Samstag, 4. Oktober 2025

[Rezension] Club der verliebten Dichter - Chris Bos

 


Titel: Club der verliebten Dichter

Autor:  Chris Bos

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 2003

Seitenzahl: 204
Cover: © Klopp
Begonnen: 29.08.2025
Beendet: 01.09.2025


Lennart ist total in Fiona verliebt und hat ihr sogar ein Gedicht namens "Sahnequark" gewidmet. Als er seine Traumfrau dann auch noch im Dichterclub trifft, beschließt er, ihr seine Gefühle zu gestehen. Doch Fiona ist selbst in einen älteren, verheirateten Mann verliebt ...

Der Autor schmeißt den Leser hier direkt in Lennarts allererste Schwärmerei hinein und auch in den Dichterclub, in dem unterschiedlich Charaktere aufeinander treffen und ganz interessante Diskussionen führen.

Schade ist, dass Lennarts Gedichte gar nicht so recht eingebaut werden. Für mich war seine Liebe zu Fiona nicht so recht greifbar und daher eine Spur zu oberflächlich. Fiona selbst wirkt auch vollkommen unsensibel, denn das ganze Buch lang erzählt sie Lennart alles aus ihrem Liebesleben mit Emiel. Und Lennart? Ja, Lennart wartet als guter Freund an ihrer Seite und stürzt sich mal eben in eine rein körperliche Beziehung mit einem anderen Mädchen.

Die Grundidee von diesem Roman hat mir gefallen. Gerade auch die Geschichte vom Club der Dichter, die alle auf unterschiedliche Art lieben, ist gelungen. Warum dann aber fast nur die plumpen Gedichte von Raaf eingebaut worden verstehe ich nicht so recht. Gerade Herman ist auch ein spannender Charakter.

Vieles wird hier in diesem kurzen Roman einfach nicht zu Ende erzählt und bleibt daher sehr oberflächlich. Das Buch hat sich zwar flott gelesen, aber irgendwie blieb bei mir überhaupt nichts haften. Auch die letzten Seiten wirken so gehetzt und irgendwie fehlte es auch hier an etwas, das dem Leser mitgegeben wird. Sehr schade!



Ein kurzer Roman über einen Dichterclub und unterschiedlichen Arten der Liebe, dem es aber leider an Tiefe fehlt. Schade!

Ich vergebe 3 von 5.

Donnerstag, 2. Oktober 2025

[Rezension] Mordskind - Susanne Mischke

 


 Titel: Mordskind

Autor:  Susanne Mischke

Genre: Roman, Krimi

Erscheinungsjahr: 2000

Seitenzahl: 362
Cover: © Piper
Begonnen: 27.08.2025
Beendet: 29.08.2025

Doris und Paula leben nebeneinander und sind gute Freundinen sowie Mütter. Während Paula mit Simon jedoch einen sehr braven Sohn hat, muss sich Doris mit dem Satansbraten Max herumschlagen, der keinerlei Grenzen kennt. Doch dann verschwindet Max - es ist das zweite vermisste Kind in kurzer Zeit und ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Doch auch Doris verhält sich seltsam. Sie trauert kaum und verbringt auffallend viel Zeit mit Paulas Sohn ...

Susanne Mischkes Kriminalromane lese ich sehr gerne, denn sie sind vielschichtig und so angenehm bizarr. Auch in "Mordskind" finden sich viele interessante Charaktere. Zum einen ist da die Protagonistin Paula, die eine kleine Rebellin und sicherlich nicht die typische Vorzeigemutter ist. Es wundert wenig, dass bereits das Jugendamt hinter ihr her ist, obwohl sie ihren Sohn liebt. Ihr gegenüber steht nun Doris, die ihren Max verliert, darüber aber eher Erleichterung empfindet.

Keiner im Ort scheint wirklich um den kleinen Max zu trauern, aber alle stürzen sich natürlich auf den aus Russland stammenden Friedhofsgärtner, der oft in der Nähe des Spielplätzen gesehen wurde und so auffällig ist, dass er natürlich den perfekten Täter abgibt. Zu allen Überfluss hat Paula ihn bei sich auch noch als Gärtner angestellt, was dazu führt, dass die Leute schnell ihr Urteil fällen.

Mich hat dieser Krimi, der einige Überraschungen und Wendungen bereithält, bestens unterhalten. Ich hatte auch ein ganz anderes Ende erwartet, fand hier aber alles stimmig bis zur allerletzten Seite. Das war hoffentlich nicht mein letztes Buch von Susanne Mischke!


Ein spannender, leicht bizarrer Krimi mit vielschichtigen Charakteren und vielen Überraschungen. Lesenswert!

Ich vergebe 5 von 5.

Dienstag, 30. September 2025

[Rezension] Der glückliche Prinz und andere Märchen - Oscar Wilde

 


 Titel: Der glückliche Prinz und andere Märchen

Autor:  Oscar Wilde

Genre: Märchen, Gedichte in Prosa

Erscheinungsjahr: 2024

Seitenzahl: 224
Cover: © Anaconda
Begonnen: 01.08.2025
Beendet: 28.08.2025


Oscar Wilde hat mich mit vielen Werken bereits in den Bann ziehen können. Ich habe das Gefühl, mich in vielen seiner Denkweisen selbst wiederzufinden. So stieß ich nun auf diese wunderschöne Ausgabe mit neun Märchen und sechs Gedichten in Prosa, die ich meinem Mann in den letzten Wochen vorgelesen habe.

Die Märchen richten sich meiner Meinung nach aber eher an erwachsene Leser, weil sie sehr tief gehen, sprachlich auf einen sehr hohen Niveau verfasst sind, sehr viel  Melancholie verströmen und nachdenklich stimmen. Oscar Wilde erzählt von Problemen, die auch in der heutigen Zeit noch vorhanden sind. Zentral geht in vielen Geschichten um Armut, die in der Welt der Prinzen, Prinzessinnen oder Königen gar nicht zu existieren scheint.

Ich fand in dieser Sammlung einige große Highlights und auch sehr viel Augenblicke, bei denen mir beim Vorlesen die Stimme brach, weil es doch sehr viele traurige Momente gibt. Besonders stark fand ich "Der glückliche Prinz", denn hier geht es um eine Schwalbe, die aus einer Statue Rubine, Saphire und Gold unter das Volk bringt, dabei aber die Reise in den warmen Süden verpasst.

Auch die Geschichte namens "Der Fischer und seine Seele" hat sich bei mir eingeprägt, denn hier beschäftigt sich Oscar Wilde mit der Frage, welche Bedeutung die eigene Seele hat und was passiert, wenn man diese von seinem eigenem Körper trennt. Tragisch ist auch die Erzählung namens "Die besondere Rakete", in der sich Feuerwerkskörper auf unterhaltsame Weise miteinander diskutieren.

Diese Märchen sind ganz anders als die altbekannten Erzählungen der Gebrüder Grimm. Es gibt hier selten ein echtes Happy End und sehr viel sehr bittere Momente, in denen Oscar Wilde der Gesellschaft einen Spiegel vors Gesicht hält. Auch die relativ kurzen Gedichte in Prosa, die im Grunde nur sehr kurze Geschichten sind, haben mich nachdenklich gestimmt. Für mich war dieses kleine Büchlein ein wahrer Schatz!

Ich hätte nie gedacht, dass Märchen so tiefgründig, bitter und melancholisch sein können. Für mich war diese Sammlung ein großes Highlight und beim Vorlesen manchmal sogar echt eine Herausforderung! Grandios!

Ich vergebe 5 von 5 mit Extrakäse.

Sonntag, 28. September 2025

[Rezension] Eva - Peter Dickinson

 


Titel: Eva

Autor:  Peter Dickinson

Genre: Roman

Erscheinungsjahr: 1994

Seitenzahl: 320
Cover: © Diogenes
Begonnen: 22.08.2025
Beendet: 27.08.2025

Eva erwacht nach einem schweren Autounfall in einem Krankenhaus. Sie kann nicht sprechen und ihr Körper ist nicht mehr derselbe, denn um sie am Leben zu halten, haben ihre Eltern einem gewagten Experiment zugestimmt. Eva befindet sich nun im Körper eines Schimpansen und das in einer überbevolkerten Welt, in der die Natur kaum noch vorhanden ist ...

Peter Dickinson weist in diesem dystopischen Roman auf Probleme der heutigen Zeit hin. Wir befinden uns in der nahen Zukunft, in der Menschen kaum noch ihre Wohnungen verlassen und den Glauben an die Zukunft verloren haben. Der Planet ist von den Menschen so sehr zerstört worden, dass es kaum noch wilde Natur und dementsprechend auch keine Hoffnung mehr gibt. Doch dann erwacht unsere 13-jährige Protagonistin Eva im Körper eines Schimpansen und wird zum wichtigen Bindeglied zwischen den Menschen und den Tieren.

Der Autor hat hier einen sehr ungewöhnlichen Roman erschaffen, der sich gar nicht so recht in ein einzelnes Genre einordnen lässt. Er wirft viele Fragen auf, denn Eva selbst ist nun weder ein Mensch noch ein richtiger Schimpanse. In der Welt der Menschen wird sie vermarktet und zur Berühmtheit und in der Welt der Schimpansen muss sie erst einmal um Akzeptanz kämpfen. Es stellt sich die Frage, in wessen Händen die Zukunft der Erde liegt.

Dieser Roman regt zum Nachdenken an und zwingt den Leser förmlich, sich mit ungemütlichen, aber sehr wichtigen Themen zu beschäftigen. Auch der Blickwinkel auf die Menschheit, die sich für klug und überlegen hält, verändert sich hier beim Lesen. Für mich war dieses Buch eine echte Bereicherung, sowohl vom reinen Lesegenuss her als auch von der Botschaft!


"Eva" ist ein ungewöhnlicher Roman, der uns jene Zukunft entführt, der wir uns im Rekordtempo bereits nähern. Eine nachdenklich stimmende, sehr originelle Geschichte!

Ich vergebe 5 von 5.

Samstag, 27. September 2025

[Rezension] Sturmopfer: Ein Boot. Drei Vermisste. Eine fatale Entscheidung - Sam Lloyd

 


Titel: Sturmopfer: Ein Boot. Drei Vermisste. Eine fatale Entscheidung

Autor:  Sam Lloyd

Genre: Psychothriller, Thriller

Erscheinungsjahr: 2022

Seitenzahl: 435
Cover: © Rowohlt
Begonnen: 22.08.2025
Beendet: 26.08.2025


Ein Sturm zieht auf und Lucys Leben ändert sich mit einem Schlag als das Segelboot ihres Mannes angespült wird. Von Daniel fehlt jede Spur und es scheint, dass auch ihre beiden Kinder an Bord waren. Nach und nach findet Lucy heraus, was an Bord der Lazy Susan passiert ist und dass sie selbst eine wichtige Rolle in dieser Tragödie spielt.

"Sturmopfer" von Sam Lloyd besitzt von der ersten Seite an einen sehr hohen Spannungsbogen. Wir erfahren, dass sich die Familie gerade vor einer finanziellen Krise steht und dadurch stellt sich die Frage, ob die Bootstragödie vielleicht nur inszeniert ist, um an die Lebensversicherung zu gelangen. Doch wo sind dann die Kinder?

Das Buch besitzt eine gute Dynamik durch die kurzen, sehr fesselnden Kapitel, die zahlreichen Cliffhanger und die Wendungen. Der Autor legt den Fokus auf die Spannung, wodurch die Charaktere selbst allerdings ein wenig zu kurz und mir als Leser nicht so wirklich nahe kamen. Natürlich gibt es auch einen Ermittler, den ich allerdings nicht unbedingt gebraucht hätte.

Unterhalten hat mich "Sturmopfer" auf jeden Fall gut. Das Ende ist zwar eine Spur zu theatralisch, aber dennoch passend für den hohen Spannungsbogen. Etwas mehr Charaktertiefe hätte es für mich allerdings gebraucht, um den Thriller wirklich länger in Erinnerung zu behalten.



Ein spannungsgeladener Thriller, der nie langweilig wird und den Leser durch die Handlung jagt. Nur die Charaktere hätten für meinen Geschmack noch mehr Tiefe haben können ...

Ich vergebe 4 von 5

Donnerstag, 25. September 2025

[Rezension] Onkel Toms Hütte - Harriet Beecher-Stowe

 


 Titel: Onkel Toms Hütte

Autor:  Harriet Beecher-Stowe

Genre: Roman, Klassiker

Erscheinungsjahr: 2005

Seitenzahl: 198
Cover: © cbj
Begonnen: 20.08.2025
Beendet: 22.08.2025


Im Gegensatz zu vielen anderen Sklaven geht es Tom und seiner Familie bei den Shelbys sehr gut. Doch das soll sich ändern, denn Mr. Shelby ist aufgrund von Schulden gezwungen, mehrere seiner Diener zu verkaufen. Während Eliza mit ihrem Sohn flieht, gibt sich Tom seinem Schicksal hin und kommt zu verschiedenen Besitzern, die ihm sowohl zeigen, wie viel Leid, aber auch wie viel Menschlichkeit es auf dieser Welt gibt.

"Onkel Toms Hütte" gehört wohl zu den Klassikern, die man unbedingt gelesen haben sollte, gelang es der Autorin doch mit ihrem Werk damals, zur Abschaffung des Sklavenhandels beizutragen und damit zu zeigen, was Literatur alles bewirken kann.

Harriet Beecher Stowe katapultiert den Leser direkt in eine Zeit, in der farbige Menschen als Besitz beziehungsweise Sache betrachtet und dementsprechend auch behandelt werden. Sehr anschaulich zeigt sie aber auch, dass die Welt in zwei Lager aufgeteilt war. In diesem Roman gibt es immer wieder Charaktere, die den Menschenhandel kritisch betrachten oder sogar ganz ablehnen.

Erzählt wird nicht nur von Tom, der in jeder Lebenslage das Beste aus seiner Situation macht und sich selbst treu bleibt, sondern auch von anderen Sklaven. Dadurch erschafft die Autorin ein umfangreiches Bild der damaligen Gesellschaft.

"Onkel Toms Hütte" ist ein Buch, bei dem ich von der allerersten Seite an mitfühlen konnte. Die Ungerechtigkeiten dieser Zeit machten mich beim Lesen wütend, gleichzeitig ist es aber schön zu sehen, dass es Leute gibt, die anders denken und ihre Hilfe anbieten. Das Ende hat mir dennoch das Herz zerrissen. Für mich war dieser Klassiker ein großes Highlight und damit ein Buch, das nicht vergessen werden darf!


Ein Buch, das so viel bewegt hat und mittlerweile ein großer Klassiker geworden ist. Für mich ein Highlight, das eine grausame Zeit beschreibt, aber auch von Menschlichkeit erzählt. Ein starkes Buch!


Ich vergebe 5 von 5 mit Extrakäse.

Mittwoch, 24. September 2025

[Rezension] Das Haus der verlorenen Kinder - Serena Mackesy

 


Titel: Das Haus der verlorenen Kinder

Autor:  Serena Mackesy

Genre: Thriller, Roman

Erscheinungsjahr: 208

Seitenzahl: 416
Cover: © Weltbild
Begonnen: 19.08.2025
Beendet: 22.08.2025


Bridget flieht mit ihrer Tochter vor ihrem gewalttätigen Ex und will in Rospetroc Hall noch einmal ganz von vorne anfangen. Dort wird ihr die Stelle der Haushälterin angeboten. Sie soll das unheimliche Gebäude, das an Feriengäste vermietet wird, in Schuss halten. Doch schnell kommt es zu unheimlichen Vorfällen und ihre Tochter Yasmin berichtet von einem Mädchen namens Lily ...

Atmosphärische Gruselromane, die in unheimlichen Spukhäusern spielen, liebe ich und deswegen hat mich auch dieses Buch direkt gepackt. Es wird zum einen von Bridget erzählt, die Probleme mit ihrem Ex hat, der alles daran setzt, sie zu finden und zum anderen von Lilys sehr tragische Vorgeschichte als Evakuierte des Krieges, die einfach kein Zuhause und keine Liebe finden konnte.

Schnell ist bei diesem Buch klar, wer hinter dem Spuk steckt. Dabei geht das Mysteriöse und Rätselhafte leider etwas verloren und die unheimlichen Momente verpuffen recht schnell wieder. Auch das Ende empfand ich als zu einfach für die Geschichte, die zu Beginn hier aufgebaut wird. Es fühlte sich einfach nicht rund an.


Für mich war "Das Haus der verlorenen Kinder" ein eher durchschnittlicher Roman, der anfangs noch eine gute Atmosphäre besaß, aber schnell das Mysteriöse verliert und es sich am Ende viel zu einfach macht ...

Ich vergebe 3 von 5.