Donnerstag, 12. September 2019

[Rezension] Die schwarze Frau - Simone St. James

Titel:  Die schwarze Frau
Autor:  Simone St. James
Genre: Roman,  Mysteryroman
Erscheinungsdatum: 18. Februar 2019
Anzahl der Seiten: 448
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann

Begonnen: 5.09.2019
Beendet: 10.09.2019

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Goldmann für das Rezensionsexemplar!



"Vermont 1950. Idlewild Hall ist ein Ort für Mädchen, die keinen anderen Platz in der Gesellschaft haben. Abends erzählen sich die Schülerinnen Schauergeschichten von der »schwarzen Mary«. Doch als eines Nachts eine von ihnen unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, wird der Schrecken real. 2014 ist das Internat eine Ruine, aber die Journalistin Fiona Sheridan kann nicht von Idlewild Hall lassen: Hier wurde vor 20 Jahren ihre Schwester ermordet. Als man bei Renovierungsarbeiten eine weitere Mädchenleiche findet, beginnt Fiona zu recherchieren. Dabei rührt sie an dunkle Geheimnisse, die besser für immer verborgen geblieben wären …"




Fionas Schwester wurde vor vielen Jahren tot auf dem Gelände eines alten Mädcheninternats aufgefunden. Idlewild Hall soll nun restauriert werden und das animiert Fiona als Journalistin natürlich dazu, Nachforschungen anzustellen. Dabei geht es allerdings nicht nur um die Geschichte von Fionas ermordeter Schwestern, denn bei den Arbeiten wird die Leiche einer ehemaligen Schülerin gefunden ...

Als Leser reisen wir zusätzlich zum Hauptstrang ins Jahr 1950. Hier begegnen wir einer Gruppe von Mädchen, die im Internat untergebracht sind. Zusätzlich gibt es hier die sehr schaurige Geschichte einer unheimlichen Gestalt, die bereits viele Schülerinnen in Angst und Schrecken versetzt hat.

Gefallen hat mir auch der historische Teil der Geschichte. So wird nach und nach offenbart, wieso ie Mädchen denn auf Idlewild Hall sind. Diese Hintergründe sind zum Teil wirklich sehr traurig und schockierend!

Während Fiona 2014 Nachforschungen anstellt und die verschiedensten Leute befragt, wird im Jahr 1950 für Spannung und Grusel gesorgt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich den Strang von 1950 viel intensiver erlebt habe als den von 2014, einfach, weil das Gefühl, Teil von Idlewild Hall zu sein, sehr intensiv war. Fiona besucht das Gebäude in der Gegenwart zwar ebenfalls, aber hier war mir das Mystische doch zu unterschwellig.

Ich habe Fiona bei ihren Ermittlungen gerne begleitet. In erster Linie ist "Die Schwarze Frau" ein recht typischer Krimi, bei dem hier um zwei Mordfälle geht. Fiona ist eine sehr selbstbewusste Frau, die allerdings manchmal eine Spur zu verbissen daherkommt. Das führt leider auch dazu, dass sie sich viel zusammenreimt und die Sache mit ihrer Schwester immer und immer wieder durchgekaut wird.

Im Gegensatz zur Haupthandlung nimmt der Mysteryanteil daher nur einen kleinen Teil ein, was wohl mein einziger und leider auch größter Kritikpunkt wäre. Ich hätte gerne mehr übe die Mädchen im Internat erfahren. Manchmal waren die Kapitel für meinen Geschmack ein wenig zu kurz, während Fionas Nachforschungen an vielen Stellen in die Länge gezogen wirkten. Dadurch war ich teilweise von Fiona etwas genervt. Für mich stimmte das Gleichgewicht hier nicht ganz, zumal die Geschichte auch "die schwarze Frau" heißt, Mary Hands Anteil aber doch recht gering ist.

Die Auflösung des Ganzen fand ich passend, wenngleich ich sie mir teilweise schon etwas zusammengereimt hatte. Dennoch hat es mir großen Spaß gemacht, die Geschichte von Idlewild Hall zu ergründen!




In erster Linie ist "Die schwarze Frau" ein Krimi, der mich allerdings besonders durch die atmosphärische und teilweise recht unheimliche Geschichte aus dem Jahr 1950 überzeugen könnte. Für meinen persönlichen Geschmack hätte der Fokus hier aber tatsächlich mehr auf die damaligen Geschehnisse liegen können, statt auf den Nachforschungen in der Gegenwart!


Dienstag, 10. September 2019

[Rezension] Wenn der Postmann zweimal klingelt - James M. Cain

Titel: Wenn der Postmann zweimal klingelt
Autor:  James M. Cain
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: 1. Juli 1996
Anzahl der Seiten: 126
Cover und Inhaltsangabe © Heyne

Begonnen: 28.07.2019
Beendet: 29.07.2019



"An irgendeiner staubigen Straße in Kalifornien führt das Ehepaar Nick und Cora eine kleine Raststätte. Als der abgebrannte Rumtreiber Frank auftaucht, bietet Nick ihn einen Aushilfsjob an. Die attraktive Cora beachtet Frank zunächst kaum, doch dann fangen sie ein Verhältnis an und beschließen, den ahnungslosen Nick umzubringen. Der erste Versuch misslingt, doch die beiden geben nicht auf …"




"Wenn der Postmann zweimal klingelt" von James M. Cain war ein Klassiker, den ich lange schon lesen wollte, da ich in den letzten Jahren Klassiker lieben gelernt habe. Besonders im Krimi-Bereich habe ich festgestellt, dass mir die neueren Bücher, die alle einem ähnlichen Schema folgen, nicht liegen.

Dieser Klassiker ist wirklich ein Krimi, der mich begeistern konnte. Es geht hierbei um Frank Chambers, einem Herumtreiber, der gar nicht mal so sympathisch erscheint. Er verliebt sich in die Frau seines neuen Chefs und beginnt eine Affäre mit ihr. Schnell fassen die beiden den Plan, Coras Mann zu töten.

Das englische Sprichwort "When the postman rings twice" bekommt hier noch eine sehr bittere Bedeutung, denn unsere beiden Liebenden bekommen tatsächlich noch eine zweite Chance. Stellt sich nur die Frage, ob sie diese nutzen werden.

Diesen Krimi habe ich innerhalb eines Tages verschlungen. Er ist nicht besonders lang, aber doch sehr intensiv. Es geht um Entscheidungen, die wir fällen und die unweigerlich zu weiteren Entscheidungen führen. Ein winziger Fakt hat mir allerdings nicht so gefallen: Die Gesetze, die am Ende zu tragen kommen, sind etwas zäh, fast schon wirr für Leser der heutigen Zeit. Das schwächt das Gesamtbild etwas ab, aber dennoch ist "Wenn der Postmann zweimal klingelt" von James M. Cain für mich ein Klassiker, den man gelesen haben sollte!



"Wenn der Postmann zweimal klingelt" ist ein waschechter Krimi-Klassiker, den Fans des Genres auf jeden Fall gelesen haben sollten. Besonders die Bindung zwischen Frank und Cora hat mir hier gut gefallen, auch wenn die Geschichte natürlich ein sehr bitteres Ende hat ... Manchmal sind die eigenen Entscheidungen eben doch nicht unbedingt die richtigen ...

Montag, 9. September 2019

[Rezension] Witch Hunter - Virginia Boecker

Titel: Witch Hunter
Autor:  Virginia Boecker
Genre: Jugendbuch, Fantasy
Erscheinungsdatum: 18. März 2016
Anzahl der Seiten: 400
Cover und Inhaltsangabe © dtv

Begonnen: 14.07.2019
Beendet: 25.07.2019



"Als die 16-jährige Elizabeth mit einem Bündel Kräuter gefunden wird, das ihr zum Schutz dienen soll, wird sie in den Kerker geworfen und der Hexerei angeklagt. Doch wider Erwarten retten weder Caleb, ihr engster Freund und heimlicher Schwarm, noch ihr Lehrmeister Blackwell sie vor dem Scheiterhaufen. Stattdessen befreit sie in letzter Sekunde ein ganz anderer: Nicholas Perevil, der mächtigste Magier des Landes und Erzfeind aller Hexenjäger. Er lässt sie heilen und nimmt sie bei sich und den Magiern auf. Denn längst ist im Hintergrund ein Machtkampf entbrannt, und Elizabeth spielt darin eine Schlüsselrolle. Nun muss sie sich entscheiden, wo ihre Loyalitäten liegen."




Vor drei Jahren brach ja ein regelrechter Hype um die "Witch Hunter"-Bücher aus. Damals habe ich mir geschworen, den ersten Teil irgendwann mal auszuprobieren und nun sollte es endlich an der Zeit sein. Die Story vom Plot selbst empfand ich als sehr interessant und auch fesselnd, allerdings waren mir die Charaktere zu blass.

So haben wir eine Protagonistin, die eigentlich eine Hexenjägerin ist, dann aber zu den gefürchtetsten Hexenmeister aller Zeiten gerät und ihn natürlich nicht tötet, sondern Vertrauen schenkt. Allgemein wirken die Charaktere hier allesamt so, als wären sie furchtbar leicht zu überzeugen. So verliert die Handlung dann leider irgendwann ihren Reiz, besonders da es an einigen Stellen zu Wiederholungen kommt. Beispielsweise finden etliche Leute nacheinander heraus, wer sie wirklich ist und läuft immer wieder nach dem gleichen Schema ab: Erst Entsetzen, dann "Ach, vertrau ich einer Hexenjägerin einfach mal blind!"

Die Story kam mir stellenweise zu einfach und konstruiert vor. Die Handlung kommt nicht so recht voran nachdem Elizabeth bei Nicholas Perevil ankommt und ihm helfen soll. Das Ende empfand ich zwar als ganz nett, aber irgendwie hat mir auch dort das wirklich fesselnde gefehlt. "Witch Hunter" war leider kein Buch, in das ich vollkommen abtauchen konnte, obwohl ich die Welt und die Grundidee gut fand. Mir hat hier eine originelle Story gefehlt und eine etwas stärkere Protagonistin ...




Den damaligen Hype rund um das Buch kann ich leider nicht nachvollziehen. Die Grundidee ist gut, das Buch ist auch recht einfach zu lesen, aber es fehlt doch an Charaktertiefe und vor allem Charakterstärke!


Samstag, 7. September 2019

[Rezension] Traumwellenküsse - Sandra Pulletz

Titel: Traumwellenküsse
Autor:  Sandra Pulletz
Genre: Roman
Erscheinungsdatum:  13. August 2019
Anzahl der Seiten: 312
Cover und Inhaltsangabe © Sandra Pulletz

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar!



"Nachdem ihr Freund sie verlassen und aus der Wohnung geworfen hat, wagt Kira einen Neustart. Sie wandert Hals über Kopf nach San Diego aus, um bei einer Freundin unterzukommen. Hier will sie ihren Traum verwirklichen und in der Kunstbranche aufsteigen. Aber das Schicksal meint es anders mit ihr und sie muss sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durchschlagen. Dabei trifft sie auf den vorlauten Surfer Jayden, der von nun an ständig ihren Weg kreuzt. Sie hat den Männern zwar längst abgeschworen, aber Jaydens ozeanblaue Augen kann sie nicht so schnell vergessen … Jayden soll das Hotel seiner Mutter übernehmen, aber eigentlich will er das nicht und bricht sein Studium ab. Seine Leidenschaft ist das Surfen. Was er sonst noch vom Leben erwartet, weiß er nicht. Jedenfalls keine freche Frau mit lästigem Hund, auf die er pausenlos trifft. Aber wieso geht ihm Kira nicht mehr aus dem Kopf?"




Als großer Fan von Sandra Pulletz stand für mich schnell fest, dass ich auch ihren jüngsten Liebesroman unbedingt lesen muss. Dieses Mal entführt uns die österreichische Autorin passend zum Sommer nach San Diego an den Strand. Gemeinsam mit der Protagonistin Kira lernen wir dort nämlich Jayden kennen, der auf den ersten Blick nur zwei Dinge wirklich mag: Frauen und Surfen.

Der Autorin ist es gelungen, Jayden erst einmal als typischen Aufreißer darzustellen. Er hat gerade sein Studium abgegeben und will eigentlich nur seinen Spaß haben. Zu Beginn der Geschichte musste ich bei ihm oft echt die Augen verdrehen, fand dann seine Entwicklung aber absolut toll, vor allem, da der Leser seine "Wandlung" hautnah miterlebt.

"Traumwellenküsse" wird abwechselnd aus der Sicht von Jayden und Kira erzählt. Kira war mir von Anfang an sympathisch. Nachdem sie ihren Job und ihren Freund verloren hat, reist sie nach Amerika und hofft, dort ein neues Leben anfangen zu können. Doch auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten stellen sich ihr so einige Hürden in den Weg ...

Es hat Spaß gemacht, sowohl der Liebesgeschichte zu folgen, als auch den zwei Charakteren, die hier ganz eigene Probleme zu lösen haben. Wie bei allen anderen Werken der Autorin kommen natürlich auch die Nebencharaktere nicht zu kurz. Von dem Hund Cookie bis zur Nachbarin Isobel haben sie sich genau wie Kira und Jayden in mein Herz geschlichen!

Mich hat "Traumwellenküsse" von der ersten Seite an begeistert. Es gibt, wie gewohnt, zahlreiche Problemchen zu lösen und Missverständnisse aus der Welt zu schaffen, zudem eine gehörige Portion Liebe, Freundschaft und Humor. Außerdem besuchen wir mit Kira und Jayden zahlreiche (sommerliche) Schauplätze. Für mich ein rundum perfekter, leichter und romantischer Liebesroman!



"Traumwellenküsse" ist die perfekte Strandlektüre. Einfach das Rauschen der Wellen hören und sich mit Kira, Jayden, Cookie und co. in dieses wundervolles (Liebes-)Abenteuer stürzen! Absolut empfehlenswert!

Donnerstag, 5. September 2019

[Rezension] Sie - Stephen King

Titel: Sie
Autor:  Stephen King
Genre: Roman, Horrorroman
Erscheinungsdatum: 8. Februar 2011
Anzahl der Seiten: 528
Cover und Inhaltsangabe © Heyne

Begonnen: 16.07.2019
Beendet: 02.08.2019



"Schriftsteller Paul hat seine Serienheldin Misery sterben lassen. Nach einem Autounfall hält die Krankenschwester Annie - Pauls "größter Fan" - den verletzten Autor gefangen und zwingt ihn weiterzuschreiben."




Nach "Es" hat mich Stephen King noch weiter auf meiner "Reise" begleitet. Kein anderes Buch hätte wohl besser gepasst als "Sie", geht es hier doch um einen verlorenen Autor, ja, einem Autor, dem seine Schreiberei letztendlich zum Verhängnis wurde.

Die Geschichte war mir natürlich schon im Vorfeld durch die Verfilmung bekannt, ich kann mich allerdings nicht erinnern, das Buch jemals gelesen zu haben. Der Wahn, den das Schreiben auslöst, ja, die Sucht dahinter, war für mich als Autorin natürlich hier sehr intensiv spürbar. Ich denke, eine Menge von King steckt auch in Paul Sheldon und das macht das Buch wohl zu einem sehr ehrlichen Blick auf eine Leidenschaft, die oft eben sehr viel "Leid schafft", wenngleich es wohl auch nichts schöneres gibt, sich wirklich in einem Buch zu verlieren.

Beim Lesen habe ich hier allerdings festgestellt, dass Paul wohl nicht wirklich zu meinen liebsten King-Charakteren gehört. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag, denn ich habe mich in ihm doch wiederfinden können. Vielleicht war dies der Grund. Vielleicht habe ich mich zu sehr ihn ihm gesehen, dass ich eine gewisse Distanz geschaffen haben.

Generell gefallen mir jene Bücher von King lieber, die aus unterschiedlichen Sichten verfasst sind und viele unterschiedliche Charaktere in den Fokus rücken. In "Sie" haben wir hier nur einen Charakter und einen Gegenpol, nämlich Annie, die hier für einige wirklich krasse Schockmomente sorgt.

So lebt das Buch in erster Linie von Annies Unberechenbarkeit und der ständigen Frage, was sie Paul wohl als nächstes antun wird. Ich mag ihre Charakterzeichnung sehr und mir kam sie beim Lesen wirklich bedrohlich vor. So konnte ich auf jeden Fall mit Paul Sheldon mitfühlen!

Das Ende selbst hat mir auch gefallen, auch wenn es natürlich in dieser Form vorhersehbar war. Bis auf wenige kurz erwähnte Nebencharaktere spielt sich die gesamte Handlung ja zwischen Annie und Paul ab, sodass es letztendlich nur einen "Gewinner" geben kann ...



"Sie" ist ein Roman über das Schreiben, der wohl besonders Autoren mitleiden lässt. Ein interessantes und teilweise auch sehr brutales Werk mit zwei starken Charakteren!

Dienstag, 3. September 2019

[Rezension] Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle - Stuart Turton

Titel:  Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
Autor:  Stuart Turton
Genre: Roman, Krimi
Erscheinungsdatum: 24. August 2019
Anzahl der Seiten: 605
Cover und Inhaltsangabe © Tropen

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Netgallery und dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

Begonnen: 29.08.2019
Beendet: 2.09.219



"Maskenball auf dem Anwesen der Familie Hardcastle. Am Ende des Abends wird Evelyn, die Tochter des Hauses, sterben. Und das nicht nur ein Mal. Tag für Tag wird sich ihr mysteriöser Tod wiederholen – so lange, bis der Mörder endlich gefasst ist

Familie Hardcastle lädt zu einem Ball auf ihr Anwesen Blackheath. Alle Gäste amüsieren sich, bis ein fataler Pistolenschuss die ausgelassene Feier beendet. Evelyn Hardcastle, die Tochter des Hauses, wird tot aufgefunden. Unter den Gästen befindet sich jemand, der mehr über diesen Tod weiß, denn am selben Tag hat Aiden Bishop eine seltsame Nachricht erreicht: »Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.« Tatsächlich wird Evelyn nicht nur ein Mal sterben. Bis der Mörder entlarvt ist, wiederholt sich der dramatische Tag in Endlosschleife. Doch damit nicht genug: Immer, wenn ein neuer Tag anbricht, erwacht Aiden im Körper eines anderen Gastes und muss das Geflecht aus Feind und Freund neu entwirren. Jemand will ihn mit allen Mitteln davon abhalten, Blackheath jemals wieder zu verlassen."




"Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" wirkt auf den ersten Blick wie ein typischer Krimi im Stile von Agatha Christie. Hinter dem unscheinbaren Cover und dem Klappentext, der nicht einmal ansatzweise zusammenfassen kann, was für ein verrückter Genremix den Leser hier erwartet, verbirgt sich nämlich eine Geschichte, die sich deutlich von der breiten Masse abhebt.

Schon auf den ersten Seiten wird der Leser zusammen mit dem zuerst namenlosen Protagonisten ins kalte Wasser geworfen. Wir starten den ersten Tag nämlich, genau wie Aiden, ohne Gedächtnis und werden in eine total verrückte, unheimliche, teilweise recht brutale und sehr fesselnde Story geworfen. Er soll nämlich einen Mordfall auf einen Anwesen aufklären, der sich noch am Abend ereignen wird. Dabei sind so einige geladene Gäste in Blackheath und jeder scheint ein ganz eigenes Geheimnis zu haben.

Ich muss zugeben, dass ich mich erst mal an diese schrägen und undurchsichtigen Geschehnisse gewöhnen musste, ja, dass die Geschichte doch ein hohes Maß an Konzentration erfordert. Der Schreibstil mit seinen zahlreichen Anspielungen ist aber einfach nur genial und lassen auf den gut 600 Seiten keinerlei Langeweile aufkommen.

Der Leser wird aktiv zum Mitdenken animiert. Denn jeder neue Tag in einem neuen Körper zieht Verbindungen zu den vorherigen Handlungen. Vieles wird erst im Nachhinein erklärt und sorgt beim Lesen für zahlreiche "Aha"-Momente.

Die Grundidee ist vielleicht nicht neu, schließlich gibt es schon etliche Filme, die auf dem Prinzip solcher Zeitschleifen aufbauen, doch der Autor lässt dieses Werk zu einem wahren Abenteuer heranreifen. Nicht nur Zeitepoche ist sehr atmosphärisch eingebaut, nein auch die Grundstimmung besitzt eine stetige Bedrohung, denn jemand will verhindern, dass Aiden das Rätsel um den Mord beziehungsweise die Morde löst.

Gemeinsam mit Aiden Bishop hetzt der Leser von Körper zu Körper. Dabei gibt es im Grunde nicht nur einen einzigen Mordfall aufzulösen. Nein, es geht um Leben und Tod, darum, die Zeit auszutricksen und das Schicksal zu besiegen! Gleichzeitig werden nach und nach viele kleinen Geheimnisse offenbart und so wird hier Puzzleteil für Puzzleteil das große Gesamtbild zusammengesetzt.

Der Autor lässt sich bis zum Ende nicht in die Karten schauen und es gibt zahlreiche Plot Twists. Die letztendliche Auflösung hatte ich in Ansätzen bereits erahnt, aber doch steckte noch viel mehr hinter der ganzen Geschichte. Ich war überrascht, wie komplex dieses Werk doch ist, denn erst einmal werden hier acht Tage in acht verschiedenen Körpern beschrieben, zeitgleich aber auch sehr viele Zusammenhänge geknüpft. Mich hat "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle nicht nur unterhalten, mich hat die gesamte Geschichte mit den vielen schrägen Einfällen fasziniert und ich hoffe, bald noch mehr von Stuart Turton lesen zu dürfen!



Irrsinnig, schräg, unheimlich, atmosphärisch und voller überraschender Wendungen. "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" von Stuart Turton ist wohl der komplexeste und zeitgleich verrückteste Krimi, den ich je gelesen habe! Für mich ein echtes Highlight!

Sonntag, 1. September 2019

[Rezension] Elsie`s Lebenslust - Patricia Highsmith

Titel: Elsie`s Lebenslust
Autor:  Patricia Highsmith
Genre: Roman, Krimi
Erscheinungsdatum: 1988
Anzahl der Seiten: 358
Cover und Inhaltsangabe © Diogenes

Begonnen: 03.07.2019
Beendet: 11.07.2019



"Die aufregend hübsche Elsie Tyler taucht in Greenwich Village auf und bringt zwei Männer durcheinander. Ralph, ein exzentrischer Atheist mit einem Hund namens God, spioniert ihr nach. Der Illustrator Jack, der mit seiner Frau Natalia eine freie, 'moderne' Ehe führt, begegnet Elsie zufällig. Natalia nimmt Elsie auf und verfällt ihr ebenso wie Jack. Die Ehe bleibt bestehen, aber ein Mord geschieht..."




Nachdem ich mittlerweile schon drei Bücher von Patricia Highsmith gelesen habe, war ich froh, ein weiteres ihrer Werke im Bücherschrank entdeckt zu haben. Leider unterscheidet sich "Elsie`s Lebenslust" allerdings enorm von ihren anderen Werken.

So lernen wir im Laufe der Geschichte zwar zwei recht unterschiedliche Männer kennen, doch keiner der beiden wirkt so recht sympathisch. Leider hat mir auch etwas die von der Autorin gewohnte Charaktertiefe gefehlt. So war mir beispielsweise Ralph, der doch recht altbacken und festgefahren wirkt, bis zum Ende ein Rätsel, während Jack mit seiner "offenen" Ehe dann ebenso eindimensional daherkam.

Die Geschichte selbst ist auch recht langatmig. Im Titel erwähnte Elsie steht zwar irgendwie im Zentrum des Ganzen Wirrwars, aber irgendwie lernt der Leser auch sie kaum kennen. Sie steht zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite ist da Ralph, der ihre Lebensweise nicht akzeptiert, auf der anderen Seite Jack, der sie in allem bekräftigt.

So recht verstehen, was die Autorin mit diesem Werk aussagen wollte, konnte ich nicht. Auch die Krimihandlung am Ende wirkt seltsam deplatziert und dient wohl einfach dazu, um einen Hauch Spannung mit hineinzubringen. Wäre da bloß nicht die doch sehr lahme und beiläufige Auflösung, die nach der doch recht faden Story dann leider nur noch für Frust beim Zuschlagen des Buches sorgt ...




Ich hätte nicht gedacht, ein Buch von Patricia Highsmith einmal schlecht bewerten zu müssen, aber "Elsie`s Lebenslust" war leider ein Werk, das mich aufgrund der eindimensionalen Charaktere und der lahmen, deplatzierten Krimihandlung wirklich frustriert hat ...