Montag, 12. September 2022

[Rezension] Slam - Nick Hornby

 


Titel: Slam

Autor:  Nick Hornby

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenzahl: 368
Cover: © Knaur

Begonnen: 12.08.2022
Beendet: 17.08.2022



Sam, gerade einmal 15 Jahre alt, macht sich nicht allzu viele Gedanken über die Zukunft. Er fährt gerne Skateboard, redet mit seinem Tony Hawk-Poster und hat eine sehr junge Mutter, die immer für ihn da ist. Doch dann lernt er Alicia kennen, die kurze Zeit später, als er bereits das Interesse an ihr verloren hat, schwanger wird ...



Ich mag an den Büchern von Nick Hornby, dass stets ganze normale und alltägliche Situationen im Fokus stehen. So geht es in "Slam" um eine Teenagerschwangerschaft, die zu vielen Problemen führt. Sam selbst will sich erst einmal der Verantwortung entziehen, lernt dann aber, was es heißt, zu den eigenen Fehlern zu stehen.

Gewürzt mit dem typischen Hornby-Humor und der sehr jugendlichen Sprache ergibt sich hier ein sehr unterhaltsamer Roman, der sich mit dem Erwachsenwerden und besonders dem Erkennen der eigenen Fehler beschäftigt. Als sehr passend empfand ich Sams Reisen in die Zukunft. In dieser sieht er sich selbst als Vater und erkennt, an welchen Dingen er arbeiten muss und auf welche er eventuell selbst keinen Einfluss hat.



Sympathisch ist an diesem Buch, dass kaum ein Charakter perfekt ist. Alle machen Fehler - angefangen bei Sams Mutter bis hin zu Alicias Eltern - und das ist vollkommen in Ordnung. "Slam" ist ein toller Roman, der sich auf sehr charmante und ehrliche Weise mit einem schwierigen Thema auseinandersetzt und zeigt, dass es trotz zahlreicher Hürden möglich ist, einen Platz in dieser Welt zu finden.

Mich konnte dieser Roman, in dem eine ungewollte Teenager-Schwangerschaft im Fokus steht, unterhalten unf zum Nachdenken anregen. Ein tolles Werk, das sehr schön zeigt, dass es vollkommen in Ordnung ist, Fehler zu machen ...

Ich vergebe 5 von 5.






Samstag, 10. September 2022

[Rezension] Die Moortochter - Karen Dionne

 


Titel: Die Moortochter

Autor:  Karen Dionne

Genre: Psychothriller, Thriller
Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 384
Cover: © Goldmann

Begonnen: 10.08.2022
Beendet: 14.08.2022



Helene Pelletier wurde jahrelang mit ihrer Mutter in einer Blockhütte von ihrem Vater gefangen gehalten. Heute ist sie frei, lebt mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann allerdings noch immer im Moor. Als ihr Vater aus dem Hochsicherheitsgefängnis entkommt, weiß sie genau, dass er Jagd auf sie machen wird - und dass nur sie allein in der Lage ist, ihn aufzuhalten!




Von Anfang an baut die Autorin, die selbst lange vollkommen autark im Moor gelebt hat, eine wunderbare Atmosphäre auf, während wir Helene in der Gegenwart und auch in Form von einer rückblickenden Erzählung ihrer Kindheit kennenlernen. Die Abgeschiedenheit und auch die Bedrohlichkeit des Moores ist durchgehend zu spüren, nur an Spannung mangelt es diesem Buch leider in beiden Strängen.

Es ist durchaus interessant, Helenes Vorgeschichte zu erfahren, wäre da nicht ein Problem: Der Leser weiß von Anfang an, wie es ausgeht. Die Einblicke in die Persönlichkeit und auch die Unberechenbarkeit des Vaters sind gelungen, aber ich hatte beim Lesen mehr Angst vor dem Moor als vor diesem "Psychopathen". Dies liegt sicherlich auch daran, dass auch Helene hin- und hergerissen ist. Es ist spürbar, dass sie ihren Vater zwar liebt, aber gleichzeitig auch abgrundtief hasst.



Ich würde "Die Moortochter" nicht direkt als Psychothriller bezeichnen, sondern eher als einen Roman, der sich mit dem Überleben in der Natur beschäftigt. Dies ist durchaus fesselnd und gut dargestellt, doch die Jagd nach dem Vater geht dadurch leider stark unter und das Ende ist nicht nur vorhersehbar sondern auch etwas lahm und einfach ...

"Die Moortochter" ist ein interessanter Einblick in das autarke Leben im Moor, war mir als Psychothriller aber nicht eindringlich und auch leider nicht spannend genug ...

Ich vergebe 3 von 5.




Donnerstag, 8. September 2022

[Rezension] Was man sät - Marieke Lucas Rijneveld

 


Titel: Was man sät

Autor:  Marieke Lucas Rijneveld

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2021
Seitenzahl: 318
Cover: © Suhrkamp

Begonnen: 09.08.2022
Beendet: 11.08.2022



Alles beginnt damit, dass Jas an Weihnachten denkt, ihr Vater wolle ihr Lieblingskaninchen schlachten. Sie fleht Gott noch am selben Tag an, er möge doch lieber ihren Bruder zu sich nehmen. Dieser bricht tatsächlich beim Schluttschuhfahren ins Eis ein und stirbt ...

Von Anfang an ist "Was man sät" sehr melancholisch. Nach dem Tod des Bruders, versucht Jas mit ihrer Schuld zu leben, erkennt aber schnell, dass in ihrer sehr gläubigen Familie plötzlich alles anders ist. Nicht nur das Weihnachtsfest fällt aus, nein, von nun an soll es keinerlei Wärme und Liebe mehr geben.



Der nicht binäre Autor hat mit "Was man sät" einen andersartigen Roman verfasst, der mich als Leser allerdings stark herausgefordert hat. Wir erleben Jas in vielen Situationen, sind dabei wie sie erwachsen wird und gleichzeitig erkennt, dass der Tod des Bruders alles verändert, ja, vielleicht sogar unwiderruflich zerstört hat. Zeitgleich erleben wir aber auch ihre Fixierung auf Fäkalien. Ein Schock- und Ekelmoment jagt den nächsten, nicht gut dosiert, sondern ohne dem Leser eine Verschnaufspause zu gönnen.



Mir war die Geschichte zu bitter, zu depressiv, zu verschlingend. Ich brauchte Pausen zwischen dem Lesen, zum Durchatmen, aber auch um Abstand zu gewinnen. Ich habe beim Lesen Ekel, Faszination, aber auch tiefe Trauer empfunden. "Was man sät" ist ein Buch, das sich einprägen wird, ein Buch, für das man psychisch stark sein muss und ein Buch, das einem Bilder einpflanzt, die man so schnell nicht wieder loswird. Für mich war es zu viel und ich glaube, ich werde noch einige Zeit brauchen, um dieses Werk zu verdauen ...

Melancholisch, depressiv und verschlingend. "Was man sät" ist ein Roman, der den Leser gnadenlos in den Abgrund reißt und mit Fäkalien besudelt wieder ausspuckt. Für mich war es leider keine besonders angenehme Lektüre ...

Ich vergebe 3 von 5.








Dienstag, 6. September 2022

[Rezension] Mögliche Welten - William Tenn


Titel: 
Mögliche Welten

Autor:  William Tenn

Genre: Kurzgeschichten
Erscheinungsjahr: 1973
Seitenzahl: 142
Cover: © Heyne

Begonnen: 08.08.2022
Beendet: 10.08.2022



"Mögliche Welten" umfasst sechs Kurzgeschichten, die sich alle mit der Menschheit und der Welt in der Zukunft beschäftigen. Es geht um den Untergang unserer Zivilisation, um Kriege, um Zeitreisen und persönliche, teilweise sehr bittere Schicksale.

Da ich aktuell an einer Kurzgeschichte im Bereich Science-Fiction für einen Schreibwettbewerb arbeite, wollte ich mich näher mit diesem Genre vertraut mache. Bisher habe ich mich nur zaghaft herangewagt. William Tenn hat mir den Einstieg mit seinem Stil, seiner humorvollen Erzählweise und auch seinen sehr interessanten Ideen aber sehr leicht gemacht.

"Der Bewahrer" ist als erste Geschichte gut gewählt, geht es hier doch um den letzten Mann auf der Erde, der sich dazu entschließt, dass es gewisse Kunstwerke gibt, die erhalten werden sollten.




"Die neuen Mieter" und die letzte Story namens "Alle Welt liebt Irving Bommer" waren meine Favoriten, was wohl aber auch daran lag, dass dies eher Gruselgeschichten sind. Es geht um ein rätselhaftes dreizehntes Stockwerk und einen Liebestrank.

Weniger gefallen hat mir "Die Befreiung der Erde", geht es doch hier um einen Krieg zwischen den Welten. Das war mir dann doch zu viel Sci-Fi und ich konnte gedanklich leider nicht so recht folgen. "Unter Toten" und "Die Flirgelflipper" waren hingegen sehr spannend und originell. Mir hat der Einblick in die Zukunft in diesem Kurzgeschichtenband so gut gefallen, dass ich dem Genre nun bestimmt öfter eine Chance geben werde!



Originelle, spannende und teilweise auch sehr unheimliche Einblicke in die mögliche Zukunft der Erde und Menschheit! Sechs tolle Geschichten, die auch Leser begeistern dürften, die sonst mit dem Genre nur wenig anfangen können.

Ich vergebe 4 von 5.















Sonntag, 4. September 2022

[Rezension] Kleine Geschichten für Weiberfeinde - Patricia Highshmith

 


Titel: Kleine Geschichten für Weiberfeinde

Autor:  Patricia Highsmith

Genre: Kurzgeschichten
Erscheinungsjahr: 1979
Seitenzahl: 176
Cover: © Diogenes

Begonnen: 03.08.2022
Beendet: 14.08.2022



Wie ihr sicherlich alle bereits wisst, bin ich Patricia Highsmith und ihren Büchern schon lange verfallen. Sie ist ein großes Vorbild für mich und ihre Tagebücher, die erst dieses Jahr erschienen sind, sind mein täglicher Begleiter und meine größte Inspirationsquelle. Mit meinem Mann gemeinsam habe ich nun die 17 Kurzgeschichten in diesem recht dünnen Band gelesen, die allesamt beweisen, welchen geschärften Blick Patricia Highsmith auf die Gesellschaft hatte.

Teilweise bitter, teilweise sehr sarkastisch beschäftigt sich die Autorin mit den verschiedenen Frauentypen und analysiert diese in kurzen Geschichten. Sei es die Frau, die lieber Romane schreibt als sich mit ihren Eheproblemen zu beschäftigen, die dauerhaft Kranke, die von ihrem Ehemann umsorgt wird, die Hausfrau, die gerne Hausfrau ist und mit ihren Ansichten auf einer Feministinnen-Demo für Aufsehen sorgt, die Frau, die einfach nur als Bettinhalt wahrgenommen wird oder die Schwiegermutter, die sich aus allem heraushält, sie alle verbindet eins: Sie alle handeln ihrem eigenem Charakter entsprechend. Ich denke, jeder kennt Menschen, die den weiblichen Typen hier ähneln.




Auf Klischees verzichtet Highsmith und gibt so tiefgründige und nachdenkliche Einblicke in die Leben der unterschiedlichsten Frauen und analysiert dabei natürlich auch die Männer, die mit ihnen leben oder aber auch nur zu kurzen, manchmal sogar unfreiwilligen Wegbegleitern werden. Die Zeichnungen von Roland Topor passen perfekt zu den einzelnen Geschichten und sind so symbolhaft, dass es einfach Spaß macht, sie länger zu betrachten und viele kleine Details zu erkennen.




Für mich zeigen diese Kurzgeschichten sehr schön, welch großes Talent Highsmiths besaß und wie messerscharf ihr Blick auf die Menschen sowie auf die Gesellschaft war. Ich kann dieses dünne Büchlein jedem ans Herz legen, der sich mit dieser einzigartigen Autorin einmal beschäftigen möchte. Aber Achtung: Das könnte süchtig machen!

Wer sonst könnte die verschiedenen Frauentypen so treffend und auch absolut zeitlos analysieren als Patricia Hightsmith? Für mich ein grandioser Kurzgeschichtenband, den ich irgendwann noch einmal lesen werde!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.






Freitag, 2. September 2022

[Rezension] Linas geheime Liebesnotizen - Emma Hamberg


 Titel: Linas geheime Liebesnotizen

Autor:  Emma Hamberg

Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 336
Cover: © Rowohlt

Begonnen: 04.08.2022
Beendet: 09.08.2022



Lina fühlt sich unsichtbar und bemüht sich, in der Schule und bei ihren Freundinnen eine Rolle zu spielen. Nur in ihrem Tagebuch ist sie absolut ehrlich und erkennt, dass sie viele Dinge, die sie tut, eigentlich gar nicht will. So kommt sie auch mit Danne zusammen, den sie überhaupt nicht mag, denn sie ist eigentlich in den Siebtklässler Ivar verliebt, den aber niemand in ihrem Umfeld wirklich leiden kann. Wird sie weiterhin so sein wie alle anderen oder hat sie den Mut, endlich allen die echte Ina zu zeigen?




In Tagebuchform erzählt die Autorin von einem stinknormalen Mädchen, das all dass erleben will, was alle anderen in ihrem Freundeskreis auch erleben. Schnell wird jedoch klar, dass Lina sich zwingt, ganz anders zu sein als sie wirklich ist. Nicht nur, dass sie niemanden sagt, dass sie in Danne überhaupt nicht verliebt ist, nein, sie zwingt sich sogar zu ihrem ersten Mal, was natürlich total nach hinten losgeht.

Aufgepeppt mit witzigen Zeichnungen hat die Autorin hier einen wundervoll ehrlichen und zeitgleich sehr coolen Jugendroman geschrieben, der sehr gut beschreibt, was in einem Teenager, der gerade die eigene Sexualität entdeckt und sich ausleben will, vorgeht. Zeitgleich beschreibt sie hier aber auch ein Mädchen, das ihren Weg noch nicht kennt, sich ausprobiert und dabei zahlreiche Fehler begeht. All das gehört schließlich zum Erwachsenwerden dazu!




Ich mochte Lina hier sehr, symbolisiert sie doch sehr schön ein junges Mädchen, das sich selbst erst einmal kennenlernen und finden muss. Ganz unabhängig von der Liebe und ihren Freunden. "Linas geheime Liebesnotizen" hat mich zum Lachen gebracht, mich aber auch zeitgleich zurück in meine eigene Jugend versetzt. Ein grandioses Buch über die erste Liebe, das erste Mal und das Entdecken und Akzeptieren der eigenen Persönlichkeit und Bedürfnisse.

"Linas geheime Liebesnotizen" ist ein sehr humorvolles und zeitgleich sehr ehrliches Jugendbuch, das sich mit der ersten Lieben, Sexualität und dem Finden der eigenen Bedürfnisse beschäftigt.

Ich vergebe 5 von 5.






Mittwoch, 31. August 2022

[Rezension] Die sieben Dämonen - Barbara Wood

 


Titel: Die sieben Dämonen

Autor:  Barbara Wood

Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 1996
Seitenzahl: 350
Cover: © Fischer

Begonnen: 04.08.2022
Beendet: 07.08.2022



Mark Davison, der die ihm versprochene Professorenstelle nun doch nicht erhalten soll, bekommt ein 100 Jahre altes Tagebuch in die Hände gedrückt und soll eine Ausgrabung im Niltal leiten. Doch direkt nach seiner Ankunft werden die sieben Teilnehmer mit einigen seltsamen Vorfällen konfrontiert. Kann es sein, dass ein alter Fluch sie alle daran hindern soll, die Grabkammer Echnatons zu finden?

In einer gemütlichen Leserunde sind wir nach Ägypten gereist und ich war von der ersten Seite an erstaunt, welch Atmosphäre Barbara Wood hier erschafft. Ich konnte den Wüstensand förmlich schmecken und habe mich wie ein Teil des Ausgrabungsteams gefühlt. An vielen Stellen hatte ich eine richtige Gänsehaut, denn es passieren von Anfang an viele rätselhafte Dinge, die auf einen uralten Fluch hindeuten.




Ob es sich wirklich um einen Fluch handelt oder eine natürliche Ursache hinter all den Vorkommnissen steckt, lässt Barbara Wood hier sehr lange offen. Mark ist als Ägyptologe natürlich sehr lange davon überzeugt, dass sich alles irgendwie wissenschaftlich erklären lassen muss. Dadurch weiß auch der Leser lange Zeit nicht, in welche Richtung sich alles entwickeln wird. 

Ich mochte die Mischung aus Thriller, Mystery und Liebesgeschichte sehr. Geschickt gibt die Autorin auch Einblicke in die ägyptische Geschichte und auch das Leben in Ägypten ohne sich dabei vom Hauptstrang zu entfernen oder gar zu langweilen. Der große Showdown hat es dann in sich und hat mich durch die letzten Seite gefegt. Ein grandioses Abenteuer in Ägypten, das für mich beim Lesen ein echtes Erlebnis war!

Mein allererstes Buch von Barbara Wood hat mich total überrascht. Die gekonnte Mischung aus Thriller, Mysteryroman und Liebesgeschichte macht "Die sieben Dämomen" zu einem echten Pageturner und einem großen Abenteuer für Ägyptenfans!


Ich vergebe 5 von 5.