Donnerstag, 13. Juli 2023

[Rezension] 0,4 - Eine perfekte neue Welt - Mike Lancaster

 


Titel: Jamey. Das Kind, das zuviel wusste

Autor:  0,4 - Eine perfekte neue Welt

Genre: Dystopie, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 272
Cover: © Oetinger
Begonnen: 19.06.2023
Beendet: 22.06.2023


Der 15-jährige Kyle Straker meldet sich bei einer Talentshow als Freiwilliger für eine Hypnoseshow. Als er und die anderen drei Hypnotisierten allerdings aus der Trance erwachen aufwachen, ist die Welt komplett verändert ...

Kyle Striker erzählt seine Geschichte in Form eines auf Band aufgezeichneten Berichts, der von einer anderen Zivilisation in der Zukunft analysiert wird. So wirkt alles wie ein altes Relikt und es gibt auch einige sehr amüsante Interpretationen von Dingen aus unserem Alltag zum Beispiel die Teletuppies, die für Götter der Kinder gehalten werden.

Zusammen mit der Freundin seines besten Freundes und zwei Erwachsenen muss Kyle vor den anderen Bewohnern des Ortes fliehen und sich gleichzeitig mit der Frage beschäftigen ob er so viele alle anderen sein will oder aber lieber der Mensch bleibt, der er momentan ist, mit all seinen Schwächen und Fehlern ...

Spannend ist diese Dystopie, die etwas von einem Endzeitroman hat, von Anfang an. Dabei sind die Kapitel sehr kurz und knackig, sodass man am liebsten das ganze Buch am Stück verschlingen würde. Die Geschichte ist dabei gar nicht einmal so lang, aber doch macht es Spaß hinter die Geheimnisse der neuen Welt zu kommen und vor allem zu erkennen, dass es wohl immer Leute geben muss, die nicht dazugehören dürfen, möchten oder können. Ein starkes Jugendbuch!



Zwei Erwachsene und zwei Jugendliche werden hypnotisiert und landen in einer scheinbar perfekten Welt, zu der sie aber nicht mehr gehören. Eine düstere und erschreckende Dystopie!


Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 11. Juli 2023

[Hörbuch] Stranded - Die Insel - Sarah Goodwin

 


Titel: Stranded - Die Insel

Autor:   Sarah Goodwin

Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsjahr: 2023
Spieldauer: 11 Stunden 54 Minuten
Cover: © Lübbe Audio



Maddie nimmt an einer Fernsehshow teil, in der acht vollkommen Fremde ein Jahr auf einer einsamen Insel überleben müssen. Leider ist Maddie eigentlich eher eine Einzelgängerin und so kommt es schnell zu den ersten Konflikten innerhalb der Gruppe. Und plötzlich kommt es zum ersten Todesfall ...

Ich habe mal wieder ein Hörbuch mit meinem Mann gehört und bin so mit ihm und auch den anderen acht Teilnehmern der Fernsehshow auf eine einsame Insel gereist. Dieses große Abenteuer beginnt dabei eher ruhig, da es erst einmal nur darum geht, Nahrung zu finden und sich einen Unterschlupf zu bauen. Maddie bringt hier einiges an Wissen mit in die Gruppe, aber es kommt dennoch immer wieder zum Streit. Schließlich entwickelt sich eine ähnliche Situation wie in William Goldings "Der Herr der Fliegen", denn Maddie wird ausgrenzt und schließlich auch verstoßen.

"Stranded - Die Insel" ist sicherlich kein Pageturner und entwickelt echte Spannung auch erst zum Ende hin. Dennoch gefiel mir die Dynamik auf der Insel und die zunehmende Verzweiflung. Es entstehen typische Rollen in der Gruppe, so gibt es neben der Außenseiterin auch einen Anführer und viele Mitläufer. Dies war für mich auch die große Stärke des Romans, denn leider schwächelt es doch an einigen Stellen. So war für mich die Gefahr nicht direkt greifbar, da der Leser früh erfährt, dass es Maddie geschafft hat, die Insel zu verlassen. Das Ende selbst mit dem kleinen und bösen Racheakt hat mir hier aber gut gefallen! 


Kein Thriller, aber dennoch ein interessanter Roman über eine abgelegene Insel und 8 Fremde, die sich zusammenraufen müssen, aber recht schnell gewisse Rollen innerhalb der Gruppe einnehmen. Als Hörbuch eine angenehme Unterhaltung, auch wenn es an Spannung etwas mangelt!

Ich vergebe 4 von 5.





Sonntag, 9. Juli 2023

[Rezension] Jamey. Das Kind, das zuviel wusste - Jonathan Kellerman

 


Titel: Jamey. Das Kind, das zuviel wusste

Autor:   Jonathan Kellerman

Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsjahr: 2004
Seitenzahl: 539
Cover: © Lübbe
Begonnen: 17.06.2023
Beendet: 21.06.2023


Der Jugendpsychiater Dr. Delaware bekommt einen alarmierenden Anruf von einem ehemaligen Patienten, der seine Hilfe braucht. Jamey ist aus einer Klimik geflohen und wird schließlich neben der Leiche eines Bankiers gefunden. Alle glauben, dass Jamey ein gesuchter Serienmörder sein könnte, nur Dr. Delaware ist von seiner Unschuld überzeugt ...

Der Autor Jonathan Kellerman, der selbst viele Jahre als Jugendpsychologe arbeitete, hat mit Jamey einen sehr vielschichtigen Charakter erschaffen. Der hochbegabte Junge, der plötzlich Anzeichen von Schizophrenie zeigt und als Mörder abgestempelt wird, bittet Dr. Delaware um Hilfe. Der Psychologe hängt sich sofort in die ganze Sache hinein, spricht mit Ärzten, Anwälten und anderem Patienten. So entsteht ein immer deutlicheres Bild von Jamey, der vielleicht eher Opfer als Täter ist ...

Als echten Thriller kann ich dieses Buch aber nicht ansehen. So interessant ich Jamey als Charakter sowie das Psychologie-Thema auch fand, es mangelte mir doch an Spannung. Immer wenn es um den sehr verstricken Fall ging und eben nicht mehr direkt um Jamey habe ich mich gelangweilt. So fand ich zwar das Ende ganz nett, aber genauso unaufgeregt wie das ganze Buch das zwar eine gute Charakterstudie beinhaltet, ansonsten aber nur aus Dialogen, Mutmaßungen und dem langsamen Herantasten an die Wahrheit besteht.




Jamey empfand ich als sehr vielschichtigen Charakter, der durch die verschiedenen Gespräche, die der Psychologe führt, von allen Seiten beleuchtet wird. Der Mordfall hat mir allerdings nicht zugesagt und so habe ich mich stellenweise leider stark gelangweilt ...

Ich vergebe 3 von 5.



Freitag, 7. Juli 2023

[Rezension] Endlich Sommer (Kurzgeschichten) - Margaret Atwood, T.C. Boyle, Ernest Hemingway u.v.w

 


Titel: Endlich Sommer

Autor:   Margaret Atwood, T.C. Boyle, Ernest Hemingway und andere

Genre: Kurzgeschichten
Erscheinungsjahr: 1998
Seitenzahl: 400
Cover: © Econ Verlag
Begonnen: 14.06.2023
Beendet: 19.06.2023


Diese sommerliche Anthologie habe ich bereits im letzten Jahr als es kühler wurde in einem Bücherschrank entdeckt. Die aktuelle Hitze hat mich dazu inspiriert, diesen Kurzgeschichtenband, in dem sich 18 größtenteils sehr bekannte und sehr unterschiedliche Schriftsteller versammeln, zu lesen.

Die anfänglichen Geschichten konnten mich allerdings nicht so recht vom Hocker reißen und mir fehlte lange das sommerliche Gefühl. Eventuell verbinde ich selbst mit dem Sommer aber auch ganz andere Dinge, denn tatsächlich haben mir hier Landschaften und die Natur sehr gefehlt.

In diesem Buch lernte ich allerdings auf recht angenehme Weise nun Autoren kennen, die ich bisher nur vom Namen her kannte. So war "Wetterumschwung" mein erster Kontakt mit Hemingway. Diese Geschichte über einen seltsamen Dialog zwischen einem jungen Mann und seinem Mädchen kam mir allerdings nicht allzu nahe.

In den Geschichten geht es hauptsächlich um Liebe, Lust und Leidenschaft. Einiges wie beispielsweise "Die Hängematte zwischen den Linden" von Javier García Sánchez war mir zu vulgär, anderes wie Lion Feuchtwangers "Venedig (Texas)" viel zu eintönig.

T.C. Boyles Geschichte ist hingegen gewohnt durchgeknallt und handelt von Jungs, die Spaß haben wollen und jede Menge Probleme anhäufen. Neben "Der Sonnenaufgang" von Margaret Atwood, die eine vielschichtige Charakterin aufzeichnet und für mich die einzige wirklich tiefsinnige Geschichte war, konnte mich auch "Sommergewitter" von Cesare Pavese gut unterhalten. Ansonsten werde ich wohl die meisten der Storys (leider) recht schnell wieder vergessen haben ...



Diese sommerliche Anthologie mit sehr unterschiedlichen Geschichten größtenteils sehr bekannter Schriftsteller konnte mich nur mit wenigen Geschichten wirklich gut unterhalten. Leider fehlte mir oft das sommerliche Gefühl ...

Ich vergebe 3 von 5.





Mittwoch, 5. Juli 2023

[Rezension] Röslein rot - Ingrid Noll

 


Titel: Röslein rot

Autor:   Ingrid Noll

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1998
Seitenzahl: 273
Cover: © Diogenes
Begonnen: 13.06.2023
Beendet: 16.06.2023



Annerose liebt Stillleben und erkennt dabei gar nicht, dass ihr eigenes Familienleben bereits zu einer Art Stillleben verkümmert ist. Als sie plötzlich ihren Mann der Untreue beschuldigt, eskaliert alles und es gibt bald sogar einen Toten, mit dem niemand rechnen konnte.

Ich bin den Büchern von Ingrid Noll mittlerweile verfallen und muss sie - sobald mir eins in die Hände fällt - direkt lesen. Obwohl ihre Geschichten ruhig sind und meistens nur das Leben "normaler" Frauen beschreiben, mag ich die Charaktertiefe, die leisen, aber dennoch intensiven Töne und die teils sehr bizarren Entwicklungen.

Annerose ist ein unfassbar spannender Charakter, den die Autorin hier gekonnt durchleuchtet. Wir erfahren nicht nur mehr über ihre Kindheit sondern erleben auch hautnah mit, wie sie immer misstrauischer beziehungsweise eifersüchtiger wird und ihren Mann schließlich regelrecht dazu drängt, mit einer anderen Frau etwas anzufangen.

Die Ehe von Annerose und Reinhard steht dabei im Fokus und die Tatsache, dass ausgerechnet eine verrückte Stalkerin den Stein ins Rollen bringt und somit für das ganze Chaos verantwortlich ist, besitzt einen grandiosen schwarzen Humor. Das Ende ist schräg und gleichzeitig auch so komisch, dass ich das Buch unweigerlich mit einem Grinsen zuschlagen musste. Ich freue mich bereits auf das nächste Buch von Ingrid Noll!


"Röslein rot" ist die schräge Geschichte einer Frau, die ihren Mann durch ihre Eifersucht förmlich in die Untreue zwingt und dann irgendwie mit den Scherben ihrer Ehe und einen überraschenden Toten umgehen muss. Absolut unterhaltsam, bitter, tragisch und witzig! 

Ich vergebe 5 von 5.

Montag, 3. Juli 2023

[Rezension] So lonely - Per Nilsson

 


Titel: So lonely

Autor:   Per Nilsson

Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 1996
Seitenzahl: 160
Cover: © Oetinger Verlag
Begonnen: 11.06.2023
Beendet: 14.06.2023


Ein Junge zwischen Kindheit und Erwachsenwerden gefangen, sitzt an einem einsamen Samstag an seinem Schreibtisch und wartet auf einen Anruf. Dabei durchlebt er, wie das mit Ann-Kathrin und ihm angefangen hat und wie die Sehnsucht ihn vollkommen verzerrt hat. Er will nicht mehr lieben, denn dieses Mädchen, das er Herzttrost nennt, hat sein Herz nicht getröstet sondern zerstört ...

"So lonely" ist ein Jugendbuch, das ich - wie ich nach wenigen Seiten festgestellt habe - bereits als Teenager gelesen habe. Damals hat mich das Buch aufgrund der Thenatik stark mitgenommen, mich aber gleichzeitig der Zitronenmelisse näher gebracht, die Jahre nach dem Lesen auch mein "Herztrost" war. Es geht in dieser Geschichte um einen namenlosen Jungen, der sich - wie Goethes Held in "Die Leiden des jungen Werther - in seiner ersten Beziehung und damit in seinem ersten Verliebtsein vollkommen verliert. Sehnsucht wird zu Besessenheit, Zuneigung zu Eifersucht und Liebe zu Schmerz.

Per Nilsson hat einen wundervollen Umgang mit Worten und beschreibt das Innenleben des Verliebten auf eine ganz eigene Art und Weise. Er lässt diese Geschichte leicht erscheinen, obwohl sie so viel Tiefgang und vor allem auch Schmerz beinhaltet. Während der Hautcharakter an seinem Schreibtisch sitzt und seine allererste Liebe noch einmal durchlebt oder besser durchleidet, gerät auch der Leser in einen wahren Strudel der Gefühle. Es war schwer, mit anzusehen, wie sich der Junge immer mehr hineinsteigert und die erschreckende Wahrheit nicht erkennt. 

Dem Schriftsteller ist ein kurzer, aber sehr intensiver Einblick in die überwältigende Macht der ersten Liebe gelungen und damit auch in den Schmerz, der am Ende übrig bleibt. Ich glaube, dies ist so ein Jugendbuch, dass ich noch dutzende Male lesen und dennoch immer wieder dieselbe Wucht der Gefühle spüren würde. Für mich ein Wahres Highlight, sprachlich als auch von der Intensität der Story, bei dem jedes Wort gut gewählt ist und sich ins Herz der Leser bohrt!



"So lonely" ist die emotionale Geschichte eines Jungen, der einsam am Schreibtisch sitzt und seine erste Liebe noch einmal durchlebt. Er reist den Leser mit sich in ein Gefühlschaos aus Liebe, Eifersucht, Sehnsucht und Besessenheit. Ein unfassbar starkes Jugendbuch!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratripfen!




Samstag, 1. Juli 2023

[Rezension] Into the Water - Paula Hawkins

  


Titel: Into the Water

Autor:   Paula Hawkins

Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 480
Cover: © Blanvalet
Begonnen: 08.06.2023
Beendet: 13.06.2023


Julia, die von allen nur Jules genannt wird, kehrt nach dem Tod ihrer Schwester in ihre alte Heimat zurück. Sie glaubt nicht daran, dass Nel wirklich gesprungen ist und fürchtet sich selbst vor jenen Ort, in dem schon viele Frauen ums Leben kam und den alle den Drowning Pool nennen ...

"Into the Water" ist ein Psychothriller, in dem es um mehrere rätselhafte Tode geht. Es gibt sehr viele Personen, die involviert sind und ebenso viele Sichtweisen, was gerade zu Beginn sehr verwirrend ist. Neben der Geschichte von Jules Schwester werden auch die anderen Todesfälle aufgearbeitet, es gibt die Polizei, die ermittelt und auch andere Personen, die zumindest teilweise in die ganzen Geschehnisse verstrickt sind. Zeitgleich gibt es Nebenstränge, die den Leser auf eine falsche Fährte locken sollen, so auch Jules eher unwichtige Vergangenheit.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat mich die Geschichte packen und unterhalten können. Dieses Mal hat sich mein Lesetagebuch als ausgesprochen nützlich erwiesen, denn es war doch sehr schwierig, die einzelnen Personen unterscheiden zu können und zu verstehen, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Paula Hawkins hat sich hier leider keinen Gefallen damit getan, alles aus der "Ich"-Perspektive zu schildern.

Der Mittelteil kam mir hier am stärksten vor. Leider lässt das Buch zum Ende hin, als ein paar der Handlungsstränge ins Leere führen, stark nach und für meinen Geschmack war das Ende eine Spur zu lahm und offensichtlich. Ich habe das Buch, das ich bis zu einen gewissen Punkt sehr gerne gelesen habe, dann doch enttäuscht zugeschlagen ...


"Into the Water" ist ein vielschichtige Geschichte, die durch die zahlreichen Blickwinkeln - hat man sich erst mal daran gewöhnt - durchaus zu fesseln und unterhalten weiß. Leider war mir das Ende zu einfach und offensichtlich ...

Ich vergebe 3 von 5.