Montag, 3. Juli 2017

[Rezension] Klassentreffen - Simone van der Vlugt

Titel: Klassentreffen
Autor:  Simone van der Vlut
Genre: Roman, Krimi
Erscheinungsdatum: 2. April 2007
Anzahl der Seiten: 384
Cover und Inhaltsangabe © Diana Verlag




"Als Sabine die Einladung zum Klassentreffen erhält, wird ihr Leben zum Albtraum. Plötzlich stürmen Erinnerungen auf sie ein an eine Zeit vor neun Jahren, die sie längst überwunden zu haben glaubte. Sabine ist vierzehn Jahre alt, als sie zum ersten Mal tief verletzt wird. Ihre beste Freundin Isabel beachtet sie nicht mehr, schlimmer noch, zusammen mit ihren Klassenkameraden quält sie Sabine, die sich immer mehr in die Einsamkeit zurückzieht. Eines Tages verschwindet Isabel ― spurlos. Jede Suche endet vergeblich, auch ihre Leiche wird nie gefunden. Aber ist Isabel tatsächlich ermordet worden, wie alle in Den Helder glauben? Was ist damals geschehen? Und warum scheint Sabine die Erinnerung an genau jenen Tag verdrängt zu haben?"




"Klassentreffen" von Simone van der Vlugt ist ein Buch, das ich jetzt schon seit gut zehn Jahren lesen wollte. Früher hatte bereits einige Bücher der Autorin gelesen und war stets begeistert, doch an "Klassentreffen" hatte ich mich nie herangetraut, vielleicht, weil ich dachte, die Thematik wäre ähnlich meinem eigenen dritten Jugendthriller, den ich schon lange im Kopf hatte und bei dem ich mich nicht durch andere Bücher beeinflussen lassen wollte.

Letztendlich geht es in "Klassentreffen" von Simone van der Vlut zwar wirklich ebenfalls um Mobbing, doch die Geschichte ist ganz anders aufgebaut. Im Fokus steht der Mord vor neun Jahren und Sabine, die jetzt in einem Beruf arbeitet und dort ebenfalls gemobbt wird. Alte Erinnerungen kommen hoch, als sie einen Mitschüler von damals trifft und eine Beziehung mit ihm anfängt. Könnte er etwa etwas mit dem Mord zu tun haben?

Simone van der Vlugts Schreibstil gefällt mir nach wie vor sehr gut. Es handelt sich bei "Klassentreffen" in erster Linie um einen Roman, das Zwischenmenschliche steht also im Fokus. So begleiten wir Sabine hier in ihrem neuen Leben, aber bekommen auch mit, was sie in ihrer Schulzeit durchmachen musste.




- Sabine -

Sabine ist heute eine Frau, die stark sein möchte. Es gelingt ihr nicht immer, denn die Arbeit setzt ihr immer mehr zu. Als sie nach einem Burnout in Teilzeit zurück an ihren Arbeitsplatz als Sekretärin kehrt, spürt sie die Anfeindungen der anderen, die davon ausgehen, dass sie nur "simuliert", um weniger arbeiten zu müssen.

Schnell wird klar, dass auch Sabines Kindheit nicht rosig aussah. In der Schule hat sie ebenfalls Mobbing über sich ergehen lassen müssen und so konnte ich sehr schnell mit ihr mitfiebern. Ich finde das Thema Mobbing nach wie vor interessant, einfach weil es ein Problem ist, das viele betrifft und das ein ganzes Menschenleben zerstören kann!




"Klassentreffen" ist ein ruhiger Roman, der damit beginnt, uns die Protagonistin Sabine näherzubringen. Wir begleiten sie bei ihrer Arbeit, erleben, wie sie einen alten Mitschüler wiedersieht und wie sie sich verliebt. Dabei gibt es immer wieder Rückblenden in ihre Vergangenheit zu der Zeit, als sie alle noch zur Schule gingen. Hierbei erfahren wir, was Sabine selbst durchmachen musste und wie es dazu kam, dass Isabel, die eigentlich mal eine gute Freundin von ihr gewesen war, anfing, sie zu mobben.

Das Thema Mobbing steht hier im Zentrum der Geschichte und wurde auch recht sensibel umgesetzt. Wir erfahren, wie Sabine sich damals gefühlt hat und welche große Angst sie hat, das ihr all das von damals auch heute wieder passiert. Sie verzieht sich in eine Art Schneckenhaus und lässt sehr viel über sich ergehen.

Da mich das Thema Mobbing selbst betrifft, konnte ich natürlich mit Sabine mitfühlen. Schade, dass es auf der Welt noch immer solche Menschen gibt, die andere fertig machen müssen, um sich selbst groß und stark zu fühlen. Traurig ist es, dass jene Opfer von damals es auch später schwer haben. Es ist möglich, aus der Opferrolle auszubrechen, doch das Beispiel an Sabine zeigt, dass sich solche "Täter" immer wieder die Schwachen aussuchen. Eine Tatsache, die mich absolut wütend macht!

Der Spannungsbogen ist der Autorin gut gelungen, auch wenn die Geschichte zu Beginn recht langsam in Fahrt kommt, so ist der Einblick in die Vergangenheit der Protagonistin durchwegs interessant. Das Klassentreffen, das der Titel andeutet, findet tatsächlich statt, nimmt aber nur eine kleine und recht unwichtige Rolle ein. Diese Tatsache fand ich etwas schade, da ich mir gerade beim Treffen der Mitschüler von damals irgendwie noch einen "Knaller" gewünscht hätte.

Sabine, die in diesem Roman eigentlich zwei Männer aus ihrer Vergangenheit trifft, verliebt sich. Ich muss sagen, dass ich die zweite "Liebesgeschichte" ein wenig überstürzt fand, während die erste doch recht spannende Fakten ans Tageslicht gebracht hat.

Das Ende fand ich gut, auch wenn ich damit schon gerechnet hätte, aber das ist bei Thriller und Krimis in letzter Zeit öfters der Fall gewesen. Hätte ich das Buch vor zehn Jahren, also im Alter von 17 gelesen, wäre ich mit Sicherheit überraschter gewesen! Dennoch kann ich aber sagen, dass ich "Klassentreffen" von Simone van der Vlugt absolut lesenswert fand!




Ein spannender Roman, der Einblicke in das Leben eines gemobbten Mädchens gibt, das sich auch
noch Jahre später nicht aus der Opferrolle befreien kann. Der Mordfall von damals wird nach und nach aufgerollt und es gibt einige sehr spannende Wendungen und Offenbarungen. Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Wer noch nie ein Buch von Simone van der Vlugt gelesen hat, sollte das dringend nachholen!


Kommentare:

  1. Hallo Jessi,
    der Klappentext des Buches hat mich schon gleich neugierig gemacht. Das die Protagonistin nicht nur in der Schule sondern auch noch in der Arbeitswelt unter Mobbingattacken leiden muss, ist doppelt hart. Ich kann deine Wut, die du gegenüber Mobbingtätern empfindest nachvollziehen. Das Schlimme ist, dass "Tätern" oftmals nicht von außerhalb Einhalt geboten wird. Oft schauen andere nur zu, bzw. weg und das Opfer muss seine eigene Hölle ganz alleine meistern.

    Natürlich möchte ich nach dem Lesen deiner Rezension auch gerne wissen, was es mit der verschwundenen Mitschülerin auf sich hat. Auch die Liebesgeschichten interessieren mich sehr.

    Vielen Dank für diese wirklich interessante Buchempfehlung/Rezension.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hi Tanja,
      ich glaube, Leute die schon in der Schule gemobbt wurden, haben es doppelt schwer, nicht wieder in die Opferrolle zu rutschen. Vor allem, da man eben weiß wie es ist, gemobbt zu werden ... Ich merke das auch an mir ... Ich verziehe mich immer wieder in ein Schneckenhaus, es wird auch im Erwachsenenalter nicht besser, es gibt diese "Täter/Mobber" immer wieder!

      Und das Buch ist echt spannend, auch neben dieser recht melancholischen Thematik! :D

      Liebe Grüße
      Jessi

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  2. Hallo Jessi,

    oh ein Buch, was schon seit Ewigkeiten auf meinem SUB liegt. Ich hatte es schon paar mal auf meinem Herbst SUB, da das Nebelcover so gut passte und hab es nie geschafft zu lesen. Mittlerweile wusste ich gar nicht mehr, ob ich es jetzt überhaupt noch lesen will oder aussortieren soll, aber deine Rezension hat mich jetzt doch neugierig gemacht und es ist ja auch nur ein dünnes Büchlein. Und ich bin eh gerade dabei auch meinen alten SUB mal etwas abzubauen. Also hoffentlich wird es im kommenden Herbst was :)

    Viele Grüße Julia

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