Dienstag, 4. September 2018

[Rezension] Breakdown - Sie musste sterben. Und du bist Schuld - B. A. Paris

Titel: Breakdown - Sie musste sterben. Und du bist Schuld 
Autor: B. A. Paris
Genre: Thriller, Psychothriller
Erscheinungsdatum: 20. August 2018
Anzahl der Seiten: 448
Cover und Inhaltsangabe © Blanvalet

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!



"Es ist dunkel, ein Unwetter tobt und die junge Lehrerin Cass will so schnell wie möglich nach Hause. Als sie auf der verlassenen Landstraße ein parkendes Auto sieht, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung. Sie steigt nicht aus, um der Fahrerin Hilfe anzubieten. Sie fährt weiter. Am nächsten Tag erfährt sie, dass die Frau in ihrem Auto ermordet wurde. Und nicht nur das: Cass kannte das Opfer. Von Schuldgefühlen geplagt, fragt sie sich, ob sie die schreckliche Tat hätte verhindern können. Dann erhält sie plötzlich anonyme Anrufe – am anderen Ende nur bedrohliches Schweigen. Ist der Mörder jetzt auch hinter Cass her?"




"Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet" war im vergangenen Jahr eins meiner Highlights im Thriller-Bereich. Kein Wunder also, dass ich auch das neue Buch der Autorin schon sehnlichst erwartet habe.

Wie in ihrem großen Debüt gibt die Autorin in "Breakdown - Sie musste sterben. Und du bist Schuld" tiefe Einblicke in die Psyche ihrer Protagonistin. Sehr eindringlich beschreibt sie hier das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren - die Kontrolle über den eigenen Verstand.

Ich liebe den sehr eindringlichen Schreibstil von B. A. Paris, denn ich habe mich auch hier wieder so gefühlt, als wäre ich hautnah dabei, ja, als würde ich selbst den Verstand verlieren.




- Cass -

Cass ist eine sehr sympathische Frau, die eigentlich ein sehr zufriedenes Leben führt. Sie hat einen Mann, der sie liebt, einen guten Job. ein ruhig gelegenes Haus, ausreichend Geld und tolle Freunde. Alles ändert sich jedoch schlagartig, als sie nachts eine einsame Straße durch den Wald entlangfährt und im Regen eine Frau in einem anderen Auto sitzen sieht. Statt ihr zu Helfen, fährt sie aus Angst weiter und muss am früheren Morgen dann erfahren, dass die Frau ermordet wurde und zudem keine Unbekannte war.

Hier erleben wir nun mit, wie Cass sich selbst die Schuld gibt und sich selbst verliert. Urplötzlich gerät ihr Leben aus den Fugen, sie vergisst, dass sie Freunde eingeladen hat, bestellt ohne sich daran erinnern zu können Dinge und kann irgendwann auch die Geräte in ihrem Haus nicht bedienen. Leidet sie etwa wie ihre Mutter einst an Demenz?

Die Autorin lässt sich viel Zeit, dem Leser Cass näher zu bringen und ich hatte beim Lesen tatsächlich schreckliches Mitleid mit ihr. Ein tolles Stilmittel ist hier, dass die Autorin den Leser ebenso verwirrt, denn bei vielen Unterhaltungen, an die sich Cass scheinbar später nicht mehr erinnert, sind wir dabei und können so selbst nicht unterscheiden, ob Cass nun wirklich den Verstand verliert oder ob da doch etwas Anderes dahinter steckt!




Sehr atmosphärisch beschreibt die Autorin bereits im ersten Kapitel das große Unglück, das der Auslöser für die gesamte Geschichte sein soll. Her nimmt Cass die Abkürzung durch den Wald. Es regnet, es ist dunkel und Cass will eigentlich nur so schnell wie möglich nach Hause. In einer Haltebucht sieht sie plötzlich ein Auto in dem eine Frau sitzt. Sie hält kurz an, doch traut sich nicht, aus dem Auto zu steigen und fährt schließlich weiter ...

Am nächsten Morgen verändert sich das Leben von Cass schlagartig. Die Frau, die sie im Auto gesehen hat, wurde ermordet und es ist zudem jemand, den sie kannte. Urplötzlich geschehen auch in ihrem Umfeld unheimliche Dinge. So klingelt dauernd das Telefon, Sachen werden in ihren Haus umgestellt und sie hat das Gefühl, dass es jemand auf sie abgesehen hat. Hier hatte ich beim Lesen tatsächlich des öfteren eine Gänsehaut, so gruselig fand ich die Atmosphäre, wenn Cass wieder einmal allein in ihrem Haus ausharren musste.

Die Geschichte entwickelt sich recht langsam, dafür bekommen wir aber einen tollen Einblick in die Gedankenwelt unserer Protagonistin, die hier nicht nur mit ihren Schuldgefühlen kämpfen muss, sondern auch mit ihrer Angst, den Verstand zu verlieren. Bald stellt sich hier nämlich heraus, dass Cass anfängt, Dinge zu vergessen. Ist daran nur der Stress Schuld? Oder steckt da mehr dahinter?

Ich fand das Buch durchwegs fesselnd, auch wenn der größte Teil der Handlung aus der zunehmenden Verwirrtheit der Protagonistin besteht. Dafür hat es B. A. Paris auch hier geschafft, dass ich mit Cass gelitten habe. Allerdings gibt es hier einen ganz großen Kritikpunkt: Die Auflösung ist eigentlich schon zu Beginn abzusehen. Ich muss hier ganz ehrlich sagen, dass ich das Ende bereits nach gut einem Drittel durchschaut habe, ich das Buch dennoch verschlungen habe, um zu wissen, ob ich denn wirklich richtig liege.

Das Ende weiß nicht direkt zu überraschen, aber schockiert hat es mich trotzdem. Mich hat es hier tatsächlich sehr mitgenommen, wie bösartig Menschen doch sein können. Genau wie bei "Saving Grace" geht es hier im Fokus auch eher darum, am Ende für Gerechtigkeit zu sorgen, ja, als Leser wollte ich nur eins: Das Buch mit dem Gefühl der Genugtuung zuschlagen!

"Breakdown" hat mich auch hier gut unterhalten, an das Debüt der Autorin reicht es allerdings nicht heran. Dafür besitzt das Buch leider zu wenig Überraschungen und macht sich auch zu sehr vom Zufall abhängig, was für mich leider immer ein Zeichen von Schwäche innerhalb der Story ist. Cass selbst findet die Wahrheit nämlich erst raus, als der Zufall ihr diese in die Hände spielt. Etwas mehr Eigeninitiative hätte der Protagonistin hier ganz gut getan ...




"Breakdown - Sie musste sterben. Und du bist Schuld" reicht nicht direkt an das Debüt der Autorin heran, besitzt aber dennoch seine Stärken. Besonders die tiefen Einblicke in die Psyche unserer Protagonistin und die teilweise echt unheimliche Atmosphäre haben dafür gesorgt, dass ich das Buch förmlich verschlungen habe. Nur die Auflösung war leider von Anfang an klar, was natürlich das Ende abgeschwächt hat ...

Samstag, 1. September 2018

[Monatsrückblick] Mein Lesemonat August

Der August war für mich buchtechnisch wieder einmal ein sehr düsterer Monat. Neben der Leserunde zu "In einer kleinen Stadt" von Stephen King, die natürlich ein echtes Highlight war, gab es einige Thriller und Krimis, die mich mal mehr und mal weniger überzeugen konnten!

Insgesamt habe ich im August gar nicht einmal so viele Bücher geschafft, dafür waren aber wieder ein paar sehr tolle Werke dabei. Leider gab es aber auch ein paar Bücher, die mich nicht fesseln konnten und leider eins, das ich abbrechen musste. Ich bin aber dennoch zufrieden!

Ich habe 6 Bücher gelesen und 1 Buch abgebrochen.

- Thriller/Krimi -

Der Süße Wahn - Patricia Highsmith
Eiskalte Freundschaft - Ich werde nie vergessen - Laura Marshall (4 von 5)
Seelenspiel - Tarryn Fisher (3 von 5)

- Roman -

Ein feiner dunkler Riss - Joe R. Lansdale (4 von 5)
Vox - Christina Dalcher (2 von 5)

- Horrorroman -

In einer kleinen Stadt - Stephen King (5+ von 5)

- Abgebrochen -

Hinter verschlossener Tür - Marybeth Mayhew Whalen





Da es in diesem Monat für mich keinen weiblichen Lieblingscharakter gab, muss ich gleich zu
Cover © Heyne
meinem männlichen Lieblingscharakter kommen. Ich kann mich hier nicht so recht zwischen Leland Gaunt  und Alan Pangborn entscheiden. Beide stammen aus "In einer kleinen Stadt" von Stephen King. Während Leland Gaunt das Böse nach Castle Rock bringt, versucht Alan, der Sheriff, es zu bekämpfen. Ich fand beide Seiten interessant. Leland Gaunt als Bösewicht hat mir unfassbar gut gefallen, auf der anderen Seite habe ich natürlich auch mit Alan mitfiebern können. Bei diesem Buch stand ich tatsächlich zwischen den Stühlen!




Hier muss ich tatsächlich noch einmal "In einer kleinen Stadt" nennen. Leland Gaunt, der in Castle Rock sein Geschäft namens "Needful Things" eröffnet, verbreitet von Anfang an eine sehr gruselige Atmosphäre. Alles in seinem Laden hat seinen Preis und die Leute, sogar ein kleiner Junge, scheinen bereit, ihn zu bezahlen. Besonders geschockt zurückgelassen hat mir hier Brians Geschichte. Daran werde ich hier tatsächlich noch länger denken müssen!


Cover © Suhrkamp



Diesen hatte ich mit "Ein feiner dunkler Riss"von Joe R. Lansdale. Ich musste hier keine Tränen vergießen, aber die Diskriminierung und Unterdrückung der Menschen hat mich hier tatsächlich mitgenommen. Das Buch spielt in den 50er Jahren und der Rassismus andersfarbigen Menschen gegenüber war hier sehr gut spürbar. Es hat mich wieder einmal echt traurig gemacht, wie oberflächlich Menschen doch sein können ...


Cover © Diogenes


Diesen hatte ich auf jeden Fall mit "Der süße Wahn" von Patricia Highsmith. Ich konnte mit David, der hier um die Liebe einer Frau kämpft, gut verstehen. Es war faszinierend zu
sehen, in was für eine verzwickte Lage er gerät und wie schlussendlich das Lügennetz in sich zusammenfällt!


Cover © S. Fischer



"Vox"von Christina Dalcher war für mich eigentlich ein großer Flop. Dennoch muss ich die Grundidee an dieser Stelle loben, denn die Autorin spricht ein Thema an, das leider immer noch
aktuell ist: Die Unterdrückung der Frauen. Was, wenn es eine Welt gäbe, in der Frauen nur noch 100 Worte am Tag von sich geben dürfen? Wenn ihnen alles, wirklich alles, genommen wird?

Leider wird im Buch selbst die Botschaft nicht so recht herübergebracht. Das Buch beginnt mit diesem Gedankenspiel, setzt es allerdings nicht fort und verwandelt sich schließlich in einen simplen Wissenschaftsthriller mit einem echt lahmen Ende. Die Grundidee ist hier genial, die Umsetzung leider nicht ...

Und wie sah euer Lesemonat aus? Seid ihr zufrieden?



Donnerstag, 30. August 2018

[Rezension] Der süße Wahn - Patricia Highsmith

Titel: Der süße Wahn
Autor: Patricia Highsmith
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: 1974
Anzahl der Seiten: 268
Cover und Inhaltsangabe © Diogenes




"Seit der Heirat seiner ehemaligen Freundin Annabelle führt der Chemiker David Kelsey ein Doppelleben. Unter falschem Namen hat er sich ein Haus gemietet, in dem er ohne Wissen seiner Freunde die Wochenenden verbringt. Hier hat er sich eine Traumwelt aufgebaut, in der er sich einbildet, mit Annabelle zusammenzuleben. Eines Tages erscheint Annabelles Mann im Wochenendhaus, um Kelsey zur Rede zu stellen."




"Der süße Wahn" ist mittlerweile mein dritter Krimi von Patricia Highsmith und ich bin nach wie vor mehr als angetan von ihren Werken. Wir betrachten hier nämlich nicht die Tätersuche, sondern sind hautnah dabei, wie ein Mensch in eine Tat getrieben wird.

Wie bereits in meinen anderen Rezensionen erwähnt, geht es hier wieder einmal um das "Whydunit", also das "Warum" hinter einer Tat. Zwar gibt es auch Polizeiarbeit, aber die läuft für den Leser nicht sichtbar im Hintergrund ab, was absolut mein Geschmack ist, denn ich tue mich mit Ermittlergeschichten recht schwer! (Ich glaube, das brauche ich auf diesem Blog nun nicht mehr erwähnen!)

Auf jeden Fall begleiten wir in "Der süße Wahn" wieder mal einen recht sympathischen jungen Mann, der aus der Ferne zusehen muss, wie die Liebe seines Lebens nun mit jemand anderen verheiratet ist. Er zieht sich in einen regelrechten Wahn zurück, der ihm und auch den Menschen in seinem Umfeld nicht besonders gut tut! Patricia Highsmith hat hier wieder einmal einen sehr vielschichtigen Charakter erschaffen, mit dem der Leser, trotz einiger krankhafter Züge, doch mitfiebert.




- David Kelsey -

Im Mittelpunkt der Geschichte steht David, ein augenscheinlich "normaler" junger Mann, der bei den meisten Leuten in seinem Umfeld recht beliebt ist. David selbst hat allerdings ein großes Geheimnis: Er kämpft noch immer um seine große Liebe, obwohl diese längst verheiratet ist und ihn eigentlich nur noch als guten Freund ansieht.

David hat sich ein Wochenendhaus gekauft. Hier stellt er sich vor mit seiner geliebten Annabelle zu leben und verliert sich so in einen "süßen Wahn". Er lässt nicht locker, schreibt Annabelle unzählige Briefe, besucht sie und bettelt sie förmlich, direkt vor der Nase ihres neuen Mannes, an, zu ihm zurück zu kommen.

Ich konnte mich in David sehr gut hineinversetzen. Patricia Highsmith hat mit ihm wieder einen sehr vielschichtigen Charakter geschaffen, der nicht unbedingt dem Bild des "normalen Täters" entspricht. Es war interessant und spannend, an seiner Seite zu kämpfen, obwohl schnell klar ist, dass ein Sieg nahezu aussichtslos aus.




Patricia Highsmith gehört momentan zu meinen liebsten Krimi-Autorinnen, einfach weil ihre Bücher nicht dem typischen Muster entsprechen und nicht die Tat selbst in den Fokus rücken, sondern die Motivation dahinter. In "Der süße Wahn" geht es um eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art, eine Liebe, die hier nämlich kein Happy End zu haben scheint.

David sieht nur eine Frau an seiner Seite: Annabelle. In seiner Vorstellung idealisiert er sie, macht sie zu dem einzigen Menschen, mit der glücklich sein kann. Das sie längst verheiratet ist, ja, dass er seine Chance vertan hat, ignoriert er gekonnt.

Hier muss man allerdings erwähnen, dass auch Annabelle recht zwiegespalten erscheint. Liebt sie ihren Ehemann wirklich? Und möchte sie tatsächlich, dass David auf Abstand geht? Für mich wurde es hier nicht deutlich, denn sie sagt nie klar und deutlich, dass David verschwinden soll. Kein Wunder also, dass dieser sich weiterhin Hoffnungen macht. In dieser Hinsicht konnte ich ihn vollkommen verstehen.

In Effie und Wes hat David noch zwei Freunde, die von Anfang an eigentlich immer für ihn da sind, die ihn vor dem Wahn, in den er sich begibt, beschützen wollen, es aber leider nicht schaffen. Besonders Effies Rolle in dem Ganzen ist furchtbar tragisch, denn es wird deutlich, dass sie mehr für David empfindet. Ironisch ist hier natürlich, dass David damit genau so reagiert wie Annabelle ihm gegenüber. Er stößt Effie nicht von sich, sondern gibt ihr Hoffnungen, obwohl es überhaupt keine Chance auf Glück gibt - für niemanden.

Natürlich gibt es hier auch eine Tat, die David dazu veranlasst ein Netz aus Lügen zu errichten. Leider verliert er sich irgendwann selbst darin, denn die Wahrheit blitzt an einigen Stellen durch. Hier habe ich wirklich mitgefiebert, war mit der Aussichtslosigkeit seiner Situation aber durchaus bewusst. Das Ende war wieder einmal recht typisch für Highsmith und ich habe es genau so erwartet. Dennoch war dieser Krimi durchwegs fesselnd, es ist ihr wieder einmal gelungen, die "Täter"-Sicht glaubhaft herüberzubringen. So glaubhaft, dass ich als Leser moralisch gesehen vermutlich auf der falschen Seite stand ...




Mit "Der süße Wahn" ist Patricia Highsmith ein sehr verstörender Krimi gelungen, der den Leser in die Gedankenwelt eines liebeskranken Mannes entführt. Sehr eindringlich beschreibt sie hier ein augenscheinlich "normales" Leben, dass durch eine winzige "Fehlentscheidung" aus den Fugen gerät.
Mich konnte die Geschichte wieder voll und ganz überzeugen und ich freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin!










Montag, 27. August 2018

[Rezension] Vox - Christina Dalcher

Titel: Vox 
Autor:  Christina Dalcher
Genre: Roman, Dystopie
Erscheinungsdatum: 15. August 2018
Anzahl der Seiten: 400
Cover und Inhaltsangabe © S. Fischer




"Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.

Das ist der Anfang.

Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt."




"Vox" ist der sehr gesellschaftskritische und dystopische Debütroman der amerikanischen Autorin Christina Dalcher. Dass es ein Erstlingswerk ist, wird hier schnell klar. Während zu Beginn der Geschichte noch ein gewisser Enthusiasmus vorhanden ist und der Leser sehr kritisch diese Regeln der "neuen" Welt betrachten darf. verliert sich der restliche Roman in den typischen Klischees und in einer, meiner Meinung nach, leider viel zu konstruierten Geschichten.

Irgendwann war mir der Schreibstil der Autorin zu distanziert, was mit Sicherheit auch daran lag, dass die Charaktere allesamt sehr sonderbar agieren. Hier ein Zufall, da eine Wendung, die irgendwie nicht zu den vorherigen Ereignissen passt, und schon ist hier eine typische Geschichte mit einer Gruppe Rebellen, die das System stürzen will. Das letzte Drittel des Buches verwandelt sich zudem in einen regelrechten Wirtschaftsthriller und ist sehr anstrengend zu lesen ...



- Jean -

Ich hätte mir, für eine Geschichte, die um die Unterdrückung der Frauen handelt, tatsächlich eine sehr starke, selbstbewusste Frau als Protagonistin gewünscht, die nach und nach erkennt, was in dieser Welt so vor sich geht.

Jean ist selbstbewusst, ja, aber hat durch einen gewissen Egoismus auch furchtbar unsympathisch auf mich gewirkt. So hat sie zwar eine Familie, ist natürlich aber nicht zufrieden und ist dann irgendwann sogar bereit, auch ihre Kinder aufzugeben.

Nicht nur, dass sie selbst sich trotz der ganzen Gesetze, sämtliche Freiheiten nimmt, sie verletzt damit im Grunde auch noch die Menschen, die sie eigentlich lieben sollte ... Das war etwas, das ich absolut nicht verstehen konnte ...

Leider steht Jean im Zentrum der Geschichte. Zwar muss sie sich auch ihren eigenen Fehlern stellen, aber es wirkt nicht so, als hätte sie am Ende irgendwas gelernt. Die Botschaft dahinter in Verbindung mit dem Feminismus, der hier immer wieder angesprochen wird, fand ich vollkommen deplatziert. Denn Gleichberechtigung bedeutet sicher nicht, sich über alle anderen Menschen zu stellen, nein, es sollte eigentlich um ein gleichberechtigtes und respektvolles Miteinander gehen ...




Die Thematik von "Vox" hat mich furchtbar fasziniert, denn wir leben tatsächlich noch immer in einer Zeit, in der Männer und Frauen noch lange nicht gleich behandelt werden. Deswegen fand ich es auch so wichtig, hier zu sehen, in welche negativen Richtungen sich solch eine Diskriminierung entwickeln kann.

Frauen haben in der Welt von "Vox", die von der Kirche und der Politik gesteuert wird, keinerlei Rechte mehr. Durch ein Armband, das sie tragen müssen und das ihre Worte zählt, wird ihnen ihre Stimme genommen.

Zu Beginn der Geschichte entführt uns Christina Dalcher in diese Welt, wir spüren am eigenen Leib, was es bedeutet, keine Stimme mehr zu haben. Besonders schrecklich fand ich es hier die Manipulation der Kinder und Jugendlichen. Zudem wird an Jean deutlich, dass sie eigentlich nichts mehr hat, was ihr wirklich Freude bereitet. Sie darf ihren Job nicht mehr ausführen, nicht lesen, nicht schreiben ... Sie soll im Grunde nur für ihre Familie da sein.

In Rückblenden erfahren wir zudem, wie es zu der ganzen Situation gekommen und wie die Frauen immer mehr aus der normalen Berufswelt und auch aus der Politik gedrängt werden. Hier wird auch wieder einmal angesprochen, wie wichtig es ist, Widerstand zu leisten, wenn die Politik versagt. Wir alle sind selbst verantwortlich für die Welt, in der wir leben und wir alle können einen Teil dazu beitragen, sie zu einem besseren Ort zu machen!

Leider verliert sich das Buch nach der wundervollen Einführung komplett. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, es gibt viele Zufälle und wir betrachten ausschließlich Jean, die leider eine sehr anstrengende Protagonistin ist. Hier hätte es eine starke Frau gebraucht, nicht so einen egoistischen Charakter, der eigentlich nur für sich selbst kämpft.

Ich weiß nicht, ob Gleichberechtigung hier bedeuten soll, alle Freiheiten zu haben und alles, ganz ohne Rücksicht auf Verluste, tun zu dürfen. Richtig wütend hat mich beispielsweise Jeans Beziehung zu ihren Kindern gemacht, die sie nur allzu bereitwillig zurückgelassen hätte, nur um selbst glücklich zu sein.

Allgemein empfand ich Jean als viel zu egoistisch. Ihr scheinen alle anderen Menschen egal zu sein, es geht ihr nur um ihr eigenes Glück. Auch ihre Untreue, die einen großen Platz im Buch einnimmt, fand ich als vollkommen unpassend und es hat mir den Lesespaß leider noch weiter verdorben. Auch die Erotik, die nichts zur Handlungs beigetragen und doch recht vulgär wirkte, passte einfach nicht zur Botschaft. Bedeutet Freiheit also, Menschen einfach verletzten zu dürfen? Sich über andere zu stellen?

Auch die Wendungen fand ich teilweise nicht nachvollziehbar. Aus böse wird plötzlich gut, aus gut wird böse, ohne Begründung. Leider wirkte das Buch dadurch sehr konstruiert, als müsste es irgendwelche Überraschungen enthalten, die aber leider nicht wirklich logisch erscheinen.

Besonders die Geschichte von Jeans Ehemann war für mich nicht schlüssig, für sein Handeln gab es leider viel zu viele Widersprüche. Hinzu kommt dann das Ende, das ich tatsächlich, so leid es mir an dieser Stelle tut, grauenvoll fand. Während andere Dystopie sich viel Zeit mit dem Aufbau einer Widerstandsgruppe lassen, ja, während dort die Rebellion erst einmal Wellen schlagen muss, ist hier auf einmal alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen? Nein, das ging für mich gar nicht ... Das Ende und auch die unlogischen Wendungen und Handlungen der Personen haben das Buch und leider auch die Botschaft dahinter komplett zerstört ...




"Vox" von Christina Dalcher greift ein sehr wichtiges Thema auf, verwandelt sich irgendwann dann durch zahlreiche unlogische Wendungen beinahe schon in einen Wirtschaftsthriller, der am Ende seine gesamte Glaubwürdigkeit verliert! Schade, denn auch die Botschaft zeigt hier leider nicht mehr die gewünschte Wirkung ...






Samstag, 25. August 2018

[Rezension] Ein feiner dunkler Riss - Joe R. Lansdale

Titel: Ein feiner dunkler Riss
Autor:  Joe R. Lansdale
Genre: Roman, Krimi
Erscheinungsdatum: 12. März 2012
Anzahl der Seiten: 352
Cover und Inhaltsangabe © Suhrkamp




"East Texas, 1958. Bis vor Kurzem glaubte der dreizehnjährige Stanley noch an den Weihnachtsmann. Im Laufe eines einzigen heißen Sommers erfährt er jedoch mehr über die wirkliche Welt jenseits seiner Superheldencomics und des elterlichen Autokinos, als ihm lieb ist.

Stans Spielkamerad Richard wird zu Hause verprügelt; die schwarze Küchenhilfe Rosy lebt bei einem gewalttätigen Mann; und selbst Stans Vater wird gern handgreiflich, wenn es die Familie zu verteidigen gilt beispielsweise gegen übereifrige Verehrer von Stans kecker siebzehnjähriger Schwester Callie. Und dann gibt es da noch die faszinierenden alten Geschichten um ein Spukhaus auf dem Hügel, einen kopflosen Geist am Bahndamm und zwei in ein und derselben Nacht ermordete Mädchen. Stan beginnt Detektiv zu spielen, stets begleitet von seinem treuen Hund Nub, und außerdem mit Rat und Tat unterstützt von dem mürrischen schwarzen Filmvorführer und Ex-Polizisten Buster."




Durch eine liebe Bloggerkollegin, die bereits total begeistert von Joe R. Lansdale ist, bekam ich dieses Buch zugeschickt. Schon lange wollte ich ein Buch von ihm lesen, denn immer wieder habe ich gehört, dass er einen ganz eigenen, sehr atmosphärischen Schreibstil besitzt. Das kann ich nun, nach dem Lesen, nur bestätigen.

Schon nach wenigen Seiten habe ich eine wahre Zeitreise ins Jahr 1958 gemacht. Mich erwartete ein heißer Sommer voller Abenteuer an der Seite eines Jungen, der gerade dabei ist, erwachsen zu werden. Sehr kritisch betrachtet er Autor zudem die Probleme der damaligen Zeit und lässt den Leser die Diskriminierung der Farbigen und auch die Unterdrückung der Frauen am eigenen Leib spüren.




- Stanley -

Wir begleiten hier den 13-Jährigen Stanley, der gerade erst in die Pubertät kommt und vom echten Leben noch keine Ahnung hat. So versteht er beispielsweise nicht, wieso seine Schwester Callie Hausarrest bekommt, als ihr Vater einen seltsamen, gefüllten "Ballon" in ihrem Zimmer findet.

Durch den Fund einer Kästchens, in dem sich Briefe befindet, wird er im Laufe der Geschichte zum jungen Sherlock Holmes. Dabei muss er aber auch verstehen, wie die Welt, in der er lebt, funktioniert. Nichtsdestotrotz hört Stanley hier aber auf sein eigenes Bauchgefühl, freundet sich mit der farbigen Küchenhilfe Rosy und dem ebenfalls dunkelhäutigen Ex-Polizisten Buster an. Das habe ich an ihm geliebt, denn obwohl die Gesellschaft ihm etwas anderes vorzuschreiben versucht, macht er einfach das, was er für richtig hält.

Gemeinsam mit seinem freuen Hund Nub, den ich übrigens auch in mein Herz geschlossen habe, muss Stanley hier nicht nur die Wahrheit über einen viele Jahre zurückliegenden Doppelmord herausfinden, sondern auch die Menschen beschützen, die er liebt!




Ich bin froh, endlich die Chance bekommen zu haben, ein Buch von Joe R. Lansdale gelesen zu haben. "Ein feiner dunkler Riss" ist dabei tatsächlich ein gutes Einsteigerbuch. Schon nach wenigen Seiten war ich in Texas der 50er Jahre angekommen. Schon allein die Atmosphäre, die das Autokino ausstrahlt, fand ich atemberaubend.

Die Geschichte selbst beginnt recht ruhig. Wir lernen erst einmal Stanley und seine Familie kennen, die ich tatsächlich alle in mein Herz schließen konnte. Stanleys Vater wirkte am Anfang doch recht streng, doch als Leser habe ich schnell gemerkt, dass es ihm doch nur darum geht, seine Familie zu beschützen.

Allgemein beschreibt der Autor hier erst einmal das damalige Zusammenleben. Ein erschreckendes Beispiel ist hier auch Stanleys bester Freund Robert, der von seinem Vater geschlagen wird. Robert selbst tat mir beim Lesen furchtbar leid, genau wie Rosy, die farbige Haushälterin, die es allerdings im Lauf der Handlung schafft, sich von ihrem gewalttätigen Mann zu befreuen.

Toll fand ich die Entwicklungen innerhalb Stanleys Familie. In erster Linie ist "Ein feiner, dunkler Riss" nämlich ein Roman, der auch Hoffnung spendet und auch zeigt, dass wir alle doch Menschen sind, ganz gleich welche Hautfarbe oder welches Geschlecht wir haben.

Die Krimihandlung, die bereits im Klappentext angeschnitten wird, steht lange Zeit nur im Hintergrund. Es scheint, als würde Stanley selbst nur wenig herausfinden und das, was schließlich offenbart wird, habe ich als Leser bereits erahnt. Erst nach und nach setzen sich einzelne Puzzleteile zusammen, aber das gesamte Bild bekommt der Leser schließlich nicht präsentiert. Dies wäre hier auch eine kleine Kritik, denn es gibt doch in Bezug auf die beiden toten Mädchen einige Fragen, die offen bleiben.

Auch wenn das Buch sehr ruhig erzählt ist, gibt es einige sehr dramatische Wendungen. Einige Abschnitte haben mir förmlich einen Schauer über den Rücken laufen lassen! Auf den letzten Seiten, in der berichtet wird was nach diesem Sommer noch alles passiert ist, musste ich tatsächlich ein paar Mal schlucken. Joe R. Lansdale hat es echt geschafft, dass ich Stanley, seine Familie und auch Buster und Rosy so sehr ins Herz geschlossen habe, dass ich hier ein paar Tränen vergießen musste. Jetzt bin ich auf jeden Fall auf weitere Geschichten des Autoren gespannt!




"Ein feiner dunkler Riss" von Joe R. Lansdale ist ein sehr atmosphärischer Roman über die Schattenseiten der 50er Jahre. Gemeinsam mit dem 13-Jährigen Stanley müssen wir nicht nur einen Mordfall aufklären, sondern auch die Ungerechtigkeiten dieser Welt verstehen und bekämpfen.


Donnerstag, 23. August 2018

[Abgebrochen] Hinter verschlossener Tür - Marybeth Mayhew Whalen

Titel: Hinter verschlossener Tür
Autor:  Marybeth Mayhew Whalen
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2017
Anzahl der Seiten: 332
Cover und Inhaltsangabe © Tinte&Feder



"Bis jetzt war Sycamore Glen die perfekte amerikanische Kleinstadt-Idylle: behütete Kinder, Familien, die sich ihr ganzes Leben lang kennen, freundliche Nachbarn, die sich gegenseitig helfen.

Doch als der Sommer anbricht, bekommt die schöne Fassade plötzlich Risse. Erst verschwindet ein kleines Mädchen spurlos. Dann ertrinkt um ein Haar vor den Augen aller ein Junge im Pool, dem Mittelpunkt des sonst so heiteren Gemeinschaftslebens. Und schließlich kehrt eine junge Frau mit ihren beiden Töchtern aus dem Norden zurück. Warum ist Jencey damals nach der High School aus Sycamore Glen geflohen und wo steckt jetzt eigentlich ihr Ehemann?

Allmählich beginnen sich die Bewohner immer mehr in dem Lügennetz zu verfangen, das sich seit Jahren von Gartenzaun zu Gartenzaun entsponnen hat."




Bei manchen Büchern merkt man schon nach wenigen Seiten, dass man einfach nicht warm wird mit der Geschichte. Nachdem ich in der letzten Woche "In einer kleinen Stadt" von Stephen King beendet hatte, hatte ich Lust über ein weiteres Buch über eine Kleinstadt. Während ich bei King keine Probleme mit der Vielzahl der Charaktere hatte, hat Marybeth Mayhew Whalens Roman mit förmlich erschlagen.

Es gibt hier schon zu Beginn viele Perspektivenwechsel. Es geht hier tatsächlich darum, als Leser hinter verschiedene verschlossene Türen zu spähen und die Wahrheit herauszufinden, die sich meistens nach außen hin überhaupt nicht ersichtlich ist.

Die ersten Seiten haben mir sehr gut gefallen haben, denn der Beginn mit der Spinne, die den Eingang des Freibades versperrt und sozusagen ein Unheilsverkünder ist, fand ich echt stark, doch dann bekommen wir leider erst einmal Einblicke in die Welt verschiedener Leute, die erst einmal nur ihren Alltag bewältigen.

Da ist beispielsweise die Frau, die kein Kind mehr bekommen möchte, ein Vater, der grenzenlos überfordert mit seinen Kindern ist und eine andere Frau, die in die Kleinstadt zurückkehrt. Das ist alles sehr interessant, doch irgendwie hatte ich bei jedem neuen Kapitel Probleme, herauszufinden, aus welcher Sicht es nun verfasst war.

Schon nach dem ersten Drittel lernen wir jede Menge Menschen kennen, die gefühlt aber nur Nebensächlichkeiten erzählen. Insgesamt muss ich sagen, dass mich die Geschichte bis zu diesem Punkt furchtbar gelangweilt hat. Es ist eigentlich nichts passiert, was mich irgendwie fesseln konnte (außer die besagte Spinne) und deswegen habe ich mich entschlossen, dieses Buch abzubrechen.

Wahrscheinlich habe ich die Wendungen, die andere Rezensenten bereits gelobt haben, damit verpasst, aber ich denke, es hätte für mich eh nicht funktioniert, da ich nicht das Gefühl hatte auch nur eine Person näher kennengelernt zu haben. Schade, aber manchmal liegt einem ein gewisser Schreibstil einfach nicht! Auf eine Bewertung werde ich an dieser Stelle natürlich wie gehabt verzichten!



Montag, 20. August 2018

[Rezension] Eiskalte Freundschaft - Ich werde nie vergessen - Laura Marshall

Titel: Eiskalte Freundschaft - Ich werde nie vergessen
Autor:  Laura Marshall
Genre: Thriller; Roman
Erscheinungsdatum: 18. Juni 2018
Anzahl der Seiten: 448

Cover und Inhaltsangabe © Blanvalet


"Die alleinerziehende Mutter Louise lebt ein ruhiges Leben mit ihrem kleinen Sohn Henry. Eines Abends, sie klickt sich gerade durch ihre Social-Media-Kanäle, pingt eine Nachricht auf: »Maria Weston möchte mit dir auf Facebook befreundet sein.« Louise ist gleichermaßen irritiert wie geschockt. Maria war eine Klassenkameradin – doch sie verschwand vor 25 Jahren spurlos. Zuletzt wurde sie am Abend der Schulabschlussfeier gesehen, und jeder geht davon aus, dass sie tot ist. Doch nun scheint sie zurück und scheut sich nicht davor, Louise für die dramatischen Ereignisse von damals verantwortlich zu machen …"



Laura Marshalls Debüt ist in erster Linie ein ruhig erzählter Roman. Er besitzt allerdings eine unterschwellige Spannung, die ich hier ganz passend fand. Zudem gibt es einige (leider immer noch) brandaktuelle Themen, die angesprochen werden und zum Nachdenken anregen.

Ich mochte den Schreibstil der Autorin, auch wenn sie meiner Meinung nach an einigen Stellen noch etwas tiefer hätte gehen können, um dem Buch einen gewissen Nachklang zu verleihen. Für ein Erstlingswerk ist dieses Buch aber gut gelungen!



- Luise -

Im Fokus der Geschichte steht die alleinerziehende Mutter Louise. So recht sympathisch war sie mir zwar nicht, aber dennoch konnte ich hier mit ihr mitfiebern. Nach und nach rollt die Autorin hier eine Story auf, die schon 1989, in der Schulzeit unserer Protagonistin, ihren Anfang nahm.

Louise war schon damals mehr eine Mitläuferin, die nie irgendwie den Mund aufgemacht hat und eigentlich nur "dazugehören" wollte. Aus diesem Grund wird sie nicht nur zum Beobachter, sondern schließlich auch zum Täter bei Mobbingattacken gegen eine Mitschülerin.

Da Mobbing bei mir ein sehr sensibles Thema ist, habe ich beim Lesen einen gewissen Hass Louise gegenüber entwickelt, denn ich hasse Mitläufer und Leute, die bei Unrecht einfach wegsehen!



"Eiskalte Freundschaft" von Laura Marshall pendelt zwischen der Gegenwart und Vergangenheit, dem Jahr 1989, hin und her. Der Leser erfährt hier nun erst einmal die Geschichte von Maria, die neu an die Schule kam und wohl dachte, in Louise eine echte Freundin gefunden zu haben. Blöd nur, dass Louise schon eine beste Freundin hat, die viel angesehener ist als Maria, die schnell zur Außenseiterin wird.


Das Thema Mobbing wird wohl leider immer aktuell bleiben und deswegen finde ich es wichtig, dass es auch immer wieder in Büchern angesprochen und auch die Folgen deutlich gemacht werden. In "Eiskalte Freundschaft" steht auch das Mobbing eines Mädchens im Zentrum des ganzen, ein Mobbing, das hier böse endet ...


2016 bekommt unsere Protagonistin Louise bei Facebook eine Nachricht der damals spurlos verschwundenen Maria. Alle gingen davon aus, dass diese gestorben sei, ja, dass sie sich selbst das Leben nahm. Kann es sein, dass Maria noch am Leben ist? Und das sie nun Rache möchte?


Obwohl die Geschichte hier sehr ruhig erzählt ist und auch keine großen Spannungsspitzen besitzt, weiß sie doch zu fesseln. Besonders die Einblicke in das Mobbing fand ich hier sehr interessant, denn es wird deutlich, wie sehr auch ein gewisser Gruppenzwang oft Schuld daran ist, dass Menschen ausgeschlossen werden.


Zum anderen greift die Autorin durch die Gegenwartssicht noch die Thematik der sozialen Netzwerke auf. Der gläserne Mensch lebt heute vorwiegend in einer Online-Welt. Wir verlieben uns über das Internet, teilen unser ganzes Leben mit weltfremden Personen und übersehen hier oftmals die Gefahren. Ebenfalls ein sehr wichtiges und auch ernstes Thema!


Als richtigen Thriller würde ich "Eiskalte Freundschaft" allerdings nicht bezeichnen. Teilweise besteht doch eine gewisse Distanz zu den "Opfern" und auch die "Wendung" am Ende bietet keine sonderlich große Überraschung. Dennoch ist es ein Buch, das zwei wichtige Themen aufgreift und zeitgleich eine interessante Geschichte strickt, die zum Nachdenken anregt!




"Eiskalte Freundschaft" von Laura Marshall ist ein Roman, der zwar sehr ruhig gehalten ist, durch die Thematik des Mobbings und der Frage, was damals wirklich passiert ist, aber zu fesseln weiß. Mich konnte dieser Debütroman auf jeden Fall überzeugen und ich bin gespannt, was als nächstes von der Autorin kommt!