Montag, 10. April 2023

[Rezension] Mit offenen Augen - Die Geschichte von Freaky Green Eyes - Joyce Carol Oates


 Titel: Mit offenen Augen - Die Geschichte von Freaky Green Eyes

Autor:  Joyce Carol Oates

Genre: Jugendbuch, Roman
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 272
Cover: © dtv
Begonnen: 23.03.2023
Beendet: 28.03.2023


Es beginnt damit, dass Franky auf einer Party beinahe vergewaltigt wird. Sie wehrt sich und wird "Freaky Green Eyes" genannt. Plötzlich steckt Freaky in ihr und fordert sie auf, endlich mit offenen Augen auf ihr Familienleben zu schauen. Hier stimmt nämlich schon lange nichts mehr. Ihr Vater und ihre Mutter streiten sich immer öfter. Als ihre Mutter auszieht und kurz darauf verschwindet, muss sich Franky mit der Frage auseinandersetzen, was für ein Mensch ihr Vater wirklich ist ...

Melancholisch und sehr beklemmen beschreibt die Autorin eine kaputte Familie katapultiert, in der eigentlich niemand ehrlich ist und Probleme einfach unter den Tisch gekehrt werden. Franky will die Wahrheit nicht sehen und lässt sich - genau wie alle anderen Familienmitglieder - von ihrem Vater manipulieren.

"Mit offenen Augen" war mein erstes Buch von Joyce Carol Oates und bestimmt nicht mein letztes. Die Geschichte besitzt Tiefgang und gibt dem Leser kaum Gelegenheit, sich dieser ungemütlichen Atmosphäre innerhalb der "Familie" zu entziehen. Schließlich ist auch Franky gezwungen, ein Teil dieser Familie zu sein und sich für eine Seite zu entscheiden. Sehr glaubhaft beschreibt die Autorin ein junges Mädchen, das zwischen den Stühlen steht und sich selbst gar nicht kennt. Erst mit Freakys Hilfe gelingt es ihr, die Wahrheit zu begreifen und eine Entscheidung zu fällen. Für mich war es eine sehr intensive Lektüre, die nachdenklich stimmt und ein Thema anspricht, das wohl immer aktuell sein wird ...



Mein erstes Jugendbuch von Joyce Carol Oates war ein sehr melancholisches, beklemmendes und intensives Leseerlebnis! Eine klare Empfehlung!

Ich vergebe 5 von 5.



Samstag, 8. April 2023

[Rezension] Im Zeichen des Kains - John Saul

 


Titel: Im Zeichen des Kains (im "Doppelband" gelesen, erster Roman)

Autor:  John Saul

Genre: Horror
Erscheinungsjahr: 1990
Seitenzahl: 604 (Gesamte Seitenzahl des Doppelbandes!)
Cover: © Heyne
Begonnen: 16.03.2023
Beendet: 22.03.2023


Ein kleiner Junge muss mit ansehen, wie seine Schwester seine Eltern tötet und sich schließlich erhängt. Viele Jahre später soll Peter Balsam an einer Klosterschule Psychologie unterrichten. Schnell stellt Peter jedoch fest, dass seine modernen Ansichten an der Schule nicht willkommen sind. Als ein Mädchen versucht sich das Leben zu nehmen, steht er mit seinem Unterricht schnell im Fokus. Doch dann passieren weitere Selbstmorde ...

Seit meiner Jugend bin ich großer Fan von John Saul, dessen Horrorbücher mich aufgrund der schaurigen Atmosphäre immer gut unterhalten konnten. Nun habe ich in einem öffentlichen Bücherschrank einen Doppelband entdeckt und mich erst einmal mit "Im Zeichen des Kain" beschäftigt, das an einer Klosterschule spielt, an der die Schülerinnen scheinbar manipuliert werden.

John Saul beschreibt, was passiert, wenn der Glaube zu einem Zwang wird. Es geht um religiösen Fanatismus, um den Einfluss der Kirche und um die Regeln, an die sich jeder zu halten hat. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass mich die Kirche und auch die christliche Religion nie besonders interessiert hat, weswegen ich es doch schwer fand, hier einen Bezug zu der ganzen Geschichte herzustellen. Leider empfand ich dadurch die erste Hälfte doch als sehr zäh, weil mir das ganze Umfeld der Schule nicht zugesagt hat.

Peter als Protagonist, der durch den Psychologieunterricht sehr schön aufzeigt, wie leicht Menschen manipuliert werden können (die Parallele zu den Ratten im Labyrinth fand ich sehr passend!), hätte für meinen Geschmack aber etwas mehr im Mittelpunkt stehen können. Er kam mir ein wenig zu schwach und leider auch zu langweilig vor. Das Ende hat es allerdings in sich und die Auflösung fand ich wirklich gut, nur leider konnte das alles nicht über die doch sehr zähe erste Hälfte hinwegtrösten.



Als großer Fan von John Saul muss ich leider gestehen, dass mich "Im Zeichen Kains" erst ab der Hälfte wirklich gefallen hat. Der Horror kommt hier zu kurz und der Protagonist war mir eine Spur zu eindimensional und langweilig ... Das kann Saul besser!

Ich vergebe 3 von 5.



Donnerstag, 6. April 2023

[Rezension] In die Wildnis - Jon Krakauer

 


Titel: In die Wildnis

Autor:  Jan Krakauer

Genre: Biografie, Bericht
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 304
Cover: © Piper
Begonnen: 16.03.2023
Beendet: 24.03.2023


Chris McCandless ließ all seine Besitztümer und die Zivilisation hinter sich, um die einsame Natur von Alaska zu ziehen. 1992 wurde seine Leiche in einem alten Bus entdeckt. Jon Krakauer begibt sich in diesem Buch auf die Spuren von Chris McCandless, der sich auf der Reise selbst Alex Supertramp nannte und eigenen Idealen folgte. War er ein Spinner? Ein Romantiker? Oder ein Mensch, der einfach verstanden hat, das Besitz allein nicht glücklich macht und nach einem alternativen Leben gesucht hat?

"In die Wildnis" ist ein sehr persönlicher Bericht von der letzten großen Reise eines Mannes, der seinen Platz in dieser Welt einfach nicht findet. Chris spendet sein ganzes Geld, verbrennt schließlich sogar seine allerletzten Scheine und will sein Leben in der Natur verbringen. Angetrieben von großen Schriftstellern wie Tolstoi, die sich ebenfalls für das einfache Leben entschieden haben, begibt sich Chris auf eine Reise, in der das eigene Überleben im Fokus steht.

Es war für mich erschreckend, wie gut ich mich mit Chris/Alex identifizieren konnte. Ich verstehe sehr gut, warum er mit dem "normalen" Leben einfach nichts anfangen konnte und finde es bewundernswert wie er einfach sein Ding durchgezogen hat. Der Autor zeigt  gleichzeitig auch sehr schön auf, wie Chris vor und auch nach seinem Tod einfach nur als Spinner oder Geisteskranker abgestempelt wurde. Gleichzeitig traf er aber immer wieder Leute, die ihn ins Herz geschlossen haben und ihm einfach so akzeptierten wie er war. Ein rastloser Wanderer mit ganz eigenen Vorstellungen!

Der Autor würzt das Buch mit eigenen Erfahrungen und den Geschichten anderer Menschen, die ebenfalls in die Wildnis gingen, um über sich hinauszuwachsen und zu sich selbst zu finden. Das Buch hat mich berührt und um ehrlich zu sein auch wieder eigene Wünsche, Sehnsüchte und vor allem Hoffnungen an die Oberfläche getrieben. Für mich ist Chris McCandless kein Spinner und kein Verrückter sondern eher eine Inspiration und auch Motivation. Nicht immer ist der vorgegebene Weg eben der Richtige! Für mich ist dieses Buch ein großes Highlight, das ich sogar noch einmal lesen würde!


Ein Mann, der alles hinter sich lässt und in die Wildnis von Alaska zieht. Für die einen ist Chris McCandless sicher ein Spinner, doch ich sehe in ihm eine große Inspiration. Das Buch hat mich bewegt, motiviert und eigene Sehnsüchte zurück an die Oberfläche gespült!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen!



Dienstag, 4. April 2023

[Rezension] Nachtvisionen, Sieben beklemmende Geschichten - Stephen King, Dan Simmons, George R.R. Martin

 


Titel: Nachtvisionen, Sieben beklemmende Geschichten 

Autor:  Stephen King, Dan Simmons, George R.R. Martin

Genre: Kurzgeschichten
Erscheinungsjahr: 1990
Seitenzahl: 410
Cover: © Heyne
Begonnen: 12.03.2023
Beendet: 16.03.2023


"Nachtvisionen" sind sieben beklemmende Geschichten von drei sehr bekannten Genreautoren. Stephen King und Dan Simmons, die feste Größen der Horrorliteratur sind, haben jeweils drei Storys beigesteuert, George R.R. Martin hingegen eine längere Novelle.

"Die Reploiden" von Stephen King beschreibt eine Fernsehshow, in der ein seltsamer Mann plötzlich auf der Bühne auftaucht. Es ist spannende Geschichte mit einer netten Pointe am Ende. Sie erinnert ein wenig an "Twilight Zone", auch wenn sie mich nicht gruseln konnte.
Kings "Turnschuhe" geht schon mehr Richtung Horror und beschreibt ein übernatürliches Ereignis in einer Toilettenkabine. Da ich nichts gruseliger als Toiletten finde, hat mir diese Geschichte wirklich eine Gänsehaut bereitet. "Entschlossenheit", ebenfalls vom Großmeister des Horrors, ist die Geschichte eines Dienstmädchen und einer Hexe und erzeugt Bilder, die man definitiv nicht mehr loswird!

Dan Simmons erste Geschichte namens "Metastasis" beschäftigt sich mit Krebsvampiren und ist definitiv sehr originell, hätte aber noch eine Wendung vertragen können. Genau wie "Vanni Fucci lebt in der Hölle", was wohl eine Hommage an Dantes "Göttliche Komödie" darstellt. "Iverson Gruben" ist eine Geschichte über die Nachwirkungen des Krieges und besitzt eine tolle Atmosphäre und ein gruseliges Ende.

"Maskerade" von George R.R. Martin ist eine originelle und spannende Werwolfsgeschichte, die den Schriftsteller, der sonst eher im Fantasy- und Science-Fiction-Genre unterwegs ist, von einer anderen Seite zeigt. Mich konnten alle Geschichten unterhalten, auch wenn ich nicht bei allen echten Horror spüren konnte. Empfehlen kann ich das Buch aber auf jeden Fall!




Drei sehr bekannte Autoren, die allesamt das Horrorgenre auf eigene Weise interpretieren, geben in diesem Sammelband einen guten Einblick in ihre Arbeiten und Schreibstile. Highlights sind natürlich die Geschichten von Stephen King, aber auch Simmons und Martin lohnen sich definitiv!

Ich vergebe 4 von 5.



Sonntag, 2. April 2023

[Rezension] My Dear Sherlock - Wie alles begann (Band 1) - Heather Petty

 


Titel: My Dear Sherlock - Wie alles begann (Band 1)

Autor:  Heather Petty

Genre: Jugendbuch, Roman
Erscheinungsjahr: 2015
Seitenzahl: 320
Cover: © cbj
Begonnen: 14.03.2023
Beendet: 16.03.2023


Mori, die eigentlich James Moriarty heißt, trifft im Labor ihrer Schule auf Sherlock Holmes. Die beiden freunden sich an, als im Regent's Park eine Leiche entdeckt wird und sie aus Spaß versuchen, den Fall zu lösen. Dabei kommen sie aber nicht nur dem Täter und einer schrecklichen Waheheit immer näher ...

Als großer Fan von Sherlock Holmes habe ich mich sehr gefreut, als ich diesen Reihenauftakt, der den berühmten Ermittler in die Gegenwart holt, in einem Bücherschrank entdeckt habe. Spannend fand ich, dass hier das Geschehen aus der Sicht von Mori geschildert wird, die allerdings nicht als Widersacherin in Erscheinung tritt, sondern sich von Anfang an zu Sherlock, den sie liebevoll Lock nennt, hingezogen fühlt.

Grandios fand ich, wie die Autorin Sherlocks Charakter sehr jugendlich erscheinen lässt. Er besitzt zwar einige seiner typischen Eigenarten, wirkt aber sanfter und auch menschlicher. Mori ist im Gegensatz die Leitfigur, die hier durch ihren gewalttätigen und alkoholsüchtigen Vater noch eine ganz eigene tragische Hintergrundgeschichte bekommt. Mit Mori habe ich von Anfang an mitfiebern können.

Die Liebesgeschichte ist sehr süß und jugendlich. Mir gefielen die vielen kleinen Momente zwischen Mori und Lock. Der Mordfall bringt eine angenehme Spannung hinein, auch wenn alles nicht so intelligent miteinander verstrickt ist wie in den "echten" Fällen. Ich kam recht schnell auf die Lösung, sehe dieses Buch aber nicht primär als Krimi sondern vielmehr als Jugendbuch. In dieser Hinsicht konnte es mich vollkommen überzeugen und hat mir sogar direkt Lust auf die Fortsetzung gemacht!



"My Dear Sherlock - Wie alles begann" ist ein wunderbares Jugendbuch, das Moriarty zu einem Mädchen und Sherlock zu ihrer ersten Liebe macht! Eine originelle Geschichte mit viel Gefühl! Ich hab jetzt direkt Lust auf den nächsten Teil!

Ich vergebe 5 von 5.




Donnerstag, 30. März 2023

[Buchbaby] Mein neuer Kurzgeschichtenband "Seltsames aus Rainfield" erscheint heute!

 Hallo ihr Lieben,



Heute erscheint mein nächster Kurzgeschichtenband, an dem ich diesen Winter über mit eisigen Fingern im Auto sehr intensiv gearbeitet habe. Ich liebe die Zeit, die ich in Rainfield verbringen darf und lade euch nun auch gerne erneut an, mich dort zu besuchen. In 13 sehr unterschiedlichen Geschichten gibt es jede Menge neue Orte und interessante Persönlichkeiten zu entdecken, aber auch alte Bekannte treten mal wieder in Erscheinung!

Ein Jahrgangstreffen, das blutig endet …

Drei Freunde, die im Dew Wood eine Leiche finden und aus Spaß in der Nähe zelten wollen ...

Ein Mädchen, das große Angst vor Toiletten hat, dann aber dringend einmal die Schultoilette benutzen muss …

Der verlassene Waschsalon in der Mainstreet, aus dem die unheimliche Geräusche dringen …

Ein Podcast, den ein Mädchen für ihren vermissten Freund startet und der im Haus fünf unheimlicher Brüder sein gruseliges Ende findet …

Diese und andere seltsame Geschichten entführen dich erneut in die Stadt der Außenseiter und der dunkelsten Geheimnisse …

Ich bedanke mich schon jetzt ganz herzlich für euren Besuch! Wie im Nachwort dieses Buches bereits erwähnt, seid ihr mittlerweile zu der Familie geworden, die ich nie hatte und es ist toll, dass ihr
Rainfield so sehr mit Leben füllt! Der Ort wird mit jedem Leser, der dort Zuflucht findet, realer. Ich danke euch von ganzem Herzen für eure Motivation, Unterstützung und vor allem auch für euer Verständnis!

Eure Jeidra Rainey (die sich jetzt bei frühlingshaften Temperaturen an den Endspurt des nächsten Slasherroman macht!)

Dienstag, 28. März 2023

[Rezension] Tanz im Harvest Moon - K.C. McKinnon

 


Titel: Tanz im Harvest Moon

Autor:  K.C. McKinnon

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1998
Seitenzahl: 242
Cover: © List
Begonnen: 11.03.2023
Beendet: 14.03.2023


Maggie McIntyre, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde, stößt auf die Briefe ihrer Jugendliebe Rob. Spontan entschließ sie sich, das Tanzcafé "Harvest Moon" zu besuchen, in dem sie Rob vor vielen Jahren traf, doch leider ist das Café längst geschlossen. Maggie kauft es und will es neu eröffnen, doch da taucht plötzlich Robs Sohn Eliot auf ...

Die Ausgangslage dieses relativ kurzen Romans ist nicht neu. Wir haben eine Frau, die verlassen wird und sich fragt, ob sie nicht die falschen Entscheidungen getroffen hat. Maggie konnte ich zu Beginn der Geschichte noch gut verstehen, später, als sie sich selbst im Weg steht, allerdings nicht mehr.

Das "Harvest Moon" als Schauplatz hat mir gefallen, doch Robs Briefe, die oft den Beginn eines Kapitels darstellen, waren mir zu oberflächlich und unromantisch. Für mich war die ehemalige Liebe von Rob und Maggie nicht greifbar, da sie immer nur andeutungsweise geschildert wird. Zudem hat es mir der Schreibstil der Autorin nicht leicht gemacht, da seitenlang oft kein einziger Abschnitt vorhanden ist und vieles einfach nur runtergeleiert wirkt.

Überraschen konnte mich dieser Liebesroman nicht, denn es lief im Grunde alles so ab, wie ich es nach dem Lesen des Klappentextes geahnt habe. Er ist sicherlich eine ganz nette Lektüre für einen Nachmittag, aber länger an die Geschichte oder die Charaktere werde ich sicher nicht zurückdenken.


Eine nette kleine Liebesgeschichte, die ohne große Überraschungen auskommt und wohl eher nicht im Gedächtnis bleiben wird.

Ich vergebe 3 von 5.