Mittwoch, 20. Februar 2019

[Rezension] Nur eine Liste - Siobhan Vivian

Titel: Nur eine Liste
Autor:  Siobhan Vivian
Genre: Roman, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2013
Anzahl der Seiten: 417
Cover und Inhaltsangabe © Ravensburger Buchverlag




"Sie hängt an jeder Wand, an jedem Spind, an jedem Schwarzen Brett: die Liste der Mount Washington Highschool. Niemand weiß, wer sie verfasst hat. Aber die Mädchen, die auf der Liste stehen, sind mit einem Schlag berühmt: als Hübscheste in ihrer Jahrgangsstufe. Oder als Hässlichste. Ob sie wollen oder nicht."




Das Thema Mobbing und Ausgrenzungen aufgrund irgendwelcher Oberflächlichkeiten verfolgt mich bereits mein ganzes Leben. Obwohl mir Bücher solcher Art immer sehr nahe gehen, finde ich es wichtig, diese Problematik unserer Gesellschaft immer wieder anzusprechen - auch wenn ich das Gefühl habe, dass sich dadurch doch recht wenig ändert!

Siobhan Vivian, die ich bereits von meiner absoluten Lieblingsbuchreihe kenne, hat hier ein Jugendbuch verfasst, dass sich mit dem doch sehr sensiblen Thema auseinandersetzt. Dabei geht sie näher auf jene Mädchen ein, die auf der Liste standen und beschreibt, wie sich diese oberflächliche Einteilung in "schön" und "hässlich" doch auf die einzelnen Personen auswirkt.

Ich mochte Siobhan Vivians Schreibstil hier sehr gerne, auch wenn ich mir stellenweise doch noch etwas mehr Tiefgang gewünscht hätte. Gerade bei solch einem wichtigen Thema war mir die Geschichte stellenweise zu seicht und, ironischerweise fast so oberflächlich wie die Liste, die jene schönen Mädchen ehrt und alle "hässlichen" anprangert.




Acht Mädchen stehen auf der Liste und genau um diese acht Mädchen geht es in diesem Buch. Sie alle besitzen eine eigene Geschichte, die aufzeigt, wie sich die Liste auf ihre jeweiligen Leben auswirkt. Da haben wir die "Schönen", die plötzlich an der Schule "gesehen" werden und die "Hässlichen", die plötzlich von jedem verachtet werden.

Dennoch besitzt jedes der Mädchen eine eigene Sicht auf die Dinge. So haben wir in Bridget beispielsweise einen Charakter, der aufzeigt, wie schwer es ist, diesen Druck standzuhalten und "perfekt" zu bleiben, während Sarah, die sich selbst nicht mag, plötzlich rebelliert und allen zeigen will, wie "hässlich" sie wirklich ist.

Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines andere Mädchens verfasst, wodurch zwar viele Blickwinkel enstehen, doch keiner davon intensiv genug betrachtet werden kann. So gibt es zwar im Freundeskreis der Mädchen einige Überschneidungen, aber dennoch besitzen sie alle ihre ganz eigene Geschichte.

Auf der einen Seite empfand ich dies als ungemein interessant, auf der anderen Seite hat mir hier doch der Tiefgang und die Nähe zu den Charakteren gefehlt.




"Nur eine Liste" startet sofort mit der sagenumwobenen Liste, die in diesem Jahr in der Schule umgeht. Nach und nach lernt der Leser die acht Mädchen kennen, die darauf stehen und erfährt, wie sie damit umgehen, öffentlich auf diese Weise beurteilt zu werden.

Da die Kapitel immer aus der Sicht eines der Mädchen verfasst sind, gibt es in diesem Buch keine Protagonistin. Ich fand es sehr interessant, die verschiedenen Blickwinkel zu erfahren, muss aber gestehen, dass mir dadurch keines der Mädchen wirklich nahe gekommen ist.

Interessant fand ich Sarahs und auch Bridgets Geschichte, die aber natürlich durch die vielen anderen Mädchen etwas in den Hintergrund rücken. So bekommen wir als Leser nur bruchstückchenhaft präsentiert, wie die Liste sich nun auf jeden einzelnen auswirkt. Ein wirklich intensiver Einblick war hier durch die vielen Charaktere wohl einfach nicht möglich.

"Nur eine Liste" ist in erster Linie ein Jugendbuch, das einen Denkanstoß geben will, aber nicht belehren möchte. So dient die Geschichte in erster Linie der Unterhaltung. Es geht um Freundschaften, Liebe, Eifersucht und den Druck, sich eine äußere Fassade aufrecht erhalten zu müssen.

Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn ich mir an einigen Stellen doch mehr Tiefgang gewünscht hätte. Auf der einen Seite bin ich zwar froh, dass dieses Buch den Leser in erster Linie unterhalten und nicht in ein tiefes, dunkles Loch ziehen will, auf der anderen Seite war ich jedoch über den Umgang mit diesem doch sehr wichtigen Thema etwas enttäuscht.

Leider wirkt das Buch auch am Ende unrund. Viele Geschichten bleiben unvollendet und dadurch fehlt hier auch ein wenig der Nachklang. "Nur eine Liste" war für mich daher zwar ein "nettes" Jugendbuch - mehr aber leider auch nicht!




"Nur eine Liste" war für mich in erster Linie ein Jugendbuch, das gut unterhält, aber nicht weiß, wie es mit einem solch sensiblen Thema umgehen soll. Es ist in erster Linie eine typische Teenie-Story über Oberflächlichkeiten mit ironischerweise wenig Tiefgang ...

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