Freitag, 12. September 2025

[Rezension] Liebesfluchten (Kurzgeschichten) - Bernhard Schlink

 


Titel: Liebesfluchten

Autor:  Bernhard Schlink

Genre: Kurzgeschichten

Erscheinungsjahr: 2000

Seitenzahl: 320
Cover: © Diogenes
Begonnen: 10.08.2025
Beendet: 12.08.2025


Meinen ersten Kontakt zu Bernhard Schlink hatte ich in der Schule, als wir "Der Vorleser" lesen mussten beziehungsweise durften. Ich fand die Geschichte so großartig, dass sie später noch einmal gelesen habe. Nun habe ich einen Kurzgeschichtenband in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckt, in dem sich Schlink mit den vielen Facetten der Liebe beschäftigt.

In insgesamt sieben Geschichten erzählt der Autor von der Liebe, die manchmal beständige ist, oft aber auch sehr schnell schwindet. Für mich war gleich die erste Story die stärkste. In "Das Mädchen mit der Eidechse" geht es nämlich um ein Gemälde, in das sich der Protagonist so sehr verliebt, dass es sein ganzes Leben bestimmt.

"Der Seitensprung" war mir, genau wie "Der Sohn" eine Spur zu politisch. Mit Politik kann ich leider nur wenig anfangen und so konnte ich nicht allzu tief in die beiden Geschichten abtauchen. Stark fand ich dann aber wieder "Der Andere". Hier nimmt ein Mann nach dem Tod seiner Frau Kontakt zu deren früheren Liebhaber auf, was eine unerwartete heilsame Wirkung zu haben scheint. In "Zuckererbsen" geht es um einen Mann, der gleichzeitig drei Beziehungen führt und sich dabei selbst verliert. Hier fand ich das Ende grandios.

"Die Frau an der Tankstelle" erzählt von Träumen und auch von einem Neuanfang, der vielleicht dazu führt, dass man gewissen Dingen nachtrauert. Mir gefiel die Tiefe der einzelnen Geschichte und Bernhard Schlinks ungetrübter Blick in die Seele seiner Charaktere. Auch wenn ich mit zwei der sieben Geschichten weniger anfangen konnte, gefiel mir diese Sammlung doch sehr. Sie hat mir gezeigt, dass ich Schlink unbedingt weiter verfolgen muss!


Eine tiefgründige Geschichtensammlung über die Liebe in vielen Facetten! Sehr abwechslungsreich.

Ich vergebe 4 von 5

Mittwoch, 10. September 2025

[Rezension] Abschiedskuss - Amanda Hellberg

 


Titel: Abschiedskuss

Autor:  Amanda Hellberg

Genre: Thriller, Roman

Erscheinungsjahr: 2013

Seitenzahl: 288
Cover: © btb
Begonnen: 06.08.2025
Beendet: 11.08.2025


Die Schwedin Maja Grå musste ohne ihre Mutter aufwachsen und erfährt nun, dass sie gerade ermordet wurde. Doch nicht nur mit dem Tod dieser für sie fremden und doch vertrauten Frau muss sie klarkommen, nein, Maja muss sich auch an der Oxford Universität einleben und ihren Weg als Künstlerin finden. Dabei gerät sie jedoch an die Geschichte einer alten Tragödie, bei der vier Studentinnen starben. Und noch immer scheint der Tod in den Mauern von Mill Creek Manor zu lauern ...

"Abschiedskuss" von Amanda Hellberg erzählt von einer jungen Frau, die Buchillustration studiert, sich erst einmal selbst finden muss und dabei mehreren Geheimnissen auf die Spur kommt. Maja als sehr verletztliche und sensible Protagonistin ist gelungen und ihre Entwicklungen sind spannend.

Überrascht hat mich die Atmosphäre in diesem Roman. Es gibt einige sehr unheimliche Momente und es geht tatsächlich auch leicht in die paranormale Richtung. Maja hat nämlich immer wieder Visionen von den damals verstorbenen Studentinnen. Gleichzeitig erkennt sie zu spät, dass auch der Tod ihrer Mutter mit der Universität in Verbindung steht.

Es geht zudem um die Leidenschaft für die Kunst und das Finden der eigenen Individuellität. Das hat mich beim Lesen sehr motiviert, denn ich habe wieder erkannt, wie wichtig es ist, seinem eigenem Weg zu folgen statt jemanden zu kopieren.

Mich hat dieser Roman bestens unterhalten. Titel, Klappentext und auch Cover passen gar nicht so recht zu der vielschichtigen und sehr mystischen und unheimlichen Story. Ich bin froh, dass ich das Buch entdeckt habe!



Eine überraschend mystische, atmosphärische und sogar leicht unheimliche Universitäts-Geschichte, die mich bestens unterhalten hat!

Ich vergebe 5 von 5.

Montag, 8. September 2025

[Rezension] Die Frau auf dem Wasser - Gemma O'Connor


 Titel: Die Frau auf dem Wasser

Autor:  Gemma O'Connor

Genre: Roman, Krimi

Erscheinungsjahr: 2003

Seitenzahl: 368
Cover: © Piper
Begonnen: 04.08.2025
Beendet: 09.08.2025


Die geheimnisvolle Evangeline wird tot in ihrem Garten aufgefunden - angebunden an einem Baum. Frank Recaldo beginnt zu ermitteln und stößt dabei auf ein Geheimnis, in dem auch die Frau, in die er sich verliebt hat, drin zu stecken scheint ...

Mit "Die Frau auf dem Wasser" habe ich mich von Anfang an leider sehr schwer getan, besonders was die Charaktere und Namen anbelangt. Die Autorin springt munter zwischen Vornamen, Nachnamen und auch Spitznamen hin und her, dass ich eine Weile brauchte, um die ganzen Zusammenhänge erst mal zu verstehen.

Frank hat eine Affäre mit Cressie, die sich wiederum von ihren gewalttätigen Mann nicht trennen kann und auch noch die Person war, die mit Evangeline einen schrecklichen Streit hatte. Kann Cressie die Mörderin sein oder steckt da mehr dahinter?

Dieser Krimi wird unfassbar träge erzählt. Nachdem ich erst die Zusammenhänge mühsam erschlossen hatte, passiert im Grunde nicht mehr viel. Alles wird in Form von Dialogen erzählt, auch die letztendliche Wahrheit, die nicht wirklich zu überraschen weiß. Ein solch schwerfälliges Buch hatte ich in diesem Jahr noch nicht. Ob es an dem Stil der Autorin oder der Übersetzung lag, weiß ich nicht. Für mich besaß es keine rechte Lesbarkeit.



Ein holpriger, schwer zugänglicher Krimi, der nur träge vorankommt ... 

Ich vergebe 2 von 5.

Sonntag, 7. September 2025

[Rezension] Abendstern - Nora Robert

 


Titel: Abendstern

Autor:  Nora Roberts

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2008

Seitenzahl: 382
Cover: © btb
Begonnen: 02.08.2025
Beendet: 05.08.2025


Drei Freunde, die allesamt am selben Tag Geburtstag haben, wollen diesen am sagenumwobenen Heidenstein feiern - mit fatalen Folgen. Sie setzen einen Dämon frei, der Hawkins Hollow alle sieben Jahre heimsucht. Cal will mit seinen Freunden und drei Frauen, die in den Ort kommen, die Herrschaft des Dämons endlich beenden ...

Früher habe ich die Bücher von Nora Roberts, die oft Teile einer Reihe sind, gerne gelesen - auch wenn sie allesamt recht ähnlich aufgebaut sind. Mir gefallen die kreativen, oftmals magischen oder auch paranormalen Ideen, mit denen sie ihre Geschichten würzt. Auch die Story über den freigesetzten Dämon empfand ich in "Abendstern" als spannend, auch wenn sie mal wieder nicht so recht in die Tiefe geht.

Natürlich geht es auch in diesem Buch um eine Liebesgeschichte, die allerdings nicht meinen Geschmack traf. Es ist klar, dass jedem der drei Freunde eine Frau in die Arme fällt, die sie bei dem Kampf unterstützen wird. In Cals Fall ist das die temperamentvolle, natürlich sehr attraktive Quinn, in die er sich hier verliebt. Ich kann schon jetzt ahnen, wie die restlichen Teile aufgebaut sind und daher denke ich, dass ich diese nicht unbedingt lesen muss. "Abendstern" hat mich ganz angenehm unterhalten, auch wenn es mir leider an Atmosphäre und Tiefe gefehlt hat ...



Nora Roberts würzt ihre Liebesromane mit originellen, magischen Ideen, kommt aber nicht so recht in die Tiefe und erzeugt auch nicht die nötige Atmosphäre ...

Ich vergebe 3 von 5.


Freitag, 5. September 2025

[Rezension] Das vierte Opfer - Håkan Nesser

 


Titel: Das vierte Opfer

Autor:  Håkan Nesser

Genre: Krimi

Erscheinungsjahr: 1999

Seitenzahl: 288
Cover: © btb
Begonnen: 31.07.2025
Beendet: 04.08.2025


Ein wahnsinniger Axtmörder geht in dem beschaulichen Kurort Kaalbringen um und es ist klar, dass er erneut zuschlagen wird. Kommissar Van Veeteren, der eigentlich gerade im Urlaub ist, schließt sich den Team an, findet jedoch keine Spur. Bis sich das vierte Opfer in der Gewalt des Wahnsinnigen befindet ...

Der melancholische Van Veeteren und ich führen eine sehr schwierige Beziehung, was mir auch in diesem Krimi wieder auffiel. Der Kommissar verlässt sich hier mehr auf dem Zufall, trinkt viel Wein und spielt Schach, während im Ort irgendjemand auf Rache aus ist.

Die Ausgangslage und der Fall selbst haben mir gefallen. Allerdings gehen die Ermittlungen nur sehr schleppend vorran. Auf den ersten 150 Seiten gibt es im Grunde gar keine Spur. Die Auflösung ist zwar gelungen, was den Täter und auch die Gründe anbelangt, doch ansonsten ist dieser Krimi leider sehr spannungsarm.


Ein spannungsarmer Krimi, bei dem die Ermittlungen viel zu lange gar nicht in Gang kommen ...

Ich vergebe 3 von 5.


Mittwoch, 3. September 2025

[Rezension] Schattensommer - Anna Kuschnarowa


 Titel: Schattensommer

Autor:  Anna Kuschnarowa

Genre: Jugendbuch

Erscheinungsjahr: 2010

Seitenzahl: 227
Cover: © Gulliver
Begonnen: 30.07.2025
Beendet: 02.08.2025


Jannik freut sich auf die Ferien, doch dann ziehen dunkle Schatten über den Sommer, als er herausfindet, dass sein bester Freund Micha etwas mit Aynur hat - dem Mädchen, in das auch Jannik schon lange verliebt ist. Er bricht den Kontakt zu Aynur und Micha ab und stürzt sich in eure Beziehung, die ihn Teil einer Gruppe werden lässt, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellt.

Anna Kuschnarowa erzählt von einem intelligenten Jungen, der an die falschen Leute gerät und dadurch - ohne es wirklich zu merken - in den Rechtsextremismus hineinrutscht. Dieser Jugendroman zeigt sehr schön, wie gewisse Denkweisen übertragen werden - nämlich schleichend, fast schon unterbewusst. Jannik erkennt selbst viel zu spät, in was für eine Gruppe er dort geraten ist.

Sehr glaubhaft schildert die Autorin die kleinen Veränderung von Jannik und den Weg zu der Erkenntnis, dass die Menschen in seinem Umfeld doch recht extreme Ansichten vertreten. Für mich erzählt dieses Jugendbuch eine sehr wichtige Geschichte, die sehr schön aufzeigt, wie schnell man in die Fänge solcher Gruppierungen geraten kann. Durch den fesselnden Stil ist es auch für Erwachsene eine spannende und nachdenklich stimmende Lektüre!


"Schattensommer" erzählt auf sehr anschauliche Weise davon, wie schnell man in die Fänge gewisser Gruppierungen und Denkweisen geraten kann. Ein wichtiges Buch!


Ich vergebe 5 von 5.

Montag, 1. September 2025

[Rezension] In Flammen - Minette Walters

 


Titel: In Flammen

Autor:  Minette Walters

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2002

Seitenzahl: 142
Cover: © Goldmann
Begonnen: 27.07.2025
Beendet: 31.07.2025


Patrick O'Riordan soll eine ältere Frau und ihre Pflegerin umgebracht haben. Das gesamte Dorf ist von seiner Schuld überzeugt - nur Siobhan Lavenham, die ebenfalls Irin ist, glaubt nicht an seine Schuld und sie ist bereit, für Gerechtigkeit zu kämpfen.

Auf gerade einmal 142 Seiten erzählt Minette Walters von einem verzwickten Mordfall, der eine Welle von Hass nach sich zieht. Alle im Dorf verurteilen die Familie, nur Siobhan hält noch zu ihnen.

Erzählt wird die Geschichte in erster Linie in Dialogen zwischen Siobhan und dem Inspektor sowie den Dorfbewohnern, was natürlich für eine gewisse Distanz sorgt. Nach und nach setzt sich das verstörende Bild darüber zusammen, was wirklich hinter dem Mord steckt beziehungsweise stecken könnte. Das Buch endet nämlich recht offen, weil Beweise fehlen.

Spannend fand ich Siobhan, die immer neue Theorien hervorbringt und den Leser damit in eine neue Richtung lenkt. Dadurch gibt es immer neue Blinkwinkel. In diesem Buch zeigt sich mal wieder sehr schön, wie schwer es für Menschen ist, friedlich zusammenzuleben. Wir zwingen uns gegenseitig zu viel zu vielen Lügen, um dazugehören zu können ...



Ein sehr kurzer Roman, der von der Suche nach einer Wahrheit handelt, die man vielleicht gar nicht erfahren will ...

Ich vergebe 4 von 5