Montag, 14. November 2016

[Rezension] Daniel Taylor und das dunkle Erbe - Monica Davis

Titel: Daniel Taylor
Autor: Monica Davis
Genre: Fantasy, Jugendbuch
Verlag: Bastei Entertainment
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keine
Cover und Inhaltsangabe ©  Bastei Entertainment




"Daniel, der als Außenseiter an der Highschool nicht viel zu lachen hat, entdeckt plötzlich Gefühle für seine attraktive Klassenkameradin Vanessa. Und als ob das nicht bereits verwirrend genug wäre, geschehen auf einmal seltsame Dinge in seinem Leben.

Seine Welt steht kopf, als er von seiner wahren Herkunft erfährt. Daniel wird von den Schatten eines dunklen Erbes eingeholt - ein Erbe, das ihm die Tür zu einer anderen Welt öffnet, der Welt der Dämonen ..."




Schon lange habe ich kein Fantasy-Buch mehr gelesen, da dieses Genre von mir eigentlich kaum Beachtung findet. Da ich aber in letzter Zeit wieder im "Supernatural"-Fieber bin, wollte ich unbedingt ein Buch über Dämonen lesen. So bin ich auf diese Reihe von Monica Davis gestoßen!

Das Buch ist ein typischer Jugendroman, wobei ich sagen muss, dass es eine gute Mischung aus "Love-Story" und "Fantasy" ist. Es dreht sich natürlich, wie der Titel vermuten lässt, alles um Daniel Taylor, einem Außenseiter, der plötzlich mit seltsamen Dingen konfrontiert wird und schließlich herausfinden muss, dass er schon bald ein dunkles Erbe antreten soll!

Den Schreibstil von Monica Davis fand ich angenehm, doch es gab einiges, was mir eher nicht gefallen hat. So ist beispielsweise jeder in diesem Buch "superschön" und hat "einen perfekt geschwungenen Mund". Nach dem gefühlt zehnten Mal mit dieser Beschreibung, konnte ich nur noch die Augen verdrehen. Ich muss sagen, dass ich solch überaus perfekte Charaktere nie besonders mag. Daniel und Nessa, die hier im Fokus stehen, scheinen kaum Fehler zu haben  und das hat mich dann doch ein wenig gestört.




- Daniel Taylor -

Daniel Taylor ist der typische Schönling, der aber komischerweise der Außenseiter in der Schule ist und eigentlich keine Freunde besitzt bis auf seine Nachbarin Nessa. Zu Beginn merken wir als Leser schnell, dass Daniels leben nicht perfekt ist und das er sich seit einiger Zeit seltsam fühlt. Es scheint, als wollte eine dunkle Macht Besitz von ihm ergreifen!

Ich mochte Daniel, auch wenn er mir zu glatt und perfekt vorkam. Die zarte Liebesgeschichte, die hier im ersten Teil aufblüht und wohl noch in den nächsten Bänden fortgesetzt wird, fand ich absolut passend!

- Vanessa -

Vanessa, die von Daniel liebevoll Nessa genannt wird, ist seine Nachbarin und gleichzeitig seine beste Freundin. Schnell wird klar, dass Nessa auf Daniel steht, aber nie den ersten Schritt gemacht hat. Werden die beiden tatsächlich zueinander finden?




In dem ersten Band dieser digitalen Trilogie geht es um Daniel und Nessa, aber auch um ein dunkles Geheimnis und zu meiner großen Freude kamen Dämonen vor. Ja, ich stehe auf Dämonen. ;)

Die Geschichte beginnt mit einem Rückblick in die Vergangenheit, als ein junger Mann namens James, der ein Wächter ist, auf einen Stab stößt und damit eine unsagbare Macht freisetzt. Wie dieser Mann in die Geschichte passt und was er mit den Dämonen zu tun hat, will ich hier nicht verraten, aber Monica Davis hat ihre Geschichte wirklich gut durchdacht und es gibt so einige Überraschungen und Wendungen.

"Daniel Taylor und das dunkle Erbe" ist ein eher ruhiges Buch, das zwar nie abflacht, aber auch keinen Spannungsbogen besitzt. Die Geschichte ließt sich recht flott und ist interessant, aber es fehlt ein großes Final oder ein Ereignis, das den Höhepunkt hier darstellt. Das ist die Schwachstelle in diesem Buch, denn bis jetzt bin ich ein wenig zwiegespalten, ob ich auch die Fortsetzungen lesen werde.

Das Buch ist auf keinen Fall schlecht, aber es ist vollgequetscht mit Informationen und demzufolge leidet die Handlung. Die Liebesgeschichte fand ich süß und passend, doch dadurch kam die Fantasygeschichte ein wenig zu kurz, denn diese wird immer nur angedeutet. Eine wahre Bedrohung war in diesem Buch nicht spürbar.




Trotz meiner kleinen Kritik habe ich das Buch gerne gelesen. Es hat mich nie direkt gelangweilt, aber es fehlte mir das gewisse Etwas. Es ist eine nette Geschichte für Zwischendurch, die hoffentlich im zweiten Teil richtig Fahrt aufnehmen wird. Potenzial ist vorhanden, denn die ganze Idee fand ich toll!

Ich vergebe 3 von 5 Käseratten.




Samstag, 12. November 2016

[Rezension] Ein Märchen im Winter - Kate Lord Brown

Titel: Ein Märchen im Winter
Autor: Kate Lord Brown
Genre: Roman
Verlag: Piper
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © Piper

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!




"Seit dem Tod ihres Mannes und der Pfändung ihres Hauses steht Grace vor einem Scherbenhaufen. Bis ihr eines Tages der exzentrische ältere Schriftsteller Fraser Stratton einen Job als Assistentin anbietet. Die junge Frau bezieht für den Winter ein Cottage auf Frasers Anwesen, das von seinem sympathischen Patensohn Jack verwaltet wird. Als ihr eine antike Brosche in die Hände fällt, ahnt Grace noch nicht, dass sie auf ein lang gehütetes Geheimnis gestoßen ist, das die Strattons mit ihrer eigenen Familie verbindet und ihr Leben völlig verändern wird …"




Es ist kalt, bei uns ist gerade die Heizung ausgefallen und ich habe die Tage mit der Nase in einem winterlichen Buch verbracht. Wenn schon Kälte, dann richtig!

Kate Lord Browns "Ein Märchen im Winter" ist ein gut zu lesendes Buch mit einer bezaubernden Geschichte, die sich von der Vergangenheit bis in die Gegenwart streckt! Die Geschichte ist sehr ruhig erzählt, besitzt aber zahlreiche Wendungen. Mir hat Kate Lord Browns Schreibstil gut gefallen, wenn auch die vielen Dialoge oft ein wenig gekünstelt wirkten. Das Buch besitzt zudem schon einen gewissen Kitsch, hat aber eine süße Geschichte, die das Leben verschiedener Menschen miteinander verbindet!




- Grace -

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Grace, die ihren Mann verloren hat und nun auf einem Haufen Schulden sitzt. Von ihrer Großmutter bekommt sie eine seltene Brosche, die Teil eines Diadems zu sein scheint. Doch wo ist der Rest davon?

Halb zu Ablenkung, halb um ihr Leben wieder in die richtigen Bahnen zu werfen, bekommt sie eine Stelle bei einem Schriftsteller, der recht eigen ist und aufgrund einer Prophezeiung glaubt, noch in diesem Jahr zu sterben. Er möchte zuvor seine Memoiren niederschreiben und stellt Grace als seine Assistentin ein.

Grace selbst konnte ich zu Beginn der Geschichte noch nicht so recht einschätzen. Ich hatte immer im Hinterkopf, dass sie bei dem Schriftsteller Fraser nur angefangen hat, um mehr über die Brosche zu erfahren. Deswegen war sie mir als Hauptcharakterin nicht so sympathisch wie ich es erhofft habe!

- Fraser -

Ach, ich liebe ja alte, knausrige Schriftsteller, die eigentlich gar keine Schriftsteller sind! Deswegen musste ich Fraser einfach in mein Herz schließen. Er hat Grace sofort an seinem Gut aufgenommen und sie nicht nur wie eine einfache Angestellte behandelt.

Fraser selbst möchte die Geschichte seiner Familie niederschreiben, damit sein Ursprung nie vergessen wird. Schnell wird klar, dass seine eigene Vergangenheit selbst nicht so toll aussah, denn damals hat ihn die Liebe seines Lebens einfach sitzen gelassen. Was genau ist damals passiert?




In "Ein Märchen im Winter" begeben wir uns ins Jahr 1979 und nach England. Grace steht vor einem Trümmerhaufen, doch sie ist stark und kommt wieder auf die Beine, weil sie sich um ihre Tochter kümmern muss. Als Leser erleben wir mit, wie sie bei Fraser unterkommt, dort ein kleines Häuschen hat und endlich lernt, was Zusammenhalt heißt.

In solchen Büchern finde ich es immer wieder beeindruckend, wie uneigennützig die Menschen doch sind. Natürlich wäre das im echten Leben eher nicht der Fall, dass eine Frau, die kaum Referenzen hat, bei einem Schriftsteller angestellt wird, ein Haus bekommt  und schnell zum Teil der Familie wird. Alle sind so überaus freundlich in diesem Buch, dass es mir wirklich fast schon "too much" war.

Das soll aber nur ein winziger Kritikpunkt sein, denn eigentlich finde ich einen solchen bedingungslosen Zusammenhalt ja schön, auch wenn man ihn meistens nur in Büchern findet. Die Liebesgeschichte beziehungsweise die Liebesgeschichten haben mich gut unterhalten, auch wenn bei mir die ganz großen Emotionen ausblieben. Die Autorin hat die Geschichten geschickt miteinander verstrickt und sorgt für die eine oder andere Überraschung, was mich positiv überrascht hat.

Originell fand ich die Idee mit den Geburtssteinen, die auch in der Story noch eine kleine Rolle spielen. Das Buch ist in mehrere Abschnitte eingeteilt, die stets mit dem Monat und dem dazugehörigen Stein beginnen. Da ich ein großer Fan von Edelsteinen bin, fand ich diese Idee wirklich süß!

Es gibt so einige Wendungen, einige Offenbarungen und sehr viele Momente, die mich tatsächlich schocken konnten. Allerdings kamen mit einige Teile der Geschichte zu kurz, beispielsweise Graces vermisster Ehemann oder auch die Geschichte von Frasers Familie aus der Vergangenheit.

Ich muss hier anmerken, dass dieses Buch nicht direkt im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschrieben ist. Fraser, der seine Memoiren schreibt, erzählt Ausschnitte aus dem Leben seiner Eltern und aus seinem eigenen, doch wir erfahren nichts hautnah, was ich sehr schade fand. Dies ist meine Hauptkritik an das Buch, denn es fiel mir dadurch schwer die ganzen Zusammenhänge zu verstehen. Ich hatte nicht das Gefühl, die Personen aus der Vergangenheit kennenlernen zu dürfen und das hat mich oft grübeln lassen, wenn wieder ein neuer Name auftauchte!

Das Ende fand ich passend und ich habe das Buch mit einem guten Gefühl zugeschlagen. Ganz rund war die Geschichte für mich im Gesamtbild zwar nicht, aber ich hatte dennoch viel Spaß beim Lesen!




Trotz einiger Schwächen kann ich das Buch dennoch weiterempfehlen. Es ist eine süße Geschichte über Liebe, Verlust, Hoffnung und Gemeinschaft!

Ich vergebe 4 von 5 Käseratten.



Donnerstag, 10. November 2016

[Rezension] Die Dramaturgie des Tötens - Jincy Willet

Titel: Die Dramaturgie des Tötens
Autor: Jincy Willet
Genre: Krimi
Verlag: rororo
Bereits gelesene Bücher der Autorin: kein
Cover und Inhaltsangabe ©  rororo





"Wer nicht schreiben kann, muss STERBEN!

Seit dreißig Jahren hat Amy Gallup keinen Roman mehr veröffentlicht. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, gibt sie Schreibseminare. Dieses Semester entwickelt sich der Kurs allerdings in eine beunruhigende Richtung: Einer der Teilnehmer mokiert sich – anonym und auf äußerst verletzende Weise – über seine Mitschüler und beginnt, sie durch zunehmend gefährlichere Streiche zu terrorisieren. Schließlich wird einer der Schüler ermordet. Und Amy fragt sich: Wer aus der harmlosen kleinen Gruppe ist fähig, einen Menschen wegen eines schlechten Manuskripts zu töten?"




"Die Dramaturgie des Tötens" liegt jetzt schon geschlagene fünf Jahre auf meinem SUB. Obwohl sich der Klappentext so toll angehört und zu einem Spontankauf animiert hatte, habe ich immer nur in das Buch hineingelesen, es aber dann immer beiseite gelegt? Warum eigentlich? Es ist doch eigentlich genau mein Thema und Humor ...

In erster Linie richtete sich das Buch vorwiegend an Autoren, die wissen, wie groß die Selbstzweifel sind, wie groß die Sucht, aber auch wie groß die Angst vor einer Niederlage ist. "Die Dramaturgie des Tötens" nimmt aber zeitgleich das ganze Verlagswesen und die Autoren, die um jeden Preis einen Bestseller schreiben wollen, auf die Schippe.

Dabei ist das Buch kein Krimi der herkömmlichen Sorte, denn für mich waren die seltsamen Vorkommnisse und die Morde nur Nebensache. Tatsächlich war der Einblick in das Schreibseminar und in die Gruppe, die aus verschiedenen schreibenden Menschen besteht, das wahre Highlight in diesem Buch. Die Autorin hat einen sehr bissigen Schreibstil voller Humor, aber auch versteckter Wahrheiten. Ich musste beim Lesen sehr oft lachen, hab mich aber auch, zugegebenermaßen, in manchen Eigenheiten der Schreiberlinge wiedererkannt!




- Amy -

Amy lernen wir als recht mürrische Lehrerin kennen, die eigentlich gar nicht so viel von ihrem Schülern hält. (Die bringen halt Geld ein, werden aber wohl nie ein gutes Buch schreiben!) Die Gruppe, die Amy während dieses Kurses bekommt, scheint aber anders zu sein. Sie wachsen zusammen, weil sie alle die Liebe zu den geschriebenen Worten antreibt und das ist auch spürbar.

Amy selbst entwickelt sich im Laufe der Geschichte. Die ehemalige Schriftstellerin, die nie besonderen Wert darauf gelegt hat, berühmt zu sein, zieht einfach ihr eigenes Ding durch und das fand ich bemerkenswert!

- Die Gruppe -

Ich werde hier verzichten, alle Charaktere einzeln zu beschreiben, da die Seminargruppe doch recht groß ist. Interessant fand ich hier die unterschiedlichen Motivationen zum Schreiben. Da ist der Arzt, der einfach seiner Leidenschaft nachgeht und einen Medizinthriller schreibt oder die Ehefrau, der man auf dem ersten Blick nichts zutraut.




"Die Dramaturgie des Tötens" ist ein satirischer Kriminalroman mit jeder Menge Humor, der sich definitiv von der Masse abhebt. Das Buch ist bereits 2008 erschienen, doch ist auch heute noch aktuell. Es gibt immer mehr Autoren, immer mehr Menschen, die schreiben wollen, um berühmt zu werden. Dabei vergessen sie das Grundlegendste: Es geht in erster Linie nichts ums Geld verdienen. (Jedenfalls sollte es so sein!) und Talent allein reicht meistens nicht aus. Das Schreiben ist ein lebenslanger Prozess, der sich stets verbessert, wenn man am Ball bleibt!

Jincy Willet zeigt in diesem Buch den harten Alltag eines Autoren, die Selbstzweifel, die depressiven Phasen, aber auch die positiven Seiten wie die Gefühle während des Schreibprozesses oder auch das Selbstvertrauen, das der Autor mit der Zeit entwickelt. Als Schriftsteller muss man stark sein, um mit Kritik gut umgehen zu können. Dabei ist ihr Buch sehr locker gehalten, denn viele Dinge werden einfach nicht ernst genommen. Abwechslungsreich sind zudem die vielen Listen, Blogbeiträge, Emailkontakte und Kurzgeschichten und Gedichte, die teilweise eingeworfen werden.

Auf den ersten 200 Seiten ist kaum Gefahr zu spüren und als Leser dürfen wir erst einmal an dem Kurs teilnehmen, um alle Charaktere kennenzulernen. In jeder Stunde dürfen zwei Teilnehmer eine ihrer Geschichten diskutieren lassen. Hier bekommen wir als Leser gelehrt, was es mit der Dramaturgie des Schreibens zu tun, was die typischen Fehler sind und wie der Autor mit Kritik umgehen sollte. Viele Texte werden auseinandergenommen, aber Amy stellt auch schnell fest, dass es einige talentierte Schreiber in ihrem Kurs gibt!

Diese Gruppe ist etwas Besonderes, da ist sich Amy schnell sicher. Dann geschehen jedoch seltsame Dinge. Es fängt damit an, dass die Manuskripte der Teilnehmer mit seltsamen Kommentaren bekritzelt sind und es reicht schließlich bis zum ersten Mord. Schnell wird klar, dass einer der Teilnehmer dafür verantwortlich ist. Wer von ihnen ist so von seinem Schreiben besessen, dass er dafür über Leichen gehen würde? Wer möchte den Kurs frühzeitig beenden?

"Die Dramaturgie des Tötens" ist ein Buch, das sich eindeutig von der Masse abhebt. Ich bin mir jedoch nicht ganz so sicher, wie man als "Nicht-Autor" den recht satirischen Einblick in das Schreiberleben empfindet. Das Buch ist kein traditioneller Krimi in dem es um die Aufklärung eines Mordes geht, vielmehr ist es mit schwarzem Humor bestückter Roman mit einer zynischen, aber liebenswerten Protagonistin und einer Gruppe Schreibsüchtiger!




Als Autor habe ich mich teilweise selbst in den Charakteren wiedergefunden und beim Lesen habe ich mich sehr oft weggeschmissen vor Lachen. Für Leute, die einen rabenschwarzen Humor haben und Einblick in das Leben eines Schriftstellers bekommen wolle, ist dieser Roman/Krimi ein absolutes Must Read!

Ich vergebe 5 von 5 Käseratten.

Dienstag, 8. November 2016

[Rezension] Bevor du stirbst - Camilla Grebe, Âsa Träff

Titel: Bevor du stirbst
Autor: Camilla Grebe, Âsa Träff
Genre: Krimi, Thriller
Verlag: btb
Bereits gelesene Bücher der Autorin: Das Trauma (4 von 5)
Cover und Inhaltsangabe ©  btb



"Eine kalte Winternacht in Stockholm. Eine junge Frau auf dem Nachhauseweg durch einen menschenleeren Park. Plötzlich Schritte, die immer näher kommen. Gerade als sie sich verloren glaubt, fällt ein Schuss, ihr Verfolger stürzt zu Boden und bleibt tödlich verwundet liegen. Fünf Jahre später findet die Psychotherapeutin Siri Bergman in alten Kisten ihres ersten Mannes Stefan eine merkwürdige Notiz, die auf genau diesen Mord hinweist. Gibt es etwa einen Zusammenhang zwischen dieser grauenhaften Tat und Stefans Entscheidung, sich nur wenige Wochen danach das Leben zu nehmen? Der Gedanke lässt Siri nicht mehr los, sie fragt sich, ob sie ihren Mann jemals gekannt hat ..."



Von Camilla Crebe und Âsa Träff, einem schwedischen Autorenduo, habe ich bereits vor langer Zeit ein Buch rund um die Psychotherapeutin Siri Bergmann gelesen. Bei "Bevor du stirbst" handelt es sich um den dritten Teil der Reihe, die Bücher sind aber auch gut einzeln zu lesen! 

Ich mag schwedische Krimis beziehungsweise Thriller und ich mag Bücher in diesem Genre, die den Mut haben, mal nicht den Standard-Krimi-Weg zu gehen. Mittlerweile habe ich unzählige Krimis und Thriller gelesen und am meisten stört mich, dass wir immer den 0815-Ermittler haben, der irgendwas schlimmes erlebt habt und jetzt psychisch labil auf Verbrecherjagd geht. Wer meinen Blog hier aufmerksam liest, habe ich mittlerweile eh große Schwierigkeiten mit Ermittlern in Bücher, weswegen ich mich immer wieder nach Bücher mit einer anderen Konstellation umschauen.

Die Bücher des Autorenduos sind erfrischend anders. Keine Polizei (Puhh!), sondern die recht interessante Arbeit einer Psychotherapeutin! In "Bevor du stirbst" gibt es allerdings kaum Einblicke in ihren Beruf, stattdessen steht sie selbst und die Vergangenheit ihres Mannes im Vordergrund.




- Siri Bergman -

Schon in "Das Trauma" fand ich Siri Bergman als Protagonistin sehr spannend. Sie hat ihren Mann bei einem Tauchunglück verloren, hat aber nun einen neuen Partner und einen kleinen Sohn. Plötzlich wird aber der Tod des ersten Mannes wieder an die Oberfläche geholt, denn es tauchen seltsame Hinweise auf.

Siri beginnt natürlich in der Vergangenheit ihres verstorbenen Mannes zu graben und weckt damit schlafende Hunde. Ein wenig schade fand ich es, dass wir Siri in diesem Teil nicht als Therapeutin in Action erleben durften. Stattdessen ist das Buch mehr eine Spurensuche, in der Siri zwar die Suchende ist, sie aber nicht unbedingt im Fokus steht.

- Stefan -

Stefan ist der verstorbene Mann von Siri. Alles deutet darauf hin, dass er Selbstmord begangen haben könnte. Aber warum? Und warum hat Siri als Therapeutin davon nichts gewusst?

Nach und nach erfahren wir aus Stefans Sicht, was in der Vergangenheit tatsächlich passiert. Er hat ein dunkles Geheimnis, das er nicht einmal seiner Frau erzählt hat.

Die Abschnitte aus der Vergangenheit haben das Buch tatsächlich erst lesenswert gemacht, denn Siris eigene Spurensuche verläuft doch recht geradlinig und beinhaltet außer Gesprächen mit Personen aus der Vergangenheit leider recht wenig!




Wie gut kennst du deinen Mann? Kann es sein, dass du jemand liebst und trotzdem nichts über ihn weißt? Und inwieweit ist es wichtig, alles über einen geliebten Menschen zu wissen? Das sind die Fragen, die das Autorenduo in diesem Buch stellt und die mich auch beim Lesen beschäftigt haben. 

Als Leser sind wir erst einmal bei dem Mord dabei, den der Klappentext bereits ankündigt. Schnell findet dann Siri raus, dass ihr verstorbener Mann eine Verbindung zu diesem Mord hat und als Leser stellt man sich in erster Linie natürlich die Frage, ob er an diesem beteiligt und eventuell der Täter war.

Viel Spielraum zum Miträtseln lässt das Buch zwar nicht, aber die Autorinnen bauen dennoch eine gewisse Spannung auf. Die Vergangenheit wird stückchenweise aufgearbeitet, sowohl für uns, als auch für unsere Protagonistin.

Dabei gerät Siri in einen regelrechten Strudel, denn ihr Mann war anscheinend nicht immer ehrlich zu ihr. Hier stellt sich die Frage, inwieweit die Vergangenheit jetzt überhaupt noch wichtig ist. Siri selbst vernachlässigt durch ihre Nachforschungen ihren neuen Freund und auch ihr Kind und ist ganz besessen darauf, endlich die Wahrheit über ihren verstorbenen Mann zu erfahren! Doch ist es das wert?

Natürlich kommt eine recht erschreckende Geschichte ans Tageslicht und alles erklärt sich schließlich und wird aufgelöst. Als Krimi- und Thrillerfan muss ich hier aber sagen, dass mir die Auflösung dann doch zu typisch war. Ich hätte hier irgendwie mehr erwartet! 




Obwohl mir das Ende nicht gefallen hat, kann ich das Buch dennoch weiterempfehlen! Nicht der beste Teil der Reihe, aber dennoch lesenswert!

Ich vergebe 4 von 5 Käseratten.


Sonntag, 6. November 2016

[Rezension] Letzte Beichte - Helen FitzGerald

Titel: Letzte Beichte
Autor: Helen FitzGerald
Genre: Roman, Krimi
Verlag: Galiani Berlin
Bereits gelesene Bücher der Autorin: Furchtbar lieb
Cover und Inhaltsangabe ©  Galiani Berlin




"Nach dem dramatischen Tod ihrer besten Freundin musste Krissie Donald erst einmal zur Ruhe kommen. Jetzt ist sie fest entschlossen, ihr Leben in den Griff zu kriegen: ein glückliches Familienleben mit Chas, ihrer großen Liebe, und mit ihrem kleinen Sohn Robbie, dazu eine neue Wohnung und ein neuer Job. In einer romantischen Anwandlung kauft Krissie sich sogar probehalber ein Brautkleid.

Aber der neue Job bringt alles durcheinander. Als Sozialarbeiterin im Sandhill-Gefängnis soll Krissie anhand weniger Gespräche entscheiden, wer auf Bewährung freikommt und wer nicht. Einer ihrer ersten Klienten ist Jeremy Bagshaw: gutaussehend und sympathisch, von grausamen Mitgefangenen schikaniert, mit einer grauenvollen Kindheit, und vielleicht sogar unschuldig. Jeremy soll eine Frau brutal erstochen haben, aber Krissie kommen Zweifel. Sie lernt Amanda kennen, Jeremys Verlobte, und freundet sich mit ihr an. Es dauert nur ein paar Wochen, bis Krissie knietief in einer verzwickten Beziehungsgeschichte steckt und auf eigene Faust versucht, Jeremys Unschuld zu beweisen. Mit fatalen Folgen. Sie verstrickt sich in ein Netz aus Fehltritten, Lügen und Manipulation, das sie und die, die sie liebt, in Lebensgefahr bringt."




Vor meiner Bloggerzeit habe ich natürlich auch schon viele, viele Bücher gelesen und eins davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben. "Furchtbar lieb" von Helen FitzGerald hat mich damals mit einer irren Geschichte echt begeistern können und nach über fünf Jahren ist das Buch noch immer in meinem Kopf. Das muss was heißen, dachte und habe mir mal wieder ein Buch von Helen FitzGerald zugelegt.

"Letzte Beichte" ist indirekt eine Art Fortsetzung von "Furchtbar lieb", lässt sich aber auch ohne Vorwissen lesen. Die Autorin hat mich auch hier wieder mit ihrem schwarzen Humor überzeugen können und ich war froh, der durchgeknallten Krissie noch einmal begegnen zu dürfen!



- Krissie -

Krissie hat einen neuen Job, nachdem sie sich nur um ihren kleinen Sohn gekümmert hat. Sie fängt als Bewährungshelferin an und hier fängt der Spaß des Buches auch gleich an. Die Autorin, die selbst aus dieser Branche kommt, nimmt diese Arbeit auf die Schippe und lässt ihre Protagonistin erst mal leiden.

Hey? Krissie und Bewährungshelferin? Wie passt das zusammen? Ja, irgendwie so gar nicht, denn die Gute bekommt schon in ihren ersten Fällen einige Schwierigkeiten. Da ist zum Beispiel ein Pädophiler, der alles daran setzt, seine Kinder wiedersehen zu können und dann ist da noch unsere Hauptstory über Jeremy, der eigentlich gar nicht wie ein Mörder aussieht ...

Ich bin froh, Krissie wieder einmal in einem Buch getroffen zu haben. Zwar kann ich mich nicht mehr an die ganze Geschichte von "Furchtbar lieb" erinnern, doch Krissies Eigenarten kamen mir gleich bekannt vor. Es war, als würde ich einer alten Freundin begegnen.

- Jeremy -

In diesem Buch geht es hauptsächlich um Jeremy, der des Mordes an einer Frau angeklagt ist. Krissie ist sofort von seiner Unschuld überzeugt und beginnt, wie Clarice Starling in "Das Schweigen der Lämmer" zu ermitteln.

Die Geschichte von Jeremy und seiner Freundin/Verlobter/Braut ließt sich erst einmal wie ein normaler Krimi mit der Frage "Wer ist der Mörder", aber die Autorin holt aus dieser Geschichte weit mehr heraus. Ihre Charaktere sind einmalig, einfach nur durchgeknallt und für Normalos gar nicht einmal so leicht zu durchschauen!




Ich muss gestehen: Ich finde Helen FitzGeralds Schreibstil einfach nur cool und megagenial. Mein Humor geht schon extrem ins Sarkastische und deswegen lese ich ihre Bücher furchtbar gerne. Sie bringt mich jedes Mal wieder zum Lachen. Schade, dass Helen Fitzgerald in Deutschland weiterhin so unbekannt ist. (Ich würde mal behaupten, die meisten Leser hier haben nicht diese Art von Humor!)

"Letzte Beichte" hat mich von der ersten Seite zum Lachen gebracht. Es gibt viele kleine Anekdoten und dennoch ist die Geschichte unendlich spannend und gut konstruiert. Zwar muss ich sagen, dass ich von "Furchtbar lieb" damals noch eine Spur mehr begeistert war, aber dennoch kann ich dieses Buch weiterempfehlen. (Sofern man schwarzen Humor steht!)

Die Story prescht mit einem solche Tempo voran, dass mir als Leser oft die Puste ausging. Im Fokus steht zwar Krissie und der Fall rund um Jeremy, aber es gibt auch einige Nebensächlichkeiten, die für Abwechslung sorgen. Zum einen ist da Krissie und ihre Beziehung, die plötzlich auf wackligen Beinen steht und dann ist da noch Amanda, die Freundin/Verlobte/Frau von unserem Jeremy. Hinzu kommen einige Verbrecher, die ebenfalls für Abwechslung sorgen.

Da ich bereits wusste, dass Helen FitzGerald am Ende noch mindestens eine Wendung einbaut, habe ich versucht, mich vorzubereiten - und wurde dennoch eiskalt erwischt. Wieder einmal eine geniale Auflösung beziehungsweise Entwicklung und ich muss sagen, dass ich weiterhin begeistert von dieser Autorin bin. Das nächste Buch kann also kommen!




Wer ein bitterbösen Roman sucht und auf schwarzen Humor steht, der wird hier nicht enttäuscht werden. Helen FitzGerald schreibt genial und fern des Mainstreams! Daher eine klare Empfehlung!

Ich vergebe 5 von 5 Käseratten.





Freitag, 4. November 2016

[Rezension] Wie ein Fisch im Baum - Lynda Mullaly Hunt

Titel: Wie ein Fisch im Baum
Autor: Lynda Mullaly Hunt
Genre: Jugendbuch
Verlag: cbt
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe ©  cbt



"Ally ist elf Jahre alt und eine Einzelgängerin. An der Schule ist sie als Freak bekannt und den Lehrern ein Dorn im Auge. Dabei geht es Ally nur um eins: Um jeden Preis ihr Geheimnis zu wahren – sie kann weder lesen noch schreiben. Da kommt ein neuer Lehrer in die Klasse, Mr. Daniels. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern beobachtet er Ally genau und findet bald heraus, dass Ally an einer Lese-Rechtschreibschwäche leidet und gleichzeitig hochintelligent ist. Langsam lernt Ally, ihm zu vertrauen und schließt nebenbei Freundschaft mit zwei anderen Außenseitern. Gemeinsam widersetzen sie sich mutig dem Mobbing ..."




"Wie ein Fisch im Baum" von Lynda Mullaly Hunt hat mich bereits vor einigen Wochen beim Betrachten des Covers in den Bann gezogen. Ich muss sagen, dass ich bisher keine Bücher zum Thema Legasthenie, also der Lese-Rechtschreibschwäche gelesen habe, da ich das Gefühl habe, dass dies gerade bei Heranwachsenden ein absolutes Tabuthema ist.

Umso erstaunter war ich, dass ich hier beim Lesen sofort mit Ally mitfühlen konnte. Schon auf den ersten Seite konnte ich ihre Verzweiflung verstehen und hatte durchgehend feuchte Augen beim Lesen. Lynda Mullaly Hunt besitzt einen wundervollen und tiefgründigen Schreibstil ohne ihre Zielgruppe aus den Augen zu verlieren. Das Buch ist nämlich in erster Linie für Jugendliche geschrieben, besitzt aber viele Weisheiten, die ich auch erwachsenden Lesern ans Herz legen möchte.

Es ist eine Geschichte, die berührt, aber auch Hoffnung schenkt. Ich kann mir dieses Buch tatsächlich gut als Schullektüre vorstellen, denn es regt zum Nachdenken an und zeigt gleichzeitig, dass mit einer Lese-Rechtschreibschwäche sensibel umgegangen werden sollte. Was an den meisten Schulen ja leider nicht der Fall ist!




- Ally -

Ally ist mir sofort ans Herz gewachsen. Sie möchte eigentlich nur dazugehören und "normal" sein. Sie hat Angst vor jedem Schultag, davor, wieder schreiben oder etwas lesen zu müssen. Die Autorin zeigt hier zu Beginn auch auf, wie sehr Ally sich unter Druck gesetzt fühlt. Es gibt einige peinliche Momente, die Ally mit ihrer rebellischen Art ausgleicht - nur damit niemand erfährt, was wirklich mit ihr los ist!

Ally ist eine Außenseiterin in der Klasse, was vor allem an Shay liegt, die keine Gelegenheit auslässt, um Ally zu mobben. Wer mich kennt, weiß sehr mich das Thema Mobbing mitnimmt. Umso schlimmer fand ich es, dass wir es hier Elfjährigen zu tun haben. Oft hatte ich beim Lesen eine ungemeine Wut im Bauch, denn das, was die Autorin hier aufzeichnet, ist alles andere als Fiktion. So etwas passiert täglich an unzähligen Schulen und oft gibt es keine Hilfe für die Betroffenen!

- Keisha und Albert -

Im Laufe der Geschichte freundet sich Ally mit Keisha und Albert an. Keisha ist ein Mädchen, das immer den Mund aufmacht, wenn ihr etwas nicht passt. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die mich ebenfalls tief berührt hat!

Dann haben wir noch Albert, der in diesem Buch mein absoluter Lieblingscharakter war. Er ist superschlau, doch da er immer die gleichen Klamotten trägt und äußerlich nicht mit den geforderten Standards mithalten kann, wird er ausgeschlossen. Er hat sich selbst den Spitznamen "Elefant" gegeben, denn er ist ein Dickhäuter, der vieles einfach an sich abprallen lässt.

Seine Aussagen in diesem Buch haben mich echt sprachlos gemacht und mir oft eine Gänsehaut verursacht. Ob natürlich die Worte wirklich zu Elfjährigen passen, sei jetzt dahin gestellt, aber ich fand ihn einfach unglaublich! Ich wünschte, die Autorin würde ein Buch aus seiner Sicht verfassen!

- Mr Daniels -

Mr Daniels ist der neue Lehrer der Klasse. Ein Lehrer, wie man ihn in der Realität nicht oft findet. Er ist mit Herzblut bei der Sache und will den Schülern helfen. Doch wie soll er Allys Fassade durchbrechen?

Leider hatte ich nie einen solchen Lehrer. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann ist da nur eine ungemeine Leere. Es gab Lehrer, die bei Mobbing weggesehen haben, Lehrer die teilweise mitgemacht haben und Lehrer, die einfach nichts sehen und verstehen wollten. Mr Daniels ist das Gegenteil davon. Er hat einen enormen Respekt vor seinen Schülern und möchte sie fördern. Solch einen Lehrer sollte es in jeder Klasse geben.




Aus unmöglich wird möglich. So kann man das Buch wohl am besten beschreiben. Ich bin im Geiste noch immer bei der Geschichte, die mich wirklich bewegen konnte. Selten hatte ich so viele Tränen in den Augen wie bei Allys Geschichte, nicht, weil irgendwas besonders Brutales passiert, sondern wegen all dem Druck, den sie sich auferlegt. Sie muss perfekt sein, muss überspielen, dass sie nicht lesen und schreiben kann und muss verhindern, dass sie anderen Kinder davon erfahren.

Was sie nicht sieht: Alle in in ihrer Klasse haben ihre Eigenheiten. Da ist Albert, der Wissenschaftler-Nerd, Oliver, der nie weiß, wann er aufhören muss zu reden oder Keisha, die zwar ruhig und besonnen wirkt, aber bei Ungerechtigkeiten nicht die Augen verschließen kann. Hier hat die Autorin gezeigt, wie unterschiedlich Menschen doch sein können und das dieser Unterschied auf keinen Fall schlecht ist!

Das Buch dreht sich um das Thema Legasthenie, also einer Lese-Rechtschreibschwäche und bleibt durchgehend sehr sensibel. Zu Beginn der Geschichte lernen wir die ängstliche Ally kennen, die sich schämt, wenn sie etwas falsch schreibt oder falsch vorliest und deswegen so tut, als wäre das beabsichtigt. Sie ist als Rebellin, die durchgehend den Unterricht stört, bekannt und muss viel Zeit bei der Direktorin verbringen. Das alles ändert sich erst, als der neue Lehrer an die Schule kommt ...

Mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten. Es gibt viele schlimme Momente, die mir beim Lesen weh getan haben, aber auch viele Augenblicke, in denen ich vor Freude weinen musste. Das Buch hat mich an "Wunder" von Raquel J. Palacio erinnert, ebenfalls eine Geschichte, die mich zutiefst bewegen konnte.

"Wie ein Fisch im Baum" hat so viele tolle, inspirierende und hoffnungsvolle Aussagen, Worte voller Melancholie und Worte voller Ehrlichkeit. All das habe ich von einem Jugendbuch nicht erwartet, aber dennoch bekommen. Da ich beim Lesen durchgehend feuchte Augen hatte und weiß, dass es eine Geschichte ist, die noch lange nachwirken wird, kann ich schon jetzt behaupten, ein Jahreshighlight entdeckt zu haben!




"Wie ein Fisch im Baum" hat mich zutiefst bewegt und mir gezeigt, wie ungerecht die Welt auf der einen Seite sein kann, aber wie viel Hoffnung doch in jedem Menschen steckt! Für mich bereits ein Jahreshighlight!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extrakäse!




  

Mittwoch, 2. November 2016

[Rezension] Glencoe - Charlotte Lyne

Titel: Glencoe
Autor: Charlotte Lyne
Genre: Historischer Roman
Verlag: Lübbe
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe ©  Lübbe





"1689. Im Streit um die englische Thronfolge ist das Hochland zutiefst gespalten. Die MacDonalds halten den Stuarts die Treue, die Campbells unterstützen den neuen König. Gegen den Willen ihrer Familien holt Sandy Og MacDonald die junge Sarah Campbell als seine Braut nach Glencoe. Zwischen ihnen ist es Liebe auf den ersten Blick. Als Sarah nach mehreren Totgeburten einen verkrüppelten Sohn zur Welt bringt, wird sie von den Frauen des Clans noch mehr verachtet. Sandy Og erntet ob seiner Sanftheit nichts als Hohn und Spott. Gleichzeitig spitzt sich der Zwist zwischen den MacDonalds und den Campbells zu. In einer eiskalten Winternacht kommt es zu einem Blutbad, wie es das Hochland noch nicht gesehen hat. Können ausgerechnet Sarah und Sandy Og, die Außenseiter, ihren Clan vor dem Untergang retten?"




Ich habe es endlich getan und mich an ein neues Genre herangewagt, nämlich den historischen Romanen. Warum? Einfach weil in der letzten Zeit gemerkt habe, dass ich gerne in die Vergangenheit eintauche und ich mein Interessengebiet unbedingt mal erweitern sollte. Kann ja nicht angehen, dass ich zu einer alten Thriller-Tante mutiere!

Meine Wahl fiel hier auf Glencoe, denn ich finde die schottische Geschichte sehr interessant und es ist doch langweilig, immer nur über die Zeit vom Ersten und Zweiten Weltkrieg zu lesen, oder?

Wie ich bereits erwartet hatte, ist dieses Buch hier keine leichte Kost. Als "Anfänger" in diesem Genre musste ich zugegebenermaßen einiges zwei Mal lesen, um die ganzen Zusammenhänge zu verstehen, aber der Schreibstil von Charlotte Lyne ist fabelhaft, zwar oft ein wenig trocken, aber ich konnte nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Bei solchen Romane ist der Vorteil, dass man zeitgleich eine Menge lernen kann und so weiß ich jetzt über das Massaker von Glencoe Bescheid!




- Sarah Campbell -

Obwohl es meiner Meinung nach hier wenig um Charakterentwicklung geht, habe ich Sarah Campbell sofort in mein Herz geschlossen. Wir lernen sie in dem Moment kennen, als sie von Sandy Og nach Glencoe gebracht wird und sie sich mit dem neuen Leben vertraut machen muss. Das Buch macht dabei einige Zeitsprünge und wir lernen Sarah und auch Sandy Og an verschiedenen Punkten ihres Lebens und natürlich auch in Kriegssituationen besser kennen.

Das Leben für Sarah im neuen Clan ist schwer. Sie wird nicht anerkannt und es werden schlimme Gerüchte über sie verbreitet. Als sie dann auch noch einen Jungen mit einer Behinderung zur Welt bringt, wird sie immer mehr ausgestoßen. Nur Sandy Og gibt ihr einen gewissen Halt.

- Sandy Og McDonald -

Als Leser kann man sich erst einmal nicht vorstellen, dass ein Mann, der seine zukünftige Braut entführen muss, gute Absichten hat. Was sich aber erst einmal wie ein Zwang anhört, entwickelt sich aber zu einer echten Liebesgeschichte ohne Kitsch. Es ist spürbar, dass Sandy Og und Sarah zusammengehören, dass sie sich achten, respektieren und ehrlich lieben!

Sandy Og selbst ist kein Mann der großen Worte, aber wenn man seine vielen Gesten und Gedanken betrachtet, muss man ihn als Leser einfach mögen!




"Glencoe" von Charlotte Lyne war bei weitem keine einfache Lektüre, aber das habe ich auch gar nicht erwartet. Dem Buch ist anzumerken, wie viel Herzblut die Autorin hineingesteckt hat. Es ist eine Leidenschaft spürbar, die man heute bei den ganzen 0815-Büchern kaum noch spürt. Zwar hatte ich zwischendrin ein paar Probleme, mir das alles vorzustellen, denn ich habe zwar eine ausgeprägte Fantasie, aber bei echten Ereignissen hört es bei mir meistens aus. Dennoch bin ich froh, am Ball geblieben zu sein.

Die Geschichte ist recht düster. Es ist eine Geschichte einer Feindschaft zweier Clans, aber auch über Hoffnung, über Liebe und über das Leben in der damaligen Zeit. Es gibt tolle Einblicke in die Hierarchien, in das Miteinander und auch in verschiedene Traditionen.

Was mich ein wenig aus der Bahn gebracht hat: Die Kämpfe. Ich muss gestehen, dass ich kein Freund davon bin, über mehrere Seite einen Krieg beschrieben zu bekommen. (Deswegen mag ich High Fantasy wohl auch überhaupt nicht!) Dennoch hat es die Autorin geschafft, dass ich durchgehalten habe, denn der Rest des Buches hat mich wirklich in den Bann gezogen.

Das Ende ist sehr dramatisch und es ist wohl auch vom Vorteil, im Vorneherein nichts von dem echten Massaker in Glencoe zu wissen! Mich hat das Ende wirklich schockiert, auch wenn ich kein direktes Mitgefühl empfunden habe. Ich denke, dafür waren mir die Charaktere nicht nah genug gekommen. Ob dies an der Wortkargheit unserer beider Protagonisten lag oder aber an zu wenigen Einblicken in ihr Inneres, kann ich schlecht sagen. Das Buch würde ich aber dennoch weiterempfehlen, denn es war für mich ein guter Einblick in dieses Genre, das von mir einfach bis jetzt zu wenig Beachtung gefunden hat!




Eine düstere Geschichte über ein schreckliches Massaker, aber auch eine Geschichte über Hoffnung, Liebe und das Leben!

Ich vergebe 4 von 5 Käseratten.