Titel: Die Taube
Autor: Patrick Süskind
Genre: Novelle
Erscheinungsjahr: 1987
Seitenzahl: 98
Cover: © Bertelsmann
Begonnen: 05.08.2026
Beendet: 07.08.2026
Patrick Süskind ist mir bisher nur von seinem grandiosen Werk "Das Parfum" bekannt. In einer kleinen Leserunde haben wir uns aber nun mit Novelle "Die Taube" beschäftigt, in der ein Mann in einem Alltagstrott gefangen ist, durch das Auftauchen einer Taube - die für ihn das pure Chaos zu bedeuten scheint - aber plötzlich alles hinterfragt.
Der Autor beschäftigt sich in der relativ kurzen Geschichte mit der Angst vor Veränderungen. Jonathan ist nach einigen traumatischen Erlebnissen in seiner Kindheit froh darüber, auf zwanzig Jahre Ereignislosigkeit zurückzublicken. Er ist zufrieden mit seinem winzigen Zimmer, das er sogar kaufen möchte und auch mit seinem Job als Wachmann in einer Bank. Doch dann wirft ihn der Anblick einer simplen Taube im Flur des Hauses komplett aus der Bahn und er beginnt, sein eigenes Leben mit ganz anderen Augen zu betrachten.
Süskind, der ja selbst als sehr menschenscheu gilt und nicht in der Öffentlichkeit auftritt, zeichnet hier ein sehr einsames, fast schon trostloses Leben auf. Sein Protagonist redet sich jedoch unermüdlich ein, dass alles in Ordnung und er selbst glücklich ist. Ich empfand dies als ein sehr passendes Bild einer Gesellschaft, in der Veränderungen oft gemieden werden aus Angst davor, gewisse Sicherheiten aufzugeben.
Mir hat sich beim Lesen oft die Kehle zugeschnürt, denn es wird deutlich, dass sich Jonathan im Kreis bewegt und am Ende genau dort wieder ankommt, wo die Geschichte begonnen hat. Es ist eine Novelle, die Tiefgang besitzt und zum Nachdenken anregt, manchen Leser vielleicht aber sicherlich auch den Finger in eine offene Wunde presst. Mir hat diese Geschichte gezeigt, dass ich mich nun einmal intensiver mit Patrick Süskinds Werke beschäftigen sollte!




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