Mittwoch, 14. April 2021

[Rezension] Unter den Linden - Das Haus Gravenhorst - Christian Pfannenschmidt

 


Titel: Unter den Linden - Das Haus Gravenhorst

Autor:  Christian Pfannenschmidt
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. November 2007
Anzahl der Seiten: 496
Cover und Inhalsangabe: © Knaur

Begonnen: 11.03.2021
Beendet: 15.03.2021


"Berlin 1906: Friederike, die jüngste Tochter aus der berühmten Schokoladendynastie Gravenhorst, ist mit ihrem Bruder Julius in der kaiserlichen Hauptstadt unterwegs, als ihnen plötzlich eine junge, völlig aufgelöste Frau vor die Kutsche läuft. Die beiden Geschwister beschließen kurzerhand, die heimatlose Anna Merthin zur Pflege mit nach Hause zu nehmen. Das stößt in der Familie und beim Personal auf erbitterten Widerstand. Doch die energische Friederike kann schließlich ihre Mutter überzeugen, Anna als Dienstmädchen einzustellen.
Insbesondere Julius war vom ersten Augenblick an von der liebenswürdigen Anna verzaubert, und auch sie kann sich seinem Charme nicht entziehen. Doch dürfen diese Gefühle überhaupt sein? Zumal schon seine Hochzeit mit einer anderen, standesgemäßen Frau ins Haus steht …"


Ich lese schon seit ein paar Jahren hin und wieder ganz gerne Familiengeschichten - vermutlich, weil ich selbst keine allzu tolle Familie habe und mich deswegen einmal als Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft fühlen kann. So war es auch bei diesem Werk, bei dem ich großen Spaß hatte, das Haus Gravenhorst mit seinen kleinen und großen Problemen kennenzulernen.

Wir reisen, nach einem kurzen Abstecher in die Gegenwart, ins Jahr 1906 und lernen erst einmal Anna kennen, die so verzweifelt ist, dass sie darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen. Sie kommt dann allerdings zu den Gravenhorst und nach anfänglichen Anfeindungen bekommt sie dort schließlich eine Stelle. Der Leser lernt nach und nach die Familienmitglieder und auch die Angestellten des Hauses kennen. Dabei scheint jede Person ein ganz eigenes Geheimnis zu besitzen,

Der Schreibstil von Christian Pfannenschmidt ist sehr einfach gehalten und so war ich schon nach wenigen Seiten komplett in der Geschichte abgetaucht. Dabei kam mir alles teilweise wie ein Film vor. Tatsächlich habe ich schließlich herausgefunden, dass es "Unter den Linden - Das Haus Gravenhorst" tatsächlich als Serie gibt. Dem Schreibstil ist es leicht anzumerken, dass der Autor viele Drehbücher schreibt.

Mich konnte die Geschichte selbst von Anfang an gut unterhalten. Die Charaktere sind allesamt sehr sympathisch. Besonders Fritzi hat es mir angetan, aber auch die Hausherren selbst scheinen doch wunderbare Menschen mit Ecken und Kanten zu sein. Die kleine Liebesgeschichte hat, so vorhersehbar sie auch sein mag, mir ebenfalls gefallen, auch wenn ich mir gerade zum Ende hin etwas mehr Eigeninitiative vom männlichen Part gewünscht hätte. Zudem wäre es noch interessant gewesen, mehr über Annas Vorgeschichte zu erfahren.


Von der Handlung her mag "Unter den Linden - Das Haus Gravenhorst" recht unspektakulär erscheinen, doch die kleinen Problemchen der Familienmitglieder und Angestellten sorgen doch für eine angenehme Unterhaltung. Ich habe das Buch echt gerne gelesen!

Ich vergebe 4 von 5.


Montag, 12. April 2021

[Rezension] Heimgesucht - Mark Edwards

 


Titel: Heimgesucht

Autor:  Mark Edwards
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 10. März 2020
Anzahl der Seiten: 394
Cover und Inhalsangabe: © Edition M

Begonnen: 10.03.2021
Beendet: 12.03.2021


"Lucas Radcliffe mietet sich in einem einsam gelegenen Schriftsteller-Refugium in Wales ein, um an seinem neuen Buch zu arbeiten. Schnell zieht ihn die düstere Geschichte der Hausbesitzerin Julia in den Bann. Vor zwei Jahren ertrank ihr Mann im nahen Fluss, weil er die Tochter retten wollte. Aber Lilys Leiche wurde nie gefunden. In ihrer Verzweiflung glaubt Julia, dass sie noch lebt.

Fasziniert von Julia, will Lucas herausfinden, was wirklich passiert ist. Er recherchiert und findet im Dorf verstörende Erklärungen zwischen Fluch und Aberglauben. Doch er muss bald feststellen: Der wahre Abgrund ist noch lange nicht erreicht …"



Der Horrorautor Lucas Radcliffe will sein nächstes Buch in einem abgelegenen Schriftstellerhaus schreiben und merkt recht schnell, dass in diesem "Refugium" so einige seltsame Dinge passieren. Spukt es etwa in dem Haus? Und hat es etwas mit der verschwundenen Tochter der Besitzerin zu tun?

"Heimgesucht" von Mark Edwards hat mich schon nach wenigen Seiten in den Bann gezogen, denn dieser Thriller weiß zu gruseln, zu fesseln und am Ende sogar zu überraschen. Für den Leser bleibt lange Zeit unklar, ob es in dem Haus und dem angrenzenden Wald spukt oder ob doch ein Mensch aus Fleisch und Blut dahintersteckt. Dies macht die ganze Geschichte, die zudem noch mit der düsteren Legende einer roten Witwe gewürzt wird, zu einem echten Pageturner.

Gelungen sind auch die Charaktere. Zum einen haben wir natürlich unseren Protagonisten, der zuletzt ausgerechnet ein Buch über ein Monster geschrieben hat, das Kinder tötet. Natürlich ist sein Interesse schnell geweckt, zumal er an seinem aktuellen Manuskript nicht weiterkommt. Auch die anderen Autoren, die in dem Schriftstellerhaus untergekommen sind, haben mir gefallen, genau wie die Bewohner der Dorfes, die alle irgendwie mehr zu wissen scheinen, aber kaum etwas von sich geben.

Das Buch besitzt eine tolle, subtile Gruselatmosphäre und gut gesetzte Cliffhanger. "Heimgesucht" ist zwar kein echter Schocker, besitzt aber doch einige beklemmende Momente, da Stück für Stück die Vergangenheit aufgerollt wird. Teile der Auflösung konnte ich mir zwar zusammenreimen, aber mit dieser Wendung am Ende hätte ich tatsächlich nicht gerechnet. Für mich ein wirklich toller, leicht unheimlicher Thriller, der mich wieder einmal zu einem neuen Schriftsteller geführt hat. Ich bin auf weitere Bücher von ihm gespannt!


"Heimgesucht" ist ein gruseliger und spannungsgeladener Thriller, der an einem tollen Schauplatz spielt und einige sehr unheimliche Momente besitzt. Mehr davon!

Ich vergebe 5 von 5!


Samstag, 10. April 2021

[Rezension] Der gläserne Himmel - Petra Hammesfahr

 


Titel: Der gläserne Himmel

Autor:  Petra Hammesfahr
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1995
Anzahl der Seiten: 498
Cover und Inhalsangabe: © rowohlt

Begonnen: 08.03.2021
Beendet: 11.03.2021


"Christian ist Mitte dreißig und Lehrer, als er in das Dorf zurückkehrt, in dem er als Kind eine unbeschwerte Zeit verbrachte. Hier begegnet er Sina. Gebannt von ihrer Anziehungskraft macht er ihr bald einen Heiratsantrag. Doch wer ist diese rätselhafte junge Frau, die oft nicht sie selbst zu sein scheint? Und was bedeuten die Träume, in denen Sina blutüberströmt in einem Graben liegt? Christian stellt Nachforschungen an und erkennt, dass in diesem idyllischen Ort vor vielen Jahren ein schreckliches Verbrechen geschah ..."


Petra Hammesfahr gehört für mich schon lange zu den besten deutschen Schriftstellerinnen. Ihr Stil erinnert mich immer leicht an Patricia Highsmith und ich liebe es, das sie in ihren Geschichten nie durchblicken lässt, wohin denn alles führen wird. Zeitgleich ist sie eine wahre Meisterin darin, in die Abgründe der menschlichen Seele zu blicken.

In "Der gläserne Himmel" lernen wir erst einmal Chris kennen, der unbedingt Lehrer werden und in Kirchfelden arbeiten will, einem Ort, mit der er einige gute Erinnerungen verbindet, obwohl er nur ein einziges Mal dort war. Chris beginn schließlich, dort zu unterrichten, merkt jedoch schnell, dass es schwer ist, im Dorf Anschluss zu finden.

Das Dorfleben beschreibt Petra Hammesfahr hier sehr anschaulich. Jeder scheint über jeden informiert zu sein und die Machtverhältnisse sind klar geregelt. So gibt es eine Dorfprinzessin, die allen Männern den Kopf verdreht und alle Fäden in den Händen hält. Auch Chris verfällt Sina, doch dadurch kommen einige dunkle Geheimnisse ans Licht ...

"Der gläserne Himmel" unterscheidet sich deutlich von den anderen Werken von Petra Hammesfahr, die sich doch eindeutig dem Psychothriller-Genre zuordnen lassen. Doch auch in diesem Roman sind die Charaktere sehr vielschichtig und stecken gleichzeitig voller Rätsel. So ist Sina nur schwer zu durchschauen und agiert teilweise so, als würde sie sich selbst nicht kennen.

Unerwarteterweise schlägt das Buch schließlich eine fast schon spirituelle beziehungsweise übernatürliche Richtung ein, die sicherlich nicht jedem Leser gefallen wird. Die Autorin gibt kurz Einblick in ihrer Vorstellung von einem "gläsernen" Himmel, lässt den Leser aber viel Freiraum selbst zu entscheiden, was wahr sein könnte und was eben nicht. Das Ende selbst ist bitter, doch passend. Ein originelles, einzigartiges und sehr starkes Werk!


"Der gläserne Himmel" ist ein vielschichtiger Roman, der leicht ins Übernatürliche abdriftet und die Rätsel des Lebens anspricht. Ein starkes Werk!

Ich vergebe 5 von 5.


Donnerstag, 8. April 2021

[Rezension] Die Macht der Träne - Cornelia Harz


 Titel: Die Macht der Träne

Autor:  Cornelia Harz
Genre: Psychothriller
Erscheinungsdatum: 1. August 2002
Anzahl der Seiten: 218
Cover und Inhalsangabe: © Cornelia Harz

Begonnen: 08.03.2021
Beendet: 10.03.2021


"Trotz ihrer Skepsis lässt sich Marlene auf eine ungewöhnliche Paartherapie ein: Ihr Mann soll wieder Mann sein dürfen, früher seien Männer glücklicher gewesen. Was als harmloses Rollenspiel beginnt, wird schnell tödlicher Ernst. Marlene weiß, dass auch sie in dieser Einöde sterben soll.

Aber warum glaubt ihr niemand? Hat sie alleine überhaupt eine Chance, ihrem Tod zu entkommen?"


Titel und auch Inhaltsangabe haben mich bei diesem Werk direkt angesprochen. Die Grundidee einer Paartherapie, die recht schnell außer Kontrolle gerät, fand ich spannend, doch leider hat sich beim Lesen dann doch recht schnell eine gewisse Frustration breitgemacht.

Die drei Paare selbst sind interessant, wenngleich sie von der Autorin doch mit recht typischen Problemen ausgestattet werden und ansonsten leider recht eindimensional wirken. So haben wir da einen Mann, der arbeitslos ist und trinkt, einen anderen der Extremsport macht und wiederum einen anderen, der zu viele Überstunden macht. In der Therapie, die ebenfalls von einem Paar angeboten wird, das sich nicht mehr allzu viel zu sagen hat, stehen nun die Männer im Fokus, die angeblich von ihren Frauen unterdrückt werden und zum alten Rollenbild zurückfinden sollen ...

Dirks Vorgehen bei dieser doch sehr speziellen Therapieform war für mich von Anfang an leider wenig glaubhaft, was in erster Linie daran lag, dass er den Männern förmlich mit dem Vorschlaghammer eintrichtert wie schwach sie durch ihre Frauen doch sind. Hier fehlte mir das nötige Feingefühl und auch einen sensiblen Umgang mit dem Thema der Gleichberechtigung. So wirken weder Dirk noch Noah wie echte Therapeuten.

Die Geschichte selbst ist leider auch sehr vorhersehbar und nach einem Viertel passiert bereits der erste Mord und der Täter ist bekannt. Von da an plätschert die Story nur so dahin und es passiert eigentlich nichts mehr Aufregendes. An Spannung fehlt es dann leider auch und von einem Psychothriller ist diese doch sehr einfache Story weit entfernt.

Eigentlich fand ich, wie anfangs erwähnt, die Grundidee gar nicht schlecht und auch die Aussage, dass Trauern wichtig und auch absolut nötig ist, hat mir gefallen. Auch am Schreibstil selbst hatte ich nichts auszusetzen. Dennoch konnte mich die Geschichte nicht begeistern und ich war an vielen Punkten kurz davor, das Buch abzubrechen. Warum ich das nicht getan habe? Ich dachte tatsächlich, dass da noch irgendwas kommen muss - doch leider kam tatsächlich nichts mehr ...



"Die Macht der Träne" von Cornelia Harz klang vom Titel und vom Klappentext wirklich vielversprechend, doch leider war die Geschichte sehr vorhersehbar und so unspektakulär und oberflächlich, dass die Bezeichnung Psychothriller leider absolut nicht passt ...

Ich vergebe 2 von 5.


Dienstag, 6. April 2021

[Rezension] Still - Dirk Pope

 


Titel: Still

Autor:  Dirk Pope
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 1. August 2002
Anzahl der Seiten: 198
Cover und Inhalsangabe: © Carl Hanser Verlag

Begonnen: 04.03.2021
Beendet: 07.03.2021


 
"Mariella redet nicht, nicht mit der Mutter, dem Vater, nicht mit den Goldfischen, den Lehrern oder Mitschülern. Weil ihre Eltern sich getrennt haben. Weil niemand sie verstehen will. Und weil ohnehin zu viel geredet wird. Je lauter es um sie herum wird, desto leiser wird sie. Mariellas Stille eckt an und fordert heraus. Keiner darf einfach so anders sein. Zum Glück ist da Stan, der gehörlos ist und Mariella akzeptiert, so wie sie ist. Gemeinsam mit ihm findet Mariella eine eigene Sprache. Die Begegnung der beiden bestärkt sie darin, bei sich zu bleiben und schließlich ihre Stimme doch wieder zu erheben."


"Still " von Dirk Pope habe ich genau an meinem Geburtstag begonnen, da die Protagonistin Mariella mir hier aus der Seele spricht - und das, obwohl sie überhaupt nicht redet. Weder mit ihren Eltern, noch mit den Lehrern oder ihren Klassenkameraden, wodurch sie zur totalen Außenseiterin geworden ist. Sie hat weder Freunde, noch irgendjemanden, dem sie sich anvertrauen kann - bis sie Stan kennenlernt, der selbst gehörlos ist und deswegen ebenfalls nicht spricht.

Mich haben Mariellas Gedankengänge von der ersten Seite tief berührt, denn ich bin auch ein Mensch, der kaum Gefallen an Worte findet und der findet, dass die Menschen viel zu viel reden ohne wirklich etwas zu sagen. Früher, in meiner Schulzeitung war ich genau wie Mariella das Mäuschen, das nie etwas gesagt habe und ich habe mich damit wohl gefühlt - was leider innerhalb der Gesellschaft nicht akzeptiert wird.

In "Still" geht es um Ausgrenzung, ja, darum, dass die Gesellschaft mit "Andersartigkeiten" einfach nicht klar kommt. Ich mochte Mariella, die hier einfach nur ihr Ding durchzieht und sich überhaupt nicht ändern will. Es ist schön, dass sie schließlich in Stan auch jemanden findet, der sie versteht und sie ermutigt, so zu bleiben wie sie ist.

Mein einziger Kritikpunkt wäre tatsächlich die Länge dieses Romans. Auf nur 198 Seiten bleibt nicht viel Platz, alles zu beleuchten und vor allem, die Leute in Mariellas Umfeld auch zum Denken anzuregen. Beim Leser mag das mit Sicherheit funktionieren, doch ich hätte mir irgendwie interessant gefunden, wenn auch mal die Sichtweisen ihrer Mitschüler oder ihrer Eltern hervorgehoben worden wären. Auch die Tragik des Endes wirkt dann doch etwas abgeschwächt, denn eine gewisse Person, die zum Ende hin noch eine wichtige Rolle spielt, wurde doch leider viel zu kurz erwähnt ...

Ansonsten ist es aber ein Roman, den ich wirklich gerne gelesen habe und der ich in einer Zeit, in der dieses leider viel zu oberflächliche "Diversity"-Denken eingesetzt hat, auch mal leise Töne anschlägt und sehr sensibel aufzeigt, wie unterschiedlich wir Menschen doch sind.


"Still" ist ein ruhiger Roman über ein Mädchen, das einfach nicht mehr sprechen will, aber auf ihre Weise dennoch kommuniziert. Sehr berührend, sensibel und ehrlich, nur leider viel zu kurz ...

Ich vergebe 4 von 5.


Sonntag, 4. April 2021

[Rezension] Wenn Schweigen tötet - John Marrs

 


Titel: Wenn Schweigen tötet

Autor:  John Marrs
Genre: Thriller, Psychothriller
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2021
Anzahl der Seiten: 428
Cover und Inhalsangabe: © Edition M

Begonnen: 26.02.2021
Beendet: 04.03.2021


"Jeden zweiten Abend essen Maggie und Nina zusammen. Wenn sie fertig sind, bringt Nina Maggie zurück in ihr Zimmer im Dachgeschoss und legt sie in Ketten. Denn Maggie hat Dinge getan, die unverzeihlich sind, und jetzt bezahlt sie den Preis dafür.

Aber in der Vergangenheit gibt es vieles, was Nina nicht weiß, und Maggie wird dafür sorgen, dass es so bleibt – auch wenn es sie tötet. Denn in diesem Haus ist die Wahrheit gefährlicher als jede Lüge."


Von John Marrs habe ich bisher noch nichts gelesen und so war ich auf meinen allerersten Thriller hier sehr gespannt. Der Klappentext hatte mich bereits angesprochen, doch konnte mich noch nicht einmal annähernd auf diese wendungsreiche Geschichte vorbereiten.

In "Wenn Schweigen tötet" geht es um Nina, die ihre Mutter Maggie auf dem Dachboden gefangen hält und anscheinend für etwas, was in der Vergangenheit passiert ist, büßen lässt. Dabei erfahren wir aus den Sichten von Mutter und Tochter, wie es denn überhaupt so weit kommen konnte und schnell wird deutlich, dass sich die Frage nach der Schuld nicht so einfach beantworten lässt.

Nach und nach deckt der Autor die Vorgeschichte der beiden Frauen auf. Dabei geht es zum einen um Ninas Jugend, zum anderen aber auch um Maggies spätere Gefangenschaft. So setzt John Marrs Puzzlestück für Puzzlestück zusammen und erschafft hier eine bitterböse Geschichte!

Mich hat dieser Thriller schon auf den ersten Seiten abgeholt und gefesselt, denn als Leser weiß man sehr lange nicht, wem man nun vertrauen soll. Das macht dieses Buch so spannend, dass man es unmöglich aus der Hand legen kann. Durch zahlreiche Wendungen und Überraschungen sorgt der Autor zudem, dass die Geschichte zu keinem Zeitpunkt langweilig wird oder aber sich so einfach durchschauen lässt.

Ich habe schon lange nicht mehr einen solch intensiven Psychothriller gelesen, der mich an vielen Punkten schockiert und an einigen Stellen sogar echt sprachlos gemacht hat. Denn in "Wenn Schweigen tötet" ist doch alles anders, als es auf den ersten Blick scheint und das macht dieses Werk zu eine außergewöhnliche Lektüre, gerade in einem Genre, in dem schon fast alles dagewesen ist. Ich bin froh, diesen Autor endlich entdeckt zu haben und bin bereits auf weitere Bücher gespannt!



"Wenn Schweigen tötet" ist ein spannungsgeladener, schockierender und wendungsreicher Psychothriller, der mich echt sprachlos zurückgelassen hat. Ich hatte schon lange nicht mehr ein solch intensives Leseerlebnis!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extratropfen.


Freitag, 2. April 2021

[Rezension] Der Medicus von Saragossa - Noah Gordon

  


Titel: Der Medicus von Saragossa

Autor:  Noah Gordon
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 1. August 2002
Anzahl der Seiten: 497
Cover und Inhalsangabe: © Festa Extrem

Begonnen: 24.02.2021
Beendet: 08.03.2021


"Im Jahre 1492 hat die Inquisition Spanien fest im Griff. Per Edikt wird verkündet, dass alle Juden das Land zu verlassen hätten, und ein großer Exodus beginnt. Jona, der dreizehnjährige Sohn des jüdischen Silberschmiedes Helkias Toledano, steht nach der Ermordung seines Bruders Meir und dem Tod seines Vaters durch einen aufgebrachten Mob völlig allein da. Doch statt sich zum Christentum zu bekehren oder zu fliehen, beschließt er, zu seinem Glauben zu stehen und sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Für ihn beginnt eine abenteuerliche Odyssee kreuz und quer durch Spanien. Drei Jahre und zahllose Abenteuer später, im Sommer 1495, ist Jona zu einem kräftigen jungen Mann herangewachsen, der gelernt hat zu überleben und sich dennoch nichts sehnlicher wünscht, als zur Ruhe zu kommen. In Granada begegnet er endlich wieder Glaubensgenossen: der Familie des Seidenhändlers Saadi, die immer noch heimlich ihre Religion praktiziert. Jonas Liebe zu Inés, Saadis schöner Tochter, muss dennoch unerfüllt bleiben. Ein Schiff bringt Jona nach Gibraltar, wo er als Lehrling bei dem Waffenschmied Fierro unterkommt. Fierro muss schließlich selbst vor der Inquisition fliehen und bittet den jungen Mann, ihn zu seinem Bruder Nuno, einem alten Medicus, nach Saragossa zu begleiten. Als der Waffenschmied heimtückisch ermordet wird, beschließt Jona, dennoch seinen Weg nach Norden fortzusetzen. In Saragossa angekommen, entscheidet die Begegnung mit Nuno Jonas Schicksal, denn er spürt sofort, dass in der Heilkunst seine wahre Berufung liegt ..."


Ich habe mir schon lange vorgenommen, einmal ein Buch von Noah Gordon auszuprobieren. "Der Medicus" war ein Roman, den ich oft in öffentlichen Bücherschränken gesehen, aber nie mitgenommen habe, da ich doch lieber mit einem weniger bekannten Werk beginnen wollte. So stieß ich auf "Der Medicus von Saragossa" und besonders die Geschichte der spanischen Inquisition hat mich hier angesprochen.

Zu Beginn des Geschehens erfahren wir erst einmal, dass der Sohn eines jüdischen Silberschmieds beim Überbringen einer Reliquie ums Leben kam. Dieser sonderbare Raubmord wird einem ebenfalls jüdischen Arzt übergeben, der sich einfach einmal umhören soll - dann aber verschwindet. Auch Jona, der Bruder des Getöteten, erkennt plötzlich, dass seine Heimat sich verändert. Juden sollen entweder zum Christentum konvertieren oder aber verschwinden. So wird Jonas Vater kurz vor der gemeinsamen Flucht getötet und Jona muss allein versuchen, am Leben zu bleiben und dabei seinen Glauben nicht komplett aufzugeben.

Jona reist nun also umher und kommt kurzzeitig bei verschiedenen Leuten unter und findet verschiedene Anstellungen, doch er reist schließlich immer weiter, weil es nirgends einen Ort zu geben scheint, an dem er seinen Glauben ausleben darf. Jonas Geschichte ist auf jeden Fall sehr fesselnd und durch sein ständiges Herumreisen gibt es immer wieder neue Leute und Orte kennenzulernen. Außerdem wird Jona langsam erwachsen und es macht Spaß mitzuerleben, wie er sich zu einem echten Mann entwickelt. Die Heilkunst selbst entdeckt er allerdings erst reichlich spät, wodurch die wirklich interessanten Einblicke in das Leben eines Medicus doch recht kurz ausfallen.

Interessant war dieser Roman auf jeden Fall, dennoch habe ich aber fast zwei Wochen zum Lesen gebraucht, was für mich schon recht viel war. Die Geschichte hat sich gut lesen lassen und beinhaltet dabei auch noch viele interessante historische Fakten ohne dabei zu überladen zu wirken, doch dennoch hat mir irgendwas beim Lesen gefehlt. Trotz der vielen Gefahren war die Story für mich nicht unbedingt fesselnd oder spannend und so konnte ich das Buch recht oft einfach aus der Hand legen. Dennoch bereue ich das Lesen nicht und werde mir sicherlich noch einmal andere Bücher des Autors ansehen.

 

"Der Medicus von Saragossa" beschreibt die vielen kleinen Abenteuer des Waisenjungen Jona, der einfach nur am Leben bleiben und seinen Glauben nicht verlieren will. Ein interessanter historischer Roman, der mir stellenweise aber nicht fesselnd genug war!

Ich vergebe 4 von 5.