Sonntag, 26. Mai 2019

[Abschied] Ich bin dann mal weg ...

Ich hab mich lange vor diesem Beitrag gedrückt und weiß auch gar nicht, ob und wie ich die richtigen Worte finden werde. Wer mich hier oder auf Instagram schon länger verfolgt, wird mitbekommen haben, dass ich alles andere als ein normaler Mensch bin. Ich verabscheue das gesellschaftliche Leben, das Konsumdenken, die allgemeine Frustration und vor allem die Eintönigkeit, die viele Menschen hierzulande doch als "Freiheit" bezeichnen.

Nach unserem letzten Umzug vor 1,5 Jahren wollte ich diesem "normalen" Leben noch eine Chance geben, aber ich habe schnell gemerkt, dass ich hier absolut nicht reinpasse. Im Grunde hatte ich schon vor dem Einzug ein ungutes Gefühl, ja und es hat sich schnell gezeigt, dass ich damit doch richtig lag. (Ich hab wohl doch eine bessere Menschenkenntnis als gedacht ...) Mein Arbeitszimmer, dass ich mir noch mit Elan eingerichtet hatte, wurde von mir schon nach ein paar Monaten nicht benutzt, weil ich doch gemerkt habe, dass ich hier keinerlei Privatsphäre und Ruhe finden kann. Unsere Wohnung haben wir nur minimal eingerichtet, also keine Küche, als Möbel hatten wir nur ein Bett und einen Schreibtisch. Ich mag dieses minimalistische Leben noch immer, habe aber erkannt, dass ich dazu keine Wohnung brauchte, in der ich einfach nicht dieses "Zuhause"-Gefühl habe und ständig nur angespannt bin.

Nachdem ich hier "Rainfield High" noch zu Ende geschrieben hatte, verlief mein nächstes Projekt nicht so gut. Ich habe irgendwann angefangen, jeden Tag wandern zu gehen und draußen zu schreiben und da habe ich gemerkt, wie wenig man doch eigentlich braucht und wie abhängig man doch von vielen Dingen wird. Klar, ich schließe mich da nicht aus, ich mag es auch, auf Netflix Serien zu schauen, neue Bücher zu lesen oder aber einen leckeren Kaffee/Tee zu trinken, aber ich habe keine Lust, diese ganzen Dinge als Selbstverständlich anzusehen. Ja, ich habe keine Lust, mich davon abhängig zu machen!

Ich habe keine Lust, mich jeden Tag zu bemitleiden. Ich wurde 10 Jahre in der Schule gemobbt, hatte keine tolle Kindheit, keine richtige Familie und auch nie Freunde. Aber ich habe trotz viel Kritik, vielen Rückschlägen und ständigen Diskriminierungen nie aufgehört zu kämpfen und an meinen Träumen festzuhalten.

Als sehr introvertierter Autor hatte ich wohl nie so recht Chancen, zumal ich auch eher in einem Randgenre schreibe. Der Markt wird von lauten, extrovertierten Autoren beherrscht und das ist auch gut zu. Ich hatte nie wirklich vor, einen Bestseller zu schreiben oder in der Öffentlichkeit zu stehen. Schade ist, dass in der heutigen Zeit Erfolg nur noch an Geld gemessen wird. In einer solchen Welt mag ich allerdings nicht mehr leben!

Für mich war in den letzten Jahren jeder einzelner Leser ein großer Erfolg! Ich war froh über den persönlichen Austausch und die Unterstützung, die ich von so vielen Menschen erhalten habe. Dafür möchte ich mich bedanken! Leider bin ich immer noch ein Mensch, der sich selbst im Weg steht, der manchmal alles als vollkommen sinnlos betrachtet und sich gerne von der Negativität anderer Leute beeinflussen lässt. Diese Schwäche verabscheue ich, denn ich habe fürchterliche Angst ein ebenso frustrierter und verbitterter Mensch zu werden ... Und genau das ist der Grund, warum ich aus diesem negativen Umfeld heraus MUSS!

Ich bin ein Mensch, der viel Ruhe braucht und der leider auch sehr oft in depressive Phasen verfällt. Ich dachte lange Zeit, dass ich das unter Kontrolle habe, ja, dass es in Ordnung ist, in eine Art Schockstarre zu verfallen und Zeit zu verschwenden. Doch ist Zeit nicht kostbar? Kostbarer als alles andere? Ich möchte diese Zeit nutzen, um mich selbst zu verwirklichen, um das zu machen, was ich wirklich liebe ...

Ich muss lernen, mich nicht dauernd von Dingen, die ich eh nicht ändern konnte, ablenken zu lassen. Kein Mensch kann anderen Leuten den Stock aus dem Popo ziehen, aber man kann diese "normale" Welt ausblenden. Halt habe ich dabei in den letzten Jahren tatsächlich in Büchern gefunden. Und auch wenn mich viele Leute in dieser Hinsicht nicht verstehen, ich habe tatsächlich in Büchern gelebt, bin komplett in ihnen aufgegangen, so wie ich es in der Realität nie konnte.

In den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass mir das Umfeld nicht gut tut, dass ich mit der Wohnung und den Menschen hier einfach nichts zu tun haben will und keine Lust habe, ihnen aus dem Weg zu gehen. Mit meinen fast 30 Jahren habe ich gelernt, Menschen zu ignorieren, die es einfach nicht wert sind und ich habe mir auch eingeredet, dass Karma schon für den nötigen Ausgleich sorgt, aber dennoch bin ich nicht mehr bereit, diese Monotonie jeden Tag mit anzusehen! Ich weiß, dass das Problem bei mir ganz allein liegt, ich bin die, die "anders" ist, die nicht hineinpasst und deswegen ist es an der Zeit, hier einen Schlussstrich zu ziehen. Ich glaube fest daran, dass es irgendwo auf dieser Welt einen Platz gibt, an den ich mich wirklich "zuhause" fühlen kann. Ein Ort, an dem ich schreiben kann, der frei von negativen Menschen ist und vor allem, der einen Platz bietet, an dem ich diesen Blog und auch meine (hoffentlich) zukünftigen Veröffentlichungen wieder realisieren kann!

Ich weiß nicht ob und wann ich diesen Platz gefunden habe und wann ich wieder die Chance bekomme, meine Bücher hier zu rezensieren. Ich möchte mich dennoch bei all meinen treuen Lesern und bei den vielen lieben Bloggerkolleginnen bedanken, die ich hier kennenlernen durfte. Ihr habt mir eine Menge gegeben, viel mehr als sonst jemand in den letzten 30 Jahren. Ihr seid eine echte Familie für mich geworden. Ich hoffe, dass dies nicht das Ende, sondern nur ein Neuanfang ist!

Kommentare:

  1. Meinen größten Respekt vor deinem Schritt - ich wäre froh, wenn ich mich getraut hätte, auszubrechen, denn ich kann alles absolut nachempfinden, was du schreibst und fühlst <3

    Da ich schon sehr früh Kinder hatte, war für mich das "ausbrechen" schwierig, ich habe keinen Mittelweg für mich gefunden und alles auf später verschoben. Tja, jetzt ist später und ich hänge immer noch hier rum ^^ Aber, ich hab mich in den letzten Monaten und ja, Jahren schon eigentlich, viel mit mir selbst und der Gesellschaft beschäftigt und seit einigen Wochen merke ich endlich, endlich!, dass ich zu meiner Mitte finde.
    Ich lasse mich nicht mehr runter ziehen, auch wenn ich für mich weiß wie schlimm/schlecht viele Dinge um mich herum sind und laufen, aber ich konzentriere mich mittlerweile auf mich selbst. Und ich möchte mein Leben nicht mit diesen ständigen negativen Gedanken verbringen. Es war ein weiter, anstrengender Weg bis dahin, aber es freut mich umso mehr, dass er sich endlich auszuzahlen scheint.
    Ich fühle mich gut, ich freue mich an vielen Dingen und die meisten negativen Dinge prallen an mir ab.
    Natürlich könnte es noch viel besser sein, aber das kann es ja immer, nicht wahr ;)

    Was ich damit sagen möchte: ich möchte dir Mut machen für diesen Schritt und ich wünsche dir von Herzen, dass du das findest, wonach du suchst. Aber ich denke, das wirst du. Denn wenn du deinem Herzen folgst und dich dem öffnest, was dich weiterbringt, dann werden plötzlich viele Dinge passieren, mit denen du nicht gerechnet hättest und die deinen Weg immer mehr ebnen werden.

    Die Menschen sind nicht schlecht, sie sind nur gefangen in den vielen Täuschungen und Dogmen, die uns ständig umgeben. Und man findet immer wieder gutes, man muss nur den Blick darauf richten <3

    Ich drücke dir ganz fest die Daumen und hoffe, dass du dich auch mal meldest zwischendurch!

    Alles Gute für dich!
    Aleshanee

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  2. Jessi, Liebes,
    da ich der Meinung bin, dass wir zum aktuellen Punkt alles gesagt und ausgetauscht haben,
    bleibt mir nur, vorerst Abschied zu nehmen, mit einem Tränchen für´s Loslassen und einem
    Tränchen weil ich so stolz auf dich bin. Du kennst meine Gedanken und Wünsche schon.
    Somit: ALLES LIEBE! Und eine feste Umarmung! <3

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  3. Liebe Jessi,

    ich schließe mich hier den Worten der anderen an. Ich weiß gar nicht, was ich dir jetzt auf den Weg mitgeben soll.

    Alles Liebe! Ich hoffe, du findest, was du suchst.

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  4. Ein mutiger Schritt. Ich hoffe, du findest Deinen Weg. Zu erkennen, dass man sich momentan auf dem falschen befindet, ist schon ein unglaublicher Anfang.

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