Montag, 14. Januar 2019

[Rezension] Regulator - Richard Bachman

Titel: Regulator
Autor:  Stephen King als Richard Bachman
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. Dezember 1997
Anzahl der Seiten: 448
Cover und Inhaltsangabe © Heyne




"Ohne Vorwarnung tauchen in der Kleinstadt Wentworth die mörderischen »Regulatoren« auf und erschießen alles und jeden, der sich ihnen nähert. Aber mit dem Massaker beginnt das Grauen erst. Ausgerechnet ein kleiner Junge könnte die Stadt vielleicht retten.

Ein Parallelroman zu Stephen Kings »Desperation«."




Erst im letzten Monat hatten wir gemeinsam bei einer Leserunde "Desperation" gelesen und da uns TAK, das unheimlich "Monster", wirklich gegruselt hat, stand fest, dass wir so schnell wie möglich auch "Regulator" lesen wollen.

Dieser Roman spielt in einem Paralleluniversum und interessanterweise kommen die gleichen Personen mit ganz anderen Charakteren dahinter vor. Das war auch der erste Roman dieser Art, den ich bisher gelesen habe und ich fand es ungemein faszinierend, die vielen kleinen Andeutungen zu entdecken.

Vom Spannungsaufbau braucht "Regulator" im Gegensatz zu "Desperation" allerdings seine Zeit. Das liegt besonders an der Vielzahl von Charakteren, die zu Beginn eingeführt werden. Zwar geht es hier auch recht fesselnd zu, es fehlte für mich aber ein wenig die unheimliche Atmosphäre, die ich in "Desperation" so sehr geliebt habe!




Da in "Regulator" eine Unmenge Personen vorgenommen, muss ich diese hier zusammenfassen, da es auch keinen echten Protagonisten gibt. Bachman (King) betrachtet hier die Bewohner der Poplar Street und alle Namen, die auftauchen, kommen dabei auch in "Desperation" vor!

So ist zum Beispiel David, das "Gotteskind" plötzlich der Vater und seine Eltern sind seine Kinder. Bei einigen Charakteren gibt es zwar Parallelen, aber dennoch sind es hier vollkommen andere Personen. Das hat mir gut gefallen, erforderte aber, da "Desperation" bei mir noch nicht allzu lange zurückliegt, eine hohe Aufmerksamkeit. Natürlich hatte ich bei jedem Namen noch ein anderes Bild vor Augen ...

Dennoch führt Bachman (King) seine Charaktere auf angenehme Weise ein, denn wir fahren hier zusammen mit einem Zeitungsjungen durch die Straße und erfahren so, wer in welchem Haus wohnt. Dadurch braucht das Buch zwar einige Zeit, bis es Fahrt aufnimmt, aber durchhalten lohnt sich hier auf jeden Fall. Allerdings muss ich hier sagen, dass ich die Charakterzeichnungen in "Desperation" etwas tiefgründiger fand!




Mit sehr hohen Erwartungen haben wir uns TAK noch einmal bei einer gemeinsamen Leserunde gestellt. Dabei ging es dieses Mal nicht zentral in das verlassene Minenstädtchen Desperation, sondern in eine gut bewohnte Straße, in der urplötzlich ein Lieferwagen auftaucht und unschuldige Menschen erschießt.

Die ersten Morde passieren sehr schnell und es wird klar, dass die Anwohner der Poplar Street in großer Gefahr schweben. Da ich zu Beginn ein wenig mit den Charakteren überfordert war, brauchte ich einen Moment, um mich in die Geschichte reinzufinden. Mir fehlte, gerade zu Beginn, die unheimliche Atmosphäre von "Desperation". Zwar war die Geschichte hier sehr bedrohlich, aber irgendwie nicht wirklich gruselig.

Da wir hier eine Parallelwelt betreten, gibt es natürlich viele tolle Anspielungen, die das Lesen noch einmal zu etwas ganz Besonderes macht. Wer ganz genau liest, wird sich nicht nur durch die Namen der Charaktere immer mal wieder an "Desperation" erinnern.

Die Ideen, die Bachman hier einbaut, haben mir aber gut gefallen. So wird schnell klar, dass die Lieferwägen etwas mit einer Trickfilmserie namens MotoKops zu tun haben. Doch warum schießen sie auf unschuldige Menschen?

"Regulator" setzt dabei nicht unbedingt auf das "Mitfühlen", denn ich muss sagen, dass ich zu den einzelnen Charakteren hier keinen allzu großen Bezug aufbauen konnte. So gingen mir beinahe alle Tode nicht sonderbar nah, was ich ein wenig schade fand. Es fehlte mir irgendwie eine gewisse Nähe zu den Personen. Sie wurden zu schnell und für meinen Geschmack mit zu wenigen Hintergrundgeschichten eingeführt. Die Morde/Tode fand ich zwar grausam, aber im Gegensatz zu "Desperation" konnten sie mich nicht wirklich schocken.

Sehr originell schafft King hier ein neues Grauen, das von dem Monster/Dämon Tak ausgeht, das ja bereits in "Desperation" gemordet hat. Beim "Regulator" brauchte ich allerdings tatsächlich gut die Hälfte des Buches, um mich erst einmal richtig reinzufinden. Zum Glück schlägt Bachman (King) hier aber eine neue Richtung ein und beschreibt, wie das Grauen in die Poplar Street gekommen ist. Hier hatte ich auch endlich ein paar angenehme Gruselmomente, denn natürlich wird auch wieder die Mine thematisiert. Für mich ein echter Ort des Grauens!

Das Ende fand ich dann, ganz King-typisch, sehr passend. Ein paar Lacher gab es hier auch, vor allem, als Taks Achillesferse klar wird. Allerdings holt der Autor den Leser am Ende noch einmal auf den Boden der Tatsachen zurück und beweist noch einmal sein Talent, den Leser am Ende doch noch zu schocken. So hat mich das Ende dann tatsächlich berührt und ich werde auch dieses Buch, trotz anfänglicher Probleme, in angenehmer Erinnerung behalten!




Im Gegensatz zu "Desperation" hatte ich bei "Regulator" einige Zeit gebraucht, um wirklich komplett in der Geschichte anzukommen. Zu Beginn fühlte ich mich durch die Vielzahl an Personen etwas überfordert, irgendwann, als ein gewisser Strang eingeführt wurde, hat sich das aber gelegt und ich hatte tatsächlich ein paar tolle Gruselmomente! Zwar ist das Buch nicht so atmosphärisch wie "Desperation", aber durch Bachmans (Kings) originellen Einfälle doch etwas ganz Besonderes!

Samstag, 12. Januar 2019

[Leseprobe] "Rainfield High" - Jeidra Rainey

Heute gibt es für euch das erste Kapitel aus meinem neuen Roman "Rainfield High" und ich hoffe, ich kann euch ein wenig in den Bann von Mr. Leach und seiner allerletzten Physikstunde ziehen! :D

-1-
Die letzte Physikstunde


Collin McAdams saß in der langweiligsten Physikstunde seines Lebens. Wie so oft drifteten seine Gedanken ab und landeten wieder einmal bei Brooke Chavel. Die perfekte Brooke, die im Cheerleader-Team war und Collin jedes Mal, wenn er sie auf dem Schulflur sah, beinahe um den Verstand brachte.
Collin dachte an das Lächeln, das sie ihm am Morgen geschenkt hatte. Ihm ganz allein. Jedenfalls redete er sich das ein und ignorierte die Tatsache, dass der Basketballstar der Schule, Jason Vailer, zufällig gerade direkt neben Collin gestanden hatte.
Nein. Nein. Nein. Die eisblauen Augen von Brooke hatten eindeutig Collin fixiert. Sie hatten sich förmlich in ihn gebohrt, in seine Haut und in sein Herz. Es klang kitschig und sein bester Freund Liam würde ihn wahrscheinlich auslachen, aber genau so musste die erste Liebe sein.
Wenn sie mich doch nur jeden Tag so anschauen würde, dachte Collin, als plötzlich etwas Staubiges sein Gesicht traf. Oh nein, nicht schon wieder …
Collin hob den Kopf und schaute zu Mr. Leach, der direkt vor der Tafel stand und seinen Wurfarm noch angehoben hatte. Der alte Lehrer, der wie der Tod höchstpersönlich aussah, ließ sich von niemanden unterkriegen. Nicht von seinen Schülern und nicht vom Sensenmann.
Collin strich sich die Kreide aus dem Gesicht, den der widerliche Tafelschwamm dort hinterlassen hatte.
„Collin McAdams“, fauchte Mr. Leach wie eine Katze. Der Physiklehrer trat durch die Reihen und bäumte sich vor Collin auf. Er liebte es, seine Schüler zu maßregeln. „Du sollst gefälligst in meinem Unterricht aufpassen!“
Mr. Leach tolerierte nichts. Er war der strengste Lehrer an der Rainfield High, vielleicht sogar der strengste Lehrer der Welt.
In seinem Unterricht waren Handys verboten, niemand durfte etwas essen oder trinken und alle Schüler mussten stocksteif auf ihren Plätzen sitzen und nach vorne schauen. Wurde auch nur für eine winzige Sekunde der Blick gesenkt, bekam der Betroffene einen Schwamm oder ein Stückchen Kreide ins Gesicht.
Einmal hatte die schüchterne Judy Warren einen Hustenanfall gehabt. Dabei hatte sie sich an die Tischkante geklammert und sich zu allem Überfluss auch noch verschluckt. Das war zu viel für Mr. Leach gewesen, der ein solches Verhalten als mutwillige Störung seines Unterrichts ansah. Er hatte dem armen Mädchen, das in der ersten Reihe saß, ein Stück Kreide ins Gesicht geworfen. Mit voller Wucht. Natürlich hatte er, beabsichtigt oder nicht, ihr Auge getroffen, das sich daraufhin entzündet und Judy einen Teil ihrer Sehkraft geraubt hatte. Seitdem musste sie eine Brille tragen.
Collin biss sich auf die Innenseite seiner Wange. Jedem anderen Lehrer hätte er eine halbwegs schlagfertige Antwort verpasst oder wenigstens genervt die Augen verdreht, aber bei Mr. Leach traute er sich dies nicht. Es war lächerlich, aber er hatte Angst vor diesem alten Mann, der immer etwas gebückt ging und sein schütteres, graues Haar, schulterlang trug.
„Collin McAdams!“ Mr. Leach schlug auf einmal auf die Tischplatte. Nicht nur Collin zuckte zusammen, sondern auch die anderen Schüler der neunten Klasse. Keiner gab einen Ton von sich, ja, niemand traute sich auch nur zu atmen.
„Du hast gerade geschlagene zweiunddreißig Sekunden in irgendwelchen Tagträumen geschwelgt!“, stellte Mr. Leach mit gnadenloser Präzision fest. „Gefällt dir mein Unterricht etwa nicht? Oder bist du bereits mit sämtlichen Themenbereichen der Physik vertraut? Wenn ja, solltest du dein Wissen mit deinen Mitschülern teilen!“
Collins Herz begann laut zu schlagen. So laut, dass es der alte Lehrer, der sich nun auch noch zu ihm herunterbeugte, unweigerlich hören musste.
„E-es tut mir leid“, brachte Collin heiser hervor. Sein Mund war staubtrocken und seine Beine zitterten, so, wie sie es immer taten, wenn er nervös wurde.
„Das muss dir doch nicht leid tun!“, meinte Mr. Leach. „Für das eigene Wissen muss man sich nicht entschuldigen!“
Collin konnte den fauligen Atem des Physiklehrers riechen. Nur mit Mühe konnte er einen Würgereiz unterdrücken. Er durfte Mr. Leach nicht noch mehr verärgern.
Der Physiklehrer kam noch näher. Sein faltiges Gesicht wirkte wie eine unheimliche Maske. Collin sah die violetten Äderchen auf der Stirn und die tiefen Tränensäcke.
Dieser Mann hätte schon seit mindestens zehn Jahren im wohlverdienten Ruhestand sein können. Allerdings zog er es vor, seine restliche Lebenszeit mit jenen Schülern zu verbringen, die er eh verachtete. Diese Schule war sein Zuhause, der einzige Ort, an dem er existieren konnte.
Mr. Leachs dürre Hand wanderte nach oben, um Collins Gesicht zu packen. Reflexartig schloss Collin seine Augen. Ein Fehler, den er sofort bereute.
„Willst du etwa schon wieder in meinem Unterricht schlafen?“, fragte Mr. Leach aufgebracht. Seine heiße Spuke traf Collin an der Wange. „Ich hab von Anfang an gewusst, dass nichts in dir steckt. Du bist charakter- und womöglich auch seelenlos. Das zeigt uns ja schon deine Haarfarbe …“
Jetzt kam wieder diese Leier. Collins Eltern stammten aus Irland und von ihnen hatte er auch das landestypische rote Haar geerbt.
Collin riss die Augen wieder auf. Er wollte sie am liebsten nie wieder schließen.
Mr. Leach hatte sich den Tafelschwamm gegriffen, der an Collins mit Sommersprossen übersätem Gesicht abgeprallt war.
„Los!“, befahl der alte Lehrer. „An die Tafel mit dir!“
„I-ich …“ Collin klammerte sich verzweifelt an die Tischplatte. „Bitte, Mr. Leach … E-es tut mir leid …“
„An die Tafel!“, knurrte der Physiklehrer ihn an.
Collin schaute nach rechts und links. Seine Mitschüler saßen starr an ihren Plätzen und starrten nach vorne. Er war allein. Vollkommen allein. Ein einsamer Kämpfer, der einen fast hundertjährigen Mann besiegen musste. Ein Mann, der vermutlich sogar den letzten Weltkrieg miterlebt hatte.
Helft mir, flehte Collin stumm. Bitte! Helft mir doch!
Doch in den Gesichtern der anderen Neuntklässler war neben Angst pure Erleichterung zu erkennen. Jeder war froh, selbst nicht betroffen zu sein.
Collin spähte zur Tür. Die Tür, die Mr. Leach zum Stundenanfang stets verschloss, um Zuspätkommer zu betrafen. Sie wurden eiskalt von der Stunde ausgeschlossen und mussten zum Einzelunterricht erscheinen. Seit dem Schulbeginn gab es keinen einzigen Schüler, der auch nur eine Millisekunde zu spät gekommen war.
Collin war so verzweifelt, dass er sogar die Fenster betrachtete und abwägte, ob und mit welchen Verletzungen er einen Sprung aus dem zweiten Stock überleben würde.
„Collin …“ Mr. Leachs Geduldsfaden würde jeden Moment reißen.
Collin seufzte, erhob sich und verfrachtete seinen schlaksigen Körper nach vorne. Vor der Tafel blieb er kurz stehen und überflog die krakelige Schrift des Lehrers, um wenigstens einen Überblick darüber zu haben, um was es in dieser Stunde ging.
Das „Moseley-Gesetz“ stand ganz oben, darunter eine lange Formel, die Collin nicht verstand. Physik hatte ihm noch nie gelegen. Am liebsten hätte er den Kurs gewechselt, aber natürlich waren alle anderen naturwissenschaftlichen Fächer längst überfüllt.
„Du kannst uns doch sicher sagen, welchen überaus wichtigen wissenschaftlichen Beitrag der Physiker Henry Moseley geleistet hat!“ Mr. Leachs Stimme triefte nur so vor Verachtung. „Nicht wahr, Collin?“
Collin drehte sich langsam um. Er hielt den Kopf gesenkt und atmete viel zu schnell. Die Panik lähmte ihn. Er ertrug diese Demütigung nicht länger. Am liebsten hätte er den Tränen, die sich in ihm anstauten, freien Lauf gelassen, aber er konnte Mr. Leach diesen Sieg nicht gönnen.
„I-ich“, setzte er an, doch Mr. Leach unterbrach ihn.
„Nein, nicht du …“ Der Lehrer setzte sich in der ersten Reihe an einen freien Tisch direkt neben dem von Judy. Das schüchterne, braunhaarige Mädchen versuchte sich nichts anmerken zu lassen, musste aber drei Mal blinzeln, als erwartete sie, von der Seite angegriffen zu werden. Sie tat Collin furchtbar leid.
„Es geht hier nicht um dich, sondern um Henry Moseley!“ Mr. Leach knetete mit seinen knochigen Fingern den Tafelschwamm, jederzeit bereit, ihn wieder jemandem, vorzugsweise Collin, an den Kopf zu werfen. „Oder hast du in deinem Leben auch schon irgendetwas erreicht? Nein? Dann erzähle uns doch, was andere, bedeutendere Menschen vor dir erschaffen haben! Was hat Moseley herausgefunden?“
Collin versuchte, sich zu beruhigen. Da war jetzt nicht nur die altbekannte Angst, die seine Glieder lähmte, sondern auch eine gewisse Wut. Er verabscheute den alten Lehrer, der sich hier für Gott hielt. Ein Gott, den die Welt schon lange nicht mehr brauchte.
„E-es geht irgendwie um die Ordnungszahlen?“, stotterte Collin. Das hatte er vorhin kurz aufgeschnappt.
Mr. Leach funkelte ihn mit seinen dunklen Augen an. „Willst du uns nicht wenigstens erklären, wie sich diese überaus wichtige Formel zusammensetzt?“
Collin drehte sich wieder zur Tafel, doch das war ein weiterer Fehler. Er spürte, wie Mr. Leach ungeduldig wurde. Der Vulkan, der in ihm brodelte, würde jeden Moment ausbrechen und Collin mit seiner Lava gnadenlos verbrennen.
Verzweifelt versuchte Collin die Variablen der Formel zu entschlüsseln. Wofür stand das „Z“ noch mal?
Er durchforstete sein Gehirn nach den Themen der letzten Stunden. Wellenlängen? Die Rydberg-Konstante?
Alles nur Worte. Nichts davon konnte er in einen logischen Zusammenhang bringen.
Langsam drehte er sich um. Mr. Leach war aufgestanden. Mit den Fingern, die aussahen, als würden sie jeden Moment brechen, stützte er sich an dem Tisch ab.
Jetzt bringt er mich um, dachte Collin. Er wird seinen gesamten Frust an mir abladen und mich in Stücke reißen.
„Vielleicht fällt es dir ja leichter, dein Wissen anhand eines kleinen Experiments zu präsentieren!“ Mr. Leach deutete auf ein Gerät, das vorne auf dem Versuchstisch stand. „Wie wäre es, wenn du uns mal das Gesetz von Moseley verdeutlichst?“
„I-ich kann das nicht!“, gestand Collin leise. „E-es tut mir leid!“
„Du kannst das also nicht …“, wiederholte Mr. Leach und kam langsam nach vorne. „Also bist du ein dummer Junge? Warum bist du dann überhaupt hier? Wieso melkst du nicht in Irland irgendwelche Kühe?“
Collin schwitzte. Sein sonst so blasses Gesicht hatte sich mit Sicherheit rot verfärbt.
Ängstlich schaute er sich im Klassenzimmer um. Da war Liam, Collins bester Freund, der einfach nur auf die Tafel starrte, als hätte er selbst dieses dämliche Gesetz längst verstanden. Dabei war Liam Dawson genauso wenig an Physik interessiert wie Collin. Warum nur hatte ihnen niemand vor Beginn des Schuljahres erzählt, was für ein Psychopath diesen Kurs gab?
Keiner der anderen Schüler schaute Collin direkt an. Es war, als würde er überhaupt nicht existieren.
Der Physiklehrer ging zu dem aufgebauten Gerät. „Du weißt aber schon, was das hier ist, nicht wahr?“
Collin fing sich wieder etwas. „Ein Röntgengerät!?“
Es sollte nicht wie eine Frage klingen, doch das tat es. Sein gesamtes Selbstvertrauen hatte ihn verlassen. Dabei hatte er sich geschworen, dass es auf der High School endlich besser werden würde.
„Soll mich das jetzt beeindrucken?“, fragte Mr. Leach und schleuderte den Tafelschwamm durch die Klasse. „Die Jugend von heute verkommt immer mehr … Du Collin, bist das perfekte Beispiel dafür. Schau dich doch nur mal an, wie du da stehst … Wie soll aus dir irgendwann einmal ein Mann werden, der die Welt bereichert? Der einen wichtigen Beitrag leistet?“
Collin wusste genau, was jetzt kam. Diesen Vortrag hielt Mr. Leach gerne. Früher war alles besser. Bla. Bla. Bla.
Zum Glück hatte der Schwamm niemanden getroffen. Er lag ganz hinten im Raum auf den Boden, froh darüber, endlich nicht mehr von Mr. Leach misshandelt werden zu können.
Lauf, Schwamm, lauf, dachte Collin. Verschwinde von hier. So schnell es nur geht!
„Wo bist du denn schon wieder mit deinen Gedanken?“ Der Physiklehrer war plötzlich neben Collin und packte ihn am Oberarm.
„Beim Tafelschwamm“, platzte es aus Collin heraus. Sofort biss er sich auf die Lippe und schmeckte Blut.
„Beim Tafelschwamm …“ Mr. Leach spitze Fingernägel bohrten sich in Collins Fleisch. „Wieso mangelt es euch jungen Leuten heutzutage an ehrlichem Interesse? Wieso ist es euch so egal, wie die Welt aufgebaut ist? Was große Persönlichkeiten vor euch geschaffen und herausgefunden haben? Warum nur nutzt ihr dieses Wissen nicht und lernt daraus?“
Mr. Leach beantwortete sich die Frage sofort selbst: „Ach, ich hätte es ja fast vergessen. Ihr sitzt lieber stundenlang am Computer … Nicht, um euch das grenzenlose Wissen, das euch dort zur Verfügung gestellt wird, anzueignen, sondern um eure kostbare Zeit mit irgendwelchen dämlichen Spielen totzuschlagen … Bravo … Ihr bekommt alle ein Leben geschenkt und tretet es mit Füßen … Ihr vergeudet eure Zeit und das Schlimmste: Ihr werdet diesen Planeten zugrunde richten! IHR ALLE! Euer grenzenloser Egoismus, eure Gleichgültigkeit und euer Desinteresse werden dazu führen, dass die ganze Welt verkommt …“
Obwohl er die Worte eindeutig an die ganze Klasse, nein an die ganze Welt richtete, bekam Collin die gesamte Wut zu spüren. Mr. Leach zerquetsche ihm förmlich den Arm.
„Ein paar Röntgenstrahlen würden euch allen ganz gut tun!“, knurrte der Lehrer. „Vielleicht beendet es dieses Leid dann in ein paar Jahren oder sorgt wenigstens dafür, dass eure Zellen zu nichts mehr zu gebrauchen sind!“
Collin wurde von Mr. Leach zum Versuchstisch gestoßen. Das uralte Röntgengerät gehörte nicht zum Schuleigentum, sondern war von Mr. Leach höchstpersönlich mitgebracht worden. Mit großer Wahrscheinlichkeit entsprach es nicht den aktuellen Sicherheitsbestimmungen, aber niemand traute sich, dies anzusprechen.
Collin erkannte, was Mr. Leach vorhatte und löste sich von ihm. Es war einfacher als gedacht. Collin war überhaupt nicht so wehrlos, wie ihm der alte Mann weismachen wollte.
Mr. Leach schaute Collin verblüfft an. „Du willst also immer noch nichts lernen, was? Das Wissen, das ich dir hier anbiete, interessiert dich also nicht?“
„Nein!“, feuerte Collin ihm entgegen. Dieses kleine Wort, das nur aus vier Buchstaben bestand, konnte so mächtig sein.
„Was?“ Mr. Leach kniff die Augen zusammen. Die dunklen Pupillen verschwanden hinter seinen geschwollenen Lidern. „Wirst du nun auch noch frech? Das ist mal wieder typisch für deine Generation … Keinen Respekt vor Erwachsenen …“
„Genauso wie es für Ihre Generation typisch ist, vorschnelle Schlüsse zu ziehen!“, erwiderte Collin. „Und andere Menschen abzustempeln, anstatt ihnen eine Chance zu geben!“
Mr. Leach stieß sich vom Versuchstisch ab und hechtete nach vorne, doch Collin wich gekonnt aus. Er war einen guten Kopf größer als der alte Lehrer und trotz seiner Unsportlichkeit viel flinker.
„Ist das alles, was Sie zu bieten haben, Mr. Leach?“, fragte Collin und stieß ein heiseres Lachen aus. Er hörte, dass ein paar seiner Mitschüler entsetzt nach Luft schnappten. „Sie sind ein alter Mann, der bald sterben wird. Was haben Sie denn der Welt hinterlassen? Ihren Unmut? Ihren Frust? Oder das Wissen, dass Sie sich auch nur durch irgendwelche Lehrbücher angeeignet haben?“
Mr. Leach öffnete den Mund. Speichel funkelte an seiner Unterlippe.
Collin verzog das Gesicht. Er ekelte sich vor diesem alten Mann. Schon seit dem allerersten Schultag. „Meinen Sie nicht, dass Sie in einem Altersheim besser aufgehoben wären? Da wischt Ihnen sicher eine nette Krankenschwester die Spucke aus dem Gesicht! Und vielleicht gibt es da auch ein paar heiße Omis, die Sie mit diesen überaus interessanten physikalischen Gesetzen beeindrucken können!“
Collin schaute zu Liam, der sich aus seiner Starre gelöst hatte und grinste. Auch ein paar andere Schüler mussten über diese Schlagfertigkeit schmunzeln. Collin fühlte sich mächtig und vollkommen überlegen. Er hatte es diesem alten Griesgram gegeben. Damit würde er in die Geschichte der Schule eingehen. Aus ihm wurde also doch noch etwas. Ein Star, dem alle auf dem Schulflur auf die Schulter klopften. Vielleicht würde sogar Brooke endlich mit ihm ausgehen.
„Du … d-du pub…“, setzte Mr. Leach an und wollte es wieder einmal auf die Pubertät schieben, als wäre sie ein Fluch, den sich jeder Schüler selbst auferlegt hatte.
Collin lachte los, wurde jedoch von einem Kreischen unterbrochen. Das war Samantha, ein pummeliges, blondes Mädchen, das in der zweiten Reihe saß und nun aufgesprungen war.
Collin schaute erst zu ihr und dann zu Mr. Leach, der sich eine Hand auf die Brust presste und sein Gesicht, das sich knallrot verfärbt hatte, verzog. Seine Arme und Beine zitterten, als gäbe es ein Erdbeben, das nur er spüren konnte.
„Mr. Leach?“, fragte Collin vorsichtig. „Geht es Ihnen gut?“
Der alte Lehrer sank zu Boden und knallte dabei mit dem Kopf gegen den Versuchstisch. Das dumpfe Geräusch ließ Collin zurückweichen.
Mr. Leach zuckte noch einmal. Seine sonst so dunklen Augen, die beinahe an die Schwärze von Onyx erinnerten, waren verschwunden. Da war nur noch das Weiß des Augapfels.
„Er stirbt!“, rief jemand. „Warum tut denn niemand etwas?“
Collin trat einen unsicheren Schritt auf den Physiklehrer, der jetzt regungslos auf den Boden lag, zu.
Herzmassage. Mund-zu-Mund-Beatmung. All das schoss ihm durch den Kopf, aber er tat nichts davon. Er wollte den Lehrer nicht zurückholen. Nein, er sollte dort bleiben, wo er jetzt war.
„Ist er …“, kam es von Samantha. Keiner gab ihr eine Antwort.
Minuten verstrichen. Collins Atmung beruhigte sich. Seine Angst war verschwunden, jetzt war da nur noch Erleichterung. Mr. Leach war endlich fort. Er würde ihn niemals wieder terrorisieren können.
Liam stand plötzlich neben Collin, während Samantha wie eine Irre an der Tür rüttelte. Sie war natürlich noch immer abgeschlossen.
„Wir brauchen den Schlüssel“, stellte Collin fest und deutete auf Mr. Leachs leblosen Körper. Sie alle wussten, dass er seinen Schlüsselbund in der Gesäßtasche seiner Stoffhose aufbewahrte. Natürlich wollte niemand dem Leichnam anfassen.
Collin gab sich einen Ruck. „Er kann uns jetzt nichts mehr tun!“
Er kniete sich neben den alten, seelenlosen Körper und griff in die Hosentasche. Als er den Schlüsselbund in den Händen hielt, kam er sich wie ein Held vor. Er hatte gewonnen. Ja, diesen Kampf hatte er für sich entschieden. Ein kindlicher Gedanke, der ihn davon abhielt, sich die Frage zu stellen, ob er vielleicht die Schuld an Mr. Leachs Tod trug.

Donnerstag, 10. Januar 2019

[Reading in english] All-Night Party (Fear Street) - R.L.Stine

Titel: All-Night Party
Autor:  R.L. Stine
Genre: Jugendthriller
Erscheinungsdatum: Juni 2005
Anzahl der Seiten: 147
Cover und Inhaltsangabe © Simon Pulse




"Planning an all-night birthday party for Cindy on Fear Island, Gretchen Davies anticipates dancing, love, and non-stop fun, until Cindy is murdered, and Gretchen realizes that one of her friends is the killer."




Mit den Büchern von R.L. Stine bin ich großgeworden. Die Gänsehaut-Bücher haben damals meine Leseleidenschaft entfacht, ja, man kann sagen, ohne ihn wäre ich wohl nie eine Leseratte geworden. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich wöchentlich mehrmals zur Bibliothek geradelt bin, um mir Nachschub zu holen und wie ich mich abends im Bett unter der Bettdecke gegruselt habe.

With the books of R.L. Stine I grew up. At that time, the "Goosebumps"-books kindled my love of reading, yes, you can say that without him I would never have become such a bookworm. I still remember how I cycled to the library several times a week to get more books and how I got scared in bed in the evening under the covers.

Damals habe ich natürlich auch die "Fears Street"-Bücher verschlungen, die dafür gesorgt haben, dass das Jugendthriller-Genre seit jeher zu meinen absoluten Lieblingsgenres gehört. Nun wollte ich, da ich mir ja vorgenommen habe, mindestens ein Buch pro Monat auf englisch zu lesen, mal eine Geschichte aus der "Fear Street" ausprobieren. Und was soll ich sagen? Sie lassen sich sehr einfach lesen. Ich musste wirklich kaum ein Wort übersetzen.

At the time, of course, I also read the "Fears Street" books, which made sure that the "Teenthriller-genre" has always been one of my absolute favorite genres. Now that I've decided to read at least one book a month in English, I wanted to try out a story from "Fear Street". And what should I say? They are very easy to read. I really did not have to translate a word.

R.L. Stine Stil besteht aus sehr kurzen und auf den Punkt gebrachten Sätzen. Dadurch ist das Buch zwar sehr kurz, dennoch schafft er es, eine tolle Spannung aufzubauen. Woran sicher auch die vielen Cliffhanger Schuld sind. Nach einem Kapitel ist es sehr schwer, einfach aufzuhören!

R.L. Stine writes very short and pointed sentences. This makes the book very short, but they are also very exciting, because he ends every chapter with a great cliffhanger! After a chapter, it's very hard to just stop!




"All-Night Party" war ein Buch, dass sich sehr schnell lesen lässt. Wie von den "Fear Street"-Büchern nicht anders gewöhnt, kommt R.L. Stine sehr schnell zur Sache. Zwar besitzen seine Charaktere nicht unbedingt Tiefe und agieren oftmals recht oberflächlich, aber darauf legt er es nicht an. R.L. Stine will jeden Charakter verdächtig erscheinen lassen, ja, er will seine (jungen) Leser verwirren und auf eine falsche Fährte locken.

"All-Night Party" was a book that I have read very quickly. As usual from the "Fear Street" books, R.L. Stine is getting fast to the point of excitement. Although his characters do not necessarily have depth and often act very superficially, but he does not put it on. R.L. Stine wants to make every character look suspicious, yes, he wants to confuse his (young) readers and lure them on the wrong track.

Das gelingt ihm auch sehr gut. In "All-Night Party" geht es um eine Gruppe von Freunden, die auf einer abgelegenen Insel den Geburtstag von Cindy feiern wollen. Kurzerhand kidnappen die Teenager ihre Freundin und bringen sie auf die Insel. Dabei stellt sich schnell heraus, dass ein Mörder aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Bald schon, wird jemand umgebracht und die verzweifelte Suche nach dem Mörder beginnt.

"All-Night Party" is about a group of friends who want to celebrate Cindy's birthday on a remote island. Without further ado, the teenagers kidnap their girlfriend and take her to the island. It quickly turns out that a murderer has broken out of prison. Soon, someone is killed and the desperate search for the killer begins.

Aus der Sicht von Gretchen erfahren wir hier das gesamte Ausmaß von Vertrauen und Misstrauen. Dabei wird eine gewisse unheimliche Grundstimmung geschaffen, verliert sich aber irgendwann in den vielen Anschuldigungen der Teenager. Dadurch geht es zum Ende hin tatsächlich nur noch um die Frage, wer denn nun der Mörder ist. Der entflohene Gefangene oder doch einer der Freunde?

From Gretchen's point of view, we experience the full extent of trust and mistrust here. It creates a certain creepy mood, but eventually loses itself in the many accusations of the teenager. At the end, the only question is who the murderer is. The escaped prisoner or one of the friends?

Durch die vielen Cliffhanger verliert das Buch nie seine Spannung. Irgendwann hatte ich sogar vergessen, gerade auf englisch zu lesen, so tief war ich in der Geschichte drin. Nur die Auflösung konnte mich nicht so recht vom Hocker reißen. Früher mochte ich die überraschenden Wendungen innerhalb der Fear Street-Bücher, doch die Auflösung von "All-Night Party" ist total irrsinnig. Ich frage mich hier, ob ich es als Kind/Teenager ähnlich empfunden hätte oder in dem Alter vielleicht sogar überrascht gewesen wäre ...

Through the many cliffhanger the book never loses its tension. At some point I even forgot to read in English, so deep I was in the story. Only the resolution could not really surprise me. I used to like the surprising twists in the Fear Street books, but the dissolution of "All-Night Party" is totally crazy. I wonder if I would have felt similar as a kid / teenager ...




"All-Night Party" ist durch den einfachen Stil, die kurzen Sätze und die durchgehende Spannung ein Buch, das sich auch im Original wahnsinnig schnell lesen lässt. Ich habe das Buch, das mich an die Anfänge meiner Leseleidenschaft erinnert hat, förmlich verschlungen. Nur die Auflösung hat mich hier leider enttäuscht, da sie, aus Mördersicht, vollkommen unlogisch ist!

"All-Night Party" has a very simple style with short sentences and a great tension, so its a book that can read incredibly fast even in the original. I literally devoured the book that reminded me of the beginnings of my reading passion. Only the dissolution has unfortunately disappointed me here, since it is completely illogical ...



Dienstag, 8. Januar 2019

[Re-Read Rezension] Biss zum Abendrot -Stephenie Meyer

Titel: Biss zum Abendrot
Autor:  Stephenie Meyer
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 14. Febuar 2008
Anzahl der Seiten: 624
Cover und Inhaltsangabe © Carlsen




"Bellas Leben ist in Gefahr. Seattle wird von einer Reihe rätselhafter Mordfälle erschüttert, ein offensichtlich blutrünstiger Vampir sinnt auf Rache. Und seine Spuren führen zu Bella. Aber damit nicht genug: Nachdem sie wieder mit Edward zusammen ist, muss sie sich zwischen ihrer Liebe zu ihm und ihrer Freundschaft mit Jacob entscheiden - wohl wissend, dass sie damit den uralten Kampf zwischen Vampiren und Werwölfen neu entfachen könnte ... "Bella?" Das war Edwards Stimme hinter mir. Als ich mich umdrehte, sprang er leichtfüßig die Verandatreppe hinauf, die Haare vom Rennen zerzaust. Sofort nahm er mich in die Arme und küsste mich, genau wie vorhin auf dem Parkplatz. Der Kuss erschreckte mich. Edward wirkte so nervös, so angespannt, als er seine Lippen auf meine presste - als hätte er Angst, dass uns nicht mehr genug Zeit bliebe. Der Tag der Entscheidung rückt immer näher - was wird Bella wählen: Leben oder Tod?"



Bereits im letzten Jahr habe ich damit angefangen, die "Biss"- Reihe noch einmal zu lesen. In meiner Jugend war ich großer Fan von Bellas un Edwards-Geschichte und ich war gespannt, ob sie mir auch noch im Erwachsenenalter zusagt! Und was soll ich sagen? Ja, ich die Bücher verströmen noch immer einen ganz eigenen Sog.

Stephenie Meyers Schreibstil ist nicht perfekt, dafür aber sympathisch. Sie lässt ihre Charaktere hier einfach leben und lieben. Dabei ist die Geschichte natürlich schon überaus kitschig gehalten, aber in diesem Fall gefällt es mir tatsächlich sehr gut. Denn hey, wir haben hier Vampire!




Mittlerweile bin ich beim dritten Band der Reihe angekommen und ich bin nach wie vor überrascht, wie tief ich doch erneut in die Geschichte von Bella, Edward und Jacob eintauchen konnte. Natürlich bin ich jetzt aber auch in dem Alter angekommen, in dem mir tatsächlich die Schwächen des Romans auffallen.

Während ich in meiner Jugend großer Fan von Bella war und auch dazu stand, kann ich heute doch die vielen negativen Meinungen zum Teil verstehen. Bella wirkt, im Anbetracht ihrer Entwicklungen, teilweise doch sehr stur in ihrer Auffassung, wie sie ihr Leben verbringen will. Im Grunde existiert nur Edward für sie, ansonsten hat sie doch recht wenig.

In diesem Band einigt sie sich endlich mit Edward darauf, wann sie ebenfalls eine Vampirin wird. Ich kann verstehen, dass sie noch älter werden möchte, aber doch vergisst sie irgendwie, sich auch ein eigenes Leben aufzubauen. Vom College will sie gar nichts mehr hören, auch beruflich plant sie anscheinend, eine Vollzeit-Vampirin zu werden.

Das waren Dinge, die mir beim ersten Lesen vor gut 10 Jahren überhaupt nicht aufgefallen sind. Vielleicht war ich damals noch romantischer veranlagt als heute, aber mir field doch dieses Mal auf, wie wenig Charaktertiefe Bella doch besitzt.

Die eigentliche Geschichte hat mir hier aber gut gefallen. Es gibt wieder eine Gefahr, der sich Bella stellen muss und den üblichen Konflikt zwischen Edward und Jacob, der sich hier noch zuspitzt. Wieder einmal war ich überrascht, wie sehr sich Edward in diesem Buch doch gewandelt hat. Während er Bella zu Beginn einengt, wird er zum Ende hin immer verständnisvoller.

Spannend fand ich, hier auch die Hintergründe der Wölfe zu erfahren. Zwar bin ich noch immer definitiv Team Edward, aber ich muss sagen, dass mir auch Jacob als Charakter zunehmend gefällt. Auch hier geht es mit dieser Dreiecks-Geschichte weiter und es bleibt hier wirklich bis zum Ende spannend. Nun kann ich noch einmal gespannt auf dem Abschlussband sein.




Ich bereue es auch jetzt, im Erwachsenenalter, nicht, großer Fan dieser Reihe zu sein. Zwar habe ich bei diesem Re-Read ein paar Schwächen gesehen, aber dennoch konnte mich die Geschichte wieder in den Bann ziehen!

Samstag, 5. Januar 2019

[Jahresrückblick] 2018 in Büchern

2018 ist gefühlt im Flug vergangen. Heute möchte ich noch einmal zurückblicken und all das hervorheben, was mir im letzten Jahr besonders wichtig war.

An erster Stelle stehen hier natürlich meine eigenen Büchern. 2018 habe ich tatsächlich drei Bücher herausgebracht, worüber ich echt Stolz bin. Zwar habe ich noch immer mit Zweifeln zu kämpfen und auch das vergangene Jahr hatte so einige Tiefpunkte, aber ich fühle mich mit dem Schreiben noch immer sehr wohl und weiß genau, dass es die richtige Entscheidung war, auf diese Weise mein Leben zu verbringen. Ich habe mir für 2019 vorgenommen, mindestens zwei Bücher zu schreiben. Mal schauen, ob ich dieses Ziel erreichen werde.

Im vergangenen Jahr war ich froh, mit anderen Bloggern bei gemeinsamen Leserunde wundervolle Bücher entdecken zu dürfen. So habe ich dadurch mein erstes Buch von Joe Lansdale gelesen und war zudem motiviert, mal wieder etwas von Stephen King in die Hand zu nehmen. Ich hoffe, auch im neuen Jahr wieder an vielen tollen Leserunden teilzunehmen!

Einige Klassiker waren im vergangenen Jahr auch dabei und ich habe besonders die Sherlock Holmes-Bücher lieben gelernt. Zusätzlich habe ich am Ende des Jahres angefangen, meine ersten Bücher auf englisch zu lesen und hoffe, dies auch 2019 fortsetzen zu können. Mein großes Ziel ist hierbei, mindestens ein Buch pro Monat im Original zu lesen!

2018 gab es für mich so einige wundervolle Bücher zu entdecken und ich bin mächtig stolz, dass ich sage und schreibe 120 Bücher gelesen. Für mich ist dies ein großer Erfolg und ich hoffe, dass ich im neuen Jahr trotz einiger privater Veränderungen daran anknüpfen kann.

So sahen 2018 meine Bewertungen aus:



Hier bin ich besonders froh, kein einziges Buch mit nur einem Stern bewertet zu haben. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass es gar keine schlechten Bücher gibt, jede Geschichte findet den passenden Leser!

An dieser Stelle möchte ich jetzt noch jene Bücher und Autoren ehren, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind und die daher einen besonderen Platz in meinem Herzen eingenommen haben!



2018 habe ich endlich (!) mein allererstes Buch von Benedict Wells gelesen und ich bin froh darüber, denn "Becks letzter Sommer" war wirklich großartig. Ich liebe den Benedict Wells Stil und seine Art, den Leser zum Nachdenken zu bewegen und werde auch im nächsten Jahr noch einiges von ihm lesen!


Valérie Valère  hatte ich im Buchschrank entdeckt und nach ihrem autobiografischen Bericht musste ich auch ihren fiktiven Roman über die Liebe zweier Geschwister lesen und was soll ich sagen? Sie war eine wirklich talentierte Autorin, die leider viel zu früh verstorben ist ...



Nun kommen wir zu einem Briefroman, der mich wirklich stark berührt hat."Deine Juliet" war eine Geschichte, die ich als Buchliebhaber wirklich verschlungen habe. Solch einen Sog spürt man wirklich nicht oft bei Büchern!



"Scythe - Der Zorn der Gerechten" war der zweite Teil der Reihe, die in eine Welt in der Zukunft führt, in denen Menschen den Tod simulieren, um für das ein gewisses Gleichgewicht zu sorgen. Der erste Band hatte mich bereits in den Bann gezogen, doch der zweite Teil hat noch eine Schippe draufgesetzt. Ich habe das Buch förmlich inhaliert und war am Ende mehr als geschockt! Im neuen Jahr freue ich mich hier besonders auf die Fortsetzung!



Kein Jahr vergeht ohne die großartigen Werke von Stephen King. 2018 gabs hier für mich gleich zwei Highlights nämlich "In einer kleinen Stadt" und "Desperation". Beide Büchern waren sehr atmosphärisch und haben mich schon nach wenigen Seiten in den Bann ziehen können!



Haruki Murakami habe ich in diesem Jahr ebenfalls für mich entdeckt. Ich habe zwar erst ein Buch von ihm gelesen, aber dieses ist mir aufgrund seines sehr intensiven Schreibstils noch immer in Erinnerung geblieben! Auch im neuen Jahr werde ich noch weitere Bücher von ihm lesen.



Meine große Liebe zu Sherlock Holmes ist auf
diesem Blog wohl kein Geheimnis mehr. Ich habe mittlerweile auch beinahe alle Bücher und Geschichten mit diesem Meisterdetektiven gelesen, es fehlt nur noch ein einziges Buch mit Kurzgeschichten, das hier bereits bereitliegt. Allerdings fühle ich mich noch nicht bereit, Abschied zu nehmen ...



Ich hätte ohne zwei liebe Bloggerkolleginnen sicherlich nie zu einem Buch von  Joe R. Lansdale gegriffen. Nun bin ich aber froh, seine Geschichten entdeckt zu haben, denn er hat einen sehr eigenen, eindringlichen und leicht verrückten Stil, der seine Bücher wirklich einzigartig macht!



Noch ein weiterer Zufallsfund war Patricia Highsmith. "Zwei Fremde im Zug" war mein erster Krimi von ihr und es folgten gleich darauf zwei weitere, denn ich mag ihre Charaktertiefe und ihre Art, den Täter in den Mittelpunkt zu stellen. Hier habe ich endlich Krimis gefunden, die ganz meinen Geschmack treffen!

Und dann kommen wir auch gleich noch zu Sarah Lotz, die mittlerweile auch zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört. Mit "Angstrausch" hat sie einen Thriller verfasst, der mich auf den Mout Everest entführt hat. Ein spannendes Werk, an das ich mich noch immer gerne zurückerinnere!

Wahrscheinlich könnte ich diese Liste noch endlos fortführen, denn jedes Buch, das ich in meinem Leben gelesen habe, hat etwas tief in mir hinterlassen. An dieser Stelle möchte ich allen Autoren und Autorinnen danken, die uns so reichlich mit Büchern beschenken! Ihr macht die Welt zu einem besseren und bunteren Ort und bietet auch an grauen Tagen einen geeigneten Rückzugsort! Dafür bleibt nur eins zu sagen: Verliert niemals eure Kreativität und den Mut, neue Wege einzuschlagen. Jedes Buch findet seinen passenden Leser!



Freitag, 4. Januar 2019

[Rezension] Der erste und letzte Song - Tamara Guidolin

Titel: Der erste und letzte Song
Autor:  Tamara Guidolin
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 28. November 2018
Anzahl der Seiten: 284
Cover und Inhaltsangabe © BoD

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar!




"Julian und Elena bewegen sich beide in der Welt der Reichen und Berühmten. Während Elena noch gegen den übergroßen Schatten ihres Vaters ankämpft, genießt Julian längst den Erfolg als Rockmusiker.
Beide sehnen sich nach Liebe und hadern dabei mit Problemen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Julian macht schwierige Zeiten durch und erleidet einen Schicksalsschlag. Elena ist asexuell, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Als sie sich kennenlernen, stößt jeder von ihnen auf neue Herausforderungen. Für beide ist es an der Zeit, ihr Leben zu überdenken. Können sie sich gegenseitig geben, was sie brauchen?"




"Der erste und letzte Song" ist das Erstlingswerk von Tamara Guidolin und natürlich war ich sehr neugierig darauf, als sie es mir anbot und ich gelesen habe, dass es das Thema Asexualität behandelt. Die Autorin tastet sich in ihrem Debüt recht langsam voran und es wird schnell klar, dass sie noch auf der Suche nach ihrem ganz eigenen Stil ist, der aber, das muss ich an dieser Stelle positiv hervorheben, immer wieder durchblitzt.

Dennoch fiel mir das Lesen am Anfang ein wenig schwer, denn einige Stellen wirken etwas holperig, einige Dialoge nicht so fließend und die Charaktere hätten für meinen Geschmack ein wenig tiefgründiger beschrieben sein können. Irgendwann hatte ich mich dann aber hineingefunden und muss auch hier noch einmal lobend erwähnen, wie sehr sich der Stil der Autorin im Laufe der Geschichte weiterentwickelt. 




- Julian -

Vom Gefühl her überwiegen die Abschnitte aus Julians Sicht in diesem Buch. Er ist der typische Rockstar, der gerne Frauen aufreißt und nach außen hin keine Gefühle zeigt. Zu Begin der Geschichte muss er so einige private Rückschläge einstecken und es wird schnell klar, dass er mit eigenen Dämonen kämpft.

Ich mochte seine Leidenschaft für die Musik, aber weniger mochte ich das Bild, das er in der Öffentlichkeit von sich erschaffen hat. Auch sein Innerstes blieb mir größtenteils verborgen, auch wenn es in seinen Abschnitten tatsächlich einige starke Momente gab. Ich konnte nicht direkt zu ihm durchdringen und fand seine Art teilweise echt ätzend.

- Elena -

Auf der anderen Seite steht Elena, mit der ich mich an dieser Stelle sehr gut identifizieren konnte. Sie ist noch immer auf der Suche nach sich selbst und probiert gerade, ein paar Rollen in Filmen zu bekommen. Dabei übersieht sie, dass sie vielleicht auch selbst schon viel zu lange eine Maske trägt ...

Bei Elena hatte ich das Gefühl, wirklich tief in ihre Gedanken einzudringen und so konnte ich ihre innere Zerrissenheit, ihre Zweifel, aber auch ihre Hoffnungen spüren. Ich habe ihre Abschnitte wirklich gerne gelesen, auch wenn mir einige Entwicklungen zu schnell abliefen ...




Bücher über Homosexualität gibt es mittlerweile zur Genüge, doch das Thema Asexualität wird nur selten aufgegriffen. Warum eigentlich? Ist es das fehlende Verständnis? Oder die Tatsache, dass alles was nicht der Norm entspricht, gerne einmal unter den Teppich gekehrt wird? Ich bin froh, dass sich Tamara Guidolin in ihrem Erstlingswerk diesem Thema angenommen hat und ich hoffe, dass dies tatsächlich einige Wellen schlagen und für mehr Akzeptanz sorgen wird.

Kommen wir aber nun zu der Geschichte. Ich muss gestehen, dass ich mich am Anfang etwas schwerer damit getan habe, in das Buch hineinzufinden. Es beginnt zwar mit einem ganz persönlichen Rückschlag aus Julians Sicht, doch sämtliche Nebencharaktere, wie beispielsweise die Bandmitglieder, das Team oder auch Elena und ihre Familie blieben mir zu sehr im Hintergrund.

Viele Personen waren beim Lesen nur Namen, sie hatten keine Geschichte und deswegen lief für mich ein gewisses tragisches Ereignis recht emotionslos ab. Mir fehlte einfach der Bezug und so musste ich mich tatsächlich erst einmal hineinfinden und eben akzeptieren, dass hier eine gewisse Distanz gegeben ist.

Ab der Hälfte wird das Buch aber besser und auch intensiver. "Der erste und letzte Song" ist hierbei aber keine Liebesgeschichte. Der Klappentext, der recht viel preisgibt, verrät schon, dass es hier nicht um die große Liebe, sondern um Selbstfindung geht. Dabei wirken hier beide Charaktere recht verloren und wissen eigentlich gar nicht so wirklich, wer sie sind. Hier gibt es einige starke Momente, aber auch einige, die den Leser wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Die Mischung ist ausgewogen und so symbolisiert das Buch gut das echte und manchmal viel zu unfaire Leben!

Ich finde es toll, dass die Autorin realistisch geblieben ist und hier keine kitschige Liebesgeschichte zusammengeschustert hat. Für meinen Geschmack hätte sie sich allerdings noch etwas behutsamer an das Thema Asexualität herantasten und näher auf Elenas Entwicklung eingehen können. Auch Julian konnte ich ab einen gewissen Punkt leider nicht mehr so recht verstehen, denn seine Worte und sein Handeln wirken doch recht widersprüchlich.

Auch wenn mir persönlich Julians Entwicklung besonders auf den letzten Seiten nicht gefallen hat, so muss ich doch sagen, dass "Der erste und letzte Song" einen guten Blick auf ein Thema besitzt, dass viel zu oft gar nicht Ernst genommen wird. Ich hoffe, dass die Autorin sich vom Stil her noch weiterentwickeln wird und bin schon gespannt auf weitere Werke aus ihrer Feder.




"Der erste und letzte Song" ist keine Liebesgeschichte, sondern ein sehr realitätsnaher Einblick in das Thema Asexualität. Es geht um zwei Menschen, die sich erst einmal selbst finden müssen, um
wirklich glücklich werden zu können. Trotz einiger Schwächen empfehle ich das Buch dennoch gerne weiter und hoffe, noch mehr von der Autorin zu hören!

Mittwoch, 2. Januar 2019

[Leserunde] Regulator - Richard Bachmann (Stephen King)

Ab dem 2. Januar 2019 startet hier unsere nächste King-Leserunde zu "Regulator" un natürlich ist wie immer jeder herzlich willkommen, der noch zu uns stoßen möchte!



Inhalt

"Ohne Vorwarnung tauchen in der Kleinstadt Wentworth die mörderischen »Regulatoren« auf und erschießen alles und jeden, der sich ihnen nähert. Aber mit dem Massaker beginnt das Grauen erst. Ausgerechnet ein kleiner Junge könnte die Stadt vielleicht retten."

Aufteilung

1. Abschnitt - Anfang bis Kapitel 3
2. Abschnitt - Kapitel 4 bis Kapitel 5
3. Abschnitt - Kapitel 6 bis Kapitel 7
4. Abschnitt - Kapitel 8 bis Kapitel 9
5. Abschnitt - Kapitel 10 
6. Abschnitt - Kapitel 11 bis Ende

Wer liest mit?

Heidi Oehlmann (Autorin)
Ich ;)