Mittwoch, 12. Oktober 2022

[Rezension] Graffiti Moon - Cath Crowley

 


Titel: Graffiti Moon

Autor:  Cath Crowley

Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl: 256
Cover: © Carlsen

Begonnen: 13.09.2022
Beendet: 15.09.2022



Lucy will unbedingt den Graffiti-Künstler Shadow kennenlernen. In einer verrückten Nacht streift sie mit Ed, mit dem sie einst ein seltsames Date hatte, durch die Stadt. Sie reden über Kunst, das Leben und auch ihre Träume und Ängste. Lucy ahnt nicht, dass Shadow bereits ganz in ihrer Nähe ist.

Dass Ed in Wahrheit Shadow ist erfährt der Leser schon auf den ersten Seiten. Abwechselns wird die Geschichte nämlich aus Eds und Lucys Sicht erzählt. Ed hält sich selbst für einen Verlierer, weil er seine Freundin und auch seinen Job verloren hat. Zudem kann er nicht besonders gut lesen und schreiben. Sein mangelndes Selbstvertrauen legt er nur ab, wenn er nachts gemeinsam mit seinem besten Freund Leo alias Poet seine Pieces an die Hauswand sprüht.




Lucy, die gerade nicht nur über ihre eigene Zukunft nachdenkt sondern auch befürchtet, dass sich ihre Eltern scheiden lassen könnten, klammert sich an Shadow und seine Kunstwerke. "Graffiti Moon" ist ein Jugendbuch, das von zwei Teenager handelt, die sich selbst erst einmal finden müssen und sich ganz nebenbei auch verlieben.




Die Geschichte wirkte auf mich wie ein großes Kunstwerk. Zum einen ist da die wundervolle Sprache der Autorin, zum anderen sind da die tollen Beschreibungen von Shadows Pieces und die zwischengeschobenen Gedichte von Poet. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen und habe mich in diesem romantischen, lustigen, aber auch unfassbar tiefgründigen Roman total verloren. Lucy und Ed habe ich, genau wie sämtliche Nebencharaktere, ins Herz geschlossen und ich werde sicher noch lange an diese sehr abenteuerliche Nacht zurücksenden!


"Graffiti Moon" ist so viel mehr als nur eine Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern. Es ist die berührende und dennoch witzige Geschichte zweier Verlorener, die durch die Kunst zusammenfinden. Ein wundervolles Jugendbuch!

Ich vergebe 5 von 5.


Montag, 10. Oktober 2022

[Rezension] Gier - Marc Elsberg

 


Titel: Gier

Autor:  Marc Elsberg

Genre: Roman, Thriller
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenzahl: 448
Cover: © Blanvalet

Begonnen: 12.09.2022
Beendet: 16.09.2022



Auf einem Sondergipfel in Berlin soll über die gewaltige Wirtschaftskrise diskutiert werden, die mittlerweile die ganze Welt betrifft. Die Nobelpreisträger Herbert Thompson will eine Rede halten, die die Welt verändern könnte, denn angeblich hat er eine Formel entwickelt, mit der Wohlstand für alle möglich sein soll. Doch dann hat er einen Unfall und die Jagd nach der Formel beginnt ...

Vermutlich bin ich von Andreas Eschbach und seinen sehr nachdenklich stimmenden Büchern, die immer wieder aktuelle Geschehnisse aufgreifen, zu verwöhnt, denn ich hatte nach dem Lesen des Klappentextes von "Gier" eine ähnlich tiefgründige und vor allem auch kritische Lektüre erwartet. Aktueller könnte die Thematik schließlich nicht sein. Leider gibt Marc Elsberg in seinem Roman, der für mich eher eine Mischung aus missglückten Actionthriller und Wirtschaftsanalyse war, keinerlei Denkanstöße.



Die Charaktere selbst könnten nicht blasser und austauschbarer sein. Wir haben die "Killer", die Polizei und schließlich einen etwas dümmlichen jungen Mann namens Jan, der hier aufgrund eines blöden Zufalls zum Gejagten wird. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt, in die immer wieder politische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Arbeiten eingeschoben werden. In zahlreichen Beispielen, Rechnungen und Bildern versucht der Autor auf möglichst einfache Weise zu erklären, wie die Wirtschaft funktioniert. Was dann hinter der geheimnisvollen Formel steckt ist nicht neu und daher auch sehr enttäuschend, erwartet der Leser hier doch eine Innovation, die einen Mord rechtfertigen würde ...

Der Autor hat sicherlich sehr umfangreich recherchiert und baut jede Menge Sachwissen ein. Eingepackt in die endlose Verfolgung wirkt jedoch die gesamte Handlung zusammenhangslos und teilweise sogar lächerlich. Beim Lesen hat mich die einseitige Betrachtungsweise echt wütend gemacht, denn letztendlich geht es doch weiterhin nur darum, den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Die Gier geht also weiter. Ich bin wohl ein zu großer Freigeist, um daran etwas Positives entdecken zu können.



"Gier" ist ein nüchterner Einblick in das Wirtschaftssystem, der sich durch die eingebaute Verfolgungsjagd teilweise wohl wie ein Actionthriller lesen soll, aber oberflächlich und nichtssagend bleibt. Eine große Enttäuschung!

Ich vergebe 2 von 5.


Sonntag, 9. Oktober 2022

[Aktion] SCHAURIGE SIEBEN 2022 | Lesetipps zum Gruseln

 Die liebe Nicole von Zeit für neue Genres hat dazu aufgerufen, Lesetipps für die düstere Jahreszeit zu sammeln. Da mache ich in diesem Jahr doch gerne mit und präsentiere hier sieben unheimliche Bücher.




Meine schaurigen Sieben



"Die Wächter" - John Saul

Als erstes komme ich nicht drum herum, hier meinen absoluten Lieblingshorrorschriftsteller zu nennen. Jon Saul begleitet mich bereits so lange wie Stephen King und ich liebe seine Old-School-Horrorgeschichten, in denen es meistens um Jugendliche, Kinder oder einfach nur die Bewohner einer Kleinstadt geht.

"Die Wächter" spielt auf einer abgelegenen Ranch, auf der ein schwieriger Junge lebt, der angeblich für den Tod seiner Eltern verantwortlich ist! Ein sehr atmosphärischer Horroroman!

Meine vollständige Rezension findet ihr hier.


"Psycho" - Robert Bloch


Ich finde es schrecklich, dass Robert Bloch zu Lebzeiten kaum Anerkennung für seine Werke bekommen hat und auch nach seinem Tod fast in Vergessenheit geraten ist. Dabei sind seine "Psycho"-Bücher wirklich extrem unheimlich.

Die Geschichte von Norman Bates, seiner Mutter und auch dem Motel ist durch zahlreiche Verfilmungen sicherlich jedem bekannt, aber das Buch ist dennoch ein Klassiker, den man - mitsamt der tollen Fortsetzung - gelesen haben sollte!

Meine vollständige Rezension findet ihr hier.



"Besuch von Drüben" (Gruselgeschichten)  - Algernon Blackwood 

Über Algernon Blackwood bin ich im Bücherschrank gestolpert und fand seine Geschichte zwar nicht richtig gruselig, dafür aber sehr atmosphärisch. In dieser Anthologie befindet sich Kurzgeschichten, die sich allesamt sehr ähneln und von Spuk in Häusern, Wohnungen oder anderen Orten berichten. Besonders die Geschichte "Der Horcher" hat mir hier gut gefallen!

Meine vollständige Rezension findet ihr hier.


"Frankenstein" - Mary Shelley

"Frankenstein" war für mich eins der intensivsten Klassiker, die ich jemals gelesen habe! Unter "Frankenstein" hatte ich mir all die Jahre eine ganz andere Geschichte vorgestellt. Nun, nach dem Lesen muss ich aber sagen, dass ich wirklich erstaunt über die Intensität bin, mit der Shelley hier die verschiedenen Gesichter der Gesellschaft präsentiert! Eins meiner Lieblingsbücher!

Meine vollständige Rezension findet ihr hier.



"Der Ferienjob" (Fear Street) - R. L. Stine

Wenn ich an schaurige Geschichten denke, muss ich auch zeitgleich immer an R. L. Stine und seine Bücher denken. Die "fear Street"-Bücher habe ich in meiner Jugend verschlungen und auch als Erwachsener lese ich sie noch immer gerne.

Für mich gehört "Der Ferienjob" zu den besten Teilen der Reihe. Es geht hier sehr unheimlich, blutig und sehr spannend zur Sache mit einer Babysitterin, die anscheinend ein Geheimnis zu verbergen hat. Ein tödliches Geheimnis ...

Meine vollständige Rezension findet ihr hier.


"Das Geschäft mit dem Grauen" - Thomas M. Disch

Über dieses Buch bin ich im letzten Jahr im Bücherschrank gestolpert und es erwies sich als echter Glücksgriff. "Das Geschäft mit den Grauen - Die Ausgeburt des Bosen" ist ein außergewöhnlicher, sehr origineller und witziger Roman über die Welt des Spuks, der durch viele bizarre Wendungen ungemein unterhaltsam ist. Hier wird die Welt der Geister immer wieder überschritten und das auf sehr ungewöhnliche Art und Weise.

Meine Vollständige Rezension findet ihr hier.



"Schwelle ins Nichts" - Peter James

Peter James wurde ja später eher mit seinen Thrillern bekannt und nur die wenigsten wissen, dass er früher echt atmosphärische Horroromane geschrieben hat. 

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Mit dieser Frage beschäftigt sich Peter James in dieser sehr atmosphärischen Geschichte, in der ein Medizinstudent unbedingt beweisen will, dass sich die Seele vom Körper lösen kann ... Sehr fesselnd und interessant!

Meine vollständige Rezension findet ihr hier.


Welche Buchtipps habt ihr noch für die schaurige Jahreszeit? 

Samstag, 8. Oktober 2022

[Rezension] Das verborgene Haus - Maria Ernestam

 


Titel: Das verborgene Haus

Autor:  Maria Ernestam

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenzahl: 384
Cover: © btb

Begonnen: 09.09.2022
Beendet: 13.09.2022



Viola reist mit ihrem Mann Axel und ihren beiden Töchtern in ein Sommerhaus in Südschweden. Doch von Anfang an ist Axel frustriert und fängt immer wieder Streit an. Viola freundet sich daraufhin mit der 90-jährigen Lea an, die ihr nicht nur von ihrer Zeit als Missionarin in China erzählt sondern auch ein paar Kurzgeschichten zum Lesen gibt. Kurzgeschichten, die Viola endlich dazu bringen über ihr eigenes Leben und die Beziehung zu Axel nachzudenken.

Mit "Das verborgene Haus" habe ich mich von Anfang nicht leicht getan, denn Axel entpuppt sich gleich zu Beginn als sehr schwieriger Charakter, der seinen ganzen Frust an seiner Familie auslässt. Viola versucht sich sein Verhalten damit zu erklären, dass er vor kurzem erst eine schwere Krankheit durchgemacht hat, doch sein Verhalten wird immer schlimmer. Verbal erniedrigt er seine Frau, rastet bei dauernd aus und versucht auch nicht, liebevoll oder nett zu seinen Kindern zu sein.



Wie Viola das alles so lange aushalten konnte, war für mich hier nicht zu verstehen, denn mich hat Axel beim Lesen furchtbar wütend gemacht. Viola fängt erst an nachzudenken, als sie Lea kennenlernt, mehr aus ihrem Leben erfährt und eben ihre Kurzgeschichten liest.

Diese Kurzgeschichten werden immer wieder zwischen die normalen Kapitel geschoben und erzählen recht unterschiedliche Geschichten über eine Jugend, Religion und die chinesische Kultur. Einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Geschichten und der Haupthandlung, die im Grunde nur aus dem gefrusteten Axel besteht konnte ich allerdings nicht herstellen.

Lea mit ihrer Weisheit und ihren Erzählungen empfand ich als spannenderen Charakter als Viola, die zwar die Geschichten genauestens analysiert, sich aber nicht  so recht mit ihren Beziehungsproblemen auseinandersetzen will. Maria Ernestam besitzt einen tollen Schreibstil, aber dieser Roman wirkte auf mich zu zusammengewürfelt und das Ende selbst mochte ich in dieser Form leider auch nicht. Beziehungsprobleme wie diese lösen sich bestimmt nicht einfach in Luft aus ...


"Das verborgene Haus" besitzt eine starke Nebencharakterin, wirkte mit den eingefügten Kurzgeschichten auf mich aber eine Spur zu zusammengewürfelt. Es fiel mir schwer, zwischen Leas und Violas Leben Parallelen oder gar Zusammenhänge zu erkennen,

Ich vergebe 3 von 5.


Donnerstag, 6. Oktober 2022

[Rezension] Fräulein Smillas Gespür für Schnee - Peter Høeg


Titel: 
Fräulein Smillas Gespür für Schnee

Autor:  Peter Høeg

Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1996
Seitenzahl: 516
Cover: © Rowohlt

Begonnen: 08.09.2022
Beendet: 12.09.2022



Ein Junge stürzt vom Dach eines Lagerhauses. Smilla, die Jesaja kannte, glaubt nicht an einen Unfall und beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen, die sie schließlich von Dänemark zurück nach Grönland führen sollen ...

Vor ein paar Monaten habe ich mein erstes Buch von Peter Høeg gelesen, das mich allerdings nicht zu 100 Prozent überzeugen konnte. Nachdem ich in letzter Zeit nun immer wieder Bücher von ihm aus dem öffentlichen Bücherschrank gefischt habe, war es Zeit, sich seinem bekanntesten Werk zu widmen.

Mit dem sehr literarischen Schreibstil wurde ich allerdings erneut nicht wirklich warm und es fehlte mir trotz der wirklich interessanten Ausgangslage lange Zeit an Spannung. Ich habe einige Male ans Abbrechen gedacht, einzig die wirklich tolle Protagonistin hat mich hier durchhalten lassen. Smilla ist mit ihrer sehr schroffen Art nämlich wirklich eine spannende Persönlichkeit, die sich hier Stück für Stück zur Wahrheit durcharbeiten muss. Ihre persönliche Geschichte hat mich mehr in den Bann gezogen als der Hauptstrang.




Der Autor lässt sich hier über 500 Seiten Zeit die sehr verrückten Hintergründe des Mordes an dem kleinen Jungen aufzudecken. Dabei beschäftigt er sich mit den Konflikten zwischen Grönländern und Dänen, streift naturwissenschaftliche Themen und lässt Smilla am Ende mit einem Schiff durchs Eis reisen. Das Buch besitzt einige Stärken, doch mich konnte die Handlung nicht überzeugen, da es doch Themengebiete angesprochen hat, die mich persönlich nicht sonderlich interessieren. So war ich hier tatsächlich froh, als ich endlich am Ende angelangt war. Originell sind die ganzen Zusammenhänge auf jeden Fall, aber ich habe das Gefühl, dass mir Peter Høeg einfach nicht liegt.



Smilla ist mit ihren zahlreichen Eigenarten eine wirklich spannende Protagonist, doch die Haupthandlung dieses doch sehr literarischen Thrillers konnte mich nicht abholen und von der Auflösung auch nicht wirklich begeistern ...

Ich vergebe 3 von 5.


Dienstag, 4. Oktober 2022

[Rezension] Einfach Liebe! - Brigitte Blobel

  


Titel: 
Einfach Liebe!

Autor:  Brigitte Blobel

Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2000
Seitenzahl: 238
Cover: © Aare

Begonnen: 06.09.2022
Beendet: 09.09.2022



Merles Vater ist vor vier Monaten ausgezogen und nun steht der Scheidungstermin an. Mit ihren 15 Jahren begreift sie nicht, warum ihre Eltern einfach keine glückliche Familie mehr sein können. Nur ihr Klassenkamerad Mirko, der selbst das Kind alkoholkranker Eltern ist, versteht ihren Schmerz und ist für sie da. Doch was ist das da zwischen ihnen eigentlich?

Liebe könnte so einfach sein, doch in Wahrheit ist sie furchtbar kompliziert. Brigitte Blobel widmet sich hier einem sehr wichtigen Thema, denn viele Kinder und Jugendliche müssen irgendwann damit klarkommen, dass sich die Eltern nicht mehr lieben und getrennte Wege gehen wollen.


Merles Schmerz war zu Beginn für mich auf jeden Fall greifbar und auch mit Mirko konnte ich beim Lesen mitfühlen. Die Momente zwischen den Beiden hätten für meinen Geschmack allerdings intensiver sein können. Teilweise hatte ich das Gefühl, die beiden würden sich nur wegen ihrer ähnlichen Probleme aneinanderklammern. Was genau sich da zwischen den beiden entwickelt war mir allerdings nicht so recht klar. Sie kamen mir beim Lesen eher wie Freunde vor. Eventuell ist dies aber von der Autorin so gewollt.

Ich habe nun schon einige Bücher von Brigitte Blobel gelesen und merke nun, dass mir ihr Schreibstil einfach nicht liegt. Besonders die Dialoge, in denen es immer wieder unerklärliche Themen- beziehungsweise Stimmungswechsel gibt und die teilweise sehr kindlich klingen, haben mir hier nicht gefallen. Auch das Ende, das gar kein richtiges Ende ist, hat mich sehr enttäuscht zurückgelassen. Es wirkt, als hätte die Autorin urplötzlich keine Lust mehr auf die Geschichte gehabt und so lässt sie den Leser nicht nur mit vielen offenen Fragen zurück sondern auch mit dem Gefühl, dass niemand in diesem Buch wirklich etwas gelernt hat. 


Sehr sensibel beschreibt die Autorin hier zwei Teenager, die beide mit der Scheidung/Trennung ihrer Eltern klarkommen müssen und sich aneinanderklammern. Leider wird die Geschichte nicht zuende erzählt und wirkt besonders in den Momenten zwischen Merle und Mirko sehr seicht und kindlich ...

Ich vergebe 3 von 5.






Sonntag, 2. Oktober 2022

[Rezension] Das Fenster zum Hof (und vier weitere Kriminalstories) - Cornell Woolrich

 



Titel: 
Das Fenster zum Hof (und vier weitere Kriminalstories

Autor:  Cornell Woolrich

Genre: Kurzgeschichten, Krimi
Erscheinungsjahr: 1989
Seitenzahl: 208
Cover: © Diogenes

Begonnen: 06.09.2022
Beendet: 08.09.2022



"Das Fenster zum Hof" ist durch Alfred Hitchcooks Verfilmung wohl fast jedem ein Begriff. Der Autor, der zahlreiche Bücher und Kurzgeschichten verfasst hat, war aber weder zu Lebzeiten noch nach seinem Tod wirklich berühmt, was ausgesprochen traurig ist, denn schließlich hatte er großen Einfluss auf das Krimi-Genre.

Mit diesem Kurzgeschichtenband durfte ich Cornell Woolrich nun kennenlernen. "Das Fenster zum Hof" ist hier die Einstiegsgeschichte und obwohl ich die Handlung schon kannte, hat mich der Autor hier sofort abgeholt. Mit Hal Jeffries beobachten wir hier das Nachbarhaus und sehen dabei einige seltsame Dinge. Vermutlich hätte diese grandiose Kurzgeschichte auch als Roman bestens funktioniert.



Die zweite Geschichte namens "Post Mortem" war für mich etwas schwächer, obwohl mich die Ausgangslage überzeugen konnte, geht es doch um eine Frau, die durch eine Wette ihres verstorbenen Mannes zu viel Geld gelangen könnte. Blöd nur, dass der Wettschein wohl mit ihrem Mann begraben wurde und dadurch ein dunkles Geheimnis ans Tageslicht kommt. Der Mordversuch am Ende war mir hier doch eine Spur zu theatralisch.

"Drei Uhr nachmittags" war hier mein persönlicher Favorit. Stapp will seine augenscheinlich fremdgehende Frau mit einem präparierten Wecker töten und muss dann selbst mit ansehen, wie ihm die Zeit durch die Finger rinnt. Diese Story war so spannend, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen und das Ende ist wirklich einprägsam und bitterböse! Warum wurde diese Geschichte eigentlich nie verfilmt?




In "Mordspeech" erzählt Woolrich sehr bitter von einem Mord, der zwar nicht geschieht, aber dennoch Konsequenzen mit sich bringt und in "Montreal Express" zeigt sich sehr schön, wie ein verzweifelter Mensch zum Mörder wird und in einen regelrechten Strudel der Gewalt gerät.

Ich konnte in alle Geschichten eintauchen. Woolrich zeigt hier, dass es immer eine höhere Macht gibt, die am Ende für die nötige Gerechtigkeit sorgt. Ich bin auf weitere Werke und Kurzgeschichten von ihm gespannt.

Es ist schade, dass Cornell Woolrich nie die Berühmtheit erlangen hat, die seine grandiosen Geschichten verdient hätten. Diese Kurzgeschichtenband hat mich auf jeden Fall direkt zum Fan gemacht und ich bin gespannt, was es von ihm noch zu entdecken gibt.

Ich vergebe 5 von 5.