Dienstag, 14. März 2023

[Rezension] Helden der City - Kristina Dunker

 


Titel: Helden der City

Autor:  Kristina Dunker

Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenzahl: 168
Cover: © Arena
Begonnen: 23.02.2023
Beendet: 27.02.2023


Vivi und ihre Freunde probieren auf einer Kirmes zum ersten Mal Bungeejumping aus. Plötzlich erleben sie diesen unglaublichen Kick und wollen mehr. Immer öfter begeben sie sich in Gefahr und schnell droht eine ihrer Aktivitäten aus dem Ruder zu laufen ...

Durch den sehr jugendlichen Stil erleben wir das Geschehen aus der Sicht von Vivi, die sich wie viele Jugendliche einfach verloren fühlt. Da ist die Leere, die sie nach der kurzen Beziehung mit Olli, der ebenfalls in ihrer Clique ist, mit den extremen Aktivitäten bekämpfen will. Doch was, wenn die Leere mit jedem Kick größer wird?

Die Autorin beschreibt hier sehr schön, was passiert, wenn Jugendliche sich langweilen und in der Stadt überall vertrieben werden. Es wundert wenig, dass sie sich dann zu Lost Places hingezogen fühlen und sich aus Langeweile irgendwelche gefährlichen Extremsportarten ausdenken.
Erschreckend ist auch der Gruppenzwang, der ausgeübt wird. Mutig ist plötzlich nur noch, wer sein Leben aufs Spiel setzt, dabei ist es viel stärker, auch einmal "Nein" zu sagen.

Das Buch ist recht kurz, erzählt aber dennoch eine wichtige Geschichte über Freundschaft, die Suche nach einem Platz im Leben und dem Mut, sich für sich selbst aber auch andere einzusetzen. Mir hat die Geschichte und besonders auch das Ende gefallen. Dieses schwingt hier keine Moralkeule, sondern zeigt, dass Fehler eben zum Leben dazugehören.



Ein Jugendbuch, das sehr eindringlich die Gefahren von Extremsportarten schildert und zeigt, wie schnell besonders Jugendliche süchtig nach dem Kick werden. Ein spannendes und gleichzeitig nachdenklich stimmendes Jugendbuch!

Ich vergebe 5 von 5.



Sonntag, 12. März 2023

[Rezension] Die Reisen des Mr. Leary - Anne Tyler

 


Titel: Die Reisen des Mr. Leary

Autor:  Anne Tyler

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1991
Seitenzahl: 361
Cover: © Fischer
Begonnen: 20.02.2023
Beendet: 24.02.2023


Nach dem tragischen Tod seines Sohnes wird Macon Leary auch noch von seiner Frau verlassen. Aus ihm wird ein einsamer Mann, der sich nicht mehr öffnen kann. Doch dann tritt die lebhafte Muriel in sein Leben, die auf dem ersten Blick gar nicht zu ihm passt. Und dann kommen sich die beiden doch näher ...

Anne Tyler hat mich mit ihrem außergewöhnlichen Protagonisten sofort in den Bann gezogen. Macon schreibt Reiseführer für Leute, die geschäftlich gezwungen sind, andere Länder zu vesuchen. Die "Tourist wider Willen"-Bücher beschreiben Macon perfekt, denn er hasst das Reisen und mag keinerlei Veränderungen. Am liebsten hätte er einen geregelten Tagesablauf, aber wie ist das nach dem Tod seines Sohnes und der Trennung seiner Frau überhaupt möglich?

Macon lässt keinerlei Gefühle zu, ist sehr eigen und stößt die Leute immer wieder von sich fort. Dabei sieht er gar nicht, dass er gar nicht so einsam ist wie er glaubt. Der Roman besitzt Humor, strahlt aber gleichzeitig auch eine ungemeine Ruhe aus. Macon wehrt sich mit Händen und Füßen gegen jede Veränderung und verfällt immer wieder in alte Muster. Sehr menschlich wählt er lieber den Weg des geringsten Widerstandes anstatt ein Risiko einzugehen.

Für mich war "Die Reisen des Mr. Leary" ein erfrischend ehrlicher Liebesroman, der sehr schön zeigt, dass sich Liebe erst entwickeln muss und es im Anschluss sehr viel Mühe kostet, sie am Leben zu halten. Obwohl ich Muriel am Anfang echt nervig fand, gefiel es mir, wie sie aus Macon aus seinem Schneckenhaus gelockt hat. An Macons eigensinnige Art und Muriels unermüdliche Versuche, ihn für sich zu gewinnen, werde ich sicher noch lange zurückdenken!


"Die Reisen des Mr. Leary" ist ein außergewöhnlicher Liebesroman, der zeigt, dass sich Liebe erst einmal entwickeln muss und Zeit braucht. Für mich ist die Autorin eine spannende Neuentdeckung!

Ich vergebe 5 von 5.



Freitag, 10. März 2023

[Rezension] Ein Raunen in der Nacht (Kurzgeschichten) - Joan Aiken


Titel: 
Ein Raunen in der Nacht (Kurzgeschichten)

Autor:  Joan Aiken

Genre: Kurzgeschichten
Erscheinungsjahr: 1983
Seitenzahl: 160
Cover: © Oetinger

Begonnen: 22.02.2023
Beendet: 24.02.2023


Ich bin nun schon seit ein paar Jahren großer Fan der Bücher von Joan Aiken und nun habe ich diesen alten Kurzgeschichten-Band von ihr entdeckt. In neun relativ kurzen Storys erzählt sie von unheimlichen Begegnungen und alten Legenden.

"Miss Spifire" ist die Geschichte von Onkel Ned, der auf der Rollbahn sterben will und deswegen dort in seinem Bett auf den Tod wartet. "Sie hatte Angst vor oben" handelt von der kleinen Tessie, die nie freiwillig ein oberes Stockwerk betritt und deswegen sogar freiwillig draußen schläft.

In "Die schwarzen Klippen" reißen zwei Freunde nach Irland und besuchen eine alte Kirche und im Anschluss die titelgebenden Klippen. "Der Finder" beschäftigt sich mit einem magischen Artefakt, das verlorene Dinge wiederfinden soll, während "Der Bucklige vom Brookpark" eine atmosphärische Geistergeschichte ist.

"Sultan, mein Freund" ist recht überladen und erzählt die gesamte Vorgeschichte eines Pfarrhauses. Die Story hätte glatt einen Roman füllen können. "Na und?" beschäftigt sich mit dem Untergang der menschlichen Rasse und regt zum Nachdenken an. In "Der Picknickplatz" geht es einen Wahn und "Das Schwanenkind" ist wohl die einzige Geschichte in diesem Band, die an die genialen Psychothriller der Autorin erinnert. Diese Story war mein Favorit.

Mir haben diese abwechslungsreichen und sehr atmosphärischen Geschichten gut gefallen, auch wenn ich bei einigen das Gefühl hatte, dass sie zum Ende hin etwas schwächeln. Vieles war mir eine Spur zu kurz, wodurch einige Fragen nicht beantwortet werden. Dennoch hatte ich einige tolle Lesestunden und mich bei einigen Geschichten sogar gegruselt.


Als großer Fan der Autorin habe ich diese neun Kurzgeschichten sehr gerne gelesen, auch wenn mir vieles eine Spur zu kurz war. Die Atmosphäre war aber stimmig und ihre Ideen auf jeden Fall originell.

Ich vergebe 4 von 5.



Mittwoch, 8. März 2023

[Rezension] Die Rebellin - Die Gilde der schwarzen Magier -Trudi Canavan


Titel: 
Die Rebellin - Die Gilde der schwarzen Magier

Autor:  Trudi Canavan

Genre: Fantasy
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 400
Cover: © Club Bertelsmann

Begonnen: 15.02.2023
Beendet: 20.02.2023


Sonea lebt auf den Straßen von Imardin. Am Tag der Säuberung durchbricht sie mit einem Stein die Barriere der Magier und plötzlich wird sie von der Gilde gejagt. Kann es wirklich sein, dass sie magische Fähigkeiten besitzt? 

Im Fantasybereich habe ich leider noch immer nicht allzu viel gelesen, aber als ich den ersten Band dieser bekannten Reihe in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckte, wollte ich ihn unbedingt ausprobieren. Ich brauche etwas, um mich in der Welt zurechtzufinden, doch der einfache Schreibstil konnte mich schließlich gefangen nehmen. Die Ideen der Autorin, besonders was die Magie anbelangt, gefielen mir sehr.

Sonea ist eine interessante Protagonistin, die für mich allerdings zu wenig Persönlichkeit besaß. Als echte Rebellin habe ich sie nur am Anfang gesehen als sie noch ein stinknormales Mädchen auf der Straße war. Danach ist sie eigentlich nur noch auf der Flucht von einem Ort zum nächsten und wird im Grunde von den Menschen in ihrem Umfeld gelenkt.

Diese ewig andauernde Flucht vor der Gilde füllt mehr als die Hälfte des Buches aus, was dazu geführt hat, dass bei mir irgendwann die Luft raus war und ich gehofft habe, dass Sonea bald geschnappt wird. Die Gilde selbst empfand ich als spannenden Ort und die kleine Intrige am Ende hat es geschafft, dass ich die letzten hundert Seiten doch noch ganz gerne gelesen habe. Für mich war allerdings spürbar, dass es sich hier um ein Debüt handelt, bei dem die Handlung leider nur sehr langsam vorankommt. Die Story besitzt eine Menge Potenzial und ich hoffe mal, dass die Autorin in den Folgebänden etwas mehr Fokus auf die Charaktere und die Handlung gelegt hat.


Trudi Cananvan konnte mich zwar in ihre Welt hineinziehen, aber die ewig andauernde Flucht von Sonea hat mir das Lesen doch schwer gemacht und viel Durchhaltevermögen abverlangt. Mir kamen die Charaktere und die Handlung leider eine Spur zu kurz ...

Ich vergebe 3 von 5.




Montag, 6. März 2023

[Rezension] Mein Herz so schwarz - Jenny Blackhurst

 


Titel: Mein Herz so schwarz

Autor:  Jenny Blackhurst

Genre: Thriller, Psychothriller
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenzahl: 400
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 14.02.2023
Beendet: 17.02.2023



Evie stürzt sich am Tag ihrer Hochzeit von einer Klippe. Ihr Bräutigam ist verzweifelt, will sie aber - da ihre Leiche nicht gefunden wird - nicht aufgeben. Nur ihre beste Freundin Rebecca scheint mehr über ihre dunkle Vergangenheit zu wissen und versucht nun, sich endlich von Evie zu lösen. Doch dann bekommt sie die erste Nachricht von ihr ...

Ich habe schon einige Psychothriller von Jenny Blackhurst gelesen, die mich allesamt sehr gut unterhalten haben. Auch "Mein Herz so schwarz" ist durch die kurzen, knackigen Kapitel von Anfang an sehr fesselnd. Nach und nach erfährt der Leser mehr über Evies Vergangenheit während es in der Gegenwart um die aufopferungsvolle Rebecca geht, die Richard tröstet und zeitgleich seltsame Nachrichten bekommt.

Von Anfang an steht die Frage, ob Evie wirklich tot ist, im Zentrum dieses Psychothrillers. Durch die Cliffhanger konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und wollte unbedingt wissen, wie sich das ganze Puzzle zusammensetzen lässt. Der einzige Schwachpunkt ihrer Werke ist allerdings auch hier stark ausgesprägt, denn Vieles ist leider zu offensichtlich. So war das Ende keine allzu große Überraschung für mich. Gefallen hat mir die gesamte Geschichte aber dennoch und es war bestimmt nicht mein letztes Werk der Autorin.




Jenny Blackhurst erzeugt mit ihren Psychothrillern durch die kurzen Kapitel einen unglaublichen Sog. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und wollte unbedingt wissen, was mit Evie passiert ist. Einzig die Tatsache, dass sich die Auflösung schon früh abzeichnet, trübt das Lesevergnügen ein klein wenig ...

Ich vergebe 4 von 5.





Samstag, 4. März 2023

[Rezension] Herr Jensen steigt aus - Jakob Hein

 


Titel: Herr Jensen steigt aus

Autor:  Jakob Hein

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 144
Cover: © Piper

Begonnen: 13.02.2023
Beendet: 15.02.2023


Herr Jensen arbeitet bei der Post und ist mit sich und der Welt zufrieden. Doch dann verliert er seinen Job und weiß plötzlich nichts mehr mit sich anzufangen. Immer bewusster nimmt er Dinge wahr, die er zuvor nicht gesehen hat und erkennt, dass er auf keinen Fall in das System zurück will.

Im letzten Jahr habe ich mein erstes Buch von Jakob Hein gelesen und war fasziniert von seinen tiefgründigen Beobachtungen. Auch hier steht wieder ein Mann am Rand der Gesellschaft im Fokus. Herr Jensen hat sich immer irgendwie durchgemogelt und hatte - so wie fast alle Menschen - einen geregelten, wenngleich auch sterbenslangweiligen Tagesablauf. Als er seinen Job verliert und vom Arbeitsamt in eine Maßnahme gesteckt wird, beginnt er, über das System nachzudenken ...

Tragisch und doch mit einer gewissen Komik beschreibt der Autor einen Menschen, der überall aneckt und nirgends reinzupassen scheint. Es war also kein Wunder, dass ich mich mit Herr Jensen identifizieren konnte. Genau wie er habe ich mich aus der Gesellschaft verabschiedet und daher konnte ich seine Abkapselung verstehen, empfand es aber als etwas schade, dass er mit seiner freien Zeit nicht wirklich etwas anzufangen wusste. Er wirkt von der ersten bis zur letzten Seite sehr leidenschaftslos. Hier hätte ich mir doch noch eine Entwicklung gewünscht, denn dieser ganze Zwang und die Abhängigkeit waren für mich beim Lesen nur schwer auszuhalten.

Einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlässt das ziemlich abrupte Ende, das wieder einmal das Gefühl aufkommen lässt, dass der Autor seine Protagonisten nur für einen kurzen Moment beobachtet und sie dann fallen lässt. Während ich die Kürze in "Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht" passend fand, hat mir hier zum Ende noch irgendwas gefehlt.




"Herr Jensen steigt aus" ist die tragische und zeitgleich sehr humorvolle Geschichte eines Mannes, der einfach genug von dem deutschen System hat, aber eine gewisse Abhängigkeit und einen Zwang zu spüren bekommt. Lesenswert, auch wenn das Buch unfassbar bitter ist ...

Ich vergebe 4 von 5.





Donnerstag, 2. März 2023

[Rezension] Himalaja: Mit dem Fahrrad durch Nepal, Kaschmir und Sikkim - Bettina Selby

 


Titel: Himalaja: Mit dem Fahrrad durch Nepal, Kaschmir und Sikkim

Autor:  Bettina Selby

Genre: Bericht
Erscheinungsjahr: 2001
Seitenzahl: 298
Cover: © Piper

Begonnen: 10.02.2023
Beendet: 13.02.2023


Bettina Selby legt auf einer abenteuerlichen Tour 8000 auf ihrem Fahrrad zurück. Dabei fährt sie von Karatschi durch Indien, Pakistan und Nepal. Sie beschreibt die Gefahren, die positiven Begegnungen und die Hilfe, die sie unterwegs bekommt ...

Ich liebe die Berichte von Menschen, die auf außergewöhnliche Ideen kommen und sich einen Traum erfüllen. So hat mich Bettina Selby und ihr eiserner Wille als Frau mit dem Fahrrad allein durch fremde Kulturen zu reisen, stark beeindruckt. Allerdings habe ich beim Lesen doch festgestellt, dass sie sich im Grunde nur von Ort zu Ort und damit auch von Unterkunft zu Unterkunft gehangelt hat und eben auch sehr viele Unterstützung bekam.

Gefreut hatte ich mich auf die Beschreibungen der Natur, die in ihrem Bericht allerdings leider viel zu kurz kommen. Die Bilder in der Mitte des Buches zeigen vorwiegend Menschen. Auch hier es es schade, dass der Leser gerade vom Titelgebenden Himalaja nichts zu sehen oder zu spüren bekommt. Im Grunde geht es nur um die Menschen, die sie trifft, ums Essen und um die Hygiene in den einzelnen Unterkünften.

Gut beschreibt sie, wie Männer in den einzelnen Kulturen den Frauen überlegen sind. Allerdings bekam sie beinahe an jedem Ort als Engländerin eine Vorzugsbehandlung. Wie ein großes Abenteuer kam mir dieses Buch daher leider nicht vor. Es fehlte die persönliche Note, ja, auch eine echte Verbindung zu ihrem Fahrrad war für mich nicht spürbar, da sie doch oft auf andere Verkehrsmittel umgestiegen ist und gar nicht so klar wurde, wie viel Kilometer sie da pro Tag überhaupt hinter sich gebracht hat. Von daher muss ich leider sagen, dass mich dieser Reisebericht doch über weite Teile gelangweilt hat ...


Bettina Selby ist sicherlich eine sehr spannende Persönlichkeit, allerdings fehlte es mir bei diesem Reisebericht doch an Gefühl. Es war im Grunde nur die Beschreibung fremder Kulturen, des Essens und der mangelnden Hygiene. Die Natur und auch das Fahrradfahren kommt viel zu kurz ...

Ich vergebe 3 von 5.