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Freitag, 14. März 2025

[Rezension] 3096 Tage - Natascha Kampusch

 


Titel: 3096 Tage

Autor:  Natascha Kampusch

Genre: Biografie

Erscheinungsjahr: 2010

Seitenzahl: 288
Cover: © List
Begonnen: 21.02.2025
Beendet: 25.02.2025


Natascha Kampuschs Geschichte ist wohl jedem bekannt. Ich selbst war damals sechzehn Jahre alt, als dieser Fall durch die Medien ging. In ihrem Buch beschreibt sie zum einem ihre Kindheit, in der sie wenig Selbstvertrauen besaß und zum anderen ihre 3096 Tage andauernde Gefangenschaft, in der sie hart für ihre Freiheit kämpfen musste.

Ich konnte mich sehr schnell mit Natascha Kampusch identifizieren und finde ihre Stärke, die sie selbstständig entwickeln musste, absolut inspirierend. Das Buch geht dabei sehr nahe, denn sie erzählt sowohl von ihrer Zeit im Kellerverließ als auch von den verstörenden Machtspielen des Täters.

Beim Lesen musste ich einige Male inne halten und tief Luft holen. Spannend ist, dass Natascha Kampusch den Täter sehr differenziert betrachtet und auch betont  dass nichts auf der Welt nur schwarz und weiß ist. Man spürt, wie sehr die ganze Entführung sie verändert hat und wie hart es war, ganz auf sich allein gestellt, die Kraft zu entwickeln, erwachsen werden zu müssen.

Ihr Weg in die Freiheit ist nicht der Weg eines Opfers, sondern einer wirklich starken und bewundernswerten Frau, die ein selbstbestimmtes Leben führen möchte. Sie erzählt in diesem Buch sicherlich nur ein Teil ihres Kampfes. Es ist aber auch ihr gutes Recht, nur das preiszugeben, was sie wirklich möchte. Für mich war "3096 Tage" schockierend, aber auch sehr inspierend!




"3096 Tage" erzählt von einer grauenvoll Entführung, aber auch von einer sehr starken Frau, die sich selbst entschließt, kein Opfer zu sein! Sehr mutig und inspirierend erzählt!

Ich vergebe 5 von 5.

Montag, 18. Dezember 2023

[Rezension] Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank - Jacqueline van Maarsen

 


Titel: Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank

Autor:  Jacqueline van Maarsen

Genre: Biografie

Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 224
Cover: © Fischer
Begonnen:16.11.2023
Beendet: 20.11.2023


Jacqueline van Maarsen ist die beste Freundin von Anne Frank und erzählt in dieser Biografie wie sie selbst die Jahres des Krieges und der Judenverfolgung erlebt hat. Dabei geht es hauptsächlich um die Geschichte ihrer beiden Eltern Eline und Hijman, die sehr verschieden waren.

Der Leser wird direkt in die Familie geworfen, lernt Eline als sehr unabhängige und starke Frau kennen und erfährt, wie sie mit Hijman zusammen kam und schließlich eine Familie gründete. Dann bricht jedoch der Krieg aus und die ganze Welt verändert sich.

"Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank" ist sicherlich ein weiteres wichtiges Zeitzeugnis, doch ich empfand allein den Titel als sehr unpassend, denn Anne selbst wird hier nur ein einziges Kapitel gewidmet, das für mich auch das stärkste und interessanteste im ganzen Buch war. Ansonsten erzählt Jaqueline van Maarsen eher sehr trocken über ihre eigene Familiensituation und einzelne historische Ereignisse. Mir fehlte hier tatsächlich der persönliche Bezug, denn ich hatte das Gefühl, dass sich die Autorin hier kaum noch an die Zeit erinnern konnte und so nur Fakten aneinander gereiht hat.

"Anne Franks Tagebuch" habe ich tatsächlich bereits mehrmals gelesen, doch dieses intensive Lesegefühl setzte nun beim Buch ihrer Freundin leider nicht ein. Es gab einige interessante Abschnitte und auch die gesammelten Bilder und Briefe waren spannend, doch ansonsten hat sich von dieser Lebensgeschichte bei mir nur wenig eingeprägt.



"Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank" war mir zu trocken erzählt und konnte mich, sieht man von den Abschnitten über Anne Frank selbst ab, nicht so recht in den Bann ziehen. Schade ...

Ich vergebe 3 von 5.





Mittwoch, 4. Oktober 2023

[Rezension] Acht Monate in der Hölle - Wie ich die Menschenversuche in Aston Hall überlebte - Barbara O‘Hare

 


Titel: Acht Monate in der Hölle - Wie ich die Menschenversuche in Aston Hall überlebte

Autor:  Barbara O‘Hare

Genre: Roman, Biografie

Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 304
Cover: © Weltbild
Begonnen: 31.08.2023
Beendet: 05.09.2023


Barbara wurde von ihrer Mutter schon früh verlassen und von ihrem Vater nie wirklich geliebt. So kommt sie schließlich in verschiedene Erziehungsanstalten und schließlich nach Aston Hall, einer psychiatrischen Klinik, in der sie und viele andere Patienten missbraucht werden ...

Das Buch beginnt mit der schrecklichen Kindheit von Barbara, die nie ein echtes Zuhause hatte und von ihrem Vater stark vernachlässigt hat. Sie kommt zu den verschiedenen Leuten und wird sowohl körperlich als auch psychisch missbraucht. 

In der Hölle war Barbara O'Hare nicht nur für acht Monate sondern fast ihre gesamte Kindheit lang. In Aston Hall kommen dann auch noch medizinische Experimente hinzu, denen sie als zwölfjähriges Mädchen nicht entkommen kann. 

Mich hat das Buch schockiert und traurig gemacht, denn Barbara musste sich stets selbst durchboxen und hatte nie familiären Halt. Gerade die Tatsache, dass sie nirgends gewollt oder geliebt wurde, macht alles noch schwerer. Ihren Vater fand ich besonders schlimm, denn er interessiert sich nicht dafür, wie es ihr geht. Er will sie einfach nur nicht in der Nähe haben. Mich hat das Buch psychisch echt mitgenommen, aber ich finde es sehr stark von der Autorin, ihre ganzen Erlebnisse niedergeschrieben und veröffentlicht zu haben.



Mich hat Barbara O'Hares' Geschichte beim Lesen stark mitgenommen, ist es doch eine Geschichte des Missbrauchs und der Vernachlässigung! So eine Kindheit sollte niemand haben müssen ...

Ich vergebe 5 von 5.


Donnerstag, 21. September 2023

[Rezension] Meine Jahre mit Pat (Erinnerungen an Patricia Highsmith) - Marijane Meaker


 Titel: Meine Jahre mit Pat

Autor:  Marijane Meaker

Genre: Biografie

Erscheinungsjahr: 2008
Seitenzahl: 336
Cover: © Diogenes
Begonnen: 06.09.2023
Beendet: 10.09.2023


Marijane Meaker erzählt in diesem Buch von ihrer kurzen, aber sehr intensiven Zeit mit Patricia Highsmith. Zwei Jahre lebten die beiden Schriftstellerinnen zusammen, doch es gab - da sie charakterlich doch sehr verschieden waren - von Anfang an Probleme und Streitigkeiten. In diesem biografischen Werk beschreibt Meaker, wie sie selbst Highsmith wahrgenommen und wie diese Beziehung auch ihr eigenes Leben beeinflusst hat!

Patricia Highsmith ist für mich eine große Inspiration, da ich mich in ihren Gedanken doch sehr oft selbst wiederfinde. Mittlerweile ist bekannt, dass sie definitiv kein einfacher Mensch war und die Welt mit ganz eigenen Augen betrachtet hat. Meaker beschreibt hier sehr schön, dass auch sie keinen echten Zugang zu Pats Gedankenwelt fand und ihre Launen oft nicht verstehen konnte. Auch Pats Alkoholsucht hat sie, obwohl sie ihr so nahe stand, zum damaligen Zeitpunkt anscheinend gar nicht wahrgenommen.

Meaker beschreibt hier auch eigene Entwicklungen. So hatte sie mehr Probleme mit ihrer Homosexualität als Patricia Highsmith und konnte wohl auch mit dem Leben auf dem Land, auf dem es doch sehr viel Gerede gibt, nicht viel anfangen. Es wird deutlich, dass Meaker sich selbst in eine Beziehung katapultiert hat, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, denn Eifersucht und auch Misstrauen spielten hier doch eine große Rolle. 

Pats Alkoholsucht, ihre Zweifel und ihre innere Zerrissenheit sind beim Lesen greifbar. Hinzu kommt der im späteren Abschnitt ihres Lebens entwickelte Jugendhass, der das aller letzte Treffen der beiden Frauen dominiert. Meaker gibt hier auf jeden Fall einen sehr ehrlichen und intensiven Einblick in Pats Welt, auch wenn sie selbst nur für einen winzigen Augenblick richtig dazugehörte ...

Meakers "Meine Jahre mit Pat" geben einen spannenden Einblick in die Welt von Patricia Highsmith und zeigen sowohl ihre guten, als auch ihre schlechten Seiten auf. Neben den Tagebüchern definitiv ein interessanter neuer Blickwinkel!

Ich vergebe 5 von 5.



Donnerstag, 27. Juli 2023

[Rezension] Ich ging durchs Feuer und brannte nicht - Edith Hahn Beer

 


Titel: Ich ging durchs Feuer und brannte nicht

Autor:  Edith Hahn Beer

Genre: Biografie
Erscheinungsjahr: 2002
Seitenzahl: 336
Cover: © Droemer Knaur
Begonnen: 02.07.2023
Beendet: 06.07.2023


Die Jüdin Edith Hahn ist gerade kurz davor, ihr Studium zu beenden, als die Nazis in Österreich einmarschieren und sie plötzlich kein Teil der Gesellschaft mehr sein kann. Ein Leben auf der Flucht beginn, doch dann trifft sie einen deutschen Mann, der ein überzeugter Nazi zu sein scheint und der sie wirklich heiraten will ...

Zeitzeugnisse wie dieses Buch, das sogar alte Bildern und Dokumenten beinhaltet und zeitgleich von einem persönlichen Schicksal erzählt, lese ich immer wieder gerne. Edith Hahn gibt in ihrer Biografie einen ehrlichen Einblick in ihr damaliges Leben, das sich mit dem Einzug der Nazis schlagartig geändert hat. Sie musste ihr erst ihr Studium und schließlich auch ihre Identität aufgeben.

Dabei hatte Edith von Anfang an sehr viel Glück. Nicht nur dass sie selbst der Deportation entkam, nein, sie lernte auch noch einen deutschen Mann kennen, der sie sofort heiraten wollte und schließlich dafür gesorgt hat, dass sie von allen als deutsche Haus- und Ehefrau betrachtet wird.

"Ich ging durchs Feuer und brannte nicht" ist ein interessanter Lebensbericht und ein wichtiges Zeitzeugnis. Etwas zu kurz kam für mich die Liebesgeschichte. Die ist - wenn man den Ausgang betrachtet - zwar verständlich, aber der Klappentext und der Titel lassen hier doch eher vermuten, dass Edith erst mal durch die Hölle gehen muss, um dann "gerettet" zu werden. Doch sie hat von Anfang an sehr viel Glück. Werner selbst kam mir dabei - wenn man seinen Charakter betrachtet - nicht unbedingt als großer Held vor. Das Leben ist aber nun mal kein Roman ...




"Ich ging durchs Feuer und brannte nicht" ist ein persönlicher und sehr ehrlicher Einblick in das Leben einer Jüdin, die während des zweiten Weltkrieges sehr viel Glück hatte und die Identität einer deutschen Hausfrau annehmen konnte! Spannend zu lesen, auch wenn Klappentext und Titel doch mehr Qualen und Opfer andeuten ...
Ich vergebe 4 von 5.




Dienstag, 30. Mai 2023

[Rezension] In eisige Höhe - Das Drama am Mount Everest - Jon Krakauer

 


Titel: In eisige Höhe

Autor:  Jon Krakauer

Genre: Bericht, Biografie
Erscheinungsjahr: 1999
Seitenzahl: 370
Cover: © Malik
Begonnen: 08.05.2023
Beendet: 11.05.2023


1996 nahm Jon Krakauer an einer Mount-Everest-Expedition teil um über die zunehmende Kommerzialisierung des Berges zu berichten. Der Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt endet in einer Katastrophe, bei der zwölf Menschen ums Leben kamen ...

Krakauer erzählt in diesem Buch zum einen seine eigene Geschichte und die der anderen Expeditionsteilnehmer, zum anderen taucht er aber auch in die geschichtlichen Hintergründe ein, berichtet von den ersten Gipfelbesteigungen und schließlich auch der zunehmenden Vermarktung des Berges. Dabei verschweigt er auch nicht, dass der Mount Everest im Laufe der Jahre eine wahre Goldgrube geworden ist, an der sich zahlreiche Menschen eine goldene Nase verdienen.

 "In eisige Höhen" ist ein sehr kritisches Buch, dass zeigt, dass die Natur letztendlich eben doch mächtiger als der Mensch ist und bleibt. Der Autor beschäftigt sich zudem mit der Frage, aus welchen Gründen Menschen den Berg besteigen. Respektvoll zeichnet er die Geschichten und Motivationen der einzelnen Teilnehmer auf und zeigt, dass viele Leute zwar motiviert und ehrgeizig sind, sich selbst aber gnadenlos überschätzen.

Da ich den Mount Everest sehr interessant finde und die Kommerzialisierung auch kritisch betrachte, konnte ich mich in vielen Gedanken wiederfinden. Spannend und tragisch waren am Ende dann natürlich die einzelnen Schicksale, auch wenn man als Leser die Teilnehmer - aus Respekt - nur sehr oberflächlich kennenlernt. Dies war auch das einzige, was meinen Lesefluss ein wenig gehemmt hat.

Jon Krakauers "In die Wildnis" war für mich ein echtes Highlight, an das ich beinahe täglich zurückdenke. "In eisige Höhen" wirkt im Gegensatz dazu distanzierter und - nicht nur von der Atmosphäre rund um Berg - eisiger. Lesenswert ist dieses Buch für alle Leute, die den Mount Everest kritisch betrachten, aber auf jeden Fall!


Der höchste Berg der Welt zieht noch immer viele Leute magisch an. Krakauer berichtet von seiner eigenen Expedition auf den Mount Everest, den Anfängen der Bergbesteigung und auch von der zunehmenden Kommerzialisierung. Ein kritisches und aufwühlendes Buch!

Ich vergebe 4 von 5.


Mittwoch, 25. Januar 2023

[Rezension] Sechs Paar Schuhe, Wie wir die Welt bereisten und die Heimat fanden - Maria und Thor Braarvig

 


Titel: Sechs Paar Schuhe

Autor:  Maria und Thor Braarvig

Genre: Biografie
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenzahl: 304
Cover: © Diana

Begonnen: 06.12.2022
Beendet: 10.01.2022


Müssen wir wirklich alle diesselbe Art von Leben führen? Geht es nur ums Besitzen und Konsumieren? Ums Totschuften? Und darum, sich Dinge zu finanzieren, die man in Wahrheit überhaupt nicht braucht? Thor und Maria wollen aus diesem Hamsterrad ausbrechen, verlassen mit ihren vier Kindern Deutschland und begeben sich auf die Suche nach einer Heimat und echter Freiheit ...

Wir ihr wisst, lebe ich seit 2019 im Auto und ich finde es immer wieder sehr inspirierend von anderen Menschen zu lesen, die sich auch auf die Suche nach einem alternativen Leben begeben und die dabei sehr schön aufzeigen, dass es viele Arten gibt und man sich nicht an das Vorgegebene Modell entscheiden muss. Wichtig dabei ist nur, dass man sich nicht von seinem Umfeld abhängig macht, sondern auf sein Herz hört. Genau das tun auch Thor und Maria auf dieser Weltreise. Sie verkaufen ihren gesamten Besitz und wollen einfach in der Natur leben, neue Orte entdecken und andere Menschen sowie sich selbst kennenlernen. 




Thor ist es, der hier in diesem Buch (und übrigens auch auf einem Blog!) von der großen Reise erzählt und dabei auch die Erkenntnisse weitergibt, die seine Frau, seine Kinder und er unterwegs erlangt haben. Spannend ist auch die Geschichte ihres Kennenlernens und der Zeit in einer norwegischen Sekte, die aus ihnen schon früh Gefangene gemacht hat.




"Sechs Paar Schuhe" ist ein sehr motivierender Bericht darüber, dass es nie zu spät ist, sein Leben zu ändern und dass es heutzutage sehr viele Möglichkeiten gibt, ein naturverbundenes und alternatives Leben zu führen. Mich hat die sehr ehrliche Geschichte total inspiriert und ich musste beim Lesen echt oft lächeln, weil ich mich in vielen Gedankengängen wiedergefunden habe. Es ist ein schönes Gefühl, dass es noch andere Leute gibt, die erkannt haben, dass Besitz nicht glücklich macht und dass nichts kostbarer als Zeit ist!



"Sechs Paar Schuhe" ist ein ein inspirierender Bericht über eine Familie, die sich auf die Suche nach einem alternativen Leben begibt und unterwegs jede Menge lernt. Ein Buch, das sehr schön zeigt, dass es immer möglich ist, etwas zu ändern!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.


Donnerstag, 8. Dezember 2022

[Rezension] Leben mit Picasso - Françoise Gilot, Carlton Lake



 

Titel: Leben mit Picasso

Autor:  Françoise Gilot, Carlton Lake 

Genre: Biografie
Erscheinungsjahr: 1987
Seitenzahl: 352
Cover: © Diogenes

Begonnen: 06.11.2022
Beendet: 09.11.2022



In "Leben mit Picasso" erzählt François Gilot von ihrem Leben an der Seite des großen und bekannten Künstlers Pablo Picasso. Dabei gibt sie sehr tiefe Einblicke in die oft sehr schwierige Beziehung, die sie geführt haben und auch in die Entstehung verschiedener Kunstwerke.

Ich habe mich vor dem Lesen dieses Buches niemals besonders intensiv mit Picasso und seiner Kunst beschäftigt, wurde hier aber direkt auf den ersten Seiten mit einem Mann konfrontiert, der zwar sehr intellektuell war und charismatisch sein konnte, aber auch eine sehr rastlose und oft sehr impulsive Art besaß.




Angefangen mit dem Kennenlernen der beiden begleitet wir Pablo und Françoise durch die Jahre, erfahren, wie sie sich annähern und immer wieder voneinander entfernen. Gleichzeitig inspirieren sie sich aber gegenseitig, treiben sich an besser zu werden und erleben gemeinsam so auch viele glückliche Momente. Die beiden bekommen Kinder, doch Picassos frühere Beziehungen und sein unstillbarer Freiheitsdrang sorgen immer wieder für Probleme.

Natürlich steht auch die Entstehung vieler Kunstwerke im Fokus und es war interessant zu erleben, wie Picasso gearbeitet hat und was er mit seinen Bildern und Skulpturen ausdrücken wollte. Er teilt hier viele interessante und auch sehr inspirierende Ansichten.




Beim Lesen stellt sich die Frage, ob es bei der Kunst größtenteils nicht um Leid und Aufopferung geht. Auch Pablo Picasso besaß eine ungemeine Wut, die oft aus ihm herausbrach und zu vielen doch sehr verletzenden Worten geführt haben. Françoise war im Gegensatz zu Picassos Exfrauen allerdings charakterlich stark genug, sich letztendlich nicht von dieser Beziehung verschlingen zu lassen. "Leben mit Picasso" ist ein Buch über die Kunst, die Liebe und auch die Emanzipation. Für mich ein sehr tiefgründiger und ehrlicher Einblick!



"Leben mit Picasso" bietet einen ungeschönten Einblick in das Leben zweier Künstler, die - wie wir alle - irgendwie mit dem Leben klarkommen müssen. Eine sehr spannende Biografie!

Ich vergebe 5 von 5.


Montag, 4. Juli 2022

[Rezension] Bis zur letzten Stunde - Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben - Traudl Junge (unter Mitarbeit von Melissa Müller)


Titel: 
Bis zur letzten Stunde - Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben

Autor:  Traudl Junge (unter Mitarbeit von Melissa Müller)

Genre: Biografie
Erscheinungsjahr: 2003
Seitenzahl: 288
Cover: © List

Begonnen: 13.06.2022
Beendet: 15.06.2022




Schon im Jahre 1947 beginnt Hitlers ehemalige Sekretärin Traudl Junge ihre Erinnerungen an die Zeit mit Hitler niederzuschreiben. Sehr persönlich beschreibt sie, wie sie von einem Mädchen, das eigentlich Tänzerin werden wollte, schließlich in die Kanzlei des Diktators kam und bis zur letzten Stunde in seiner Nähe blieb. 

Bereits in ihrem Vorwort erklärt Traudl Junge in ihren Aufzeichnungen einen sehr naiven Blick auf die damaligen Jahre an der Seite von Adolf Hitler zu haben. Es ist gleichzeitig aber auch ein ehrlicher Blick auf seinen Charme, seine Eigenheiten und auch seine verletzlichen Seiten. In dem Text, den sie damals verfasst hat und der nur minimal verändert wurde, zeigt sich sehr schön, wie es Hitler gelang, die Menschen zu begeistert und auch an sich zu binden.

Viele persönliche Einblicke in viele kleine Momente machen dieses Buch zu einer sehr interessanten und fesselnden Lektüre. Wir erfahren einiges über Hitlers Beziehung zu Eva Braun, seinem Hund, aber auch zu seinen Angestellten. Besonders interessant war für mich Hitlers Fixierung auf eine gesunde Ernährung und seine erfolglosen Versuche, seine Mitmenschen zu bekehren. Da stellt sich die Frage, wie er es schaffen konnte, anderes Gedankengut in die Köpfe der Menschen einzupflanzen.

Mit der Hilfe von Melissa Müller, die hier grob Traudl Junges Kindheit und Jugend sowie ihre Jahre nach dem Krieg aufzeichnet, zeichnet sich hier das Bild einer Frau, die vieles erst im Nachhinein begreifen konnte. Für mich ein sehr wichtiges Stück Zeitgeschichte, das ein sehr privaten Einblick in Hitlers menschliche Seite gibt.



Mich hat diese Biografie, in die auch viele historische Fakten eingebaut wurden, in den Bann gezogen. Ein wichtiges Stückchen Zeitgeschichte und ein Blick auf die menschlichen Seiten eines Mannes, der zu so vielen Gräueltaten in der Lage war.

Ich vergebe 5 von 5.




Samstag, 25. Dezember 2021

[Rezension] De profundis - Oscar Wilde

 




Titel:
 
De profundis

Autor:  Oscar Wilde

Genre: Biografie
Erscheinungsjahr: 1987
Anzahl der Seiten: 347
Cover und Inhalsangabe: © Diogenes

Begonnen: 22.11.2021
Beendet: 24.11.2021




In dieser Woche brauchte ich unbedingt etwas Geistreiches, denn irgendwie bekommt mir das einseitige Denken der Menschen und das stumme und gehorsame Befolgen jeglicher Regeln momentan nicht wirklich gut. Wir leben, wie einst Oscar Wilde, in einer ungewissen Welt, die sich gerade in eine erschreckende Richtung bewegt. Es ist eine Welt, in der Kritik größtenteils unerwünscht ist.

 "De profundis" von Oscar Wilde war für mich daher ein Werk, das für mich perfekt in die aktuelle Zeit passt. Wilde sitzt im Zuchthaus und denkt über sein Leben, seine Schwächen und vor allem auch die Fehler der Gesellschaft nach. Weggesperrt und auch ohne viel Kontakt zur Außenwelt schreibt er nun einen sehr langen Brief an seinen ehemaligen Freund und Liebhaber Lord Alfred Douglas. Dabei schildert er seine eigene Abhängigkeit, seine Fehler und reflektiert all seine Handlungen, die ihn letztendlich innerhalb der Gesellschaft zu einem "Schuldigen" gemacht haben.

Schlimm zu lesen ist auf den ersten Seiten wie Oscar Wilde von seinem Freund schamlos ausgenutzt und in den Ruin getrieben wurde. Wilde ist allerdings nicht verbittert und er will auch nicht hassen, stattdessen möchte er seinen Freund zum Umdenken animieren. Gleichzeitig ist spürbar, dass er während des Schreibens dieses Briefes und seiner Zeit in Gefangenschaft selbst ein anderes Denken annimmt. Er erkennt, wie wertlos der eigene Besitz war, wie oberflächlich er selbst dachte und handelte und wie sehr er sich von seiner Kunst entfernt hat, um anderen Menschen ein angenehmes Leben zu ermöglichen.

Sprachlich ist der Brief und auch "Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading" ein absolutes Highlight. Oscar zitiert zahlreiche andere Denker und nähert sich so den großen Themen dieses Briefes, aber auch seines eigenen Lebens: Selbsbestimmung und Selbstverwirklichung. Zeitgleich erschafft dieser Brief auch noch ganz andere Blickwinkel auf sein wohl bekanntestes Werk "Das Bildnis des Dorian Gray".

Ich habe mir zahlreiche Stellen markiert, da mir Oscar Wilde tatsächlich aus der Seele spricht. Ich habe mich in vielen Denkweisen selbst erkannt. Besonders das Leiden für die eigene Kunst bestimmt schon einige Jahre mein Leben und es war tröstlich zu erkennen, hier nicht allein zu sein. "De profundis" ist die unfassbar ehrliche und reflektierende Selbsterkenntnis eines talentierten Künstlers, der sich zu oft vom Weg hat abbringen lassen und nun aufopferungsvoll eine andere Richtung einschlagen will. Ob ihm dies nach seiner Freilassung gelungen ist, sei dahingestellt, aber ich denke, mit diesem Werk, das sich vorallem an andere Künstler und Denker richtet, hat er bewiesen, das er einer der größten Individualisten der Literaturgeschichte war und das seine Gedanken noch heute einen großen Wert besitzen.


"De profundis" kommt tatsächlich "aus der Tiefe" von Oscar Wildes Seele. Der Brief, den er einst im Zuchthaus verfasst hatte, beschreibt perfekt den Weg zu einem selbstbestimmten und reklektierten Leben, offnebart Wildes Schwächen und zeigt auf, dass wir uns alle als Individualisten ansehen sollten. Ein Werk, das meinen Sicht auf mich selbst, aber auch die Welt verändert und mir wieder einmal gezeigt hat, dass es in Ordnung ist, gegen den Strom zu schwimmen. 

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.



Montag, 6. September 2021

[Rezension] Café Heimat: Die Geschichte meiner Familie - Louise Jacobs

 


Titel: Café Heimat: Die Geschichte meiner Familie

Autor:  Louise Jacobs

Genre: Biografie
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2009
Anzahl der Seiten: 400
Cover und Inhalsangabe: © Ullstein

Begonnen: 05.08.2021
Beendet: 08.08.2021


"Café Heimat – das ist die Erforschung der eigenen Familie, vom Rampenlicht der legendären Kaffeerösterei Jacobs bis ins Schattenreich von Verfolgung und Emigration. Auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln unternimmt Louise Jacobs eine bewegende Zeitreise durch das 20. Jahrhundert."


Ich bin ja ein großer Kaffee-Fan und so war ich doch sehr daran interessiert, die Geschichte hinter dem doch sehr bekannten Jacobs-Kaffee zu erfahren. Louise Jacobs, eine Nachfahrin des Jacobs-Gründers, begibt sich hier auf Spurensuche in der Vergangenheit ihrer eigenen Familie. Dabei geht sie nicht nur die Geschichte ihres Großvaters ein, sondern auch die Familie ihrer Großmutter ein, die als Juden kein einfaches Leben in Deutschland hatten ...

Der Schreibstil der Autorin hat mir hier sehr gut gefallen, ist er doch sehr literarisch. Leider war dieser Stil aber auch der einzige Grund, warum ich das Buch nicht schon nach wenigen Seiten abgebrochen habe ... Die Geschichte ihrer beiden Familien wirkt leider sehr verwirrend. Da es keinen Stammbaum gibt, muss der Leser sich hier eigene Notizen machen, um die ganzen familiären Zusammenhänge zu begreifen. Doch auch mit diesen Notizen hatte ich sehr oft Probleme, Namen einzuordnen. So hatte ich sehr große Schwierigkeiten mit ihrer Familie mütterlicherseits, die zudem auch eine für mich recht uninteressante Geschichte besaßen.

Die Autorin erzählt immer wieder kleine Anekdoten aus ihrer Familien, schafft es aber leider nicht, die Personen zu charakterisieren und ihre Lebensgeschichte zu vermitteln. Sie gibt aber selber zu, wie mühsam ihre Recherche war und wie wenig sie letztendlich doch erfahren hat. Zudem bestand gerade die "Jacobs"-Seite eher aus Geschäftsmännern, die keine großen Gefühle gezeigt haben und eben nur für das Unternehmen gelebt haben. Einige Kapiteln vermitteln daher auch nur kalte Fakten. Auch die Bilder am Ende des Buches haben leider keine Bindung zu den beiden Familien aufbauen können ...

Vielleicht hatte ich zu Beginn des Buches eine viel zu romantische Vorstellung von der Geschichte des Jacobs-Kaffees. Letztendlich war es einfach nur ein Unternehmen, das eben Geld verdienen wollte. Mehr steckt letztendlich auch nicht dahinter. Echte Leidenschaft zum Kaffee war für mich nicht spürbar, es war eben nur ein Geschäft, das wirtschaftlich florieren sollte und dies auch tat. Beim Lesen habe ich mal wieder gemerkt, dass dies einfach nicht meine Welt ist ...


Für mich leider ein sehr uninteressanter Einblick in die Geschichte zweier Familien, der doch schön zeigt, dass das Leben eben kein Roman ist ...

Ich vergebe 2 von 5.