Mittwoch, 16. September 2020

[Rezension] Höhenflug abwärts - Jana Frey

Titel: Höhenflug abwärts
Autor:  Jana Frey
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 1. März 2011
Anzahl der Seiten: 168
Cover und Inhalsangabe: © Loewe


Begonnen: 6.08.2020
Beendet: 10.08.2020






"Manchmal hasst Marie die ganze Welt. Und sich am allermeisten. Doch wenn sie eine Pille einwirft, ist alles gut, und sie will lachen und tanzen und fliegen. Dann vergisst sie ihr Zuhause mit all dem Streit und auch den Schmerz, der in ihr wühlt, seit ihr Freund Leon sich in eine andere verliebt hat. Aber der Höhenflug hält nicht an, und Marie fällt tiefer und tiefer."

Nachdem mich die Geschichte von Christiane F. in "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" stark mitgenommen hat, habe ich nach weiteren Büchern zum Thema "Drogen" Ausschau gehalten. Dabei bin ich auf Jana Frey gestoßen, deren Jugendbücher ein Teil meiner eigenen Jugendzeit waren. Damals habe ich zahlreiche Werke von ihr aus der Bibliothek ausgeliehen.

"Höhenflug abwärts" war ein Buch, das mich erst jetzt wirklich interessiert hat. Es handelt von Marie, die sich in ihren besten Freund Leon verliebt, aber mit ansehen musst, wie dieser plötzlich ein neu in die Klasse gekommenes Mädchen anschmachtet. Marie hat zum allerersten Mal Liebeskummer und um den Schmerz zu vergessen, schmeißt sie auf einer Party eine Pille ein. Dadurch fühlt sie sich gut, merkt allerdings selbst nicht, in was für eine Gefahr sie sich begibt ...

Jana Frey richtet ihre leicht zugänglichen Geschichten wie immer an Jugendliche und macht auf Probleme aufmerksam, die in der Öffentlichkeit oft totgeschwiegen werden. "Höhenflug abwärts" beschäftigt sich hier allerdings nicht wirklich mit einer echten Drogensucht sondern vielmehr mit einem leichtsinnigen Umgang mit solchen Pillen.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass nicht unbedingt die Drogen im Fokus stehen, sondern Maries anhaltender Liebeskummer, Marie will hier eigentlich nur die Kontrolle zurück erlangen und etwas Beständigkeit in ihr Leben bringen.

Da ich vor kurzem erst "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen habe, war dieses Buch ein riesiger Kontrast. "Höhenflug abwärts" wirkte sehr harmlos auf mich und hat daher sicherlich nicht den gewünschten abschreckenden Effekt auf Heranwachsende. Die Autorin hat sich in meinen Augen nur sehr oberflächlich mit der Drogenthematik auseinandergesetzt. Gerade das Ende wirkt dann eine Spur zu übereilt. Ich glaube leider nicht, das Drogensüchtige wirklich so schnell und so bereitwillig Hilfe suchen und annehmen ...



"Höhenflug abwärts" bemüht sich sehr, dass Drogensuchthema aufzugreifen, scheitert dabei an einigen Punkten und verliert sich leider in einer Geschichte, die sich mehr um den ersten
Liebeskummer dreht, als darum, eine abschreckende Wirkung zu erzielen ...

Ich vergebe 3 von 5.


Montag, 14. September 2020

[Rezension] Machos und Macheten (Hap & Leonard, Band 6) - Joe R. Lansdale

Titel: Machos und Macheten
Autor:  Joe R. Lansdale
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2014
Anzahl der Seiten: 277
Cover und Inhalsangabe: © Golkonda Buchverlag


Begonnen: 3.08.2020
Beendet: 6.08.2020



"Einmal im Leben wollen Hap und Leonard sich einen richtigen Urlaub gönnen, doch schon an der Küste Mexikos wird's kompliziert. Kaum eingetroffen, verstrickt eine schöne Fischerstochter die beiden in ihre dubiosen Machenschaften mit einem gewissen Juan Miguel, seines Zeichens Mafioso und Nudist.

Als Hap sich selbst in seiner miefigen Wohnung in East Texas nicht mehr vor Miguel und seinen Handlangern sicher sein kann, muss etwas geschehen. Ein genialer Plan wird geschmiedet, mit allem, was dazugehört: Waffen, Chloroform und einem Treffpunkt auf einer Kreuzung um Mitternacht."



Endlich ging es für mich mit der "Hap & Leonard"-Reihe weiter. Da ich einen Teil leider auslassen musste, da dieser sehr schwer erhältlich ist, habe ich direkt mit Band 6 weitergemacht. Dadurch ist zwar, gerade was Haps und Bretts Beziehung angeht, hier eine kleine Lücke vorhanden, was aber durch Joe R. Lansdale grobe Zusammenfassung zu Beginn nicht ins Gewicht fällt.

Etwas ruhiger als gewohnt, aber nicht minder interessant, beginnt dieser Teil auf der neuen Arbeitsstelle unserer beiden Männer: einer Geflügelfarm. Hap rettet dort eine junge Frau, die zufällig die Tochter des Besitzers ist - so kommt Hap mal wieder an Geld, das er für einen Urlaub für Leonard uns sich nutzen will.

Das sehr chaotische Zweiergespann beschließt eine Kreuzfahrt zu machen. Ja, richtig gehört. Hap und Leonard steigen auf ein Schiff, aber die Geschichte wäre nicht von Lansdale, wenn auf dieser Reise nicht so einiges schief gehen würde.

So kommen unsere beiden Helden schließlich nach Mexiko und geraten mal wieder in ein echt mörderisches Abenteuer. Die bissigen Dialoge sorgen erneut für Abwechslung, allerdings hatte ich bei diesem Teil erstmals das Gefühl, dass der Humor etwas zu kurz kam.

Es gab für mich in "Machos und Macheten" keine besonders hervorstechenden Szenen, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Zudem war ich etwas enttäuscht, dass der Trip doch so plötzlich endet und wieder einmal eine Frau Schuld an dem ganzen Schlamassel ist ... Eine Frau, die ich von Anfang an echt seltsam fand ...


Die Geschichte ist dieses Mal recht einfach gehalten, und für meinen Geschmack leider auch zu unspektakulär. Joo R. Lansdale geht zwar wieder einmal recht schonungslos mit seinen Charakteren um, aber ich hatte dennoch das Gefühl, dass bei diesem Teil etwas die Luft raus war. Aus der Kreuzfahrt und dem Aufenthalt in Mexiko hätte man deutlich mehr rausholen können. So war es doch am Ende nur eine typische Ganstergeschichte, bei der leider der einmalige Humor von Lansdale auch nicht wie sonst zur Geltung kam ...



"Machos und Macheten" war für mich der bisher schwächste Teil der "Hap & Leonard"-Reihe. Es gab zwar einige witzige Momente, aber der Humor war nicht wie in den Teilen davor und die Hauptstory konnte mich dieses Mal leider nicht vom Hocker reißen ...

Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 11. September 2020

[Rezension] Das Mädchen im roten Mantel - Roma Ligocka mit Iris von Finckenstein

Titel: Das Mädchen im roten Mantel
Autor:  Roma Ligocka mit Iris Finckenstein
Genre: Roman, Bografie
Erscheinungsdatum: 1April 2002
Anzahl der Seiten: 464
Cover und Inhalsangabe: © Knaur

Begonnen: 3.08.20
Beendet: 5.08.20



"In Krakau wird 1938 ein kleines Mädchen geboren, während in Deutschland die Synagogen brennen. Sie ist noch kein Jahr alt, als ihre Eltern den Judenstern tragen müssen. Die erste Realität, die sie kennenlernt, ist die Realität des Grauens - für sie die Normalität: Ihre Welt besteht aus Schreien, Schüssen und Toten. Mit den Augen eines Kindes beschreibt Roma Ligocka, wie aus einer Kindheit, die behütet und wohlhabend hätte sein sollen, ein Alptraum wird. Kurz vor der Liquidierung des Krakauer Ghettos kann sie mit ihrer Mutter fliehen. Der rote Mantel des Mädchens rettet ihnen das Leben, weil »die kleine Erdbeere« eine polnische Familie so rührt, dass sie den beiden Unterschlupf gewährt."





Bereits in "Schindlers Liste" fand ich die Geschichte des Mädchens im roten Mantel sehr berührend. Nun habe ich in einem Bücherschrank die wahre Geschichte hinter diesem Kind entdeckt und mich damit wieder einmal in die grausame Zeit des Nationalsozialismus begeben.

Roma Ligocka sitzt hier zu Beginn des Buches in einem Hotel und sieht ein Mädchen mit reichen Eltern, das ein unbeschwerte Kindheit zu haben scheint. Eine solche Kindheit hatte Roma nicht. Mit ihr gemeinsam tauchen wir in ihre düstere Vergangenheit ein und starten direkt im Ghetto.

Schon auf den ersten Seiten entfaltet sich hier das ganze Grauen einer sehr unmenschlichen Zeit. Die kleine Roma versteht nicht, was um sie herum passiert, ja, wieso Menschen abtransportiert werden oder erschossen werden. Und sie versteht auch nicht, warum ihre Familie ihr die Haare blond färbt ...

Beim Lesen musste ich hier einige Male schlucken., gleichzeitig habe ich aber auch Romas Mutter bewundert, die sich hier ganz allein um ihre Tochter kümmern muss. Desweiteren beweist auch diese Geschichte wieder, dass es Menschen gab, die bereit waren, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, um ihren Mitmenschen zu helfen.

"Das Mädchen im roten Mantel" beschreibt nicht nur die Kriegszeit, sondern liest sich wie eine Biografie, die Roma Ligockas gesamtes Leben betrachtet. So erfahren wir auch viel über die Zeit nach dem Krieg, den anhaltenden Hass Juden gegenüber, aber auch die Zeit des Kommunismus mit neuen Hoffnungen und Idealen. Desweiteren verlieben wir uns mit Roma und lernen zudem die Kunstszene näher kennen.

Es wird spürbar, dass Roma noch lange mit den Nachwirkungen ihrer schrecklichen Kindheit zu kämpfen hat. Gleichzeitig bemüht sie sich aber, ihren Platz in dieser Welt zu finden. Die zweite Hälfte des Buches steht hier in großem Kontrast zu dem sehr intensiven Anfang. Ich hatte im späteren Verlauf doch etwas Mühe, am Ball zu bleiben, da die Erzählung doch sehr ruhig wurde und gerade ihre Liebesbeziehung mich nicht wirklich interessierten.

Trotz dieser kleinen Kritik kann ich dieses Buch dennoch allen ans Herz legen, die sich für die Hintergründe von dem "Mädchen im roten Mantel" interessieren. Es ist eine interessante Biografie über das Leben und die Hoffnung.



"Das Mädchen im roten Mantel" erzählt die Lebensgeschichte einer beeindruckenden Frau. Die Kriegszeit wird hier schonungslos dargestellt, ihr restliches Leben sehr ruhig. Auf jeden Fall ist Roma Ligocka eine interessante Persönlichkeit und gleichzeitig eine wichtige Zeitzeugin!

Ich vergebe 4 von 5.


Mittwoch, 9. September 2020

[Rezension] Noch bevor das Jahr zu Ende ist - Hazel Gaynor, Heather Webb

Titel: Noch bevor das Jahr zu Ende ist
Autor:  Hazel Gaynor, Heather Webb
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 19. November 2018
Anzahl der Seiten: 416
Cover und Inhalsangabe: © Blanvalet


Begonnen: 29.07.2020
Beendet: 02.08.2020





"August 1914. Als Evie Elliott sich von ihrem Bruder Will und dessen bestem Freund Thomas Harding verabschiedet, die von London zur Front aufbrechen, ahnt niemand, dass die Schrecken des Krieges Jahre andauern werden. Während all dieser Zeit teilen Evie und Thomas ihre größten Ängste und Hoffnungen miteinander und kommen sich so immer näher. Das Schicksal scheint jedoch andere Pläne für sie zu haben …
Weihnachten 1968. Im Gepäck ein Bündel Briefe, die für ihn sehr wertvoll sind, reist Thomas Harding nach Paris, um die Geister der Vergangenheit endlich zur Ruhe zu betten. Doch ein letzter Brief wartet noch auf ihn."



"Noch bevor das Jahr zu Ende ist" ist ein fast vollständig in Briefform verfasster Roman, der zur Zeit des ersten Weltkrieges spielt und die aufkeimende Liebe von Evie und Thomas beschreibt, Zusätzlich gibt es einen kleinen Handlungsstrang aus dem Jahr 1868, in dem der kranke Thomas mit seiner Pflegerin nach Paris reist und dort die Briefe noch einmal liest. Hier stellt sich für den Leser natürlich die Frage, was mit Evelyn passiert ist.

Bücher, die zum größten Teil aus Briefen bestehen, haben mich schon immer sehr gereizt. Hier kann eine ganz eigene Dynamik enstehen, die für mich bei "Noch bevor das Jahr zu Ende ist" leider nicht vorhanden war. Hier zeigt sich nämlich auch ein großes Problem dieses Stilmittels: Die Charaktere bleiben mitunter recht blass. Ich habe beim Lesen leider kaum Bezug zu Evie, Thomas, ihrer Familie und ihren Freunden gefunden.

Dabei war es doch spannend, wie Thomas hier an die Front geschickt wurde und wie Evelyn daheim dann darum kämpft, dass auch Frauen zu Kriegszeiten wichtige Aufgaben übernehmen dürfen. Natürlich wird in den Briefen auch viel Alltägliches ausgetauscht, wodurch die Schrecken des Krieges für mich nicht direkt spürbar waren. Es fehlte mir hier an historischen Fakten und dadurch leider auch an Atmosphäre ...

Evies spätere Kolumnen fand ich interessant eingebaut, allerdings hatte ich auch hier das Gefühl, alles sehr distanziert zu betrachten. Ich konnte nicht mitfühlen, obwohl es doch ein paar sehr tragische Momente gab. Dennoch war das Buch bis zum Ende aber sehr einfach zu lesen und bietet auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung und ein paar nette, wenngleich auch nicht allzu große Überraschungen.



"Noch bevor das Jahr zu Ende ist" war für mich ein netter Briefroman, der mich zwar gefesselt hat, der für mich aber teilweise zu oberflächlich war und leider auch die Kriegszeit zu einseitig betrachtet ...

Ich vergebe 3 von 5.

Montag, 7. September 2020

[Rezension] Die Frau im Schatten - Nancy Price

Titel: Die Frau im Schatten
Autor:  Nancy Price
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. Januar 1993
Anzahl der Seiten: 349
Cover und Inhalsangabe: © Lübbe


Begonnen: 29.07.2020
Beendet: 02.08.2020





"Mary Eliots brillantes Talent verhilft ihrem Mann Randal zu schriftstellerischem Ruhm. Nacht für Nacht schreibt sie Romane, die er, in dem Wahn, sie selbst verfaßt zu haben, unter seinem Namen veröffentlichen läßt. Als er bei einem Autounfall ums Leben kommt, fühlt Mary sich von ihrer unglücklichen Ehe erlöst und beginnt zaghaft davon zu träumen, selbst endlich den Ruhm zu erlangen, der ihr schon immer zugestanden hatte. Da trifft sie den jungen, leidenschaftlichen Paul Anderson. Vertrauensvoll gibt sie ihm das Geheimnis ihrer schriftstellerischen Begabung preis, nicht ahnend, daß dies der Beginn ihrer eigenen Zerstörung ist..."



Ein Bücherschrankfund hat mich nun zu den Büchern von Nancy Price geführt, die früher mit ihren Romanen großen Erfolg hatte und sogar verfilmt wurde. Bisher hatte ich nichts von ihr gehört, aber der Klappentext hat sich hier sehr ansprechend angehört.

Allerdings habe ich mich gleich zu Beginn schwer getan, in die Geschichte hineinzufinden. Dabei ist der Ausgangsplot wirklich gut. Randal ist ein angesehener Schriftsteller, der sich an das Schreiben seiner Bücher nur leider nicht wirklich erinnern kann und öffentlich immer wieder behauptet, sie wären in einer Art Trance-Zustand entstanden. Als Leser erfahren wir allerdings recht schnell, dass in Wahrheit seine Frau Mary dahintersteckt. Sie schreibt seine Bücher und sorgt dafür, dass er der gefeierte Star ist, während sie selbst nur in seinem Schatten steht ...

Die Beziehung von Mary und Randal ist sehr schwer zu verstehen. Randal ist, nach mehreren Klinikaufenthalten und Schocktherapien ein sehr kranker und teilweise auch nicht mehr zurechnungsfähiger Mann. Er hat eine klare Momente, verliert auf einer Reise mit seiner Familie allerdings erneut die Kontrolle und wird in eine Einrichtung gesteckt - was Mary die nötige Zeit gibt um "seinen" Roman zu schreiben ...

Das erste Drittel des Buches hat mir leider nicht gefallen. Alle Charaktere, angefangen mit Mary und ihren Kindern, über Randal und bis zu den Psychologen, agieren merkwürdig. Randals psychische Erkrankung wird leider auch nicht besonders gut dargestellt und war teilweise so wirr, dass ich mir schon überlegt habe, das Buch abzubrechen.

Nach Randals Autounfall wandelt sich die Geschichte allerdings glücklicherweise. Endlich blüht Mary, die so lange im Schatten gestanden hat, auf. Allerdings muss sie hart um Anerkennung und auch ihre Unabhängigkeit kämpfen.

"Die Frau im Schatten" setzt sich kritisch damit auseinander, dass Frauen oft keine eigene Stimme haben und von Männern unterdrückt werden. So lernt Mary hier nach dem Tod Randals auch gleich einen anderen Mann kennen und es scheint, dass sie noch einmal im Schatten stehen muss ...

Auch wenn das Buch an einigen Punkten recht langatmig ist und der Stil ab und an sehr holperig wirkt, bereue ich die Lektüre nicht. Als Autorin konnte ich mit Mary besonders gut mitfiebern. Das Ende finde ich hier durchaus gelungen - auch wenn es, wie der gesamte Roman, doch recht unspektakulär verläuft ...



Nach einem sehr schwachen und holperigen ersten Drittel offenbart sich hier doch noch eine angenehmen zu lesen und leicht kritische Geschichte über eine Frau, die nicht länger im Schatten der Männer stehen will ...
Ich vergebe 3 von 5.

Freitag, 4. September 2020

[Rezension] Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Christiane F.

Titel: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Autor:  Christiane F., Horst Rieck, Kai Hermann
Genre: Biografie
Erscheinungsdatum: 1978
Anzahl der Seiten: 342
Cover und Inhalsangabe: © Stern Magazin


Begonnen: 25.07.2020
Beendet: 29.07.2020


"Im Alter von zwölf Jahren kommt Christiane F. in einem Jugendheim zum Haschisch, kurz darauf in einer Diskothek zum Heroin. Sie wird süchtig, geht vormittags zur Schule und nachmittags mit ihren ebenfalls heroinabhängigen Freunden auf den Kinderstrich am Bahnhof Zoo. Die Berlinerin Christiane F. erzählt mit minuziösem Erinnerungsvermögen und rückhaltloser Offenheit ihre traurige Geschichte. Ein Buch, das in den 70er Jahren Deutschland erschütterte - und bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat."


In meiner Jugend habe ich die Geschichte von Christiane F. immer nur am Rande aufgeschnappt. Mit der Party- und Drogenszene hatte ich nämlich nie wirklich etwas am Hut und deswegen hat das Buch auch nie den Weg zu mir gefunden. Nun habe ich allerdings eine alte Ausgabe in einem Bücherschrank entdeckt und so habe ich die Chance, Christines Geschichte kennenzulernen, genutzt.

Das Buch ist nach Tonbandaufnahmen der Christiane F. verfasst, lässt auch aber andere Personen aus ihren Umfeld zu Worte kommen. Es ist sehr umgangssprachlich verfasst und daher sehr zugänglich, Schon nach wenigen Seiten war ich von der Geschichte gefesselt.

Wir erfahren zu Beginn erst einmal, wie Christiane mit ihrer Familie vom Lande fortzieht und in der Großstadt Berlin landet. Dort platzen die Träume der Eltern recht schnell und sie führen schließlich ein ärmliches Leben in einem Hochhaus. Schonungslos und ehrlich erzählt Christiane, wie sie einfach nur irgendwo dazugehören will, erste Freundschaften schließt und schließlich mit Drogen in Kontakt kommt. Anfangs nimmt sie nur Haschisch, kommt dann zu LSD und schließlich zu Heroin.

Erschreckend ist die damalige Entwicklung der Drogenszene und die Tatsache, das extrem junge Menschen dem Rauschgift verfallen und daran sogar sterben. Ziellos streifen hier auch "Die Kinder vom Bahnhof Zoo" umher und klammern sich in ihrer Verzweiflung aneinander.

Wir erleben mit Christiane die erste Verliebtheit und auch ihre erste feste Beziehung, die ihr sowohl Hoffnung gibt, sie aber dennoch immer tiefer in den Drogensumpf abrutschen lässt. Auch Prostitution spielt in Christianes Leben schließlich eine große Rolle und es tat mir beim Lesen echt in der Seele weh, mitzuerleben, wie dieses arme und viel junge Mädchen sich immer mehr verliert ...

Mich hat "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" beim Lesen sehr mitgenommen und teilweise habe ich mich genauso betäubt und ohnmächtig wie Christiane gefühlt. Das System ist heillos überfordert. Besonders schockiert hat mich die Tatsache, wie schwer es ist, Hilfe zu bekommen und wie viele Vorurteile selbst Ärzte und Polizisten haben ...

Christiane, die eigentlich ein sehr intelligentes und tierliebes Mädchen ist, hat kein Ziel. An vielen Punkten wird klar, dass sie einfach nur auf der Suche nach etwas ist, woran sie glauben kann. Immer wieder träumt sie von einem "normalen" Leben, doch sie weißt einfach nicht, wie sie dieses erreichen kann. Letztendlich ist zwar jeder Mensch für seine Entscheidungen selbst verantwortlich, aber dieses Buch zeigt auf sehr anschauliche Art und Weise, was ein solch toxisches Umfeld anrichten kann und welche Macht Drogen haben ...


Ein biografisches Buch, das ich viel zu spät in meinem Leben gelesen habe. Christianes Geschichte ist aber heute wie damals aktuell und definitiv ein Must Read!

Ich vergebe 5 von 5 mit einem Extra-Regentropfen!

Mittwoch, 2. September 2020

[Rezension] Stiefmutter - Paula Daly

Titel: Stiefmutter
Autor:  Paula Daly
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 19. März 2018
Anzahl der Seiten: 449
Cover und Inhalsangabe: © Goldmann


Begonnen: 24.07.2020
Beendet: 28.07.2020





"Seit eine Auseinandersetzung mit ihrer Stiefmutter Karen eskalierte, gilt die sechzehnjährige Verity als emotional instabil. Karen ignoriert sie seit dem Vorfall und legt all ihre Aufmerksamkeit auf ihre jüngere Tochter Brontë. Deren Tage sind vollgepackt mit Klavierunterricht und Nachhilfe – was immer es braucht, um sie zu neuen Höchstleistungen zu treiben. Denn Karen lässt nichts außer Perfektion gelten. Eines Tages entschließt Verity impulsiv, ihrer kleinen Schwester eine Auszeit zu gönnen, und geht mit ihr auf den Spielplatz. Doch der Ausflug wird zum Alptraum, als in einem kurzen unbeobachteten Moment Brontë spurlos verschwindet ..."



"Stiefmutter" von Paula Daly ist ein Roman, der aufzeigt, was enormer Druck von den eigenen Eltern alles anrichten kann. So steht im Zentrum dieser Geschichte Karen, die Stiefmutter von Verity, die als "Tigermutter" bezeichnet wird. Sie will ihre eigene Tochter nicht nur fördern, nein, sie versucht krampfhaft, aus ihr eine Art Wunderkind zu machen.

Veritys Vater ist machtlos gegenüber seiner neuen Frau und verliert sich in Affären und dem Alkohol - Hauptsache er muss sich nicht in der Nähe von Karen aufhalten und Verantwortung übernehmen ... So ist Verity bei dem Versuch, ihrer Stiefschwester zu helfen, auf sich allein gestellt und dabei geht sie dann schnell zu weit ...

"Stiefmutter" ist, obwohl es auch um Ermittlungen geht, doch eher ein Roman, der eine längst zerbrochene Familie beleuchtet. So steht im Fokus zwar Karen, die aus ihrer Tochter Brontë einen Roboter machen will, aber es geht auch um Verity als nicht akzeptiertes Stiefkind, um Ewan als ältesten Sohn, der anscheinend nicht perfekt genug sein konnte und um Noel, den neuen Mann an Karens Seite, der einfach die Augen verschließt.

Die Charaktere haben mir gefallen, auch wenn ich gerade bei Noel öfters mal den Kopf schütteln musste. Der Strang rund um Detective Seargant Joanne, der zuständigen Ermittlerin, diente sicher auch etwas der Streckung der ganzen Geschichte, was mich allerdings nicht gestört hat. Für mich war "Stiefmutter" ein lesenswerter Roman, der auch am Ende noch zu überraschen weiß!



"Stiefmutter" ist ein Roman über eine viel zu viel fordernde Mutter und einen überforderten Vater. Kann eine Familie an zu viel Druck zerbrechen?