Freitag, 21. Juli 2017

[Rezension] Weil du die Liebe meines Lebens bist - Sarah Kleck

Titel: Weil du die Liebe meines Lebens 
Autor:  Sarah Kleck
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 13. Dezember 2016
Anzahl der Seiten: 366
Cover und Inhaltsangabe © Montlake Romance



"Woran erkennt man die Liebe seines Lebens? Daran, dass man ständig Schmetterlinge im Bauch hat, an Funkenregen und Feuerwerk, sobald er den Raum betritt? Oder sind es eher die leisen Töne, die die große Liebe ausmachen?

Annie wünscht sich in ihrem Leben nichts sehnlicher, als jemanden, der sie von ganzem Herzen liebt. Als sie Holden begegnet, scheint dieser Wunsch in Erfüllung zu gehen und die beiden bauen sich ihre eigene kleine Welt auf. Doch wie viel Schmerz ist das Glück imstande aufzuwiegen? Als plötzlich etwas völlig Unvorhergesehenes geschieht, gerät Annies Leben ins Wanken und nichts ist mehr wie zuvor. Dass ihr dann noch ihre Jugendliebe Seth unverhofft über den Weg läuft, bringt alles aus dem Gleichgewicht. Vor allem, wenn das Schicksal seine eigene, tragische Geschichte vorgesehen hat."




"Weil du die Liebe meines Lebens bist" war ein Buch, für das ich mich recht spontan entschieden habe. Ich brauchte etwas leichtere Kost, ein Buch für "Zwischendurch" eben, das sich locker und leicht lesen lässt und für das ich als Leser keine besondere Konzentration brauche.

Ein solche Geschichte verbirgt sich hinter diesem doch recht kitschigen Titel. Es ist die Story eines Lebens voller Höhen und Tiefen, besonders originell empfand ich hier die Idee, dass der Leser die Protagonistin Annie viele Jahre begleiten darf. Es beginnt in der Schulzeit mit ihrem ersten Schwarm und geht bis zur ihrer Hochzeit und den echten großen Gefühlen, beinhaltet aber auch die schmerzhaften Seiten des Lebens.

Auch wenn sich das Buch doch sehr leicht lesen lässt, es eben "nur" die Geschichte einer Frau erzählt, hat es bei mir doch einige melancholische Momente hervorgerufen. Ist dies etwas das 0815-Leben das jeder still und heimlich führt?




- Annie -

Wie bereits angesprochen begleiten wir Annie beinahe ihr halbes Leben. Wir bekommen mit, wie ihre erste Beziehung zu Bruch geht, wie sie studiert und dort die "Liebe ihres Lebens" kennenlernt, wie sie heiratet, einige Tiefschläge kassiert und wie sie doch immer wieder aufsteht. Das Buch ist voll von "echtem" Drama und ist so oder so ähnlich bestimmt schon dem ein oder anderen Menschen passiert.

Ob ich für Annie wirklich Sympathie empfand, kann ich an dieser Stelle schwer sagen. Sie war mir teilweise zu "normal", was jetzt aber keinesfalls abwertend gemeint ist. Es war einfach stellenweise so, dass mir ihr Leben, so hart es hier auch klingen mag, zu langweilig erschien. Sie durchlebt die "typischen" Probleme, sie geht durch die erste Liebe zur angeblichen "Liebe ihres Lebens" und doch erschien sie mir als Charakter zu einfach.

Vielleicht wollte die Autorin an dieser Stelle auch mit einem Fingerzeig auf das eigene Leben deuten, auf die eigenen Fehler und animieren, sein Leben zu ändern, sollte man ebenso festgefahren sein.




Bei "Weil du die Liebe meines Lebens bist" habe ich nach dem Lesen des Klappentextes eine ganz andere Geschichte erwartet. Es stellt sich heraus, dass wir in diesem Buch nämlich der ganzen Lebensgeschichte beziehungsweise Liebesgeschichte einer Frau folgen, beginnend bei der ersten Highschool-Romanze bis hin zu dem Mann, der zu ihr sagen soll, dass sie die "Liebe seines Lebens ist".

In erster Linie ist das Buch eine Liebesgeschichte voller Höhen und Tiefen mit der Dramatik des Lebens, aber auch mit dem Glück, das sich oftmals in kleinen Momenten versteckt. Ich fand es interessant, Annies Entwicklungen zu beobachten. Teilweise gab es auch einige witzige Momente, die mich zum Schmunzeln bringen konnten, wie zum Beispiel Annies und Holdens erstes Aufeinandertreffen.

Weniger toll fand ich die Erotikschiene, die Sarah Kleck kurzzeitig fahren musste, die aber Gott sei Dank schnell vorbei war. Verstehen konnte ich die Liebe zwischen Annie und Holden auf jeden Fall, doch selbst konnte ich beim Lesen keine allzu großen Emotionen spüren, dazu ist die Geschichte zu klein, zu alltäglich und vielleicht auch eine Spur zu realitätsnah.

Was will ich als Leser, wenn ich in einem Buch eintauche? In erster Linie vor der Realität fliehen, mich nicht länger mit dieser ach so unfairen Welt auseinandersetzen. Unter diesem Gesichtspunkt war "Weil du die Liebe meines Lebens" bist vielleicht die falsche Lektüre für mich, auch wenn ich der Autorin hier zu Gute halten muss, eine Geschichte direkt aus dem Leben gegriffen zu haben.

Gelesen habe ich das Buch dennoch gerne, auch wenn ich mich selbst nicht so recht mit Annie identifizieren konnte. (Besonders zum Ende hin!) Manche Entscheidungen von ihr konnte ich nicht nachvollziehen, was aber vielleicht auch daran lag, dass zwischen dem Geschehen oftmals viele Jahre lagen und Menschen sich eben weiterentwickelt. Die Botschaft des Buches ist auch klar: Es gibt viele Wege im Leben, viele Abzweigungen und viele Entscheidungsmöglichkeiten, man sollte immer das tun, was man für richtig hält.

Dennoch hat mich das Buch etwas melancholisch gestimmt und das, obwohl ich eigentlich eher etwas Heiteres lesen wollte. das Hoffnung spendet. Besonders das Ende fand ich leider überhaupt nicht toll und viel zu schnell abgearbeitet. Insgesamt wurde mir Annie am Schluss noch einmal so richtig fremd, was wirklich schade ist. Das Ende fand ich daher sehr unpassend, fast schon zu übertrieben auf "Drama" ausgelegt, weswegen ich kaum etwas empfinden konnte. Manchmal ist das Leben aber wohl so und Happy Ends gehören zum Alltag wohl einfach nicht dazu ...




"Weil du die Liebe meines Lebens bist" ist kein typischer Liebesroman, auch wenn er die typische Lebensgeschichte einer Frau aufgreift. Als Leser leben wir ein ganzes Leben, das Leben von Annie, die sich verliebt und vielleicht die Liebes ihres Lebens findet, sich eventuell aber für einen anderen Weg entscheidet und vom Schicksal ausgetrickst wird ... Trotz des Humors war das Buch für mich zu melancholisch, vielleicht, weil es uns einen Spiegel vor die Augen hält und keinerlei Fluchtmöglichkeit zulässt!

Mittwoch, 19. Juli 2017

[Rezension] Ashford Park - Lauren Willig

Titel: Ashford Park
Autor:  Lauren Willig
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 20. September 2013
Anzahl der Seiten: 512
Cover und Inhaltsangabe © Wunderlich



"Ashford Park, England, 1906. Nach dem Tod ihrer Eltern wächst die kleine Adeline Gillecote-Ashford auf dem Landsitz von Onkel und Tante auf. Schnell wird ihre hübsche und durchtriebene Cousine Bea Addies beste Freundin. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, gehen die beiden durch dick und dünn.
Doch dann kommt der erste Weltkrieg, und er verändert nicht nur das Land, sondern auch die Menschen. Frederick, den Addie heimlich verehrt, seit sie denken kann, kehrt zynisch und kalt zurück. Mit seiner Clique feiert er, als ob es kein Morgen gäbe, und in einer betrunkenen Nacht lässt er sich sogar mit Bea ein, die inzwischen in einer langweiligen, aber vorteilhaften Ehe steckt. Addie ist am Boden zerstört.
Jahre später besucht sie Bea und Frederick in Kenia, wo sie inzwischen leben. Die Zuneigung zwischen Addie und Frederick flammt wieder auf."




Wieder einmal war es Zeit für eine Familiengeschichte über ein dunkles Geheimnis, das nach und nach aufgedeckt wird. "Ashford Park" lag schon länger auf meinen Sub und nun war ich direkt in Stimmung dafür.

Die Geschichte wird wie gewohnt in zwei Zeitebenen erzählt. Erst einmal haben wir die Vergangenheit, in der nach und nach das Geheimnis offenbart wird, dann haben wir die Gegenwart, in der eine Verwandte, in diesem Fall die Enkelin, Nachforschungen anstellt.

Lauren Willig beschreibt dabei in erster Linie die Personen und wenig die Umgebung. Das empfand ich bei diesem Buch als sehr angenehm, auch wenn das Anwesen "Ashford Park" und die spätere Zeit in Kenia dabei etwas in den Hintergrund rückt.

Erwähnen muss ich hier auch noch, dass ich die Übersetzung teilweise nicht ganz so passend fand. Es gab einige englische Begriffe, die anders treffender übersetzt hätten werden können. Allerdings werde ich das nicht in meine Bewertung einfließen lassen, da die Autorin dafür nichts kann!




- Addie -

Addie lernen wir im zarten Alter von sechs Jahren kennen. Nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, kommt sie zu ihrer Tante und Onkel nach Ashford Park. Dort führt sie ein unbeschwertes Leben und lernt ihre Cousine Bea kennen, die schnell zu einer guten Freundin wird.

Addie selbst treffen wir in der Gegenwart nur kurz an ihrem 99. Geburtstag. Dort nennt sie ihre Enkelin Clemmie plötzlich Bea. Nach und nach wird hier dann Addies Geschichte aufgedeckt, in der auch Clemmies Großvater Frederick eine wichtige Rolle spielt ...

So ganz mitfiebern konnte ich mit Addie nicht, obwohl sie mir von allen Charakteren noch am sympathischsten war. Sie ist eine intelligente junge Frau, auch wenn sie einige Fehler begeht ...

- Clemmie -

Ich muss zugeben, dass ich Clemmies Sicht weniger interessant fand. Sie stammt gerade aus einer zerbrochenen Beziehung und vergräbt sich in Arbeit. Für ihre Großmutter hat sie sich eigentlich nie so recht interessiert, erst an dessen Lebensende will sie mehr über sie erfahren.

Clemmie war mir nicht gerade sympathisch. Sie war mir zu verbissen, teilweise zu egoistisch. Die Liebesgeschichte mit ihr in der Hauptrolle fand ich unpassend und viel zu kitschig.

- Frederick -

Frederick war eine Person, die ich nicht verstehen konnte. Er handelt meiner Meinung nach sehr widersprüchlich, weswegen er mir wenig glaubhaft vorkam. Er steht im Grunde zwischen Bea und Addie und ich glaube, er weiß lange Zeit selbst nicht, was er denn nun eigentlich will ...



Die Geschichte beginnt sehr spannend mit einem späteren Aufeinandertreffen von Bea und Addie in Afrika. Dort wird schnell klar, dass zwischen den jungen Frauen etwas vorgefallen ist und im Zentrum des Ganzen Beas Ehemann Frederick steht, den wohl auch Addie ganz toll fand.

Nach einem Zeitsprung zum Jahre 1999 lernen wir Clemmie kennen, die Enkelin der heute 99 Jahre alten Addie. Hier wird klar, dass Clemmie einen Großvater names Frederick hatte, was bedeutet, das damals in Kenia irgendwas geschah, dass Bea und Frederick auseinandergebracht hat. Dieses Ausgangsszenario hat eine tolle Spannung erzeugt. Den Anfang des Romans fand ich daher sehr stark, da es mir als Leser viele Fragen aufgeworfen hat.

Nach und nach wird Addies Geschichte offenbart, wie sie nach Ashford Park kam, wie Bea und sie so gute Freunde wurden und wie sie Frederick kennengelernt hat. Zugegebenermaßen muss ich anmerken, dass ich einige Dinge nicht nachvollziehen konnte, unter anderem Beas egoistisches Verhalten.

Auch Clemmie in der Gegenwart deckt die Geschichte nach und nach auf. Sie hat sich eigentlich nie sonderlich für ihre Großmutter interessiert, doch plötzlich ist ihr Interesse geweckt. Ihre Abschnitte enthalten einige interessante Hinweise, waren mir aber ansonsten zu langweilig. "Ashford Park" ist wieder mal ein klassischer Fall in diesem Genre, in dem der Vergangenheitsstrang deutlich stärker ist. Manchmal empfand ich Clemmies Privatleben als zu unwichtig und ihre Liebesgeschichte hätte meiner Meinung nach gänzlich weggelassen werden können.

"Ashford Park" selbst ist nur kurzzeitig Schauplatz des Geschehens. Lauren Willig legt hier aber wenig Wert auf die Beschreibung der Umgebungen, was ich echt erfrischend fand. Wichtiger sind hier die Charaktere, persönlich hätte ich mir aber mehr Sympathieträger gewünscht!

Obwohl ich für die einzelnen Charaktere wenig Verständnis aufbringen konnte, ist die Geschichte rund um Addie und dem Geheimnis der Vergangenheit doch sehr interessant. Es gibt einige Offenbarungen und Wendungen und am Ende fügt sich wie immer alles zusammen, sodass ich das Buch zufrieden zuschlagen konnte. "Ashford Park" hinterließ zwar keinen Wow-Effekt, ist aber dennoch ein lesenswertes Buch über ein kleines Geheimnis, das seine Wellen bin in die Gegenwart schlägt!




Trotz meiner Kritikpunkte ist "Ashford Park" ein lesenswerter Familienroman mit einer interessanten Geschichte aus der Vergangenheit, die sich nach und nach aufdeckt.



Montag, 17. Juli 2017

[Rezension] Tod auf dem Nil - Agatha Christie

Titel: Tod auf dem Nil
Autor:  Agatha Christie
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: erstmals 1937
Anzahl der Seiten: 320
Cover und Inhaltsangabe © Fischer 



"Männer finden die schöne Erbin Linnet Ridgeway schlicht bezaubernd, Frauen schweigen bei ihrem Anblick missbilligend. Sie selbst glaubt keinerlei Feinde zu haben und will nur die Kreuzfahrt auf dem Nil genießen. Doch dann beugt sich Meisterdetektiv Hercule Poirot über ihre Leiche und bemerkt: »Die meisten Liebesgeschichten sind doch nur Tragödien.« Schon ist der dem Täter auf der Spur."




Da ich mich die aktuellen Krimis, die meistens nach dem gleichen Schema ablaufen und sich meistens nur um die Probleme der Ermittler drehen, nicht mehr so recht begeistern können, habe ich beschlossen, mehr von den älteren Krimi-Klassikern zu lesen. Nachdem ich im letzten Monat schon "Und dann gabs keines mehr" gelesen habe, ging es nun mit "Tod auf dem Nil" weiter.

Als Jugendliche habe ich bereits die Miss Marple-Geschichten von Agatha Christie gelesen, nun werde ich mich einmal mit Hercule Poirot befassen. Ich liebe den Schreibstil der britischen Autorin, der sich nicht an Nebensächlichkeiten aufhält und viele kleine Hinweise enthält. Bei diesem Fall konnte ich auch wieder miträtseln und hatte großen Spaß dabei!




- Hercule Poirot -

In "Tod auf dem Nil" ermittelt Hercule Poirot auf dem Nildampfer "Karnak". Ich muss zugeben, dass ich den Detektiven als Jugendliche überhaupt nicht mochte und damals fast ausschließlich die Geschichten mit Miss Marple gelesen hatte. Mir war Hercule Poirot zu überheblich, zu vorschnell und etwas zu selbstbewusst, doch dieses falsche Bild, das ich von ihm hatte, hat sich nun gewandelt.

Hercule Poirot zeigt in "Tod auf dem Nil" auch eine menschliche Seite, die ihm sehr gut steht. Er gibt Leuten zweite Chancen und verurteilt sie nicht sofort. Aus diesem Grund habe ich ihn jetzt "lieben" gelernt und bin bereits auf weitere Fälle mit ihm gespannt!

- Linnett Ridgeway -

Die Vorgeschichte zu dem Mord ist recht lang und deswegen lernen wir auch alle beteiligten Personen näher kennen. Linnett ist eine sehr reiche Frau, die ihrer Freundin Jacqueline de Bellefort den Freund ausspannt und diesen heiratet. Das ist natürlich nicht wirklich nett und deswegen war mir Linnett von Anfang an sehr unsympathisch.

- Jacqueline de Bellefort -

Jacqueline ist eigentlich eine recht arme Frau, denn sie wollte unbedingt ihren Verlobten Simon heiraten, doch dieser verliebt sich dann in ihre Reiche Freundin Linnett und heiratet diese ... Tragisch ist diese Geschichte auf jeden Fall, auch wenn die Auflösung hier noch mehr zu bieten hat!

Jacqueline selbst reist Simon und Linnett hinterher, man kann sie beinahe einen Stalker nennen. Sie hat auf jeden Fall Rachegedanken, doch hat sie deswegen auch gleich etwas mit dem Mord zu tun, der auf den Nildampfer passiert?




Allein den Schauplatz von "Tod auf dem Nil" fand ich toll. Zusammen mit Hercule Poirot und anderen Passagieren reisen wir nämlich auf dem Nil durch Ägypten. Der Mord, der im Klappentext bereits angedeutet wird, findet erst sehr spät statt, weswegen der Leser in der ersten Hälfte erst einmal die Charaktere näher kennenlernt.

Hier wird auch schnell deutlich, dass es um eine Art "Dreiecksbeziehung" geht. Jacqueline liebt immer noch ihren Ex-Verlobten, der jetzt aber mit ihrer besten Freundin zusammen ist. Sie reist den beiden nach, weil sie einfach nicht weiß, was sie sonst tun soll. In ihr lodern Rachegedanken, doch ist sie wirklich fähig, einen Mord zu begehen?

Ganz Nebenbei deckt Hercule Poirot noch andere "Fälle" beziehungsweise "Verbrechen" auf. Irgendwann nennt er sich mit dem anderen Detective "Die Vertuscher vom Dienst", weil sie einigen Leuten hier noch eine zweite Chance geben. Diese Seite an Hercule Poirot hat mir sehr gut gefallen und ich habe endlich angefangen, ihn zu mögen.

Interessant ist zudem, dass Hercule Poirot versucht, beide Seiten zu verstehen. Er hält zu Jacqueline, die von Simon zutiefst verletzt wurde, deutet aber auch an, dass der Weg, den sie geht, nicht unbedingt der Richtige ist. Sie kann schließlich an der Tatsache nichts mehr ändern, dass ihr Ex-Verlobter nun mit einer Anderen zusammen ist, oder?

Toll fand ich, dass im Grunde jeder als Täter in Frage kam und Poirot verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen hat, dabei der Wahrheit dann Stück für Stück näher kam. Ich muss sagen, dass ich den Täter als diesen schon so erwartet habe, das Buch aber dennoch nicht vorhersehbar war. Es hat großen Spaß gemacht, die versteckten Hinweise zu deuten und nach und nach die Wahrheit zu entwirren!




"Tod auf dem Nil" ist ein toller Kriminalfall mit einem spannenden Mord, bei dem jeder als Täter in
Frage kommt! Das Buch hat mir auch endlich Hercule Poirot näher gebracht, den ich hier wirklich sympathisch fand. Ich bin schon jetzt auf den nächsten Fall gespannt!



Samstag, 15. Juli 2017

[Rezension] Mein Sommerspaziergang, Ausmalen und Durchatmen - Rita Berman (+ meine ausgemalten Bilder!)

Titel: Mein Sommerspaziergang, Ausmalen und Durchatmen
Autor:  Rita Berman
Genre: Ausmalbuch
Erscheinungsdatum: 24. April 2017
Anzahl der Seiten: 80
Cover und Inhaltsangabe © Bastei Lübbe

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!




"Strahlend blauer Himmel, Blumen in allen Farben und verwunschene Gärten - lange, warme Sommertage laden besonders zur Zeit im Freien ein! Ob ein Nachmittag am Badesee, ein Spaziergang über duftende Wiesen oder überquellende Obststände auf dem Markt: Überall gibt es viel zu entdecken. Kommen Sie mit und schmücken Sie in diesem Ausmalbuch die schönsten Seiten des Sommers mit neuen Farben!"



Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr gestresster Mensch bin, ich litt früher stark unter Panikattacken und ich hatte/habe eigentlich immer das Gefühl, unter Strom zu stehen. Entspannen kann ich eigentlich selten so richtig, was absolut nicht gut ist, denn Stress ist nicht gut für den Körper. Vor einiger Zeit habe ich daher begonnen, Bilder auszumalen. Das klingt im ersten Moment vielleicht recht kindlich, doch mittlerweile sind Malbücher zu einem großen Trend geworden.

Mittlerweile besitze ich einige Ausmalbücher für Erwachsene, unter anderem liebe ich gerade das Buch "Imagimorphia" von Kerby Rosanes. Bei deutschen Büchern hatte ich bisher aber immer Pech, bei den meisten habe ich schnell das Interesse verloren.

Ganz anders war es aber bei dem Buch von Rita Berman. Ich mag ihren Stil sehr gerne. Zwar sind in jedem Malbuch immer mal wieder Bilder, die einem weniger gefallen, aber in "Mein Sommerspaziergang" überwiegen doch die großartigen Motive. Neben sehr einfachen Mustern gibt es auch sehr detaillierte Bilder, die dazu einladen, seine Kreativität auszuleben.

Ich selbst verwende zum Malen Buntstifte von Koh-I-Noor und ich finde die Ergebnisse toll. Zwar bin ich kein Profi, aber es geht in erster Linie doch um die Entspannung, die man beim Ausmalen spürt und die Freude über das fertige Ergebnis. Nebenbei höre ich gerne Hörbücher und ich merke tatsächlich, wie es mir dadurch besser geht und wie ich einfach "runter komme"! Durchschnittlich brauche ich für ein Bild zwischen 3 und 5 Stunden, was bedeutet, dass dieses Malbuch wirklich unzählige Stunden Malspaß ermöglicht!

"Mein Sommerspaziergang" ist momentan beim
liebstes Malbuch, was bestimmt auch an den sommerlichen Temperaturen draußen liegt. Die Bilder sind sehr abwechslungsreich, bestehen aus Blumen, Häusern, Beeren und vielem mehr. Ich habe großen Spaß beim Ausmalen und kann euch das Buch nur ans Herz legen. Im Winter werde ich mir definitiv noch "Mein Winterspaziergang" holen.




Ein tolles Malbuch, das sowohl für Profis als auch für Anfänger geeignet ist. Die Motive sind sehr
sommerlich und abwechslungsreich und bestimmt ist für jeden Geschmack etwas dabei. Von mir eine klare Empfehlung für dieses bezaubernde und sommerliche Malbuch!


Donnerstag, 13. Juli 2017

[Rezension] Die Königin der Schatten, Bd. 3, Verbannt - Erika Johansen

Titel: Die Königin der Schatten: Verbannt (Band 3)
Autor:  Erika Johansen
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2017
Anzahl der Seiten: 608
Cover und Inhaltsangabe © Heyne
Rezension zu Vorgängerbänden: Die Königin der Schatten (5+ von 5)Die Königin der Schatten, Verflucht (3 von 5)

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

Achtung, Band 3 einer Reihe, Rezension enthält eventuell Spoiler!




"Kelsea Glynn hat sich als wahre Herrscherin erwiesen. Um ihr Land vor einer schrecklichen Invasion durch das Nachbarreich Mortmesne zu schützen, hat sie sich in die Hände ihrer größten Feindin begeben: der Roten Königin. Doch damit nicht genug, die Rote Königin ist inzwischen auch im Besitz von Kelseas wertvollen Saphiren. Sollte es ihr gelingen, sich deren Magie zu bemächtigen, ist ganz Tearling dem Untergang geweiht. Während Mace als Regent auf dem Thron von Tearling fieberhaft an einem Plan arbeitet, um Kelsea aus den Kerkern der Roten Königin zu befreien, kommt es im finsteren Mortmesne zum finalen Showdown zwischen den beiden Königinnen …"




Lange habe ich auf den dritten und letzten Teil von "Die Königin der Schatten" gewartet. Nach dem eher mittelmäßigen zweiten Teil habe ich hier gehofft, dass Erika Johansen das Niveau vom Anfang zurückfindet, muss jedoch gleich zu Beginn der Rezension gestehen, dass auch der abschließende Teil mich nicht so recht überzeugen konnte.

In ihrer Danksagung spricht Erika Johansen den enormen Druck an, unter dem dieses Buch hier entstand und beim Lesen hatte ich bereits die ganze Zeit das Gefühl gehabt, dass es einfach nicht mehr die Geschichte vom ersten Teil ist. Damals lag so viel Liebe im Detail, mühevoll hat die Autorin eine neue Welt erschaffen und mit Kelsea einen Charakter eingeführt, mit dem sich die Leser identifizieren konnten.

Leider war es bereits im zweiten Teil so, dass ich mit der "neuen" Kelsea nicht mehr mitfiebern konnte. Sie war zu stark, zu mächtig und das schwache Mädchen mit zu wenig Selbstvertrauen war komplett verschwunden.

Der Schreibstil ist meiner Meinung nach mit jedem Buch nüchterner geworden. Während ich es im ersten Teil noch toll fand, dass es keine Liebesgeschichten gab, habe ich doch in diesem Teil eine gewisse Emotionalität gebraucht. Mit keinem der Charaktere, so grausam seine Geschichte auch war, konnte ich mitfiebern, was vor allem an den fehlenden Gefühlen lag ...




- Kelsea -

Kelsea stand in den Vorgängerbänden im Fokus der Handlung, in diesem bleibt sie allerdings sehr lange nur ein Nebencharakter. Schade fand ich, dass ihr Charakter noch stärker werden musste. Ich hätte mir mehr Schwächen und mehr Menschlichkeit gewünscht. Mitfiebern oder gar identifizieren konnte ich mich mit Kelsea leider nicht mehr.

- Nebencharaktere -

Auf den ersten 200 Seiten hatte ich enorme Probleme, die Charaktere zuzuordnen. Hier hätten kleine Rückblenden oder Andeutungen den Einstieg verbessert. Bei vielen Personen wusste ich nicht einmal mehr, wer sie waren oder welche Rolle sie in der Geschichte hatten. So zum Beispiel Aisa, die gleich zu Beginn vorkommt, an die ich mich aber nicht mehr erinnern konnte.

Aus diesem Grund hatte ich lange Zeit Probleme, mir die Personen vorzustellen und die Zusammenhänge zu verstehen. Leider kommen hier auch sehr viele Charaktere vor, die zwar alle still und leise ihre eigene Geschichte erzählen, den Fokus aber von der Haupthandlung lenken. Manche Erzählstränge fand ich letztendlich auch relativ unwichtig.




Der erste Band von "Die Königin der Schatten" war 2015 eins meiner Jahreshighlights. Ich hatte das Buch damals förmlich verschlungen und mochte besonders die Protagonistin Kelsea. Schon der zweite Teil im vergangenem Jahr hat mich allerdings zutiefst enttäuscht. Obwohl die Handlung dort sehr spannend war, hat mich Kelseas Entwicklung deprimiert. Von dem jungen, unsicheren Mädchen hat sie sich dort in eine ansehnliche Frau mit Macht verwandelt. Identifizieren konnte ich mich schon dort nicht mehr mit ihr.

Der Einstieg in diesen letzten Teil der Trilogie fiel mir sehr schwer. Ich hatte zwar die Handlung noch im Kopf, die Figuren waren mir aber fremd. Auf den ersten 200 Seiten geht es zudem auch nur um die Nebencharaktere, die ich nur schwer der Handlung zuordnen konnte. Dennoch habe ich mich durchgebissen und irgendwann nahm die Geschichte tatsächlich Fahrt auf.

Wie im zweiten Band geht es auch in diesem um die Hintergründe von Tearling, was durchaus interessant ist, aber komplett von den momentanen Problemen ablenkt. Die rote Königin, die Herrscherin über Mortmesne, wurde in Band davor als sehr böse dargestellt, während sie hier plötzlich sehr schwach erscheint. Für mich waren die Entwicklungen vereinzelter Charaktere nicht nachvollziehbar, unter anderem kam mir auch der Fetch hier viel zu kurz, der mir zudem zuvor vollkommen anders erschien.

Leider muss ich sagen, dass mich der letzte Teil noch mehr enttäuscht hat als der Teil zuvor. Es gibt hier wenig Handlung, es ist kein roter Faden vorhanden und die Geschichte wirkt unreif, nicht durchdacht und teilweise sehr wirr. Die Entwicklungen der Charaktere empfand ich als seltsam und nicht nachvollziehbar, zudem blieben viele Fragen offen. Einzig das Ende, das dann noch überraschend und irgendwie "anders" ist, konnte mich dann doch noch teilweise zufrieden stellen, denn das war ein Niveau, das ich mir für die gesamte Reihe gewünscht hätte!

Meine abschließend Worte zur gesamten Reihe: Sie hat wahnsinnig stark begonnen, allerdings für mich schon im zweiten Band nachgelassen. Die letztendliche Auflösung ist gut gelungen und überraschend, doch der Weg dahin ist zäh und ich als Leser musste Durchhaltevermögen beweisen. Empfehlen kann ich die Reihe daher nur bedingt ...




Nachdem der erste Band zu "Die Königin der Schatten" eins meiner Highlight war, hatte schon der
zweite Band enorm nachgelassen. Auch der dritte Band besaß zu viele Längen, zu viele unwichtige Handlungsstränge und Charakterentwicklungen, die für mich einfach nicht nachvollziehbar waren. Einzig das Ende hat die Reihe dann für mich doch noch gerettet, allerdings ist dieser Band definitiv der Schwächste ...

Weitere Rezensionen zum Buch:
Tanja von Der Duft von Büchern und Kaffee (4 von 5)
Petra von Papier und Tintenwelten (4 von 5)


Dienstag, 11. Juli 2017

[Rezension] Qual - Stephen King als Richard Bachmann

Titel: Qual
Autor:  Stephen King als Richard Bachmann
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. August 2007
Anzahl der Seiten: 384
Cover und Inhaltsangabe © Heyne




"Ein großer Coup soll den geistig zurückgebliebenen Blaze aller Sorgen entledigen. Er entführt das Baby einer reichen Familie. Was wird er dem Kleinen antun? Während alle Welt ihn jagt, um den Horror zu beenden, geht in Blaze eine Verwandlung vor. Das Lösegeld interessiert ihn längst nicht mehr ...

Die Kindheit des jungen Blaze ist schrecklich: Die Mutter ist gestorben, und sein Vater, ein Trinker, verprügelt ihn ständig und wirft ihn so oft die Treppe hinunter, bis das Kind einen bleibenden Schaden davonträgt. Der leicht behinderte Junge kommt in ein Kinderheim, wo sich die kommenden Jahre jedoch erst recht qualvoll gestalten. Als Jugendlicher begeht er mit seinem Kumpel George harmlose Straftaten, bis dieser bei einer Stecherei umkommt. Aber George meldet sich aus dem Totenreich und flüstert Blaze ein, einen größeren Coup zu starten. Um an wirklich viel Geld zu kommen, entführt Blaze schließlich das Baby einer reichen Familie. Allein mit dem kleinen Bündel Leben, erwacht in ihm eine ungeahnte Fürsorge. Die Flucht vor dem gigantischen Polizeiaufgebot führt in eine Katastrophe ..."




Es war wieder einmal an der Zeit für ein Buch von Stephen King, nachdem alle anderen Blogger wohl gerade in "Es" versunken sind! ;)

Wie viele von euch ja bereits wissen, war ich als Jugendliche ein großer Fan von Stephen King und bevorzuge immer noch seine älteren Bücher. Von den Werken, die er unter seinem Pseudonym Richard Bachmann veröffentlicht hat, ist mir besonders "Todesmarsch" nach all den Jahren noch immer in Erinnerung geblieben. Kein Wunder also, dass es jetzt an der Zeit wurde, mal jene Bücher nachzuholen, die ich von ihm noch nicht gelesen habe.

Wer bei "Qual" an wirkliche Qualen in Form von Horror denkt, wird wohl enttäuscht werden. Das Buch, das King noch vor "Carrie" geschrieben hat, ist eine ruhige Geschichte über einen einen zurückgebliebenen Mann, der sich von einem Opfer zum Täter entwickelt, seine Opferrolle aber niemals abschütteln kann.

Augenmerk legt King hier auf seinen Protagonisten. Sehr detailliert wird die Hintergrundgeschichte von Blaze beschrieben, aber auch seine momentane Lage mit der Schnapsidee, ein Kind zu entführen, Ich bin nach wie vor beeindruckt, wie viel Leben ein Autor seinen Charakteren einhauchen kann.




- Blaze -

Ich beschränke mich hier bei der Charakteristika auf Blaze, denn ihn begleiten wir während der gesamten Handlung. Er ist geistig zurückgeblieben, denkt aber dennoch recht viel nach. Nachdem sein Kollege George, mit dem er schon so einige Straftaten begangen hat, erstochen wird, flieht er sich in einen regelrechten Wahn. Zwar weiß Blaze, dass George längst tot ist, dennoch beginnt er mit ihm zu reden und seine Anweisungen auszuführen.

Der tote George ist es auch, der Blaze dazu auffordert, das Baby zu entführen. Er gibt ihm vor, wir er zu handelt hat und was er tun soll. Dies lässt darauf schließen, dass in Blaze selbst doch eine andere Persönlichkeit steckt, eine Persönlichkeit, die unter seiner Opferrolle längst verschwunden ist.




Mit Blaze als Protagonisten hat Stephen King hier wieder einmal einen besonderen Charakter erschaffen. Als Leser muss man selbst entscheiden, ob nun die Opferrolle überwiegt oder ob Blaze vorwiegend als Täter anzusehen ist.

Nach und nach offenbart King auch die schreckliche Vergangenheit von Blaze, der vom Vater schwer misshandelt wurde und nie so recht Anschluss gefunden hat. Ich habe Mitleid mit Blaze empfunden, der immer jemanden gebraucht hatte, der ihn führt, leider aber immer an die falschen Personen geraten ist.

Nach Georges Tod steht Blaze wieder allein da und hier beginnt die Geschichte, die Blaze noch tiefer in die Dunkelheit drängt. George lebt in seinem Kopf weiter, immer wieder wird allerdings deutlich, dass Blaze längst weiß, dass sein Freund ist. Dennoch brauch er jemanden, der ihn führt, denn er hat Angst eigene Entscheidungen zu treffen.

Sehr sensibel beschreibt Stephen King hier die Vorgeschichte von Blaze, die wahrlich schrecklich ist. Er schafft es, den Leser zwischen den Stühlen zu platzieren. Auf der eine Seite ist da nämlich Blaze, der zurückgebliebene Junge, der vom Vater misshandelt wurde, nie die Liebe einer Mutter hatte und seinen Platz in dieser Welt niemals gefunden hat. Die andere Seite ist grausam: Blaze ist nämlich auch der Mann, der ein Baby entführt, Straftaten begeht und wenig an die Folgen denkt.

Ich hatte Mitgefühl mit Blaze und habe ihn nie als echten Täter angesehen. Er wurde durch sein Umfeld zu dem Menschen gemacht, der er jetzt ist und das ist schrecklich, denn beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass er nichts für seine Situation konnte. Immer wieder blitzt durch, dass Blaze eigentlich kein schlechter Mensch ist, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern auch Grautöne, zu denen er auf jeden Fall gehört!

Schon als er das Baby entführt, offenbart sich eine andere Seite an ihm. Er ist fürsorglich und wird zu jenem Vater, den er selbst nie gehabt hätte. Eine gewisse Melancholie liegt in der gesamten Geschichte, die eigentlich auch davon handelt, wie Blaze hätte werden können ...




"Qual" war mal wieder ein sehr intensives Leseerlebnis. Obwohl das Buch sehr ruhig ist, es wenig
Blut und "Horror" gibt, ist es ein kleines stilles Meisterwerk, das nachdenklich stimmt und den Leser zwischen den Stühlen platziert. Ist Blaze nun mehr ein Opfer oder ein Täter? Welche Seite überwiegt?

Sonntag, 9. Juli 2017

[Rezension] Young Sherlock Holmes, Der Tod liegt in der Luft - Andrew Lane

Titel: Young Sherlock Holmes (Band 1), Der Tod liegt in der Luft
Autor:  Andrew Lane
Genre: Roman, Krimi, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2012
Anzahl der Seiten: 416
Cover und Inhaltsangabe © Fischer Taschenbuch



"Der junge Sherlock Holmes soll seine Sommerferien auf dem Land verbringen – bei Tante Anna in Farnham. Stundenlang dauert die Reise und nichts als Gerstenfelder weit und breit. Noch öder geht es ja wohl kaum, Sherlock ist stocksauer. Doch dann kommt alles ganz anders und plötzlich ist er mittendrin in seinem ersten Fall. Mysteriöse Todesfälle, prügelnde Muskelprotze und ein böser Baron – das erste Abenteuer des jungen Meisterdetektivs beginnt."




Da ich in letzter Zeit wieder auf den Geschmack der alten Sherlock Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle gekommen bin, dachte ich, dass ich die Reihe um den jungen Sherlock Holmes unbedingt mal ausprobieren sollte.

Jugendlich und sehr modern präsentiert Andrew Lane hier die Geschichte des jungen Sherlock Holmes und seinem ersten Fall. Ich muss sagen, dass Sherlock für mich hier auch Hans Peter hätte heißen können, denn den kleinen Held brachte ich hier in keinerlei Verbindung mit dem überaus intelligenten, wenn auch sehr melancholischen Meisterdetektiv, den wir alle so lieben.

Das Buch ist daher eher für jüngere Leser. Der Fall ist gut nachvollziehbar, sehr einfach gehalten und der Actionanteil überwiegt. Dennoch gibt es einige interessante Thematiken, die angesprochen werden, die ich aber hier in der Rezension aufgrund von Spoilern leider nicht benennen kann. Neben Sherlock Holmes selbst gibt es auch noch einige sehr interessante Personen!




- Sherlock Holmes -

Zu Beginn der Geschichte wird unser junger Sherlock von der Schule abgeholt. Eigentlich erwartet er seinen Vater, doch stattdessen taucht sein Bruder Mycroft auf und erklärt, dass Sherlock die Ferien nun bei seiner Tante und seinem Onkel verbringen soll. Dort angekommen stellt er jedoch fest, dass er alles andere als willkommen ist. Zum Glück findet er in einem Straßenjungen namens Matty einen guten Freund und bekommt durch seinen Hauslehrer später auch Unterstützung.

Den jungen Sherlock Holmes habe ich mir ganz anders vorgestellt. Es wird zwar kurz angeschnitten, dass er auf der Schule keine Freunde hat, ansonsten wirkt er aber einfach zu normal. Er ist aufgrund seines Alters noch sehr unerfahren. Zwar versucht er sich an ersten Schlussfolgerungen, aber im Grunde ist er einfach nur ein Junge, der noch gar kein so großes Interesse am Ermitteln hat und auch noch kaum Wissbegierde zeigt.

Zwar werden einige typische Dinge angesprochen, die den späteren Sherlock Holmes ausmachen, aber ich konnte ihn einfach nicht in Verbindung mit ihm bringen. Aus diesem Grund war er in meiner Vorstellung auch ein eigenständiger Charakter.

- Amyus Crowe -

Amyus Crowe wird der Hauslehrer von Sherlock Holmes und er bringt ihm vor allem das logische Schlussfolgern bei. Ihn fand ich fast interessanter als Sherlock, einfach weil er eine gewisse Charakterstärke besitzt und den jungen Sherlock in die richtige Richtung lenkt.

Interessant ist hier auch die Hintergrundgeschichte von Amyus Crowe. Er hat zudem eine Tochter, die sich im späteren Verlauf mich Sherlock anfreundet.




Voller Vorfreude habe ich mich in den "ersten" Fall von Sherlock Holmes gestürzt, bin aber wohl mit zu großen Erwartungen herangegangen. Der Einstieg ins Buch ist mir zwar gut gelungen, doch ich konnte den jungen Sherlock hier einfach nicht als den Sherlock von Arthur Conan Doyle sehen. In meinem Kopf zeichnete sich ein eigenständiges Bild des kleinen Detektiven ab, was aber auf keinen Fall negativ zu betrachten ist.

Die Geschichte lässt sich gut lesen und der Fall ist ebenfalls sehr interessant. Es geht um einen seltsamen Rauch, der sowohl von Sherlock, als auch von dem Straßenjungen Matty kurz vor dem Fund einer Leiche beobachtet wird. Große Beulen lassen vermuten, dass es sich um eine Krankheit handelt und im Ort bricht Panik aus, denn alle gehen davon aus, dass es die Pest sein muss.

Die Beschreibungen des Umfelds haben mir sehr gut gefallen. London ist ein toller Schauplatz und durch die jugendliche Sprache werden auch jüngere Leser animiert, in eine frühere Zeit einzutauchen. Der Fall selbst ist sehr einfach gehalten und gut nachvollziehbar, es sind also keine komplizierten Verstrickungen wie teilweise bei Arthur Conan Doyle zu erwarten.

Dadurch, dass der Fall so einfach ist, fehlte mir bei dem Buch aber auch das gewisse Etwas. Es gibt zwar viele spannende Szenen, einiges an Action und viele Interessante Fakten, aber leider ist die Auflösung schnell klar, die zweite Hälfte des Buches dient nur noch, das "Unheil" aufzuhalten. Für mich ist die Reihe persönlich daher eher nichts, ich denke aber, besonders jüngere Leser werden damit ihre Freude haben und auch Krimi-Einsteiger werden kaum Probleme haben, dem jungen Sherlock Holmes bei seinem ersten Fall zu begleiten.




"Young Sherlock Holmes" ist eine interessante Krimi-Reihe rund um den jungen Sherlock Holmes, die sehr modern gehalten ist und deswegen wohl besonders jüngere Leser begeistern dürfte. Für mich persönlich waren es zu wenig Schlussfolgerungen und zu viel Action, der Fall selbst war mir zu
einfach. Ich konnte das Buch als Lektüre für Zwischendurch aber dennoch genießen und kann es daher dennoch weiterempfehlen!