böse Lügen - Sharon Bolton

Titel: Böse Lügen
Originaltitel: Little Black Lies
Autor: Sharon Bolton
Verlag: Manhattan
Genre: Thriller, Psychothriller
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3442547654
Cover und Inhaltsangabe © Manhattan




"In einer kleinen Gemeinschaft wie der auf den Falklands gehen keine Kinder verloren. Und wenn doch, so kann es sich nur um einen tragischen Unfall handeln, schließlich sind die rauen Küsten der Inselgruppe nicht ungefährlich. Doch als zum dritten Mal ein kleiner Junge verschwindet, glaubt kaum noch jemand an einen Zufall. Die Bewohner müssen befürchten, dass einer von ihnen ein Mörder ist. Auch Catrin Quinn, die nach dem Tod ihrer beiden Söhne ein zurückgezogenes Leben führt, wird in die Suche hineingezogen. Mit jeder Stunde steigen Misstrauen und Hysterie, bis eine regelrechte Hexenjagd beginnt. In ihrem Zentrum stehen Catrin selbst; Rachel, ihre beste Freundin aus Kindertagen; und Catrins ehemaliger Liebhaber Callum. Alle drei hüten Geheimnisse, die sie bis in ihre Träume verfolgen. Und sie vertrauen niemandem – nicht einmal sich selbst. Schließlich wären sie zu allem fähig …"




Ich hatte mich sehr auf das neue Buch von Sharon Bolton gefreut, da ich vor einigen Jahren "Dead End" von ihr gelesen habe und begeistert war. Das Buch war lebendig, spannend und tiefgründig. Leider hat sich das für mich nicht direkt auf "Böse Lügen" übertragen. Das Buch fing leider recht langweilig an und ich habe es letztendlich nach der Hälfte abgebrochen, da ich mich nicht länger quälen wollte und ich das Gefühl hatte, nicht in dem Buch anzukommen!

Leider kam ich schon nach den ersten Seiten nicht mit der Protagonistin Catrin klar, die hier als "Ich"-Erzähler in Erscheinung tritt. Eigentlich mag ich diese Erzählform, da es die Möglichkeit bietet, den Personen näher zu kommen und tief in ihre Gedanken einzutauchen, aber das war hier leider nicht der Fall. Catlin blieb blass und ihre Beweggründe, Dinge zu tun, blieben für mich als Leser leider nicht so recht nachvollziehbar.  Ich kam mit ihrer Art nicht klar und den ganzen kleinen Erinnerungsbruchstücken, die immer wieder in den Raum geworfen werden, ohne nähere Erklärungen zu geben. Klar, die Geschichte von Catlin und ihren Kindern und dem Hass auf ihre beste Freundin sollte geheimnisvoll bleiben, aber für mich hat das leider dazu geführt, dass ich nicht an die Protagonistin herankam!

Desweiteren hat mich das Setting dieses Thrillers gestört. Man spürt die Leidenschaft der Autorin für das Inselleben und die Wasserwelt, aber mir war das hier zu viel. (Klar, das Cover verrät schon in welche Richtung es geht, aber ich hatte nicht das nötige Interesse dafür!!) Leider blieb deswegen auch der Spannungsbogen auf der Strecke, da immer wieder Nebensächlichkeiten in den Vordergrund traten! Leider hat auch eine ganz gewisse Szene, in denen Tiere im Mittelpunkt standen, dafür gesorgt, dass ich das Buch abbrechen musste. Manche Dinge will ich in einem Buch nicht lesen!

Ich verzichte hier auf eine Bewertung des Buches, da ich es nicht zu ende gelesen habe! Eventuell hat sich das Buch ja noch gewandelt. auch wenn ich hier ein wenig über den Stil der Autorin enttäuscht war. Für mich ist das Buch nicht mit der Stärke und Tiefe von "Dead End" vergleichbar! Schade!

Montag, 9. November 2015

[Rezension] Das Feuerzeichen - Francesca Haig


Titel: Das Feuerzeichen
Originaltitel: The Fire Sermon
Autor: Francesca Haig
Verlag: Heyne fliegt
Genre: Roman, Dystopie
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3453270138 
Cover und Inhaltsangabe © Heyne fliegt




„Vierhundert Jahre in der Zukunft: Durch eine nukleare Katastrophe wurde die Menschheit zurück ins Mittelalter katapultiert. Es ist eine Welt, in der nur noch Zwillinge geboren werden. Zwillinge, die so eng miteinander verbunden sind, dass sie ohne einander nicht überleben können. Allerdings hat immer einer von beiden einen Makel. Diese sogenannten Omegas werden gebrandmarkt und verstoßen.

Es ist die Welt der jungen Cass, die selbst eine Omega ist, weil sie das zweite Gesicht besitzt. Während sie Verbannung, Armut und Demütigung erdulden muss, macht ihr Zwillingsbruder Zach Karriere in der Politik. Cass kann und will diese Ungerechtigkeit nicht länger ertragen und beschließt zu kämpfen. Für Freiheit. Für Gerechtigkeit. Für eine Welt, in der niemand mehr ausgegrenzt wird. Doch die Rebellion hat ihren Preis, denn sollte Zach dabei sterben, kostet das auch Cass das Leben …“




In der letzten Zeit habe ich viele Dystopien gelesen, die mich alle nicht so recht begeistern konnten. Umso gespannter war ich auf „Das Feuerzeichen“, da sich die Geschichte sehr interessant angehört hat. Eine Welt, in der jeder als Zwilling geboren wird? Eine Dystopie, in der die „alte“ Technologie Schuld am Wandel ist? Die Ideen, die Francesca Haig ihr aufgeworfen und zu einer spannenden Geschichte geformt hat, finde ich einzigartig und sehr spannend.

Von Anfang an war ich tief in der Geschichte drin, was vor allem an der Nähe zu der Protagonistin lag. Hier hat die Autorin die „Ich“-Perspektive gewählt und das tat der Handlung gut. Ich habe mich selbst gefühlt, als wäre ich eine verstoßende Omega und müsse mich mit dieser neuen Welt arrangieren. Der Schreibstil von Francesca Haig ist zudem sehr emotional. Sie verzichtet auf viele Kampfszenen und lässt ihre Charaktere miteinander agieren.




Cass ist eine Omega, die allerdings erst sehr spät von ihrem Bruder getrennt wurde. Sie selbst ist äußerlich nicht entstellt, sondern ist eine Seherin, was bedeutet, dass sie Dinge spüren und wahrnehmen kann. (Sei es jetzt Personen, Orte oder Ereignisse.) Cass hat einen Bruder namens Zach, der natürlich als Alpha leben durfte, aber durch die späte Trennung der Beiden keinen Anschluss mehr gefunden hat. Er wird später Ratsmitglied und nimmt eine sehr hohe Position ein, was Cass noch zum Verhängnis wird!

Obwohl die Kulisse dieser neuen Welt recht trostlos ist, fand ich das Miteinander der Charaktere sehr liebevoll. Zum einen ist da die Protagonistin Cass, die ich sofort in mein Herz geschlossen habe, weil sie eben nicht die „Perfektion“ widerspiegelt. Als Omega hat man in dieser dystopischen Welt kein leichtes Leben, denn man wird von der Familie verstoßen und muss auf eigenen Beinen stehen. So ist es auch bei Cass, die allerdings sehr stark und selbstbewusst wirkt, doch im Stillen ebenfalls von Selbstzweifeln geplagt wird.

Im Laufe der Geschichte stößt noch ein weiterer Charakter zu ihr. Kip, der seine eigene Erinnerung verloren hat und nicht weiß, wer sein Zwilling ist, wird der Gefährte von Cass. Erstaunlich fand ich hier das liebevolle Miteinander der Beiden, die sich gleich verbunden fühlen! Dabei verzichtet die Autorin auf eine große Liebesgeschichte und viel Kitsch und setzt stattdessen auf Menschlichkeit!




Bereits nach den ersten Seiten war ich tief in die Geschichte von den Omegas und Alphas gefangen. Die Geschichte beginnt recht ruhig mit der Vergangenheit von Cass und wie es dazu kam, dass sie von ihrem Bruder getrennt wurde. Die Idee, dass alle Menschen als Zwillinge geboren werden, fand ich sehr originell. Während der eine Zwilling ein behütetes, gutes Leben bei den Eltern führen darf, wird der „böse“ Zwilling fortgeschickt und muss auf eigenen Beinen stehen. Bei Zach und Cass fand die Trennung sehr spät statt, denn Cass ist eine Seherin und sie hat das Geheimnis lange bewahren können, um nicht von ihrer Familie getrennt zu werden.

Die Beziehung von Cass und Zach ist sehr schwer zu beschreiben. In einer Welt, in der die Zwillinge zwar voneinander abhängig sind, da sie bei schlimmen Verletzungen und Krankheiten beide betroffen sind und sogar zum selben Zeitpunkt sterben, bleibt kaum Platz für das große Miteinander. Zach selbst war in der Kindheit genervt, da er nicht in die Schule gehen durfte, solange nicht einer der beiden als Omega identifiziert wurde. Er gibt Cass die Schuld und wandelt sich zu einer Person, die vor allem durch Hass geleitet wird.

Zach wird trotzdem sehr strebsam und hat irgendwann einen hohen Posten im Rat. Es gibt Leute, die nach seinem Leben trachten und natürlich ist da seine Schwester ein guter Angriffspunkt, denn stirbt sie, so stirbt auch er! Allein dieses Zwiespalt, den jede Person in dieser Welt in sich trägt, fand ich beeindruckend. Tötet man einen Menschen, so tötet man im Grunde gleichzeitig seinen Zwilling.

Das Buch „Das Feuerzeichen“ regt zum Nachdenken an. Es geht um eine Gesellschaftsform, die wieder einmal die Fehler der Menschheit aufzeigt. Es gibt in dem Buch einen „Rat“, der den Staat und seine Funktionen darstellt und alle Alphas und die meisten Omegas halten sich an die Gesetzte, die in dem Land herrschen. Doch natürlich gibt es auch einen Widerstand, der im Verlauf noch wichtig wird. Aber wie soll man kämpfen, wenn Feind und Freund miteinander verschmolzen sind?

Während dem Lesen habe ich mich mit vielen Fragen konfrontiert gefühlt. Das Buch regt zum Nachdenken und Mitdenken an. Alle Entscheidungen müssen gut durchdacht werden und besonders die Unsicherheit der Protagonistin war sehr gut getroffen. Wie soll sie gegen ihren Bruder ankämpfen, wenn sie unwiderruflich mit ihm verbunden ist?

In vielen Dystopien steht die Liebesgeschichte im Vordergrund. In diesem Buch ist das nicht so. Es geht vielmehr um das Miteinander, um Freundschaft, aber auch um Zusammenhalt. Die Charaktere brauchen keine großen Worte, um ihre Zuneigung auszudrücken!

Das Ende von dem Buch hat mich dann noch einmal zutiefst schockiert. Hier hat die Autorin mich beinahe zu Tränen gerührt, denn es gibt einen Moment, den ich so nicht erwartet hätte! „Das Feuerzeichen“ ist für mich der Beginn einer tollen Dystopie und ich kann das Buch Fans dieses Genres nur empfehlen!!!




Eine tolle, tiefgründige Dystopie über eine Welt, in der alle Menschen als Zwilling geboren werden und in diesem sowohl „Freund“, als auch „Feind“ sehen! Absolut empfehlenswert!!!

Ich vergebe 5 von 5 Käseratten mit Extrakäse!

Samstag, 7. November 2015

[Rezension] Möchtegern - Milena Moser

Titel: Möchtegern
Autor: Milena Moser
Verlag: Verlag Nagel & Kimche AG 
Genre: Roman
Seitenzahl: 464
ISBN:  978-3312004522 
Cover und Inhaltsangabe © Verlag Nagel & Kimche AG 




„Lange hat sich die erfolgsverwöhnte Schriftstellerin Mimosa Mein dem Medienbetrieb entzogen. Ihre Romane haben ihr allerdings den Ruf eingetragen, das Leben eines mondänen und zügellosen Vamps zu führen. Überrumpelt sagt sie zu, als sie angefragt wird, in der Jury der Sendung "Die Schweiz sucht den SchreibStar" mitzuwirken - als skandalumwitterte "Hasbeen" seien ihr die Stärken und Schwächen der "Wannabes" vertraut, wie ihr der Fernsehredakteur erklärt. Dort wird sie mit den Lebensgeschichten von Menschen konfrontiert, die buchstäblich alles riskieren, um berühmt zu werden. Und Mimosa riskiert fast alles, um ihnen dabei zu helfen. Ein mitreißender, witziger Roman über Schreiben und Ehrgeiz, Freundschaft und Verrat und die tückischen Zufälle des Lebens.“




Heute möchte ich euch ein ganz besonderes Buch vorstellen, auf das ich ganz durch Zufall gestoßen bin und das ich schließlich zusammen mit meinem Mann gelesen habe. Milena Moser hat mit „Möchtegern“ einen Roman erschaffen, der zeigt, wie es in der heutigen Schreibwelt aussieht. Es geht um Erfolg, darum, der Beste und der Einzige zu sein. Jeder möchte einen Roman schreiben, jeder möchte im Rampenlicht stehen und den Erfolg genießen – doch dabei geht es meistens nicht ums „Schreiben“ sondern vielmehr um den Moment NACH dem Schreiben, was Milena Moser hier sehr gut rübergebracht hat.

„Möchtegern“ ist ein kein normaler Roman, der einem roten Faden folgt und ohne Umschweife direkt auf das Ende zusteuert. Viel mehr schlägt er leise Töne, zeigt die Motivation verschiedener Menschen und auch das Leben der Protagonistin, die bereits erfolgreich ist und nun bei einer Talentshow mitmachen soll, in dem der neue Schreibstar der Schweiz gesucht wird. Der Roman nimmt nicht alles ernst, er zeigt vielmehr mit anklagend und mit einem Schmunzeln auf Leute, die wirklich nichts weiter als „Möchtegern“ sind!




Im Fokus des Romans steht Mimosa Mein. Natürlich ist auf dem ersten Blick ersichtlich, dass die Autorin sich selbst hier ein wenig auf die Schippe nimmt und deswegen diesen Namen gewählt hat, was ich ausgesprochen witzig fand! Mimosa Mein hat mit ihrem ersten Buch gleich einen Bestseller geschaffen, einen recht anzüglichen Roman, für den sie heimlich in der Stadtbibliothek recherchiert hat! Sie wird berühmt und führt schließlich ein sehr zurückgezogenes Leben und verlässt kaum noch ihr Haus.

Mimosa Mein stellte für mich eine sehr nachdenkliche, kluge Frau dar. Ich mochte ihre Art, ihre Leidenschaft zu Worten, aber auch ihre Art im Umgang mit Menschen, wobei sie trotz ihres Alters noch ein wenig naiv ist.

Ein weiteres Highlight des Buches waren für mich die zahlreichen Teilnehmer der Talentshow, von denen wir so einige näher kennenlernen. Wir erfahren, warum sie schreiben wollen, warum sie denken, der neue Schreibstar zu werden und wieso das für sie so wichtig ist. Die einen sehen es nur als Weg zum Ruhm, die anderen wollen Schreiben, weil sie einfach Schreiben müssen. Da ich selbst Autorin bin, konnte ich mich mit der ein oder anderen Person identifizieren, auch wenn einiges völlig überzogen dargestellt wurde. (Was ich aber als wichtig für das Buch empfand!)




Ich bin froh, über dieses Buch gestolpert zu sein. Ja, manchmal habe ich als Autorin selbst das Gefühl, das Ziel wieder einmal aus den Augen zu verlieren, denn die Welt des Schreibens wird von Neid, Missgunst und Arroganz dominiert. Das kann man hier auch gar nicht schönreden und das versucht die Autorin zum Glück auch nicht!

Witzig fand ich die Anlehnung an die zahlreichen Castingshows. Das hier nicht alles rechtens abgeht, weiß man schon lange und so ist das auch beim „Schreibtalent“. Talent zählt heutzutage wenig, man muss sich vermarkten, einen Teil von sich verkaufen und sich ändern, um erfolgreich zu sein. Es ist immer wichtiger, mit der Masse zu schwimmen, den Nerv der Zeit zu treffen und sich zu verbiegen. Hier hat Milena Moser viele Themen angesprochen, die gerade Autoren wohl zum Nachdenken anregen werden. Mich hat sie jedenfalls dazu gebracht, denn leider verändert sich die Welt immer mehr zum negativen. Es gibt kaum noch ein miteinander unter Autoren, nur noch dieser endlose Wettstreit, bei dem nicht einmal die eigene Hingabe zählt! Das finde ich sehr traurig und das bringt mich auch dazu, niemals wirklich ein berühmter Autor sein zu wollen! Ich denke, ich sehe das ein wenig wie die Protagonistin hier. Das Schreiben ist eine Kunst, die gelebt werden will. Ganz ohne Hintergedanken!

Jetzt muss ich aber zurück zu dem Roman kommen! Er konnte mich nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern besitzt auch einen gewissen Witz, der mir absolut gefallen hat. Es geht um Freundschaft, Liebe, Verrat und auch um eine gewisse Tragik. Mimosa Mein steht im Laufe der Geschichte selbst im Mittelpunkt und es treten so einige überraschende Wendungen auf.

Vielleicht werden einige Leute kritisieren, dass diese Geschichte nur wie eine Randerzählung daherkommt, aber ich fand es passend. Das Buch besitzt so viel Leben, wo viel Wahrheit, dass ich mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten gefühlt habe! Milena Moser besitzt ein großes Talent und ich werde mit Sicherheit in Zukunft noch weitere Bücher von ihr lesen!




Ein Buch über das Schreiben und wie die Welt die Autoren selbst formt. Absolut empfehlenswert, selbst für Leute, die mit der Schriftstellerei nichts am Hut haben!

Ich vergebe 5 von 5 Käseratten.

Donnerstag, 5. November 2015

[Rezension] Young World - Chris Weitz

Titel: Young World – Die Clans von New York
Originaltitel: The Young World
Autor: Chris Weitz
Verlag: dtv
Genre: Jugendbuch, Endzeitroman, Dystopie
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3423761215 
Cover und Inhaltsangabe © dtv




„Es gab ein Leben davor. Dann kam die Seuche. Übrig blieben nur die Teenager. Jetzt, ein Jahr danach, werden die Vorräte knapp und die Überlebenden organisieren sich in Clans. Jefferson, Führer wider Willen des Washington-Square-Clans, und Donna, in die er heimlich verliebt ist, haben sich ein halbwegs geordnetes Leben in all dem Chaos aufgebaut. Doch als Brainbox, das Genie ihres Clans, eine Spur entdeckt, die zur Heilung der Krankheit führen könnte, machen sich fünf von ihnen auf in die gefährliche Welt jenseits ihres Rückzugsortes – Schießereien mit feindlichen Gangs, Flucht vor Sekten und Milizen, Überleben in den Gefahren der U-Bahn-Schächte inklusive. Denn trotz aller Aussichtslosigkeit glaubt Jeff an die Rettung der Menschheit.“




Der Plot von „Young World“ hört sich nicht neu an. Bücher, in denen Jugendliche die einzigen Überlebenden nach einer schrecklichen Katastrophe sind, gibt es bereits seit unzähligen Jahren und dennoch habe ich mich für dieses Buch entschieden! Nach dem Lesen kann ich sagen, dass das Buch wirklich spannend und fesselnd ist, jedoch die typischen Klischees eines Endzeitszenarios vereint. (Was mich nicht sonderlich gestört hat, da ich die Endzeit so oder so sehr aufregend finde!)

„Young World“ wird aus den Sichten von zwei Teenagern erzählt, die vom Charakter nicht unterschiedlicher sein könnten. Das fand ich spannend und es hat das Buch vorangetrieben! Allerdings waren mir die zahlreichen „Kampfszenen“ eine Spur zu langatmig, da ich eher Fan des Zwischenmenschlichen bin und bei seitenlangen Beschreibungen von Kämpfen gedanklich abschalte!




Abwechselnd wird die Geschichte aus der Sicht von Donna und Jefferson erzählt. Donna war mir von Anfang an sehr sympathisch. Sie trauert der alten Welt nach, klammert sich an jede noch so kleine Erinnerung und hat innerlicher schon aufgeben. Ich konnte ihre Gefühlswelt nachvollziehen, denn es muss schwer sein, in einer solchen Welt zu leben und zu wissen, dass mit 18 Jahren dann alles vorbei ist. (Ja, die Jugendlichen werden in diesem Alter dann ebenfalls krank!)

Jefferson ist ebenfalls ein liebenswerter Charakter. Er übernimmt die Führungsrolle, obwohl er mit dieser oft überfordert ist. Ich war froh, dass Jefferson nicht als der typische harte Anführer beschrieben wurde. Stattdessen ist er ein Junge voller Schmerz, Hoffnung, aber auch Mut! Das hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn so konnte ich mich sowohl in Donna, als auch in Jefferson hineinversetzen!




Eine Welt, in der nur Jugendliche leben? Jugendliche, die sich in Clans zusammengeschlossen haben, um zu überleben? Die Idee ist wie gesagt nicht neu, aber dennoch in „Young World“ fesselns umgesetzt, was wohl vor allem an den sympathischen Charakteren liegt, die Fahrt in die Geschichte bringen.

Das Buch beschreibt die Welt nach dem Ausbruch einer Krankheit, die alle Erwachsenen und Kinder getötet hat. Es blieben nur noch die Jugendlichen über, die sich jetzt in verschiedenen Clans verbündet haben und dort größtenteils friedlich leben. Zu Beginn nehmen des Buch nehmen wir an dem Clanleben von Jefferson und Donna teil und werden erst einmal in diese Zeit hineinversetzt. Das ist dem Autoren auch recht gut gelungen, auch wenn mir hier und da doch ein klein wenig Hintergrundwissen gefehlt hat. Meiner Meinung nach hätte gerade das „Vorher“ noch ein wenig besser beleuchtet werden können, auch wenn immer wieder kleine Überbleibsel aus der alten Welt gefunden und angesprochen werden.

„Young World“ ist ein solider und spannender Jugendroman. Natürlich kommt wieder das typische Szenario vor, in dem unsere Hauptcharaktere versuchen, die Wahrheit über die Krankheit herauszufinden und sich auf die Suche machen, um „Rettung“ zu finden. Schließlich wollen sie sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden, bald sterben zu müssen. Leider hat sich der Autor hier sehr oft dem Zufall bedient. Im Grunde stolpern unsere Jugendlichen von einem Clan zum nächsten, lernen neue Leute kennen, werden angegriffen und fliehen weiter. Auch das Ende ist dann mehr dem Zufall geschuldet, als wirklichem Tatendrang unserer Gruppe!




Nichtsdestotrotz kann ich sagen, dass sich dieses Buch besonders für Endzeitfreunde lohnt. Die Geschichte ist zwar nicht einmalig, dafür aber spannend und emotional erzählt!

Ich vergebe 4 von 5 Käseratten.

Dienstag, 3. November 2015

[Monatsrückblick] Mein Lesemonat Oktober 2015

So, dieser Monat lief, was Bücher angeht, leider nicht so toll. ;( Ich glaube, ich habe manche Bücher einfach falsch eingeschätzt und mich von den Klappentexten in die Irre führen lassen. Was ich trotzdem im Oktober erlebt habe? Ich durfte 12 Bücher lesen. In diesen habe ich beispielsweise drei obdachlose Frauen auf ihrem Weg zu Gerechtigkeit begleitet, ich habe mich an einer "Blutschule" eingeschrieben und in "Das Licht der letzten Tage" habe ich die Welt nach einer fürchterlichen Grippe kennengelernt. Klingt spannend? Größtenteils ja, aber es waren auch leider einige Enttäuschungen dabei...

Hier kommen erst einmal meine gelesenen Bücher:

Thriller/Krimi

Totenstarre - Mark Nykanen
Töte ihn, dann darf sie leben - Freda Wolff
Der Mondscheinjunge - Carla Buckley


Roman

Zornröschen - Liv Jansen
Herzklopfen und kalte Füße - Frieda Lamberti
Einundachtzig Worte - Elizabeth Joy Arnold
Das Licht der letzten Tage - Emily St. John Mandel
Sie dürfen die Braut jetzt verlassen - Cindi Madsen

Jugendroman/Jugendthriller

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast - Lois Duncan
Und plötzlich klopft mein Herz - Kat Spears

Horror

Die Blutschule - Max Rhode

Dystopie 

Die Vertriebenen, Flucht aus Camp Eden - Kevin Emerson



Das Highlight des Monats ist einfach zu benennen. Hier sticht ganz klar das Buch "Und plötzlich klopft mein Herz" von Kat Spears heraus. Obwohl der Titel es nicht vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine sehr tiefgründige, dramatische, warmherzige und lustige Geschichte über das Leben, die Liebe und das Erwachsenwerden. Ich mochte den Protagonisten Jesse sehr gerne. Er ist nicht perfekt und das macht ihn zu etwas ganz Besonderen!




Meine Überraschung des Monats war das Buch "Zornröschen" von Liv Jansen. Ein tolles Buch, das
durch seinen Humor, aber auch durch seine unterschwelligen Weisheiten besticht! In dem Buch geht es um drei Frauen, die durch Schicksalsschläge auf der Straße landen. Dort lernen sie sich kennen und hegen einen Plan: Sie wollen für Gerechtigkeit sorgen! Ich konnte mit allen drei Frauen mitfiebern und war überrascht, wie tiefgründig die Geschichte doch ist!




Oje, da gab es diesen Monat leider so einige. Da ich aber einen benennen "muss", entscheide ich mich für "Die Vertriebenen" von Kevin Emerson. Ich habe mich beinahe durch das gesamte Buch quälen müssen, obwohl ich mich sehr auf diese Dystopie gefreut hatte! Leider wurde bei dem Buch für mich sehr viel potenzial verschwendet, denn eigentlich ist die Grundidee echt klasse!!


Und wie sah euer Oktober so aus? Besser? Schlechter?

Montag, 2. November 2015

[Rezension] Die Vertriebenen - Flucht aus Camp Eden - Kevin Emerson

Titel: Die Vertriebenen – Flucht aus Camp Eden
Originaltitel: The Lost Code – The Atlanteans Book 1
Autor: Kevin Emerson
Verlag: Heyne fliegt
Genre: Fantasy, Jugendbuch, Dystopie
Seitenzahl: 432
ISBN: 978-3453596450 
Cover und Inhaltsangabe © Heyne fliegt




„Owen Parker lebt in einer Welt, die durch die Klimaerwärmung nahezu unbewohnbar geworden ist: Um den tödlichen Strahlen der Sonne zu entfliehen, haben die Menschen ihre Städte unter riesige Kuppeln verlegt. Bei einem Tauchunfall im Feriencamp entdeckt Owen außergewöhnliche Fähigkeiten an sich. Fähigkeiten, die der Menschheit das Überleben ermöglichen könnten. Gemeinsam mit seiner attraktiven Tauchlehrerin Lilly sucht er einen Weg, die Gabe zu begreifen und zu kontrollieren. Doch damit schrecken die beiden dunkle Kräfte auf, die diese Suche um jeden Preis verhindern wollen.“




Nachdem ich den Klappentext vom ersten Band von „Die Vertriebenen“ gelesen habe, dachte ich, es hier mit einer fesselnden neuen dystopischen Reihe zu tun zu haben, die sich von der Masse abhebt und mit einer neuen und außergewöhnlichen Geschichte daherkommt. Es geht zwar um den Mythos  der versunkenen Stadt Atlantis, aber leider konnte ich nicht so recht abtauchen in die Geschichte.

Der Schreibstil hat es mir vor allem auf den ersten 100 Seiten nicht gerade leicht gemacht. Ich kam erst sehr spät in der Geschichte an, da mir die Charakterisierung des Hauptcharakters Owen gefehlt hat. Ich hatte nicht das Gefühl ihn menschlich gesehen kennenzulernen, weswegen ich leider auch nicht mitfiebern konnte. Der Autor verzichtet auf große Emotionen und lässt die Personen nur handeln. Leider ist das überhaupt nichts für mich. Wenn ich eine Dystopie lese, möchte ich das Gefühl dieser Welt vermittelt bekommen und das Miteinander der Menschen. In „Die Vertriebenen“  liegt der Hauptaugenmerk nicht auf der Beschreibung der Welt, sondern vielmehr auf den Mysthos von Atlantis!




Wie bereits zuvor erwähnt, muss ich leider sagen, dass ich den Charakteren nicht sonderlich nahe gekommen bin. Von Owen habe ich kaum etwas erfahren, er blieb blass und wurde nur durch seine Handlungen bestimmt. Das hat sich leider auch auf die anderen Charaktere übertragen, die mir alle recht rätselhaft blieben.

Owen war mit zwar nicht unsympathisch, aber ich trotzdem habe ich nichts mit ihm verbunden. Er ertrinkt am Anfang des Buches fast und ich habe nichts empfunden. Genauso erging es mir mit Lilly. Sie blieb mir fremd und so kann ich hier auch nicht viel über sie sagen!




Die Idee, den Mythos rund um Atlantis mit einer Dystopie zu vermischen, finde ich genial, doch leider hapert es hier bei der Umsetzung. Das Buch konnte mich leider überhaupt nicht packen, was vor allem am Stil des Autoren lag, der wohl einfach nicht meins war. Hier hätte ich mir mehr Emotionen, mehr Tiefe und mehr Erzählungen von der Welt und dem Leben dort gewünscht!

Ich muss sagen, dass mir die ersten 100 Seiten sehr schwer fielen. Es passiert zwar so einiges, aber es werden nicht genug Rätsel und Fragen aufgeworfen. Wir erleben Owen im Grunde nur, wie er herausfindet, was für eine Fähigkeit er besitzt und wie er mit dieser umgehen muss. Das Thema „Atlantis“ wird erst sehr spät und meiner Meinung nach nicht intensiv behandelt. Schade, denn ich habe mich gefreut, mehr Informationen darüber zu bekommen.

Leider hat mich auch das Ende nicht wirklich befriedigen können. Klar, dass es recht offen gehalten wird wegen den Fortsetzungen war mir bewusst, aber hier hat der Autor einfach zu viele Klischeehafte Erklärungen verwendet. (Ganz nach dem Motto: Der Held muss jetzt dahin gehen und jenes tun). Spannung habe ich hier vergeblich gesucht.




Das Buch „Die Vertriebenen“ war so gar nicht mein Fall. Ich habe mehr erwartet und konnte letztendlich nicht in die Geschichte rund um die versunkene Stadt abtauchen! Schade!

Ich vergebe 2 von 5 Käseratten.