Sonntag, 12. Oktober 2025

[Rezension] Die Aosawa-Morde - Riku Onda


  Titel: Die Aosawa-Morde 

Autor:  Riku Onda

Genre: Krimi

Erscheinungsjahr: 2022

Seitenzahl: 400
Cover: © Atrium Verlag
Begonnen: 08.09.2025
Beendet: 11.09.2025


Eine große Massenvergiftung auf dem Fest der Ärztefamilie Aosawa sorgt auch noch Jahre später für viele unbeantwortete Fragen. Siebzehn Menschen kamen damals ums Leben, die gesamte Familie war auf einen Schlag ausgelöscht - nur Hisako, die blinde Tochter des Hauses, überlebte. Der rätselhafte Mann, der an diesem Tag die Getränke lieferte, stand nach seinem Selbstmord als Täter fest.  Doch lässt sich der Fall wirklich so einfach lösen?

Das Fest wird aus mehreren Sichtwinkeln aufgearbeitet. Alles liest sich, als würden wir als Leser selbst die Interviews führen und mit den betroffenen Personen sprechen. Dieser Stil ist ungewöhnlich und schafft sehr viel Nähe. Ich hatte das Gefühl, unfassbar tief in das "vergessene Fest" hineingezogen zu werden. So tief, dass ich beim Lesen immer wieder eine Gänsehaut bekam.

Wir erfahren von einer Autorin, die über den seltsamen Fall geschrieben hat und die einige Details im Buch verändert hat. Tat sie dies, um den Täter herauszufordern? Auch der damals involvierte Polizist, der von Anfang an Hisako in Verdacht hat, erzählt von seinen Beobachtungen und all den ungelösten Fragen. Zudem melden sich auch Personen zu Wort, die entweder auf dem Fest waren oder aber mit dem mutmaßlichen Täter in Verbindung stehen.

Ich stand schnell im Bann dieses mysteriösen und sehr tiefgründigen Kriminalromans, der in dieser Form sicherlich einzigartig ist. Es geht viel um Symbolik und wir als Leser müssen aufmerksam und wachsam jede Aussage selbst interpretieren. Zum Ende mag einiges offen bleiben, auf anderes muss selbst eine Antwort gefunden werden. Auch Tage später hallt das Buch bei mir noch nach. Für mich war dieses Werk ein echter Glücksfund und ein Highlight!


"Die Aosawa Morde" ist von Aufbau, Stil und Erzählweise ein sehr ungewöhnlicher Kriminalroman, der zu schockieren und überraschen weiß. Wirklich ein kleines Meisterwerk aus Japan und für mich ein Highlight

Ich vergebe 5 von 5 mit Extrakäse.

Freitag, 10. Oktober 2025

[Rezension] Am Ende dieses Sommers - Carolyn Haines


 Titel: Am Ende dieses Sommers

Autor:  Carolyn Haines

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 1999

Seitenzahl: 572
Cover: © Bastei Lübbe
Begonnen: 04.09.2025
Beendet: 08.09.2025

Ein Sommer voller Veränderungen liegt vor der 13-jährigen Rebekka. Ein Sommer, der zudem mit dem Verschwinden eines Babys enden soll. In der Kali Oka Road liegt plötzlich Gefahr in der Luft ...

Carolyn Haines entführt den Leser ins Jahr 1963. Ein heißer Sommer liegt vor Bekka und ihrer besten Freundin Alice, die sich pausenlos um das neunte Kind ihrer Familie kümmern muss. Mit dem Sommer ziehen auch zahlreiche Fremde in die Kali Oka Road. Da ist zum Beispiel die Sekte namens "Blut der Erlöser", aber auch eine alleinstehende Frau, die mitsamt ihren Pferden einen Stall bezieht, in dem es angeblich spuken soll.

"Am Ende dieses Sommers" ist ein atmosphärischer und abenteuerlicher Roman, in dem ein junges Mädchen erkennen muss, wie grausam die Welt sein kann. Rebekka ist eine starke Persönlichkeit, die etwas zu viel Mut besitzt und dadurch sehr oft in gefährliche Situationen gerät. Die Autorin spricht sehr viele Themen an, erzählt sowohl von Rassismus, als auch einer Sekte und lässt auch Probleme innerhalb der Familie einfließen. Auch die erste Liebe schleicht sich langsam in Bekkas Leben. Beim Lesen ist spürbar, wie sich alles anstaut und nur noch der letzte Tropfen fehlt, um das Fass zum Überlaufen zu bringen.

Der Sommer in der Kali Oka Road hat mir viele tolle Lesestunden beschert. "Am Ende des Sommers" zeigt sehr schön, wie schwer es ist, erwachsen zu werden und die Welt sowie gewisse Menschen zu verstehen. Für mich war es ein erstklassiger Coming-of-Age-Roman!



Ein wundervoller und nachdenklich stimmender Roman über das Erwachsenwerden in einem Sommer, der viele Chance mit sich bringt, aber auch viele Hürde und Gefahren bereithält. Ein toller Roman!


Ich vergebe 5 von 5.

Mittwoch, 8. Oktober 2025

[Rezension] Der Frauenjäger - Petra Hammesfahr

 


Titel: Der Frauenjäger

Autor:  Petra Hammesfahr

Genre: Krimi, Thriller

Erscheinungsjahr: 2012

Seitenzahl: 432
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 04.09.2025
Beendet: 08.09.2025

Der Jäger ist hinter Frauen her, die sich nur von ihren Männern aushalten lassen und diese dann auch noch betrügen. Auch Marlene gehört aus der Sicht des Täters wohl zu jenen Frauen und soll das Opfer Nummer neun werden ...

Ich bin ja nach wie vor großer Fan von Petra Hammesfahr, auch wenn ich nun schon zahlreiche Bücher gelesen habe, bei denen zwar ihr Talent für das Schreiben zu spüren war, sie sich aber selbst irgendwie total verheddert hat. Leider gehört auch "Der Frauenjäger" in diese Kategorie. 

Das Buch beginnt sehr stark mit der Erzählung eines Mannes, der erst seine eigene Mutter und später dann auch alle anderen betrügerischen Frauen verabscheut. Doch dann werden wir als Leser Teil einer Gruppe von Freundinnen, die uns ins typische Ehe- und Alltagsleben entführen. Der Frust aller vier Frauen, die sich für vier bereits miteinander befreundete Männer als Partner entschieden haben, färbt dabei auch auf den Leser ab.

Marlene steht im Fokus der Geschichte. Sie ist allerdings eine sehr farblose Frau, die schon lange nichts mehr mit sich anzufangen weiß. Als neuntes Opfer muss sie nun ums Überleben kämpfen. Es gibt immer wieder kurze Kapitel aus ihrer Gefangenschaft, in denen es aber leider an Spannung mangelt. Mit Marlene mitfiebern konnte ich nicht.

Die Geschichte kommt lange Zeit nicht voran und es war für mich echt extrem anstrengend, überhaupt am Ball zu bleiben. Ich dachte, dass hier zum Ende hin noch eine Überraschung und eine echte Verbindung zu den Freundinnen kommen muss, aber die Autorin macht es sich mal wieder recht leicht. Auf mich wirkte die Auflösung etwas so, als hätte sie selbst ein wenig die Lust an ihrer Geschichte verloren ...



Mit Petra Hammesfahr verbinden mich zahlreiche tolle Bücher, aber leider auch immer wieder echte Tiefpunkte wie auch bei diesem Buch ... Für mich ein sehr schwaches Werk, bei dem sich die Autorin mal wieder selbst total verheddert zu haben scheint beim Schreiben.

Ich vergebe 2 von 5.

Dienstag, 7. Oktober 2025

[Rezension] Gefährliche Ferien - Skandinavien - Anthologie


 Titel: Gefährliche Ferien - Skandinavien

Autor:  Jussi Adler-Olsen, Inga Lindström, Helene Tursten, Henning Mankell, Tove Alsterdal und andere

Genre: Kurzgeschichten

Erscheinungsjahr: 2019

Seitenzahl: 272
Cover: © Diogenes
Begonnen: 29.08.2025
Beendet: 04.09.2025

Zahlreiche bekannte Autoren entführen den Leser in dieser Sammlung nach Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island. Die ersten beiden Geschichten von Tove Alsterdal und Henning Mankell gaukeln dabei erst einmal ein sehr hohes Niveau vor. Schnell wird jedoch klar, dass dieses Buch zu einem großen Teil nur aus Romananfängen und Ausschnitten besteht.

Mit "Urlaub in den Schären"von Viveca Sten fängt es an. Hier wird ein Fall mit einer angeschwemmten Leiche eröffnet und dann war es das. Es gibt keine Auflösung. So geht es dann auch munter weiter. Besonders frustrierend war für mich der Ausschnitt aus einem Krimi von Jan Costin Wagner, da ich das besagte Buch vor kurzem erst gefunden und nun zeitnah lesen wollte.

Der Blick in das Quellenverzeichnis offenbart hier, dass der Hauptteil der Beiträge nur Auszüge aus den Werken der Autoren sind und so ist das wenigste abgeschlossen. Ich finde es herrlich gesagt sehr dreist, darauf nicht einmal hinzuweisen und verstehe auch den Sinn hinter dieser Sammlung nicht. Katrine Engbergs Geschichte ist der einzige Originalbeitrag und das spürt man auch.

Ich war sehr frustriert über diese Anthologie, die ein wenig wie eine Ansammlung von Leseproben wirkt. Den Diogenes-Verlag schätze ich sonst sehr, doch das hier war ein echter Flop ...



Eine Anthologie, die im Grunde nur aus Ausschnitten und Romananfängen besteht, macht für mich keinerlei Sinn und auch keinen echten Spaß ... Ich bin sehr enttäuscht.

Ich vergebe 2 von 5.

Sonntag, 5. Oktober 2025

[Rezension] Kurz vor Mitternacht - Agatha Christie

 


Titel: Kurz vor Mitternacht

Autor:  Agatha Christie

Genre: Krimi

Erscheinungsjahr: 1983

Seitenzahl: 160
Cover: © Scherz Krimi
Begonnen: 29.08.2025
Beendet: 04.09.2025

Im "Möwennest" trifft Nevile mit seiner neuen Frau Kay auf seine Exfrau Audrey. Das sorgt von Anfang an für Spannungen, Eifersucht und vielen unausgesprochenen Gefühlen. Allen Anwesenden ist klar, dass es bald eskalieren muss. Mit einem Mord rechnet jedoch niemand ...

Der Mord geschieht ausnahmsweise mal nicht auf den ersten Seiten, sondern bahnt sich erst einmal an. Spannend ist hier die Erzählung aus der Zeit vor dem Mord in Form von mit Datum versehenden kurzen Einblicken in das Leben der einzelnen Charaktere. Hier zeigt sich, wie viel Entscheidungen schließlich zu der eigentlichen Tat führen.

Doch nicht nur vom Aufbau ist dieser Krimi ungewöhnlich. Als Ermittler erscheint hier Inspector Battle auf der Bildfläche, der den Fall sehr überlegt und ruhig betrachtet. Das ist auch nötig, denn es ist schon sehr überraschend, wer hier getötet wird und auch auf wen die ersten, viel zu eindeutigen Beweise hindeuten.

Mit der Auflösung habe ich mal wieder nicht gerechnet, was für Agatha Christies Geschick spricht, den Leser immer wieder aufs Glatteis zu führen. Ein toller Krimi!


Ein spannender und ungewöhnlicher Krimi von Agatha Christie, in dem der Weg zum Mord aufgezeigt wird und ein überraschendes Finale auf den Leser wartet! Ein wahres Lesevergnügen!


Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 4. Oktober 2025

[Rezension] Club der verliebten Dichter - Chris Bos

 


Titel: Club der verliebten Dichter

Autor:  Chris Bos

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2003

Seitenzahl: 204
Cover: © Klopp
Begonnen: 29.08.2025
Beendet: 01.09.2025


Lennart ist total in Fiona verliebt und hat ihr sogar ein Gedicht namens "Sahnequark" gewidmet. Als er seine Traumfrau dann auch noch im Dichterclub trifft, beschließt er, ihr seine Gefühle zu gestehen. Doch Fiona ist selbst in einen älteren, verheirateten Mann verliebt ...

Der Autor schmeißt den Leser hier direkt in Lennarts allererste Schwärmerei hinein und auch in den Dichterclub, in dem unterschiedlich Charaktere aufeinander treffen und ganz interessante Diskussionen führen.

Schade ist, dass Lennarts Gedichte gar nicht so recht eingebaut werden. Für mich war seine Liebe zu Fiona nicht so recht greifbar und daher eine Spur zu oberflächlich. Fiona selbst wirkt auch vollkommen unsensibel, denn das ganze Buch lang erzählt sie Lennart alles aus ihrem Liebesleben mit Emiel. Und Lennart? Ja, Lennart wartet als guter Freund an ihrer Seite und stürzt sich mal eben in eine rein körperliche Beziehung mit einem anderen Mädchen.

Die Grundidee von diesem Roman hat mir gefallen. Gerade auch die Geschichte vom Club der Dichter, die alle auf unterschiedliche Art lieben, ist gelungen. Warum dann aber fast nur die plumpen Gedichte von Raaf eingebaut worden verstehe ich nicht so recht. Gerade Herman ist auch ein spannender Charakter.

Vieles wird hier in diesem kurzen Roman einfach nicht zu Ende erzählt und bleibt daher sehr oberflächlich. Das Buch hat sich zwar flott gelesen, aber irgendwie blieb bei mir überhaupt nichts haften. Auch die letzten Seiten wirken so gehetzt und irgendwie fehlte es auch hier an etwas, das dem Leser mitgegeben wird. Sehr schade!



Ein kurzer Roman über einen Dichterclub und unterschiedlichen Arten der Liebe, dem es aber leider an Tiefe fehlt. Schade!

Ich vergebe 3 von 5.

Donnerstag, 2. Oktober 2025

[Rezension] Mordskind - Susanne Mischke

 


 Titel: Mordskind

Autor:  Susanne Mischke

Genre: Roman, Krimi

Erscheinungsjahr: 2000

Seitenzahl: 362
Cover: © Piper
Begonnen: 27.08.2025
Beendet: 29.08.2025

Doris und Paula leben nebeneinander und sind gute Freundinen sowie Mütter. Während Paula mit Simon jedoch einen sehr braven Sohn hat, muss sich Doris mit dem Satansbraten Max herumschlagen, der keinerlei Grenzen kennt. Doch dann verschwindet Max - es ist das zweite vermisste Kind in kurzer Zeit und ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Doch auch Doris verhält sich seltsam. Sie trauert kaum und verbringt auffallend viel Zeit mit Paulas Sohn ...

Susanne Mischkes Kriminalromane lese ich sehr gerne, denn sie sind vielschichtig und so angenehm bizarr. Auch in "Mordskind" finden sich viele interessante Charaktere. Zum einen ist da die Protagonistin Paula, die eine kleine Rebellin und sicherlich nicht die typische Vorzeigemutter ist. Es wundert wenig, dass bereits das Jugendamt hinter ihr her ist, obwohl sie ihren Sohn liebt. Ihr gegenüber steht nun Doris, die ihren Max verliert, darüber aber eher Erleichterung empfindet.

Keiner im Ort scheint wirklich um den kleinen Max zu trauern, aber alle stürzen sich natürlich auf den aus Russland stammenden Friedhofsgärtner, der oft in der Nähe des Spielplätzen gesehen wurde und so auffällig ist, dass er natürlich den perfekten Täter abgibt. Zu allen Überfluss hat Paula ihn bei sich auch noch als Gärtner angestellt, was dazu führt, dass die Leute schnell ihr Urteil fällen.

Mich hat dieser Krimi, der einige Überraschungen und Wendungen bereithält, bestens unterhalten. Ich hatte auch ein ganz anderes Ende erwartet, fand hier aber alles stimmig bis zur allerletzten Seite. Das war hoffentlich nicht mein letztes Buch von Susanne Mischke!


Ein spannender, leicht bizarrer Krimi mit vielschichtigen Charakteren und vielen Überraschungen. Lesenswert!

Ich vergebe 5 von 5.